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Terror & Verschwörungstheorien

Die mörderischen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya wurden von Verschwörungsideologen in der ganzen Welt aufgegriffen, um ihre Theorien über die Taten zu propagieren. Dass der mutmaßliche Täter, Anders Behring Breivik, zunächst zur Bombe und dann zur Waffe griff, um mehr als 70 Menschen zu ermorden, die an einem Camp der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen hatten, interessierte zunächst nur am Rande.

Es wurde nach Hintermännern, Ufos und Sprengstoff gesucht. Es müsse sich einfach um eine so genannte „False Flag“-Aktion, eine Aktion unter falscher Flagge, die von mächtigen Institutionen begangen worden sei, gehandelt haben. Diese Idee geistert durch die Köpfen der Verschwörungsfans, die nun im Internet nach Beweisen fahnden und jede noch so absurde Behauptung benutzen, um ihre Theorien zu propagieren. Je nach ideologischer Perspektive werden mit diesen Verschwörungstheorien andere Täter oder geheimnisvolle Hintermenschen ausgemacht, die für die verachtenswerten Taten verantwortlich sein sollen.

Das nationalistische Manifest des Täters, Anders Behring Breivik, der auf mehr als 1500 Seiten seine mörderischen Taten mit Paranoia vor einem allumfassenden „Kultur-Marxismus“ und einem „Multikulturalismus“ begründete, wird dabei oftmals ignoriert. Stattdessen wird von einer Tat durch Geheimdienste oder anderen geheimnisvollen Gruppen halluziniert.

Dass der Täter selbst verschwörungsideologische Vorsatzstückchen propagierte, er „zeitgenössischen Rechtsradikalismus mit altbekannten Verschwörungen“ kompilierte, spielt im Diskurs der Verschwörungsszene eben sowenig eine Rolle, wie die antisemitische Tendenzen des Täters, die sich in seinem Manifest offenbaren. Behring Breivik sprach dort unter anderem davon, dass „die Vereinigten Staaten von Amerika mit sechs Millionen Juden (…) wirklich ein beträchtliches Judenproblem“ hätten.

Verschwörungsideologen interessieren sich nur am Rande für den mutmaßlichen Täter und seine Motivation. Schließlich glauben sie, hinter dem Täter eine viel umfangreiche Verschwörung entdeckt zu haben. Das geht sogar so weit, dass der Täter zum Opfer dieser angeblichen Verschwörung gemacht wird. Verschiedene Verschwörungsideologen sprechen von geheimen Gehirnwäsche-Programmen, „Mind Control“ genannt, denen der Täter angeblich zum Opfer gefallen sei.

Alex Jones, ein verschwörungsideologischer Radiomoderator aus den USA, spricht beispielsweise von einer „False-Flag“ Aktion, durchgeführt von einer „White al-qaeda“, die durch amerikanische Institutionen gelenkt werden würde. Auf diesem Weg sollen die „patriotischen“ Gegner einer „Neue Weltordnung“ diskreditiert werden, glaubt der dieser wichtige Stichwortgeber der organisierten Verschwörungsideologie.

Mit der Tat, die für Alex Jones unter falscher Flagge durchgeführt wurde, sollen jene nationalistischen Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden, die sich für Nationalstaaten und gegen Migrant_innen aussprechen würden. Dass Anders Behring Breivik nicht nur Mitglied einer rechtspopulistischen Partei, sondern auch Mitglied einer Freimaurer-Loge war, ist nicht nur für Alex Jones ein weiteres Indiz, mit dem die Verschwörungstheorie gebastelt wird.

Derartige Theorien propagiert nicht nur Alex Jones auf seiner Seite „Infowars.com“, sondern auch sein Kompagnon Paul Watson. Dieser stellt dort unter anderem die Verschwörungstheorie auf, dass Norwegen gestraft worden sei, weil es sich in die „Agenda“ der „New World Order“ einmischte. Weil Norwegen einen palästinensischen Staat befürwortete, sei es das Opfer des Anschlags geworden. Diese antisemitische Theorie erfreut sich einer ungeheuren Beliebtheit und wird auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene propagiert.

„Skywatch Bretten“, ein anonymes Webblog, berichtet ebenfalls über den Umstand, dass Anders Behring Breivik Mitglied in einer Freimaurer-Loge war. Außerdem hat der Autor des Blogs eine blau-weiße Krawatte des Täters untersucht: „Und wer kennt sich besser mit der Schuld aus als Blau/Weis? Niemand“, schreibt der Autor dieser Verschörungsseite. Der Verantwortliche dieses Blogs betreibt einen besonders obskuren Antisemitismus, der über die Farbe einer Krawatte funktioniert.

Hier wird der antisemitische Furor vieler Verschwörungsfans deutlich. Weil der Täter auf einem Foto eine blau-weiße Krawatte trug, wird Israel für die Taten verantwortlich gemacht. Weil sich Norwegen angeblich hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde, könne nur der israelische Geheimdienst Mossad für die Taten verantwortlich sein.

„Widerstand in Aktion“, ein Blog des nationalistischen und verschwörungsideologischen Stammtischs der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ vermutet, „dass es Explosionen, Verpuffungen oder was auch immer“ gegeben haben könnte. Ein „Klarer Fall: Staatsterror!“. Denn: „die Sache stinkt nach Mindcontrol!“ Zumindest für die Betreiber der Verschwörungsinternetseite.

Auf der ebenfalls verschwörungsideologischen Internetseite „Infokrieger-News“ kommentieren verschiedene Verschwörungsfans die schrecklichen Geschehnisse: Sie plädieren dort dafür „die Schuldigen beim Mossad oder bei den Franzosen zu suchen“. Weil Norwegen das Bestreben der palästinensischen Organisationen nach einem eigenen Staat unterstützt hätte, sei dieses Land nun Ziel eines Anschlags geworden, lautet auch hier die Begründung für die Verschwörungstheorie, deren Grundlage der Hass auf Israel und seine angebliche Macht und Machenschaften sein dürfte.

Ein anderer Verschwörungsfan will in dem Ort des Massakers, der Insel Utøya, eine „Pyramide“ erkannt haben. Für ihn und andere Verschwörungsgläubige sind derartige Symbole das Zeichen der geheimen Weltverschwörung, die sie für die Anschläge verantwortlich machen. In jedem Fall sei der Anschlag „deffintiv vom Mossad inziniert“. Andere Nutzer dieser Verschwörungsplattform machten allerdings andere Geheimdienste der angeblichen „Eliten“ für die Morde verantwortlich.

Nicht nur hier ist von angeblichen Gehirnwäsche-Projekten die Rede. Wie in einer Folge der Serie „Akte X“ oder der Handlung des Computerspiels „Call of Duty: Black Ops“ wird die Behauptung aufgestellt, dass der Attentäter einer Gehirnwäsche durch CIA oder Mossad zum Opfer gefallen sei und deswegen seine Taten verübt habe.

In eine ähnliche Richtung geht eine Sendung der nationalistischen Verschwörungs-Website „Infokrieg TV“. In einer Radiosendung versucht dessen Betreiber, Alexander Benesch, den Täter zum Teil einer Verschwörung zu machen, hinter der er ehemalige Gladio-Strukturen vermutete. Außerdem zieht er, wie viele andere Verschwörungsideologen auch, einen Zusammenhang zu dem Attentat in Oklahoma City. Dort sprengte Timothy McVeigh am 19. April 1995 einen Van im Murrah Federal Building in die Luft. Dabei starben 168 Menschen. Bis heute behaupten verschiedene Verschwörungsideogen, dass es sich hierbei um eine Verschwörung der geheimen „Elite“ gehandelt habe, die den Täter benutzte.

Auf diese Art und Weise leugnen Verschwörungsideologen die ideologischen Hintergründe der Anschläge. „‚Rechter Terror‘ unter falscher Flagge“ heißt es beispielsweise auf der Internetseite „Infokrieg TV“. Die Melange aus Nationalismus, Rassismus und der Hass auf die Moderne, die in beiden Fällen eine Ursache für die Taten gewesen sein könnte, wird beiseite geschoben. Aus dem rechten Terror wird eine „Bedrohung“ gemacht, die „nur Schreckgespenst und Werkzeug der Bundesregierung“ sei, „um eine patriotische und globalismusfeindliche Strömung im Land zu diskreditieren“.

Stattdessen wird ein ein Konstrukt propagiert, dass von der angeblichen Existenz einer mega-geheimen„Elite“ ausgeht, die so wahnsinnig-mächtig sein muss, dass sie derartige Komplotte arrangieren kann, ohne das es die „schlafende“ Mehrheit der Menschheit überhaupt mitbekommt.

Verschwörungsideologen schreiben in diesem Zusammenhang oftmals von einer israelischen Aktion. Dies zeigt den Antisemitismus vieler Verschwörungstheorien deutlich auf. Diesem Antisemitismus fühlt sich wohl auch der Reptoloiden-Theoretiker David Icke verpflichtet, der auf seiner Internetseite verschiedene Texte aus der Szene veröffentlichte, in denen die Behauptung aufgestellt wird, es handele sich um eine Aktion des israelischen Geheimdienstes Mossad, weil sich Norwegen hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde. Mit dieser wahnhaften Theorie haben viele Verschwörungsideologen ihr Motiv gefunden, das sie nun immer wieder verwenden, um einen angeblichen Zusammenhang zwischen den Attentaten und dem israelischen Geheimdienst zu konstruieren.

So weit will der Kopp-Verlag, der esoterische, populistische und verschwörungsideologische Machwerke veröffentlicht, dann doch nicht gehen. Er erwähnt den israelischen Staat nur am Rande. Allerdings wird in einem Artikel der Nachrichtenabteilung des Verlages die Frage aufgeworfen, ob nicht „westliche Mächte“ für die Anschläge verantwortlich seien, „weil Norwegen sich für einen unabhängigen Palästinenserstaat stark machen will“. In einem weiteren Artikel spricht der Verschwörungsideologe Webster Tarpley bereits in der Überschrift von „Terroranschlägen in Norwegen unter falscher Flagge“.

Nicht nur auf derartigen Internetseiten blühen die Verschwörungstheorien: Auf der antisemitischen Internetseite „Muslim Markt“ werden Verschwörungsmythen gesponnen: „Der inzwischen als angeblicher Einzeltäter vorgestellte Rechtsradikale war sicherlich vieles, aber ganz sicher kein Einzeltäter. Und die Hintermänner dürften das Land – wohin auch immer – schon längt verlassen haben“, heißt es dort, um ebenfalls auf die drohende Anerkennung eines palästinensischen Staates, durch die Regierung Norwegens, hinzuweisen.

Verschwörungstheorien finden sich eben nicht nur auf den Internetseiten der Szene, auf denen derartige Ideen am ungehemmtesten propagiert werden, sondern auch auf verschiedenen anderen Internetseiten, die die Ereignisse ebenfalls verklären.

Viele verschwörungstheoretische Vorsatzstückchen finden sich beispielsweise auf den Internetseiten, die durch ihre rassistische Hetze gegen Muslime auf sich aufmerksam machen. Zum Beispiel in den Kommentaren der Internetseite „Politically Incorrect“, die einräumt, dass die Texte des Anders Behring Breivik „großenteils Dinge“ seien, „die auch in diesem Forum stehen könnten“. Dort heißt es in den Kommentaren beispielsweise:

Es riecht hier so unangenehm stark nach False-Flag, dass ich das Fenster aufreißen möchte.

In weiteren Kommentaren, die vom dortigen deutschen Mob produziert werden, gibt es einige, die mit der Verschwörungsideologie arbeiten, um die Zusammenhänge zwischen der eigenen menschenverachtenden Ideologie und der Tat zu verschleiern. Hier sprechen einige Kommentatoren davon, dass „es stinkt“. Die bereits erwähnte Mitgliedschaft des Anders Behring Breivik in einer Gruppe der Freimaurer wird bemüht:

Dann hatte er den Auftrag von der Loge. Laut viele Büchern schwören die Hochgradmaurer auf den Koran.

Außerdem wird von „gewissen Kreisen“ geraunt, die ein „Interesse“ an den Anschlägen gehabt hätten.

Fast schon putzig erscheint, angesichts des geschilderten verschwörungsideologischen Wahns, mit dem die Geschehnisse verklärt werden, ein Hinweis des bereits erwähnten Kopp-Verlags. Hier weist Udo Ulfkotte auf ein Video hin, das ein Ufo in der Hauptstadt Oslo zeigen soll. „Selbst eine renommierte Wirtschaftszeitung berichtet, unmittelbar nach der Bombenexplosion in Oslo sei über dem Regierungsviertel ein Ufo gesichtet worden“, behauptet der Rechtspopulist.

Außerirdische sind für die Taten verantwortlich. Auch so kann man einen mutmaßlichen Täter und seine Ideologie entlasten. Lustiger als die wahnhafte Ideen von der Täterschaft durch „westliche Mächte“ oder gar den israelischen Geheimdienst Mossad ist diese krude Behauptung allemal.

Reptilians from Outer Space

Eine der verstörendsten Verschwörungstheorien wird vom ehemaligen Fußballspieler, BBC-Reporter und Grünen-Sprecher David Icke propagiert. Der Verschwörungsideologe glaubt, dass die führenden Politiker_innen und andere bedeutende Persönlichkeiten gar keine echten Menschen, sondern Reptilien seien, die sich einer menschlichen Hülle bedienen würden.

Es war Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, als Icke – in einem Anflug von Paranoia – das Gefühl verspürte, dass er sich nicht allein in seinem Hotelzimmer befand.

Wenn du da bist, dann mach dich bitte irgendwie bemerkbar, so langsam drehe ich nämlich durch.

So sprach Icke in den leeren Raum. Eine „Hellseherin“ wollte das Problem erkannt haben: Ein höheres Wesen wolle mit Icke Kontakt aufnehmen, um ihm bestimmtes Wissen zukommen zu lassen. Nach einer daraufhin folgenden Reise nach Peru, hielt sich der in England durchaus bekanntere Fernseh-Sprecher zeitweise für „den Sohn Gottes“. In den folgenden Jahren hielt Icke zahlreiche Vorträge, in denen er einem begeisterten Publikum seine Sicht auf die Welt mitteilte. Diese wahnhaften Ideen hören sich erst einmal kurios an, stoßen aber auch im deutschsprachigen Raum auf Interesse.

Das ist kein Wunder: Denn letztendlich bedient Icke – mit seinen Theorien über die „Reptilien“ein antisemitisches Ressentiment: „Einige Leute“, sagt Icke, „gäben sich zwar als Juden aus, seien aber in Wahrheit Mischwesen zwischen Reptilien und Menschen“. In seinen Büchern und Vorträgen finden sich außerdem Thesen, die den Holocaust in Frage stellen und sogar leugnen. Die offizielle „Darstellung“ sei „in vielfacher Hinsicht fragwürdig“, behauptet Icke und nimmt Holocaust-Leugner, wie Ernst Zündel, in Schutz, die „geschmäht und eingesperrt“ werden würden. Ganz offen hetzt Icke gegen eine angebliche„kleine jüdische Clique“, die er unter anderem für den „Ersten Weltkrieg, die Russische Revolution und den Zweiten Weltkrieg“ verantwortlich macht, auch wenn er behauptet, dass diese „Clique“ in Wirklichkeit „Reptoloid“ sei.

Icke behauptet tatsächlich, dass eine „Reptilmensch-Hybridlinie“ seit der Antike über die Erde herrschen würde. Sie wurden „zu politischen und wirtschaftlichen Führer von diesen Ländern (…) und sie regieren diese Länder bis zum heutigen Tag“, behauptet Icke in einem Einführungstext, der auf zahlreichen verschwörungsideologischen Seiten verbreitet und in vielen Foren debattiert wird. Außerdem seien „sie“ in der Lage, ihre Gestalt zu verändern. Es existieren zahlreiche Youtube-Videos, in denkbar schlechter Auflösung, in denen Konvertierungsfehler und Pixel als Beweis herhalten sollen.

Die Idee von den Reptilien in Menschengestalt erinnert nicht zufällig an die Science Fiction Serie „V“, in der eine außerirdische Reptilienrasse, die sich eine menschliche Form gibt, die Erde erobern möchte. Auf diese Science-Fiction Serie, die in den 80′er Jahren durchaus erfolgreich im Fernsehen zu sehen war, beruft sich David Icke. Er legt seinen angehenden Fans immer wieder nahe, sich diese Serie anzuschauen. Denn mit der Science Fiction Serie würde, so glaubt es David Icke, eine „WAHRE Geschichte“ erzählt werden, obwohl das Science-Fiction-Epos nun wahrlich nichts mit der Realität gemein hat.

Doch Icke erzählt eine ganz eigene Geschichte, deren Grundidee er allerdings bei „V“ abgeschaut – und mit antisemitischen Theorien – angereichert hat. So behauptet Icke ernsthaft, dass die die„Reptilmensch-Hybridlinie“ sämtliche Präsidenten der USA gestellt hätte, die alle „miteinander verwandt“ seien. Derartig wahnsinnige Ideen reichert Icke mit den üblichen Theorien aus dem Arsenal des Antisemitismus an. Es seien die „Rothschilds und Rockefellers, die britische Königsfamilie“ und die „bedeutendesten Familien der USA“, natürlich von der „Ostküste“, die aus der „gleichen Blutlinie“ stammen, sich „ausschliesslich untereinander fortpflanzen“ und die – im Rahmen der „New World Order“ – die Welt beherrschen würden.

Außerdem würden die „Reptiloiden“ ein angebliches „Gedanken Kontroll Programm“ durchführen. Um willenlose Sklaven zu erziehen, würden „sie“ – so behauptet es Icke in einem seiner Texte – „Rituelle- und Missbrauchs-Netzwerke“ erschaffen, die vor allem von Vampiren (!) genutzt werden würden: Diese„Reptilien-‘Vampire‘“ seien auf das Blut von Kindern und blonden, blauäugigen Menschen angewiesen, um ihre menschliche Form zu wahren. Im Kern reproduziert Icke an dieser Stelle die antisemitische Ritualmord-Legende, die die Behauptung aufstellt, dass die „Juden“ das Blut von kleinen Kindern trinken würden, auch wenn Icke in den „Rockefellers und Rothschilds“ oder dem „George Bush und Henry Kissinger“, natürlich„Form-verändernde Reptilien“ vermutet, deren Hobby die „die Pädophilie zu sein“ scheint. Die angeblichen Opfer dieses angeblichen Kinderporno-Rings aus Adel und Politik, können nach dem Missbrauch dann „mit einer Waffe in die Schule geschickt werden“, um in der Folge „neue Waffengesetze“ durchzusetzen. Andere terroristische Anschläge bezeichnet Icke allerdings als „eine Art Reinigungsprozess“.

Den Plänen der angeblichen „Reptilien“, ob nun „Reptilien-‘Vampir‘“ oder auch nicht, setzt Icke – was bei solch einem Antisemiten nicht überraschen sollte – die „arische Rasse“ entgegen. Auch diese „Blutlinie ist fremd, außerirdisch auf diesem Planeten“ und würde sich im steten Kampf gegen die „Reptiloiden“befinden. Diese Theorie reichert Icke außerdem mit klassisch-esoterischen Themen, wie der angeblichen vormaligen Existenz von Atlantis an. Diese Idee, wie auch die Idee dass in einigen Menschen „dämonische Wesenheiten“ stecken können, hatte der esoterische Anthroposoph Rudolf Steiner bereits 1918 reproduziert. Icke bedient sich dieser und anderer Ideen. Er schafft durch seinen eigenen antisemitischen Reptilien-Mythos sein eigenes Wahnsystem, das er seiner Gemeinde in zahlreichen Büchern, Interviews und Vorträgen erklärt.

Doch als wären solche Ideen nicht bereits wahnsinnig genug, hat Icke – durch „Channeling“ – sogar den Namen des „interstellaren Führers“ herausgefunden, der mit seinem „besten Samen“ neue Kinder zeugen würde. So sei Prinz William gar nicht der Sohn von Prinz Charles, sondern von „Pindar“, dessen „Burg im Elsaß in Frankreich“ dazu benutzt werden würde, um „in großer Hitze“ „Reptileiern auszubrüten“.

Dem Verschwörungsfanatiker ist es gelungen, durch seine wahnsinnige Reproduktion der Fernsehserie „V“, angereichert mit antisemitischen Theorien und ein bisschen moderner Verschwörungsideologie, ganze Säle zu füllen. Im Mai 2006 war sein siebenstündiger Vortrag „Freedom Or Fascism: The Time To Choose“ in Londons Brixton Academy, welche knapp 5000 Zuschauer fasst, bereits im Vorfeld ausverkauft. Ickes Theorien gehören zu dem ekelhaftesten, was von modernen Verschwörungsideologen bisher hervorgebracht wurde. Vielleicht ist das der Grund, warum ihm seine Fans derart begeistert lauschen.