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Camp der Verschwörungsfans

Zum dritten Mal mobilisieren verschiedene Verschwörungsideologen in die deutsche Provinz. Am 17. August 2012 werden sie für das Wochenende nach Völpke reisen. Es handelt sich um eine beschauliche Gemeinde in Sachsen-Anhalt, dort kommen die Verschwörungsfans seit mittlerweile drei Jahren zusammen, um an einem „völlig entspannten Gedankenaustausch” teilzunehmen.

Das Szenetreffen der Verschwörungsfans dient der internen Stabilisierung und Vernetzung. Die selbsternannten „Truther” und „Infokrieger” zelten, schießen mit Pfeil und Bogen und musizieren am Lagerfeuer. Außerdem konsumieren sie Verschwörungsideologie, „Spanferkel (…), Lamm, Putenschnitzel sowie Würstchen in etlichen Ausführungen”. Vegetarier dürfen sich ebenfalls an Verschwörungsmythen aber auch am Saltbuffet erfreuen, der Veranstalter verspricht, dass auch sie „auf Ihre Kosten kommen”. Das Zeltlager der Verschwörungsfans wurde auf den Namen „Truthcamp” getauft,

In den vergangenen Jahren wurde das Camp vor allem durch Jens Blecker organisiert, der auf den Spitznamen „Cheffe” hört. Er betreibt die Internetseite „IK-News”, mit der er zahlreiche Verschwörungsmythen kolportiert. Fast harmlos erscheint eine Umdeutung einer Kennedy-Rede, die in Verschwörungskreisen erstaunlich beliebt ist, obwohl es sich um eine offensichtliche Umdeutung handelt.

Auf „IK-News” wird aber auch, in einem anti-amerikanischen Jargon, vor der angeblichen „amerikanischen Hegemonialkrankheit” gewarnt. Als Urheber macht man eine „kleine Hochfinanzkaste” aus. Es seien die „beiden Familienclans Rothschild und Rockefeller”, die „noch über die Erde” verfügen würden. Diese werden als „Brut” bezeichnet, die USA sei die „Brutstätte dieser negativen Kräfte”. Mit diesen antisemitischen Konstruktionen begeistert die Internetseite „Truther” und „Infokrieger”, die ebenfalls diesem Wahn erlegen sind.

Die Causa Günter Grass erfüllte den Unmut der „Infokrieger” von „IK-News”. In der Pseudo-Kritik vieler Medien, die die Form, aber nicht den Inhalt des neuesten Pamphlet des greisen SS-Veterans kritisierten, wollten Blecker gar eine „Hetzkampagne” erkannt haben. Als einen Urheber machte „Cheffe” Henryk M. Broder und den Zentralrat der Juden aus. Der Autor würde „sein Gift (…) verspritzen”, gemeinsam würde man eine „gesellschaftlich vernichtende Keule” schwingen. Die Deutschen seien „mit der Schuld unserer Vor-Vorfahren überladen” worden.

Es sind Inhalte, die in dieser Form auch auf zahlreichen nationalsozialistischen Internetseiten zu finden sind. Der Betreiber der Internetseite „IK-News” verharmlost allerdings auch die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Schließlich behauptet er, dass „sich etliche schwerer Verbrechen schuldig gemacht” hätten und verweist auf die „Verfolgung der Indianer”.

Kein Wunder, dass auch die Kommentatoren dieser Internetseite zahlreiche antisemitische Äußerungen hinterlassen. Einige Zeit wurde im Forum zur Internetseite die „Protokolle der Weisen von Zion” beworben, es handelt sich um eines der schlimmsten antisemitischen Pamphlete, auf das sich NSDAP-Kader und andere Antisemiten bezogen.

Jens „Cheffe” Blecker ist nicht nur für solche Inhalte, sondern auch für das „Truth-Camp” verantwortlich. Der Einzelhandelskaufmann aus dem niedersächsischen Helmstedt hat die Internetseite zum verschwörungsideologischen Stelldichein angemeldet. Er bewirbt das Zeltlager der Verschwörungsfans auf „IK-News”.

In diesem Jahr hat sich Blecker allerdings ein wenig aus den Vorbereitungen zurückgezogen. Er plant die dauerhafte Ausreise nach Kanada und hat auch so „sehr viel um die Ohren”. Daher hat er einen Großteil der Planung in diesem Jahr einem verschwörungsideologischen Kameraden überlassen.

Es handelt sich Christian B., der die Internetseite„Lotus-Online” betreibt und im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven lebt. Auf „Lotos-Online” finden sich ganz ähnliche Inhalte wie auf den Internetseiten des Jens„Cheffe” Blecker. Dort wird verschwörungsideologisch vor Handys und W-LAN-Netzen gewarnt, durch die Gehirntumore entstehen würden.

Ansonsten selektiert Christian B. gerne Jüdinnen und Juden. Es gibt zum Beispiel einen Artikel über „kritische Juden”, die Israel mit Verachtung begegnen. Natürlich möchte Christian B. kein Antisemit sein, schließlich konstruiert er eine „Machtelite”, „die eben nicht ausschließlich jüdisch geprägt ist”. Diese sei „eine Bedrohung für die freie Welt”.

Selbstverständlich sind es auch hier die üblichen Verdächtigen, die von deutschen Verschwörungsideologen bevorzugt herangezogen werden. Christian B. empfiehlt zum Beispiel den antisemitischen Propaganda-Film „Endgame”, der vor „Elite-Banker-Familien wie den Rothschilds” warnt.

Christian B. und Jens Blecker sind nicht nur Brüder im Geiste, sondern auch die Organisatoren des diesjährigen „Truth-Camps”. Für etwas mehr als 30 Euro dürfen die geneigten Verschwörungsfans am Szene-Treffen teilnehmen. Dort gibt es dann nicht nur Vorträge verschiedener Verschwörungsideologen zu hören, sondern auch den Soundtrack zum Verschwörungswahn: „An den Musikacts ändert sich nichts. Es sind wieder Kilez More und Die Bandbreite eingeladen”, kündigt Christian B. im Internet-Forum zur Veranstaltung an. Während „Die Bandbreite” das Milieu mit vergleichsweise seichten Reimen versorgt und zum Beispiel die Ereignisse des 11. September 2001 umdeutet,  hat „Kilez More” mehrere Lieder im Repertoire, die den Organisatoren und Verschwörungsfans ganz besonders gut gefallen dürften.

Der Wiener inszeniert sich als „Infokrieger im Informationskrieg” und warnt vor einer angeblichen „Weltregierung”. Paranoiderweise glaubt dieser Deutschrapper, dass „sie” dafür „Internet verbieten” wollen und dass „wir” tagtäglich „vergiftet” werden. Außerdem fragt sich der reimende Verschwörungsideologe, was „die Spasten” denken, die angeblich an der „Spitze der Pyramide” stehen.

Diese Frage beantwortet sich „More” mit einem Track, den er „Seitenwechsel” genannt hat. Dort schlüpft er in die Rolle eines angeblichen „Illuminaten”, der mit seine „Logenbrüdern” die Welt beherrschen würde:„Ich bin wieder mal Stolz auf den Krieg für mein Volk”, heißt es hier. Das Video zum Lied hat „More” mit einer Foto-Aneinanderreihung unterlegt. Dort wurde unter anderem ein Bild der nationalsozialistischen Organisation „Bund für echte Demokratie” (BfeD) verwendet. Andere Bilder zeigen einen hakennasigen „Illuminaten”, das Logo das israelischen Geheimdienstes Mossad oder den Teufel. Bei derartigen Inhalten sollte die Dauereinladung des Deutschrappers nicht verwundern. Er wird mit der „Bandbreite” für die musikalische Untermahlung der verschwörungsideologischen Zusammenkunft sorgen.

Zwischen dem 17. und dem 20. August 2012 wird ein Teil der Verschwörungsszene also in Völpke zusammenkommen, um dort für das Wochenende die Zelte aufzuschlagen. Dann wird man den Tiraden der ideologischen Vordenker lauschen. Gemeinsam wird man am Lagerfeuer musizieren und das ein oder andere Schwein vertilgen. Dort darf dann sicherlich auch über „die Rothschilds” und die angebliche„Weltregierung” debattiert werden.

Nachfolger des Makss Damage

Makss Damage lautet der Name eines deutschen Rappers, der mit kruden Texten für Begeisterung sorgte:„Ich leite Giftgas in Siedlungen, die jüdisch sind”, hatte Makss Damage zur Freude seiner Anhänger_innen gegrölt.

„Tötet diese antideutschen Hurensöhne”, lautete der Titel eines Liedes, mit dem unverhohlene Vernichtungsphantasien geäußert wurden. Der deutsche Rapper durfte trotzdem auf Veranstaltungen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), dem Wurmfortsatz der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), auftreten. Bereits damals war offensichtlich, dass es von seinen damaligen Positionen nur ein ganz kurzer Schritt zum Nazi wäre. Daran schienen sich seine Genoss_innen allerdings nicht zu stören.

Nachdem der anti-imperialistische Deutschrapper Makss Damage dann tatsächlich nach ganz, ganz Rechts wechselte, tauchten verschiedene anti-imperialistische Deutschrapper auf, die sich reichlich Mühe gaben, in die Fußstapfen des Antisemiten zu treten.

Da wäre beispielsweise „Derbst One”, der „„derbe pa­läs­ti­naso­li­da­ri­sche Kamp­fes­mu­sik“ veröffentlicht. Er be­ruft sich auf Marx, En­gels, Lenin, Sta­lin und ver­schie­de­ne Rap­per, wie zum Bei­spiel den se­xis­ti­schen Vor­zei­ge­proll Kool Savas. Mit seinem Lied „Zaid” glorifiziert er einen palästinensischen Selbstmordattentäter: „Diese Schwei­ne sind noch immer in sei­nem Land stationiert“, rappt er dort.

Mit dem Song wird die Ge­schich­te eines pa­läs­ti­nen­si­schen Selbst­mord­at­ten­tä­ters ge­schil­dert, der sich ge­zwun­gen sieht „end­lich in den Kampf zu zie­hen“. Vor­her trägt er „vol­ler Stolz den Tur­ban wie Ala­din“; dann macht er sich auf den Weg, um für „Pa­les­ti­ne“ mög­lichst viele Jü­din­nen und Juden zu er­mor­den: „Ma­ga­zin voll, Kopf rot, Pali an­ge­legt“, hul­digt „Derbst One“ dem Selbst­mord­at­ten­tä­ter. „Heute ist ein be­son­de­rer Tag, er wird aus die­ser Welt schei­den, doch er wird für immer ein Held blei­ben“, lau­tet das Fazit des Rappers, der sich auch an den Antisemiten der Hamas erfreut. Diese seien „einfach gute Kämpfer, die behilflich sein können uns näher ans Ziel zu bringen”.

In einem weiteren Lied, das kei­nen Titel be­sitzt, reimt „Derbst One“ in einer Art, die eben­falls an Makss Da­ma­ge er­in­nert: „Derbst One und Mojo, die bei­den ma­chen dich ka­putt. Kuck wie ich dir dum­men Bas­tard in die Fres­se spuck“. Ein an­de­rer Rap­per wird in die­sem mar­tia­li­schen Song als „Stri­cher“ und „lä­cher­li­cher klei­ner Homo“ be­zeich­net. Neben der an­ti­se­mi­ti­schen Glo­ri­fi­zie­rung des Selbst­mord­at­ten­tä­ters fin­den sich also auch ho­mo­pho­be Zei­len.

Dazu passt der unverhohlene Hass auf „Antideutsche”, für die „Makss Damage” ebenfalls berüchtigt war. Diese Menschen werden als „bourgeoise Hundesöhne”bezeichnet, die man „mit gutem Gewissen ins Grab schicken” könne. O-Ton „Derbst One”:

Wir machen keine Kompromisse mehr mit halblinkem Verrätertum, von den Antideutschen haben wir ja eh genug.

Mit derartigen Inhalten qualifizierte sich der Deutsch-Rapper für verschiedene Auftritte auf den Festivals der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend. „Derbst One” durfte im vergangenen Jahr auf einem „Pfingstcamp” und auf dem „UZ-Pressefest” auftreten. Nun kündigt die deutsche Arbeiterjugend seinen Auftritt auf dem „Festival der Jugend” in Köln an.

Seine homophoben und sexistischen Zeilen werden verständlicherweise verschwiegen: „Derbst One schafft es, Battle Rap mit sozialistischem Inhalt zu produzieren. Das ist nicht nur technisch gut, sondern fällt auch durch fehlende Menschen verachtung auf”, heißt es holprig auf der Internetseite des Jugendverbandes. Dort wird die Glorifizierung eines Selbstmordattentäters, der sich in die Luft sprengt, um möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden, als „Geschichte eines palästinensischen Mannes, der zum Märtyrer wird” gelobt.

Doch nicht nur „Derbst One” gibt sich reichlich Mühe, um sich als Nachfolger des Makss Damage zu qualifizieren. Da wäre beispielsweise das Rap-Projekt „EightFiveZero”, das ebenfalls auf den Spuren des Makss Damage wandelt. Die Lieder dieses Youtube-Projektes erfreuen sich bei linken Israel-Hasser_innen großer Beliebtheit. Schließlich heißt es dort:

BAK Shalom? Fuck Shalom, jeder einzelne für mich ein Hurensohn.

Mit homophoben Zeilen erfreut der Rapper seine Zielgruppe: „Antideutsche stehen Schlange und wollen es von hinten”, heißt es hier. „Erst in den Wandschrank, dann einen Kopfschuss”, fordert „EightFiveZero” in einem eindeutigen Jargon und appelliert an „Sozialisten, Stalinisten und Kommunisten”doch mal die Fäuste zu heben.

Mit derartigen Zeilen dürfte sich auch dieses deutsche Rap-Projekt, so wie es Makss Damage und „Derbst One” vorgemacht haben, für Auftritte auf den Veranstaltungen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend qualifzieren.

Marsch der 0,00005 Prozent

Die Occupy-Demonstration in Berlin ging fast reibungslos über die Bühne. Etwa eintausend Menschen marschierten durch die Bundeshauptstadt. Damit waren es deutlich weniger Demonstrant_innen als im Jahr 2011, als noch mehrere tausend Menschen demonstrierten. Der Marsch im neuen Jahr wurde durch die üblichen Verdächtigen geprägt. Ein bunt-braunes Spektrum, von Hippies über Verschwörungsfans bis zu antisemitischen Aktivist_innen, beteiligte sich am Marsch der Occupy-Bewegung, für den diese mehrere Monate mobilisiert hatte.

Innerhalb der Demonstration wurden Flugblätter des „Zeitgeist-Movements” verteilt, das auf die strukturell antisemitischen Verschwörungsfilmchen zurückgeht. Einige Aktivisten der Gruppe „Berlin gegen den Krieg” bewarben die Verschwörungsdokumentation des Frieder Wagner, der in der Vergangenheit beispielsweise mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer auf einer Veranstaltung aufgetreten ist. Der Anthroposoph Holger Niederhausen verteilte Flyer, in denen seine neuesten esoterischen Machwerke beworben wurden: „Ist die Schwelle des Todes überwindbar”, hieß es hier. Außerdem gab es verschiedene Transparente zu bestaunen, auf denen die Parole „Liebe” abgebildet war.

Des Weiteren waren die üblichen Forderungen auf Pappschildern zu lesen: Die deutschen Wutbürger protestierten gegen „Banken”, „Zinsen”, „Finanz-Mafia-Böcke” und „Dekadenz”, forderten eine Neuuntersuchung der Ereignisse des 11. Septembers 2001 und die Freiheit für den mutmaßlichen Vergewaltiger Julian Assange. Außerdem gab es buntere Schilder, auf denen anti-amerikanische Grafiken zu sehen waren.

Ein Schild zeigte beispielsweise einen Fantastilliadär à la Dagobert Duck. Dieser war in eine amerikanische Flagge gehüllt und sprang in seinen Geldspeicher.  Mit einem anderen Schild klagte eine Demonstrantin: „Wir sind die Verwaisten des amerikanischen Traumes”. Am Ende des Demonstrationszuges posierten die Aktivist_innen der antisemitischen „Bürgerrechtsbewegung Solidarität” (BÜSO) mit einem riesigen Transparent, um vor dem angeblich beginnenden Dritten Weltkrieg zu warnen.

Die Occupy-Aktivst_innen hatten im Vorfeld des Marsches über eine Einladung der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite” debattiert. Nach internen Debatten, bei denen eine absolute Minderheit gegen den drohenden Auftritt protestiert hatte, hatte ein Aktivist – der selber üblen verschwörungsideologischen Deutschrap produziert — behauptet, dass er der Band „leider keine Zusage von Occupy Berlin für einen Auftritt am 15. Januar” geben könne. Wahrscheinlich wurde diese Erklärung, die der Aktivist über die Occupy-Internetseite „Alex11” veröffentlichte, allerdings nur verfasst, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

Kurz nachdem die Wutbürger ihren Marsch durch Berlin begonnen hatten, erklangen schließlich die ersten Töne des Liedes „Was ist los in diesem Land”, das von der Band „Die Bandbreite” stammt. Im Video zu diesem Song singt der Frontmann Marcel Wojnarowicz über einen„Völkermord” in Afghanistan, währenddessen ist eine Flasche Zyklon B zu sehen, das die Nazis nutzten, um die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden durchzuführen. Mit derartigen Gleichsetzungen betreibt „Die Bandbreite” eine ungeheure Verharmlosung der Shoa.

Auf dem neuesten Album, das „Reflexion” heißt, geht es auch um die verschwörungsideologische Verklärung der Krankheit AIDS. Im Intro zum Album ist die reaktionäre Anti-Feministin Eva Herman zu hören, die eine Demonstration bewirbt, an der die Band beteiligt war. Antifaschistische Kritiker_innen wie das „Dortmunder Antifa Bündnis” (DAB) warfen der Band in der Vergangenheit „sexistische, antisemitische und NS-relativierende Songtexte” vor. Doch auf dem Marsch der „Occupy-Bewegung” aus Berlin wurde die Band begeistert gefeiert.

So wagte sich der Sänger nach dem ersten Lied auch aus dem Lautsprecherwagen, um Gesicht zu zeigen und sich von den Demonstrant_innen bejubeln zu lassen, die zu den gruseligen Beats der Band tanzten.

Als drei vereinzelte Occupy-Anhänger_innen verbalen Protest artikulierten ließ Frontmann Wojnarowicz abstimmen. Seine Fans grölten begeistert, als er die Frage stellte, ob er noch ein weiteres Lied performen sollte. Es handelte sich um das Lied „Selbst Gemacht”, mit dem die Band die Frage stellt, ob verschiedene Ereignisse in Wirklichkeit durch amerikanische Institutionen begangen wurden. Die vereinzelten Kritiker_innen wurden übergangen, vom viel gerühmten Konsens-Prinzip, dem sich die Occupy-Bewegung angeblich verschrieben hat, war hier nichts zu bemerken.

Im Lied „Selbst Gemacht” wird die rhetorische Frage gestellt, ob die amerikanischen Institutionen „eigene Leute” während des japanischen Angriff auf Pearl Harbour „geopfert” hätten. Außerdem geht es um die Ereignisse des 11. Septembers, die ebenfalls verschwörungsideologisch verklärt werden. Der Song wurde begeistert beklatscht.

Vielleicht zeigt der Auftritt der Band, die bereits eine Demonstration in Frankfurt beschallt hatte, die politischen Positionierung der Occupy-Bewegung auf. Statt Gesellschaftskritik zu betreiben, werden hier verschiedene Verschwörungsmythen propagiert. Die Teilnehmer_innen imaginierten sich als die 99 Prozent, denen die 1 Prozent gegenübergestellt werden, die angeblich die Welt beherrschen. Kein Wunder, dass die verschwörungsideologischen Deutschrapper der Band „Die Bandbreite” auf derartigen Aktionen begeistert gefeiert werden. Es bleibt abzuwarten, an welcher Occupy-Aktion sich die Verschwörungsband das nächste Mal beteiligen wird.

Verschwörungsmythen des Xavier Naidoo

Wenn Xavier Naidoo auf irgendeinem x-beliebigen Radiosender „Alles kann besser werden“ plärrt, kämen die abgeneigten Hörer, die entnervt umschalten, wahrscheinlich nicht auf die Idee, dass Naidoo – neben radikaler Religiosität – auch einschlägige Verschwörungstheorien propagiert.

Das betrifft beispielsweise die Deutung des 11. September 2001. In seinem Lied „Goldwaagen“, das auf dem Album „Alles kann besser werden“ erschienen ist, reproduziert Naidoo bekannte Verschwörungstheorien, vom 11. September 2001 bis zu den Anschlägen von London und Madrid: „9/11, London und Madrid, jeder weiß dass Al Qaida nur die CIA ist“, behauptet Naidoo in diesem Song. „World Trade Center Nr. 7, warum ist von dem Gebäude nichts mehr übrig geblieben“, fragt er weiter.

Außerdem wirft er Angela Merkel in diesem Lied vor, dass sie den Eric-M.-Warburg-Preis der „Atlantik-Brücke“ entgegengenommen hätte. Der Verein hat sich der „Förderung des deutsch-amerikanischen Verständnisses“ verschrieben.

Von „Truthern“ und „Infokriegern“ wird der private Verein wie das Bilderberger-Treffen eingeordnet. Beiden wird eine unheimliche Macht nachgesagt. Die nächsten Zeile legen einen Zusammenhang zwischen Preisverleihung und dem Tod des „King of Pop“, Michael Jackson, nahe: „Leider musste an dem Tag der King of Pop von uns gehen, deswegen ist es keinem aufgefallen“, singt Naidoo in seinem Lied „Goldwaagen“. Musikalische Verschwörungstheorien finden sich allerdings nicht nur in diesem Lied.

Naidoos Hang zur verschwörungstheoretischen Verklärung der Welt führte zu einem Interview, das er dem Internetsender „Nexworld“ gegeben hat „Nexworld“ ist ein Internetsender, der verschwörungstheoretische und pseudowissenschaftliche Theorien propagiert. Das Interview führte der Verschwörungsideologe Jan Gaspard, der sich für seine Lieder begeistert.

In seinem Song „Aufklärungsarbeit“ beklagt Naidoo den Irak-Krieg und stellt die rhetorische Frage:

Wann stopfen wir den unverschämten Cowboys das Maul?

Neben solchen Gewaltphantasien konstruiert Naidoo einen Zusammenhang zwischen Osama bin Laden, der am Pool liegen würde und den amerikanischen „Cowboys“, die zumindest gemeinsame Absprachen treffen würden. In seinem Lied heißt es:

Osama wacht morgens ohne Bart auf und reckt sich, streckt sich zweimal, und springt in den Pool. Cowboys rufen an und sagen: ‚Alles ist cool, alles läuft nach Plan, keiner wird etwas erfahren‘.

Kriege sind ein wiederkehrendes Thema in Naidoos Texten. Bereits auf dem Album „Zwischenspiel – Alles für den Herrn“ aus dem Jahr 2002 ist eine Art Friedenslied zu finden, das in der Penetranz an Hannes Wader oder Reinhard May erinnert:

Ich seh Dich an und ich glaub daran, der Krieg ist vorbei irgendwann, dann kehre ich wieder heim zu Frau und Kind, Ich fände Euch, wär ich auch Taub und Blind.

So singt Naidoo in seinem Lied „Alle Männer müssen kämpfen“. An anderer Stelle ist sich Naidoo sicher, dass „Babylon verliert“. Sein Hass auf die Zivilisation findet sich in vielen Liedern:

Diese Welt war verlogen, Diese Welt war nie rein! Sie liegt am Boden um zu sterben und ich lass sie sterben denn ich weiß so soll es sein.

So singt Naidoo in seinem Lied „Ich lass sie sterben“. Diesen Hass auf die Zivilisation betrifft allerdings nicht die deutsche Nation: Während der Fußball-WM 2006 trat Naidoo für die Herren-Nationalmannschaft auf, die seine Lieder auch im Tourbus hörten, was einiges über den geistigen Zustand dieser Mannschaft verrät.

Sein Song „Danke“ verkaufte sich gut. In diesem Lied huldigte Naidoo der deutschen Nationalmannschaft: „Die Zweifler verstummten nach wenigen Stunden“, konstatiert er dort. Naidoo möchte hier „salutieren“ und sieht einen „deutschen Held“, der „vom Kampf beseelt“ ist.

Zwar kritisiert Naidoo, insbesondere mit der Gruppe „Brothers Keepers“, den gesellschaftlichen Rassismus, doch mit Deutschland hat er kein Problem: „Die Kraft, die wir in Deutschland haben, ist unglaublich“, freut sich Naidoo in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“:

Das, was die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg geschafft haben, ist einzigartig.

Naidoo gehört zum musikalischen Mainstream; seine musikalischen Verschwörungstheorien, sein offensichtlicher Anti-Amerikanismus und sein WM-Nationalismus haben seinem musikalischen Erfolg nicht geschadet. Sein Album „Alles kann besser werden“ belegte wochenlang den ersten Platz der deutschen Charts.

Im gleichnamigen Lied verspricht der Rapper „den Himmel auf Erden“. Seine textliche Penetranz und seine musikalischen Nervereien kommen in Deutschland gut an. Für die verschwörungsideologische und esoterische Verklärung der Welt begeistern sich ordinäre Naidoo-Fans und ordinäre Verschwörungsfans gleichermaßen. Verschwörungstheorien sind eben nicht nur die Theorien gesellschaftlicher Gruppen, wie der „Truther“ und „Infokrieger“, sondern finden sich im musikalischen Mainstream.

Die Mischung aus Christentum und der Apokalypse, sowie Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien kommen gut an. Christliche Esoterik, Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien im Pop-Gewand verkaufen sich gut in Deutschland. Dafür steht Xavier Naidoo wie kein zweiter Musiker.

Die wundersame Welt des Guantana-MOHR

Er nennt sich „Guantana-MOHR“ und rappt über Geschehnisse, die er verschwörungstheoretisch verklärt. Zum Beispiel über die „Neue Weltordnung“. Dahinter verbirgt sich für den Rapper ganz verschwörungstheoretisch eine „globale Institution“ der „Elite von Aristokraten“, die mit „genetischer Manipulation“ eine „Bevölkerungskontrolle“ durchführt. „Die Bevölkerungen“ würden in „ihrer kulturellen Struktur“ zerstört werden, fürchtet der Rapper.

Der in Hamburg geborene „Guantana-MOHR“ ist der Truthrap-Underdog: Im Gegensatz zur „Bandbreite“ oder „Kilez More“ hat er noch keine Platten auf den Markt gebracht. Seine Karriere beschränkt sich auf ein Youtube-Dasein. Sein Lied „Wehret den Anfängen“ wurde bereits mehr als zwanzigtausend Mal angeklickt. Immerhin ist ein Lied auf einem Sampler der Verschwörungsszene erschienen.

In einem Interview mit dem ÖDP-Aktivsten Volker Reusing für die Verschwörungsplattform „Unser Politblog.tv“ spricht „Guantana-MOHR“ über die Entstehung seines Namens: „Früher war mein Name nur Mohr (…), dass ist die Beleidigung für das Wort Schwarzer, für das Wort Nigger gewesen“, sagt der Rapper. Diese Beleidigung hat er mit dem Bezug zu Guantanamo-Bay gekoppelt.

Kein Wunder: „Guantana-MOHR“ scheint ein strikter Anti-Amerikaner. Er versteht die Gefangenen aus Guantanamo und entwickelt viel Verständnis für deren „Hasskappe“, die diese auf die USA entwickeln würden.

In seinen Liedern reimt der Rapper gegen „EU-Verträge“, die für ihn „fast ein Ermächtigungsgesetz“ sind: „Hitler hätte das nicht besser machen können“, sagt er und beruft sich auf den rechten EU-Gegner Karl Albrecht Schachtschneider, der auch auf Veranstaltungen von PRO-Köln auftrat.

„Guantana-MOHR“ hat Angst vor den „Arschgeigen der NWO“ und einer angeblichen „Bevölkerungskontrolle“: „Man will halt alle Leute kontrollieren“, befürchtet der Truth-Rapper und reimt daher darüber, dass „alle einen Chip hinter die Ohren“ bekommen.

Seine Lieder sind mit Bildern und Videoschnippseln, die beispielsweise einen Aufmarsch des „Linksnationalisten“ Jürgen Elsässer zeigen, unterlegt. Andere Videos zeigen ein angebliches Teufels-Zeichen auf dem Personalausweis. Es sind die üblichen verschwörungstheoretischen Konstruktionen, die vom Rapper bemüht werden. Ursprung seiner Texte ist paranoide Angst vor einer angeblichen „Elite“ .

Diese Angst hat ihn auch nach St. Moritz getrieben. Während des diesjährigen Bilderberg-Treffens trat er im Hotel Randolins auf, das vom nationalistischen und strukturell antisemitischen Verschwörungsblog „Alles Schall und Rauch“ angemietet worden war. „Die Leute waren alle supernett“, begeistert sich „Guantana-MOHR“ an den anderen Verschwörungsfans, die ebenfalls gegen das Bilderberg-Treffen demonstrierten.

Ansonsten liegt „Guantana-MOHR“ viel an seinem „Volk“, das er durch die „Elite“ bedroht sieht: „Wir sind das Volk“, heißt es in seinen Liedern. „Guantana-MOHR“ hat Angst, dass „die Völker so kaputt gemacht werden, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich gegen ihre Situation zu wehren“.

Dieser Rapper geht davon aus, dass die Kondensstreifen von Flugzeugen der Wettermanipulation und der Bevölkerungskontrolle dienen.„Guantana-MOHR“ propagiert die angebliche Existenz von „Chemtrails“, mit denen Menschen „vergast“ werden würden.

Zusätzlich vergast von den großflächigen Sprühaktionen, ob Münster oder Graz, man lässt überall die Sprüher los.

So reimt der Rapper in seinem Lied „Du kannst Kämpfen“. Weil sich „Guantana-MOHR“ für ein schlaues Kerlchen hält, versucht er „einige Themen nicht zu erwähnen, weil die Gefahr besteht, dass man als ‚Rechts‘, als ‚Antisemit‘ (…) gesehen wird“. Zwar erwähnt er ein „Schuldgeldsystem“, „Zinseszinsen“, „die Hochfinanz“ und die Rockefellers, doch eine offene Propaganda über eine „jüdische Elite“ wird man in seinen Texten nicht entdecken. Es bleibt bei Chiffren und Anspielungen.

„Sie erheben Geld zum Gott und ohne ihn kann man nicht atmen“, heißt es in seinem Lied „Nichts zu verlieren“. Im Video zum Lied ist eine Bankenspinne zu sehen, die die Menschen fesselt. Doch es bleibt bei strukturellem Antisemitismus; seine Zielgruppe wird verstehen, was für eine „Elite“ gemeint ist.

Es bleibt abzuwarten, ob der Verschwörungsrapper eine richtige Platte herausgeben wird. Eine Veröffentlichung auf dem „Lärmquelle-Records“-Label würde sich anbieten. Dort erscheinen auch die Platten der Band „Die Bandbreite“ und die des Verschwörungsrappers „Kilez More“, der ebenfalls gegen Bilderberger und die „Neue Weltordnung“ ansingt. Bis dahin wird der Verschwörungsrapper seine wundersame Sicht auf die Welt über Youtube und andere Internetseiten verbreiten.

Linkes Interview – rechter Auftritt

An dem Tag, an dem die verschwörungstheoretische Band „Die Bandbreite“ – gemeinsam mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei (SVP) und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ – im schweizerischen St. Moritz über die angebliche Elite namens „Bilderberger“ aufklärte, erschien ein Interview mit der Band – allerdings in einer ganz anderen Zeitung. Im offiziellen Organ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Wochenzeitung „Unsere Zeit“, durfte sich Marcel Wojnarowicz, Sänger der Band „Die Bandbreite“, darstellen.

Während die Band am 10.06.2011, gemeinsam mit den Rechtspopulisten Pir­min Schwan­der und Lukas Rei­mann (Schweizer Volkspartei) auftrat, durfte sich der Sänger der Band in der DKP-Wochenzeitung vom 10.06.2011 in ein denkbar guten Licht rücken und seine Kritiker_innen diffamieren:

Die Hetz-Kampagne gegen uns geht weiter. Es scheint, als hätten manche Blog-Betreiber nichts besseres zu tun, als all ihre Zeit unserer Band zu widmen. Die Schmähungen und Diffamierungen lassen nicht nach, aber das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Vom Auftritt mit den Rechtspopulisten – auf einer Veranstaltung, die vom Jugendverband der „Schweizer Volkspartei“ unterstützt wurde – war natürlich nicht die Rede. Eben sowenig wurden die Forderungen der Politiker erwähnt, die auf der gleichen Veranstaltung wie „Die Bandbreite“ auftraten. „Unsere Schweiz muss schweizerisch bleiben“, wäre vielleicht bei den Leser_innen der Zeitschrift nicht so gut angekommen.

Stattdessen wurde im Interview vor dem „tückisches Geldsystem mit Verfallsdatum“ und vor einer angeblichen „selbstgerechten Elite“ gewarnt. Dort dichtete der Sänger der Band der NATO „einen nuklearen Holocaust“ an. Mit dieser Wortwahl verharmlost der Bandbreite-Frontmann den historischen Holocaust, die systematische, industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Dieses singuläres Ereignis, einzigartig in der Geschichte, lastet er der NATO an, die er solch eines ungeheuren Verbrechens beschuldigt.

Mit solchen Thesen könnte die Band auch auf der Veranstaltung in St. Moritz gepunktet haben. Von der gemeinsamen Veranstaltung mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ haben die Leser_innen des DKP-Blatts allerdings nichts erfahren.

Die wundersame Welt des Verschwörungsrappers

„Kilez More“ hat gut lachen. Als Teilnehmer des „Newcomer Contest 2011″, der von der Internetseite „HipHop.de“ und der „Juice“organisiert wird, wird er unter anderem vom Deutsch-Rapper Azad gelobt, der ihn von allen teilnehmenden Deutsch-Rappern „thematisch am interessantesten“ findet, „weil er über vieles rappt“.

Am Wettbewerb nimmt „Kilez More“ mit verschiedenen Liedern teil, die interessierte Hörer_innen direkt auf der Homepage des Contests erwerben können. Dort verbreitet „Kilez More“ die Inhalte, für die er bekannt ist. Er propagiert verschiedenste Verschwörungstheorien für diejenigen, die sich für Verschwörungstheorien begeistern.

Die Titel, mit denen„Kilez More“ am Wettbewerb teilnimmt, hören auf Namen wie „TV (Totale Verblödung)“, „Geistesgestört“ oder „Infokrieger“. Mit den Titeln, unter anderem von seiner „Truth-Rap“-EP, versucht der Rapper die Ideologie der „Infokrieger“ und „Truther“ in Reime zu verpacken und den „Newcomer-Contest“ für sich zu entscheiden. Die Chancen stehen dafür nicht schlecht, da die Fans des Rappers auf den einschlägigen Internetseiten der „Infokrieger“-Szene dazu aufrufen, für den „Truth“-Rapper zu voten, um ihm einen Plattenvertrag zukommen zu lassen.

Eines seiner Lieder ist der Song „Geistesgestört“. Hier macht der Rapper eine angeblich existierende geheime Elite für die Entwicklung der Welt verantwortlich; diese angebliche Elite sei „Geistesgestört“:

Denn manche haben nicht einmal ein Korn auf dem Teller, weil ihr die Menschen härter fickt als Pornodarsteller.

So rappt der Deutsch-Rapper in diesem Song. Gegen diese angebliche geheime Elite bringt„Kilez More“ diejenigen in Stellung, für die er sich begeistert. Es ist ein unverblümter Bezug auf „das Volk“, die der Rapper immer wieder reproduziert. Dieses „Volk ist stumm, weil es die Klarheit nicht hat“, behauptet „Kilez More“, um sich als angehender Rap-Messias in Stellung zu bringen. Er verbreite„Wahrheit und Fakt“, reimt der Rapper in seinem Track.

Doch es handelt sich um die in seinen Kreisen kolportierte Märchen. So zum Beispiel die Behauptung, die damalige amerikanische Administration hätte den Angriff auf Pearl Harbour bewusst zugelassen. „Kilez More“ verbreitet auf diese Art und Weise eine Lüge, die sich bei „Truthern“ und „Infokriegern“ großer Beliebtheit erfreut:

Ihr wusstet von Pearl Habor, dass man es zerstört, aber habt nichts gemacht, verdammt ihr seid geistesgestört.

„Kilez More“ macht sich zum anti-amerikanischen Ankläger. Für die Geschehnisse des 11. September 2001 macht der Rapper daher als konsequenter Ankläger die amerikanische Regierung verantwortlich. Schließlich könne „sowas (…) kein Turban oder Bartträger“, rappt der Rapper, der es Muslimen anscheinend nicht zutraut, ein Flugzeug zu manövrieren.

Ganz reale Nazis und Rassisten werden von „Kilez Moore“ dafür konsequent ignoriert. Stattdessen bezeichnet er die bürgerlichen Regierungen als „Faschisten und Nazis“. Seine wenig überzeugendes Argument für diese These lautet tatsächlich:

Denn die CIA trainiert die Taliban in Pakistan.

Neben solchen Thesen finden sich auch Fragmente, wie sie auch von anderen Rap-„Truthern“ verbreitet werden.„Kilez More“ zieht eine Traditionslinie, bei der er verschiedene angebliche Verschwörungen aneinandergereiht. Für den Reichtagsbrand, den Golf von Tonkin Zwischenfall und den 11. September 2001 werden ominöse „Mächte“ verantwortlich gemacht, die „schon lang bereit“ seien. Diese angeblichen Eliten werden von „Kilez Moore“ benannt. Er behauptet, dass es „Orden und Logenbrüder“ seien „die den gesamten Plan gestalten“.

Seine Theorien verbreitet „Kilez More“ auch mit seinem Track „Infokrieger“. Dort inszeniert sich „Kilez More“ als „Infokrieger im Informationskrieg“, der schon „vor Jahren prophezeit“ hätte, „dass es und wie es geschieht“. Dabei sei er „nicht links“ und „nicht rechts“, behauptet der Rapper in dem Song, in dem er vor einer angeblich drohenden „faschistischen Weltregierung“ warnt. Hier bedient sich der Rapper einer Sprache, die durchmilitarisiert ist. Schließlich steht der Rapper „direkt an der Front mit den Kämpfern“und führt einen „Informationskrieg“.

Die Thesen des Rappers scheinen weder für Deutsch-Rapper wie Azad noch für die Macher_innen des Contest ein Anlass gewesen zu sein, die Theorien des „Kilez Moore“ zu kritisieren. Stattdessen bieten sie ihm erst die Bühne, damit er seine Theorien verbreiten kann. Eine Bühne, mit dem er deutlich mehr Menschen erreichen wird, als mit irgendwelchen Auftritten auf den Szene-Treffen der „Infokrieger“ und „Truther“.

Einen solchen Auftritt wird es im Übrigen am 02.04.2011 im Raum Hannover geben. Dort wird „Kilez Moore“,neben der „Bandbreite“, im Rahmen des „Kon­gress der un­ab­hän­gi­gen Me­di­en“ des Verschwörungsideologen Jens Blecker auftreten. Vielleicht wird „Kilez More“ dann der „Newcomer des Jahres“ von „HipHop.de“ und„Juice“ sein. Die Verschwörungsideologien, die von ihm propagiert werden, scheinen die Macher_innen des Contest nicht zu stören. Sie tun ihren Teil, um die Theorien des „Kilez More“aufzuwerten.

Ein Nazi namens „Makss“

Jetzt ist er endgültig dort angekommen, wohin es ihn schon immer zog. Die Rede ist vom linken Rapper „Makss Damage“, der mit Texten wie „Tötet diese antideutschen Hurensöhne“ das Herz des ein oder anderen Anti-Imperialisten erwärmte. Mit Zeilen wie „Lasst den David-Stern brennen, lasst ihren Zionismus untergehen“, begeisterte er linke und andere Antisemiten. Der ehemalige SDAJler macht nun mit denjenigen Politik, die solche unverhohlene Vernichtungsphantasien ebenfalls propagieren. Aktuell sieht man „Makss Damage“, der auf den Namen Julian F. hört, auf Youtube. Dort wird er vom „Hitler von Köln“, dem fanatischen Nazi Axel Reitz, interviewt. Am 29.01.2011 beteiligte sich der Rapper bereits an einem Nazi-Aufmarsch in Wuppertal.

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Im Interview mit dem „Freien Netz Siegerland“, einem Naziportal, nimmt „Makss Damage“ kein Blatt vor den Mund. Der Deutsch-Rapper hetzt gegen Migrant_innen. Außerdem berichtet er über seine Erfahrungen innerhalb der „linken Szene“. Zur Freude der Nazis zieht „Makss“ über seine ehemaligen Genoss_innen aus verschiedensten K-Gruppen her. Dort bejammert er, dass „die Linken“ keine „starken Kämpfer“ seien und warnt vor den „Antideutschen“, die den linken Nachwuchs agitieren würden. „Die Linke“ sei „unkameradschaftlich“, behauptet der Rapper.

Julian F. im Gespräch mit Axel Reitz
Julian F. im Gespräch mit Axel Reitz

„Makss“ kündigt außerdem weitere musikalische Verbrechen an. Mit denen will er das „nationale Element“ noch stärker betonen. Das wird seine neuen Kameraden sicherlich mit viel Freude erfüllen. „Makss Damage“ Texte wiesen bereits vor seinem Auftritt als Rap-Nazi reaktionäre, menschenveachtende und antisemitische Inhalte auf. An diesen Inhalten wird sich daher nicht viel ändern. Es dürfte dem neuen Nazi nicht schwer fallen, weitere Texte zu verfassen, die als musikalische Untermalung für den ein oder anderen Nazi-Aufmarsch dienen
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