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Zusammenkunft der Querfrontler

Nachdem eine Mail des RBB-Radiomoderators Ken Jebsen veröffentlicht worden war, verlor dieser — nach einiger Zeit — tatsächlich seinen Job. Jebsen hatte in der Mail unter anderem geschrieben, dass er wissen würde, „wer den holocaust als PR erfunden hat”.

Jebsen machte hier den jüdischen Autoren Edward Bernays verantwortlich. Außerdem betrieb Jebsen, der sich an anderer Stelle als „Überzeugungstäter”bezeichnet, anti-amerikanische Verschwörungspropaganda. Jebsen schrieb im Rahmen einer sehr deutschen Schuldumkehr: „ich weiß, wer während des gesamten Krieges Deutschland mit Bombersprit versorgt hat. Standardoil, also Rockefeller”.

Zuvor hatte der Radiomoderator Jebsen, mit ganz ähnlichen Inhalten, im Radio Fritz des RBB eine Marktlücke gefüllt. Er machte jahrelang Radiosendungen für Verschwörungsfans: Dank der Umdeutung des 11. Septembers 2001, der Konstruktion angeblicher „Eliten” und einer unverhohlene Hetze gegen die USA und Israel war Jebsen zu einer kleinen Ikone des verschwörungsideologischen Milieus avanciert, ohne dass sich die Programmverantwortlichen des staatlichen Rundfunksenders an der Sendung störten.

Dort war, im Zusammenhang der mörderischen Terroranschläge vom 11. September 2001, von der „Terrorlüge” die Rede, die Terrororganisation Al-Qaida wurde als „Unabhängkeitsorganisation” bezeichnet. Jebsen forderte außerdem ein durch Is­ra­el ge­schaf­fe­nes Yad Vas­hem in „Pa­läs­ti­na“, das „all der pa­läs­ti­nen­si­schen Opfer ge­denkt, die durch is­rae­li­sche Be­sat­zung um­ge­kom­men sind“. Ein „zu­kunf­ti­ger is­rae­li­scher Prä­si­dent“ solle dort nie­der­kni­en, „wie einst Willy Brandt“ in War­schau. Mit dieser Forderung verharmloste Jebsen das deutsche Menschheitsverbrechen, während er gegen Israel hetzte.

Ken Jebsen propagierte Ressentiments, die in Deutschland weit verbreitet und mehrheitsffähig sind. Daher wurde, im vergangenen Jahr, die Absetzung seiner Sendung durch empörte Artikel und einen Shitstorm seiner Groupies begleitet. Der Blogger Jacob Jung schrieb beispielsweise auf der Internetseite des linksliberalen Freitag ein Loblied auf Ken Jebsen, der angeblich „auf das Leiden von Verfolgten und Armen aufmerksam” machen würde. Auf einer Website der Verschwörungsszene wird das Bild eines „engagierten und kritischen Journalisten” gezeichnet und auf verschiedenen Nazi-Seiten werden die Sendungen des Radiomoderatoren bis heute gefeiert.

Der Radiomoderator, zu dessen Kennzeichen ein ratternder, äußerst schneller Sprachstil gehört, hatte letztendlich seinen Job beim öffentlich-rechtlichen RBB, nicht aber seine Fans verloren. So ist es nicht verwunderlich, dass Jebsen weiterhin krude Verschwörungsmythen verbreitet, zwar nicht mehr im RBB, aber auf seiner Internetseite, mit zahlreichen YouTube-Filmchen und in den Zeitschriften des verschwörungsideologischen Mileus.

Auf seiner Internetseite umwirbt Jebsen seine Fans. Diese sollen einen Jahresbeitrag von 20 Euro bezahlen, um weiterhin mit den Sendungen versorgt zu werden: „Wir verstehen uns als euer Sprachrohr, und wir wollen diese Aufgabe auch in der Zukunft für euch aufgreifen”, heißt es auf der Internetseite des ehemaligen RBB-Moderatoren. Bislang seien etwa 10.000 Euro angegangen, sagt Jebsen in einem Video, mit dem er um die Kohle seiner Hörer_innen bettelt, damit sie ihm seinen Süd-Amerika-Trip finanzieren. Apropos Kohle: In einem seiner neueren Videos zur „Geldsendung” kommt Franz Hörmann ausführlich zu Wort. Für diesen Professoren ist „die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus nicht endgültig geklärt”.

Während Ken Jebsen seine Zielgruppe umwirbt und um Geld bettelt, meldeten sich auch andere zu Wort, die dem Verschwörungsideologen einige Angebote machten. So veröffentlichte die Anti-Feministin Eva Herman, die für den rechten Kopp-Verlag schreibt, einen Offenen Brief.

In diesem Brief stellte die anti-feministische Ikone  einige Gemeinsamkeiten mit der verschwörungsideologischen Ikone her. Sie zog eine Traditionslinie, die Jebsen mit anderen rechten Propagandisten verbindet. Herman erinnerte an Martin Hohman, Jürgen Möllemann und sich selbst. Außerdem bettelte sie um ein Interview und umwarb den ehemaligen RBB-Moderatoren mit warmen Worten:

Halten Sie durch, Herr Jebsen, Sie sind nicht alleine. Auch wenn Sie durch schwere Zeiten müssen, so scheint doch schon das Licht am Ende des Tunnels. Noch vor kurzem hätte dies auch die entgegenkommende Lokomotive sein können, doch jetzt gibt es berechtigte Hoffnung auf Erholung: Die Zeit der Wahrheit naht.

Auf diesen Offenen Brief reagierte der Radiomoderator nicht. Dafür stellte er sich einige Monate später einem Querfrontler zur Verfügung, der ebenfalls an der Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001 arbeitet. Es handelt sich um den Anti-Antideutschen Jürgen Elsässer, der mit seinem Compact–Magazin in etwa das betreibt, was Ken Jebsen in seiner Radiosendung machte Beide propagieren die Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001.

Für das Compact–Magazin schreiben verschiedene Verschwörungsideologen, wie zum Beispiel der ehemalige Aktivist der antisemitischen BÜSO, Webster Tarpley. Dieser macht Geheimdienste, von CIA bis zum MOSSAD, für verschiedene Revolten, von 1968 bis 2011, verantwortlich. Im Compact–Magazin kam auch Stephan Steins zu Wort, der ansonsten eine Internetseite namens „Die Rote Fahne” betreibt, auf der der Tod des greisen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß umgedeutet wird.

Am Compact-Magazin beteiligt sich nun auch Ken Jebsen. In der aktuellen Ausgabe vom April 2012 findet sich ein ausführliches Interview mit dem ratternden Radiomoderatoren. Doch damit nicht genug. Elsässer kündigt außerdem eine gemeinsame Veranstaltung an. „Ken Jebsen, ein rhetorisches Maschinengewehr, wird aus seinen Texten lesen und anschließend mit mir über politische Zensur in deutschen Medien diskutieren”, heißt es auf der Internetseite des Jürgen Elsässer.

Ken Jebsen ist also dort angekommen, wohin es ihn schon immer zog. Er wird, am 12. April 2012 im Viethaus Berlin, mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer auftreten, um seine kruden Verschwörungsmythen zu propagieren.

Vielleicht wird Jebsen dort auch darüber sprechen, wer „den holocaust als PR erfunden hat”. Der Beifall des Querfrontlers und seiner Anhänger, unter ihnen auch der NPDler Uwe Meenen und die nationalistische Rapperin Dee Ex, die regelmäßig die Compact–Veranstaltungen  besuchen, dürfte ihm gewiss sein.

Der Querfrontler und der Occupy-Aktivst

Nun hat sie also stattgefunden. Die Veranstaltung des Querfrontlers Jürgen Elsässer, der „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zu einer großen Gemeinschaft vereinen möchte, ging am 03.11.2011 im Viethaus in Berlin Mitte über die Bühne. Neben Elsässer und seinem Kompagnon, dem Verschwörungsideologen Oliver Janich, saß auch ein Vertreter von Occupy-Berlin auf dem Podium, um die „Bewegung der Empörten“ zu bewerben.

Eigentlich wollte der Occupy-Aktivist Florian Raffel, der sich als „Presseansprechpartner“ präsentiert, auf dem Podium sitzen, doch der hatte „aus Zeitgründen“ abgesagt und diese Absage mit einer Einladung an den Querfrontler verbunden:

ich möchte hiermit Abstand nehmen, an Ihrer Po­di­ums­dis­kus­si­on teilzunehmen. Ich bin in Arbeitsgruppen so ein­ge­bun­den, dass ich lei­der zeit­lich kür­zer tre­ten muss und bis auf wei­te­res erst­mal keine Zeit für wei­te­re In­ter­views habe. (…) Bitte neh­men Sie di­rekt Kon­takt mit der Asam­blea auf. Täg­lich um 17 Uhr und spre­chen Sie di­rekt zur Grup­pe.

Vor der Veranstaltung war es innerhalb der Occupy-Gruppe zu einer Debatte über Jürgen Elsässer gekommen. Die meisten Teilnehmer dieser Diskussion, die sich im E-Mail-Verteiler der Occupy-Gruppe zu Wort meldeten, erklärten ihre Sympathien für den Querfrontler: „Die ‚Rechtskeule‘ scheint immernoch ein geeignetes Instrument um zu verunglimpfen“, erläuterte ein Teilnehmer. „Der soll doch einfach mitmachen“, forderte ein anderer. „Auch wir haben Überschneidungen mit den Zielen der Nazis“, wurde von einem Occupy-Aktivisten, der „kritisch und tollerant“ bleiben wollte, festgestellt. „Laß die Rechten kommen, ich rede mit jedem“, lautet seine Schlussfolgerung.

Ein weiterer Teilnehmer schrieb ein langes Pamphlet. Dort warnte er vor einer „tatsachenverdrehenden und polemischen antideutschen zugewandten Berichterstattung“, er wolle weiterhin „kritische fragen zu 9/11″ stellen und sich mit „angeblichen Pseudowissenschaften“ beschäftigen. Ein anderer Teilnehmer fühlte sich unterdessen von Verschwörungsfreaks umgeben: „Ich bin mir natürlich bewusst, dass es in der Occupy-Bewegung (…) einen nicht zu vernachlässigenden Anteil von Verschwörungstheorie-Alles-Schall-und-Rauch-Truther-Inside-Job-Propagandafront-Infokrieg-Ron-Paul-Spinnern gibt“, klagte er.

Prompt fühlte sich ein weiterer „Occupy“-Aktivist zu einem Outing berufen: „Ich vertrete diese und jene Theorie einer Verschwörung“, schrieb er stolz. Ein anderer Teilnehmer warnte vor „Hetze in der Mailinglist“ und empfahl die Szene-Seiten des verschwörungsideologischen Milieus zur Informationsbildung. Außerdem verteidigte er den Nationalismus dieses Mileus: „Nationalismuss ist kein verbrechen. Das hat mit Ängsten und Werten zu tun“, schrieb er. Nach diesen Zuwortmeldungen wurde die Debatte auf der Mailingliste beendet.

Daher war es wirklich nicht verwunderlich, dass am 03.11.2011 ein Occupy-Aktivist neben Oliver Janich und Jürgen Elsässer auf der Bühne saß, um seine „Bewegung“ zu bewerben. Für Occupy-Berlin saß Bastian Menningen auf dem Podium, der vom Querfrontler Elsässer als Aktivist beworben wurde, „der auch immer vor dem Reichstag und bei anderen Aktionen dabei ist“.

Außer diesen Personen saß Karl Feldmeyer auf der Bühne, ein „eher konservativ gestrickter Zeitgenosse“, der Mitinitiator der Seite „Abgeordneten-check.de“ ist. Der gelegentliche Autor der „Jungen Freiheit“ kam als erster zu Wort und feierte prompt den CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler, für den er „besondere Achtung“ empfinden würde. „Der ist tot, es sei denn er schafft es, Parteivorsitzender zu werden“, orakelte Feldmeyer. Außerdem fürchtete er sich vor einem angeblichen „Masterplan“, der einen „europäischen Zentralstaat“ mit einer „anonymen Kommission“an der Spitze hervorbringen würde,

Nun durfte Oliver Janich, Vorsitzende der Partei der Vernunft (PdV), seine Organisation bewerben. Elsässer ist ein gern gesehener Redner auf den Kundgebungen der Partei, die in den verschwörungsideologischen Kopp-Nachrichten begeistert beworben werden. In deren Par­tei­pro­gramm wird eine „un­ab­hän­gi­ge Un­ter­su­chung der Er­eig­nis­se vom 11. Sep­tem­ber“, der „Ausstieg aus dem Euro“und die „Abschaffung der Eu­ro­päi­schen Union“ gefordert.

Janich berief sich auf die Ideen des Ron Paul, auf die Tea-Party-Bewegung und bewarb seine Organisation, die nach dem angekündigten„Zusammenbruch“ mit den „richtigen Rezepten“ zur Machtübernahme bereit sei:

Unser Ziel ist bis 2013 gemütlich in den Bundestag mit 5,1%, dann bricht es zusammen und dann in der nächsten Wahl 50%, das ist der Plan.

Nach diesen Ausführungen kam Bastian Menningen für die Occupy-Bewegung zu Wort. Er bewarb in seinem Beitrag den Occupy-Ableger aus Berlin. Seine politische Sozialisation habe er dem „Compact“-Magazin des Jürgen Elsässer zu verdanken, sagte er. Im „Compact“-Magazin finden sich verschwörungsideologische, nationalistische und homophobe Artikel. „Schulfach Schwul“ lautete eine Schlagzeile beispielsweise. In der aktuellen Ausgabe wird vor dem „Klimaschwindel“ gewarnt. Außer der „Compact“-Lektüre und einer Joseph Fischer Biographie habe er sich nicht näher mit politischen Themen befasst, sagte Menningen. Elsässer wird es gefreut haben.

Gemeinsam wurde nun von der Rückkehr zur Deutschen Mark geträumt. Später kam es zu Debattenbeiträgen aus dem Publikum: „Wir müssen uns darüber klar werden, wer hier der Feind ist“, sagte ein Besucher der Veranstaltung dort ins Mikrofon. Er meinte die USA, was mit Beifall bedacht wurde.

Viel mehr gibt es über die Werbeveranstaltung für das „Compact“-Magazin, für die „Partei der Vernunft“ , für die Deutsche Mark und für die Occupy-Bewegung nicht zu berichten.

Der Auftritt des Aktivisten wird auf den Internetseiten der Occupy-Bewegung schamhaft verschwiegen. Sie mobilisieren stattdessen zum „Karneval der Empörten“. Am 11.11.2011 wollen die Aktivisten um 11 Uhr 11 gegen die „selbst ernannte Elite“ und „das bestehende Geldsystem“ protestieren:

Kamen auf Ideen wie eine Meute als Schafe verkleidet mit nem Regierenden als Antreiber durch den Marsch zu jagen. Das gleiche mit Sklaven und Leuten die ne Kombo aus MArionettenspieler und Marionetten machen.

Das dürfte auch Jürgen Elsässer und Oliver Janich gefallen, die ebenfalls der verschwörungsideologischen Deutung der Realität verfallen sind.

Die Empörten und der Querfrontler

Jung, charismatisch und redegewandt. So feiern einige deutsche Journalisten die selbsternannten Sprecher der Occupy-Bewegung, die nach ihren Märschen am 15.10.2011 überall in der Bundesrepublik campiert, um gegen die „Bankster“ zu protestieren.

Das bekannteste Gesicht dieser losen Bewegung ist sicherlich Wolfram Siener aus Frankfurt, der in seiner kurzen Karriere in verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen war, die sich der deutschen Erweckungsbewegung annahmen. Ob nun bei Maybrit Illner, im ARD-Nachtmagazin oder in der ZDF-Sendung „log in“: der „Bankenkritiker“ durfte überall sprechen.

Der Spiegel porträtierte Siener sogar als „Hoffnungsträger“ und „charismatische Führungsfigur“. Der wurde zwar durch die strukturell antisemitischen Zeitgeist-Filme geprägt, aber dieser Umstand interessierte den Spiegel nur am Rande.

Sein Auftritt in einer Sendung der verschwörungsideologischen Seite „Infokrieg“ wurde überhaupt nicht erwähnt. Dort sagte Siener:

Wir als Volk sind re­la­tiv weit ge­lenkt, also wir sind re­la­tiv weit zer­split­tert, jeder hat ei­ge­ne Mei­nun­gen und sowas. Darum geht es. Es geht darum, dass zu beheben. (…) Wir haben nur als Einheit eine Chance.

Sein Drang, sich vor Fernsehkameras als wütender deutscher Wutbürger zu inszenieren, wurde nicht nur hier begrüßt. In der Sendung „log in“, die im Infokanal des Zweiten Deutschen Fernsehens zu sehen ist, hatte Wolfram Siener einen weiteren Auftritt. Dort haute der Wutbürger mit der Faust auf den Tisch und wetterte gegen „das Geldsystem“.

In der ZDF Sendung war ein weiterer Aktivist der Occupy-Bewegung zu sehen: Florian Raffel fand die Darstellung der „charismatischen Führungsfigur“ Siener „unausgeglichen“ und ergänzte daher einige Dinge. Er stellte die „Bewegung“ als „kulturelle Revolution“ vor, die eine „Kultur des Zuhörens“ entwickelt hätte.

Derartige Thesen verbreitet Raffel nicht nur in Fernsehsendungen, sondern auch in verschiedenen Zeitschriften und im Internet. „Wir haben viele Meinungen, viele Idee und wir sind bunt“, schreibt er dort. Die BZ veröffentlichte ein Streitgespräch zwischen ihm und einem Banker. Dort warb Raffel für „echte Demokratie in einem neuen System“. Seine Huldigung der „Gesprächskultur“, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sätze der Redner im Chor nachsprechen, schaffte es sogar in den Stern.

Florian Raffel gibt nicht nur Interviews in größeren Zeitungen, er steht auch verschiedenen Internetseiten zur Verfügung. So zum Beispiel der Online-Zeitung „Berliner Umschau“, in der ansonsten über die „Pläne für die unmittelbare Einführung einer Diktatur“ halluziniert wird, die es angeblich nach dem „Zusammenbruchs des Finanzsystems in Euro-Land“ geben soll. Außerdem finden sich dort Werbe-Berichte über die Aktivitäten des Querfrontlers Jürgen Elsässer, der nun sogar einen gemeinsamen Auftritt mit dem Occupy-Aktivisten Florian Raffel ankündigt.

Am 3.11.2011 soll der Occupy-Aktivist auf einer Veranstaltung des Jürgen Elsässer auftreten. Elsässer träumt davon, dass „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zusammenarbeiten, um „die Globalisten“ zu „schlagen“. Mit seinem Compact-Magazin möchte er „demokratische Linke“ und „demokratische Rechte“ vereinen.

Mit der Veranstaltung soll die neue Ausgabe des Compact-Magazins beworben werden. Hier wurde in der Vergangenheit ganz homophob vor einem „Schulfach Schwul“ gewarnt, in der neuen Ausgabe wird von der Rückkehr der Deutschen Mark geträumt. „Wir freuen uns, (…) mit Florian Raffel auch einen Aktivisten von OCCUPY BERLIN gewonnen“ zu „haben“, schreibt der Querfrontler Elsässer auf seiner Homepage. Auf dieser Veranstaltung soll über die „Frage der Sammlung der Euro-kritischen Kräfte und eine mögliche Parteibildung“ debattiert werden.

Der Occupy-Aktivist Florian Raffel wird dort neben Oliver Janich sitzen, um seine Ideen zu bewerben. Janich ist Bundesvorsitzender der rechtspopulistischen „Partei der Vernunft“ und Verschwörungspropagandist. Er trat in der Vergangenheit mit Jürgen Elsässer unter anderem auf einem Treffen gegen die Bilderberg-Konferenz auf, dem Verschwörungsideologen – im Rahmen einer Zentralsteuerungstheorie – eine unglaubliche Macht nachsagen. Im Parteiprogramm wird eine„unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom 11. September“, der „Ausstieg aus dem Euro“ und die„Abschaffung der Europäischen Union“ gefordert.

Florian Raffel wird auf der Veranstaltung seine Occupy–Bewegung, Jürgen Elsässer sein Compact-Magazin und Oliver Janich seine rechtspopulistische Kleinpartei bewerben.

Update: Florian Raffel hat den Auftritt abgesagt und Jürgen Elsässer dafür direkt auf die Versammlung der „Empörten“ eingeladen:

ich möchte hiermit Abstand nehmen, an Ihrer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich bin in Arbeitsgruppen so eingebunden, dass ich leider zeitlich kürzer treten muss und bis auf weiteres erstmal keine Zeit für weitere Interviews habe. (…) Bitte nehmen Sie direkt Kontakt mit der Asamblea auf. Täglich um 17 Uhr und sprechen Sie direkt zur Gruppe.

Die Anfrage des Querfrontlers Jürgen Elsässer ist allerdings nach wie vor auf einer Internetseite der Bewegung zu finden, über den E-Mail-Verteiler wird nach einem Ersatz gesucht. Auf Elsässers Internetseite wird der Occupy-Aktivst weiterhin angekündigt, allerdings heißt es dort nun:

Florian Raffel hat leider trotz mehrfacher Zusage jetzt doch aus Termingründen abgesagt. Wir haben aber einen Ersatz von Occupy Berlin in Aussicht.

Rechtes Zeitungstreffen

Der selbsternannte „Linksnationalist“ Jürgen Elsässer lädt mal wieder nach Berlin ein. Diesmal geht es nicht um ein Zusammentreffen der anti-europäischen Rechtspopulisten, wie am 25. September diesen Jahres, als Elsässer und seine „Volksinitiative“ unter anderem Nigel Farage und Karl Albrecht Schachtschneider eingeladen hatten, während die Band „Die Bandbreite“ für die musikalische Untermalung sorgte.

Diesmal möchte Elsässer sein neuestes publizistisches Projekt vorstellen, das – wie seine „Compact“ Buchreihe – im „Kai-Homilius-Verlag“ erscheinen soll. Es geht um das „Compact-Magazin“, einer Monatszeitschrift, für die sich Elsässer verantwortlich zeichnet und deren Nullnummer im Dezember diesen Jahres erscheinen soll. Die publizistische Richtung, in die es Elsässer und seine Kompagnons zieht, wird bereits durch das Titelbild deutlich. Dort grinst Thilo Sarrazin die potentiellen Leser_innen an: „Der nächste Bundeskanzler“, heißt es darunter.

compactheader

Für die Nullnummer schreibt unter anderem der Verschwörungsideologe Walter K. Eichelburg, der die Einführung einer „Deutschen Mark“ für den 17. Mai 2010 (!) vorausgesagt hatte. Außerdem schreibt der Herausgeber der Internetzeitschrift „Die Rote Fahne“, Stephan Steins, für das Magazin, der auf seiner Internetseite zum Beispiel für den Nazi-Kriegsverbrecher Rudolf Hess eintritt, für Elsässers-Nullnummer. Ein weiterer Autor ist André F. Lichtschlag, der Gründer der Internetzeitschrift„Eigentümlich Frei“.  Er vertritt die krude These, dass die Bundesrepublik durch „Umwelthysteriker, Männerhasser und Antifaschos“ dominiert werden würde. Lichtschlag spricht in diesem Kontext im NS-Jargon von einer „Verpestung“.

Jürgen Elsässer preist sein Projekt als „ein einzigartiges publizistisches Wagnis“ und lässt sich einige andere Superlativen einfallen, um seine Zeitung zu bewerben: Hier dürften „demokratische Linke und demokratische Rechte“, „Moslems und Islamkritiker“ zusammenkommen, um gemeinsam den „Totalitarismus der Neuen Weltordnung“ zu attackieren.

Die angekündigten TeilnehmerInnen der Zeitungsvorstellung im „Russischen Haus“ machen den Kurs des neuen Magazins deutlich. Da wäre zum Beispiel Dieter Stein, der Herausgeber der neurechten Wochenzeitung „Jungen Freiheit“. Des Weiteren wird Oliver Janich erwartet. Der ehemalige Focus-Money Redakteur Janich, der in diesem Magazin Propaganda für die Sache der „Truther“ und „Infokrieger“ machen durfte, schreibt nun für das „Compact“-Magazin. Außerdem wird Sulaiman Wilms, der Chefredakteur der „Islamischen Zeitung“ erwartet.

Für die musikalische Untermalung sorgt die Rapperin „Dee Ex“, die aus dem ganz rechten politischen Spektrum stammt und Musik für alte und neue Nazis produziert. Die „aufrechte Patriotin“ hetzt in ihrem Blog vor allem gegen Israel. Paranoiderweise fühlt sie sich von „israelischen Regierungsbeamten und von zionistischen Vereinigungen“ verfolgt, die sie angeblich auf eine „‚Abschussliste‘“ gesetzt hätten. Dabei sei sie doch nur „eine stolze Deutsche“, jammert Mia Herm alias „Dee Ex“ in ihrem Blog. Ihre „Liebe zu Deutschland“ wird „Dee Ex“ auch am 6. Dezember 2010 verbreiten, wenn Elsässer sein neuestes publizistisches Machwerk vorstellt.

Dessen Erfolg bleibt abzuwarten: Schließlich gibt es bereits einige Magazine, die ähnliche Inhalte propagieren. Da wäre zum Beispiel das rechte Monatsmagazin „Zuerst“. Der hart umkämpfte Zeitungsmarkt könnte dem „publizistische Wagnis“ schneller ein Ende machen, als es Elsässer und seinen Kumpanen lieb sein dürfte.

Absage der Woche

Heimlich, still und leise ist der FDP-Politiker Frank Schäffler aus dem Programm der Konferenz „Der Euro vor dem Zu­sam­men­bruch“ verschwunden. Das Mitglied des Bundestags war, neben dem Rechtspopulisten Nigel Farage, als einer der Redner auf dem Kongress angekündigt worden, der vom „Links-Nationalisten“Jürgen Elsässer und dessen „Volksinitiative“ organisiert wird. Frank Schäffler könne aufgrund „anderer terminlicher Verpflichtungen“ nicht am Kongress teilnehmen, heißt es aus dem Büro des Abgeordneten. Inhaltliche Differenzen dürften keine Rolle gespielt haben.

Schließlich lobte der Bundestagsabgeordnete bereits in der Vergangenheit ein Buch aus der „Compact“-Reihe des Jürgen Elsässer. Ort der Lobpreisung des Buches war das rechte Magazin „Eigentümlich frei“, das in „eng das pu­bli­zis­ti­sche Netz der deut­schen Rech­ten ein­ge­bun­den“ ist. Das Buch des Jürgen Elsässer würde „Freude“ machen, schrieb Schäffler. „Ach, ist das schön“, lautete das Fazit über das Buch, das dieser – im Rahmen der „Compact“ Reihe – im Kai Homilius Verlag publiziert. In diesem Verlag erscheinen auch die Werke des eifrigen Antikommunisten Jan von Flocken und die Bücher anderer Verschwörungsideologen. Ansonsten vertreibt der Verlag auch die „Dokumentationen“ des Frank Höfer, der sich zum Bei­spie­l für den an­geb­li­chen Zu­sam­men­hang zwi­schen „Korn­krei­sen“ und „Ali­ens“ interessiert.

Frank Schäfflers Absage am Kongress der Anti-Europäer teilzunehmen, dürfte also nicht aufgrund von inhaltlichen Differenzen, sondern aufgrund „anderer terminlicher Verpflichtungen“ zu erklären sein. Es bleibt abzuwarten, wann und ob der FDP-Bundestagsabgeordnete Schäffler und der ehemalige„Antideutsche“ Jürgen Elsässer, der zur Zeit die rechte Regierung Ungarns lobt und in der antisemitischen„Fidesz“ einen Bündnispartner gegen das „internationale Finanzkapital“ erkennen will, in irgendeiner Form die weitere Zusammenarbeit suchen.