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Die Liste

Wenn deut­sche Frie­dens­freun­de gegen den Krieg mobilisieren, kann das durchaus gruselige For­men annehmen, die sie an die Seite der schlimmsten an­ti­se­mi­ti­schen Re­gime bringt. Ein ak­tu­el­ler Fall ist der Auf­ruf „Kriegs­vor­be­rei­tun­gen stop­pen! Em­bar­gos be­en­den! So­li­da­ri­tät mit den Völ­kern Irans und Sy­ri­ens!“, der vom Ver­ein „Freund­schaft mit Val­je­vo e.V.“ in­iti­iert und am 05. Ja­nu­ar 2012 in der Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“ ver­öf­fent­licht wurde.

Der Auf­ruf rich­tet sich gegen den an­geb­lich dro­hen­den „Krieg gegen die stra­te­gisch wich­ti­gen bzw. roh­stoff­rei­chen Län­der Sy­ri­en und Iran“. Dort ist von „Sa­bo­ta­ge-​ und Ter­ror­ak­tio­nen“ die Rede, mit denen die USA und Is­ra­el die Staa­ten in einen „Aus­nah­me­zu­stand“ trei­ben wür­den. Die bes­tia­li­schen Re­gimes im Sy­ri­en und im Iran, die die Op­po­si­ti­on bru­tal un­ter­drü­cken, wer­den dort nicht er­wähnt. Die 5000 Toten, die seit Be­ginn des Auf­stan­des in Sy­ri­en durch die Scher­gen des As­sad-​Re­gimes ge­tö­tet wur­den, spie­len keine Rolle. Von der Ver­nich­tungs­dro­hung gegen Is­ra­el, die das an­ti­se­mi­ti­sche Re­gime im Iran immer wie­der for­mu­liert, wird im Auf­ruf eben­falls ge­schwie­gen.

Die deut­schen Frie­dens­freun­de po­si­tio­nie­ren sich ganz und gar ein­deu­tig und schei­nen ne­ben­bei die deut­sche Wirt­schaft an­kur­beln zu wol­len. Man wen­det sich näm­lich gegen „Em­bar­go­maß­nah­men gegen den Iran und Sy­ri­en“. Nicht nur Sie­mens dürf­te dank­bar sein. Ge­ra­de das Re­gime im Iran dürf­te sich dann bes­ser be­waff­nen kön­nen, nicht nur um die ei­ge­ne Op­po­si­ti­on zu un­ter­drü­cken und zu er­mor­den, son­dern um die an­ger­droh­te Ver­nich­tung Is­raels Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te zum Auf­ruf fin­den sich die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und Eso­te­ri­kern, von Rechts­po­pu­lis­ten und deut­schen Lin­ken. So zum Bei­spiel der Name des Che­fre­dak­teurs der na­tio­nal­bol­sche­wis­ti­schen Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“, Ar­nold Schöl­zel, sowie der Name des „Rot­fuchs“-​Her­aus­ge­bers, Klaus Stei­ni­ger, der im an­ti­se­mi­ti­schen Jar­gon gegen „die Roth­schilds“ mobil macht. Hier fin­den sich nicht nur die Un­ter­schrift der Links­par­tei-​Po­li­ti­ke­rin An­net­te Groth (MdB) oder die des ehe­ma­li­gen Ab­ge­ord­ne­ten Nor­man Paech, son­dern auch die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen, von rech­ten Po­li­ti­ker und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten.

An­hand der Un­ter­zeich­ner_in­nen wird al­ler­dings deut­lich, was für fal­sche Frie­dens­freun­de dort zu­sam­men­ge­kom­men sind, um sich als mo­ra­li­sche Stüt­ze der Dik­ta­tu­ren an­zu­bie­dern. Da wäre zum Bei­spiel die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“, die seit Jah­ren eine schmut­zi­ge Pro­pa­gan­da-​Ar­beit für das ira­ni­sche Re­gime be­treibt.

Als die De­mons­tran­tin Neda im Jahr 2009 durch Mi­li­zen des ira­ni­schen Re­gimes er­mor­det wurde, ver­öf­fent­lich­te die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie bei­spiels­wei­se die Stel­lung­nah­me eines an­onym blei­ben­den deut­schen „Fach­pfle­gers“, der den Mord an der „Süd­län­de­rin“ aus der Ferne in Frage stell­te. Als der ira­ni­sche Prä­si­dent mal wie­der die Ver­nich­tung Is­raels an­kün­digt gab sich die Grup­pe alle Mühe diese Ver­nich­tungs­dro­hung als Über­set­zungs­feh­ler zu re­la­ti­vie­ren. Nach dem Erd­be­ben von Japan träum­te man von einer me­ga-​ge­hei­men Erd­be­ben­waf­fe, die im Ein­satz ge­we­sen wäre. Kri­ti­ker_in­nen ent­geg­ne­te man: „Zer­malmt das Nie­der­träch­ti­ge!“ Die Bun­des­vor­stand­mit­glie­der An­ne­li­se Fik­ent­scher und An­dre­as Neu­mann, die für die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“ auf der Liste un­ter­schrie­ben haben, sind nicht die ein­zi­gen Per­so­nen aus dem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mi­lieu der deut­schen Lin­ken, die dort zu fin­den sind.

Auf der Liste ist der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Diet­her Dehm zu ent­de­cken, der sich selbst als „glü­hen­den Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker“ be­zeich­net und Kri­ti­ker_in­nen als „an­ti­deut­sche SA“ ver­un­glimpft. Au­ßer­dem hat sich der Schwei­zer Na­tio­nal­rat Do­mi­ni­que Baet­tig auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te ver­ewigt. Die­ser ist Ab­ge­ord­ne­ter der Schwei­zer Volks­par­tei (SVP), deren ras­sis­ti­sche Pla­ka­te fast eins zu eins von der NPD über­nom­men wur­den.

Viele Äu­ße­run­gen des Na­tio­nal­ra­tes dürf­ten bei den NPD­lern auf Zu­stim­mung tref­fen. Im De­zember 2009 frag­te Baet­tig den Bun­des­rat in einem par­la­men­ta­ri­schen Vor­stoss nach den „Fol­ge­kos­ten des Ein­drin­ges ge­biets­frem­der Arten“. Baet­tig po­le­mi­sier­te an­sons­ten unter an­de­rem gegen das letz­te Bil­der­berg-​Tref­fen, dem Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen eine un­glaub­li­che Macht nach­sa­gen, ob­wohl sich dort le­dig­lich Wirt­schafts­ver­tre­ter, Jour­na­lis­t_in­nen und Po­li­ti­ker_in­nen zum losen Ge­dan­ken­aus­tausch tref­fen: Der Na­tio­nal­rat be­haup­tet al­ler­dings, dass es sich bei die­sem Tref­fen um die Zu­sam­men­kunft einer „glo­ba­len Elite von Ban­kiers, In­dus­tri­el­len, Di­plo­ma­ten“ han­deln würde, die dort die „Richt­li­ni­en der wirt­schaft­li­chen Glo­ba­li­sie­rung ko­or­di­nie­ren, or­ga­ni­sie­ren und struk­tu­rie­ren“. Die Folge des Tref­fen seien unter an­de­rem „Ge­schlechts­um­wand­lun­gen“ und die „Ver­wi­schung der Gren­zen zwi­schen Le­be­we­sen“, schrieb der Na­tio­nal­rat.

Nun hat er auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de un­ter­schrie­ben und fin­det sich in der Ge­sell­schaft mit Links­par­tei-​Po­li­ti­ker_in­nen und Ak­ti­vis­t_in­nen der deut­schen Frie­dens­be­we­gung. Ein wei­te­rer Un­ter­zeich­ner ist der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Elias Da­vids­son, der sich vor allem mit der Um­deu­tung der Er­eig­nis­se des 11. Sep­tem­bers 2001 be­fasst. Seine The­sen be­warb er bei­spiels­wei­se im Jahr 2009 auf einer Ver­an­stal­tung der rech­ten Bur­schen­schaft „Nor­man­nia-​Nie­be­lun­gen“ in Bie­le­feld. Da­vids­son re­la­ti­vier­te die Ju­den­het­ze des „Stür­mer“ Her­aus­ge­bers Ju­li­us Strei­cher: „Doch der Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat von Ju­li­us Strei­cher würde heute als be­schei­den be­trach­tet wer­den ver­gli­chen mit dem Aus­maß des heu­ti­gen Pro­pa­gan­da­ap­pa­ra­tes gegen den Islam, der ganze Erd­tei­le über­deckt und von Hol­ly­wood un­ter­stützt wird“, be­haup­te­te Da­vids­son im In­ter­view mit dem „Mus­lim Markt“, der eben­falls für plum­pe Pro­pa­gan­da für das ira­ni­sche Re­gime be­rüch­tigt ist. „Ich bin ein ra­di­ka­ler An­ti­se­mit und stolz dar­auf“, schrieb Da­vids­son – ganz offen – an an­de­rer Stel­le.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de fin­det sich auch der Name Ste­phan Bütz­ber­ger, der sich – ganz eso­te­risch – als „Leh­rer für Be­wusst­sein-​ und wer­dung“ be­zeich­net. Es han­delt sich um einen Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen aus der Schweiz, der die Exis­tenz von Vi­ren­er­kran­kun­gen leug­net. AIDS sei ein „rein er­fun­de­nes Phan­tom­ge­bil­de“, be­haup­tet Bütz­ber­ger in einem Le­ser­brief, in dem er die irre Be­haup­tung auf­stellt, dass es die AIDS-​Me­di­ka­men­te wären, die töd­lich seien. Hier würde „die Zahl der Opfer des Ho­lo­caust über­trof­fen“, schreibt der AIDS-​Leug­ner auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Den Ho­lo­caust führt Bütz­ber­ger auf den an­geb­li­chen „Schul­ter­schluss von Hit­ler und Ro­cke­fel­ler-​Stif­tung“ zu­rück, die sich damit „der Juden ent­le­digt hatte, die bei der ver­bre­che­ri­schen In­fek­ti­ons­theo­rie nicht mit­mach­ten“. Der Name des AIDS-​Leug­ners und Ho­lo­caust-​Re­la­ti­vie­rers fin­det sich nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de.

Auch ei­ni­ge Blog­ger haben sich auf die­ser gru­se­li­gen Liste ver­ewigt. Da wäre zum Bei­spiel Fol­ker H., der den Blog „Ge­gen­mei­nung“ be­treibt. Er ver­linkt auf ver­schie­de­ne Texte aus der Ver­schwö­rungs­sze­ne, in denen bei­spiels­wei­se die „Dö­ner­mor­de“ um­ge­deu­tet wer­den. Hier wird der mör­de­ri­sche Ter­ror durch die Na­zi-​Ban­de ge­leug­net:

Die ge­sam­te Story rund um eine (…) brau­ne Ar­mee-​Frak­ti­on ist ein ein­zi­ger rie­si­ger Hoax.

Auf der In­ter­net­sei­te von Fol­ker H. fin­den sich nicht nur Ver­wei­se auf der­ar­ti­ge Texte, son­dern auch ver­schie­de­ne Gra­fi­ken, mit denen die is­rae­li­sche Po­li­tik mit der Ver­nich­tungs­pra­xis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf eine Stufe ge­stellt wird. Hier fin­den sich auch Gra­fi­ken des an­ti­se­mi­ti­schen Ka­ri­ka­tu­ris­ten Car­los Latuff, der beim ira­ni­schen Ho­lo­caust-​Ka­ri­ka­tu­ren-​Wett­be­werb den zwei­ten Platz be­leg­te.

Der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Chris­toph R. Hörs­tel hat ebenfalls un­ter­schrie­ben. Hörs­tel ist An­füh­rer einer einer Kleinst-​​Or­ga­ni­sa­ti­on na­mens „Neue Mitte“. In der Ver­gan­gen­heit trat er bei­spiels­wei­se mit dem ira­ni­schen Bot­schaf­ter, dem Schläch­ter Ali Reza Scheikh Attar, auf einer Wer­be­ver­an­stal­tung des ira­ni­schen Re­gimes auf. Mit dem Quer­front­ler Jür­gen El­säs­ser mo­bi­li­sier­te er zu einem Auf­marsch vor dem Reichs­tag, der sich gegen Is­ra­el rich­te­te. Auf dem letzt­jäh­ri­gen an­ti­se­mi­ti­schen „Al-​Quds-​Tag“ in Ber­lin hielt Hörs­tel eben­falls eine Rede. Auf einem Auf­marsch der Ver­schwö­rungs­sze­ne, der am 10. Sep­tem­ber 2011 in Karls­ru­he statt­fand, sprach Hörs­tel zu den ver­sam­mel­ten Teil­neh­mer_in­nen. Dort of­fen­bar­te er seine Ängs­te vor Eu­ro­pa, sei­nen Hass auf die USA und be­trieb die Kon­struk­ti­on einer „ver­dammt klei­nen Cli­que“, die die Welt be­herr­schen würde. Dafür gab es von den ver­sam­mel­ten Ver­schwö­rungs­fans be­geis­ter­te Zu­ru­fe und aus­führ­li­chen Bei­fall.

Hörs­tel durf­te nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de un­ter­zeich­nen. Er be­fin­det sich in pas­sen­der Ge­sell­schaft: Ge­mein­sam mit Links­par­tei-​ und SVP-​Po­li­ti­ker_in­nen, an­de­ren Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten, stellt er sich – mal wie­der – auf die Seite des ira­ni­schen Re­gimes.

Die Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de of­fen­bart einen Ab­grund, dem sich ein Teil der deut­schen Lin­ken er­ge­ben hat. Sie pro­tes­tie­ren nun ge­mein­sam mit einem füh­ren­den Rechts­po­pu­lis­ten, mit AIDS-​Leug­nern und Pro­pa­gan­dis­ten des ira­ni­schen Re­gimes. Hin­ter dem Ruf nach Frie­den ver­schan­zen sich An­ti­se­mi­ten, AIDS-​Leug­ner und Rechts­po­pu­lis­ten. Ei­ni­ge deut­sche Linke scheint dies al­ler­dings nicht zu stö­ren.

Eine Er­klä­rung des BAK-​Shalom findet sich hier: „Gegen linke So­li­da­ri­tät mit den Schläch­tern von Sy­ri­en und Iran!“

Up­date (11.​01.​2012):​ Der Rechts­po­pu­list Do­mi­ni­que Baet­tig wurde mittlerweile von der Liste ge­löscht , in der vor­he­ri­gen Ver­si­on war er al­ler­dings zu fin­den. Alle an­de­ren er­wähn­ten Per­so­nen fin­den sich nach wie vor auf der Liste.

Geständnis eines Antizionisten

Der Verschwörungsideologe und Antizionist Elias Davidsson ist ein Mensch, dessen Thesen in einem gewissen Spektrum der deutschen Linken gerne aufgegriffen werden. Die Texte des Komponisten werden benutzt, um gegen Israel und die USA zu hetzen. Man findet diese Texte auf der Internetseite der „Neuen Rheinischen Zeitung“ oder den Seiten der „Kommunistischen Initiative“.

Elias Davidsson sucht andere Verantwortliche für den 11. September 2001 und viele andere terroristische Anschläge. Für diese Ereignisse macht der Verschwörungsfan verschiedene Geheimdienste und George W. Bush verantwortlich.

Seine Thesen propagiert Davidsson nicht nur im Internet, sondern auch auf Veranstaltungen, wie zum Beispiel am 09. Oktober 2009 im „Club Voltaire“ in Frankfurt. Dort trat er für die Verschwörungsfans von der Gruppe „Arbeiterfotografie“ auf, die nach dem Erdbeben in Japan von einer geheimen Erdbebenwaffe halluzinierten und die ansonsten Propaganda für das iranische Regime betreiben.

Am heutigen Freitag wird der Komponist Davidsson für die MLPD-Vorfeldorganisation „Solidarität International“ und den Stammtisch von „Alles Schall und Rauch“ die einschlägige Verschwörungspropaganda betreiben. Er wird, gemeinsam mit der Verschwörungsband „Die Bandbreite“, in Duisburg auftreten. Zur Band, die „Antideutsche“ als „Faschos“ und „Palästina“ als „Paradies am Mittelmeer“ bezeichnet, besitzt Davidsson ein ganz besonderes, inniges Verhältnis. Er verteidigt diese auch in einem aktuellen Jubel-Youtube-Interview.

Elias Davidsson gibt gerne ausführliche Interviews. Zum Beispiel für die Internetseite „Muslim Markt“, die eine unverhohlene Propaganda für das iranische Regime betreibt. Auf dieser Website, die von Yavuz Özoguz aus Delmenhorst betrieben wird, relativiert Davidsson die NS-Propaganda eines Julius Streicher:

Doch der Propagandaapparat von Julius Streicher würde heute als bescheiden betrachtet werden verglichen mit dem Ausmaß des heutigen Propagandaapparates gegen den Islam, der ganze Erdteile überdeckt und von Hollywood unterstützt wird.

Nach ganz Rechts kennt Davidsson keine Berührungsängste. Am 28. November 2009 trat er vor der Burschenschaft „Normannia-Niebelungen“ in Bielefeld auf. Im Nachhinein rechtfertigte er seinen Auftritt mit einem ausführlichen Offenen Brief. Er rief zu einer Querfront zwischen Links und Rechts auf:

Ich habe diese Ausführungen aus meinem Gedächnis so gut wie möglich gemacht und hoffe dass diese zu einer größerer Bereitschaft unter deutschen Linke beitragen wird, sich auch mit traditionellen Rechte zusammenzuarbeiten (…). Unsere Feinde befinden sich nicht bei den Skinhead Nazis oder bei Randgruppen der Konservativen sondern sitzen im Bundestag (…) wo sie die Beteiligung Deutschlands in einem Angriffskrieg (…) unterstützen, und eng mit zwei Schurkenstaaten wirtschaftlich, militärisch, polizeilich und geheimdienstlich zusammenarbeiten (USA und Israel). Wir sollten nicht die Zusammenarbeit mit den Burschschaften gegen dieser unheiligen Allianz vernachlässigen.

Davidssons neuesten Text ist daher nur konsequent. Der Komponist bezeichnet sich nun, in einem Text, der unter anderem in der Zeitschrift „Der Semit“ veröffentlicht wurde, als „radikalen Antisemiten“. Er entstellt die Bedeutung dieses Begriffes bis zur Unkenntlichkeit:

Die Bedeutung des Begriffes ‚Antisemit‘ hat in den letzten Jahren einen signifikanten Wandel durchgemacht. Es gab eine Zeit, als dieser Begriff sich auf diejenigen bezog, die Juden verachteten. Später bezog sich der Begriff auf jene, die den Mythos einer jüdischen Weltverschwörung verbreiteten. Heute wird der Vorwurf ‚Antisemit‘ von den herrschenden Eliten genutzt, um Menschenrechtsaktivisten fertigzumachen, die sich für gleiche Rechte für Juden, Christen und Muslime einsetzen, das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimat fordern sowie die Vision eines gemeinsamen demokratischen Staates für Palästinenser und Israelis fordern. Das Wort ‚Antisemit‘, das ursprünglich eine negative und bösartige Bedeutung hatte, verweist jetzt auf positive und sehr lebenswerte Haltungen (…). Ich bin ein radikaler Antisemit und stolz darauf.

Der Text findet sich, in englischer Fassung, auf zahlreichen Internetseiten der Israel-Hasser. So zum Beispiel auf den Seiten des „Instituts für Palästinakunde“ aus Bonn. Davidsson bezeichnet sich nun als Antisemit. Ein Umstand, auf den der Verschwörungstheoretiker sogar stolz ist. Diese Selbstbezeichnung wird gewisse Gruppen, die sich dem linken Spektrum zuordnen, nicht davon abhalten, Davidsson eine Bühne zu bereiten.

Verschwörungsrapper auf dem Pressefest (II)

Natürlich durften sie auftreten: Die Rede ist von der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite“, die für das 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) angekündigt worden war. Nach Protesten antifaschistischer Gruppen hatten die Organisator_innen des „größten Volksfest der Linken“ behauptet, den Auftritt der Band abgesagt zu haben. Stattdessen sollte es eine „Podiumsdiskussion“ mit namentlich nicht benannten Kritiker_innen und der Band geben.

Die Auftritte mit Rechtspopulisten und für Verschwörungsideologen waren für die Organisator_innen also kein Grund, die Band auszuladen. Stattdessen wollte man ihnen den Raum geben, derartige Unappetitlichkeiten zu verteidigen. Den „Holocaust“, den die Band der NATO nachsagt, scheinen Dinge, über den die Organisator_innen ernsthaft debattieren wollten.

Kommunist_innen und Antifaschist_innen sollten also einen Diskurs führen, anstatt derartige Auftritte und Inhalte zu bekämpfen. „Die Band ‚Die Band­brei­te‘ wird (…) auf dem 17. UZ-​Pres­se­fest der Deut­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei auf­tre­ten“, hatte es in diesem Blog geheißen. Genau das ist dann – leider – eingetreten.

Das Neue Deutschland berichtet von tumultartigen Szenen während der „Diskussion“, bei der die üblichen Verteidiger_innen der Band einträchtig auf dem Podium saßen:

Gestern nun trat die ‚Bandbreite‘ auf dem Pressefest der DKP-Parteizeitschrift ‚Unsere Zeit‘ (UZ) in Dortmund auf. Die Politpopper lösten Tumulte aus. Ein Mittzwanziger ging ans Mikrofon und verkündete spontan seinen Austritt aus der DKP. Andere – meist junge Leute – riefen: ‚Holt die Spinner von der Bühne.‘ Eine Frau rief Wojna wütend zu: ‚Spiel mal ‚Einlochen’‘ – ein als sexistisch geltendes Lied der ‚Bandbreite‘.

Während des Auftritts der Band solidarisierten sich die üblichen Verdächtigen mit der Verschwörungscombo, die wohl auch die Farce, die sich „Diskussionsveranstaltung“ schimpfte, dominierten: Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke und nach eigenen Angaben „glühender Verschwörungstheoretiker“, rief die Band während der Diskussionsveranstaltung dazu auf, ihre Lieder zum Besten zu geben, was wohl dann auch geschah.

Die Mitglieder der Gruppe „Arbeiterfotografie“, die nach dem Erdbeben in Japan von einer mega-geheimen Erdbebenwaffe halluzinierten und ansonsten Propaganda für das iranische Regime betreiben, stellten sich für ein Jubelvideo zur Verfügung. Für „Die Bandbreite“ setzte sich auch Elias Davidsson ein: Ein Verschwörungstheoretiker, der seine Thesen auch schon mal bei rechten Burschenschaften vorstellt. Davidsson for­dert in einem halboffenen Brief eine grö­ße­re „Be­reit­schaft unter deut­schen Lin­ken“ eben „auch mit tra­di­tio­nel­len Rech­ten zu­sam­men­zu­ar­bei­ten“. Außerdem gab der „Junge Welt“-Autor Klaus Rainer Rupp ein Statement ab, der die Band nicht nur während der „Diskussionsveranstaltung“ verteidigte: „Ich finde es einen Skandal, dass die Linke sich, von Meinungsterroristen, die sich selber Linke nennen, vorschreiben lässt, wen wir hören können und dürfen“, sagte er in die Kamera der„Bandbreite“.

Doch selbst die Parteivorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), Bettina Jürgensen, sprach der Querfront-Band ihre Solidarität aus. Dies macht allerdings den ideologischen Zustand dieser Partei deutlich, die mit den Auftritten und Inhalten der „Bandbreite“ kein Problem zu haben scheint. Dabei werden Verschwörungstheorien über die Kritiker_innen propagiert: „Die Band sei links verortet und zähle zum linken Spektrum. Die Vorwürfe seien nicht haltbar – sie sollen vielmehr ‚die Gruppe kaputt machen‘. Die Kampagne habe vor vier Jahren begonnen, so Jürgensen. Und zwar nachdem die ‚Bandbreite‘ Kritik an Israel geübt habe.“

Nachdem Auftritt auf dem UZ-Pressefest schrieb die Band: „Unser Auftritt auf dem UZ Pressefest war ein voller Erfolg!“. Angesichts der Unterstützung, nicht nur durch den Bundestagsabgeordneten Diether Dehm und durch Bettina Jürgensen, Parteivorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), ist das sogar noch untertrieben. „Die Bandbreite“ ist also auf dem Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei aufgetreten. Keine zwei Wochen nach einem Auftritt mit Vertretern der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) durfte die Band auf dem Festival ihre Lieder zu Gehör bringen. Dies dürfte wohl von Anfang an der Plan der Organisator_innen gewesen sein.

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) hat sich damit eindeutig für die Querfront-Band und für ihre reaktionären Texte positioniert. Der Auftritt dieser Band wirft ein bezeichnendes Licht auf den inneren Zustand dieser Partei, die mit anti-amerikanischen Verschwörungstheorien und mit „se­xis­ti­schen, an­ti­se­mi­ti­schen und NS-​re­la­ti­vie­ren­de Song­tex­ten“ kein Problem zu haben scheint. Ein Problem scheint diese Partei aber den Kritiker_innen dieser Musik zu haben, denen sie unterstellt, sie würden eine „üble ‚antideutsche‘ Kampagne“ betreiben. Immerhin waren nicht alle Teilnehmer_innen der Diskussionsveranstaltung mit dieser Vorgehensweise einverstanden.

Katastrophen Verklärung

An der Nachricht kam kein Mensch vorbei: Am 11.​03.​2011 ereignete sich ein verheerendes Erdbeben, das einen Tsunami auslöste, der Japan verwüstete. Die Ursachen werden von anderen Menschen in Frage gestellt. Für sie sind die Ereignisse keine Naturkatastrophe, sondern haben entweder gar nicht stattgefunden oder es wird eine gigantische Verschwörung konstruiert, die das Erdbeben ausgelöst haben soll.

Beispielsweise behauptete die antisemitische, geschichtsrevisionistische Internetseite Polska-Web, dass es gar kein Erdbeben gegeben hätte. Sie schrieben von einem „angeblichen Erdbeben“, das seinen Ursprung bei „BBC London und NHK Tokio“ habe. Die Katastrophe wurde dort als „eine reine Erfindung von Behörden, Medien und Politikern“ bezeichnet.

Doch nicht nur die Antisemiten vom Polska-Web taten sich mit solchen Bemerkungen hervor. Da wäre zum Beispiel die Esoterikerin Nina Hagen, die ebenfalls behauptete, dass es sich bei dem Erdbeben in Wirklichkeit ebenfalls um einen Angriff durch die amerikanische Mega-Geheime-Superwaffe gehandelt hätte. Die Gruppe „Arbeiterfotografie deutete das Erdbeben auf eine andere Weise.

Die „Arbeiterfotografie“ sprach von einem „Verbrechen“ und stellte die rhetorische Frage, „wer es angeordnet und wer es ausgeführt hat“. Diese Frage wurde natürlich beantwortet. Die Gruppe behauptet, dass der „Ex-Finanzminister Japans (…) auf die Frage, warum er die Kontrolle über die finanziellen Reserven Japans einer Handvoll amerikanischer und europäischer Oligarchen übergeben hat, geantwortet habe, ihm sei mit einem Erdbeben gedroht worden (…).“

So wird die Naturkatastrophe umgedeutet. Solche Theorien sind nichts Neues, zumindest bei der Gruppe „Arbeiterfotografie“. Bereits während des Erdbebens in Haiti hatte die „linke“ Gruppe von einer Geheimwaffe schwadroniert, die angeblich von den USA eingesetzt worden wäre, um das verarmte Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Verklärung der Realität ist eben nicht nur ein Thema für die Antisemiten von „Polska-Web“, sondern scheint auch bei Gruppen wie der „Arbeiterfotografie“ beliebt zu sein. Da ist eine angebliche super-geheime Erdbebenwaffe gerade gut genug, um sich die Realität so zurechtzubiegen, bis sie zum anti-amerikanischen Weltbild passt.