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Dokumente der Bilderberger

Auf der Internetseite des berüchtigten Kopp Verlages wurden, in Zusammenarbeit mit verschwörungsideologischen Mysteries–Magazin, einige alte Dokumente über die Bilderberger-Konferenzen veröffentlicht, denen verschiedene Verschwörungsideologen eine unglaubliche Macht unterstellen.

Die Bilderberger-Konferenz findet seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts statt, dort kommen Politiker, Manager und Journalisten zu einem losen Gedankenaustausch zusammen. Dabei werden Sonntagsreden gehalten und Kontakte geknüpft. Weil die Teilnehmer oftmals über den Inhalt dieser Sonntagsreden schweigen, haben Verschwörungsideologen ein leichtes Spiel.

Sie behaupten zum Beispiel, dass auf diesen Konferenzen wichtige Entscheidungen, etwa über den nächsten Kanzlerkandidaten der SPD oder den zukünftigen Präsidenten der USA, getroffen werden würden. Einige Autoren der Verschwörungsszene gehen sogar so weit, in der Konferenz, die einmal im Jahr an wechselnden Orten stattfindet, den Kern einer zukünftigen „Weltregierung“ erkennen zu wollen.

Dies ist nichts Neues: Der rassistische, antisemitische und antikommunistische Autor Gary Allen, der 1971 das verschwörungsideologische Standartwerk „Die Insider“ veröffentlichte, schrieb damals, dass das„ultimative Ziel der Bilderberger (…) eine Weltregierung“ sei. Als Verantwortliche wurden die üblichen Verdächtigen ausgemacht.

In fast jedem Pamphlet zur Konferenz werden seitdem die typischen Chiffren verwendet: Hier ist von den Rockefellers und Rothschilds die Rede, denen Verschwörungsideologen im antiamerikanischen und antisemitischen Wahn unterstellen, dass sie – so Allen — nach „einer Welt-Superregierung“ streben würden.

Dieses verschwörungsideologische Konstrukt wird auch auf den Internetseiten des Kopp-Verlages reproduziert. So warnt etwa Webster G. Tarpley auf den Internetseiten, auf denen sich Verschwörungsgläubige außerdem über „spirituelle Vorsorge“ und die baldige Wiedereinführung der Deutschen Mark belehren lassen können, vor den „Bilderbergern“ als „Wurzel der Macht und Weltherrschaft“.

Im Verlagsprogramm sind die dazu passenden Bücher zu finden. Dort berichtet etwa Andreas von Réttyi, der ansonsten auch über angebliche Außerirdische auf Erden aufklären möchte, auf 320 Seiten von den angeblichen Machenschaften der „Bilderberger“, die für ihn „das geheime Zentrum der Macht“ darstellen.

Auf der Internetseite dieses Verlages finden sich nun seit dem 02.12.2012 einige ausgewählte Dokumente aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Verlag veröffentlichte „im Geist von WikiLeaks“ rund 120 Seiten, die streng geheime„Bilderberg-Papiere“ darstellen sollen.

Diese Papiere stammen aus dem Archiv des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel. Man kann sie im Bundesarchiv in Koblenz einsehen. Die Papiere sind also bei weitem nicht so geheimnisvoll, wie es der Kopp Verlag suggeriert, der behauptet, „unzählige seiner jahrzehntelang geheimen Bilderberg-Akten” entdeckt zu haben. Trotzdem werden die Veröffentlichungen der Papiere von verschiedenen Verschwörungsgläubigen bejubelt.

Endlich, so glaubt man, hätte man Indizien, mit denen man das Konstrukt von der „Weltregierung“ belegen könne. So verweisen verschiedene rechte und esoterische Gruppierungen auf die Papiere.  Die völkische „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ bewarb die Papiere ebenso wie die esoterische „Galaktische Föderation des Lichts“.

Wer einen Blick in die Papiere wirft, wird auf Belanglosigkeiten stoßen. Dort sind zum Beispiel seitenweise Dankesschreiben zu finden, mit denen für die Teilnahme an dem Treffen gedankt wird. Dort bedankt sich der eine beim anderen für den „netten Brief“ und schlägt vor „in Kontakt“ zu bleiben. Außerdem gibt es einen Überblick über die Reden, die auf den angeblich so mysteriösen Treffen der „Bilderberger“ gehalten wurden.

Es handelt sich um belanglose Sonntagsreden und Debattenbeiträge, in denen es um die damalige Situation in Europa, um die „Friedensbewegung“ und um Auf– oder Abrüstung geht.  Da spricht der damalige Bundeskanzler Schmidt von der „gleichberechtigten Partnerschaft“ zwischen den NATO-Mitgliedern und der Situation in Afghanistan, da schwafelt der damalige Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorf „von der Verpflichtung, den Zusammenhalt der Gemeinschaft freier Völker (…) zu festigen“. Da finden sich seitenweise belanglose Finanztabellen, Verabredungen zu Abendessen und Stichworte für zukünftige Telefongespräche.

Ein Blick in diese Dokumente macht allerdings deutlich, wie irrational der verschwörungsideologische Blick auf das Treffen der „Bilderberger“ ist. Verschwörungsideologen machen aus dem Treffen einiger Politiker, die Zusammenkunft einer angeblichen „Weltregierung“, vor der sie lautstark warnen. Aus den Dokumenten, die nun veröffentlicht wurden, geht allerdings nur hervor, dass auf diesen Zusammenkünften belanglose Reden gehalten werden, die sich in keiner Weise von den Reden unterscheiden, die Bundestag oder auf den Parteitagen zu hören sind.

Von dieser Tatsache werden sich die Verschwörungsideologen allerdings nicht abhalten lassen, um weiterhin das Konstrukt von der angeblichen „Weltregierung“ zu verbreiten, die einmal im Jahr zum Bilderberger-Treffen zusammenkommt.

Darauf verweist auch der Bericht des „Mysteries“–Magazins:„Trotz Verbot enthüllt: die Bilderberg-Geheimnisse der Bundesregierung“, heißt es hier reißerisch. Dort ist ebenfalls von der „Weltregierung” die Rede. Sicherlich werden die Dokumente auch weiterhin von dem einen oder anderen Verschwörungsautor missbraucht werden, um das irrationale Konstrukt von der„Weltregierung“ zu verbreiten. Schließlich geht es ihnen nicht um Fakten, sondern um die Umdeutung der Realität.

Party der Anti-Bilderberger

Zwischen dem 8. und 12. Juni 2011 findet die so genannte Bilderberg-Konferenz im schweizerischen St. Moritz statt. Hinter der Konferenz steht ein loser Zusammenschluss, der einmal im Jahr zum Treffen lädt. Hier kommen ehemalige und aktive politische Entscheidungsträger sowie Wirtschafts- und Medienvertreter zu einem Gedankenaustausch zusammen. Henry Kissinger, Angela Merkel und Josef Ackermann haben in der Vergangenheit an den Konferenzen teilgenommen. Da über die Inhalte der Treffen Stillschweigen bewahrt wird, ranken sich um die Bilderberg-Konferenzen zahlreiche Verschwörungstheorien.

So wird dem Treffen und seinen Teilnehmern beispielsweise nachgesagt, dass sie eine „Neue Weltordnung“ planen würden. Die Teilnehmer seien Teil einer geheimen Elite, die während der Konferenz die Geschehnisse der Welt steuern würden. Verschiedene Verschwörungsideologen versuchen anhand der Konferenz die angebliche Existenz einer Weltregierung zu belegen. Sie haben so ihren eigenen Bilderberg-Mythos geschaffen, mit dem sie die Verklärung der Realität betreiben.

Da ist es kein Wunder, dass die Anhänger der kruden Verschwörungstheorien während der Bilderberg-Konferenz ebenfalls in der Schweiz zusammenkommen, um gegen „diesen elitären Klub“ vorzugehen. Die angekündigten Proteste gegen das Treffen von etwa 130 Gästen aus Politik, Industrie und Medien werden unter anderem über den verschwörungsideologischen Blog „Alles Schall und Rauch“ organisiert:

 Noch besser, sie sollen nach Guantanamo gehen, dort können sie sich ungestört treffen.

Das fordert der Betreiber Manfred Petritsch auf dieser Internetseite, die auch dazu dient, die Proteste gegen das Treffen zu koordinieren. Die Internetseite „Alles Schall und Rauch“, auf der ansonsten im verschwörungstheoretischen Jargon über die „Mondlandungslüge“, die „Impflüge“ oder die „Klimalüge“ berichtet wird, stellt Flugblätter über die Bilderberg-Konferenz zum Download bereit. Außerdem wird ein Treffen beworben, auf dem rechtskonservative Politiker sowie Verschwörungsideologen und Verschwörungsrapper auftreten sollen, die der Protest gegen die Konferenz der Bilderberger geeint hat.

Auf einem dieser angebotenen Flugblätter rekurrieren die Verschwörungsfans unter anderem auf die „American Free Press“, deren Aktivsten ebenfalls zu den Gegenveranstaltungen erwartet werden. Hierbei handelt es sich um ein rechtes, antisemitisches Magazin, in dem Werbeanzeigen des „Klu Klux Klan“ zu finden sind. Auf der Internetseite der Gruppe findet sich auch Werbung für Pete Peters „Scriptures for America and Kingdom Identity Ministries“, für den Juden die „Kinder Satans“ darstellen. Die Internetseite dieser antisemitischen Gruppierung findet sich auch auf dem Flugblatt der Anti-Bilderberger, die mit derartigen Unappetitlichkeiten kein Problem zu haben scheinen.

Neben diesen antisemitischen Verschwörungsfreaks werden die üblichen Verdächtigen angekündigt: So hat die Band „Die Bandbreite“ ihre Teilnahme zugesagt. Die Band, die ansonsten auch auf linken Veranstaltungen wie dem UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) ihre verschwörungsideologischen Texte verbreitet, soll auf einer Konferenz der Anti-Bilderberger auftreten, einer „Anti-NWO-Party“, die am 10. Juni im Hotel Randolins in St. Moritz stattfinden soll. Dieses Gegentreffen, das unter dem Motto „Die Bilderberger und ihr Einfluss“ steht, wird vom Verschwörungsblog „Alles Schall und Rauch“ und der Jungen SVP unterstützt, als Organisator tritt die Verschwörungsplattform „Info8“ in Erscheinung.

Der Jugendverband der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) nutzt das Treffen der Bilderberger, um sich für den schweizerischen Nationalstaat stark zu machen, den er durch die Konferenz gefährdet sieht. Unterstützt wird dieses Treffen durch den Schweizer Nationalrat Pirmin Schwander (SVP), einem Politiker, der sich in der Vergangenheit unter anderem für eine restriktive Migrationspolitik aussprach. Außerdem soll der Abgeordnete Lukas Reimann (SVP) auftreten. Reimann sprach sich unter anderem gegen die Öffnung der Schweizer Universitäten für ausländische Studierende aus und engagierte sich für „bewährte Werte“. „Unser Land muss schweizerisch bleiben“, lautet ein Wahlspruch des Rechtspopulisten, der sich nun durch die Konferenz der Bilderberger bedroht fühlt. „Ich bin dagegen, wenn eine Handvoll Leute versucht, das Weltgeschehen zu lenken“, wird der SVP-Nationalrat von der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ zitiert.

Auch andere Nationalräte der Schweizer Volkspartei (SVP) protestieren gegen die Bilderberg-Konferenz. Nationalrat Dominique Baettig will in dem Treffen ebenfalls „eine Bedrohung für die Schweiz“ ausgemacht haben. Er behauptet, dass eine „globale Elite von Bankiers, Industriellen, Diplomaten“ mit diesem Treffen die „Richtlinien der wirtschaftlichen Globalisierung koordinieren, organisieren und strukturieren“ würde. Die Folge des Treffen seien unter anderem „Geschlechtsumwandlungen“ und die „Verwischung der Grenzen zwischen Lebewesen“, schrieb der Nationalrat in einem Offenen Brief an die Bundesrätin Simonetta Sommaruga, die für Polizei und Justiz zuständig ist. Außerdem forderte der Nationalrat den Bündner Regierungsrat – zur Freude verschiedener Verschwörungstheoretiker – dazu auf, dass dieser „gewisse Bilderberger und wenigstens die Herren Bush, Kissinger, Cheney, Perle“ bei der Einreise in die Schweiz verhaften und „verschiedenen Gerichten“ überstellen sollte.

Im Interview für „Alles Schall und Rauch“beklagte sich der Nationalrat ebenfalls über das Bilderberg-Treffen. „Wenigstens ein Politiker der Mut hat und aufrichtig ist“, lautete das anschließende Urteil des Verschwörungsblogs.

Bei solchen Überschneidungen sollte es auch nicht verwundern, dass Manfred Petritsch, der Betreiber der verschwörungsideologischen Internetseite „Alles Schall und Rauch“, neben den Nationalräten der Schweizer Volkspartei, Pirmin Schwander und Lukas Reimann, als Referent für das Treffen der Verschwörungsideologen und Rechtspopulisten benannt wird. Petritsch soll dort über die angeblichen „Ziele der Bilderberg-Gruppe“ berichten.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Ziele der Bilderberger eines Grosseuropas, dass der Nationalsozialisten sehr ähnlich sieht, und es ist tatsächlich so, dass es sich um eine Vereinigung von Faschisten handelt, unter der Führung der Oberglobalisten David Rockefeller und Henry Kissinger.

So hetzt Petritsch an anderer Stelle. Nun möchte der Verschwörungstheoretiker Petritsch, unter anderem mit der Band „Die Bandbreite“ und den Nationalräten der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei die „grösste Anti-NWO-Party aller Zeiten“ veranstalten.

Die eher harmlose Bilderberg-Konferenz wird also zur Zusammenkunft gar nicht so harmloser Rechtspopulisten, Verschwörungsfreaks und ordinären Antisemiten, die ebenfalls zusammenkommen werden, um für die Nationalstaaten und gegen die angebliche „Neue Weltordnung“ die Werbetrommel zu rühren.

Flugblatt gegen Bilderberger
Flugblatt gegen Bilderberger
Veranstaltung gegen die Bilderberger Konferenz
Veranstaltung gegen die Bilderberger Konferenz

UFO Verschwörung

Vielleicht kennen die geneigten Leser_innen dieses Artikels die South Park Folge, in der sich herausstellt, dass die Verschwörungstheoretiker_innen des 11. Septembers 2001 in Wirklichkeit von der amerikanischen Regierung gesteuert werden, um mit der Angst Politik zu machen.

Eine ähnliche Theorie formulierte der Verschwörungsideologe Paul Joseph Watson, dessen Text vom deutschen Aktivisten Alexander Benesch für das Internetportal „Infokrieg.tv“ übersetzt wurde. In diesem Artikel widmet sich Watson dem „Ufo-Phänomen“. Als Verursacher dieses„Phänomens“ macht er bereits in der Überschrift „die Rockefellers“ verantwortlich.

Im Artikel wird die witzige These aufgestellt, dass diese über die „Bilderberger“ für den „Ufo-Kult“ verantwortlich sind, um „das Volk“ dazu zu bringen, dass „kleinere Übel“ zu wählen. Mittel zum Zweck sei der bekannte Hollywood-Regisseur Steven Spielberg, halluziniert Watson. Spielberg hätte angeblich verschiedene Filme wie „E.T.“ und „Deep Impact“, aber auch Serien wie „Taken“ geschaffen, weil es die „globale Elite“ so gewollt hätte, um „das Alien-Denkmuster in die Köpfe der Zuschauer zu hämmern“. Außerdem wird Spielberg, natürlich ohne die Spur eines Beweises, mit dem gefälschten Alien-Autopsie-Video in Verbindung gebracht.

Die anderen Filme die Steven Spielberg in der Vergangenheit produziert hat oder bei denen er Regie führte, werden selbstverständlich nicht erwähnt. Filme wie die „Indiana Jones“-Reihe, „Zurück in die Zukunft“,„Minority Report“, „Feivel, der Mauswanderer im wilden Westen“, „Hook“, „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“, „Der weiße Hai“, „Die Farbe Lila“, „Jurassic Park“, „Catch Me If You Can“ oder „München“ passen nicht ins Bild, wenn man Spielberg „eine Obsession mit der UFO/Alien-Thematik“unterstellt. Daher spielen diese Filme im Text des Paul Joseph Watson auch keine Rolle.

Dafür dient die extrem antisemitische Seite des Clayton Douglas als Quelle. Spielberg wird wiederum auf vier Filme und eine großartige Serie reduziert. Außerdem werden ihm „elitäre Vorgesetzte“ angedichtet, die angeblich die Themen seiner Filme bestimmen würden. Eigentlich unglaublich, dass derartige Theorien erfolgreich verbreitet werden. Doch die Behauptung des Paul Joseph Watson lässt sich auf vielen Internet-Seiten der„Truther“-Szene wiederfinden.