Kategorie: Fernsehen

Der Prozess

Am Montag, den 25.02.2013, stand ein Mensch vor Gericht, weil er keine Fernsehgebühren bezahlt hatte. Im britischen Horsham fand ein Prozess gegen Tony Rooke statt, bei dem es eigentlich nur Fernsehgebühren gehen sollte. Doch es ging auch um die Ereignisse 11. September 2001 und eine gigantische Fernseh-Verschwörung, an die Rooke zu glauben scheint.

In Großbritannien muss man ebenfalls Fernsehgebühren zahlen, mit denen die British Broadcasting Company (BBC) finanziert wird. Rooke hatte die Zahlung dieser Gebühren eingestellt und sich wenig später von einem Kontrolleur erwischen lassen. Gegen einen Zahlungsbefehl legte er einen Widerspruch ein. Rooke wollte das resultierende Gerichtsverfahren vor dem Magistrates Court, um sich als Ankläger aufzuspielen. Dem Angeklagten ging es darum, die BBC der Beihilfe zum Terrorismus zu beschuldigen. Dabei berief er sich auf Paragraph 15, Artikel 3, des „Terrorism Act 2000“, in dem es um die Finanzierung von terroristischen Gruppierungen geht.

Tony Rooke macht die BBC zu einer terroristischen Gruppierung, weil diese angeblich die Hintergründen des 11. September 2001 verschweigen und all diejenigen diffamieren würde, die die Wahrheit ans Licht bringen wollten. Dabei geht es auch um zwei Dokumentationen der BBC, die die Verschwörungsideologen und ihre Konstrukte kritisch beleuchten. Damit war der Sender ins Fadenkreuz der Verschwörungsgläubigen geraten.

Dem Verschwörungsgläubigen ging es vor dem Magistrates Court um seine Sache: Der Aktivist der verschwörungsideologischen Gruppe „Christians for 9/11 Truth“ glaubt, dass die britische „Mainstream-Medien“ ein Teil der gigantischen Verschwörung seien, die er für die Ereignisse des 11. September 2001 verantwortlich macht.

Auf der Internetseite seiner christlich-fundamentalistischen Sekte werden daher Martin Luther King und Jesus Christus in Stellung gebracht, um über die angeblichen Hintergründe des 11. September aufzuklären. Seinen Prozess wollte er zum Fanal machen, mit dem die angebliche Wahrheit ans Licht kommen sollte. Der Truther wurde dabei von verschiedenen Verschwörungsideologen unterstützt, die vor Gericht als Zeugen aussagen sollten.

Der dänische Verschwörungsideologe Niels Holger Harrit, der ein Begründer der so genannten und vielfach widerlegten „Nanothermit-Theorie“ ist, war nach Hersham gereist. Der britische Truther Ian Henshall, der sich gerne über den angeblichen Einfluss von „jüdischen Gruppen“ erregt und die Unterstützung durch den britischen Nationalsozialisten Martin Webster lediglich aus taktischen Gründen ablehnt, war ebenfalls anwesend, um als Zeugen aufgetreten.

Als Kameramann trat der norwegische Verschwörungsideologe Torstein Viddal auf, der bis 2010 ein Mitglied der rechtspopulistischen „Fremskrittspartiet“ (FrP) war. Viddal erregte in letzter Zeit einiges Aufsehen, als er heimlich das Abschlussstatement des Anders Behring Breivik aufnahm und über Youtube verbreitete. Er macht diesen Massenmörder zum „Zionisten“ und erfreut auf diese Weise die Antisemiten in aller Welt. Viddal propagiert dabei das Konstrukt einer zionistischen Weltverschwörung, die die Massenmedien kontrollieren würde. Diese angebliche Verschwörung sei außerdem – direkt oder indirekt — für verschiedene Anschläge verantwortlich.

Die Zeugen und der Kameramann, der sie vor dem Gerichtsgebäude befragte, glauben wie ihr Kompagnon Rooke, dass die BBC bereits vor dem 11. September 2001 über den Ablauf und die Hintergründe der Anschläge informiert war. Sie glauben an die machtvolle Verschwörung, die Politik und Presse kontrolliert und dabei über Leichen geht. Die eigentlichen Täter des 11. September 2001, jene islamofaschistischen Rackets, die damals etwa 3000 Menschen ermordeten, werden vom ihnen entlastet. Sie schreiben dafür eine ganz andere Geschichte, in denen sie selbst als Helden auftreten. Dabei inszenieren sie sich als Aufklärer und Wahrheitssuchende, die diese angebliche Wahrheit gegen alle Widerstände vor Gericht und ans Licht zerren.

Vor dem Prozess hatte man daher Texte verfasst, mit denen der Angeklagte zum Ankläger gemacht wurde. So suggerierte Michel Chossudovsky, dass die BBC „wegen Manipulation von Beweisen und einseitiger Berichterstattung im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 vor Gericht“ stehen würde. Nichts davon ist wahr.

Unterstützung gab es auch aus Deutschland. Der Text des antisemitischen Autors wurde ab dem 24.02.2013 auf der Internetseite des rechtslastigen Kopp-Verlages verbreitet. Einen Tag später griff ein Autor der nationalbolschewistischen Tageszeitung junge Welt das Thema auf. Dort wurde der Verschwörungsgläubige zum „Terrorismusverweigerer des Tages“ gemacht. Dort wurde die Hoffnung geäußert, dass die „Verantwortlichen zur Rechenschaft“ gezogen werden. Ähnliche Äußerungen waren auf zahlreichen Internetseiten des Verschwörungsmilieus zu lesen.

Vor Prozessbeginn hatte sich die Gemeinde der Verschwörungsgläubigen vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Etwa 100 Unterstützerinnen und Unterstützer waren eingetroffen, um die angekarrten Zeugen zu hören, die über die Ereignisse des 11. September berichten sollten. Doch dazu kam es nicht. Richter Stephen Nicholls befand Rooke für schuldig. Er muss nun 200 Pfund Verfahrenskosten zahlen. Die eigens eingeflogenen Zeugen kamen nicht zu Wort.

Sicherlich ist das nicht das Ergebnis, von dem die Verschwörungsgläubigen geträumt haben. Daher tun sie nun das, was sie am besten können: Sie deuten die Ereignisse um und blenden die Fakten aus, die nicht mit ihrer Umdeutung übereinstimmen.

Im „American Freedom Radio“ berichtete Rooke und sein Kompagnon Henshall stolz darüber, wie sie den Richter überzeugt hätten. Rooke war in der Sendung des Kevin Barrett zu hören, der von der Anti Defamation-League als einer der bekanntesten Köpfe der antisemitischen Verschwörungsmythen zum 11. September 2001 bezeichnet wird. Auf den Prozess folgten zahlreiche Jubelartikel. Da wurde die Verteilung zum historischen Triumph gemacht. Die Niederlage wurde zum Sieg des Angeklagten umgedeutet.

Die größten Falschbehauptungen finden sich in einem deutschen Jubelartikel. Dort wird die Verurteilung verschwiegen und eine ganze Hauptverhandlung erfunden, von der noch nicht einmal die britischen Truther sprechen:

Rooke wurde nicht abgeurteilt. Stattdessen setzte der Richter den Termin zu einer umfassenden Hauptverhandlung an. Damit wird es jetzt allmählich eng für die BBC, denn nun werden verschiedene international anerkannte Wissenschaftler und weitere Zeugen angehört werden.

Man muss schon ein sehr spezielles Verhältnis zur Realität haben, wenn man aus einer Verurteilung einen Sieg des Angeklagten fabriziert.

Tony Rooke ist nun auf der Suche nach den nächsten Verschwörungsgläubigen, die keine Fernsehgebühren mehr zahlen. Es könnte also in naher Zukunft weitere Verurteilungen geben, die dann in einen Sieg umgedichtet werden, um die Märchen von der Fernseh-Verschwörung zu verbreiten.

Legende vom Vorwissen

Die Autoren, die sich mit dem 11. September 2001 befassen und dabei den ein oder anderen Mythos vom „Inside Job” in die Welt posaunen, machen es sich einfach. Da werden verkürzte, verfälschte und gefälschte Zitaten genutzt, um den Mythos von der Verschwörung zu spinnen, die für alles — und eben auch für islamfaschistischen Anschläge des 11. September 2001 — verantwortlich sein soll.

Da werden aber auch amerikanische Filme und Serien mit einer manischen Pedanterie nach angeblichen Beweisen durchsucht, mit denen man davon überzeugen will, dass in Wirklichkeit eine mysteriöse Verschwörung für die Anschläge verantwortlich wäre. Dieser angeblichen Verschwörung wird eine ungeheuere Macht nachgesagt.

Sie kontrollieren, so behauptet es der Verschwörungsautor, sogar die Filmindustrie und das Fernsehen. Schließlich habe die angeblichen Konspirateure — Jahre vor dem 11. September 2001 — in verschiedensten Filmen und Serien Hinweise hinterlassen. Die Verschwörungsideologen, die im Gewand des allwissenden Aufklärers auftreten, weisen in ihren Büchern auf diese angeblichen Hinweise hin, die sie entdeckt haben wollen.

Der verschwörungsideologische Autor Gerhard Wisnewski, dessen Bücher im bekannten und renommierten Knaur-Verlag erscheinen, schreibt zum Beispiel in seinem neuesten Buch über über einige Filme, die er mit den Ereignissen in Verbindung bringt.

Wisnewski beschäftigt sich dort unter anderem mit dem Science Fiction Film „Independence Day”, der eine Alien-Invasion zeigt. Der Film stammt aus dem Jahr 1996 und zeigt in bombastischen Bildern, wie die großen Städte der Welt durch riesige Raumschiffe, die einen gigantischen Laserstrahl einsetzen, vollkommen zerstört werden. Dabei ist auch zu sehen, wie New York durch Feuerbälle und gigantische Explosionen vernichtet wird.

Für Gerhard Wisnewski sind diese Szenen ein Hinweis, weil „man” angeblich „genau die gleichen Rauchwolken durch die Straßenschluchten wabern“sieht, „wie später am 11. September 2001“. Wisnewski ist daher überzeugt: Für ihn sind die Ereignisse des 11. September 2001 „in Teilen ein Remake von Independence Day“.

Mit dieser Behauptung kann Wisnewski an eine Legende anknüpfen, die von verschiedenen Verschwörungsideologen verbreitet wird, die dabei auch auf andere Filmen und Serien zurückgreifen. Es handelt sich um die Legende vom Vorwissen, die nicht nur mit diesem Film belegt werden soll.

Einige Verschwörungsgläubige glauben zum Beispiel, dass in dem Film „Super Mario Brothers”, der aus dem Jahr 1993 stammt, der 11. September 2001 verhergesagt wurde, weil dort zu sehen ist, wie sich das World Trade Center in ein Gebäude des Bösewichts verwandelt. Nun kursiert ein kurzer Filmschnippsel, mit dem die Behauptung belegt werden soll, dass die Anschläge vorausgeahnt worden seien.

Manche Verschwörungsgläubige verweisen wiederum auf das Akte X Spin Off „Die einsamen Schützen”. Der Pilotfilm dieser kurzlebigen Serie zeigte vor den Anschlägen des 11. September auch einen Plan, mit dem ein Flugzeug ins World Trade Center gesteuert werden soll.

Andere Verschwörungsgläubige sind in der Fernsehserie „Die Simpsons” fündig geworden. In der Folge „Homer in New York”, die aus dem Jahr 1997 stammt, ist eine Werbeanzeige zu sehen, mit der die Gläubigen die Mythen zum 11. September 2001 belegen wollen. Die Anzeige eines Busunternehmens zeigt nämlich eine 9, im Hintergrund sind die Zwillingstürme zu sehen. Für einige Verschwörungsgläubige ist mit dieser durchaus beliebten Numerologie der letztendliche Beweis erbracht, das die Produzenten der Fernsehserie „lange im Vorraus über die angeblichjen Terroranschläge vom 11.09.2001 bescheid wussten”.

Auf diese Weise wird die Legende vom Vorwissen gesponnen. Mit plumper Numerologie, verfälschten Deutungen und der ein oder anderen Serie soll das Konstrukt der gigantischen Verschwörung untermauert werden, an der sogar der Simpsons Produzent Matt Groening, der Akte X-Macher Chris Carter und der Independence Day Regisseur Roland Emerich beteiligt sein könnte. Die Märchenerzähler zum 11. September werden sicherlich noch weitere Filme und Fernsehserien entdecken, mit denen sie ihre Mythen belegen wollen. Schließlich werden auch in anderen Filmen Gebäude und Städte zerstört.

Letzendlich werden hier Gedanken aufgegriffen, die bereits für vorherigen Weltverschwörungsideen konstitutiv waren. In den Werken der Verschwörungsindustrie wurde bereits Anfang des letzten Jahrhunderts behauptet, dass die angebliche Verschwörung die Medien kontrollieren würden und ganze Städte in die Lufts sprengen könne. Die heutigen Autoren, die die Ereignisse des 11. September benutzen,  scheinen an diesen Wahn anzuknüpfen.

In ihrem Konstrukt werden die großen Medien ebenfalls durch die übermächtige Verschwörung dominiert, die sogar so dreist ist, Jahre vor den Anschlägen bestimmte Hinweise in harmlosen Spielfilmen und Serien zu hinterlassen, bevor sie zur Sprengung schritt. Letzendlich knüpfen also auch heutige Verschwörungsideologen an die Wahnideen an, die bereits von ihren geistigen Ahnen beworben wurden.

Die Gerhard Wisnewski Zitate stammen aus folgendem Buch: Operation 9/11– Der Wahrheit auf der Spur. Knaur Taschebuch Verlag. München, 2011. Seite 227 ff.

Untergangsmythen

Am 14. April 1912 streifte das zum damaligen Zeitpunkt größte Passagierschiff der Welt einen Eisberg und versank im Atlantik. Etwa 1500 Menschen fanden den Tod. Schnell wurde der die Titanic zum Handlungsort zahlreicher Spielfilme und Romane.

Bereits im Jahr des Untergangs entstand der Stummfilm „Saved from Titanic“, in dem Dorothy Gibson, die den Untergang überlebt hatte, die Hauptrolle übernahm. In den Jahrzehnten nach dem Untergang erschienen Spielfilme, Dokumentationen, Sachbücher und Sensationsromane.

Einiges wurde hundertjährigen Jubiläum erneut auf den Markt gebrach. Noch einmal durfte sich Jack Dawson in James Camerons Kinofilm zum „König der Welt“ machen. Noch einmal versank die Titanic in diesem romantischen Kitschspektakel in den eisigen Fluten. Wer noch nicht genug hat kann die zahlreichen Ausstellungen begutachten, Dokumentationen auf N24 anschauen, Computerspiele spielen und Bücher verschlingen, die sich mit dem Untergang des Schiffes befassen und in denen oftmals an die Herzen gehenden Geschichten verbreitet werden.

Die Katastrophe ist aber auch eine Grundlage für verschiedene Mythen, die bereits kurz nach dem Untergang verbreitet wurden und die zum hundertjährigen Jubiläum eine Renaissance erleben dürfen. Bereits kurz nach dem Unglück wollte der ehemalige Seemann Peter Pryal den Kapitän der Titanic, Edward John Smith, gleich zweimal auf den Straßen Baltimores entdeckt haben, obwohl er doch mit dem Ozeanriesen untergegangen war.

Zur Freude der Klatschpresse stellte Pryal auf diese Weise den Tod auf der Titanic in Frage. Die damaligen Revolverblätter verbreiteten dieses Märchen nur zu gerne. Sie betrieben einen Scheckbuchjournalismus und kauften die kruden Geschichten von vermeintlichen Zeugen ein, die für ihre Behauptungen gut bezahlt wurden. Wenn keine Zeugen aufzutreiben waren, wurden einfach Geschichten erfunden. So verbreiteten sich Mythen und Märchen, die bis heute bekannt sind.

Der deutsche Doktor Friedrich Carl Quitzrau, der auf dem Schiff Mount Temple nach Kanada reiste, behauptete zum Beispiel, dass dieses Schiff der Titanic nicht zu Hilfe geeilt sei und stattdessen mit abgedunkelten Lichtern das Sterben beobachtet hätte. Die zeitgenössische Presse griff diese Behauptungen auf und Quitzrau hatte seinen kurzweiligen Zeitungsruhm.

Ernest Gill, ein Seemann von der Californian, verkaufte sich wiederum an die Bostoner Presse und behauptete, man habe von diesem Schiff den Untergang der Titanic beobachtet, ohne zu Hilfe zu eilen. Für etwas mehr als eine handvoll Dollar und ein wenig Ruhm schienen diese vermeintlichen Zeugen zu jeder Behauptung bereit zu sein. Hinzu kamen Falschmeldungen über unglaubliche Reichtümer und über angebliche Geschwindigkeitsrekorde, die durch verschiedene Presseagenturen verbreitet wurden und in die damaligen Spielfilme zum Untergang einflossen, mit denen auch antisemitische, anti-amerikanische und anti-britische Propaganda betrieben wurde.

In dem nationalsozialistischen Propagandafilm „Titanic“, der im Jahr 1943 gedreht wurde, wird der Untergang auf das Wirken der „Börsenspekulanten“ zurückgeführt, die die Titanic in ein Eismeer rasen lassen. „Das Geld ist der einzige Wert, an den ich glaube“, sagt der amerikanische Industrielle John Jacob Astor dort. Der Film, der auf einen vor, während und nach dem  Nationalsozialismus populären Sensationsroman des Autoren Josef Pelz von Felinau zurückgeht, sah sich derweil als „ewige Anklage gegen Englands Gewinnsucht“.

In diesem Machwerk agierte der deutsche Held Petersen gegen die angebliche „Weltordnung“ der„Spekulanten“. Der Nazi-Film, für den die Deutschen nach Kriegsende anstanden, verbreite einige Mythen, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen: So wird dort zum Beispiel die Behauptung aufgestellt, dass die Titanic die schnellstmögliche Überquerung des Atlantiks zum Ziel gehabt hätte, um das imaginäre „Blaue Band“ zu gewinnen. Dabei war das schon aus technischen Gründen nicht möglich. Die Titanic hätte niemals die Geschwindigkeit erreichen können, die dafür notwendig gewesen wäre.

Später gingen allerlei verschwörungsideologische Goldgräber mit ihren Mythen über die Titanic hausieren und bezeugten bevorzugt Geschichten, die der Vater oder der Großvater von einem mittlerweile verstorbenen Zeitzeugen erfahren haben sollte. So erlangte William Diebel seine zwei Minuten Fernsehruhm. Er munkelte im September 1987 in der Fernsehsendung „Return of the Titanic“, die von Telly „Kojak“ Savalas moderiert wurde, von einer Geschichte, die seinem Vater im ersten Weltkrieg zu Ohren gekommen war: „Er behauptete, dass die Titanic in Wirklichkeit nie einen Eisberg gerammt hat. In Wirklichkeit sank sie aufgrund einer Explosion“.

Verschwörungsideologen konstruieren mit derartigen Märchen nun den Mythos eines gigantischen Versicherungsbetrugs, der gerne auch mit gewaltigen Explosionen und einem angeblich nicht vorhandenen Eisberg angereichert wird. Für viele Verschwörungsgläubige ist die echte Titanic niemals untergegangen. Stattdessen wurde sie durch ihr Schwesterschiff, die beschädigte Olympic, ausgetauscht und versenkt. Der gigantische Versicherungsbetrug wird zumeist einer Person angelastet, der Besitzer des Firmen-Konglomerats war, das die Titanic produzierte.

Es handelt sich um den amerikanischen Bankier J.P. Morgan, der in seiner Zeit nicht nur hohe Profite realisierte, sondern auch zum bevorzugten Hassobjekt verschiedener Anti-Amerikaner avancierte, die sich über dessen Knollennase belustigten und ihm eine Allmacht nachsagten, die dieser in der Realität nie besaß. Eigentlich wollte Morgan mit der Titanic reisen, hatte diese Reise jedoch abgesagt und vergnügte sich lieber im französischen Aix-les-Bains mit seiner Geliebten. Für Verschwörungsgläubige ist dieses belanglose Ereignis ein Hinweis darauf, dass Morgan aus guten Gründen auf die Reise verzichtet hätte. Schließlich sei er an der angeblichen „Verschwörung“ beteiligt gewesen, der die Titanic zum Opfer fiel.

Derartige Mythen wurden durch Robin Gardiner und Dan van der Vat popularisiert, die mit ihren Büchern die „Geschichte eines gigantischen Versicherungsbetrugs“. erzählen wollten. Das Buch über die angebliche „Titanic-Verschwörung“ erschien 1996 im renommierten Goldmann-Verlag. Hier verbreiteten Gardiner und Van der Vat ihre „Verschwörungstheorie“, in dem sie allerlei Mythen mit technischen Details, Gesellschaftstratsch und historischen Fakten vermischten. Hinzu kamen die typischen Suggestivfragen, mit denen – wie so oft – die Existenz einer Verschwörung nahe gelegt wird. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Titanic in Wirklichkeit die beschädigte Olympic gewesen sein könnte. Die Eigner der Schiffe hätten einen „Austausch“ vorgenommen und die falsche Titanic  – mehr oder weniger bewusst – untergehen lassen.

Mit dieser Idee konnte auch ein anti-amerikanisches Ressentiment bedient werden. In den Büchern dieser Verschwörungsideologen wird der amerikanische Bankier Morgan als übermächtiger,„ausländischer Raubritter“ und „Hai“ gezeichnet, der seine angeblich „unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten“ eingesetzt hätte, um „Macht und Profit zu erlangen“. So bleiben die Fakten auf der Strecke. Zwar schildern Gardiner und van der Vat recht akkurat den Untergang und die daran anschließenden Untersuchungen, müssen aber verständlicherweise jeden Beweis für den vermeintlichen Versicherungsbetrug schuldig bleiben und sich auf Gerüchte über J.P. Morgan beschränken. Es bleibt bei Suggestivfragen und Mutmaßungen, mit denen die beiden Autoren jedoch ihren Teil dazu beigetragen haben, dass dieser Verschwörungsmythos über die Titanic bekannt wurde.

Verschiedene Verschwörungsideologen haben sich nach dieser Lektüre ausführlicher mit der Katastrophe befasst und die Werke ihrer Vorgänger benutzt, um ähnliche oder sogar noch waghalsigere Verschwörungsmythen zu propagieren. In diesem Jahr veröffentlichte beispielsweise Gerhard Wisnewski sein Buch über die angebliche Verschwörung, der er ein „Attentat“ auf die Titanic nachsagt. So gebührt ihm der zweifelhafte Verdienst, die Verschwörungsmythen seiner Vorgänger radikalisiert zu haben.

In seinem Buch beruft sich Wisnewski immer wieder auf seine geistigen Vorgänger, die in seinem Buch zu „Titanic-Experten“ mutieren. Der deutsche Verschwörungsideologe, der in diesem Jahr zur Privataudienz mit dem iranischen Holocaustleugner und Antisemiten Ahmadinedschad reiste, bietet gleich mehrere Erklärungsansätze, mit denen er den Untergang des Dampfers verklärt.

Doch zunächst beschäftigt Wisnewski sich mit seinem „liebsten Propagadafilm“. Gemeint ist die berühmte Titanic Verfilmung des John Cameron, der ihn und andere zum „Opfer einer ausgeklügelten Propagandaaktion“ gemacht hätte. Rose, deren fiktive Geschichte im Spielfilm zum Leben erweckt wird, sei „mit dem Nimbus einer Holocaustüberlebenden ausgestattet“, behauptet Wisnewski. Nun versucht Wisnewski den Beweis zu erbringen, dass dieser Spielkitschfilm nicht unbedingt auf historischen Fakten beruht. So möchte Wisnewski den Zweifel am Untergangshergang wecken. Auf eine ähnliche Weise nutzt er die Aquarelle des Künstlers Ken Marschall, auf denen er Beweise für seine wahnwitzigen Verschwörungsideen gefunden haben möchte.

Schnell ist eine erste Erklärung ausgebreitet, die noch schneller durch eine weitere Erklärung ersetzt wird. In Wirklichkeit sei die Titanic im Rahmen eines „verdeckten Krieges“ zwischen England und den USA versenkt worden. Letztendlich geht es aber um einen noch perfideren Plan, bei dem mittels „Bombe im Bauch“eine „Explosion“ verübt wird, um die Titanic, die eigentlich die Olympic ist, „planmäßig absaufen“ zu lassen.

Dafür wurde die falsche Titanic durch einen „irren Kapitän“ in ein „Mienenfeld“ aus Eis gesteuert,  um die passende „Kulisse“ für das „’Massaker’ unter Amerikas reichsten Männern“ zu erzeugen. Währenddessen werden „die Passagiere bei einem fröhlichen Besäufnis abgefüllt“. Danach habe eine „schaurige Selektion” stattgefunden. Natürlich hat die „bewaffnete Bande“, mit Kapitän Smith als Anführer, in Wirklichkeit überlebt. Das ist die Kurzfassung des Märchens, das einem von Gerhard Wisnewski, auf mehr als 400 qualvoll zu lesenden Seiten, aufgetischt wird.

Dabei identifiziert Wisnewski auch Verantwortliche. Er präsentiert den üblichen Bösewicht, der jedoch nur einen Oberbösewicht repräsentiert. Wie so oft in der einschlägigen Verschwörungsliteratur, wird der Industrielle Morgan als „grausamer, angriffslustiger Finanzmann“ gezeichnet, der „Geld aus dem Nichts schaffen“ konnte, für die damaligen kapitalistischen Krisen verantwortlich gemacht wird und „jeden Knochen bis auf die Knochenhaut“ abnagt.

Mit seiner Version des Morgan-Mythos überschreitet Wisnewski, der mit seinen Machwerken bereits possierliche Mythen über den Unfalltod von Jörg Haider, die islamofaschistischen Angriffe des 11. September 2001 und die Mondlandung verbreitete, allerdings noch eine weitere Grenze. Schließlich möchte Wisnewski einen Hintermann ausgemacht haben, den er verantwortlich macht. Wisnewski kolportiert die Behauptung, dass Morgan nur der „US-Statthalter der Rothschilds gewesen“ sei und beruft sich in diesem Kontext auf den fanatischen Antisemiten Eustace Mullins, der Jüdinnen und Juden in schlimmster NS-Tradition als „Parasiten“ bezeichnete.

Um das Märchen vom „Attentat“ glaubwürdig erscheinen zu lassen, macht Wisnewski die Überlebenden unglaubwürdig, die von diesem angeblichen „Attentat“ nichts mitbekommen haben. Der eine Überlebende hätte an „selektiver Demenz“ gelitten, der andere sei betrunken gewesen, wieder andere hätten eventuell „Anweisungen“ bekommen. Sie hätten gelogen, sich „wie ertappte Verbrecher“ verhalten oder heißen Rosenbaum. Viele Erinnerungen von Überlebenden könne man „getrost ins Reich der Phantasie verweisen“, behauptet Wisnewski, der die Überlebenden unglaubwürdig machen muss, weil ihre Erinnerungen oftmals seinem Verschwörungskonstrukt vom „Attentat“ widersprechen.

Dafür werden die Märchen und die Geschichten, mit dem der ein oder andere Zeitgenosse nach dem Untergang der Titanic ein kleines bisschen Bekanntheit erlangen wollte, in aller Ausführlichkeit präsentiert. Außerdem dürfen die Märchenerzähler noch einmal eine Wiederauferstehung erleben. Ihre Geschichten, die sie vom Vater oder Großvater erfahren haben wollten, wurden bereits in Gardiners Buch und in den anderen Machwerken der Verschwörungsindustrie recycelt. Nun bedient sich Wisnewski, um den Mythos vom „Attentat” zu spinnen. Zusätzlich pickt Wisnewski ganz selektiv einige wenige Fakten heraus, die seinen Verklärungsansatz dienlich sind. Doch grundsätzlich werden diese Verschwörungsmythen zum Untergang der „Titanic“ durch die seriöse Forschung widerlegt.

Es ist der irrationale Glaube an die angebliche Weltverschwörung, der die Verschwörungsfans, die sich auf den Spuren ihrer Vorfahren bewegen, auch im Falle der Titanic begeistert. Der Untergang der Titanic ist, wie die Angriffe des 11. September 2001, nur ein Anlass, mit dem der Glaube an die Weltverschwörung belegt werden soll. Die Verschwörungsbücher zum Untergang können ein Baustein für die Verschwörungskonstrukte sein.

Daher werden weitere Filme und Bücher über den angeblichen Versicherungsbetrug oder das vermeintliche Attentat auf die Titanic produziert werden. In diesen Machwerken wird sich jedoch nur der Wahn offenbaren, der die alten Mythen aufs Neue reproduziert, um die vermeintlichen Verantwortlichen ins Fadenkreuz zu nehmen.

Reichsbandbreite

Am Donnerstag, den 26.07.2012 zeigte der Spartensender ZDF Neo einen weiteren Teil seiner Reihe „Wild Germany”. Diesmal ging es nicht um Metal, Crystal-Meth oder Satanismus, sondern um das Milieu der selbsternannten „Reichsbürger”. Diese glauben tatsächlich, dass das „Deutsche Reich” bis heute existiert. Sie haben zahlreiche Pseudo-Institutionen geschaffen.

Es gibt verschiedene „Reichskanzler” und„Reichsregierungen”, die miteinander konkurrieren. Sie versorgen ihre Anhänger_innen mit Ausweisen, Nummernschildern und anderen Devotionalien. Diese Pseudo-Dokumente können zum Beispiel über eine „Reichsmeldestelle” beantragt werden. Ein „Reichspersonenausweis” kostet 50 Euro, ebensoviel wird für einen „Reichsführerschein” verlangt.

Die Ideologie der Fans des „Deutschen Reiches” wirkt auch auf weite Teile der Verschwörungsszene. Hier gibt es eine wechselseitige ideologische Übereinstimmung. Inbesondere die Behauptung, dass es sich bei der Bundesrepublik Deutschland in Wirklichkeit nur um eine Firma der Alliierten handeln würde, erfreut auch „Truther” und „Infokrieger”, die sich ansonsten mit der Umdeutung des 11. September, der angeblichen Macht der Rothschild-Familie oder mysteriösen Erdbebenwaffen befassen.

Dort ist die Phrase von der „BRD-GmbH” außerordentlich weit verbreitet. So reimt der Verschwörungsrapper „Guantana Mohr” in seinem Lied „Besatzungsmächte Raus“ über die „BRD-GmbH”. Auf zahlreichen Internetseiten der „Infokrieger” wird der Mythos von der „BRD-GmbH” ebenfalls beworben.

Der Reporter Manuel Möglich besuchte nun für den Spartensender des ZDF verschiedene „Reichsbürger” und ließ sie in seiner Dokumentation ausführlich zu Wort kommen. Er interviewte „Reichskanzler” Norbert Schittke und zukünftige „Reichsbürger”. Außerdem besuchte er einige Veranstaltungen, auf denen die „Reichsbürger” ihre krude, deutsche Ideologie vorstellten.

Einer dieser Besuche führte Möglich in eine Werbeveranstaltung der „Exilregierung Deutsches Reich”. Dort informierte Alexander Schlowak, der als„Innenminister der Exil Regierung des Deutschen Reiches” in Erscheinung tritt, über seine Kleinst-Organisation. Der „Reichsbürger”, der in Berlin „auf dem Gebiet der Finanzdienstleistung und dem Versicherungswesen” tätig ist , eröffnete seinen Vortrag mit einem Lied, das zur Hymne zahlreicher Verschwörungsfans geworden ist.

„Was ist los in diesem Land” stammt von der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite”. Das Lied zeichnet sich nicht nur durch einen positiven Bezug auf Deutschland aus, das von „Banken und Bonzen”kaputtgemacht werden würde, sondern stilisiert dieses wahnsinnig gefährliche Land auch noch zum„Vasallen der USA”. Im Video zum Lied ist eine Dose Zyklon B zu sehen: Währenddessen reimt die Band über einen „Völkermord” in Afghanistan. Auf diese Weise wird die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden verharmlost und die Singularität der Shoa in Frage gestellt. Politiker werden als „verhurte Volksvertreter” bezeichnet, während im weinerlichen, moralisierenden Tonfall von „Mama” gejammert wird:

Ich seh’ mich um in meinem Land, Mama weiß nicht mehr wie es weitergeht.

Kein Wunder, dass sich auch Nazis für das Lied der Band begeistern. Es sind nicht nur die „Reichsbürger” der „Exilregierung Deutsches Reich”, sondern auch die Nazis der NPD, die die Band in den höchsten Tönen loben.

Sie würde beim „mu­si­zie­ren in­ter­es­san­te und auf­schluß­rei­che welt­an­schau­li­che Ele­men­te“ auf­grei­fen, heißt es in einem Werbeartikel der NPD-Hamburg. Die sächsische Landtagsabgeordnete Gitte Schüssler veröffentlichte ebenfalls Werbung. Ge­ne­rell würde die Band „sehr viele in­ter­es­san­te In­for­ma­tio­nen ver­packt (…) in ein­gän­gi­gen Me­lo­di­en“ bieten, hieß es dort. Die antisemitische Nazi-Seite„Altermedia” bewarb wiederum einige Videos der Band. Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheitveröffentlichte ebenfalls einen Jubelartikel.

Während sich alte und neue Nazis für die Band begeistern, scheint dieser das Lob von ganz, ganz Rechts eher peinlich zu sein. Die Huldigungen aus der Nazi-Szene wurden bisher dezent verschwiegen. Nach der ZDF-Sendung bequemten sich die Verschwörungsbarden allerdings zu einer halbherzigen Distanzierung:„Mit dieser Gruppe haben wir nichts zu tun, gesschweige denn wissen wir überhaupt, was sie tun und wer sie sind”, schreibt die Band auf ihrer Facebook-Seite.

Die Frage, warum sich Nazis für die Lieder der Band begeistern, wurde dort selbstverständlich nicht beantwortet. Schließlich ignoriert die Band die ideologischen Übereinstimmungen, die dazu führen, dass auch ein „Reichsbürger” die Lieder der Band zur Werbung für das „Deutsche Reich” benutzen kann. Prompt meldeten sich auch die Fans der Band zu Wort, die ebenfalls dem Wahn von der „BRD-GmbH” verfallen sind. Ein Groupie schreibt zum Beispiel auf der Facebook-Pinnwand der Band:

fakt ist aber das deutschland besetzt und nicht souverän so wie kein friedensvertrag hat (…). ausserdem ist der BRD wirglich nur eine GmbH.

Die Band sollte sich über ihre Fans nicht wundern. Schließlich produziert sie Musik, die nicht nur Verschwörungsgläubige, sondern auch Nazis begeistern kann. Sie haben mit ihren Inhalten die rechten Geister gerufen, die sie nun nicht mehr loswerden. Diese Band hat nach wie vor genau die Fans, die sie verdient.

MTV-Verschwörung

Martialisch berichtet die Tageszeitung Junge Welt über die Kämpfe in Syrien. Das Vorgehen des syrischen Regimes wird hier nur am Rande erwähnt. Dafür gibt es Gruselstorys und Verschwörungsmythen: „Kampf um Syrien“, lautete die Schlagzeile eines Artikels, der am 12.06.2012 in der Tageszeitung erschien. Dort ging es um „eine großangelegte Propagandaaktion der NATO gegen Syrien“.

Die Junge Welt schrieb über eine „eine virtuelle Übernahme der syrischen Fernsehsender vermutlich ab Freitag Mittag“. Dahinter verortete die Tageszeitung den Geheimdienst CIA, der ein Programm produziert hätte, das „den Eindruck eines zusammenbrechenden Regimes vermitteln solle“. Das Ziel sei ein „Staatsstreich gegen die Regierung von Präsident Baschar Al-Assad“.

Die Tageszeitung berief sich auf  Thierry Meyssan, der einen dementsprechenden Artikel über seine Internetseite verbreitet hatte. In der Tageszeitung wurde Meyssan als „Journalist“ dargestellt. Dabei handelt es sich zuallererst um einen kruden Verschwörungsideologen.

Meyssan ist Autor eines Büchleins, mit dem die Ereignisse des 11. September 2001 umgedeutet werden. Auf seiner Internetseite kolportiert Mayssan zahlreiche Verschwörungsmythen. So schreibt er im Jahr 2008, dass der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy in „Wahrheit“ ein Geheimagent „der Vereinigten Staaten und Israels“ sei. Über die Bilderberg-Konferenz, der Verschwörungsideologen eine unglaubliche Macht nachsagen, schreibt er, dass sie in „Wirklichkeit“ die „Lobby der mächtigsten Militärorganisation der Welt“, der NATO, sei.

Thierry Meyssan schrieb, vor dem Bericht der Tageszeitung Junge Welt, über eine angebliche Geheimoperation gegen das syrische Regime:

In wenigen Tagen, vielleicht schon am Freitagmittag, 15. Juni werden die Syrer, die die nationalen Fernsehkanäle ansehen möchten, von der CIA ersetzte Fernseh-Bildschirme entdecken.

Er berichtete ausführlich über die angebliche Verschwörung, die „von Washington“ geplant worden wäre. Sie würde aber auch „Al-Arabiya, Al-Dschazira, BBC, CNN, Fox, France 24, Future TV und MTV (!)“ umfassen.

Meyssan halluzinierte von mega-geheimen Fernsehstudios, die in den vergangenen „Wochen in Saudi Arabien“ entstanden seien. Dort würden „die zwei syrischen Präsidentenpaläste und die wichtigsten Orte von Damaskus, Aleppo und Homs“ rekonstruiert worden. Natürlich muss Meyssan auch hier jeden Beweis für seine Behauptungen schuldig bleiben, doch das wird die Fans derartiger Verschwörungsmythen nicht stören.

Auch ohne Beweise verbreiten sich die Texte des Thierry Meyssan, etwa über die Internetseiten der Verschwörungsszene: „Truther“ und „Infokrieger“ berufen sich gerne auf den „Journalisten“, der auch in der Tageszeitung Junge Welt als Quelle benannt wird.

Der Text über die Fernseh-Verschwörung von CNN und MTV findet sich nämlich auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene. So kolportiert die antisemitische Internetseite „Der Honigmann“ die Verschwörungsmärchen des Thierry Meyssan. Diese finden sich aber auch auf zahlreichen anderen Internetseiten des Verschwörungsmilieus, auf denen ansonsten über Reichsflugscheiben oder die gezielte Vergiftung der Bevölkerung mit geheimnisvollen„Chemtrails“ berichtet wird.

Auf den Internetseiten des rechts-esoterischen  Kopp-Verlags werden die Texte des Verschwörungsideologen Thierry Meyssan ebenfalls regelmäßig veröffentlicht. Außerdem berichtet die Tageszeitung Junge Welt. Die Märchen dieses anti-amerikanischen Verschwörungsideologen passen nämlich ganz ausgezeichnet zur ebenso anti-amerikanischen Tageszeitung.

Draufgänger & Hausbesetzer

Die Draufgänger, so lautet der sinnentleerte Name einer neuen RTL Serie, die auf dem Platz von „Alarm für Cobra 11″ zu sehen ist. Es handelt sich um deutsche Krimikost, bei der ein Ermittlerduo im Mittelpunkt der Handlung steht. Hier würden zwei „humorvollen LKA-Polizisten Dresdens Straßen sicherer machen”, freute sich die BILD-Zeitung.

„Die Draufgänger” ist eine typische Buddy-Serien-Komödie. Bereits der Pilotfilm zählte zu den schlechtesten Erzeugnissen, die der deutsche Serienmarkt bisher hervorgebracht hat. Das ist angesichts der trashigen Konkurrenz, von „Alarm für Coba 11″ bis „Lasko — die Faust Gottes”, auch eine Leistung. Von einer  Serie, die von RTL mit dem dumm-deutschen Machospruch „Echte Kerle braucht das Land” beworben wird, ist allerdings auch nicht mehr zu erwarten.

Am vergangenen Donnerstag, den 26.01.2011 warb der TV-Sender, der für Ekel-Sendungen wie „Ich bin ein Star — Holt mich hier raus” oder „Deutschland sucht den Superstar” berüchtigt ist, mit einer wie ganz besonderen neuen Folge des Krimi-Machwerks: Die beiden Ermittler, der eher vorsichtige Familienvater Marcus Maiwald (Jörg Schüttauf) und der mutige Macker Carl Berger (Dominic Boeer) durften in der autonomen Szene ermitteln.

Im Trailer zur Folge waren sprühende Autonome, explodierende Autos und Transparente zu sehen, die an besetzten Häusern hingen. Das klang trashig. Daher habe ich um 20:15 nicht auf Tele 5 gezappt, dort ist gerade die erste Staffel der viel besseren Serie „Star Trek — Das nächste Jahrhundert” zu sehen, sondern auf RTL, um die Folge der Serie zu begutachten, die sich mit den Autonomen befasst.

Zu Beginn der Folge verfolgt das wenig dynamische Ermittlerduo die Tochter des Familienvaters Marcus Maiwald, der besorgt ist, weil seine Tochter nun einen Freund hat, der zum einen viel zu alt und zum anderen auch noch in der linken Szene aktiv ist. Zwischendurch will Kommissar Maiwald ein falsch parkendes Auto mit einem Strafzettel versehen. Als dabei das Auto explodiert, führt die Spur in ein besetztes Haus, vor dem gerade ein weiteres Auto abgefackelt wurde. Dies gehört einem „Spekulanten”Drexler, der die Besetzer_innen vertreiben möchte.

So klischeehaft wie die Figuren sind auch die Transparente vor jenem besetzten Haus: „Tod dem Bullen”, lautet nur eine Parole, die dort zu lesen ist, während dreckiger Punkrock die Straße beschallt. Als die beiden Cops den Tatort erreichen, greifen die palituchtragenden Hausbesetzer_innen gerade die deutschen Bauarbeiter an: Molotow-Coctails fliegen, das dabei fast ein Kind den Serientod stirbt, wenn es nicht vom Polizisten gerettet werden würde, scheint die Hausbesetzer_innen nicht zu stören.

So wird ein Feindbild geschaffen, mit dem der deutsche Fernsehspießer sicherlich kein Problem hat. Zu diesem Feindbild gehört auch eine Hierarchie, die präsentiert wird. Schließlich gibt es einen„Chefbesetzer”, der seine Truppen militärisch führt: „Feuerpause”, brüllt er, als die beiden Polizei-Kumpanen das Haus betreten, um ihm einen Besuch abzustatten. „Chefbesetzer” Lars residiert ganz standesgemäß in einer Art Hauptquartier und sondiert gerade die Karten. Natürlich ist er der Freund der Tochter des Polizeikommisars Maiwald. Man sieht: es ist eine mehr als lächerliche Handlung, die dem geneigten Publikum präsentiert wird.

Zur lächerlichen Handlung gehört auch der Anwalt der Hausbesetzer_innen, der bereitwillig mit der Polizei zusammenarbeitet. Ein weiterer Höhepunkt ist die alte Oma, die ebenfalls im besetzten Haus lebt: „Ich habe den Feuersturm miterlebt, glauben sie, da habe ich Angst vor so ‘nen paar Mollies”, antwortet sie dem Polizisten, während einer Befragung. Dabei war es ihr Enkel, der einige Minuten zuvor fast von einem solchen Molotow-Cocktail getroffen wurde. Der „Chefbesetzer” geht unterdessen sprühen: „Drexler stirb”, malt er auf einer Baustelle des „Spekulanten”. Kein Wunder, dass er wegen des Anschlags gesucht wird. Der erste Freund der Tochter, „ein Terrorist”, erbost sich Kommisar Maiwald.

„Die Draufgänger” ist deutscher Serienstoff, der sich für kein Klischee zu schade ist. Zum Serienstoff gehört es sicherlich auch, dass alles nicht so ist, wie es scheint. „Auf der einen Seite ist die Hausbesetzer-Szene, die zünden eben Autos an”, folgert Kommissar Berger scharfsinnig: „Auf der anderen Seite der Anschlag” auf den „Spekulanten” Drexler. Die Taten haben eben doch nicht so viel miteinander zu tun, wie es die Drehbuchautor_innen den Zuschauer_innen zunächst weismachen wollen. In Wirklichkeit ist wenig überraschend eine andere — zunächst unschuldig erscheinende Person — für den Mordanschlag auf den „Spekulanten” verantwortlich.

Die Drehbuchautor_innen müssen ihr Machwerk in einem Zustand der völligen geistigen Umnachtung geschrieben haben: So viel Dummheit war selten im Fernsehen zu sehen. „Die Draufgänger” gehört zu den schlechtesten deutschen Fernsehmachwerken, die man zur Zeit anschauen kann. Es handelt sich um kaum zu ertragende visuelle Folter, die jeden Donnerstag um 20 Uhr 15 auf RTL zu bestaunen ist.

Comics gegen Drogen

Einen ganz be­son­ders ka­put­ten Film be­ka­men die Zu­schau­er_in­nen An­fang der 90er Jahre bestaunen. Die „Ro­nald McDo­nald Kin­der­stif­tung“ pro­du­zier­te, unter an­de­rem in Zu­sam­men­ar­beit mit „Dis­ney“ und „War­ner Bro­thers“, einen Film, der die Ju­gend­li­chen und Kin­der von il­le­ga­len Dro­gen aller Art ab­hal­ten soll­te.

„Co­mic-​Stars gegen Dro­gen“ („Car­toon All-​Stars to the Re­s­cue“) nann­te sich der etwa 30 Mi­nu­ten lange Film, an dem fast alle Co­mic-​Hel­den der 90er Jahre teil­ha­ben durf­ten: Bugs Bunny, die Mup­pets, Win­nie Pooh, die Schlümp­fe, Alf, Gar­field, die Chip­munks, Micha­e­lan­ge­lo von den Ninja Turt­les, Sli­mer aus „Ghost­bus­ters und Trick, Tick und Track aus Duck­ta­les sind nur ei­ni­ge Co­mic-​Stars, die dem An­ti-​Dro­gen-​Strei­fen zum Er­folg ver­hel­fen soll­ten.

In der ame­ri­ka­ni­schen Fas­sung sprach sogar der da­ma­li­ge Prä­si­dent Bush (Se­ni­or) ei­ni­ge Zei­len. In der deut­schen Fas­sung wurde er durch die So­zi­al­de­mo­kra­tin An­ne­ma­rie Ren­ger er­setzt, die da­mals die eh­ren­amt­li­che Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der „Ro­nald McDo­nald Kin­der­stif­tung“ war: „Hände weg von Dro­gen“, bettelte Ren­ger.

Lernt wie Micha­el in ent­schei­de­nen Mo­men­ten ‚Nein‘ zu sagen.

Micha­el ist eine der Haupt­fi­gu­ren in die­sem un­frei­wil­lig ko­mi­schen Mach­werk. Er plün­dert die Spar­do­se sei­ner klei­nen Schwes­ter. Als her­an­wach­sen­der Jun­kies braucht er ihr Er­spar­tes, um sich Weed, Koks und den gan­zen rest­li­chen Spaß leis­ten zu kön­nen. An einem läßt die­ser Film kei­nen Zwei­fel: Vom Joint ist es nur noch ein klei­ner Schritt bis zu den här­te­ren Dro­gen. Das wird spä­tes­tens klar als Mich­als Kol­le­g_in­nen beim Kif­fen auf sol­che Ideen kom­men:

Hört mal, wenn ich 10 Dol­lar hätte, könn­te ich uns Crack be­sor­gen.

Na­tür­lich ge­lingt es den „Co­mic-​Stars“, Micha­el von sei­nem ver­häng­nissvol­len Weg in die Dro­gen­sucht ab­zu­brin­gen. Bis dahin er­lebt Micha­el einen ab­stru­sen Dro­gen­t­raum und wir sehen sin­gen­de „Co­mic-​Stars“, die ein „Nein“ zu allen Dro­gen einfordern. Im Fern­se­hen wird die­ses Mach­werk al­ler­dings nie wie­der zu sehen sein.

Jim Davis, der Schöp­fer der Co­mic-​Kat­ze „Gar­field“ zog im Nach­hin­ein seine Zu­stim­mung zu­rück. Den dar­aus re­sul­tie­ren­den Rechts­streit ge­wann Davis. Der Film kann an dieser Stelle angeschaut werden:

Massenselbstmord

In „Jo­nes­town“, einer 1974 von Jim Jones, dem Füh­rer des „Peop­les Temp­le“, ge­grün­de­ten Sied­lung im Nord­wes­ten Gu­ya­nas, kam es am 18. No­vem­ber 1978 zum Mas­sen­mord be­zie­hungs­wei­se Selbst­mord von 909 Mit­glie­dern, die alle der christlichen Sekte angehörten.

Der von Jim Jones ge­grün­de­te „Peop­les Temp­le“ gab sich nicht nur eine christ­li­che, son­dern auch eine so­zia­lis­ti­sche Pro­gram­ma­tik und be­rief sich unter an­de­rem auf Karl Marx und Fidel Cas­tro. Jim Jones sah sich selbst als christ­li­chen So­zia­lis­ten. Ende 1978 rief er zum „re­vo­lu­tio­nä­ren Selbst­mord“ auf.

Im No­vem­ber 1978 be­such­te der US-​Kon­gress­ab­ge­ord­ne­te Leo J. Ryan mit einer Grup­pe von Journalisten „Jo­nes­town“, um den Ge­rüch­ten über Ver­bre­chen nach­zu­ge­hen. Jones und viele sei­ner An­hän­ger_in­nen ver­such­ten alles, um die Be­su­cher zu be­hin­dern und den Ein­druck zu er­we­cken, es sei alles in Ord­nung. Dies misslang.

Sechszehn Ge­mein­de­mit­glie­der baten Ryan beim Ab­schied, sie mit­zu­neh­men. Fa­na­ti­sche Jo­nes-​An­hän­ger_in­nen grif­fen daraufhin das start­be­rei­te Flug­zeug an, tö­te­ten Ryan, drei Jour­na­lis­t_in­nen, einen Ka­me­ra­mann und drei Ab­trün­ni­ge. Wei­te­re elf Men­schen wur­den zum Teil schwer verletzt. Nach die­sen Er­eig­nis­sen rief Jones seine Mit­glie­der zu­sam­men:

Wenn man uns nicht in Frie­den leben lässt, so wol­len wir je­den­falls in Frie­den ster­ben. Der Tod ist nur der Über­gang auf eine an­de­re Ebene.

Insgesamt kamen 913 der 1110 Mit­glie­der, dar­un­ter 276 Kin­der, die er­mor­det wur­den, ums Leben.

Gegen die his­to­ri­schen Fak­ten argumentieren Ver­schwö­rungs­ideologen, die die Ereignisse benutzen um merkwürdige Verschwörungstheorien zu propagieren. Sie be­haup­ten, dass Jim Jones als Agent des CIA agier­te oder des­sen Opfer war. Die Toten seien das Ergebnis an­geb­li­cher „Mind Con­troll“ Ex­pe­ri­men­te durch die CIA.

Die rea­len Er­eig­nis­se, die in Deutschland kaum bekannt sind, zeigt die se­hens­wer­te Do­ku­men­ta­ti­on „Jo­nes­town“. Diese kann man sich hier an­schau­en:

Mehr Nazis im Weltall

Nazis im Welt­all? Nicht nur in der ori­gi­na­len Star ​Trek Serie um Captain Kirk und den Vulkanier Spock wurde diese The­ma­tik aufgegriffen. In einer Nach­fol­ge­se­rie wurde das Thema sogar für einen abend­fül­len­den Zwei­tei­ler benutzt, der auf den Namen „Stormfront” getauft wurde.

Die Sci­ence-​Fic­tion-​Se­rie „En­t­er­pri­se“ be­han­delt die Aben­teu­er des gleichnamigen ersten Raumschiffs diesen Namens. Ob­wohl diese Serie in der Zeit­li­nie etwa 100 Jahre vor den klas­si­schen Aben­teu­ern um Cap­tain Kirk und Co spielt, wurde sie als letz­tes — von 2001 bis 2005 — pro­du­ziert, bevor das Star Trek Frenchise sang und klanglos aus dem Fernsehen verschwand.

Vie­le Star-​Trek Fa­na­ti­ker_in­nen, die sich Trek­kies nen­nen, ist diese Serie be­son­ders ver­hasst, weil sie mit gän­gi­gen Erzähltra­di­tio­nen des Star Trek Uni­ver­sums brach. Der „Canon“ ist das hei­li­ge Buch der Trek­kiesund genau die­sen „Canon“ sehen die Star-​Trek-​Jün­ger_in­nen durch die neue­re Serie ver­letzt, unter anderem weil sie moderner wirkt als die originale Serie, die in in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts produziert wurde.

In der Serie „En­t­er­pri­se“ muss­ die Crew der Enterprise NX-01, die von Cap­tain Jo­na­than Ar­cher be­feh­ligt wird, eine au­ßer­ir­di­sche Be­dro­hung zu­rück­schla­gen. Die Xindi, eine Al­li­anz ver­schie­de­ner Au­ßer­ir­di­scher, tö­ten bei einem An­schlag ungefähr 300 Mil­lio­nen Men­schen. Die En­t­er­pri­se muss­ diese Be­dro­hung zu­rück­schla­gen und reist zu den Heimatwelten der Xindi, um eine weitere Terror-Waffe zu beseitigen.

Hier gibt es einen durchgehenden Handlungsbogen. Statt „Monster of the Week”–Folgen, die losgelöst zu betrachten sind, gibt es eine durchgängige Handlung. Diese neue Erzählstruktur stieß einigen Star Trek Fans übel auf. Dabei ist es gerade diese durchgehende Handlung, die sich an Ereignissen der Gegenwart orientiert, die eine durchgehende Spannung erzeugt. Viel Star Trek Fans erwiesen sich allerdings als sture Traditionalist_innen, die mit dieser modernen Erzählstruktur ihre Probleme hatten.

Die dritte Staffel der Serie entstand di­rekt nach den Terroranschlägen 11. Sep­tem­ber 2001, der un­über­seh­bar als Vor­la­ge dien­te. Die Crew sah sich verschiedenen mo­ra­li­schen Pro­ble­men aus­ge­setzt: Etwa, ob es mög­lich sei, einen Ge­fan­ge­nen zu fol­tern oder psy­chisch zu de­sta­bi­li­sie­ren, um an In­for­ma­tio­nen zu kom­men. Die Serie be­ant­wor­te diese Fra­gen po­si­tiv und ver­such­te sich trotz dem an dem „Hu­ma­nis­mus“zu ori­en­tie­ren, der die Star-​Trek-​Se­ri­en aus­zeich­net. Die Crew drohte an den Folgen ihrer Handlungen zu zerbrechen.

Mit an­de­ren Fra­gen wurde die Crew in der vier­ten Staf­fel und letzten Staffel der Serie kon­fron­tiert. Die En­t­er­pri­se wird, nach dem sie die Be­dro­hung durch die Xindi ab­ge­wen­det hat, in einen Zeit­stru­del ge­zo­gen. Das Schiff lan­det in einer al­ter­na­ti­ven Zeit­li­nie, in der die Nazis be­reits große Teile der USA be­setzt haben: So weht die Ha­ken­kreuz-​Fah­ne über dem Wei­ßen Haus in Wa­shing­ton. In Chi­ca­go weh­ren sich die Gangs, mit ihren Mit­teln, gegen die Be­sat­zer_in­nen. Doch diese Nazis haben sich mit ganz an­de­ren Wesen ver­bün­det, die sie mit Tech­ni­ken aus einer fernen Zukunft ver­sor­gen: Kampf­flug­zeu­ge kön­nen auf diese Art und Weise mit La­ser­strah­len aus­ge­rüs­tet wer­den. Die Au­ßer­ir­di­schen sind ge­stran­det. Sie bauen einen Zeit­tun­nel um in ihre Welt und ihre Ge­gen­wart zu­rück­zu­keh­ren. Dafür nehmen sie die Kolloboration mit den Nazis in Kauf. Aber auch an­de­re Au­ßer­ir­di­sche ver­su­chen, in die­sem tem­po­ra­len Krieg, ihre In­ter­es­sen zu ver­tre­ten.

Cap­tain Ar­cher und seine Crew ver­su­chen aus die­sem Schla­mas­sel zu ent­kom­men. Dabei kom­men sie so­wohl in Kon­takt mit dem ame­ri­ka­ni­schen Wi­der­stand, als auch mit Zi­vi­lis­t_in­nen, die sich nach einem bes­se­ren Leben – ohne Nazis – seh­nen. Vom rea­len Grau­en, dass die Nazis, in der Rea­li­tät ver­ur­sach­ten und vom sys­te­ma­ti­schen Mor­den be­kom­men die Zu­schau­er_in­nen nichts zu sehen. Die ganz realen Folgen, die eine Besetzung der USA für Jüdinnen und Juden gehabt hätte, werden nicht aufgezeigt. Vom Rassismus der Nationalsozialisten wird ebenfalls geschwiegen:  Selbst die junge Afro­ame­ri­ka­ne­rin, der sich Ar­cher und Co annehmen, zieht es vor in das be­setz­te Chi­ca­go zu­rück­zu­keh­ren, an­statt in den frei­en Teil der USA.

Wie auch in der klas­si­schen Serie ge­lingt es nicht, den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als bar­ba­ri­sche und men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie zu be­schrei­ben. Trotz al­le­dem ist die Idee einer Zeit­rei­se in eine Welt in der die Ge­schich­te an­ders ver­läuft — um mit Spock zu sprechen — „fa­zi­nie­rend”.

Aus dem Thema wurde allerdings viel zu wenig gemacht, die 08/15 Bösewichte wurden diesmal in Nazi-Uniformen gesteckt. Mit dem ganz realen Grauen des Nationalsozialismus haben die Folgen der Serie „Enterprise” wenig zu tun. Trotz dieser Mängel ist die Serie, gerade wegen der dritten Staffel, durchaus sehenswert.

 

Propaganda im Morgenmagazin

Der esoterische Schnulzensänger Xavier Naidoo macht nicht zum ersten Mal deutlich, dass er an bestimmte Theorien glaubt, die in der Verschwörungsszene durchaus beliebt sind.

Am 24.10.2011 war Naidoo, der zur Zeit in der Castingshow „The Voice of Germany“ zu sehen ist, im ARD-Morgenmagazin zu Gast. Dort wurde er gefragt, ob er sich in Deutschland frei fühle. Naidoo nutzte diese Gelegenheit. Er sagte:

Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei.

Daraufhin wurde vom fröhlichen Moderationsteam das Thema gewechselt. Das Video dieses merkwürdigen Auftritts, mit dem Naidoo an die nationalistischen Theorien vom besetzten Deutschland anknüpfte, erfreut sich auf YouTube ganz außerordentlicher Beliebtheit.

YouTube-Nutzer die sich „Deutschland1937″ oder„TheBRDGmbHBasher“ nennen, verwenden das Interview als Beweis für die angebliche Besetzung Deutschlands. Es wurde bereits mehr als zehntausend Mal angeklickt.