Schlagwörter: Christoph Hörstel

Behördenmythen

TATSACHE: Im Münchner Kreisverwaltungsreferat sitzen zwei Beamte, die nichts anders tun, als kriminellen Ausländern mit besonderer Schnelligkeit deutsche Pässe zu beschaffen. So bauen wir in Deutschland mannigfaltige kriminelle Szenen auf, die von der Regierung wahlweise benutzt werden können, notfalls auch gegen die eigene Bevölkerung.

Der Erfinder dieses Verschwörungsmythos ist kein NPD-Kader, auch wenn seine Verschwörungsmythen an deren Verschwörungsmythen zur Migration erinnern. Es handelt sich vielmehr um einen Vordenker der „Truther” und „Infokrieger”.

Der Verschwörungsideologe Christoph R. Hörstel, deutet nicht nur die Ereignisse des 11. September 2001 um, sondern ist auch eine der aktivsten Werbefiguren für das syrische Regime in Deutschland. Ob in der Tageszeitung Junge Welt, in den Sendungen des iranische Propaganda-Senders IRIB oder in den Videos der Occupy-Bewegung aus Berlin: Interviews mit dem Verschwörungsideologen sind überall dort zu sehen und zu lesen, wo die verschwörungsideologische Deutung verschiedener bewaffneter Konflikte gefragt ist.

Regelmäßig wird er vom ehemaligen Radiomoderatoren Ken Jebsen befragt, zwischendurch hält er Vorträge, zum Beispiel für die „Deutsch Syrische Gesellschaft” und für Stammtische der Verschwörungsszene.

Außerdem ist Hörstel ein gefragter Redner: In diesem Jahr sprach er zum Beispiel auf dem antisemitischen Al Quds-Marsch und auf einer Demonstration der Freunde des syrische Regimes, auf der Hörstel ein „Germany for the Germans” forderte.

Nun erfreut er seine Anhänger_innen mit dem Verschwörungsmythos über die Mitarbeiter einer Behörde in München. Von den rassistischen Zuständen, denen Menschen ohne deutschen Pass in derartigen Behörden ausgesetzt sind, schweigt der Demagoge.

Dafür meint Christoph R. Hörstel die Verschwörer zu kennen, die die beiden Beamten beauftragt haben, um möglichst viele „kriminelle Ausländer” nach Deutschland zu holen. Er raunt er über die ominösen ein Prozent, die „hier in Deutschland Krach zwischen den Menschen (…) inszenieren”. So einfach ist die Welt, zumindest für einen deutschnationalen Verschwörungsideologen.

Marsch der Antisemiten

Etwa 600 Antisemiten beteiligten sich in diesem Jahr am „Al Quds”–Marsch in Berlin. Es handelt sich um eine jährliche Propagandaverstanstaltung für das iranischen Regimes und seine Apologeten, die Israel mit Vernichtung bedrohen. Im Aufruf zum größten islamistischen Aufmarsch, an dem sich allerdings auch andere Israel-Hasser beteiligen, wurde zum „Widerstand der Völker” aufgerufen. Auch in diesem Jahr wurden zahlreiche Fahnen verschiedener islamistischer Organisationen, wie die der antisemitischen Hisbollah, geschwenkt.

Auf Bildern waren die Portraits des syrischen Despoten Assad oder des iranischen Vordenkers Ayatolla Khomeini zu sehen. Ergänzt wurde das ganze durch die deutsche Fahne, während in Sprechchören die antisemitische Ritualmordlegende von den ermordeten Kindern eine neue Wiederkehr erfuhr, als die marschierenden Antisemiten Israel als „Kindermörder” verunglimpften

Andere Sprechchöre richten sich gegen „die Zionisten”. Es handelt sich dabei um einen rhetorischen Trick, mit dem Jüdinnen und Juden verunglimpft werden sollen. Wenn Antisemiten gegen „Zionisten” anbrüllen, meinen sie Jüdinnen und Juden. Zu den ekelhaften Sprechchören passten antisemitische Karikaturen, auf denen etwa ein hakennasiger Jude zu sehen war, der die Welt mit Atomwaffen bedroht. Außerdem riefen die Demonstrant_innen die üblichen Sprechchöre, die aus der Mottenkiste des Anti-Imperialismus stammen.

Auf Pappschildern wurden die USA als „Weltbrandstifter” bezeichnet und für acht Millionen Tote verantwortlich gemacht, während zur gleichen Zeit verschiedene Regime, deren mörderische Potenz keine Rolle spielte, in den Himmel gelobt wurden.

Kein Wunder, dass sich auch Nazis und andere Feinde der USA und Israels am antisemitischen Aufmarsch beteiligten. Da wäre zum Beispiel die Nazi-Rapperin „Dee EX”, die mit mit einem selbstgebastelten Transparent teilnahm, um für „Freie Völker” einzutreten. Dieser völkische Jargon der reimenden Nazi-Aktivistin passte zu den antisemitischen Parolen des Aufmarsches, bei dem die „Völker” des Öfteren bemüht wurden. „Deutsche Patrioten wollen keine Kriege”, hieß es auf dem Transparent der Nazi-Rapperin, die noch vor einiger Zeit in der rassistischen Kleinst-Partei „Die Freiheit” aktiv war.

Auf dem Marsch hielt der rechte Verschwörungsaktivist Christoph R. Hörstel auch in diesem Jahr eine rund zehnminütige Rede, bei der er zahlreiche antisemitische Klischees bemühte. Hörstel gilt als Ikone der „Truther” und „Infokrieger”, die die Ereignisse des 11. September 2001 umdeuten und zu einem „Inside Job” der angeblichen Verschwörung machen, hinter der oftmals geheinmnivolle amerikanische Institutionen oder gar der israelische Geheimdienst Mossad verortet wird. Hörstel ist ein ideologischer Vordenker der selbsternannten „Wahrheitsbewegung”.

Hörstel propagiert zahlreiche Verschwörungsmythen, bei denen er sich auch auf die „Freunde von ganz Rechts” beruft, was die nationalbolschewistische Tageszeitung Junge Welt nicht davon abhielt, den Verschwörungsideologen zu interviewen.

Im Mai 2012 war Hörstel auf einem Aufmarsch von Anhängern des syrischen Regimes aufgetreten, dort hatte er am Holocaust-Mahnmal ein Deutschland für Deutsche gefordert und allerlei anti-amerikanische Verbalinjurien von sich gegeben. Mit seiner neuesten Brandrede auf der Al-Quds-Demonstration sprach der völkische Verschwörungsideologe Israel das Existenzrecht ab.

Ich bin mir ganz sicher, wenn die Juden in Israel sich wieder, wie in den früheren Jahrhunderten, in den Schutz der Muslime stellen, dann wird es ihnen besser gehen als heute.

Kurze Zeit später bedankte Hörstel sich bei der Polizei, die den Aufmarsch begleitete. Der nationalistische Verschwörrungsideologe machte danach „die Zionisten” und die „Bänker in New York” für alle Übel verantwortlich, die er ausgemacht haben möchte.

„Als Deutscher” forderte Hörstel „wahre Verantwortung” für „ganz Palästina” ein. Dabei verzichtete der Hetzer in seinem aufgeregten Redeschwall zeitweilig auf die Chiffe von den „Zionisten” und sprach von den „Juden”, was die versammelten Antisemiten mit Beifall bedachten.

Ich sehe nur, dass die Juden die Muslime mit dem Tod bedrohen.

So brüllte Hörstel zur Freude der antisemitischen Querfront aus Nazis, Anti-Imperialisten, Verschwörungsgläubigen und Islamisten. Gegen diese antisemitische Manifestation protestierten etwa 250 Antifaschist_innen.

Fest des deutschen Friedens

In der vergangenen Woche kamen sie auf dem Alexanderplatz in Berlin zusammen: Tibet-Fans, Trikot-Verkäufer, Occupy-Aktivisten und die Kader rechter Kleinparteien veranstalteten ein „Friedensfestival”. Verschiedene Marktschreier, die den flanierenden Besuchern und verirrten Touristen ihre esoterischen Wahnideen anpriesen, waren allgegenwärtig. Außerdem redeten verschiedene Verschwörungsideologen und andere Scharlatane.

Es ist ein ruhiger Samstag. Etwa 30 Menschen haben sich am 16. Juni 2012 vor der großen Bühne versammelt. Am Rande steht ein Zelt der „Occupy-Bewegung”, einige Regenschirm werden ebenfalls zur Schau gestellt. In verschiedenen Zelten werben ganz unterschiedliche Organisationen für ihre Ideen: Da wäre zum Beispiel die rechtskonservative „Ökologisch-Demokratische Partei” (ÖDP) oder der „Berliner Wassertisch”. Auf einem Markt der Ideen wird für esoterische Yoga-Übungen geworben. Direkt daneben wird die tibetische Fahne verschenkt und dementsprechend geschwenkt.

Ein Mensch läuft kreischend über den Platz: „Achtung, hier kommen die Friedenselefanten”. Er zieht eine Holzkonstruktion vor sich her und verteilt Flugblätter, mit denen die Internetseite der „Friedenselefanten” beworben wird. Dort wird zu einem „Aufmarsch” aufgerufen:

Auf dem ehemaligen Reichsparteitaggelände, werden die Werke der Friedenselefanten (…) aufmarschieren

Unterstützt wird diese wahnwitzige Aktion durch verschiedene Bürgermeister, Botschafter und Sparkassen. Auf dem „Friedensfestival” sind allerdings keine bürgerlichen Honoratioren, sondern nur die Holzelefanten zu sehen.

Die Touristen, die sich zwischen den Zelten verirrt haben, dürfen Elefanten und anderen esoterischen Ramsch erstehen. Doch die meisten Besucher interessieren sich nur für den ökologischen Orangensaft und die Deutschland-Devotionalien, die von einem Händler an die Fans der deutschen Nation verkauft werden. Selbst vor der Bühne bleiben kaum Menschen stehen, hier werden Theaterstücke aufgeführt.

Zwischendurch wird gesungen. Auf der großen Bühne ist eine Deutschland-Fahne zu sehen, während kleine Kinder ein Friedenslied aus der DDR intonieren. Sie singen über die weiße Friedenstaube, eine „Occupy-Aktivistin” stimmt vor der Bühne in den Kinderchor ein. Daneben sitzt ein gealterter Friedensfreund, der nicht nur das Peace-Zeichen, sondern auch seine schwarz-rot-goldene Mütze spazieren trägt, an der die Friedens-Rune zuvor befestigt wurde.

Die Organisatoren um Ina Edelkraut scheinen zufrieden sein. Ein vorläufiges Fazit findet sich auf ihrer Facebook-Seite:

Wir geben nicht auf, den Frieden ist auch eine Lösung! YEAHHH!

Seit 2009 findet dieses krude Festival statt. Der Ruf nach Frieden war schon damals ein mehr als „weitgedehnter Nenner”. Auch in diesem Jahr wird die ideologische Verkommenheit dieser deutschen Friedensfreunde, zum Beispiel durch das Veranstaltungsangebot, besonders deutlich: Hier wird die „Gemeinwohl-Ökonomie” beworben, die durch die Ideen des Anthroposophen Rudolf Steiner inspiriert wurde. Abgerundet wird dieser esoterische Firlefanz durch „Lachyoga” und  „Friedensmeditationen”, die einen „Impuls für Inneren Frieden” bieten sollen.

Zwischendurch darf Wolfgang Baron von Hildebrandt, der nicht nur „Menschenrechtsaktivist”, sondern auch „Liedermacher” sein möchte, die Lieder von Paul Simon missbrauchen. Danach stellt sich die„World Peace Prayer Society” vor und es wird gemeinsam für nicht mehr und nicht weniger als den „Weltfrieden” gebetet.

Am Abend wird es dann politischer. Christoph R. Hörstel erklimmt die Bühne und hält eine seinerberüchtigten Brandreden. In diesem Jahr geht es um seine Deutung der Situation in Syrien. Hörstel hat sich voll und ganz der syrischen Despotie verschrieben. Als Redner begeistert er des öfteren die Freunde des Regimes, so zum Beispiel am 12. Mai 2012 in Berlin. Damals forderte vor der amerikanischen Botschaft:„Germany for the Germans”.

Der Verschwörungsideologe ist nicht zum ersten Mal als Redner geladen. Im vergangenen Jahr deutete er die Ereignisse des 11. September 2001 um. In diesem Jahr gibt er sich reichlich Mühe, um das Assad-Regime zu verteidigen. Natürlich wird die ideologische Feindbildpflege, gegen „den Westen” und für das Assad-Regime, von den Friedensfreunden eifrig beklatscht.

„Hinter dem Ruf nach Frieden, verschanzen sich die Mörder”, urteilte Paul Spiegel im Jahr 2002. Das hat sich bis heute nicht geändert. Es verschanzen sich allerdings auch deutschnationale Verschwörungsideologen und esoterische Wanderprediger hinter diesem Ruf. Dies macht das Festival der deutschen Friedensfreunde mehr als deutlich. Im nächsten Jahr werden sie wieder zusammenkommen: Dann wird wieder meditiert, gebetet und gehetzt werden.

Verharmlosen und Vertuschen

Die nationalbolschewistische Tageszeitung Junge Welt berichtete am 14.05.2012 über eine Demonstration in Berlin. Der Autor gab sich viel Mühe, um diese Manifestation der syrischen Regime-Freunde in ein denkbar gutes Licht zu rücken.

In Berlin waren antisemitische und friedensbewegte Demonstrant_innen zusammengekommen, um  dem syrischen Diktator und der dortigen Despotie zu huldigen. Auf der Demonstration wurden zahlreiche schwarz-rot-goldene Fahnen geschwenkt. Der verschwörungsideologische Redner Christoph Hörstel forderte, zwischen amerikanischer Botschaft und Holocaustmahnmal, im NPD Jargon:

Germany for the Germans.

Teilnehmer_innen traten Davidssterne in den Staub, ein Redner verdammte den „Zionismus”. Dieser wurde als mächtige Verschwörung dargestellt, die für bestimmte Revolten gegen einige Regierungen verantwortlich sei. Hier wurde also auch antisemitische Propganda betrieben.

All diese Ereignisse finden sich allerdings nicht in dem Jubelbericht, den André Scheer für die Junge Welt verfasste. Hier wurde stattdessen verharmlost und vertuscht. Scheer schrieb in blumigen Worten von der Demonstration und ließ einige Beschreibungen einfließen, die dem ordinären Leser dieser Tageszeitung erfreut haben dürften.

Die junge Frau in den hautengen Jeans heizt ihren Mitstreitern lautstark ein. »Das Volk will Baschar Al-Assad«, ruft sie in das Mikrofon, das ihre Stimme zu den scheppernden Lautsprechern überträgt.

Man beachte die Wortwahl: Hier wird mit der Darstellung einer jungen Frau, die auf ihre Kleidung reduziert wird, Propaganda betrieben, die der alternden und männlichen Leserschaft dieser Zeitung gefallen dürfte.

Diese Darstellung zieht sich durch den ganzen Jubel-Artikel. Ganz internationalistisch werden die „Mitglieder einer linken türkischen Partei” erwähnt, die sich ebenfalls „an der Aktion” beteiligten. Die Teilnahme eines deutschen Nationalisten, der als Redner auftrat, wird dafür verschiegen, aber das werden die meisten Leser_innen dieser Zeitung sicherlich nicht bemerken. Wer sich für „hautenge Jeans”, alternde Diktatoren und deutschen Internationalismus begeistert, dem dürfte dieser Jubelartikel nämlich gefallen haben.

In der Tageszeitung Junge Welt wurde also ein reaktionärer und antisemitischer Aufmarsch gefeiert. Die Praxis des deutschen Anti-Imperialismus führt eben zu den merkwürdigsten Verbrüderungen, auch mit den Freunden der Despoten und in diesem Fall mit den Fans der Diktatur in Syrien.

Aufmarsch der Assad-Fans

Am Samstag, den 12.05.2012, war es mal wieder soweit. Die Unterstützer_innen des syrischen Diktators Assad kamen zu einer „Riesen-DEMO in Berlin” zusammen. Im Demonstrationsaufruf war von einer geheimnisvollen „Verschwörung” die Rede. Als Urheber dieser angeblichen „Verschwörung” wurde der „Westen” ausgemacht.

Im Aufruf zum Aufmarsch wurden allerdings nicht nur verschwörungsideologische Konstrukte beworben. Hier wurde außerdem vom „geliebten Volk” und von dessen „Liebe zum Präsidenten Bashar Al-Assad” geschrieben. Das Vorgehen des syrischen Regimes, das mit seiner Armee zahlreiche Zivilist_innen ermordete, fand keine Erwähnung. Bei soviel völkischer „Liebe” zu „Volk” und „Präsidenten” ist das allerdings nicht verwunderlich.

Letztlich waren es etwa einhundert Teilnehmer_innen, die zum Aufmarsch zusammenkamen. Anhänger_innen des syrischen Regimes und Aktivist_innen der deutschen Friedensbewegung gingen hier für die Diktatur des Baschar al-Assad auf die Straße.

Dabei wurde nur eine einzelne Fahne der Linkspartei in die Luft gehalten, dafür wurden umso mehr schwarz-rot-goldene und syrische Fahnen geschwenkt. Auf einigen Fahnen und anderen Gegenständen war das Gesicht des syrischen Diktators zu sehen, der als Ikone allgegenwärtig war. Ihm wurde mit verschiedenen Sprechchören gehuldigt: „Assad, Assad”, brüllten die Demonstrant_innen.

Zwischendurch griff Christoph R. Hörstel zum Mikrophon, um eine ausführliche Rede zu halten. Der Verschwörungsideologe warnte vor den angeblichen „Machenschaften”der USA. Hörstel war vor einigen Monaten nach Syrien gereist, von dort gab er ausführliche Interviews mit denen der das Vorgehens das Regimes verharmloste.

Ein Interview gab er damals dem deutschsprachigen Radio des iranischen Rundfunks IRIB, für den sich Hörstel immer wieder befragen lässt, um gegen „USreael” hetzen und vor der NATO-„Verbrecherbande” zu warnen. Ähnlich gestaltete sich auch seine erste Rede vor den anwesenden Assad-Fans in Berlin: „Die Amerikaner beschuldigen die Regierung einer Sache, die sie selbst machen”, brüllte der Verschwörungsideologe, der ansonsten unter anderem die Ereignisse des 11. September 2001 umdeutet. Die Teilnehmer_innen reagierten begeistert.

Bei soviel Zustimmung werden einige Demonstrant_innen den Verschwörungsideologen auch per Unterschrift unterstützt haben. Hörstel sammelte nach seiner Rede nämlich Unterstützungsunterschriften, mit denen er sich als eine Art Berater für das syrische Regime in Stellung bringen möchte. Dafür nimmt Hörstel sogar seinen Tod in Kauf:

Wenn mir Verrat nachgewiesen wird – oder ich falsch berate, lasse ich mich freiwillig in der Hauptstadt (Damaskus) aufhängen.

Das bietet dieser Verschwörungsideologe großzügig auf der strukturell antisemitischen Internetseite „Alles Schall und Rauch” an.

Während Hörstel einen seiner ausführlichen Monologe hielt, verteilten Demonstrant_innen Zettel auf dem Boden. Auf diesen DIN-A4 Zetteln war unter anderem der Davidstern zu sehen, der nun von den Demonstrant_innen  in den Staub getreten wurde.

Aus ihrer antisemitischen und antiamerikanischen Einstellung machten weder Demonstrant_innen noch die Redner ein Geheimnis. Christoph R. Hörstel hielt vor der amerikanischen Botschaft, in direkter Nähe zum Holocaust-Mahnmal, eine weitere Brandrede. Dort wandte er sich an die Mitarbeiter der Botschaft:

Get the hell out of Germany, take your fucking troops with you.

So brüllte der Demagoge. Mit völkischen Parolen begeisterte er die Jubelsyrier:

We want Germany für the Germans. We want Syria for the Syrians.

Das schrie der Verschwörungsideologe. Solche Sätze wurden von den Demonstrant_innen mit Jubel quittiert.

Die anderen Redner äußerten sich durchaus ähnlich. Nur das Grußwort von Brigitte Queck wirkte vergleichsweise harmlos. Die Aktivistin der „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg” überbrachte „Solidaritätsgrüße an das syrische Volk, das mehrheitlich an Assad glaubt”. Weil sie nicht brüllte, ging ihre Solidarisierung mit dem „syrischen Volk” allerdings unter.

Ein weiterer Redner gab dafür einen umso erschreckenderen Einblick in sein antisemitisches Weltbild, mit dem er die Demonstrant_innen begeisterte. In seiner Rede brachte der unbekannte Redner sämtliche Stereotype des Antisemitismus unter.

Er sprach vom „menschenverachtenden Zionismus”, der „alles” dafür tun würde, um „die Macht des Geldes zu bewahren”. Nun würden die „Zionisten” und die USA gegen Syrien mobil machen. Ein verschwörungsideologisches Motiv lieferte der Redner gleich mit: Syrien sei eine „Stütze für die entrechteten Palästinenser und leistet als einziges arabisches Land Widerstand gegen Israel”. Die Menge brüllte begeistert. Der antisemitische Wahn, der für einen ungenehmen Aufstand nur „Zionisten” verantwortlich machen kann, wurde hier offensichtlich.

Die antiamerikanische und antisemitische Demonstration, die am 12.05.2012 durch Berlin zog, wird nun von den Organisatoren begeistert beurteilt: „Es war eine Super-Demo”, schreiben sie auf ihrer Facebook-Pinnwand. Ihren Aufmarsch, bei dem mit völkischen Parolen, gegen die USA angeschriehen wurde, wollen die Organisator_innen daher in nächster Zeit wiederholen. Wahrscheinlich werden dann wieder Davidsterne in den Staub getreten und antisemitische Brandreden gehalten werden.

Das Interview

In der gestrigen Ausgabe der Tageszeitung Junge Welt wurde der Verschwörungspropagandist Christoph R. Hörstel befragt, der eine wichtige Figur im Milieu der „Truther” und „Infokrieger” darstellt.

Im Interview mit der Tageszeitung ging es um einige Personen, die vor ein paar Tagen verhaftet wurden, weil sie im Verdacht stehen, an der Überwachung syrischer Oppositioneller in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Christoph R. Hörstel hat sein Urteil bereits gefällt: „

Ich denke nicht, daß auch nur einer der Festgenommenen sich am Ende als einer der Beteiligten herausstellt bei dem rechtswidrigen und gewaltsamen Übergriff gegen den syrischen NATO-Komplizen in Berlin.

In der Jungen Welt wurde Hörstel als „Publizist und Experte für Zentral– und Südasien, Nah– und Mittelost” vorgestellt, seine wichtigsten politischen Positionen kamen dafür nicht zur Sprache, dabei würden sie gut zu dieser Tageszeitung passen.

Der ehemalige ARD-Journalist und Siemens-Mitarbeiter Christoph R. Hörstel betätigt sich seit Jahren als Person, die die Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeutet. Er spricht, im Interview mit dem antisemitischen Internetportal „Muslim Markt”, von einem „angeblichen Attentat” am 11. September 2001. Hörstel ist sich sicher, dass die Anschläge durch „die CIA unter ihrem ehemaligen Chef George Tenet maßgeblich mitorganisiert” wurden. Mit derartigen Theorien sorgt Hörstel für Begeisterung im Milieu der „Truther”, „Infokrieger” und „Wahrheitsbewegten”, die die Anschläge des 11. Septembers 2001 auf ähnliche Weise umdeuten.

Hörstel ist einer der Ihren: Daher durfte er auch am 10. September 2011, auf einem Aufmarsch der Verschwörungsszene in Karlsruhe, eine Brandrede halten, die von den begeisterten Verschwörungsfans mit „Wir sind das Volk”–Rufen quittiert wurde.

Dort propagierte Hörstel verschiedene Mythen und entwarf ein Jahrhundert der Verschwörungen, für das er eine „ganz kleine Clique” verantwortlich machte. Er erinnerte auch an Verschwörungsmythen um den Untergang der Lusitania, der immer wieder als Beispiel für eine frühe „False-Flag”–Aktion angeführt wird.

Im Falle der Lusitania, die am 7. Mai 1915 von einem deutschen U-Boot angegriffen und versenkt wurde, wird die Behauptung aufgestellt, dass die USA für den Untergang des Passagierschiffes verantwortlich gewesen seien, um in den ersten Weltkrieg eingreifen zu können. Dies was allerdings erst zwei Jahre später, am 6. April 1917, der Fall. Mit dem Lusitana-Verschwörungsmythos werden die deutschen Angreifer entlastet. Kein Wunder, dass diese Theorie auch in der rechten Szene beliebt ist. Hörstel sprach in seiner Brandrede wohl auch daher von rechten Freunden:

Da kom­men un­se­re Freun­de von Rechts, die mit den selt­sa­men Stie­feln und den kur­zen Haa­ren und wei­sen auf 1916 hin, auf die­ses Schiff na­mens Lu­si­ta­nia. Ihr Lie­ben, Recht habt ihr! Das war auch eine ge­zink­te Saue­rei.

Die Rede findet sich bis heute im Internet und ist mit „Deutschlands Helden der Wahrheit” betitelt.

Im Interview mit der Tageszeitung Junge Welt sprach Hörstel zwar nicht von seinen rechten Freunden, dafür deutete er aber seine anti-israelischen Positionen an:

Antisemitismus ist auch so ein Vorwurf, der ja auch im Bundestag beliebt geworden ist, wenn es jemand wagen sollte, die abenteuerliche Politik Israels zu kritisieren

Diese Position ist vergleichsweise harmlos, wenn man sich andere Interviews und Offene Briefe anschaut, für die der umtriebige anti-israelische Apologet verantwortlich ist. In einem Offenen Brief an den israelischen Botschafter droht er:

Sollte auch nur eine einzige israelische Bombe auf den Iran fallen, erkläre ich hiermit, dass ich mich danach stets, überall, engagiert und unter allen Umständen für die ‘Ein-Staaten-Lösung’ in Nahost einsetzen werde.

In einem Interview mit dem Verschwörungsfilmer Frank Höfer, der mit seiner NuoViso–Filmproduktion Filme zum 11. September und über Kornkreise produziert, spricht Hörstel ebenfalls Klartext.

Man säubert glaubensmäßig dieses Gebiet von Muslimen. Das ist die zionistische Denkweise.

Dort wird auch eine weitere Position des Christoph R. Hörstel deutlich, die in der Jungen Welt verständlicherweise nicht zur Sprache kam. Hörstel relativiert im Interview mit NuoViso ganz offen die Shoa, indem er die Todeszahlen des Menschheitsverbrechens in Frage stellt:

Wenn es dabei bleibt (…), dass wir (…) die hunderttausenden, vielleicht Millionen Toten eines schrecklichen Verbrechens, verrechnen und sagen, deshalb darf Israel neue Verbrechen begehen und wir Deutschen dürften dagegen nichts sagen, das ist eine Rechnung die historisch (…) nicht aufgeht.

Trotz oder wegen seiner Positionen, die Hörstel bereits im Jahr 2009 formulierte, wurde er nun von der Tageszeitung Junge Welt interviewt. Das nationalbolschewistische Blättchen scheint mit der anti-israelischen und  verschwörungsideologischen Propaganda, für die Christoph R. Hörstel berühmt und berüchtigt ist, gar kein Problem zu haben.

Es ist allerdings nicht nur die Junge Welt, die Interviews mit Christoph Hörstel führt. Ein weiteres Interview wurde bereits am 13. Juni 2011 von der Internetseite„Infokrieger-News” ins Internet gestellt. Dieses Interview wurde am 14. Dezember 2011 von „Radio Zusa” aus Lüneburg erneut gesendet, allerdings ohne Verweis auf dessen Herkunft, einer Internetseite der Verschwörungsszene. Kurz darauf wurde dieses Interview von „Radio Lora” aus München übernommen.

Interviews mit dem Verschwörungsideologen Christoph R. Hörstel finden sich also nicht nur in der nationalbolschewistischen Tageszeitung Junge Welt, sondern auch im Programm einiger linksalternativer Radiosender. Die verschwörungsideologische Verklärung der Realität ist eben nicht nur die Sache von„Truthern” und „Infokriegern”.

Die Liste

Wenn deut­sche Frie­dens­freun­de gegen den Krieg mobilisieren, kann das durchaus gruselige For­men annehmen, die sie an die Seite der schlimmsten an­ti­se­mi­ti­schen Re­gime bringt. Ein ak­tu­el­ler Fall ist der Auf­ruf „Kriegs­vor­be­rei­tun­gen stop­pen! Em­bar­gos be­en­den! So­li­da­ri­tät mit den Völ­kern Irans und Sy­ri­ens!“, der vom Ver­ein „Freund­schaft mit Val­je­vo e.V.“ in­iti­iert und am 05. Ja­nu­ar 2012 in der Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“ ver­öf­fent­licht wurde.

Der Auf­ruf rich­tet sich gegen den an­geb­lich dro­hen­den „Krieg gegen die stra­te­gisch wich­ti­gen bzw. roh­stoff­rei­chen Län­der Sy­ri­en und Iran“. Dort ist von „Sa­bo­ta­ge-​ und Ter­ror­ak­tio­nen“ die Rede, mit denen die USA und Is­ra­el die Staa­ten in einen „Aus­nah­me­zu­stand“ trei­ben wür­den. Die bes­tia­li­schen Re­gimes im Sy­ri­en und im Iran, die die Op­po­si­ti­on bru­tal un­ter­drü­cken, wer­den dort nicht er­wähnt. Die 5000 Toten, die seit Be­ginn des Auf­stan­des in Sy­ri­en durch die Scher­gen des As­sad-​Re­gimes ge­tö­tet wur­den, spie­len keine Rolle. Von der Ver­nich­tungs­dro­hung gegen Is­ra­el, die das an­ti­se­mi­ti­sche Re­gime im Iran immer wie­der for­mu­liert, wird im Auf­ruf eben­falls ge­schwie­gen.

Die deut­schen Frie­dens­freun­de po­si­tio­nie­ren sich ganz und gar ein­deu­tig und schei­nen ne­ben­bei die deut­sche Wirt­schaft an­kur­beln zu wol­len. Man wen­det sich näm­lich gegen „Em­bar­go­maß­nah­men gegen den Iran und Sy­ri­en“. Nicht nur Sie­mens dürf­te dank­bar sein. Ge­ra­de das Re­gime im Iran dürf­te sich dann bes­ser be­waff­nen kön­nen, nicht nur um die ei­ge­ne Op­po­si­ti­on zu un­ter­drü­cken und zu er­mor­den, son­dern um die an­ger­droh­te Ver­nich­tung Is­raels Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te zum Auf­ruf fin­den sich die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und Eso­te­ri­kern, von Rechts­po­pu­lis­ten und deut­schen Lin­ken. So zum Bei­spiel der Name des Che­fre­dak­teurs der na­tio­nal­bol­sche­wis­ti­schen Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“, Ar­nold Schöl­zel, sowie der Name des „Rot­fuchs“-​Her­aus­ge­bers, Klaus Stei­ni­ger, der im an­ti­se­mi­ti­schen Jar­gon gegen „die Roth­schilds“ mobil macht. Hier fin­den sich nicht nur die Un­ter­schrift der Links­par­tei-​Po­li­ti­ke­rin An­net­te Groth (MdB) oder die des ehe­ma­li­gen Ab­ge­ord­ne­ten Nor­man Paech, son­dern auch die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen, von rech­ten Po­li­ti­ker und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten.

An­hand der Un­ter­zeich­ner_in­nen wird al­ler­dings deut­lich, was für fal­sche Frie­dens­freun­de dort zu­sam­men­ge­kom­men sind, um sich als mo­ra­li­sche Stüt­ze der Dik­ta­tu­ren an­zu­bie­dern. Da wäre zum Bei­spiel die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“, die seit Jah­ren eine schmut­zi­ge Pro­pa­gan­da-​Ar­beit für das ira­ni­sche Re­gime be­treibt.

Als die De­mons­tran­tin Neda im Jahr 2009 durch Mi­li­zen des ira­ni­schen Re­gimes er­mor­det wurde, ver­öf­fent­lich­te die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie bei­spiels­wei­se die Stel­lung­nah­me eines an­onym blei­ben­den deut­schen „Fach­pfle­gers“, der den Mord an der „Süd­län­de­rin“ aus der Ferne in Frage stell­te. Als der ira­ni­sche Prä­si­dent mal wie­der die Ver­nich­tung Is­raels an­kün­digt gab sich die Grup­pe alle Mühe diese Ver­nich­tungs­dro­hung als Über­set­zungs­feh­ler zu re­la­ti­vie­ren. Nach dem Erd­be­ben von Japan träum­te man von einer me­ga-​ge­hei­men Erd­be­ben­waf­fe, die im Ein­satz ge­we­sen wäre. Kri­ti­ker_in­nen ent­geg­ne­te man: „Zer­malmt das Nie­der­träch­ti­ge!“ Die Bun­des­vor­stand­mit­glie­der An­ne­li­se Fik­ent­scher und An­dre­as Neu­mann, die für die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“ auf der Liste un­ter­schrie­ben haben, sind nicht die ein­zi­gen Per­so­nen aus dem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mi­lieu der deut­schen Lin­ken, die dort zu fin­den sind.

Auf der Liste ist der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Diet­her Dehm zu ent­de­cken, der sich selbst als „glü­hen­den Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker“ be­zeich­net und Kri­ti­ker_in­nen als „an­ti­deut­sche SA“ ver­un­glimpft. Au­ßer­dem hat sich der Schwei­zer Na­tio­nal­rat Do­mi­ni­que Baet­tig auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te ver­ewigt. Die­ser ist Ab­ge­ord­ne­ter der Schwei­zer Volks­par­tei (SVP), deren ras­sis­ti­sche Pla­ka­te fast eins zu eins von der NPD über­nom­men wur­den.

Viele Äu­ße­run­gen des Na­tio­nal­ra­tes dürf­ten bei den NPD­lern auf Zu­stim­mung tref­fen. Im De­zember 2009 frag­te Baet­tig den Bun­des­rat in einem par­la­men­ta­ri­schen Vor­stoss nach den „Fol­ge­kos­ten des Ein­drin­ges ge­biets­frem­der Arten“. Baet­tig po­le­mi­sier­te an­sons­ten unter an­de­rem gegen das letz­te Bil­der­berg-​Tref­fen, dem Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen eine un­glaub­li­che Macht nach­sa­gen, ob­wohl sich dort le­dig­lich Wirt­schafts­ver­tre­ter, Jour­na­lis­t_in­nen und Po­li­ti­ker_in­nen zum losen Ge­dan­ken­aus­tausch tref­fen: Der Na­tio­nal­rat be­haup­tet al­ler­dings, dass es sich bei die­sem Tref­fen um die Zu­sam­men­kunft einer „glo­ba­len Elite von Ban­kiers, In­dus­tri­el­len, Di­plo­ma­ten“ han­deln würde, die dort die „Richt­li­ni­en der wirt­schaft­li­chen Glo­ba­li­sie­rung ko­or­di­nie­ren, or­ga­ni­sie­ren und struk­tu­rie­ren“. Die Folge des Tref­fen seien unter an­de­rem „Ge­schlechts­um­wand­lun­gen“ und die „Ver­wi­schung der Gren­zen zwi­schen Le­be­we­sen“, schrieb der Na­tio­nal­rat.

Nun hat er auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de un­ter­schrie­ben und fin­det sich in der Ge­sell­schaft mit Links­par­tei-​Po­li­ti­ker_in­nen und Ak­ti­vis­t_in­nen der deut­schen Frie­dens­be­we­gung. Ein wei­te­rer Un­ter­zeich­ner ist der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Elias Da­vids­son, der sich vor allem mit der Um­deu­tung der Er­eig­nis­se des 11. Sep­tem­bers 2001 be­fasst. Seine The­sen be­warb er bei­spiels­wei­se im Jahr 2009 auf einer Ver­an­stal­tung der rech­ten Bur­schen­schaft „Nor­man­nia-​Nie­be­lun­gen“ in Bie­le­feld. Da­vids­son re­la­ti­vier­te die Ju­den­het­ze des „Stür­mer“ Her­aus­ge­bers Ju­li­us Strei­cher: „Doch der Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat von Ju­li­us Strei­cher würde heute als be­schei­den be­trach­tet wer­den ver­gli­chen mit dem Aus­maß des heu­ti­gen Pro­pa­gan­da­ap­pa­ra­tes gegen den Islam, der ganze Erd­tei­le über­deckt und von Hol­ly­wood un­ter­stützt wird“, be­haup­te­te Da­vids­son im In­ter­view mit dem „Mus­lim Markt“, der eben­falls für plum­pe Pro­pa­gan­da für das ira­ni­sche Re­gime be­rüch­tigt ist. „Ich bin ein ra­di­ka­ler An­ti­se­mit und stolz dar­auf“, schrieb Da­vids­son – ganz offen – an an­de­rer Stel­le.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de fin­det sich auch der Name Ste­phan Bütz­ber­ger, der sich – ganz eso­te­risch – als „Leh­rer für Be­wusst­sein-​ und wer­dung“ be­zeich­net. Es han­delt sich um einen Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen aus der Schweiz, der die Exis­tenz von Vi­ren­er­kran­kun­gen leug­net. AIDS sei ein „rein er­fun­de­nes Phan­tom­ge­bil­de“, be­haup­tet Bütz­ber­ger in einem Le­ser­brief, in dem er die irre Be­haup­tung auf­stellt, dass es die AIDS-​Me­di­ka­men­te wären, die töd­lich seien. Hier würde „die Zahl der Opfer des Ho­lo­caust über­trof­fen“, schreibt der AIDS-​Leug­ner auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Den Ho­lo­caust führt Bütz­ber­ger auf den an­geb­li­chen „Schul­ter­schluss von Hit­ler und Ro­cke­fel­ler-​Stif­tung“ zu­rück, die sich damit „der Juden ent­le­digt hatte, die bei der ver­bre­che­ri­schen In­fek­ti­ons­theo­rie nicht mit­mach­ten“. Der Name des AIDS-​Leug­ners und Ho­lo­caust-​Re­la­ti­vie­rers fin­det sich nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de.

Auch ei­ni­ge Blog­ger haben sich auf die­ser gru­se­li­gen Liste ver­ewigt. Da wäre zum Bei­spiel Fol­ker H., der den Blog „Ge­gen­mei­nung“ be­treibt. Er ver­linkt auf ver­schie­de­ne Texte aus der Ver­schwö­rungs­sze­ne, in denen bei­spiels­wei­se die „Dö­ner­mor­de“ um­ge­deu­tet wer­den. Hier wird der mör­de­ri­sche Ter­ror durch die Na­zi-​Ban­de ge­leug­net:

Die ge­sam­te Story rund um eine (…) brau­ne Ar­mee-​Frak­ti­on ist ein ein­zi­ger rie­si­ger Hoax.

Auf der In­ter­net­sei­te von Fol­ker H. fin­den sich nicht nur Ver­wei­se auf der­ar­ti­ge Texte, son­dern auch ver­schie­de­ne Gra­fi­ken, mit denen die is­rae­li­sche Po­li­tik mit der Ver­nich­tungs­pra­xis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf eine Stufe ge­stellt wird. Hier fin­den sich auch Gra­fi­ken des an­ti­se­mi­ti­schen Ka­ri­ka­tu­ris­ten Car­los Latuff, der beim ira­ni­schen Ho­lo­caust-​Ka­ri­ka­tu­ren-​Wett­be­werb den zwei­ten Platz be­leg­te.

Der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Chris­toph R. Hörs­tel hat ebenfalls un­ter­schrie­ben. Hörs­tel ist An­füh­rer einer einer Kleinst-​​Or­ga­ni­sa­ti­on na­mens „Neue Mitte“. In der Ver­gan­gen­heit trat er bei­spiels­wei­se mit dem ira­ni­schen Bot­schaf­ter, dem Schläch­ter Ali Reza Scheikh Attar, auf einer Wer­be­ver­an­stal­tung des ira­ni­schen Re­gimes auf. Mit dem Quer­front­ler Jür­gen El­säs­ser mo­bi­li­sier­te er zu einem Auf­marsch vor dem Reichs­tag, der sich gegen Is­ra­el rich­te­te. Auf dem letzt­jäh­ri­gen an­ti­se­mi­ti­schen „Al-​Quds-​Tag“ in Ber­lin hielt Hörs­tel eben­falls eine Rede. Auf einem Auf­marsch der Ver­schwö­rungs­sze­ne, der am 10. Sep­tem­ber 2011 in Karls­ru­he statt­fand, sprach Hörs­tel zu den ver­sam­mel­ten Teil­neh­mer_in­nen. Dort of­fen­bar­te er seine Ängs­te vor Eu­ro­pa, sei­nen Hass auf die USA und be­trieb die Kon­struk­ti­on einer „ver­dammt klei­nen Cli­que“, die die Welt be­herr­schen würde. Dafür gab es von den ver­sam­mel­ten Ver­schwö­rungs­fans be­geis­ter­te Zu­ru­fe und aus­führ­li­chen Bei­fall.

Hörs­tel durf­te nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de un­ter­zeich­nen. Er be­fin­det sich in pas­sen­der Ge­sell­schaft: Ge­mein­sam mit Links­par­tei-​ und SVP-​Po­li­ti­ker_in­nen, an­de­ren Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten, stellt er sich – mal wie­der – auf die Seite des ira­ni­schen Re­gimes.

Die Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de of­fen­bart einen Ab­grund, dem sich ein Teil der deut­schen Lin­ken er­ge­ben hat. Sie pro­tes­tie­ren nun ge­mein­sam mit einem füh­ren­den Rechts­po­pu­lis­ten, mit AIDS-​Leug­nern und Pro­pa­gan­dis­ten des ira­ni­schen Re­gimes. Hin­ter dem Ruf nach Frie­den ver­schan­zen sich An­ti­se­mi­ten, AIDS-​Leug­ner und Rechts­po­pu­lis­ten. Ei­ni­ge deut­sche Linke scheint dies al­ler­dings nicht zu stö­ren.

Eine Er­klä­rung des BAK-​Shalom findet sich hier: „Gegen linke So­li­da­ri­tät mit den Schläch­tern von Sy­ri­en und Iran!“

Up­date (11.​01.​2012):​ Der Rechts­po­pu­list Do­mi­ni­que Baet­tig wurde mittlerweile von der Liste ge­löscht , in der vor­he­ri­gen Ver­si­on war er al­ler­dings zu fin­den. Alle an­de­ren er­wähn­ten Per­so­nen fin­den sich nach wie vor auf der Liste.

Die Rede des Christoph Hörstel

An einer Demonstration der Verschwörungsfans, bei der das Märchen von der Sprengung des World Trade Centers in die Öffentlichkeit getragen wurde, nahmen am 10.09.2011 zwischen vier- und fünfhundert Menschen teil. Hier kamen Ver­schwö­rungs­fans, Chem­trail-​Ideologen und Sekten-​Mitglieder zusammen, um gegen die USA zu demonstrieren.

Doch es gab auch noch andere Inhalte. Beispielweise wurden Verschwörungstheorien der „Freunde von Rechts“ begierig aufgegriffen, Es wurde gegen eine „Zicke“ von der Süddeutschen Zeitung angeredet. Außerdem wurden die „unterdrückten Völker“ glorifiziert.

Journalisten wurden als „kleine Arschlöcher“ bezeichnet, die vom „größten Arschloch im Betrieb“ angeführt werden würden. Hier war von einer „verdammt kleinen Clique“ die Rede, der eine ungeheure Macht nachgesagt wurde. Des Weiteren wurde vor dem Impfen, Viagra und Essen aus dem Supermarkt gewarnt. Dabei wurden wurden neue „Verbrechen“ aufgedeckt, denen sich kein Mensch entziehen könne.

Diese Inhalte stammen aus der Rede Christoph Hörstels. Er ist Anführer einer Organisation namens „Neue Mitte“. In der Vergangenheit trat Hörstel  mit dem iranischen Botschafter, Ali Reza Scheikh Attar, auf einer Werbeveranstaltung des iranischen Regimes auf. Mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer mobilisierte Hörstel zu einem Aufmarsch vor dem Reichstag, der sich gegen Israel richtete. Auf dem antisemitischen „Al-Quds-Tag“, am 27. August 2011 in Berlin, hielt Hörstel ebenfalls eine Rede.

In seiner halbstündigen Rede auf der Demonstration zum 11. September 2001 deckte Hörstel fast alle Inhalte der deutschen Verschwörungsideologie ab. Dafür gab es von den versammelten Verschwörungsfans begeisterte Zurufe und ausführlichen Beifall. Weil die Rede noch deutlicher macht, für welche Inhalte die organisierte deutsche Verschwörungsszene steht, wird sie hier in Auszügen dokumentiert. Lassen wir also Christoph Hörstel zu Wort kommen, der mit seiner Rede die versammelten Verschwörungsfans begeisterte:

YouTube Screenshot des Redevideos
YouTube Screenshot des Redevideos

Über „Freunde von Rechts“:

(…) Denn was ist so eine NATO-Regierung? Das ist eine Verbrecherbande, mit angeschlossenem Propagandaapparat [Zurufe: Richtig so! Jawohl! Terroristen!]. Natürlich, wenn man in Afghanistan beteiligt war, so wie ich, da fragt man sich, was sage ich zum zehnjährigen Jubiläum, zu diesem Massenmord, verübt durch amerikanische Dienstellen, mit willigen Leuten von außerhalb (…). Ist das etwa die die einzige Kriegslüge der Vereinigten Staaten von Amerika? Um Gottes Willen! Wir fangen 1898 an, ihr Lieben [Zuruf: Genau!]! (…) Seit 1898 wird gelogen: Da kommen unsere Freunde von Rechts, die mit den seltsamen Stiefeln und den kurzen Haaren, und weisen auf 1916 hin, auf dieses Schiff namens Lu­si­ta­nia. Ihr Lieben, recht habt ihr! Das war auch eine ge­zink­te Sauerei. (…) Da ging das weiter. Ich will jetzt nicht durch diese hundert (…) Jahre lügen gehen, weil es mich langweilt! Und weil es immer der gleiche Mist ist (…)! Da werden wenige fett und die anderen sterben und bleiben arm (…).

 Über die „Zicke“ und die „westliche Wertegemeinschaft“:

Es ist einfach peinlich, wenn eine Redakteurin der Süddeutschen Zeitung ein Buch über Terror schreibt, jetzt habe ich den Namen der Zicke vergessen [Beifall], ist auch egal (…). Was steht da drin? Da gibt es so böse Hassprediger überall (…). So ein Zeug hat der Stürmer geschrieben, da wurde auf Rassenmerkmale hingewiesen (…). Das eine Thema muss ja sein, die USA lügen seit über 110 Jahren. Das müssen wir uns merken und 9/11 ist einfach nur eine jüngere Lüge. Es hat seit dem auch ein paar andere gegeben: Es musste dringend der Irak abgeräumt werden (Zuruf: Libyen!). Genau! Vielen Dank fürs Stichwort. Ich wollte eben drauf kommen. (…) Wenn behauptet wird, wir seien ja eine westliche Wertegemeinschaft, Nein! Das ist eine westliche Verbrecherbande, die sich unter verschiedenem Namen zusammengetan hat und dieser Wertegemeinschaft werde ich nie angehören [Beifall].

Über „Völker“ & Westerwelle:

(…) Aber worum ich weine, das ist die Unabhängigkeit dieser Völker (…). Das ist die Verarmung ganzer Völker, weltweit. (…) Hier hast du liebes Washington, wir schenken euch, druckt noch mehr von euren beschissenen Dollars, zwingt sie den anderen Völkern zur Verwendung auf. Denn das wäre der nächste Schritt gewesen von Gaddafi, wie durch den Iran, dass er einfach so, ich will mal sagen, Währungsmäßig etwas umsattelt. (…) Weg vom Dollar (…). Das kann man gleich von hier aus verkünden: Staats- und Regierungschefs, die sowas vorhaben, die leben nicht lange! Wie lange hat denn Herr Westerwelle (…) im Amt als Parteichef der FDP überlebt, nachdem er gewagt hat, sich der Stimme zu enthalten im Sicherheitsrat (…), als sich die NATO einen Freibrief zum Massenmord geholt hat? Sieben Tage! Sieben Tage hat er noch im Amt gelebt [Beifall]!

Über Journalisten:

Da rufen wir unsere kleinen Arschlöcher an, bei der Süddeutschen Zeitung, bei der FAZ, bei der ARD (….). Stichwort Chefredakteur. Man sollte mal eigentlich mal diese Sprache, Chefredakteur, das würde ich eigentlich gerne ins Deutsche übersetzen: Das größte Arschloch im Betrieb! Das mieseste Schwein, das wir hier sehen [Beifall, Jubel, Zuruf: Ja! ]. Denn das ist deren Job: Bescheiße die Bevölkerung [Zuruf: Täuschung der Bevölkerung]. Täuschung der Bevölkerung, völlig korrekt [Zuruf: Arglistig!]. Und zwar nicht nur so vereinzelt oder mal aus Versehen, sondern als Prinzip, das ist das Arbeitsprinzip. Immer daran erinnern: Verbrecherbande mit angeschlossenem Propagandaapparat. (…)

Über eine „kleine Clique“, „Hochverrat“ und Selbstentzündung:

Es wird der Tag kommen, weil ich da gerade so einen netten Polizisten mit orangener Weste sehe (…), es wird der Tag kommen, da sind wir so viele, dass die Regierung sich bedroht fühlt und dann wird sie ihnen befehlen, auf uns zu schießen, obwohl wir keine Waffen haben [Beifall, Jubel]. (…) Einfach nur durch (…) friedliches, freundliches, wohlmeinendes Dasein [Zuruf: Durch die Wahrheit!]. Genau! Denn davor fürchten sie sich! Gutes Stichwort! Vor der Wahrheit! Zu solchen Reden muss man sich eigentlich gar nicht vorbereiten, ich kriegt die Stichwörter zugerufen [Gelächter]. Es geht ja sowieso von selbst, weil einen dieser Ärger auffrisst. Was kann man denn noch tun? Soll man sich anzünden vor diesem Scheiß-Reichstag, in dem sowieso nur abgestimmt wird, was Washington genehmigt [Beifall, Zurufe: Genau!].

(…) Der alte Professor Hamer (…), der spricht eben tatsächlich von Hochverrat. Was ist Hochverrat? (…) Nun ja, wenn man so ein Land völlig pleite macht und raubt seine Bevölkerung aus, dann muss man an dieses Wort denken. Und der Hamer, der hat nicht wie der Hörstel gesagt, das grenzt an Hochverrat. Der hat gesagt, das ist Hochverrat. Gut, der ist ein paar Jahre älter, den wird man nicht so schnell in den Knast setzen, bei mir versucht man das mit anderen Methoden (…).

Das nicht so lustige am Hochverrat ist, nach geltendem Gesetz (…) ist auch die Vorbereitung strafbar. Man könnte also auf der Grundlage des jetzt geltendes Gesetzes diese Truppe da oben drankriegen. Aber wer macht das? Wer wagt das? Keiner in diesem Land hat die Courage in diesem System, in dem sie alle stecken und verdienen gut [Zuruf: Polizei!]. Polizei? (…) Ansonsten droht nur das, was ich vorher beschrieben habe. Wenn wir zu viele werden, wenn diese Herrschaft droht zu stürzen, dann wird geschossen werden (…) [Zuruf: Lissabon-Vertrag].

(…) Europa ist was schickes! Europa ist eine Unterdrückungsmaschine für die Leute und in deren Interesse, die daran verdienen [Beifall]. Der Skandal ist nicht mehr 9/11! Der Skandal ist die allgemeine, weltweite Rechtsbeugung durch eine ganz verdammt kleine Clique [Beifall, Zuruf: Freimaurer!] (…).

Über Impfen und Homöopathie:

Vogelgrippe, Schweinegrippe (…)! Sagenhaft, wie das schon, ich würde sagen, mit einer konzentrierten Aktion, hochgespült wird in den Medien! (…) Vor allen Dingen unsere vorsichtigen, vorausschauenden, wohlmeinenden Regierungen, die dann im hundert Millionen Euro Stil die Impfdosen einkaufen, die dann von einer etwas weiser gewordenen Bevölkerung immer weniger konsumiert werden, so dass sie heute vergammeln, weil kein Mensch sie wieder zurückkauft [Panischer Zuruf: Wir haben die bezahlt, wir haben die bezahlt]. Und sie sind bezahlt, völlig korrekt! Übrigens, von welchem Geld [Zuruf: Von unserem!]. Ja! Von eurem! (…) Wollen wir doch mal fragen ob die Herren in den Streifenwagen sich haben impfen lassen. Ich hoffe nicht [Gelächter].

Wir sollten doch mal gucken, wie das demnächst wird, nicht dass wir hier fröhlich vom Platze schreiten und sind dann überrascht, dass der Hörstel uns davor nicht gewarnt hat. Ich hab vier kleine Kinder. Sechs Jahre und drunter, herzlich eingeladen mich daranzukriegen dafür. (…) Es wird der Tag kommen, da dürfen meine Kinder nicht mehr in den Kindergarten, weil wir sie mit diesem Scheiß nicht voll impfen lassen [Beifall, Zurufe: Ja! Genau!] (…). Und weil wir auch diese zehnfach Präparate (…) nicht anwenden [Zuruf: Verbrecher!] (…). Und dann ist es auch gesundheitsverträglich und führt nicht zu Dauerschäden bei kleinen Kindern. Denn unser Gesundheitssystem ist natürlich auch so eine Wortperversion. Das einzige was da gesund ist, ist die Kasse, aber nicht eure (…) [Beifall]. Wir waren mal in Deutschland führend in der Homöopathie, weltweit. Wir waren unheimlich gut in einer echten, menschenfreundlichen, weil gesundheitsaufbauenden Medizin. Das ist verloren. Wir sind einfach nur noch ein Mitschwimmer im Verbrechersystem der Pharma-Konzerne [Zurufe: Genau, Ja]. (…)

Über Viagra und Lebensmittel:

Viagra ist nicht für jeden gut. Ich kann nur sagen: So ein Mist! Muss mann doch nicht nehmen, wir sind wir denn (…). Dann werde‘ ich halt älter, dann bin ich nicht mehr so toll im Bett. Gott, wenn das der Grund ist, warum meine Frau bei mir bleibt, ist es vielleicht der falsche. Lass uns doch ehrlich bleiben: Wir sind so gemacht, so sind wir gut gemacht. Da muss niemand an den ausfallenden Haaren rum schrauben, irgendwelche komischen Wellness-Drogen verabreichen und mich mit Chemie gepufferten Lebensmitteln vollpumpen [Beifall]. Dieser Müll, den man bei Aldi kaufen kann oder bei Lidl oder wie die alle heißen [Zurufe: Gift! Gift]. In großen Teilen Gift! (…)!

Über Fasern als Verbrechen:

Mir geht der Stoff nicht aus. Was sind denn diese komischen kleinen Fäserchen [Zurufe: Fieberfaser, Polymer]. Nein. Wie heißt denn dieses Material? Wir lassen das Thema jetzt fallen [Zuruf: Asbest]. Das war mal, jetzt gibt es eben was neues und das ist Nanotechnologie! Nanotechnologie? Was sagen die Bundesämter dazu? Sie warnen, die Folgen seien noch nicht erforscht. Das ist sozusagen die Formulierung von Hosenscheißern dafür, dass die deutsche Übersetzung heißt: Um Gottes Willen! Doch keine Nano-beschichtete Schokolade [Zurufe: Bäh!] und keine Nano-beschichteten Socken. Dieses Zeug geht nämlich ab von den Stoffen, geht nämlich ab von den Stoffen mit denen es irgendwie verklebt ist, geht durch das Abwasser unserer Waschmaschine in die Flüsse und wird von Leuten aufgenommen wie ihr, die wissen dass das Mist ist, aber die können gar nichts anderes machen, weil es das einzige Wasser ist, dass sie kriegen von den Stadtwerken. So funktioniert das. Ein neuerliches Verbrechen [Beifall!]. (…)

Über den 11. September, Amerika und den Iran:

 Was ist jetzt 9/11? (…) Das Lostreten eines weltweiten Krieges. Das – ich will mal sagen – planmäßige, systematische Diskriminieren einer ganzen Religion [Zuruf: Yes We Can]. Genau: Yes We Can, sagen die Amerikaner. Und wir sagen: No! You can‘t! You will never! Wir werden mehr! Wir werden uns das nicht gefallen lassen! Wir lassen uns nicht belügen [Beifall]. (…) Wer glaubt Verbrechern? Nur Dumme oder Verbrecher! Die nächste Hasskampagne machen wir nicht mehr mit, egal wen sie betrifft. Und wir sind gerecht. Assad ist ein Diktator, ja, sein System ist unerfreulich. Es wäre schon wenn er das ändert. (…) Und ein anderer Grund, warum ich Angst habe, dass ein amerikahöriges Regime demnächst in Damaskus sagt was Sache ist, das ist der Iran. Denn wenn Syrien fällt, ist der Iran dran. Und eines kann ich euch versichern: Dieses Land wird sich wehren [Beifall Zuruf: Genau!]. Da muss man schon eine Menge Schwarzbrot essen als Westler, um dieses Land anzugreifen [Gelächter].

Und ich weiß heute gar nicht, ob ich mit iranischen Freunden übereinstimmen soll und sagen: Lass sie doch mal probieren, je eher stürzen sie [Gelächter]. Oder ob ich sagen soll: Jaja, das ist sehr sexy so ein Spruch und ein paar lachen auch, aber ich denke an die Uranbomben, die da fallen [Beifall, Zuruf: Ganz Genau]. Und verdammt nochmal, seit vierzig Jahren werden die angewendet und keine Sau sagt etwas! Weder die Kirche, noch die Regierung, noch die Gewerkschaft [Lauter Beifall]. (…)

Wenn ich von heute etwas sagen will, dann sag ich: Ich freu mich, dass ich hier bei euch sein konnte. Von Herzen gehen meine besten Wünsche an die Völker die wir unterdrücken, bombardieren, foltern, bevormunden, ausrauben und so weiter. Heute am Jahrestag, der Morgen stattfinden wird, von 9/11 [Langanhaltender lautstarker Beifall]. Weitermachen! Nie aufhören! Egal was es ist! (…) Danke [Zuschauer_innen: Wir sind das Volk, wir sind das Volk!].

Aufmarsch gegen die USA

Am 10. September 2011 versammelten sich mehrere hundert Menschen in Karlsruhe, um für „die Opfer und die Wahrheit“ auf die Straße zu gehen. Es handelte sich um eine Aktion von organisierten „Truthern“ und „Infokriegern“, die die historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeuten.

Die terroristischen Anschläge seien nicht durch fanatische Mitglieder al-Qaidas ausgeführt worden, sondern in Wirklichkeit das Werk einer Verschwörung gewesen. Diese Verschwörung wird wahlweise der amerikanischen Regierung oder gar dem israelische Geheimdienst Mossad angelastet, die für den „Inside Job“ verantwortlich gemacht werden.

Am 10. September 2011 war die Verschwörungsszene in Karlsruhe unterwegs und stellten ihre wachsende Handlungsfähigkeit unter Beweis. Zwischen vier- und fünfhundert Menschen beteiligten sich an dem Aufmarsch. Für diese Manifestation des deutschen Irrationalismus hatte die Verschwörungsszene seit Monaten mobilisiert. Es gab verschiedene Videos, mit denen Organisatoren und Teilnehmer – wie die „Die Bandbreite“ – für den Aufmarsch warben. Mobilisiert wurde über den esoterischen und verschwörungstheoretischen Kopp-Verlag. Eva Herman bewarb den Aufmarsch in den Kopp-Nachrichten.

Die Demonstration war bereits am Montag, den 24. Februar 2011 angemeldet worden. Organisiert wurde sie von einem „Stammtisch“ aus Karlsruhe, der sich an den Internetseiten „The Real Stories“ und „Alles Schall und Rauch“ orientiert. In diesem „Stammtisch“ sind deutsche Kleinbürger organisiert, die eine organisatorische Vernetzung des verschwörungstheoretischen Milieus betreiben. Auf der Demonstration in Karlsruhe kam die Verschwörungsszene zusammen, um ihre krude Version der „Wahrheit“ zu bewerben.

Auf Plakaten war von einer „kontrollierten Sprengung“ die Rede. Die Verschwörungsfans behaupten, dass die World-Trade-Center durch eine Sprengung zerstört wurden, was den „Inside Job“ darstellt, von dem die Anhänger dieser Verschwörungstheorie halluzinieren. „9/11 was an Inside Job“, hieß es auf einem Transparent. Auf Plakaten wurden 49 tote Bundeswehrsoldaten erwähnt, die „für die Lüge von den 19 Teppichmesser-Terroristen“ gestorben seien. „US-Terror weltweit“, hieß es auf einem anderen Plakat, das den Lautsprecherwagen zierte.

Hier wurde nicht den dreitausend Menschen gedacht, die am 11. September 2001 aufgrund der Angriffe durch al-Quida starben. Die Zahl der Opfer wurde dreist nach unten korrigiert. Außerdem wurden sie zu Opfern eines „US-Terrors“ gemacht, der auch die Toten in Afghanistan und dem Irak umfassen würde. Der Anchorman sagte:

Wir gedenken den 2000 Opfern in New York und den Millionen Opfern der illegalen Angriffskriege in Afghanistan und Irak.

Der Redner appellierte auch an die Gefühle der Deutschen: „Es kann nicht sein, dass gerade wir als Deutsche an zwei illegalen Angriffskriegen beteiligt“ sind, jammerte der Anchorman: „Unsere deutschen Soldaten sterben für diese Lüge“, brüllte er.

An dem Aufmarsch beteiligten sich Mitglieder der sogenannten „Anti Genozid Bewegung“, einer Vorfeldorganisation der Sekte „Organische Christus-Generation“ des Ivo Sasek. Diese sieht in der Anwendung von RFID-Transpondern die Anzeichen eines bevorstehenden Massenmordes an Christen.

Andere Teilnehmer_innen des Aufmarsches gaben einen Einblick in ihr anti-amerikanisches Weltbild:

Das war inszeniert, Amerika hat schon immer seine Krieg erlogen. (…) Die haben das Ziel die ganze Welt zu terrorisieren.

So sprach ein Teilnehmer in eine Kamera. Es geht eben nicht nur um den 11. September 2001, sondern um ein Weltbild, das in den USA alles Böse verortet und diese für alle Kriege und den weltweiten Terrorismus verantwortlich macht.

Der Aufmarsch dieser Verschwörungsfans, deren Triebkraft ein unbändiger Hass auf die Vereinigten Staaten von Amerika darstellt, wurde nicht nur vom Südwestrundfunk (SWR) gefilmt, die einen mehr als unkritischen Bericht fabrizierten. Berichte gibt es von einer „Chemtrail-Petition“-Seite, auf der die Behauptung aufgestellt wird, dass es angebliche „Chemtrails“ gäbe, die aus Flugzeugen versprüht werden, um die Menschen zu vergiften.

Auch über Karlsruhe seien „ChemTrails in kleiner Dosierung und das über den ganzen Tag hinweg versprüht“ worden, behaupten die „Chemtrail“-Ideologen. Außerdem gibt es einen Video-Bericht von „Infokrieger-News“. Der Verantwortliche dieser Internetseite, der „Infokrieger“ Jens Blecker hielt auf einer Zwischenkundgebung eine Rede. Im Nachhinein erfreut sich Blecker an dem Umstand, dass der Aufmarsch „sauber und ruhig“ ablief.

Als weiterer Redner war Christoph Hörstel eingeladen worden, der mit seiner Kleinst-Organisation „Neue Mitte“ in der Vergangenheit unter anderem Aufmärsche gegen Israel veranstaltete. In der Gründung dieses Staates sieht Hörstel einen „blutigen Akt kolonial Ungerechtigkeit“. Israel sei ein „rassistischer unterdrückerischer Staat“, gegen den die palästinensischen Organisationen ein „Recht auf Gegenwehr“ ausüben würden.

Die FAZ bezeichnet Hörstel als „umtriebigen Lobbyisten“ der Taliban in Deutschland. Außerdem betätigt sich Hörstel als Propagandist des iranischen Regimes. Der deutsche Jubelperser trat beispielsweise auf einer Veranstaltung mit dem iranischen Botschafter, dem Schlächter Ali Reza Scheikh Attar, in Hamburg auf.

Christoph Hörstels Rede in Karlsruhe richtete sich gegen die „NATO-Regierung“, einer „Verbrecherbande mit angeschlossenen Propagandaapparat“, die einen „Massenmord“ verübt hätte. Er zog eine historische Linie, bei der er allerhand historische Ereignisse benutzte, um das Bild einer riesigen US-Verschwörung zu propagieren. Dabei berief sich Hörstel auch auf „unsere Freunde von Rechts“, denen er zustimmte:

Seit 1898 wird gelogen. Da kommen unsere Freunde von Rechts, die mit den seltsamen Stiefeln und den kurzen Haaren und weisen auf 1916 hin, auf dieses Schiff namens Lusitania. Ihr Lieben! Recht habt ihr! Das war auch eine gezinkte Sauerei!

Nach dieser Werbung für die Lusitania-Verschwörungstheorie übersprang Hörstel allerdings einige Jahrzehnte, er wolle nicht „auf die ganzen Lügen“ eingehen.

Doch aus so wurde deutlich, dass Hörstel ein Jahrhundert der Verschwörungen entwirft, für das er die USA verantwortlich macht. In der Konsequenz fordert Hörstel ein Neubewertung dieses Jahrhunderts ein und betreibt damit einen Geschichtsrevisionismus, der darauf hinausläuft, sämtliche Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts verschwörungstheoretisch zu verklären.

Musikalisch wurde der Aufmarsch von der Band „Die Bandbreite“ und von dem Rapper „Kilez More“ begleitet. Diese traten nicht nur auf der Demonstration auf, sondern ihre Lieder erschallten in Rotation aus dem Lautsprecherwagen. Hier wurde „Was ist los in diesem Land“ gespielt. In diesem Lied der Band „Die Bandbreite“ wird gegen „verhurte Politiker“, „Dekadenz“ und „Bonzen“ angesungen. Das Video zum Lied zeigt eine Fla­sche Zy­klon B , wäh­rend der Sän­ger von einem „Völ­ker­mord“ in Af­gha­nis­tan singt. Auf diese Art und Weise wird die Ver­nich­tung der Jü­din­nen und Juden re­la­ti­viert und mit dem Vor­ge­hen der NATO auf eine Stufe ge­setzt.

Außerdem gab die Band das Lied „Selbst Gemacht“ zum Besten. Mit dem Lied zieht die Band eine verschwörungsideologische Kontinuität vom Angriff auf Pearl Harbour, bei dem die USA angeblich „eigene Leute geopfert“ hätten, bis zu den Anschlägen auf das World Trade Center. Dieser Anschlag sei ebenfalls „Selbst Gemacht“ gewesen. Die angeblichen Täter hätten „dabei an das Geld gedacht“.

Die Demonstration endete mit diesen musikalischen Beiträgen. Im Anschluss an den Aufmarsch war eine After-Show-Party im Restaurant „Walhalla“ angekündigt, in dem der organisierende „Stammtisch“ auch ansonsten zusammenkommt.

Der Aufmarsch stellte einen geistigen Abgrund dar, dem sich die deutsche Verschwörungsszene ergeben hat. Hier kamen Verschwörungsfans, Chemtrail-Ideologen und Sekten-Mitglieder zusammen, um gegen die USA zu hetzen. Hier wurde an deutsche Gefühle appelliert, hier wurden die USA zu den eigentlichen Terroristen gemacht. Hier wurde ein Jahrhundert der Verschwörungen propagiert, mit dem auch Kriege wie der zweite Weltkrieg umgedeutet werden können.

Es ist eine revisionistische und deutsche Anklage gegen die USA, die von den Verschwörungsfans formuliert wird. Der Aufmarsch dieser deutschen Verschwörungsfans soll im nächsten Jahr erneut stattfinden. Dann dürften wiederum hunderte Verschwörungsfans zusammenkommen, um gemeinsam gegen die USA zu marschieren.