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Mini-Aufmarsch

Am 30. März wurde nicht nur in Berlin gegen eine angebliche „Judaisierung” der israelischen Hauptstadt Jerusalem mobil gemacht. In Stuttgart wurde zu einer Demonstration am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus (!) mobilisiert, hier hielt die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Die Linke) eine Rede.

Ein Aktivist erklärte auf Nachfrage, dass der Ort gewählt worden wäre, „weil sich Israel nicht ein bisschen besser verhält als Nazideutschland”. Die Gleichsetzung zwischen dem deutschen Vernichtungsantisemitismus und der bürgerlichen Demokratie in Israel scheint nicht nur hier ein einender Konsens zu sein. In Göttingen wurde über eine antisemitische Facebook-Seite sogar zu einem Aufmarsch vor der dortigen Synagoge (!) mobilisiert. „ANTI –ISRAEL DEMO am Freitag den 30.3 in Göttingen treffpunkt vor der ‘SYNAGOGE’”, hieß es hier tatsächlich.

Während im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Jordanien zehntausende Kader der verschiedenen antisemitischen Organisationen marschierten, um die Grenzen zu schleifen, waren es in Berlin deutlich weniger Aktivist_innen, die mit Fahnen und Transparenten zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt possierten.

Die Inhalte waren allerdings ähnlich: Der Aufmarsch in Berlin würde sich „gegen die Israelische Besatzung und die zunehmend Verdrängung der Palästinenser aus ihren Häuser (Judaisierung) der palästinensischen Städte insbesondere Jerusalem” richten, hieß es in einem Aufruf, in den internationalen Aufrufen wurde ebenfalls die antisemitische Phrase von der „Judaisierung” benutzt.

In Berlin kamen allerdings nur wenige Demonstrant_innen zusammen. Zu Beginn waren es lediglich zehn Personen, die sich um ein Transparent scharten und palästinensische Fahnen schwenkten. Gegen 14 Uhr waren es dann um die dreißig Personen, die im trüben Berlin gegen die angebliche „Judaisierung” protestierten, ohne dass es zu Protesten gekommen wäre. Hier blieben die Israel-Hasser unter sich. Das regnerische Wetter sorgte für nasse Gesichter, die Polizei und einzelne Tourist_innen waren die einzigen Personen, die dem Mini-Aufmarsch der Israel-Hasser Beachtung schenkten.

Marsch nach Jerusalem

Ein „Internationales Komitee” ruft dazu auf, am 30. März 2012 in die israelische Hauptstadt zu marschieren, um sich gegen die angebliche „Judaisierung Jerusalems” zur Wehr zu setzen. In einem ersten Aufruf zum „Tag des Bodens” heißt es ganz martialisch, dass „Jerusalem und ganz Palästina” durch „alle Menschen der Welt (…) befreit” werden müsse. Was das bedeutet verdeutlicht ein Blick auf diejenigen, die diesen ersten Aufruf zuallererst im deutschsprachigen Raum veröffentlichten.

Es handelt sich um die „Antiimperialistische Koordination”, die auch ansonsten gegen den israelischen Staat mobil macht: „Die Zerstörung des Zionismus und eines so genannten Staates Israel ist der einzige Weg zur Gerechtigkeit”, forderte ein Kader der antisemitischen Gruppierung im Jahr 2003. In der Zeitschrift der Gruppe, die den bezeichnenden Namen „Intifada” trägt, wurde Ali Nasser Wafa’ Idris, die erste weibliche Selbstmordattentäterin, als Heldin, „die für ihr Volk lebte und starb”, gefeiert. Das Regime im Iran wird in dieser Zeitschrift ebenso verteidigt wie die antisemitische Hamas und das nicht mehr existente Baath-Regime im Irak.

Nun mobilisert nicht nur diese antisemitische Gruppierung nach Jerusalem. Es existiert ein weiterer internationaler Aufruf. In diesem Pamphlet heißt es:

Die Verteidigung und Befreiung Jerusalems sind Pflicht aller freien Menschen weltweit und wir rufen daher alle Institutionen, Organisationen und Individuen dazu auf dieser Pflicht nachzukommen.

Es sollte klar sein, was hier von wem befreit werden soll, zumal in dem Aufruf eine angebliche „Politik der Judaisierung” beklagt wird. In diesem Jargon ist auch der Rest der Aufrufes gehalten. Hier ist von dem „Recht der Palästinenser ihr Land zu befreien” die Rede. Dieser Aufruf zum „Tag des Bodens” dürfte sowohl die antisemitische Hamas als auch die Antisemiten aller Länder erfreuen, die schon immer gen Jerusalem marschieren wollten.

Ein weiterer Aufruf richtet sich an die europäischen Mitstreiter des Vorhabens. Hier wurde vorsichtiger formuliert. So ist, als würde das etwas ändern, die beklagte „‘Judaisierung’” in Anführungszeichen gesetzt worden. Es sind derartige kosmetische Korrekturen, die diesen Aufruf des deutschen Vorbereitungskomitees auszeichnen.

Von einer „Verteidigung und Befreiung Jerusalems” ist hier nichts zu lesen. Stattdessen finden sich wohlmeinende Worte von „Demokratie” und „Selbstbestimmung”, die doch nur gewählt wurden, um das offensichtliche Endziel, das in den anderen Aufrufen formuliert wird, zu verschleiern. Außerdem findet sich die übliche anti-israelische Hetze. Hier wurden die Text-Bausteine aneinandergereiht, die in jedem Aufruf und in jedem Flugblatt der Israel-Hasser zu lesen sind:„Siedlerkolonie” und „Apartheidsystem” sind nur zwei dieser sehr üblichen Bausteine, mit denen der israelische Staat verunglimpft wird.

Trotz oder gerade wegen der martialischen Aufrufe, in denen zur „Befreiung” aufgerufen und vor angeblicher „Judaisierung” gewarnt wird, haben sich einige Aktivist_innen zusammengefunden, die den Marsch auf Jerusalem tatsächlich unterstützen. Die deutsche Internetseite der „internationalen Bewegung” zeigt einige Unterstützer_innen, die mit ihrem Foto und einem kurzen Text zum Marsch mobilisieren.

Da wäre Greta Duisenberg, die Witwe des Eurobankers Wim Duisenberg. Sie „gilt als die bekannteste Antisemitin der Niederlande” und hält eine derartige Bezeichnung für einen „Ehrentitel”. Am 04. Mai 2011 störte sie zwei Schweigeminuten, die in den Niederlanden überall zu Ehren der Opfer des zweiten Weltkriegs abgehalten werden. Duisenberg saß im Restaurant „L’Entrecôte et les Dames”. Anstatt zu schweigen, telefonierte sie während der Schweigeminuten. Schließlich wurde die Polizei gerufen, um sie aus dem Restaurant zu entfernen, berichtete die niederländische Presse über diesen Skandal der Duisenberg.

Im Januar 2009 beteiligte sich die umtriebige Aktivistin an einer Demonstration in Amsterdam, dort wurde unter anderem die Parole „Hamas! Hamas, gebt den Juden das Gas” gerufen. In einem Interview mit „Islam Online” klagte Duisenberg über eine angebliche „jüdische Lobby in Holland”, die „sehr stark und mächtig” sei: Diese „spielt immer noch mit unseren Schuldgefühlen, obwohl der Holocaust 63 Jahre hinter uns liegt”, behauptete Duisenbert dort. Sie wirbt nun auf der offiziellen Seite des Marsches:

Zeigen wir unsere Solidarität und unser Engagement in dem wir gemeinsam nach Jerusalem marschieren.

Weitere Untersützung erfährt der Marsch durch eine Politikerin der Partei „Die Linke”. Es handelt sich um Annette Groth, die sich bereits an der „Free-Gaza”–Flotille beteiligte und dort die links-jihadistische Querfront traurige Realität werden ließ. Groth scheint mit der geforderten „Befreiung Jerusalems” kein Problem zu haben. Sie beklagt in ihrem Statement zwar keine „Judaisierung”, dafür bedient sie sich der Sprache, die von deutschen Israel-Hasser_innen gepflegt wird. Groth benennt die angeblichen„systematischen Menschenrechtsverletzungen an der palästinensischen Bevölkerung” und unterstützt daher „den Global March nach Jerusalem”.

Außerdem finden sich die üblichen Verdächtigen auf der Liste der Unterstützer_innen. Diese sind immer dann zur Stelle, wenn es darum geht, den israelischen Staat zu dämonisieren. Neben den „Palästina-Komitees”, die an verschiedenen Orten der Bundesrepublik ihr Unwesen treiben, findet sich dort die bereits erwähnte „Antiimperialistischen Koordination” (AIK). In Deutschland ist diese Querfront-Truppe eng mit dem Verein „Initiativ e. V.” aus Duisburg verbandelt, der ebenfalls als Unterstützung aufgeführt wird. Gemeinsam sammelte man in der Vergangenheit Gelder für Terroranschläge im Irak. Das in Duisburg gesammelte Geld wurde an die „Irakische Patriotische Allianz” (IPA) übergeben, einer Gruppe, die nach der Befreiung vom Regime an terroristischen Anschlägen gegen die amerikanischen Truppen beteiligt war. Von ähnlicher Qualität sind auch die weiteren Unterstützer des Marsches nach Jerusalem.

Am 30. März 2012 will dieser Zusammenschluss „einzelne Marschsäulen” formieren, um nach Jerusalem zu ziehen. Bis dahin werden sich sicherlich noch viele weitere Israel-Hasser und Antisemiten finden, die den Marsch unterstützen. Gesucht werden sie unter anderem über eine offizielle Facebook-Seite. Dort finden sich mehr als üble antisemitische Grafiken und Fotomontagen. So ist beispielsweise ein mit Davidstern versehener Totenschädel zu sehen, der mit seinen blutigen Händen ein palästinensisches Kind gefangen hält. Außerdem finden sich antisemitische Gleichsetzungen: Dort werden Fotos der Shoa mit Fotos aus Palästina montiert, um den Eindruck entstehen zu lassen, es handele sich um ähnliche Ereignisse.

Diese ekelhaften Grafiken und die ebenso ekelhaften Aufrufe zeigen deutlich auf, dass es hier nicht um den Frieden oder um die Menschen geht, die in der Region leben. Es geht um die „Verteidigung und Befreiung Jerusalems”. Der Aufmarsch zum „Tag des Bodens”, am 30. März 2012, soll ein weiter Baustein sein, um dieses Ziel aller Antisemiten bittere Realität werden zu lassen.

Die Liste

Wenn deut­sche Frie­dens­freun­de gegen den Krieg mobilisieren, kann das durchaus gruselige For­men annehmen, die sie an die Seite der schlimmsten an­ti­se­mi­ti­schen Re­gime bringt. Ein ak­tu­el­ler Fall ist der Auf­ruf „Kriegs­vor­be­rei­tun­gen stop­pen! Em­bar­gos be­en­den! So­li­da­ri­tät mit den Völ­kern Irans und Sy­ri­ens!“, der vom Ver­ein „Freund­schaft mit Val­je­vo e.V.“ in­iti­iert und am 05. Ja­nu­ar 2012 in der Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“ ver­öf­fent­licht wurde.

Der Auf­ruf rich­tet sich gegen den an­geb­lich dro­hen­den „Krieg gegen die stra­te­gisch wich­ti­gen bzw. roh­stoff­rei­chen Län­der Sy­ri­en und Iran“. Dort ist von „Sa­bo­ta­ge-​ und Ter­ror­ak­tio­nen“ die Rede, mit denen die USA und Is­ra­el die Staa­ten in einen „Aus­nah­me­zu­stand“ trei­ben wür­den. Die bes­tia­li­schen Re­gimes im Sy­ri­en und im Iran, die die Op­po­si­ti­on bru­tal un­ter­drü­cken, wer­den dort nicht er­wähnt. Die 5000 Toten, die seit Be­ginn des Auf­stan­des in Sy­ri­en durch die Scher­gen des As­sad-​Re­gimes ge­tö­tet wur­den, spie­len keine Rolle. Von der Ver­nich­tungs­dro­hung gegen Is­ra­el, die das an­ti­se­mi­ti­sche Re­gime im Iran immer wie­der for­mu­liert, wird im Auf­ruf eben­falls ge­schwie­gen.

Die deut­schen Frie­dens­freun­de po­si­tio­nie­ren sich ganz und gar ein­deu­tig und schei­nen ne­ben­bei die deut­sche Wirt­schaft an­kur­beln zu wol­len. Man wen­det sich näm­lich gegen „Em­bar­go­maß­nah­men gegen den Iran und Sy­ri­en“. Nicht nur Sie­mens dürf­te dank­bar sein. Ge­ra­de das Re­gime im Iran dürf­te sich dann bes­ser be­waff­nen kön­nen, nicht nur um die ei­ge­ne Op­po­si­ti­on zu un­ter­drü­cken und zu er­mor­den, son­dern um die an­ger­droh­te Ver­nich­tung Is­raels Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te zum Auf­ruf fin­den sich die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und Eso­te­ri­kern, von Rechts­po­pu­lis­ten und deut­schen Lin­ken. So zum Bei­spiel der Name des Che­fre­dak­teurs der na­tio­nal­bol­sche­wis­ti­schen Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“, Ar­nold Schöl­zel, sowie der Name des „Rot­fuchs“-​Her­aus­ge­bers, Klaus Stei­ni­ger, der im an­ti­se­mi­ti­schen Jar­gon gegen „die Roth­schilds“ mobil macht. Hier fin­den sich nicht nur die Un­ter­schrift der Links­par­tei-​Po­li­ti­ke­rin An­net­te Groth (MdB) oder die des ehe­ma­li­gen Ab­ge­ord­ne­ten Nor­man Paech, son­dern auch die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen, von rech­ten Po­li­ti­ker und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten.

An­hand der Un­ter­zeich­ner_in­nen wird al­ler­dings deut­lich, was für fal­sche Frie­dens­freun­de dort zu­sam­men­ge­kom­men sind, um sich als mo­ra­li­sche Stüt­ze der Dik­ta­tu­ren an­zu­bie­dern. Da wäre zum Bei­spiel die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“, die seit Jah­ren eine schmut­zi­ge Pro­pa­gan­da-​Ar­beit für das ira­ni­sche Re­gime be­treibt.

Als die De­mons­tran­tin Neda im Jahr 2009 durch Mi­li­zen des ira­ni­schen Re­gimes er­mor­det wurde, ver­öf­fent­lich­te die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie bei­spiels­wei­se die Stel­lung­nah­me eines an­onym blei­ben­den deut­schen „Fach­pfle­gers“, der den Mord an der „Süd­län­de­rin“ aus der Ferne in Frage stell­te. Als der ira­ni­sche Prä­si­dent mal wie­der die Ver­nich­tung Is­raels an­kün­digt gab sich die Grup­pe alle Mühe diese Ver­nich­tungs­dro­hung als Über­set­zungs­feh­ler zu re­la­ti­vie­ren. Nach dem Erd­be­ben von Japan träum­te man von einer me­ga-​ge­hei­men Erd­be­ben­waf­fe, die im Ein­satz ge­we­sen wäre. Kri­ti­ker_in­nen ent­geg­ne­te man: „Zer­malmt das Nie­der­träch­ti­ge!“ Die Bun­des­vor­stand­mit­glie­der An­ne­li­se Fik­ent­scher und An­dre­as Neu­mann, die für die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“ auf der Liste un­ter­schrie­ben haben, sind nicht die ein­zi­gen Per­so­nen aus dem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mi­lieu der deut­schen Lin­ken, die dort zu fin­den sind.

Auf der Liste ist der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Diet­her Dehm zu ent­de­cken, der sich selbst als „glü­hen­den Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker“ be­zeich­net und Kri­ti­ker_in­nen als „an­ti­deut­sche SA“ ver­un­glimpft. Au­ßer­dem hat sich der Schwei­zer Na­tio­nal­rat Do­mi­ni­que Baet­tig auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te ver­ewigt. Die­ser ist Ab­ge­ord­ne­ter der Schwei­zer Volks­par­tei (SVP), deren ras­sis­ti­sche Pla­ka­te fast eins zu eins von der NPD über­nom­men wur­den.

Viele Äu­ße­run­gen des Na­tio­nal­ra­tes dürf­ten bei den NPD­lern auf Zu­stim­mung tref­fen. Im De­zember 2009 frag­te Baet­tig den Bun­des­rat in einem par­la­men­ta­ri­schen Vor­stoss nach den „Fol­ge­kos­ten des Ein­drin­ges ge­biets­frem­der Arten“. Baet­tig po­le­mi­sier­te an­sons­ten unter an­de­rem gegen das letz­te Bil­der­berg-​Tref­fen, dem Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen eine un­glaub­li­che Macht nach­sa­gen, ob­wohl sich dort le­dig­lich Wirt­schafts­ver­tre­ter, Jour­na­lis­t_in­nen und Po­li­ti­ker_in­nen zum losen Ge­dan­ken­aus­tausch tref­fen: Der Na­tio­nal­rat be­haup­tet al­ler­dings, dass es sich bei die­sem Tref­fen um die Zu­sam­men­kunft einer „glo­ba­len Elite von Ban­kiers, In­dus­tri­el­len, Di­plo­ma­ten“ han­deln würde, die dort die „Richt­li­ni­en der wirt­schaft­li­chen Glo­ba­li­sie­rung ko­or­di­nie­ren, or­ga­ni­sie­ren und struk­tu­rie­ren“. Die Folge des Tref­fen seien unter an­de­rem „Ge­schlechts­um­wand­lun­gen“ und die „Ver­wi­schung der Gren­zen zwi­schen Le­be­we­sen“, schrieb der Na­tio­nal­rat.

Nun hat er auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de un­ter­schrie­ben und fin­det sich in der Ge­sell­schaft mit Links­par­tei-​Po­li­ti­ker_in­nen und Ak­ti­vis­t_in­nen der deut­schen Frie­dens­be­we­gung. Ein wei­te­rer Un­ter­zeich­ner ist der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Elias Da­vids­son, der sich vor allem mit der Um­deu­tung der Er­eig­nis­se des 11. Sep­tem­bers 2001 be­fasst. Seine The­sen be­warb er bei­spiels­wei­se im Jahr 2009 auf einer Ver­an­stal­tung der rech­ten Bur­schen­schaft „Nor­man­nia-​Nie­be­lun­gen“ in Bie­le­feld. Da­vids­son re­la­ti­vier­te die Ju­den­het­ze des „Stür­mer“ Her­aus­ge­bers Ju­li­us Strei­cher: „Doch der Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat von Ju­li­us Strei­cher würde heute als be­schei­den be­trach­tet wer­den ver­gli­chen mit dem Aus­maß des heu­ti­gen Pro­pa­gan­da­ap­pa­ra­tes gegen den Islam, der ganze Erd­tei­le über­deckt und von Hol­ly­wood un­ter­stützt wird“, be­haup­te­te Da­vids­son im In­ter­view mit dem „Mus­lim Markt“, der eben­falls für plum­pe Pro­pa­gan­da für das ira­ni­sche Re­gime be­rüch­tigt ist. „Ich bin ein ra­di­ka­ler An­ti­se­mit und stolz dar­auf“, schrieb Da­vids­son – ganz offen – an an­de­rer Stel­le.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de fin­det sich auch der Name Ste­phan Bütz­ber­ger, der sich – ganz eso­te­risch – als „Leh­rer für Be­wusst­sein-​ und wer­dung“ be­zeich­net. Es han­delt sich um einen Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen aus der Schweiz, der die Exis­tenz von Vi­ren­er­kran­kun­gen leug­net. AIDS sei ein „rein er­fun­de­nes Phan­tom­ge­bil­de“, be­haup­tet Bütz­ber­ger in einem Le­ser­brief, in dem er die irre Be­haup­tung auf­stellt, dass es die AIDS-​Me­di­ka­men­te wären, die töd­lich seien. Hier würde „die Zahl der Opfer des Ho­lo­caust über­trof­fen“, schreibt der AIDS-​Leug­ner auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Den Ho­lo­caust führt Bütz­ber­ger auf den an­geb­li­chen „Schul­ter­schluss von Hit­ler und Ro­cke­fel­ler-​Stif­tung“ zu­rück, die sich damit „der Juden ent­le­digt hatte, die bei der ver­bre­che­ri­schen In­fek­ti­ons­theo­rie nicht mit­mach­ten“. Der Name des AIDS-​Leug­ners und Ho­lo­caust-​Re­la­ti­vie­rers fin­det sich nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de.

Auch ei­ni­ge Blog­ger haben sich auf die­ser gru­se­li­gen Liste ver­ewigt. Da wäre zum Bei­spiel Fol­ker H., der den Blog „Ge­gen­mei­nung“ be­treibt. Er ver­linkt auf ver­schie­de­ne Texte aus der Ver­schwö­rungs­sze­ne, in denen bei­spiels­wei­se die „Dö­ner­mor­de“ um­ge­deu­tet wer­den. Hier wird der mör­de­ri­sche Ter­ror durch die Na­zi-​Ban­de ge­leug­net:

Die ge­sam­te Story rund um eine (…) brau­ne Ar­mee-​Frak­ti­on ist ein ein­zi­ger rie­si­ger Hoax.

Auf der In­ter­net­sei­te von Fol­ker H. fin­den sich nicht nur Ver­wei­se auf der­ar­ti­ge Texte, son­dern auch ver­schie­de­ne Gra­fi­ken, mit denen die is­rae­li­sche Po­li­tik mit der Ver­nich­tungs­pra­xis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf eine Stufe ge­stellt wird. Hier fin­den sich auch Gra­fi­ken des an­ti­se­mi­ti­schen Ka­ri­ka­tu­ris­ten Car­los Latuff, der beim ira­ni­schen Ho­lo­caust-​Ka­ri­ka­tu­ren-​Wett­be­werb den zwei­ten Platz be­leg­te.

Der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Chris­toph R. Hörs­tel hat ebenfalls un­ter­schrie­ben. Hörs­tel ist An­füh­rer einer einer Kleinst-​​Or­ga­ni­sa­ti­on na­mens „Neue Mitte“. In der Ver­gan­gen­heit trat er bei­spiels­wei­se mit dem ira­ni­schen Bot­schaf­ter, dem Schläch­ter Ali Reza Scheikh Attar, auf einer Wer­be­ver­an­stal­tung des ira­ni­schen Re­gimes auf. Mit dem Quer­front­ler Jür­gen El­säs­ser mo­bi­li­sier­te er zu einem Auf­marsch vor dem Reichs­tag, der sich gegen Is­ra­el rich­te­te. Auf dem letzt­jäh­ri­gen an­ti­se­mi­ti­schen „Al-​Quds-​Tag“ in Ber­lin hielt Hörs­tel eben­falls eine Rede. Auf einem Auf­marsch der Ver­schwö­rungs­sze­ne, der am 10. Sep­tem­ber 2011 in Karls­ru­he statt­fand, sprach Hörs­tel zu den ver­sam­mel­ten Teil­neh­mer_in­nen. Dort of­fen­bar­te er seine Ängs­te vor Eu­ro­pa, sei­nen Hass auf die USA und be­trieb die Kon­struk­ti­on einer „ver­dammt klei­nen Cli­que“, die die Welt be­herr­schen würde. Dafür gab es von den ver­sam­mel­ten Ver­schwö­rungs­fans be­geis­ter­te Zu­ru­fe und aus­führ­li­chen Bei­fall.

Hörs­tel durf­te nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de un­ter­zeich­nen. Er be­fin­det sich in pas­sen­der Ge­sell­schaft: Ge­mein­sam mit Links­par­tei-​ und SVP-​Po­li­ti­ker_in­nen, an­de­ren Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten, stellt er sich – mal wie­der – auf die Seite des ira­ni­schen Re­gimes.

Die Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de of­fen­bart einen Ab­grund, dem sich ein Teil der deut­schen Lin­ken er­ge­ben hat. Sie pro­tes­tie­ren nun ge­mein­sam mit einem füh­ren­den Rechts­po­pu­lis­ten, mit AIDS-​Leug­nern und Pro­pa­gan­dis­ten des ira­ni­schen Re­gimes. Hin­ter dem Ruf nach Frie­den ver­schan­zen sich An­ti­se­mi­ten, AIDS-​Leug­ner und Rechts­po­pu­lis­ten. Ei­ni­ge deut­sche Linke scheint dies al­ler­dings nicht zu stö­ren.

Eine Er­klä­rung des BAK-​Shalom findet sich hier: „Gegen linke So­li­da­ri­tät mit den Schläch­tern von Sy­ri­en und Iran!“

Up­date (11.​01.​2012):​ Der Rechts­po­pu­list Do­mi­ni­que Baet­tig wurde mittlerweile von der Liste ge­löscht , in der vor­he­ri­gen Ver­si­on war er al­ler­dings zu fin­den. Alle an­de­ren er­wähn­ten Per­so­nen fin­den sich nach wie vor auf der Liste.