Kategorie: Nazis

Reichsbandbreite

Am Donnerstag, den 26.07.2012 zeigte der Spartensender ZDF Neo einen weiteren Teil seiner Reihe „Wild Germany”. Diesmal ging es nicht um Metal, Crystal-Meth oder Satanismus, sondern um das Milieu der selbsternannten „Reichsbürger”. Diese glauben tatsächlich, dass das „Deutsche Reich” bis heute existiert. Sie haben zahlreiche Pseudo-Institutionen geschaffen.

Es gibt verschiedene „Reichskanzler” und„Reichsregierungen”, die miteinander konkurrieren. Sie versorgen ihre Anhänger_innen mit Ausweisen, Nummernschildern und anderen Devotionalien. Diese Pseudo-Dokumente können zum Beispiel über eine „Reichsmeldestelle” beantragt werden. Ein „Reichspersonenausweis” kostet 50 Euro, ebensoviel wird für einen „Reichsführerschein” verlangt.

Die Ideologie der Fans des „Deutschen Reiches” wirkt auch auf weite Teile der Verschwörungsszene. Hier gibt es eine wechselseitige ideologische Übereinstimmung. Inbesondere die Behauptung, dass es sich bei der Bundesrepublik Deutschland in Wirklichkeit nur um eine Firma der Alliierten handeln würde, erfreut auch „Truther” und „Infokrieger”, die sich ansonsten mit der Umdeutung des 11. September, der angeblichen Macht der Rothschild-Familie oder mysteriösen Erdbebenwaffen befassen.

Dort ist die Phrase von der „BRD-GmbH” außerordentlich weit verbreitet. So reimt der Verschwörungsrapper „Guantana Mohr” in seinem Lied „Besatzungsmächte Raus“ über die „BRD-GmbH”. Auf zahlreichen Internetseiten der „Infokrieger” wird der Mythos von der „BRD-GmbH” ebenfalls beworben.

Der Reporter Manuel Möglich besuchte nun für den Spartensender des ZDF verschiedene „Reichsbürger” und ließ sie in seiner Dokumentation ausführlich zu Wort kommen. Er interviewte „Reichskanzler” Norbert Schittke und zukünftige „Reichsbürger”. Außerdem besuchte er einige Veranstaltungen, auf denen die „Reichsbürger” ihre krude, deutsche Ideologie vorstellten.

Einer dieser Besuche führte Möglich in eine Werbeveranstaltung der „Exilregierung Deutsches Reich”. Dort informierte Alexander Schlowak, der als„Innenminister der Exil Regierung des Deutschen Reiches” in Erscheinung tritt, über seine Kleinst-Organisation. Der „Reichsbürger”, der in Berlin „auf dem Gebiet der Finanzdienstleistung und dem Versicherungswesen” tätig ist , eröffnete seinen Vortrag mit einem Lied, das zur Hymne zahlreicher Verschwörungsfans geworden ist.

„Was ist los in diesem Land” stammt von der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite”. Das Lied zeichnet sich nicht nur durch einen positiven Bezug auf Deutschland aus, das von „Banken und Bonzen”kaputtgemacht werden würde, sondern stilisiert dieses wahnsinnig gefährliche Land auch noch zum„Vasallen der USA”. Im Video zum Lied ist eine Dose Zyklon B zu sehen: Währenddessen reimt die Band über einen „Völkermord” in Afghanistan. Auf diese Weise wird die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden verharmlost und die Singularität der Shoa in Frage gestellt. Politiker werden als „verhurte Volksvertreter” bezeichnet, während im weinerlichen, moralisierenden Tonfall von „Mama” gejammert wird:

Ich seh’ mich um in meinem Land, Mama weiß nicht mehr wie es weitergeht.

Kein Wunder, dass sich auch Nazis für das Lied der Band begeistern. Es sind nicht nur die „Reichsbürger” der „Exilregierung Deutsches Reich”, sondern auch die Nazis der NPD, die die Band in den höchsten Tönen loben.

Sie würde beim „mu­si­zie­ren in­ter­es­san­te und auf­schluß­rei­che welt­an­schau­li­che Ele­men­te“ auf­grei­fen, heißt es in einem Werbeartikel der NPD-Hamburg. Die sächsische Landtagsabgeordnete Gitte Schüssler veröffentlichte ebenfalls Werbung. Ge­ne­rell würde die Band „sehr viele in­ter­es­san­te In­for­ma­tio­nen ver­packt (…) in ein­gän­gi­gen Me­lo­di­en“ bieten, hieß es dort. Die antisemitische Nazi-Seite„Altermedia” bewarb wiederum einige Videos der Band. Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheitveröffentlichte ebenfalls einen Jubelartikel.

Während sich alte und neue Nazis für die Band begeistern, scheint dieser das Lob von ganz, ganz Rechts eher peinlich zu sein. Die Huldigungen aus der Nazi-Szene wurden bisher dezent verschwiegen. Nach der ZDF-Sendung bequemten sich die Verschwörungsbarden allerdings zu einer halbherzigen Distanzierung:„Mit dieser Gruppe haben wir nichts zu tun, gesschweige denn wissen wir überhaupt, was sie tun und wer sie sind”, schreibt die Band auf ihrer Facebook-Seite.

Die Frage, warum sich Nazis für die Lieder der Band begeistern, wurde dort selbstverständlich nicht beantwortet. Schließlich ignoriert die Band die ideologischen Übereinstimmungen, die dazu führen, dass auch ein „Reichsbürger” die Lieder der Band zur Werbung für das „Deutsche Reich” benutzen kann. Prompt meldeten sich auch die Fans der Band zu Wort, die ebenfalls dem Wahn von der „BRD-GmbH” verfallen sind. Ein Groupie schreibt zum Beispiel auf der Facebook-Pinnwand der Band:

fakt ist aber das deutschland besetzt und nicht souverän so wie kein friedensvertrag hat (…). ausserdem ist der BRD wirglich nur eine GmbH.

Die Band sollte sich über ihre Fans nicht wundern. Schließlich produziert sie Musik, die nicht nur Verschwörungsgläubige, sondern auch Nazis begeistern kann. Sie haben mit ihren Inhalten die rechten Geister gerufen, die sie nun nicht mehr loswerden. Diese Band hat nach wie vor genau die Fans, die sie verdient.

Aufmarsch der Anti-Europäer

Am Freitag, den 08.06.2012, trafen sie in Berlin zusammen. Die Kader der Partei der Vernunft (PdV), die Leser der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit und andere Wutbürger versammelten sich vor dem Reichstag, um gegen einen angeblichen „kalten Staatsstreich” zu protestieren, den sie mit dem ESM-Vertrag verwirklicht sehen.

Sie fürchten um ihren deutschen Nationalstaat, der durch „Banker” bedroht werden würde. Ganz verschwörungsideologisch wurde die kapitalistische Krise als eine „vom weltweiten Banken-Kartell seit September 2008 selbst inszenierten Krise” gedeutet, die, so die den Nationalsozialismus verharmlosende Formulierung, zu einem „finanziellen Reichstagsbrand” geführt hätte. Vor eben jenem Reichstag sammelten sich etwa dreihundert Euro-Gegner_innen.

Dort lauschten sie den Reden, eine wurde von einer rechten Ikone gehalten, die ansonsten unter anderem für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ schreibt. Eine weitere Rede hielt der Organisator persönlich. Daniel Neun betreibt die verschwörungsideologischen Internetseiten „Radio Utopie” und „Net News Global”. In einem Interview mit der antisemitischen Internetseite „Muslim-Markt” macht Neun aus seinen politischen Vorstellungen kein Geheimnis:

Dann kommt hier andauernd in diesem Land einer an und will mit mir über die Schoa diskutieren.

So jammert der Autor dort. Doch eigentlich hat er noch ganz andere Ziele. Irgendwann möchte Neun wieder Drehbücher schreiben, nämlich dann, wenn der Autor „als Journalist erst die Medienmafia, dann die Parteien-Mafia, dann die Musikindustrie und dann die Schurken aus der Filmindustrie platt gemacht” hat.

Diesen deutschen Feldzug führt Daniel Neun mit seinen Internetseiten, dort finden sich Verschwörungsmythen und Rechtspopulismus. Das ehemalige Mitglied des Linkspartei-Vorläufers WASG bezeichnet die heutige Partei zum Beispiel ganz verschwörungsideologisch als „Fantompartei eines Tiefen Staates in der Republik, der an ihrem Sturz arbeitet”.

Die Linkspartei sei Teil einer „bizarren und historisch präzedenzlosen Querfront von Antidemokraten gegen die deutsche Verfassung und Republik”. Die angebliche Verschwörung der mächtigen Super-Banker, die die Bundesrepublik mit einem perfiden Plan, der Finanzkrise, abschaffen wollen, umfasst in der wundersamen Welt des Organisators unter anderem alle Bundestagsparteien.

Den Glauben an die große Verschwörung unterstreicht Neun auch durch die Beiträge, die auf Internetseite „Radio-Utopie“ veröffentlicht werden. Diese Seite will etwas wie eine Nachrichtenagentur sein, dort finden sich weitere Verschwörungsmythen, vom 11. September 2001 bis zu den Morden des Anders Behring Breivik. Derartige Mythen propagiert Neun gerne auf Demonstrationen. Eine bizarre Wutrede ist von einer anderen anti-europäischen Manifestation überliefert, beim Aufmarsch in Berlin brüllt Neun ebenfalls gegen die EU, den Euro und die bürgerlichen Parteien an.

Sein verschwörungsideologisches Weltbild scheint die Unterstützer der anti-europäischen Manifestation, dessen Grundlage die nationalistische Sorge um den deutschen Nationalstaat sein dürfte, nicht zu stören. Schließlich handelte es sich um ebenso rechte wie verschwörungsideologische Euro-Hasser, die sich um die Existenz des deutschen Nationalstaates sorgen und mit dem antikommunistischen Kunstbegriff „EudSSR“ vor der Europäischen Union warnen.

Da wäre zum Beispiel das „Aktionsbündnis Direkte Demokratie”, das vor allem Demonstrationen in Stuttgart und Karlsruhe durchführte. Das „Bürgerbündnis” wird von zwei Kadern der „Partei der Vernunft” (PdV) geleitet, die für diese Polit-Sekte eine anti-europäische Vorfeldorganisation geschaffen haben.

Die Partei, um den Verschwörungsideologen Oliver Janich, macht seit Jahren gegen den Euro mobil und träumt von der Deutschen Mark und dem Regiogeld. Im gültigen Parteiprogramm fordert die Partei der Vernunft, zur Freude der „Truther” und „Infokrieger”, eine Neuuntersuchung der Ereignisse des 11. September 2001. Zur Demonstration hatten Partei-Kader sogar einen Kleinbus gechartert, mit ihren blauen Fahnen sorgten sie für optische Aufheiterung des tristen Szenarios.

Eine weitere Unterstützerin der Demonstration war Beatrix von Storch, die unter anderem als „Sprecherin” einer Gruppe namens „Zivile Koalition e. V.” auftritt. Sie veröffentlichte im Vorfeld sogar einen amüsanten und bedrohlichen Videoaufruf, der sich gegen eine Gruppe richtete, die sie als „Ur-Oligarchie” bezeichnete.

Die geborene „Herzogin von Oldenburg” machte sich, vor ihrer Karriere als Ikone der europamüden konservativen Rechten, für die Rechte von Junkern und Adel stark, die durch die Enteignungen in der ehemaligen DDR um Schloss und Hof gebracht wurden. Heutzutage setzt sie sich nicht mehr für Alt-Nazis und andere deutsche Opfer ein, sondern sie macht gegen den ESM-Vertrag mobil. Sie organisiert Vorträge, etwa mit Hans-Olaf Henkel oder redet auf Demonstrationen. Dort träumen die Teilnehmer von der einen, neuen und großen Partei, die gegen den Euro mobil macht.

Als Autorin des Weblogs „Freie Welt” und als Youtube-Video-Filmerin erreicht Beatrix von Storch Wutwähler. Ihre Arbeit wird immer wieder in der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit beworben, für die die umtriebige von Storch auch als Autorin tätig ist. Im Vorfeld berichtete die Wochenzeitung erfreut:

Anti-ESM-Protest erreicht Berlin.

In vielen Artikel werden die Pressemitteilungen der „rechtspopulistischen Bloggerin” aufgegriffen, die für die Zeitung aber auch schon mal einen Kommentar über den ESM-Vertrag verfassen durfte. Als Rednerin durfte Frau Storch auch in Berlin gegen den ESM-Vertrag anschreien, währenddessen wurden Flugblätter der rechten Zeitung verteilt.

Über Wochen wurde die Organisation Attac als Unterstützerin der anti-europäischen Aktion aufgeführt. Erst einem Tag vor der Demonstration kam es zu einer halbherzigen Distanzierung:

Attac sieht in dieser Demo den Versuch, die Schuldenfrage mit nationalistischen und chauvinistischen Inhalten zu verbinden, die den Zielen von Attac diametral entgegen stehen.

Trotz dieser Distanzierung trat ein wichtiges Attac-Mitglied auf der Demonstration auf. Es handelt sich um Lony Ackermann, die in ihren wilden 90ern noch in der FDP aktiv war. Als der Antisemit Jürgen Möllemann den Tod per Fallschirm wählte, verbreitete sie Verschwörungsmythen. Damals sagte sie dem Spiegel:

Die Mörder sind unter uns.

Sie munkelte von „weltweit Verdächtigen”, die für den Tod des FDP-Populisten verantwortlich sein sollten. Heute ist Lony Ackermann allerdings mit anderen Dingen beschäftigt. Als Mitglied des Attac-Rates, dem höchsten Gremium dieser Organisation, widmet sie sich der Europäischen Union, „mit ihren ungeheuerlichen, undemokratischen Herrschaftsstrukturen”. Auf der Demonstration in Berlin hielt Ackermann ebenfalls eine Rede.

Außer diesen Gestalten, die die Sorge um den Nationalstaat vor den Reichtstag brachte, gab es noch einige kleine Blogs, die den Aufmarsch unterstützten. Da wäre zum Beispiel „Jenny’s Blog”. Dort wird nicht nur der ESM-Vertrag einer Pseudo-Kritik unterzogen, sondern auch über einen „Prozess der ganzheitlichen Geilheit” informiert:

Deshalb fordere ich: ‘Lasst uns weiter ficken!’ Wir brauchen eine Wirtschaftsordnung ohne Verwerfungen, wo Leistung und Geilheit sowie auch Ungeilheit sich in Balance zu einenander befinden.

Es war eine bunt-braune Mischung, die vor dem Reichstag zusammenkam. Verschwörungsideologen, Europa-Gegner und Deutschland-Fans, huldigten gemeinsam dem deutschen Nationalstaat und warnten vor angeblichen Reichtstagsbränden und Ermächtigungsgesetzen. Kein Wunder, dass die „Nationaldemokratische Partei Deutschland” (NPD) diesem Spektakel nicht abgeneigt war. Im Vorfeld hatte die Partei eine Pressemitteilung veröffentlicht, mit der sie ihre Teilnahme ankündigte.

Einige Anhänger der „Occupy-Bewegung” riefen zunächst ebenfalls zum gespenstischen Stelldichein mit den andere Europa-Gegnern auf. Auf der „Occupy”–Internetseite „Alex11” wurde sogar der Aufruf zum Aufmarsch veröffentlicht. Doch dann folgte eine eine Erklärung von Aktivist_innen „des Arbeitskreises Anti-ESM“. Dieser distanzierte sich von „OrganisatorInnen, UnterstützerInnen und allen nationalistischen Beteiligten der Demonstration“, solidarisierte sich im Gegenzug aber mit „Menschen, die aus anderen politischen Motiven die Demo besuchen werden“.

Die Organisator_innen veröffentlichten im Vorfeld ebenfalls eine halbherzige Distanzierung: „Sollten sich also Nazis (…) am 8. Juni zu unserer Demonstration gesellen, so werden wir (…) ihnen deutlich machen, daß sie dort nicht hingehören“. Doch davon konnte keine Rede sein. Etwa 20 Nazis beteiligten sich an der anti-europäischen Aktion. „Stoppt den ESM“, forderte die NPD. „Stoppt den ESM“, forderten die übrigen Demonstrant_innen. An der Teilnahme der Nazis schien sich auch in Berlin nun niemand zu stören.

Die Nazis trafen auf Verschwörungsideologen von der Partei der Vernunft”(PdV) und auf die rechtskonservativen Fans der Jungen Freiheit. Unterstützt wurden sie durch einige Anhänger der „Occupy-Bewegung“ und die Rednerin von Attac. Hier wurde eine bunt-braune Querfront ganz praktische Realität.

Der Ziegelphysiker

An der Reisegruppe, die am 27. April 2012 vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur„Privataudienz” empfangen wurde, waren nicht nur Verschwörungsideologen und der FDP-Landtagskandidat Claus Hübscher beteiligt. Ein Ziegelphysiker reiste zur „Privataudienz”.  Die Rede ist von Konrad Fischer, der aus seinem Heimatort, dem oberfränkischen Hochstadt am Main, nach Teheran reiste.

Der 1955 geborene Fischer vertritt, laut dem kritischen Internetlexikon Esowatch, eine „Außenseiter-Ansicht zur Physik der Wärmedämmung”. Auf seiner Internetseite empfiehlt der Verschwörungsideologe, der in der Öffentlichkeit als „Architekt und Gutachter” in Erscheinung tritt, verschiedene Berichte des iranischen Regimes, in denen über die Audienz beim Antisemiten berichtet wird. Die dazugehörigen Fotos zeigen auch ihn beim Händedruck mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.

Der Ziegelpysiker ist ansonsten ein gefragter Interview-Partner des Bayerischen Rundfunks. Dort äußert er sich vor allem zu den Risiken der Wärmedämmung und spricht über Photovoltaikanlagen.

Seine sonstigen Theorien werden durch seine eigene Internetseite deutlich, auf der Fischer im homophoben Jargon über„Schwulerei mit Minderjährigen” schreibt, für die er die „Mächtigen” verantwortlich macht. Außerdem empfiehlt Fischer dort unterschiedliche Bücher, die vor allem in verschiedenen Verlagen der rechten Szene erscheinen.

Auf seiner Internetseite bewirbt er zum Beispiel ein Buch des Claus Nordbruch. Dieser bekennende Apartheids-Freund lebt in Südafrika, von dort hält er enge Kontakte in die deutsche Nazi-Szene und beliefert sie mit Artikeln, die unter anderem in der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme” erscheinen.

In den Buchempfehlungen des Konrad Fischer finden sich Werbung für weitere Machwerke, die in den Verlagen der deutschen Nazi-Szene erschienen sind. Die Hetzschrift „Der geplante Krieg: Churchills Verschwörung gegen Hitlers Deutschland”, die in der nationalsozialistischen Verlagsgesellschaft Berg erschienen ist, wird von Fischer ebenfalls empfohlen: „Churchill als Galionsfigur eines perversen Netzwerks zur Auslösung des zweiten Weltkriegs und Vernichtung Deutschland”, bewirbt Fischer dieses Buch — ganz geschichtsrevisionistisch — auf seiner Internetseite.

Dort findet sich auch Werbung für weitere geschichtsrevisionistische Nazi-Propagaganda, mit denen die Kriegsschuld Deutschlands geleugnet wird. Konrad Fischer bedient sich hier eines unglaublichen antisemitischen Jargons. Er schreibt vom damaligen Premierminister „Churchill und seiner jüdischen Freundes– und Emigrantenschar”, die er als „scharende Kriegstreiber” bezeichnet.

Einige der von Fischer beworbenen Bücher sind im „Grabert-Verlag” erschienen, der die Naziszene ebenfalls mit Propaganda beliefert. Mehrfach wurden Bücher aus dem Verlagsprogramm wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung Verstorbener eingezogen oder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert. Fischer empfiehlt auf seiner Internetseite außerdem die„manchmal durchaus lesenswerte Kommentare in der National-Zeitung von Dr. Gerhard Frey”. Es handelt sich um eine weitere Zeitung für deutsche Nationalsozialisten.

Der Ziegelphysiker Konrad Fischer empfiehlt allerdings nicht nur Bücher und Zeitungen der extremen Rechten, sondern auch andere Machwerke. So zum Beispiel ein Buch des Verschwörungsideologen Jürgen Elsässer, mit dem sich Fischer gerade in den Iran begeben hatte. Fischer garniert seine Buchempfehlung mit einigen eigenen antisemitischen Tiraden. Er schreibt vom „bluttriefenden zionistisch-faschistischen Israel” und konstruiert „USraelische Netzwerke gegen den Iran”. Die Chiffre von „USrael” wird ansonsten gerne von Nationalsozialisten genutzt.

Es ist eine antisemitische Sprache, die auf der Internetseite des Ziegelpyhsikers verwendet wird. Fischer warnt hier vor „mächtigen Juden” und „Globalheuschrecken”, seinesgleichen sieht er als „Sklaven, Halbaffen und Schabbesgojim”, die von „Usrael” unterdrückt werden.

Fischer ist, da besteht nun wirklich nicht der geringste Zweifel, ein fanatischer Antisemit. Dies wird auch durch seine Verharmlosung des Holocaust deutlich, den er mit angeblichen israelischen Verbrechen gleichsetzt. Außerdem macht er Jüdinnen und Juden für den grassierenden Antisemitismus verantwortlich. Die „Palästinenser” seien einer „genozidgleichen Holocausterei” ausgesetzt, dies würde „einen neuen weltweiten Antisemitismus geradezu” erzwingen. Dies sind nur einige Beispiele für den Antisemitismus des Ziegelphysikers, den dieser auf seiner Internetseite propagiert.

Wahrscheinlich trieb ihn dieser Antisemitismus nach Teheran. Er reiste gemeinsam mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer, dem Verschwörungsideologen Gerhard Wisnewski, dem „Arbeiterfotografie”–Aktivisten Andreas Neumann, dem FDP-Landtagskandidaten Claus Hübscher und dem „Muslim-Markt”–Bereiber Yavuz Özoguz in den Iran.

Dort trafen sie gemeinsam, während einer „Privataudienz”, auf den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Zurück in Deutschland wird Fischer wahrscheinlich wieder als „Architekt und Gutachter” auftreten und eventuell dem Bayerischen Rundfunk Interviews über Wärmedämmung und Photovoltaikanlagen geben. Außerdem wird er sicherlich weiterhin Bücher aus den Verlagen der deutschen Nazi-Szene empfehlen. Auf seiner Internetseite wird er obendrein die unverhohlene antisemitische Hetze betreiben. Die Reise in den Iran und den Besuch beim antisemitischen Präsidenten wird er, wie die anderen Teilnehmer, sicherlich in guter Erinnerung behalten.

Eisiger Hitler

In den vergangenen Tagen machten die BILD-Zeitung, die Augsburger Allgemeine und sogar das Spiele-Magazin PC Games mit ganz besonderen Artikeln auf sich aufmerksam: „Nazi-Diktator Adolf Hitler (1889–1945) könnte im ewigen Eis der Antarktis begraben sein”, behauptete beispielsweise die BILD und berief sich auf die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti. In den Zeitungen wurde der ganz besonders deutsche Neuschwabenlandmythos reproduziert, auch wenn dieser als „Irre Russen-Theorie”verkauft wurde.

Die Nachrichtenagentur Ria Novosti hatte in einer Mitteilung davon geschrieben, dass „alte Mythen” wieder „ins Leben gerufen” werden. „So ist auf der russischen Webseite ezobookslibrary.ru unter Berufung auf Geheimdokumente des Dritten Reiches zu lesen, dass 1940 in der Antarktis auf persönliche Anweisung des ‘Führers’ mit dem Bau von zwei unterirdischen Stützpunkten begonnen worden sei”, hieß es in der Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur. Die von ihr zitierte Internetseite propagiert verschiedene esoterische und verschwörungsideologische Themen in russischer Sprache. In der Mitteilung der Nachrichtenagentur finden sich ansonsten alle gängigen Neuschwabenland-Mythen: Einige Nazis hätten in der Antarktis eine geheime Basis errichtet, Hitlers Leichnam wird in der Mitteilung der Nachrichtenagentur allerdings nicht erwähnt.

Aus dieser merkwürdigen Mitteilung bastelte die BILD-Zeitung trotzdem den noch merkwürdigeren Artikel über Adolf Hitler, der „im ewigen Eis begraben sein” könne. Die Einordnung, die die Nachrichtenagentur vornahm, wird dort verschwiegen. Von „Mythen” ist in der BILD-Zeitung nichts zu lesen. Dafür heißt es in Anführungszeichen:

‘Hitler liegt im ewigen Eis der Antarktis begraben’.

Dieses angebliche Zitat, das als reißerische Überschrift verwendet wurde, findet sich allerdings nicht in der Mitteilung der Nachrichtenagentur. Aber für ein bisschen Hitler-Gruselei, die an altdeutsche Hoffnungen und Verschwörungsmythen vom Neuschwabenland anknüpft, kann man ja schon mal Anführungszeichen um die eigene Überschrift setzen, um dem Verschwörungsmythos hehre, russische Weihen zu verleihen.

Ähnlich dreist trieb es die „Augsburger Allgemeine”: Sie verschwieg ebenfalls die von der Nachrichtenagentur benannte Quelle, eine esoterische Verschwörungswebsite, und behauptete, dass einige Forscher_innen, die gerade in der Antarktis buddeln, die Verschwörungstheorie vom eisigen Hitler aufgestellt hätten: „Mehr als 30 Jahre bohrten sich russische Forscher durch das fast vier Kilometer dicke Eis. Nun spekulieren sie, ob dort Adolf Hitlers Leichnam einst versenkt wurde”, hieß es dort reißerisch. Dabei beweisen die Artikel vor allem eines: Der Neuschwabenlandmythos ist gesellschaftsfähig, auch und gerade in Deutschland.

Neuschwabenland? So nennt sich tatsächlich ein kleiner Landstrich in der Antarktis, der in den 30er Jahren des letzten Jahrhunders von einer deutschen Forschungsexpedition bereist wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg geisterte ein Traum durch die Köpfe einiger Nazis, die ihre eigene Niederlage auf diese Weise rationalisierten. Einige Führungspersonen der Nazi-Elite seien vor Kriegsende in eine geheime Basis in die Antarktis geflohen, um von dort den Weltkrieg fortzuführen.

Beweise gab es verständlicherweise keine, dafür erschienen die Berichte einiger äußerst unseriöser Zeitzeugen und Verschwörungsideologen, die verschiedene Bücher zum Thema verfassten. So pro­pa­gier­te der ar­gen­ti­ni­sche Jour­na­list La­dis­las Szabobereits in den 40er Jahren die Vor­stel­lung einer Flucht Hit­lers in die Antarktis. : „Hit­ler está vivo” („Hit­ler ist am Leben”) er­schien 1947 im ar­gen­ti­ni­schen Taba­no-​Ver­lag und wurde zu einem Best­sel­ler der damaligen Verschwörungsliteratur.

In den 70er Jahren stellte der esoterische Nationalsozialist Mi­guel Ser­ra­no die Behauptung auf, dass einige Mitglieder der Nazi-Elite im ewigen Eis überlebt hätten. Sie würden von dort den zweiten Weltkrieg fortführen. popularisierte Serrano damals derartige Theorien, die von denen geschaffen wurden, die den Tod ihres Idols Adolf Hitler nicht verwinden konnten.

Vermischt wurde das Märchen vom lebenden Hitler mit einem gehörigen Schuss Esoterik, mit Science-Fiction und mit Verschwörungsideologie: Da war von geheimen Basen in der Erde die Rede, die in Wirklichkeit hohl sei und von „Ariern” besiedelt wurde. Diese würden mit ihren geheimen „Reichsflugscheiben” den Krieg gegen die Alliierten und ihre angeblichen Hintermänner fortführen, was auch der Grund für die zahlreichen UFO-Sichtungen sei.

„Die Arier stam­men ur­sprüng­lich nicht von der Erde. Ihre Vor­fah­ren sind weiße Göt­ter, die bei der Schwar­zen Sonne leb­ten, die viel­leicht sogar in einer an­de­ren Di­men­si­on liegt (…). Adolf Hit­ler ist nicht tot. Er lebt und kämpft im In­ne­ren der Erde (…), des­sen Ein­gang in der Ant­ark­tis ist. In­zwi­schen ist er viel­leicht sogar per UFO im Welt­all verschwunden“.

Bis heute gibt es Anhänger_innen dieser merkwürdigen Theorie: Alte und neue Nazis begeistern sich ebenso für diesen Verschwörungsmythos wie Verschwörungsfans. Der antisemitische Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge „Jan van Hel­sing“ (ei­gent­lich: Udo Holey) be­haup­tet sogar, dass die Südpol-​Na­zis Kontakte zu außerirdischen „Ari­ern“ vom Planeten Aldebaran pfle­gen wür­den.

In Berlin-Britz kommen deutsche Nazis und Verschwörungsideologen regelmäßig zum „Neu-Schwabenland-Treffen” zusammen. Das Treffen wurde 2003 von Thomas Keller, Kawi Schneider, Dr. Axel Stoll und Peter Schmidt begründet, hier lebt das „Deutsche Reich” in den Grenzen von 1939 fort. Auf den Internetseiten der Szene finden sich Hitler-Reden, das Programm der NSDAP und die Texte verschiedener Verschwörungsideologen, die den Neuschwabenlandmythos in ihren Büchern reproduzieren.

Dieser Wahn wurde nun auch in der BILD-Zeitung, in der Augsburger Allgemeinen und in anderen Zeitungen aufgegriffen. Von einer kritischen Auseinandersetzung sind die Artikel allerdings allesamt Lichtjahre entfernt. Stattdessen wurde die obskure Mitteilung einer russischen Nachrichtenagentur verfremdet und aus dem Zusammenhang gerissen, um den Traum von den Nazis im Neuschwabenland aufleben zu lassen. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die diesen verschwörungsideologischen Mythos am Leben halten. Wahrscheinlich werden die Artikel demnächst in den Foren und auf den Internetseiten dieser Verschwörungsfreaks als Beweis für die angebliche Wahrheit über Adolf Hitler aufgeführt werden.

Mehr Nazis im Weltall

Nazis im Welt­all? Nicht nur in der ori­gi­na­len Star ​Trek Serie um Captain Kirk und den Vulkanier Spock wurde diese The­ma­tik aufgegriffen. In einer Nach­fol­ge­se­rie wurde das Thema sogar für einen abend­fül­len­den Zwei­tei­ler benutzt, der auf den Namen „Stormfront” getauft wurde.

Die Sci­ence-​Fic­tion-​Se­rie „En­t­er­pri­se“ be­han­delt die Aben­teu­er des gleichnamigen ersten Raumschiffs diesen Namens. Ob­wohl diese Serie in der Zeit­li­nie etwa 100 Jahre vor den klas­si­schen Aben­teu­ern um Cap­tain Kirk und Co spielt, wurde sie als letz­tes — von 2001 bis 2005 — pro­du­ziert, bevor das Star Trek Frenchise sang und klanglos aus dem Fernsehen verschwand.

Vie­le Star-​Trek Fa­na­ti­ker_in­nen, die sich Trek­kies nen­nen, ist diese Serie be­son­ders ver­hasst, weil sie mit gän­gi­gen Erzähltra­di­tio­nen des Star Trek Uni­ver­sums brach. Der „Canon“ ist das hei­li­ge Buch der Trek­kiesund genau die­sen „Canon“ sehen die Star-​Trek-​Jün­ger_in­nen durch die neue­re Serie ver­letzt, unter anderem weil sie moderner wirkt als die originale Serie, die in in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts produziert wurde.

In der Serie „En­t­er­pri­se“ muss­ die Crew der Enterprise NX-01, die von Cap­tain Jo­na­than Ar­cher be­feh­ligt wird, eine au­ßer­ir­di­sche Be­dro­hung zu­rück­schla­gen. Die Xindi, eine Al­li­anz ver­schie­de­ner Au­ßer­ir­di­scher, tö­ten bei einem An­schlag ungefähr 300 Mil­lio­nen Men­schen. Die En­t­er­pri­se muss­ diese Be­dro­hung zu­rück­schla­gen und reist zu den Heimatwelten der Xindi, um eine weitere Terror-Waffe zu beseitigen.

Hier gibt es einen durchgehenden Handlungsbogen. Statt „Monster of the Week”–Folgen, die losgelöst zu betrachten sind, gibt es eine durchgängige Handlung. Diese neue Erzählstruktur stieß einigen Star Trek Fans übel auf. Dabei ist es gerade diese durchgehende Handlung, die sich an Ereignissen der Gegenwart orientiert, die eine durchgehende Spannung erzeugt. Viel Star Trek Fans erwiesen sich allerdings als sture Traditionalist_innen, die mit dieser modernen Erzählstruktur ihre Probleme hatten.

Die dritte Staffel der Serie entstand di­rekt nach den Terroranschlägen 11. Sep­tem­ber 2001, der un­über­seh­bar als Vor­la­ge dien­te. Die Crew sah sich verschiedenen mo­ra­li­schen Pro­ble­men aus­ge­setzt: Etwa, ob es mög­lich sei, einen Ge­fan­ge­nen zu fol­tern oder psy­chisch zu de­sta­bi­li­sie­ren, um an In­for­ma­tio­nen zu kom­men. Die Serie be­ant­wor­te diese Fra­gen po­si­tiv und ver­such­te sich trotz dem an dem „Hu­ma­nis­mus“zu ori­en­tie­ren, der die Star-​Trek-​Se­ri­en aus­zeich­net. Die Crew drohte an den Folgen ihrer Handlungen zu zerbrechen.

Mit an­de­ren Fra­gen wurde die Crew in der vier­ten Staf­fel und letzten Staffel der Serie kon­fron­tiert. Die En­t­er­pri­se wird, nach dem sie die Be­dro­hung durch die Xindi ab­ge­wen­det hat, in einen Zeit­stru­del ge­zo­gen. Das Schiff lan­det in einer al­ter­na­ti­ven Zeit­li­nie, in der die Nazis be­reits große Teile der USA be­setzt haben: So weht die Ha­ken­kreuz-​Fah­ne über dem Wei­ßen Haus in Wa­shing­ton. In Chi­ca­go weh­ren sich die Gangs, mit ihren Mit­teln, gegen die Be­sat­zer_in­nen. Doch diese Nazis haben sich mit ganz an­de­ren Wesen ver­bün­det, die sie mit Tech­ni­ken aus einer fernen Zukunft ver­sor­gen: Kampf­flug­zeu­ge kön­nen auf diese Art und Weise mit La­ser­strah­len aus­ge­rüs­tet wer­den. Die Au­ßer­ir­di­schen sind ge­stran­det. Sie bauen einen Zeit­tun­nel um in ihre Welt und ihre Ge­gen­wart zu­rück­zu­keh­ren. Dafür nehmen sie die Kolloboration mit den Nazis in Kauf. Aber auch an­de­re Au­ßer­ir­di­sche ver­su­chen, in die­sem tem­po­ra­len Krieg, ihre In­ter­es­sen zu ver­tre­ten.

Cap­tain Ar­cher und seine Crew ver­su­chen aus die­sem Schla­mas­sel zu ent­kom­men. Dabei kom­men sie so­wohl in Kon­takt mit dem ame­ri­ka­ni­schen Wi­der­stand, als auch mit Zi­vi­lis­t_in­nen, die sich nach einem bes­se­ren Leben – ohne Nazis – seh­nen. Vom rea­len Grau­en, dass die Nazis, in der Rea­li­tät ver­ur­sach­ten und vom sys­te­ma­ti­schen Mor­den be­kom­men die Zu­schau­er_in­nen nichts zu sehen. Die ganz realen Folgen, die eine Besetzung der USA für Jüdinnen und Juden gehabt hätte, werden nicht aufgezeigt. Vom Rassismus der Nationalsozialisten wird ebenfalls geschwiegen:  Selbst die junge Afro­ame­ri­ka­ne­rin, der sich Ar­cher und Co annehmen, zieht es vor in das be­setz­te Chi­ca­go zu­rück­zu­keh­ren, an­statt in den frei­en Teil der USA.

Wie auch in der klas­si­schen Serie ge­lingt es nicht, den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als bar­ba­ri­sche und men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie zu be­schrei­ben. Trotz al­le­dem ist die Idee einer Zeit­rei­se in eine Welt in der die Ge­schich­te an­ders ver­läuft — um mit Spock zu sprechen — „fa­zi­nie­rend”.

Aus dem Thema wurde allerdings viel zu wenig gemacht, die 08/15 Bösewichte wurden diesmal in Nazi-Uniformen gesteckt. Mit dem ganz realen Grauen des Nationalsozialismus haben die Folgen der Serie „Enterprise” wenig zu tun. Trotz dieser Mängel ist die Serie, gerade wegen der dritten Staffel, durchaus sehenswert.

 

Holocaustleugner aus Düsseldorf

In Düsseldorf gibt es einen Ableger der Occupy-Bewegung, deren Aktivist_innen in vielen Städten der Bundesrepublik campieren. In Düsseldorf zelten etwa zwanzig Personen am Martin-Luther-Platz, um „eine Anlaufstelle zu bieten“. Sie trotzen den kalten Temperaturen und stellen sich als „Bewegung“ dar, die für„Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit“ eintreten würden.

Man organisiert Demonstrationen und andere Aktionen. So zum Beispiel eine „Licht-Installation“, bei der „mit Fackeln der Schriftzug ‚OCCUPY‘ gezeigt“ wird. Es seien „Lichter die die Dunkelheit erleuchten“, kommentiert ein Aktivist diese Aktion.„Unsere Zeit ist gekommen – wir werden nicht länger den Mund halten“, heißt es auf der offiziellen Facebook-Seite der „Occupy-Bewegung“ aus Düsseldorf.

Wie es aussehen kann, wenn Occupy-Aktivist_innen „nicht länger den Mund halten“, durften verschiedene Besucher_innen des Camps erleben, die anderenorts über diese Erfahrungen berichteten. Am 07.12.2011 fand eine Veranstaltung statt, mit der den deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden der Landeshauptstadt gedacht wurde.

Dort meldete sich auch eine ältere Frau zu Wort, die über ihre Erfahrungen mit der „Occupy-Bewegung“ in Düsseldorf berichtete. Sie sei von „zwei freundlichen jungen Menschen“ belehrt worden, dass es „keine Verfolgung und Deportation von Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland gegeben“ habe, heißt es in einem Diskussionsforum der „Occupy-Bewegung“.

Hier meldeten sich auch einige Occupy-Aktivist_innen zu Wort, die die Vorwürfe bestätigten. Eine Aktivist_in schreibt:

Ich musste mir diese Ansagen im Camp auch schon anhören (…). Ich weiß also auch sehr genau, dass es ein paar (…) menschen im Camp sind, die glauben, der Holocaust wäre eine Verschwörungstherorie.

Eine weitere Aktivist_in schreibt, sie habe im „Camp mit Erstaunen von einem ganz netten Camper erschreckende Angaben zum Holocaust“ hören dürfen, dabei sei er doch„ein lieber engagierter Kerl“. Dieser Occupy-Aktivist und seine Kompagnons würden aus ihrer Holocaustleugnung kein Geheimnis machen und sind seit einigen Wochen im Camp aktiv.

Vor diesem Hintergrund erscheint es zweifelhaft, ob die Holocaust-Leugner ausgeschlossen werden, die einen Teil ihrer Zeit damit verbringen, Besucher_innen des Occupy-Camps von ihren ekelhaften Positionen zu überzeugen. Schließlich werben Aktivist_innen damit, dass „jeder eine gleichberechtige Stimme“ habe und„seine Meinung sagen“ könne.

Die Leugnung der industriellen Vernichtung scheint auch daher dort mehr oder weniger toleriert zu werden. Andere Aktivist_innen bereiten nun keinen Ausschluss, aber eine Stellungnahme vor.

Deutsche Abgründe

Zehn Menschen sind tot. Dreizehn Jahre verrichtete eine rechte Terrorgruppe, die sich den Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gegeben hatte, ihr mörderisches Handwerk, ohne dass bundesdeutsche Behörden den Nazi-Tätern auf die Spur kamen. Nun ermittelt das Bundeskriminalamt und ist auch auf der Suche nach den Unterstützern dieser Vereinigung. Am 13.11.2011 wurde beispielsweise Holger G. verhaftet, der den Mördern seine Ausweise hinterlassen haben soll. Beate Zschäpe, Mitglied des NSU, befindet sich bereits seit dem 08.11.2011 in Haft und spekuliert von dort auf Strafmilderung.

Die Terrorgruppe hatte in den vergangenen Jahren neun Migranten ermordet, Bomben gebaut und eine Polizistin hingerichtet. Journalist_innen gaben den Taten einen Namen. Es war von „Dönermorden“ die Rede. Dabei waren die meisten ermordeten Personen noch nicht einmal Dönerverkäufer, sondern beispielsweise Änderungschneider, Gemüsehändler, Kiosk- und Internetcafé-Besitzer, mit ganz konkreten Namen und einer Geschichte.

Hier wurde der rassistische Diskurs, dem viele deutsche Medien verfallen sind, offensichtlich. So berichtete der Spiegel vor mehr als einem Jahr besonders ausführlich über die„Dönermorde“, was von der rassistischen Internetseite „PI-News“ begierig aufgegriffen wurde. „Düstere Parallelwelt“, hieß es im Spiegel. Die PI-News-Rassisten veröffentlichten diesen Artikel erneut und sprachen von der „importierten ‚Organisierten Kriminalität‘ aus dem Morgenland“. „Spur der Döner-Mörder führt zur Wettmafia“, sekundierte der Spiegel in einem weiteren Artikel. Auch die BILD-Zeitung machte die Taten zum Thema. Sie präsentierte als Täter die „Drogenmafia“ oder die „organisierte Kriminalität“ und zitierte den Leiter einer Sondereinsatzkommision, der nicht ausschließen wollte, dass die Opfer „in der Drogenszene aktiv waren“.

Nur auf die naheliegende Vermutung, dass es sich um die Taten von Nationalsozialisten handeln könnte, ist niemand gekommen. Stattdessen ermittelten die Behörden im „Drogen-, Glücksspiel- und Schutzgeldmilieu“. In einem rassistischen Klima sollte dieser Umstand allerdings nicht verwundern. Hier wurden die Opfer auch nach ihrem Tod zu Tätern gemacht. Selbst „den Verdacht, es könnten Neonazis gewesen sein, hat die Polizei nie ernst genommen“, sagt beispielsweise Gamze Kubasik, Tochter eines Opfers heute.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet nun allerdings über noch viel tiefere Abgründe, die nun ans Tageslicht kommen. Die Bundesrepublik steht vor dem nächsten Skandal, mal wieder ausgelöst durch Strukturen des Verfassungsschutzes. Angeblich sollen Mitarbeiter dieser Vereinigung, deren V-Leute zur Finanzierung nationalsozialistischer Banden beigetragen haben, bei mindestens einer Tat vor Ort gewesen sein. Der Täter, der auf den Spitznamen „Kleiner Adolf“ hört, sitzt nicht in Haft, sondern wurde lediglich vom Dienst suspendiert.

Was jetzt bereits klar ist: Die Dienste haben durch den Einsatz von V-Leuten zur Finanzierung der Nazi-Banden beigetragen. Tino Brandt baute den „Thüringischen Heimatschutz“ auch mit Geldern des Verfassungsschutzes auf. Für seinen Einsatz als V-Mann, Deckname „Otto“, kassierte er mindestens 200.000 Euro, von denen Teile in den Aufbau der Nazi-Organisation flossen, in der auch die späteren Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ aktiv waren. Selbst der CSU-Hardliner Hans Peter Uhl will nicht mehr ausschließen, dass es „ein Verfassungsschutzproblem gibt“. Die Welt berichtet unterdessen:

In Sicherheitskreisen wird spekuliert, die drei aus Thüringen stammenden mutmaßlichen Täter könnten vom Verfassungsschutz eine neue Identität erhalten und dann als Verbindungsleute in der rechten Szene geführt worden sein.

Die bundesdeutschen Geheimdienste wurden maßgeblich durch Alt-Nazis aufgebaut, die nach dem zweiten Weltkrieg eine zweite Karriere als bundesdeutsche Verfassungsschützer begannen. Vor allem in der Abteilung IV, der Spionageabwehr, tummelten sich die alten Nazis. 3 von 12 Gruppenleitern und Referenten und 7 der 51 Sachbearbeiter waren noch im Jahr 1963, nach Recherchen des Historikers Patrick Wagner, ehemalige Mitarbeiter von Gestapo und Sicherheitsdienst.

Im NS-Nachfolgestaat machten nicht nur die Globkes und Filbingers Karriere, sondern auch ehemalige Gestapo-Folterer, SS-Mörder und andere Nazischergen. Der Leiter der Gruppe Informationsbeschaffung, Oberregierungsrat Erich Wenger, war am 1. März 1933 freiwillig in die SS eingetreten. Er hatte zwei Jahre bei der Leibstandarte Adolf Hitler gedient. Bis 1944 schaffte er es im Reichssicherheitshauptamt zum SS-Hauptsturmführer und Kriminalrat.

Die Geschichte der bundesdeutschen Geheimdienste ist eben eine auch Geschichte der Verstrickungen; dabei wurden nicht nur Nazi-Organisationen finanziert, sondern auch das rechte Auge zugedrückt, wenn es um die Taten der neuen Nazis ging. Das hat sich bis heute nicht geändert. „Häufig ist viel Geld im Spiel“, berichtet sogar die Deutsche Welle, das „‚Wegsehen‘ gehörte zum Programm“.

Nazi-Banden haben mehr als zehn Menschen auf dem Gewissen. Die Geschichte des Nationalsozialismus nach 1945 ist auch eine Geschichte des rechten Terrorismus. In den 60er und 70er Jahren verübten diese Nazi-Banden zahlreiche Anschläge. Der bekannteste Fall ist sicherlich der Mordanschlag auf Rudi Dutschke vom 11.4.1968: Der Anstreicher Josef Bachmann schoss dem Vorsitzenden des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) mit einer Pistole in den Kopf. Nach seiner Festnahme fanden die Beamten auch einen Artikel der „Deutschen National-Zeitung“ des Gerhard Frey, der mit der Aufforderung „Stoppt Dutschke jetzt“ versehen war. Die Waffe hatte Bachmann beim frühere NPD-Mitglied Wolfgang Sachse erworben.

Der vorläufige Höhepunkt des Nazi-Terrors war Anfang der 80er Jahren erreicht. Der Nazi Gundolf Köhler, der in der Wehrsport-Gruppe Hoffman organisiert war, verübte einen Anschlag auf das Münchener Oktoberfest: 13 Menschen wurden getötet, 211 zum Teil schwer verletzt. Fast vergessen ist der antisemitische Mord vom 13.12.1980. Damals wurde der jüdische Verleger und ehemalige Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Shlomo Levin, und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke in Erlangen von Uwe Behrendt, ebenfalls ein Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann, erschossen. Levin hatte zuvor mehrfach öffentlich vor der deutschen Neonaziszene und insbesondere vor dem „Chef“ der Wehrsportgruppe, Karl-Heinz Hoffmann, gewarnt. Einige Nazis flüchteten in den Libanon und gründeten, unter der Führung der palästinensischen Al-Fatah eine „Wehrsportgruppe Ausland“ im Palästinenserlager Bir Hassan bei Beirut.

Zur gleichen Zeit war auch eine „Deutsche Aktionsgruppe“ um Manfred Roeder aktiv, die für zahlreiche Sprengstoffanschläge verantwortlich war. Immer wieder entdeckten bundesdeutsche Behörden Waffen, Sprengstoff und Munition, wenn es dann einmal doch zu Hausdurchsuchungen kam. Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Anschlägen, heute vermutet man einen Zusammenhang zum„Nationalsozialistischen Untergrund“.

Die Mitglieder dieser Nazi-Gruppe verschwanden bereits Ende der 90er Jahre vom Behördenradar, nachdem bei einer Hausdurchsuchung in einer Garage vier Rohrbomben und 1,4 Kilogramm TNT gefunden wurden. Nach Informationen des Tagesspiegels untersuchen die Behörden etwa einen Sprengstoffanschlag Ende 1998 in Berlin auf das Grab von Heinz Galinski, dem einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden. Am 27.6.2000 detonierte eine Bombe am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn in einer Gruppe jüdischer Aussiedler. Dieser Fall ist ebenfalls bis heute nicht geklärt. Im September 2003 wollte eine Nazi-Bande um Martin Wiese einen Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des neuen Jüdischen Kulturzentrums am 9. November 2003 am Münchner St.-Jakobs-Platz verüben. Unterdessen mordete der „Nationalsozialistsiche Untergrund“. Verschiedene Nazi-Banden ermorderten in den letzten beiden Jahrzehnten mehr als 137 Menschen.

Rechter Terrorismus ist also keine neue Entwicklung, sondern ein immanenter Bestandteil der bundesdeutschen Geschichte. Umso überraschender erscheinen die Erklärungen vieler Politiker_innen und Journalist_innen, die nun – nachdem zehn Menschen ermordet wurden – ihre Betroffenheit entdecken.

Es ist eben wie immer, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Sexualität oder Herkunft ermordet werden. Dann, aber nur dann, entdecken viele bundesdeutsche Politiker_innen ihre Betroffenheit, während sie vom rassistischen Normalzustand und vom alltäglichen Terror durch Nazi-Banden schweigen. Es scheint wieder die Zeit der Lichterketten zu sein, so wie 1991, als Nazis mehrere Brandanschläge verübten oder wie im Jahr 2000, als es zu einem kurzen „Aufstand der Anständigen“ kam, nachdem Martin Wiese und seine Kameraden die Grundsteinlegung zum Synagogen-Neubau mit Sprengstoff verhindern wollten.

Nun fürchten die, die ansonsten über die Nazi-Banden schweigen, um ihren Ruf: „Kanzlerin Angela Merkel spricht von einer „Schande“. „In Berlin sorgt sich die Bundesregierung um Deutschlands Ruf“, berichtet der Spiegel. Das ZDF bringt nun wie die anderen Fernsehsender Sondersendungen zum Thema: Dort ist von einer „neuen Gefahr von rechts“ die Rede. Innenminister Hans-Peter Friedrich sieht eine „neue Form des rechtsextremistischen Terrors“. Der Spiegel schreibt von einer „völlig neuen Qualität rechtsextremistischer Gewalt“.

Das Oktoberfest-Attentat und die zahlreichen anderen Morde scheinen vergessen zu sein. Ebenso schnell werden die Nazi-Morde und der dahinterstehende Skandal vergessen werden; bis es die die nächsten Opfer gibt, die durch Nazi-Banden ermordet werden. Bis dahin wird wieder Friedhofsruhe in Deutschland herrschen. Eine Friedhofsruhe, die den Henkern erst ihre mörderische Arbeit ermöglicht. Der Blick auf die deutschen Zustände offenbart eben noch immer einen Abgrund an Aufklärungsverrat und Barbarei.

Die Internetseiten der „Empörten“

Die „Empörten“, die nach ihren Märschen am 15.10.2011 Zelte aufgebaut haben und in vielen Städten der Bundesrepublik campieren, nutzen auch das Internet, um Forderungen zu entwerfen und gemeinsame Aktionen zu besprechen. Hier ist eine unübersichtliche Struktur entstanden. Es gibt hunderte Facebook-Seiten, bei denen oftmals nicht ersichtlich ist, ob sie von vereinsamten Einzelpersonen oder von organisierten Aktivisten der „Bewegung“ betrieben werden.

Im Zweifel können sich diese von den Inhalten distanzieren, die ihnen nicht genehm sind. Es gibt aber auch offizielle Seiten, auf denen die kommenden Aktionen geplant werden. Auf meiner Reise durch das Internet stoße ich auf die Inhalte, die vielen Occupy-Aktivisten am Herzen liegen.

So hat Occupy-Frankfurt eine offizielle Internetseite. Alle dürfen dort mitschreiben, von der bewegten Attac-Aktivistin bis zum antisemitischen Verschwörungsfan. Daher widersprechen sich viele Forderungen. So soll ein demokratisches Miteinander entstehen. Man sei eine „Gemeinschaft mit vielen verschiedenen Ideen und Zielen“, die „der Macht Grenzen setzen wollen“, heißt es in einer allgemeinen Einleitung. Einzelne distanzieren sich einerseits von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, auf der anderen Seite finden sich antisemitische Texte.

Mit einem strukturellen Antisemitismus, bei dem gegen eine die „Profitgier einer Minderheit von Superreichen“ angeschrieben wird, scheinen die Seiten-Nutzer und die Teilnehmer des Protestcamps kein Problem zu haben. Als Redner trat dort beispielsweise Bernd Senf auf, der sich an der strukturell antisemitischen „Zinskritik“ des Silvio Gesell orientiert.

Auf dem Camp finden sich daher Schilder mit der Aufschrift „Freigeld“, das in der Szene der „Zinskritiker“ als Lösung beworben wird. Auf Flyern finden sich ebenso problematische Forderungen: „Dieses Land gehört uns, nicht den Plutokraten!“ Hier nutzt man also einen nationalsozialistischen Kampfbegriff, der insbesondere durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels verwendet wurde.

Werbung für Occupy (Frankfurt)
Werbung für Occupy (Frankfurt)

Derartige Forderungen gefallen auch Nazis. So schreibt ein Autor – der zum Umfeld der Seite „Deutschland Echo“ gehört – darüber, dass das Camp eine „eine einmalige Gelegenheit“ sei, um „antiglobalistisch und antiplutokratisch zu agieren“. Nazis sollen sich anschließen und dabei mithelfen „das Goldene Kalb zu schlachten“.

Vielleicht liegt das an den offen antisemitischen Inhalten, die auf der zum Camp gehörenden Internetseite zu finden sind. Bisher sind sie nicht gelöscht worden. Kein Wunder: „Diskussionen sind gewünscht“, zum Beispiel über über angebliche Chemtrails. Daher findet sich bis heute antisemitische Hetze auf der offiziellen Internetseite der Frankfurter Camper:

Eine kleine mafiaartig organisierte Gruppe deren Mitglieder sich wohl schon über Generationen hinaus gegenseitig die Posten zuschieben mißbrauchen die jüdische Glaubensgemeinschaft für ihre Ziele.

Dort werden die „Progrome des Mittelalters“ gerechtfertigt, schließlich hätten sie den „einflussreichen Geldverleihern“ gegolten.

Und da muß man an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, was eigentlich die Juden als Grundannahme haben sollten: in der Thora (alten Testament) steht: Nehmt keine Zinsen (…). Solange der Zins eine wichtige Rolle in einem Währungssystem hält, ist dieses auf kurz oder lang dem Scheitern verurteilt.

Auf der Internetseite wurden verschiedene Texte veröffentlicht. So zum Beispiel die antiamerikanische Hetze des Querfrontlers Jürgen Elsässer. In der Linksektion der Internetseite finden sich Videos: Hier wird auf ein Video des „Zinskritikers“ Bernd Senf verwiesen.

Es handelt sich um ein Interview mit der verschwörungsideologischen Internetseite „Alpenparlament“. Geführt wurde es vom „Medienwissenschaftler“ Michael Vogt , der im Jahr 2004 – gemeinsam mit dem Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion Olaf Rose – einen revisionistischen Film über Rudolf Heß produzierte.

Auf der Internetseite von Occupy-Frankfurt wird das Video „Fabian, der Goldschmied: Gib mir die Welt plus 5 Prozent“ beworben. Der Produzent des Films ist der Scientologe Michael Hinz (Alias: M. Kent). Das Zeichentrick-Video findet sich auf zahlreichen Internetseiten der rechten Szene. An derartigen Inhalten scheint sich in Frankfurt fast niemand zu stören. Sie finden sich bis heute auf der offiziellen Internetseite, obwohl die Aktivisten auf diesen Umstand hingewiesen wurden.

Neben dieser offiziellen Internetseite gibt es weitere Seiten, auf denen zu Protesten in Frankfurt aufgerufen wird. So zum Beispiel die Seite „YesWeCamp2011″, die zu den Protesten aufruft und diesen mit zahlreichen Fotos und Videos dokumentiert. Diese wird von Frank Stegmaier betrieben, der in Frankfurt für die rechtspopulistischen Freien Wähler im Ortsbeirat 1 sitzt. Auf meiner Reise zur„demokratischen Bewegung“ lande ich nicht nur auf dessen Seite, sondern auch auf der Internetseite einer bundesweiten Organisation, deren Name die Proteste geprägt hat. „Echte Demokratie Jetzt“ ist in aller Munde. Auch an dieser Gruppierung ist Stegmaier beteiligt.

So ist er sich für den Twitteraccount und für die Internetseite des Frankfurter Ablegers von „Echte Demokratie Jetzt“ verantwortlich. Auf dieser Internetseite finden sich die Videos, in denen Stegmaier im Protestcamp vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt posiert. Außerdem verbreitet er über seine YouTube-Kanäle die Videos, die die regressiven Proteste der Camper zeigen.

Hier wirbt der Ortsbeirat der rechtspopulistischen „Freien Wähler“ natürlich auch für eine „Anti-Euro-Partei“. Er war auch der erste, der am 15.10.2011 sein Zelt vor der Europäischen Zentralbank aufschlug, was er bereits am 09.10.2011 ankündigte:

Besetzung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt a.M. mit Zelten und allem was dazu gehört! Wer dabei ist, meldet sich.

Der Spiegel porträtierte ihn vollkommen unkritisch als „Hardcore-Aktivist, der den Euro abschaffen will und seit April immer mal wieder vor der EZB aus Protest campiert“.

Über die Internetseiten des „Hardcore-Aktivsten“ landet man schnell beim bundesweiten Ableger von „Echte Demokratie Jetzt“. Im dortigen Internetforum werden verschiedene Projekte beworben, die es den Aktivisten angetan haben. Hier wird nicht nur die Piratenpartei empfohlen, sondern auch Strukturen der rechten Reichsbürger. So zum Beispiel das „Projekt Neudeutschland“, das nur solange an „der Oder-Neiße Linie“ festhalten möchte, „bis alle anderen Nationen diese Grenze zu ändern wünschten“. Erst dann wollen diese Reichsbürger, die „Errungenschaften von NeuDeutschland über die derzeit bestehenden Grenzen der Bundesrepublik hinaus auf relativ unproblematische Art zu verbreiten“.

In dem Internetforum von „Echte Demokratie Jetzt“ bewirbt ein Adminstrator außerdem „kleine Parteien die man interessant finden kann“. Er bewirbt konkret die „Partei der Vernunft“, die anti-europäische Partei des Verschwörungsideologen Oliver Janich, die sich an der Demonstration in Berlin beteiligte.

Die Occupy-Bewegung in Berlin bewirbt ihre diffusen Ziele ebenfalls auf verschiedenen Internetseiten. Hier wird zu den den Camping-Aktionen aufgerufen. Neben der Seite „Alex11″, die auf den ersten Campversuch am Alexanderplatz zurückgeht, an dem verschiedene Verschwörungsaktivisten beteiligt waren, gibt es noch mehrere Internetseiten und eine Mailingliste zum Thema. Letztere ist durchaus amüsant. Eine Einzelperson verschickt beispielsweise ein Protokoll über ein Plenum in ihrer Wohnung, an dem kein anderer Mensch teilgenommen hat.

Auf meiner Reise durch das Internet entdecke ich auch den Blog „OccupyBerlin“, auf dem über aktuelle Entwicklungen rund um das Camp informiert wird. Hier wird darüber berichtet, dass sich eine „9/11 Arbeitsgruppe“ gebildet hätte, in der über den „amerikanische Imperialismus und seinen Krieg zum Terror“ gesprochen wird.

Auf der Internetseite wird darauf hingewiesen, dass die Versammlungen des Camps von „MitHerzTV“ gefilmt werden. Ein Blick in deren YouTube-Account verrät einiges: Hier findet sich das bereits erwähnte antisemitische „Fabian der Goldschmidt“-Video, Videos über die angebliche „BRD-GmbH“ und andere verschwörungsideologische Propaganda aus dem Milieu der Reichsbürger.

Kein Wunder, dass die esoterische Musikerin Nina Hagen, deren neues Album „Volksbeat“ heißen wird, „Grüße und Unterstützung“ an die Gruppe „Alex11″ richtet. Sie droht:

Wir sind 99%! Wir sorgen für Gerechtigkeit und werden gerechte Volksurteile fällen.

Es ließen sich viele Inhalte finden, die aufzeigen, dass die Occupy-Gruppen ein ganz reales Problem mit antisemitischen, esoterischen und nationalistischen Inhalten haben. Diese finden auf den offiziellen Seiten dieses Milieus, die ich auf meiner Reise durch das Internet entdeckt habe.

Dort kündigen die Occupy-Gruppen für Samstag, den 22.10.2011, neue Märsche und Aktionen an. Unter anderem soll in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin demonstriert werden. Wahrscheinlich werden die Forderungen, die es auf den Internetseiten der Szene zu entdecken gibt, auch auf den Demonstrationen präsentiert werden. Alles andere wäre eine wirkliche Überraschung.

Am Ende die Hoffnung – eine Kritik

Irgendwann im letzten Jahr kommen die Mitarbeiter eines Hauptstadtbüros, die irgendwas mit Medien machen, auf eine Idee: man nehme das ehemalige GZSZ-Sternchen Yvonne Catterfeld, klaue den Plot von Titanic, mische dies mit einer Prise Pearl Harbour und verlege die Handlung auf ein deutsches U-Boot. Fertig ist das „Historien-Drama“, das voll im Trend liegt.

Am Ende die Hoffnung
Am Ende die Hoffnung

Mit „Der Untergang“, „Jud Süß – ein Film als Verbrechen“ oder „Hindenburg“ hat die deutsche Filmindustrie schließlich gelernt, dass verharmlosende Stoffe, mit denen die Deutschen zum Opfer gemacht werden, beim Publikum gut ankommen. Die Unterstützung des Feuilletons ist gewiss. Mit Yvonne Catterfeld kann man sogar auf eine Darstellerin zurückgreifen, die das geschichtsvergessene RTL Publikum anspricht. Das große Sat 1 Drama war am 18.10.2011 im deutschen Fernsehen zu sehen.

„Am Ende die Hoffnung“ ist ein Drama, das im 21. Jahrhundert beginnt. Hier wurde großzügig beim Film Titanic abgekupfert: Während in diesem Film ein Forschungsteam, das Schiff auf dem Grund des Meeres entdeckt, sind es im großen Sat1-Drama Fischer, die ein Teil des U-Bootes an Bord holen. In beiden Filmen kommt nun eine Überlebende ins Spiel.

Im Sat 1 Film ist es die alte und niedliche Oma Ellen Ludwig, die sich vom Nachwuchs per Taxi nach Oslo transportieren lässt. Währenddessen erzählt sie ihrer Enkelin die Geschichte ihres Lebens. Dafür darf sie sie beim Liebesspiel mit einem muskulösen Skandinavier begutachten. Es handelt sich um eine vollkommen unglaubwürdige Verwandtschaftsstruktur, die hier ausgebreitet wird.

Oma lässt Bilder aus ihrer Vergangenheit Revue passieren: „Ein deutsches U-Boot dicht vor der USA-Küste“, tönt die nationalsozialistische Wochenschau. Das wird mit den Bildern unterlegt, die man aus den Historien-Dramen des Guido Knopp kennt, mit denen die Deutschen ebenfalls zum Opfer gemacht werden.

Nun darf das Fernseh-Publikum die Vergangenheit der Oma begutachten, die diese Bilder in einem reichsdeutschen Kino gesehen hat. Natürlich war Ellen Ludwig (Yvonne Catterfeld) im Widerstand aktiv: Flugblätter verteilen, Parolen malen und Plakate kleben. Natürlich wird sie erwischt, aber durch den Spion Dr. Robert Elbing (Stephan Luca), gerettet, der ihr eine Waffe anbietet. Ellen Ludwig lehnt ab: sie will keine Nazis erschießen. Elbing wurde vom britischen Geheimdienst nach Deutschland eingeschleust. Seine Mutter, eine Jüdin, starb zwei Jahre zuvor an der „Sorge, was in Deutschland passiert“.

Es gibt zwar Nazis, die als uniformierte Marionetten dargestellt werden, aber von den Verstrickungen der deutschen Mehrheitsbevölkerung wird man in diesem Film nichts erfahren. Von den deutschen Verbrechen kein Wort, Juden sterben an der „Sorge“ über die deutschen Zustände, die industrielle Vernichtung wird verschwiegen.

Dafür erfährt man, dass die Allierten „keinen Stein auf dem anderen gelassen haben“ und das es „damals eine schreckliche Zeit war“. Dies wird durch Trümmer illustriert, durch die Ellen Ludwig wandert. Sie hungert, wie der Rest der Bevölkerung, deren Elend in langatmigen Bildern illustriert wird.

Umso heroischer wirken die Bilder vom deutschen U-Boot. Die deutschen Soldaten, Mörder in Uniform, werden als freundliche, blonde Recken inszeniert. Diese begegnen den Verbrechen der Nazis mit ebensolchem Abscheu, wie der Rest der Bevölkerung. Ellen Ludwig wird vom spionierenden Doktor auf die den ersten Offizier des U-Bootes, Hans Mertens, angesetzt, weil das Boot einen „Sonderbefehl“ hat. Es geht um „irgendeine neue Waffe“.

Die Spione, von denen es nicht so wenige zu geben scheint, sind überzeugt: „Wir müssen das U-Boot aufhalten, egal was es kostet“. Um diesen Plan umzusetzen schläft der Doktor mit der jungen Widerstandskämpferin: „Es ist rein geschäftlich“, behauptet er danach. Ellen Ludwig trifft auf einem Ball auf den Seebären Hans Mertens, mit dem eine weitere Verharmlosung betrieben wird.

Er ist kein Nazi, sondern ein deutscher Soldat, der auf dem Ball seine Verlobung zelebriert. Von der deutschen Vernichtungskultur wird hier rein gar nichts gezeigt. Stattdessen sieht man freundliche Menschen, die sich noch freundlicher Unterhalten, bis sie durch die Bomben „der Tommys“ in den Keller getrieben werden.

Dort entflammt die Widerstandskämpferin endgültig für den deutschen Seefahrer. „Er ist einfach zu ehrlich“, schwärmt sie. Der erläutert seine merkwürdige Motivation in den Krieg zu ziehen: „Ich dachte, unten am Meer ist Frieden“, behauptet er. Karl Dönitz dürfte zufrieden sein, seine Mordmaschinerie wird grundsätzlich verharmlost. Trotz aller Zweifel wird Hans Mertens nämlich wieder in See stechen: „Ich kann meine Kameraden nicht im Stich lassen“, sagt er seufzend. Mit diesem deutschen Korpsgeist wurde schon so manches deutsche Verbrechen verharmlost. Nichts anderes geschieht im großen Sat 1 Drama.

Während der U-Boot-Mann Mertens als immer strahlenderer deutscher Held erscheint, wirken die Spione umso bösartiger. Der Doktor macht Tierversuche und verlangt den Tod des Seefahrers. Um Ellen Ludwig zu überzeugen, zeigt er ihr verletzte deutsche Soldaten: „Menschen sterben, tausende“, brüllt er. Doch Ellen Ludwig möchte nicht in den Krieg hineingezogen werden. Sie ist eine friedensbewegte Deutsche.

Trotzdem macht sie beim Tête-à-tête mit Mertens Fotos, die die Reiseroute des U-Boots zeigen. Hans Mertens ist unterdessen – wie das filmische Vorbild Leonardo di Caprio im Titanic-Streifen – überzeugt, dass er die Reise nicht überstehen wird. Die deutsche Rose, Ellen Ludwig, versucht ihm Mut zu machen. Sie steht nun zwischen den dunklen Spionen und den heroischen Deutschen. Erstere sind irgendwie fast auch Nazis, letztere heldenhafte Seefahrer, die durch miese Bomben der Alliierten und die „verdammten Saboteure“ bedroht werden. Dies suggeriert der Sat 1 Film.

Max von Puffendorf, der den deutschen Helden Hans Mertens darstellt scheint dieser Handlungsansatz ganz besonders gefallen zu haben. In einem Interview, das auf der Sat 1 Internetseite veröffentlicht wurde, posiert der Darsteller in seiner Nazi-Uniform:

Was ich sehr schön fand, sich mal mit der Marine zu beschäftigen (…) weil mein Großvater U-Boot Kommandant war, der im schwarzen Mai 1945 abgeschossen wurde.

Außerdem begeistert er sich „für die Technik und das Wunder, dass da geschaffen wurde“. Wenn er sich heute entscheiden müsste, würde der Darsteller zur Marine gehen.

Der Film, der eine Verharmlosung der deutschen Geschichte darstellt, kommt gut an. „Der Spiegel“ schreibt:

‚Am Ende die Hoffnung‘ hätte ein weiteres herkömmliches Event-Filmchen mit Nazi-Zeit-Flair werden können – doch Sat.1 ist überraschend gutes Gefühlskino mit mitreißenden Bildern gelungen, das zeigt, wie das Damals ein ganzes Leben belasten kann.

„Am Ende die Hoffnung“ ist ein Machwerk, das die deutsche Geschichte verharmlost. Hier wird eine Entlastung der deutschen Täter betrieben. Die Schauspieler agieren auf Soap Niveau, dafür gibt es Bomben ohne Ende. Außerdem passen die Handlungsstränge von Gegenwart und Vergangenheit nur bedingt zusammen. Ein schnulziger Film, mit dem Täter zu Opfern gemacht werden. „Am Ende die Hoffnung“ reiht sich also ein, in die lange Reihe deutscher Opferphantasien. Ein Film, der deutlich aufzeigt, wie verdorben die deutsche Darstellung der Vergangenheit ist.

Am Ende die Hoffnung. Deutschland, 2011. Regie: Thorsten Näter. Darsteller: Yvonne Catterfeld, Max von Puffendorf, Stephan Luca, Rosemarie Fendel u.v.m.

Truther von der NPD

Nicht nur die verschwörungsideologische Szene betreibt eine Umdeutung der historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001. Eine derartige Deutung der Realität liegt auch Nationalsozialisten am Herzen, die mit der deutschen Verschwörungsszene den Hass auf die Vereinigten Staaten teilen. Während die Einen am 10. September 2011 zu einem Aufmarsch in Karlsruhe mobilisierten, an dem sich circa vierhundert Verschwörungsfans beteiligten, organisierten die Anderen am 10. Oktober 2011 eine ähnliche Aktion, auch wenn sich hier nur eine handvoll Teilnehmer einfand. „9/11 war ein Inside Job“ wurde auf beiden Veranstaltungen skandiert.

Am 13. Oktober 2011 wurde im bayrischen Oberviechtach ein Mahnmal zur Ehren der Opfer des 11. Septembers 2001 eingeweiht. Der Bezirksverband Oberpfalz der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD) störte die Feier mit einem Transparent, um die „Inside Job“-Lüge zu bewerben. Hier wurde die Nanothermit-Theorie, die von Verschwörungsideologen wie Niels Harrit beworben wird, verbreitet: „Beide Türme (…) wurden gesprengt“, lautete die Behauptung der Nationalsozialisten.

Auf dem Transparent war eine anti-amerikanische Grafik zu sehen, die die Freiheitsstatue zeigt, deren Kopf durch einen Totenkopf ersetzt wurde. Daneben waren die Name angeblicher Experten zu lesen, die ebenfalls die Verschwörungslügen zum 11. September 2001 bewerben. Hier fand sich beispielsweise der Name des amerikanischen Radiomoderators Alex Jones. Der ist ein nationalistischer Verschwörungsideologe, der die NPD allerdings für eine Erfindung des britischen Geheimdienstes hält. Außerdem wurde unter anderem der Schauspieler Charlie Sheen und der fanatische Antisemit und Holocaustleugner Horst Mahler als prominente „Befürworter“ des Verschwörungsirrsinns benannt.

Des Weiteren fand sich der Name Alexander von Bülow auf dem Transparent, mit dem die Nazis die Feier störten. Hier handelt es sich um einen Irrtum, denn der 1901 verstorbene Geheimrat konnte den 11. September 2001 nicht umdeuten, selbst wenn er es gewollt hätte. Die Nazis meinten wohl eher Andreas von Bülow, der der israelischen Regierung unterstellt „von den Anschlagsplänen gewusst und nur ihre eigenen Bürger gewarnt zu haben“.

Die Nationalsozialisten wollten durch die Störung der Feier „verdeutlichen, dass das 9/11-Denkmal hier nicht erwünscht ist“. In einem Bericht, der auf einer Internetseite der Nazi-Szene veröffentlicht wurde, ist außerdem von den „wirtschaftlichen und hegemonialen Interessen des amerikanischen Kapitals“ die Rede, das für die Anschläge des 11. Septembers 2001 verantwortlich gemacht wird.

Andere Verschwörungsideologen, die sich ansonsten von den Nationalsozialisten abgrenzen, werden hier wahrscheinlich begeistert zustimmen. Schließlich sind sie in ihrem Anti-Amerikanismus und der daraus resultierenden Verschwörungstheorie zum 11. September 2001 mit jenen Nazis vereint, die ebenfalls eine verschwörungsideologische Deutung der Realität betreiben.

Die heutigen und vor allem die historischen Nationalsozialisten sahen sich durch eine angebliche jüdische Weltverschwörung bedroht, die sie für den amerikanischen Kapitalismus und für den sowjetischen Bolschewismus verantwortlich machten. In den Vereinigten Staaten von Amerika imaginierten sie den Tod und die Zerstörung. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der revisionistische Blick auf die terroristischen Anschläge vom 11. September ist aus dieser Perspektive nur konsequent.

Mit dieser Umdeutung der historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001 geht es den Nationalsozialisten von der NPD um eine Umdeutung der Geschichte. Dies betrifft nicht nur den 11. September, sondern auch andere historische Ereignisse: Wenn die USA für die mörderischen Anschläge in Haftung genommen werden, kann man diesen Staat auch für andere Ereignisse – wie zum Beispiel den 2. Weltkrieg – verantwortlich machen. Für diese Umdeutung der Vergangenheit ist der 11. September 2001 ein Hebel, mit dem eine anti-amerikanische und letztendlich revisionistische Geschichtsschreibung vorangetrieben werden soll.

Anderen Verschwörungsfans und Verschwörungsideologen mag es nicht um einen derartigen Ansatz gehen, doch auch sie befeuern diesen mit ihren Kreideaktionen, Aufmärschen und Kongressen. Einige von ihnen würden im Stillen den Verschwörungstheorien der NPD-Oberpfalz zustimmen. Die Lüge vom „Inside Job“ ist schließlich auch ein Anliegen der deutschen Verschwörungsszene.