Schlagwörter: Alles Schall und Rauch

Mohammed-Verschwörung

Es war abzusehen, dass der Mohammed-Film nicht nur den mörderischen Hass von Islamisten, sondern auch die Phantasie verschiedener Verschwörungideologen erwecken würde.

Auf der verschwörungsideologischen Internetseite „Alles Schall und Rauch” kann sich der geneigte Verschwörungsgläubige daher nun nicht mehr nur über die angebliche Macht der Rothschilds, sondern auch über den Film und seine vermeintlichen Urheber informieren. Hier wird „eine grossangelegte Täuschung auf allen Seiten, welche die wirklichen Drahtzieher und Geldgeber tarnt” vermutet. Auf anderen, oftmals islamistischen Internetseiten, wurden deartige Verschwörungsmythen präzisiert. Mit dem Film solle „die durch das zionistische Regime ohnehin angespannte Situation zwischen Muslimen und Juden offensichtlich künstlich geschürt und verschärft werden”, hieß es auf einer entsprechenden Internetseite. Dort wurde die Lüge, von den einhundert Juden, die den Film finanziert hätten, verbreitet. Es handelt sich um eine Lüge, die auch durch größere Medien kolportiert wurde.

Bei derartigen Ereignissen inszenieren sich Verschwörungsgideologen als Kriminalisten. Sie spielen Sherlock Holmes und stellen die Frage, wem das jeweilige Verbrechen genützt hätte, um damit Rückschlüsse auf die vermeintlichen Täter zu ziehen.

Nach den antisemitischen Angriffen des 11. September 2001 konnte ein Heer aus Verschwörungsideologen auf diese Weise das Opfer zum Täter machen. Weil das Verbrechen angeblich den USA genutzt hätte, können nur eine inneramerikanische Verschwörung für die Taten verantwortlich sein, lautete der ideologische Trugschluss, der in Deutschland etwa durch Mathias Bröckers verbreitet wurde. Nach verschiedenen Erdbeben wurde ebenfalls jene kriminalistisch anmutende Frage gestellt, um der angeblichen amerikanischen oder gar israelischen Verschwörung nachzusagen, sie hätte — mittels mysteriöser Erdbebenwaffe — die Naturkatastrophe ausgelöst, um etwa einen ökonomischen Konkurrenten auszuschalten.

Nach dem Mohammed-Film spielen verschiedene Verschwörungsideologen und ihre Fans mal wieder Detektiv und stellten sich die Frage, wem denn der Mohammed-Film genützt hätte. Wie im Falle des 11. September 2001 munkeln sie nun von der großen Verschwörung, die für den Film und die Folgen verantwortlich sei: „Die Leute, die dort irgendwas machen, können von überall auf der Welt kommen und werden einfach von der CIA für ihren ‘Job’ bezahlt”, raunte ein Verschwörungsgläubiger in einem einschlägigen Forum, indem die Frage gestellt wurde, die Verschwörungsgläubige benutzten, um die vermeintlichen Täter zu benennen.

Während der ordinäre Verschwörungsideologe nur vorgibt, dass er auf der Suche nach vermeintlichen Hintermännern sei, steht der Täter doch von vornherein fest. So muss es nicht verwundern, dass Verschwörungsgläubige jedweder Couleur nun auch von Jüdinnen und Juden faseln, die sie für den Film verantwortlich machen wollen.

Doch die Frage, wem der Film genützt hätte, findet sich nicht nur auf den einschlägigen Internetseiten und in den Foren der „Truther” und „Infokrieger”, sondern auch auf der Seite eines großen deutschen Nachrichtenmagazins. Für den „Spiegel” spielte Jakob Augstein den Detektiv und stellte die Frage, mit der sich auch andere Verschwörungsideologen seit dem Erscheinen des Films befassen: „Wie bei allen Verbrechen muss man auch hier fragen: Wer profitiert davon”, behauptete Augstein, um im nächsten Satz diejenigen zu präsentieren, denen der Film genützt hätte. Für Augstein sind es „US-Republikaner und Israelis”.

Mit dieser Behauptung begab sich Augstein in die Reihe derer, die an der verschwörungsideologischen Umdeutung der Ereignisse arbeiten. Dabei stellte er außerdem die Frage, ob der Produzent des Filmes „in einem anderen Auftrag” gehandelt habe. Letztendlich beantwortet Augstein seine Fragen nicht. Diese Drecksarbeit überlässt er seinen Lesern und den einschlägigen Internetseiten der Verschwörungsindustrie.

Augstein bleibt beim „Gerücht über die Juden” (Adorno) und munkelt vom israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu, dem „die Bilder der wütenden Muslime mehr als gelegen” gekommen wären. So präsentiert er, wenn auch in Frageform, einen vermeintlichen Täter, während der Mob zum Opfer gemacht wird:

Die zornigen jungen Männer, die amerikanische (…) Flaggen verbrennen, sind ebenso Opfer wie die Toten von Bengasi und Sanaa.

Mit seinen Behauptungen wird Augstein die  antisemitischen Phantasien der Verschwörungsideologen befeuern, die auch in den kommenden Tagen daran arbeiten werden, das Bild einer Verschwörung zu entwerfen, die man für den Film und Folgen verantwortlich machen kann. Hier dürfte die gleiche Frage gestellt und eine ähnliche Antwort geliefert werden. Dabei wird sicherlich auch der Name Netanjahu fallen.

Vielleicht wird sich der ein oder andere Verschwörungsideologe dabei auf den Hobby-Detektiv Augstein berufen. Dessen Text zeigt allerdings deutlich auf, wie mehrheitsfähig derartige Verschwörungsmythen sind, zumindest wenn man Israelis oder Amerikaner verantwortlich machen kann.

Terror & Verschwörungstheorien

Die mörderischen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya wurden von Verschwörungsideologen in der ganzen Welt aufgegriffen, um ihre Theorien über die Taten zu propagieren. Dass der mutmaßliche Täter, Anders Behring Breivik, zunächst zur Bombe und dann zur Waffe griff, um mehr als 70 Menschen zu ermorden, die an einem Camp der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen hatten, interessierte zunächst nur am Rande.

Es wurde nach Hintermännern, Ufos und Sprengstoff gesucht. Es müsse sich einfach um eine so genannte „False Flag“-Aktion, eine Aktion unter falscher Flagge, die von mächtigen Institutionen begangen worden sei, gehandelt haben. Diese Idee geistert durch die Köpfen der Verschwörungsfans, die nun im Internet nach Beweisen fahnden und jede noch so absurde Behauptung benutzen, um ihre Theorien zu propagieren. Je nach ideologischer Perspektive werden mit diesen Verschwörungstheorien andere Täter oder geheimnisvolle Hintermenschen ausgemacht, die für die verachtenswerten Taten verantwortlich sein sollen.

Das nationalistische Manifest des Täters, Anders Behring Breivik, der auf mehr als 1500 Seiten seine mörderischen Taten mit Paranoia vor einem allumfassenden „Kultur-Marxismus“ und einem „Multikulturalismus“ begründete, wird dabei oftmals ignoriert. Stattdessen wird von einer Tat durch Geheimdienste oder anderen geheimnisvollen Gruppen halluziniert.

Dass der Täter selbst verschwörungsideologische Vorsatzstückchen propagierte, er „zeitgenössischen Rechtsradikalismus mit altbekannten Verschwörungen“ kompilierte, spielt im Diskurs der Verschwörungsszene eben sowenig eine Rolle, wie die antisemitische Tendenzen des Täters, die sich in seinem Manifest offenbaren. Behring Breivik sprach dort unter anderem davon, dass „die Vereinigten Staaten von Amerika mit sechs Millionen Juden (…) wirklich ein beträchtliches Judenproblem“ hätten.

Verschwörungsideologen interessieren sich nur am Rande für den mutmaßlichen Täter und seine Motivation. Schließlich glauben sie, hinter dem Täter eine viel umfangreiche Verschwörung entdeckt zu haben. Das geht sogar so weit, dass der Täter zum Opfer dieser angeblichen Verschwörung gemacht wird. Verschiedene Verschwörungsideologen sprechen von geheimen Gehirnwäsche-Programmen, „Mind Control“ genannt, denen der Täter angeblich zum Opfer gefallen sei.

Alex Jones, ein verschwörungsideologischer Radiomoderator aus den USA, spricht beispielsweise von einer „False-Flag“ Aktion, durchgeführt von einer „White al-qaeda“, die durch amerikanische Institutionen gelenkt werden würde. Auf diesem Weg sollen die „patriotischen“ Gegner einer „Neue Weltordnung“ diskreditiert werden, glaubt der dieser wichtige Stichwortgeber der organisierten Verschwörungsideologie.

Mit der Tat, die für Alex Jones unter falscher Flagge durchgeführt wurde, sollen jene nationalistischen Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden, die sich für Nationalstaaten und gegen Migrant_innen aussprechen würden. Dass Anders Behring Breivik nicht nur Mitglied einer rechtspopulistischen Partei, sondern auch Mitglied einer Freimaurer-Loge war, ist nicht nur für Alex Jones ein weiteres Indiz, mit dem die Verschwörungstheorie gebastelt wird.

Derartige Theorien propagiert nicht nur Alex Jones auf seiner Seite „Infowars.com“, sondern auch sein Kompagnon Paul Watson. Dieser stellt dort unter anderem die Verschwörungstheorie auf, dass Norwegen gestraft worden sei, weil es sich in die „Agenda“ der „New World Order“ einmischte. Weil Norwegen einen palästinensischen Staat befürwortete, sei es das Opfer des Anschlags geworden. Diese antisemitische Theorie erfreut sich einer ungeheuren Beliebtheit und wird auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene propagiert.

„Skywatch Bretten“, ein anonymes Webblog, berichtet ebenfalls über den Umstand, dass Anders Behring Breivik Mitglied in einer Freimaurer-Loge war. Außerdem hat der Autor des Blogs eine blau-weiße Krawatte des Täters untersucht: „Und wer kennt sich besser mit der Schuld aus als Blau/Weis? Niemand“, schreibt der Autor dieser Verschörungsseite. Der Verantwortliche dieses Blogs betreibt einen besonders obskuren Antisemitismus, der über die Farbe einer Krawatte funktioniert.

Hier wird der antisemitische Furor vieler Verschwörungsfans deutlich. Weil der Täter auf einem Foto eine blau-weiße Krawatte trug, wird Israel für die Taten verantwortlich gemacht. Weil sich Norwegen angeblich hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde, könne nur der israelische Geheimdienst Mossad für die Taten verantwortlich sein.

„Widerstand in Aktion“, ein Blog des nationalistischen und verschwörungsideologischen Stammtischs der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ vermutet, „dass es Explosionen, Verpuffungen oder was auch immer“ gegeben haben könnte. Ein „Klarer Fall: Staatsterror!“. Denn: „die Sache stinkt nach Mindcontrol!“ Zumindest für die Betreiber der Verschwörungsinternetseite.

Auf der ebenfalls verschwörungsideologischen Internetseite „Infokrieger-News“ kommentieren verschiedene Verschwörungsfans die schrecklichen Geschehnisse: Sie plädieren dort dafür „die Schuldigen beim Mossad oder bei den Franzosen zu suchen“. Weil Norwegen das Bestreben der palästinensischen Organisationen nach einem eigenen Staat unterstützt hätte, sei dieses Land nun Ziel eines Anschlags geworden, lautet auch hier die Begründung für die Verschwörungstheorie, deren Grundlage der Hass auf Israel und seine angebliche Macht und Machenschaften sein dürfte.

Ein anderer Verschwörungsfan will in dem Ort des Massakers, der Insel Utøya, eine „Pyramide“ erkannt haben. Für ihn und andere Verschwörungsgläubige sind derartige Symbole das Zeichen der geheimen Weltverschwörung, die sie für die Anschläge verantwortlich machen. In jedem Fall sei der Anschlag „deffintiv vom Mossad inziniert“. Andere Nutzer dieser Verschwörungsplattform machten allerdings andere Geheimdienste der angeblichen „Eliten“ für die Morde verantwortlich.

Nicht nur hier ist von angeblichen Gehirnwäsche-Projekten die Rede. Wie in einer Folge der Serie „Akte X“ oder der Handlung des Computerspiels „Call of Duty: Black Ops“ wird die Behauptung aufgestellt, dass der Attentäter einer Gehirnwäsche durch CIA oder Mossad zum Opfer gefallen sei und deswegen seine Taten verübt habe.

In eine ähnliche Richtung geht eine Sendung der nationalistischen Verschwörungs-Website „Infokrieg TV“. In einer Radiosendung versucht dessen Betreiber, Alexander Benesch, den Täter zum Teil einer Verschwörung zu machen, hinter der er ehemalige Gladio-Strukturen vermutete. Außerdem zieht er, wie viele andere Verschwörungsideologen auch, einen Zusammenhang zu dem Attentat in Oklahoma City. Dort sprengte Timothy McVeigh am 19. April 1995 einen Van im Murrah Federal Building in die Luft. Dabei starben 168 Menschen. Bis heute behaupten verschiedene Verschwörungsideogen, dass es sich hierbei um eine Verschwörung der geheimen „Elite“ gehandelt habe, die den Täter benutzte.

Auf diese Art und Weise leugnen Verschwörungsideologen die ideologischen Hintergründe der Anschläge. „‚Rechter Terror‘ unter falscher Flagge“ heißt es beispielsweise auf der Internetseite „Infokrieg TV“. Die Melange aus Nationalismus, Rassismus und der Hass auf die Moderne, die in beiden Fällen eine Ursache für die Taten gewesen sein könnte, wird beiseite geschoben. Aus dem rechten Terror wird eine „Bedrohung“ gemacht, die „nur Schreckgespenst und Werkzeug der Bundesregierung“ sei, „um eine patriotische und globalismusfeindliche Strömung im Land zu diskreditieren“.

Stattdessen wird ein ein Konstrukt propagiert, dass von der angeblichen Existenz einer mega-geheimen„Elite“ ausgeht, die so wahnsinnig-mächtig sein muss, dass sie derartige Komplotte arrangieren kann, ohne das es die „schlafende“ Mehrheit der Menschheit überhaupt mitbekommt.

Verschwörungsideologen schreiben in diesem Zusammenhang oftmals von einer israelischen Aktion. Dies zeigt den Antisemitismus vieler Verschwörungstheorien deutlich auf. Diesem Antisemitismus fühlt sich wohl auch der Reptoloiden-Theoretiker David Icke verpflichtet, der auf seiner Internetseite verschiedene Texte aus der Szene veröffentlichte, in denen die Behauptung aufgestellt wird, es handele sich um eine Aktion des israelischen Geheimdienstes Mossad, weil sich Norwegen hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde. Mit dieser wahnhaften Theorie haben viele Verschwörungsideologen ihr Motiv gefunden, das sie nun immer wieder verwenden, um einen angeblichen Zusammenhang zwischen den Attentaten und dem israelischen Geheimdienst zu konstruieren.

So weit will der Kopp-Verlag, der esoterische, populistische und verschwörungsideologische Machwerke veröffentlicht, dann doch nicht gehen. Er erwähnt den israelischen Staat nur am Rande. Allerdings wird in einem Artikel der Nachrichtenabteilung des Verlages die Frage aufgeworfen, ob nicht „westliche Mächte“ für die Anschläge verantwortlich seien, „weil Norwegen sich für einen unabhängigen Palästinenserstaat stark machen will“. In einem weiteren Artikel spricht der Verschwörungsideologe Webster Tarpley bereits in der Überschrift von „Terroranschlägen in Norwegen unter falscher Flagge“.

Nicht nur auf derartigen Internetseiten blühen die Verschwörungstheorien: Auf der antisemitischen Internetseite „Muslim Markt“ werden Verschwörungsmythen gesponnen: „Der inzwischen als angeblicher Einzeltäter vorgestellte Rechtsradikale war sicherlich vieles, aber ganz sicher kein Einzeltäter. Und die Hintermänner dürften das Land – wohin auch immer – schon längt verlassen haben“, heißt es dort, um ebenfalls auf die drohende Anerkennung eines palästinensischen Staates, durch die Regierung Norwegens, hinzuweisen.

Verschwörungstheorien finden sich eben nicht nur auf den Internetseiten der Szene, auf denen derartige Ideen am ungehemmtesten propagiert werden, sondern auch auf verschiedenen anderen Internetseiten, die die Ereignisse ebenfalls verklären.

Viele verschwörungstheoretische Vorsatzstückchen finden sich beispielsweise auf den Internetseiten, die durch ihre rassistische Hetze gegen Muslime auf sich aufmerksam machen. Zum Beispiel in den Kommentaren der Internetseite „Politically Incorrect“, die einräumt, dass die Texte des Anders Behring Breivik „großenteils Dinge“ seien, „die auch in diesem Forum stehen könnten“. Dort heißt es in den Kommentaren beispielsweise:

Es riecht hier so unangenehm stark nach False-Flag, dass ich das Fenster aufreißen möchte.

In weiteren Kommentaren, die vom dortigen deutschen Mob produziert werden, gibt es einige, die mit der Verschwörungsideologie arbeiten, um die Zusammenhänge zwischen der eigenen menschenverachtenden Ideologie und der Tat zu verschleiern. Hier sprechen einige Kommentatoren davon, dass „es stinkt“. Die bereits erwähnte Mitgliedschaft des Anders Behring Breivik in einer Gruppe der Freimaurer wird bemüht:

Dann hatte er den Auftrag von der Loge. Laut viele Büchern schwören die Hochgradmaurer auf den Koran.

Außerdem wird von „gewissen Kreisen“ geraunt, die ein „Interesse“ an den Anschlägen gehabt hätten.

Fast schon putzig erscheint, angesichts des geschilderten verschwörungsideologischen Wahns, mit dem die Geschehnisse verklärt werden, ein Hinweis des bereits erwähnten Kopp-Verlags. Hier weist Udo Ulfkotte auf ein Video hin, das ein Ufo in der Hauptstadt Oslo zeigen soll. „Selbst eine renommierte Wirtschaftszeitung berichtet, unmittelbar nach der Bombenexplosion in Oslo sei über dem Regierungsviertel ein Ufo gesichtet worden“, behauptet der Rechtspopulist.

Außerirdische sind für die Taten verantwortlich. Auch so kann man einen mutmaßlichen Täter und seine Ideologie entlasten. Lustiger als die wahnhafte Ideen von der Täterschaft durch „westliche Mächte“ oder gar den israelischen Geheimdienst Mossad ist diese krude Behauptung allemal.

Geständnis eines Antizionisten

Der Verschwörungsideologe und Antizionist Elias Davidsson ist ein Mensch, dessen Thesen in einem gewissen Spektrum der deutschen Linken gerne aufgegriffen werden. Die Texte des Komponisten werden benutzt, um gegen Israel und die USA zu hetzen. Man findet diese Texte auf der Internetseite der „Neuen Rheinischen Zeitung“ oder den Seiten der „Kommunistischen Initiative“.

Elias Davidsson sucht andere Verantwortliche für den 11. September 2001 und viele andere terroristische Anschläge. Für diese Ereignisse macht der Verschwörungsfan verschiedene Geheimdienste und George W. Bush verantwortlich.

Seine Thesen propagiert Davidsson nicht nur im Internet, sondern auch auf Veranstaltungen, wie zum Beispiel am 09. Oktober 2009 im „Club Voltaire“ in Frankfurt. Dort trat er für die Verschwörungsfans von der Gruppe „Arbeiterfotografie“ auf, die nach dem Erdbeben in Japan von einer geheimen Erdbebenwaffe halluzinierten und die ansonsten Propaganda für das iranische Regime betreiben.

Am heutigen Freitag wird der Komponist Davidsson für die MLPD-Vorfeldorganisation „Solidarität International“ und den Stammtisch von „Alles Schall und Rauch“ die einschlägige Verschwörungspropaganda betreiben. Er wird, gemeinsam mit der Verschwörungsband „Die Bandbreite“, in Duisburg auftreten. Zur Band, die „Antideutsche“ als „Faschos“ und „Palästina“ als „Paradies am Mittelmeer“ bezeichnet, besitzt Davidsson ein ganz besonderes, inniges Verhältnis. Er verteidigt diese auch in einem aktuellen Jubel-Youtube-Interview.

Elias Davidsson gibt gerne ausführliche Interviews. Zum Beispiel für die Internetseite „Muslim Markt“, die eine unverhohlene Propaganda für das iranische Regime betreibt. Auf dieser Website, die von Yavuz Özoguz aus Delmenhorst betrieben wird, relativiert Davidsson die NS-Propaganda eines Julius Streicher:

Doch der Propagandaapparat von Julius Streicher würde heute als bescheiden betrachtet werden verglichen mit dem Ausmaß des heutigen Propagandaapparates gegen den Islam, der ganze Erdteile überdeckt und von Hollywood unterstützt wird.

Nach ganz Rechts kennt Davidsson keine Berührungsängste. Am 28. November 2009 trat er vor der Burschenschaft „Normannia-Niebelungen“ in Bielefeld auf. Im Nachhinein rechtfertigte er seinen Auftritt mit einem ausführlichen Offenen Brief. Er rief zu einer Querfront zwischen Links und Rechts auf:

Ich habe diese Ausführungen aus meinem Gedächnis so gut wie möglich gemacht und hoffe dass diese zu einer größerer Bereitschaft unter deutschen Linke beitragen wird, sich auch mit traditionellen Rechte zusammenzuarbeiten (…). Unsere Feinde befinden sich nicht bei den Skinhead Nazis oder bei Randgruppen der Konservativen sondern sitzen im Bundestag (…) wo sie die Beteiligung Deutschlands in einem Angriffskrieg (…) unterstützen, und eng mit zwei Schurkenstaaten wirtschaftlich, militärisch, polizeilich und geheimdienstlich zusammenarbeiten (USA und Israel). Wir sollten nicht die Zusammenarbeit mit den Burschschaften gegen dieser unheiligen Allianz vernachlässigen.

Davidssons neuesten Text ist daher nur konsequent. Der Komponist bezeichnet sich nun, in einem Text, der unter anderem in der Zeitschrift „Der Semit“ veröffentlicht wurde, als „radikalen Antisemiten“. Er entstellt die Bedeutung dieses Begriffes bis zur Unkenntlichkeit:

Die Bedeutung des Begriffes ‚Antisemit‘ hat in den letzten Jahren einen signifikanten Wandel durchgemacht. Es gab eine Zeit, als dieser Begriff sich auf diejenigen bezog, die Juden verachteten. Später bezog sich der Begriff auf jene, die den Mythos einer jüdischen Weltverschwörung verbreiteten. Heute wird der Vorwurf ‚Antisemit‘ von den herrschenden Eliten genutzt, um Menschenrechtsaktivisten fertigzumachen, die sich für gleiche Rechte für Juden, Christen und Muslime einsetzen, das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimat fordern sowie die Vision eines gemeinsamen demokratischen Staates für Palästinenser und Israelis fordern. Das Wort ‚Antisemit‘, das ursprünglich eine negative und bösartige Bedeutung hatte, verweist jetzt auf positive und sehr lebenswerte Haltungen (…). Ich bin ein radikaler Antisemit und stolz darauf.

Der Text findet sich, in englischer Fassung, auf zahlreichen Internetseiten der Israel-Hasser. So zum Beispiel auf den Seiten des „Instituts für Palästinakunde“ aus Bonn. Davidsson bezeichnet sich nun als Antisemit. Ein Umstand, auf den der Verschwörungstheoretiker sogar stolz ist. Diese Selbstbezeichnung wird gewisse Gruppen, die sich dem linken Spektrum zuordnen, nicht davon abhalten, Davidsson eine Bühne zu bereiten.

Verschwörungsrapper auf dem Pressefest

Am Freitag, den 24.06.2011, beginnt das 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) im Revierpark Dortmund-Wischlingen. Auf diesem Fest, das laut Eigendarstellung das „größte Volksfest der Linken“ ist, soll es nicht nur eine Videoschalte zur nächsten Gaza-Flotille geben. Geplant war auch ein Auftritt, der den Unmut verschiedener antifaschistischer Gruppen erregte, die sich mit einem Offenen Brief zu Wort meldeten. Es handelt sich um den angekündigten Auftritt der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite“, die Leser_innen dieses Blogs vielleicht ein Begriff sein dürfte.

Das Dortmunder Antifa Bündnis hat einige Lieder der Band analysiert und sieht in diesen „se­xis­ti­sche, an­ti­se­mi­ti­sche und NS-​re­la­ti­vie­ren­de Song­tex­te“. Daher forderte das antifaschistische Bündnis die Organisator_innen des UZ-Pressefestes auf, der Band keine Bühne zu bieten.

Eigentlich sollte die Band, die auf verschwörungsideologischen und linken Festivals auftritt, auf dem Pressefest ein Podium geboten bekommen. Auf den Offenen Brief des antifaschistischen Bündnisses folgte keine Ausladung, sondern eine weitere Hofierung der Band, die nun erst recht auftreten soll; zumindest wenn man den Verlautbarungen der Organisator_innen und des Parteivorstands der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) glauben schenkt.

Vor dem UZ-Pressefest war die Band am 10.​06.​2011 auf einer Veranstaltung gegen die Bilderberg-Konferenz im schweizerischen St. Moritz aufgetreten, die vom Jugendverband der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) unterstützt wurde. Hinter der Bilderberg-Konferenz, bei der Führungspersonen aus Wirtschaft, Politik und Medien zusammenkommen, vermuten Verschwörungsideologen eine „Elite“, die angeblich eine „Neue Weltregierung“ planen würde.

Als Redner auf dieser Veranstaltung der Verschwörungsfans und Nationalisten waren die Schweizer Nationalräte Lukas Reiman und Pirmin Schwander geladen, die ebenfalls der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei angehören. Außerdem war der Verschwörungsideologe Manfred Petritsch (alias „Freeman“) zu Gast, der das strukturell antisemitische Verschwörungsportal „Alles Schall und Rauch“betreibt. „Die Bandbreite“ war für das musikalische Rahmenprogramm zuständig. Auch dieser Umstand wurde im Offenen Brief des Dortmunder Antifa Bündnis erwähnt.

Auf dieser Anti-Bilderberger Veranstaltung in St. Moritz hielt Manfred Petritsch von der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ ein ausführliches Referat, weil er von der rechtspopulistischen und rassistischen „Jungen SVP“ darum gebeten wurde. Petritsch warnte unter anderem:

Sie wollen die Nationen auflösen, sie wollen die Grenzen auflösen (…). Genau das ist ihre Absicht.

Der Betreiber von „Alles Schall und Rauch“ fürchtet eine Welt ohne Nationen und Grenzen: „Sie wollen die Länder abschaffen, die Nationalitäten, die Identitäten“, warnte Petritsch sein Verschörungspublikum. „Wir sollen sogar noch Weltbürger sein“, befürchtete Petritsch, um auf die „menschliche Natur“ zu sprechen zu kommen, die dem angeblich entgegenstehen würde: „Wir sind doch keine Weltbürger, das sind doch alles künstliche Konstrukte“, folgerte der Betreiber von „Alles Schall und Rauch“.

Der Sänger der Band ergänzte diese Zeilen mit folgenden Worten:

Ich möchte eigentlich nochmal zur Einheit aufrufen. Ich möchte dazu aufrufen, diese ganzen Vorurteile der Linken, gegen die Wahrheitsbewegung, beiseite zu schieben. (…) Wir müssen zusammenarbeiten, das ist wichtig. (…) Was hinterher dabei rauskommt, was für ein gesellschaftliches System, ist egal.

Hier wurde die Querfront, der Zusammenschluss zwischen Rechten und vermeintlichen „Linken“, die wegen eines vermeintlich größeren Feindes, der angeblichen „Elite“, zusammenstehen sollen, zelebriert.

Die Organisator_innen des UZ-Pressefest und viele Kader der Deutschen Kommunistischen Partei scheinen mit diesem Auftritt der „Bandbreite“ genauso wenig ein Problem zu haben wie mit den Liedtexten der Verschwörungsband. In einem Interview im Parteiorgan Unsere Zeit (UZ), schwadronierte der Sänger von einem „nuklearen Holocaust“ der NATO und inszenierte sich als Opfer einer „antideutschen Kampagne“.

Nachdem Offenen Brief des Dortmunder Antifa Bündnis verschwand „Die Bandbreite“ allerdings aus dem Veranstaltungsprogramm des UZ-Pressefestes. Die Band wurde allerdings nicht ausgeladen, sondern soll nun den Raum bekommen, ihre verschwörungsideologischen Texte in einer Diskussionsrunde zu verteidigen. Das geht aus einer Verlautbarung der Organisator_innen dieser Veranstaltung hervor:

In den letzten Wochen wurde massiver Druck, insbesondere aus dem politischen Spektrum der sogenannten ‚Antideutschen‘, auf den Veranstalter ausgeübt, diese Gruppe wieder auszuladen. (…) Wir haben die Vorwürfe sorgfältig geprüft und halten die Mehrheit der Vorwürfe für konstruiert und Teil einer üblen Kampagne.

Das behaupten die Organisator_innen in einer Erklärung. „Auf Grund diverser Hinweise müssen wir jedoch befürchten, dass es bei diesem Konzert zu massiven Störungen und Auseinandersetzungen kommen wird“. Nur daher würde das Konzert ausfallen. Als Ersatzangebot würde es eine „Diskussion mit Befürwortern und Kritikern“ geben. In einer ausführlicheren Erklärung des Parteivorstands, wird die Band als Teil einer „Vielfalt linker Kultur“ bezeichnet und gegen jedwede Kritik in Schutz genommen. Dort wird unter anderem die krude Behauptung aufgestellt, dass die Nationalsozialisten „in den eigenen Reihen Homosexualität für die Durchsetzung ihrer Ziele zu nutzen“ wussten. Natürlich wird die Unterstellung wiederholt, dass die Kritik an den Inhalten und Auftritten der Band „überwiegend – und dies seit 2008/2009 mit sich ständig inhaltlich wiederholenden Behauptungen – von den sogenannten ‚Antideutschen‘ erhoben werden“.

Der „Deutsche Freidenker Verband“, um den fanatischen „Antizionisten“ Klaus Hartmann, der auf seiner Facebook-Pinnwand auch schon mal Fotos von palästinensischen Kindersoldaten oder brennenden Davidssternen veröffentlichte, ergänzte diese Zeilen mit einer weiteren Pressemitteilung:

Erst einladen, dann dem Druck der zionistischen Radaubrüder nachgeben, das ist ein fatales Signal. Das könnte von anderen rechten Gruppen und Faschisten geradezu als Einladung verstanden werden, mit Ankündigung von Randale Druck auf Veranstalter auszuüben, wer auftreten darf und wer nicht.

Die Band „Die Bandbreite“ wird trotz alledem, entgegen anderslautender Behauptungen, auf dem 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei auftreten. Ob es dort zu Kritik kommt, bleibt abzuwarten. Immerhin zeigten sich einige Parteimitglieder schwer enttäuscht. So schreibt ein Parteimitglied:

Dass mir jetzt mein eigener PV indirekt vorwirft, Teil einer üblen ‚antideutschen‘ Kampagne zu sein: Ich bin sprachlos und erschüttert. Die Erklärung des Parteivorstandes ist ein Schlag in das Gesicht der Genossinnen und Genossen, die Antifaschismus als Arbeitsschwerpunkt haben.

Den Organisator_innen des UZ-Pressefest, die von einer „üblen ‚antideutschen‘ Kampagne“ halluzinieren, dürften derartige Einschätzungen jedoch vollkommen egal sein. Schließlich haben sie sich mit ihrer Entscheidung für die Querfront-Band sowie ihre Inhalte und Auftritte positioniert. Diese wird am Sonntag, um 13 Uhr auf der Bühne Zwei des UZ-Pressefest auftreten, um ihre Texte und Auftritte zu verteidigen.

Linkes Interview – rechter Auftritt

An dem Tag, an dem die verschwörungstheoretische Band „Die Bandbreite“ – gemeinsam mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei (SVP) und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ – im schweizerischen St. Moritz über die angebliche Elite namens „Bilderberger“ aufklärte, erschien ein Interview mit der Band – allerdings in einer ganz anderen Zeitung. Im offiziellen Organ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Wochenzeitung „Unsere Zeit“, durfte sich Marcel Wojnarowicz, Sänger der Band „Die Bandbreite“, darstellen.

Während die Band am 10.06.2011, gemeinsam mit den Rechtspopulisten Pir­min Schwan­der und Lukas Rei­mann (Schweizer Volkspartei) auftrat, durfte sich der Sänger der Band in der DKP-Wochenzeitung vom 10.06.2011 in ein denkbar guten Licht rücken und seine Kritiker_innen diffamieren:

Die Hetz-Kampagne gegen uns geht weiter. Es scheint, als hätten manche Blog-Betreiber nichts besseres zu tun, als all ihre Zeit unserer Band zu widmen. Die Schmähungen und Diffamierungen lassen nicht nach, aber das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Vom Auftritt mit den Rechtspopulisten – auf einer Veranstaltung, die vom Jugendverband der „Schweizer Volkspartei“ unterstützt wurde – war natürlich nicht die Rede. Eben sowenig wurden die Forderungen der Politiker erwähnt, die auf der gleichen Veranstaltung wie „Die Bandbreite“ auftraten. „Unsere Schweiz muss schweizerisch bleiben“, wäre vielleicht bei den Leser_innen der Zeitschrift nicht so gut angekommen.

Stattdessen wurde im Interview vor dem „tückisches Geldsystem mit Verfallsdatum“ und vor einer angeblichen „selbstgerechten Elite“ gewarnt. Dort dichtete der Sänger der Band der NATO „einen nuklearen Holocaust“ an. Mit dieser Wortwahl verharmlost der Bandbreite-Frontmann den historischen Holocaust, die systematische, industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Dieses singuläres Ereignis, einzigartig in der Geschichte, lastet er der NATO an, die er solch eines ungeheuren Verbrechens beschuldigt.

Mit solchen Thesen könnte die Band auch auf der Veranstaltung in St. Moritz gepunktet haben. Von der gemeinsamen Veranstaltung mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ haben die Leser_innen des DKP-Blatts allerdings nichts erfahren.

Party der Anti-Bilderberger

Zwischen dem 8. und 12. Juni 2011 findet die so genannte Bilderberg-Konferenz im schweizerischen St. Moritz statt. Hinter der Konferenz steht ein loser Zusammenschluss, der einmal im Jahr zum Treffen lädt. Hier kommen ehemalige und aktive politische Entscheidungsträger sowie Wirtschafts- und Medienvertreter zu einem Gedankenaustausch zusammen. Henry Kissinger, Angela Merkel und Josef Ackermann haben in der Vergangenheit an den Konferenzen teilgenommen. Da über die Inhalte der Treffen Stillschweigen bewahrt wird, ranken sich um die Bilderberg-Konferenzen zahlreiche Verschwörungstheorien.

So wird dem Treffen und seinen Teilnehmern beispielsweise nachgesagt, dass sie eine „Neue Weltordnung“ planen würden. Die Teilnehmer seien Teil einer geheimen Elite, die während der Konferenz die Geschehnisse der Welt steuern würden. Verschiedene Verschwörungsideologen versuchen anhand der Konferenz die angebliche Existenz einer Weltregierung zu belegen. Sie haben so ihren eigenen Bilderberg-Mythos geschaffen, mit dem sie die Verklärung der Realität betreiben.

Da ist es kein Wunder, dass die Anhänger der kruden Verschwörungstheorien während der Bilderberg-Konferenz ebenfalls in der Schweiz zusammenkommen, um gegen „diesen elitären Klub“ vorzugehen. Die angekündigten Proteste gegen das Treffen von etwa 130 Gästen aus Politik, Industrie und Medien werden unter anderem über den verschwörungsideologischen Blog „Alles Schall und Rauch“ organisiert:

 Noch besser, sie sollen nach Guantanamo gehen, dort können sie sich ungestört treffen.

Das fordert der Betreiber Manfred Petritsch auf dieser Internetseite, die auch dazu dient, die Proteste gegen das Treffen zu koordinieren. Die Internetseite „Alles Schall und Rauch“, auf der ansonsten im verschwörungstheoretischen Jargon über die „Mondlandungslüge“, die „Impflüge“ oder die „Klimalüge“ berichtet wird, stellt Flugblätter über die Bilderberg-Konferenz zum Download bereit. Außerdem wird ein Treffen beworben, auf dem rechtskonservative Politiker sowie Verschwörungsideologen und Verschwörungsrapper auftreten sollen, die der Protest gegen die Konferenz der Bilderberger geeint hat.

Auf einem dieser angebotenen Flugblätter rekurrieren die Verschwörungsfans unter anderem auf die „American Free Press“, deren Aktivsten ebenfalls zu den Gegenveranstaltungen erwartet werden. Hierbei handelt es sich um ein rechtes, antisemitisches Magazin, in dem Werbeanzeigen des „Klu Klux Klan“ zu finden sind. Auf der Internetseite der Gruppe findet sich auch Werbung für Pete Peters „Scriptures for America and Kingdom Identity Ministries“, für den Juden die „Kinder Satans“ darstellen. Die Internetseite dieser antisemitischen Gruppierung findet sich auch auf dem Flugblatt der Anti-Bilderberger, die mit derartigen Unappetitlichkeiten kein Problem zu haben scheinen.

Neben diesen antisemitischen Verschwörungsfreaks werden die üblichen Verdächtigen angekündigt: So hat die Band „Die Bandbreite“ ihre Teilnahme zugesagt. Die Band, die ansonsten auch auf linken Veranstaltungen wie dem UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) ihre verschwörungsideologischen Texte verbreitet, soll auf einer Konferenz der Anti-Bilderberger auftreten, einer „Anti-NWO-Party“, die am 10. Juni im Hotel Randolins in St. Moritz stattfinden soll. Dieses Gegentreffen, das unter dem Motto „Die Bilderberger und ihr Einfluss“ steht, wird vom Verschwörungsblog „Alles Schall und Rauch“ und der Jungen SVP unterstützt, als Organisator tritt die Verschwörungsplattform „Info8“ in Erscheinung.

Der Jugendverband der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) nutzt das Treffen der Bilderberger, um sich für den schweizerischen Nationalstaat stark zu machen, den er durch die Konferenz gefährdet sieht. Unterstützt wird dieses Treffen durch den Schweizer Nationalrat Pirmin Schwander (SVP), einem Politiker, der sich in der Vergangenheit unter anderem für eine restriktive Migrationspolitik aussprach. Außerdem soll der Abgeordnete Lukas Reimann (SVP) auftreten. Reimann sprach sich unter anderem gegen die Öffnung der Schweizer Universitäten für ausländische Studierende aus und engagierte sich für „bewährte Werte“. „Unser Land muss schweizerisch bleiben“, lautet ein Wahlspruch des Rechtspopulisten, der sich nun durch die Konferenz der Bilderberger bedroht fühlt. „Ich bin dagegen, wenn eine Handvoll Leute versucht, das Weltgeschehen zu lenken“, wird der SVP-Nationalrat von der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ zitiert.

Auch andere Nationalräte der Schweizer Volkspartei (SVP) protestieren gegen die Bilderberg-Konferenz. Nationalrat Dominique Baettig will in dem Treffen ebenfalls „eine Bedrohung für die Schweiz“ ausgemacht haben. Er behauptet, dass eine „globale Elite von Bankiers, Industriellen, Diplomaten“ mit diesem Treffen die „Richtlinien der wirtschaftlichen Globalisierung koordinieren, organisieren und strukturieren“ würde. Die Folge des Treffen seien unter anderem „Geschlechtsumwandlungen“ und die „Verwischung der Grenzen zwischen Lebewesen“, schrieb der Nationalrat in einem Offenen Brief an die Bundesrätin Simonetta Sommaruga, die für Polizei und Justiz zuständig ist. Außerdem forderte der Nationalrat den Bündner Regierungsrat – zur Freude verschiedener Verschwörungstheoretiker – dazu auf, dass dieser „gewisse Bilderberger und wenigstens die Herren Bush, Kissinger, Cheney, Perle“ bei der Einreise in die Schweiz verhaften und „verschiedenen Gerichten“ überstellen sollte.

Im Interview für „Alles Schall und Rauch“beklagte sich der Nationalrat ebenfalls über das Bilderberg-Treffen. „Wenigstens ein Politiker der Mut hat und aufrichtig ist“, lautete das anschließende Urteil des Verschwörungsblogs.

Bei solchen Überschneidungen sollte es auch nicht verwundern, dass Manfred Petritsch, der Betreiber der verschwörungsideologischen Internetseite „Alles Schall und Rauch“, neben den Nationalräten der Schweizer Volkspartei, Pirmin Schwander und Lukas Reimann, als Referent für das Treffen der Verschwörungsideologen und Rechtspopulisten benannt wird. Petritsch soll dort über die angeblichen „Ziele der Bilderberg-Gruppe“ berichten.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Ziele der Bilderberger eines Grosseuropas, dass der Nationalsozialisten sehr ähnlich sieht, und es ist tatsächlich so, dass es sich um eine Vereinigung von Faschisten handelt, unter der Führung der Oberglobalisten David Rockefeller und Henry Kissinger.

So hetzt Petritsch an anderer Stelle. Nun möchte der Verschwörungstheoretiker Petritsch, unter anderem mit der Band „Die Bandbreite“ und den Nationalräten der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei die „grösste Anti-NWO-Party aller Zeiten“ veranstalten.

Die eher harmlose Bilderberg-Konferenz wird also zur Zusammenkunft gar nicht so harmloser Rechtspopulisten, Verschwörungsfreaks und ordinären Antisemiten, die ebenfalls zusammenkommen werden, um für die Nationalstaaten und gegen die angebliche „Neue Weltordnung“ die Werbetrommel zu rühren.

Flugblatt gegen Bilderberger
Flugblatt gegen Bilderberger
Veranstaltung gegen die Bilderberger Konferenz
Veranstaltung gegen die Bilderberger Konferenz