Mini-Aufmarsch

Am 30. März wurde nicht nur in Berlin gegen eine angebliche „Judaisierung” der israelischen Hauptstadt Jerusalem mobil gemacht. In Stuttgart wurde zu einer Demonstration am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus (!) mobilisiert, hier hielt die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Die Linke) eine Rede.

Ein Aktivist erklärte auf Nachfrage, dass der Ort gewählt worden wäre, „weil sich Israel nicht ein bisschen besser verhält als Nazideutschland”. Die Gleichsetzung zwischen dem deutschen Vernichtungsantisemitismus und der bürgerlichen Demokratie in Israel scheint nicht nur hier ein einender Konsens zu sein. In Göttingen wurde über eine antisemitische Facebook-Seite sogar zu einem Aufmarsch vor der dortigen Synagoge (!) mobilisiert. „ANTI –ISRAEL DEMO am Freitag den 30.3 in Göttingen treffpunkt vor der ‘SYNAGOGE’”, hieß es hier tatsächlich.

Während im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Jordanien zehntausende Kader der verschiedenen antisemitischen Organisationen marschierten, um die Grenzen zu schleifen, waren es in Berlin deutlich weniger Aktivist_innen, die mit Fahnen und Transparenten zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt possierten.

Die Inhalte waren allerdings ähnlich: Der Aufmarsch in Berlin würde sich „gegen die Israelische Besatzung und die zunehmend Verdrängung der Palästinenser aus ihren Häuser (Judaisierung) der palästinensischen Städte insbesondere Jerusalem” richten, hieß es in einem Aufruf, in den internationalen Aufrufen wurde ebenfalls die antisemitische Phrase von der „Judaisierung” benutzt.

In Berlin kamen allerdings nur wenige Demonstrant_innen zusammen. Zu Beginn waren es lediglich zehn Personen, die sich um ein Transparent scharten und palästinensische Fahnen schwenkten. Gegen 14 Uhr waren es dann um die dreißig Personen, die im trüben Berlin gegen die angebliche „Judaisierung” protestierten, ohne dass es zu Protesten gekommen wäre. Hier blieben die Israel-Hasser unter sich. Das regnerische Wetter sorgte für nasse Gesichter, die Polizei und einzelne Tourist_innen waren die einzigen Personen, die dem Mini-Aufmarsch der Israel-Hasser Beachtung schenkten.

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