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Nachfolger des Makss Damage

Makss Damage lautet der Name eines deutschen Rappers, der mit kruden Texten für Begeisterung sorgte:„Ich leite Giftgas in Siedlungen, die jüdisch sind”, hatte Makss Damage zur Freude seiner Anhänger_innen gegrölt.

„Tötet diese antideutschen Hurensöhne”, lautete der Titel eines Liedes, mit dem unverhohlene Vernichtungsphantasien geäußert wurden. Der deutsche Rapper durfte trotzdem auf Veranstaltungen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), dem Wurmfortsatz der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), auftreten. Bereits damals war offensichtlich, dass es von seinen damaligen Positionen nur ein ganz kurzer Schritt zum Nazi wäre. Daran schienen sich seine Genoss_innen allerdings nicht zu stören.

Nachdem der anti-imperialistische Deutschrapper Makss Damage dann tatsächlich nach ganz, ganz Rechts wechselte, tauchten verschiedene anti-imperialistische Deutschrapper auf, die sich reichlich Mühe gaben, in die Fußstapfen des Antisemiten zu treten.

Da wäre beispielsweise „Derbst One”, der „„derbe pa­läs­ti­naso­li­da­ri­sche Kamp­fes­mu­sik“ veröffentlicht. Er be­ruft sich auf Marx, En­gels, Lenin, Sta­lin und ver­schie­de­ne Rap­per, wie zum Bei­spiel den se­xis­ti­schen Vor­zei­ge­proll Kool Savas. Mit seinem Lied „Zaid” glorifiziert er einen palästinensischen Selbstmordattentäter: „Diese Schwei­ne sind noch immer in sei­nem Land stationiert“, rappt er dort.

Mit dem Song wird die Ge­schich­te eines pa­läs­ti­nen­si­schen Selbst­mord­at­ten­tä­ters ge­schil­dert, der sich ge­zwun­gen sieht „end­lich in den Kampf zu zie­hen“. Vor­her trägt er „vol­ler Stolz den Tur­ban wie Ala­din“; dann macht er sich auf den Weg, um für „Pa­les­ti­ne“ mög­lichst viele Jü­din­nen und Juden zu er­mor­den: „Ma­ga­zin voll, Kopf rot, Pali an­ge­legt“, hul­digt „Derbst One“ dem Selbst­mord­at­ten­tä­ter. „Heute ist ein be­son­de­rer Tag, er wird aus die­ser Welt schei­den, doch er wird für immer ein Held blei­ben“, lau­tet das Fazit des Rappers, der sich auch an den Antisemiten der Hamas erfreut. Diese seien „einfach gute Kämpfer, die behilflich sein können uns näher ans Ziel zu bringen”.

In einem weiteren Lied, das kei­nen Titel be­sitzt, reimt „Derbst One“ in einer Art, die eben­falls an Makss Da­ma­ge er­in­nert: „Derbst One und Mojo, die bei­den ma­chen dich ka­putt. Kuck wie ich dir dum­men Bas­tard in die Fres­se spuck“. Ein an­de­rer Rap­per wird in die­sem mar­tia­li­schen Song als „Stri­cher“ und „lä­cher­li­cher klei­ner Homo“ be­zeich­net. Neben der an­ti­se­mi­ti­schen Glo­ri­fi­zie­rung des Selbst­mord­at­ten­tä­ters fin­den sich also auch ho­mo­pho­be Zei­len.

Dazu passt der unverhohlene Hass auf „Antideutsche”, für die „Makss Damage” ebenfalls berüchtigt war. Diese Menschen werden als „bourgeoise Hundesöhne”bezeichnet, die man „mit gutem Gewissen ins Grab schicken” könne. O-Ton „Derbst One”:

Wir machen keine Kompromisse mehr mit halblinkem Verrätertum, von den Antideutschen haben wir ja eh genug.

Mit derartigen Inhalten qualifizierte sich der Deutsch-Rapper für verschiedene Auftritte auf den Festivals der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend. „Derbst One” durfte im vergangenen Jahr auf einem „Pfingstcamp” und auf dem „UZ-Pressefest” auftreten. Nun kündigt die deutsche Arbeiterjugend seinen Auftritt auf dem „Festival der Jugend” in Köln an.

Seine homophoben und sexistischen Zeilen werden verständlicherweise verschwiegen: „Derbst One schafft es, Battle Rap mit sozialistischem Inhalt zu produzieren. Das ist nicht nur technisch gut, sondern fällt auch durch fehlende Menschen verachtung auf”, heißt es holprig auf der Internetseite des Jugendverbandes. Dort wird die Glorifizierung eines Selbstmordattentäters, der sich in die Luft sprengt, um möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden, als „Geschichte eines palästinensischen Mannes, der zum Märtyrer wird” gelobt.

Doch nicht nur „Derbst One” gibt sich reichlich Mühe, um sich als Nachfolger des Makss Damage zu qualifizieren. Da wäre beispielsweise das Rap-Projekt „EightFiveZero”, das ebenfalls auf den Spuren des Makss Damage wandelt. Die Lieder dieses Youtube-Projektes erfreuen sich bei linken Israel-Hasser_innen großer Beliebtheit. Schließlich heißt es dort:

BAK Shalom? Fuck Shalom, jeder einzelne für mich ein Hurensohn.

Mit homophoben Zeilen erfreut der Rapper seine Zielgruppe: „Antideutsche stehen Schlange und wollen es von hinten”, heißt es hier. „Erst in den Wandschrank, dann einen Kopfschuss”, fordert „EightFiveZero” in einem eindeutigen Jargon und appelliert an „Sozialisten, Stalinisten und Kommunisten”doch mal die Fäuste zu heben.

Mit derartigen Zeilen dürfte sich auch dieses deutsche Rap-Projekt, so wie es Makss Damage und „Derbst One” vorgemacht haben, für Auftritte auf den Veranstaltungen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend qualifzieren.

Alles Lüge (III)

Die Wahrheit über die Geschehnisse in Libyen: Das verspricht die Ortsgruppe der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aus Greifswald in einem Artikel, den sie auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Ähnlich wie bei den Verschwörungsfans von „Mein Parteibuch“, die zur Solidarität mit Gaddafi aufrufen, wird hier die Behauptung aufgestellt, dass die Erstürmung der libyschen Hauptstadt Tripolis in einem Filmstudio in Katar nachgestellt worden sei:

Heute kam in den Nachrichten eine Falschmeldung über den Grünen Platz, die offensichtlich in Katar gedreht wurde. Dies kann verschiedene Bedeutung haben: Wenn man den Europäern vorspielt, man hätte den grünen Platz besetzt, kann man auf dem echten grünen Platz ein Bombenmassaker anrichten. Die Rebellen gelangen nämlich niemals dorthin.

Das behauptet die Ortsgruppe der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), die ihre Informationen anscheinend aus dem verschwörungsideologischen Milieu bezieht. Darauf weist auch ein Verweis hin, der die Besucher_innen der DKP-Seite auf eine Internetseite führt, die sich „Zeitfokus-Online“ nennt. Dort beruft man sich auf „Russische Facebooker“, die das Märchen kolportieren, „dass in Kartar ein Bühnenbild aufgebaut“ wird.

Auf der Internetseite, auf die sich die DKP-Greiswald beruft, finden sich allerdings auch Videos, die von der Existenz eines geheimen Nazi-Reichs in „Neuschwabenland“ ausgehen. Außerdem werden dort Artikel veröffentlicht, mit denen die Bücher von Rudi Berger empfohlen werden. Rudi Berger ist ein verschwörungstheoretischer Autor, der unter anderem „Geheimlogen, Freie-Energiemaschinen, utopische Flugscheiben, Telepathie“ und „kosmische Verbundenheit“ propagiert.

Der Hass auf die NATO und die Verbundenheit mit dem libyschen Regime verbindet anscheinend ganz unterschiedliche Personen. Seien es nun die Verantwortlichen für die DKP-Internetseite aus Greifswald oder die Verantwortlichen für die Verschwörungswebsite „Zeitfokus-Online“.

Verschwörungsrapper auf dem Pressefest (II)

Natürlich durften sie auftreten: Die Rede ist von der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite“, die für das 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) angekündigt worden war. Nach Protesten antifaschistischer Gruppen hatten die Organisator_innen des „größten Volksfest der Linken“ behauptet, den Auftritt der Band abgesagt zu haben. Stattdessen sollte es eine „Podiumsdiskussion“ mit namentlich nicht benannten Kritiker_innen und der Band geben.

Die Auftritte mit Rechtspopulisten und für Verschwörungsideologen waren für die Organisator_innen also kein Grund, die Band auszuladen. Stattdessen wollte man ihnen den Raum geben, derartige Unappetitlichkeiten zu verteidigen. Den „Holocaust“, den die Band der NATO nachsagt, scheinen Dinge, über den die Organisator_innen ernsthaft debattieren wollten.

Kommunist_innen und Antifaschist_innen sollten also einen Diskurs führen, anstatt derartige Auftritte und Inhalte zu bekämpfen. „Die Band ‚Die Band­brei­te‘ wird (…) auf dem 17. UZ-​Pres­se­fest der Deut­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei auf­tre­ten“, hatte es in diesem Blog geheißen. Genau das ist dann – leider – eingetreten.

Das Neue Deutschland berichtet von tumultartigen Szenen während der „Diskussion“, bei der die üblichen Verteidiger_innen der Band einträchtig auf dem Podium saßen:

Gestern nun trat die ‚Bandbreite‘ auf dem Pressefest der DKP-Parteizeitschrift ‚Unsere Zeit‘ (UZ) in Dortmund auf. Die Politpopper lösten Tumulte aus. Ein Mittzwanziger ging ans Mikrofon und verkündete spontan seinen Austritt aus der DKP. Andere – meist junge Leute – riefen: ‚Holt die Spinner von der Bühne.‘ Eine Frau rief Wojna wütend zu: ‚Spiel mal ‚Einlochen’‘ – ein als sexistisch geltendes Lied der ‚Bandbreite‘.

Während des Auftritts der Band solidarisierten sich die üblichen Verdächtigen mit der Verschwörungscombo, die wohl auch die Farce, die sich „Diskussionsveranstaltung“ schimpfte, dominierten: Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke und nach eigenen Angaben „glühender Verschwörungstheoretiker“, rief die Band während der Diskussionsveranstaltung dazu auf, ihre Lieder zum Besten zu geben, was wohl dann auch geschah.

Die Mitglieder der Gruppe „Arbeiterfotografie“, die nach dem Erdbeben in Japan von einer mega-geheimen Erdbebenwaffe halluzinierten und ansonsten Propaganda für das iranische Regime betreiben, stellten sich für ein Jubelvideo zur Verfügung. Für „Die Bandbreite“ setzte sich auch Elias Davidsson ein: Ein Verschwörungstheoretiker, der seine Thesen auch schon mal bei rechten Burschenschaften vorstellt. Davidsson for­dert in einem halboffenen Brief eine grö­ße­re „Be­reit­schaft unter deut­schen Lin­ken“ eben „auch mit tra­di­tio­nel­len Rech­ten zu­sam­men­zu­ar­bei­ten“. Außerdem gab der „Junge Welt“-Autor Klaus Rainer Rupp ein Statement ab, der die Band nicht nur während der „Diskussionsveranstaltung“ verteidigte: „Ich finde es einen Skandal, dass die Linke sich, von Meinungsterroristen, die sich selber Linke nennen, vorschreiben lässt, wen wir hören können und dürfen“, sagte er in die Kamera der„Bandbreite“.

Doch selbst die Parteivorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), Bettina Jürgensen, sprach der Querfront-Band ihre Solidarität aus. Dies macht allerdings den ideologischen Zustand dieser Partei deutlich, die mit den Auftritten und Inhalten der „Bandbreite“ kein Problem zu haben scheint. Dabei werden Verschwörungstheorien über die Kritiker_innen propagiert: „Die Band sei links verortet und zähle zum linken Spektrum. Die Vorwürfe seien nicht haltbar – sie sollen vielmehr ‚die Gruppe kaputt machen‘. Die Kampagne habe vor vier Jahren begonnen, so Jürgensen. Und zwar nachdem die ‚Bandbreite‘ Kritik an Israel geübt habe.“

Nachdem Auftritt auf dem UZ-Pressefest schrieb die Band: „Unser Auftritt auf dem UZ Pressefest war ein voller Erfolg!“. Angesichts der Unterstützung, nicht nur durch den Bundestagsabgeordneten Diether Dehm und durch Bettina Jürgensen, Parteivorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), ist das sogar noch untertrieben. „Die Bandbreite“ ist also auf dem Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei aufgetreten. Keine zwei Wochen nach einem Auftritt mit Vertretern der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) durfte die Band auf dem Festival ihre Lieder zu Gehör bringen. Dies dürfte wohl von Anfang an der Plan der Organisator_innen gewesen sein.

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) hat sich damit eindeutig für die Querfront-Band und für ihre reaktionären Texte positioniert. Der Auftritt dieser Band wirft ein bezeichnendes Licht auf den inneren Zustand dieser Partei, die mit anti-amerikanischen Verschwörungstheorien und mit „se­xis­ti­schen, an­ti­se­mi­ti­schen und NS-​re­la­ti­vie­ren­de Song­tex­ten“ kein Problem zu haben scheint. Ein Problem scheint diese Partei aber den Kritiker_innen dieser Musik zu haben, denen sie unterstellt, sie würden eine „üble ‚antideutsche‘ Kampagne“ betreiben. Immerhin waren nicht alle Teilnehmer_innen der Diskussionsveranstaltung mit dieser Vorgehensweise einverstanden.

Verschwörungsrapper auf dem Pressefest

Am Freitag, den 24.06.2011, beginnt das 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) im Revierpark Dortmund-Wischlingen. Auf diesem Fest, das laut Eigendarstellung das „größte Volksfest der Linken“ ist, soll es nicht nur eine Videoschalte zur nächsten Gaza-Flotille geben. Geplant war auch ein Auftritt, der den Unmut verschiedener antifaschistischer Gruppen erregte, die sich mit einem Offenen Brief zu Wort meldeten. Es handelt sich um den angekündigten Auftritt der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite“, die Leser_innen dieses Blogs vielleicht ein Begriff sein dürfte.

Das Dortmunder Antifa Bündnis hat einige Lieder der Band analysiert und sieht in diesen „se­xis­ti­sche, an­ti­se­mi­ti­sche und NS-​re­la­ti­vie­ren­de Song­tex­te“. Daher forderte das antifaschistische Bündnis die Organisator_innen des UZ-Pressefestes auf, der Band keine Bühne zu bieten.

Eigentlich sollte die Band, die auf verschwörungsideologischen und linken Festivals auftritt, auf dem Pressefest ein Podium geboten bekommen. Auf den Offenen Brief des antifaschistischen Bündnisses folgte keine Ausladung, sondern eine weitere Hofierung der Band, die nun erst recht auftreten soll; zumindest wenn man den Verlautbarungen der Organisator_innen und des Parteivorstands der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) glauben schenkt.

Vor dem UZ-Pressefest war die Band am 10.​06.​2011 auf einer Veranstaltung gegen die Bilderberg-Konferenz im schweizerischen St. Moritz aufgetreten, die vom Jugendverband der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) unterstützt wurde. Hinter der Bilderberg-Konferenz, bei der Führungspersonen aus Wirtschaft, Politik und Medien zusammenkommen, vermuten Verschwörungsideologen eine „Elite“, die angeblich eine „Neue Weltregierung“ planen würde.

Als Redner auf dieser Veranstaltung der Verschwörungsfans und Nationalisten waren die Schweizer Nationalräte Lukas Reiman und Pirmin Schwander geladen, die ebenfalls der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei angehören. Außerdem war der Verschwörungsideologe Manfred Petritsch (alias „Freeman“) zu Gast, der das strukturell antisemitische Verschwörungsportal „Alles Schall und Rauch“betreibt. „Die Bandbreite“ war für das musikalische Rahmenprogramm zuständig. Auch dieser Umstand wurde im Offenen Brief des Dortmunder Antifa Bündnis erwähnt.

Auf dieser Anti-Bilderberger Veranstaltung in St. Moritz hielt Manfred Petritsch von der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ ein ausführliches Referat, weil er von der rechtspopulistischen und rassistischen „Jungen SVP“ darum gebeten wurde. Petritsch warnte unter anderem:

Sie wollen die Nationen auflösen, sie wollen die Grenzen auflösen (…). Genau das ist ihre Absicht.

Der Betreiber von „Alles Schall und Rauch“ fürchtet eine Welt ohne Nationen und Grenzen: „Sie wollen die Länder abschaffen, die Nationalitäten, die Identitäten“, warnte Petritsch sein Verschörungspublikum. „Wir sollen sogar noch Weltbürger sein“, befürchtete Petritsch, um auf die „menschliche Natur“ zu sprechen zu kommen, die dem angeblich entgegenstehen würde: „Wir sind doch keine Weltbürger, das sind doch alles künstliche Konstrukte“, folgerte der Betreiber von „Alles Schall und Rauch“.

Der Sänger der Band ergänzte diese Zeilen mit folgenden Worten:

Ich möchte eigentlich nochmal zur Einheit aufrufen. Ich möchte dazu aufrufen, diese ganzen Vorurteile der Linken, gegen die Wahrheitsbewegung, beiseite zu schieben. (…) Wir müssen zusammenarbeiten, das ist wichtig. (…) Was hinterher dabei rauskommt, was für ein gesellschaftliches System, ist egal.

Hier wurde die Querfront, der Zusammenschluss zwischen Rechten und vermeintlichen „Linken“, die wegen eines vermeintlich größeren Feindes, der angeblichen „Elite“, zusammenstehen sollen, zelebriert.

Die Organisator_innen des UZ-Pressefest und viele Kader der Deutschen Kommunistischen Partei scheinen mit diesem Auftritt der „Bandbreite“ genauso wenig ein Problem zu haben wie mit den Liedtexten der Verschwörungsband. In einem Interview im Parteiorgan Unsere Zeit (UZ), schwadronierte der Sänger von einem „nuklearen Holocaust“ der NATO und inszenierte sich als Opfer einer „antideutschen Kampagne“.

Nachdem Offenen Brief des Dortmunder Antifa Bündnis verschwand „Die Bandbreite“ allerdings aus dem Veranstaltungsprogramm des UZ-Pressefestes. Die Band wurde allerdings nicht ausgeladen, sondern soll nun den Raum bekommen, ihre verschwörungsideologischen Texte in einer Diskussionsrunde zu verteidigen. Das geht aus einer Verlautbarung der Organisator_innen dieser Veranstaltung hervor:

In den letzten Wochen wurde massiver Druck, insbesondere aus dem politischen Spektrum der sogenannten ‚Antideutschen‘, auf den Veranstalter ausgeübt, diese Gruppe wieder auszuladen. (…) Wir haben die Vorwürfe sorgfältig geprüft und halten die Mehrheit der Vorwürfe für konstruiert und Teil einer üblen Kampagne.

Das behaupten die Organisator_innen in einer Erklärung. „Auf Grund diverser Hinweise müssen wir jedoch befürchten, dass es bei diesem Konzert zu massiven Störungen und Auseinandersetzungen kommen wird“. Nur daher würde das Konzert ausfallen. Als Ersatzangebot würde es eine „Diskussion mit Befürwortern und Kritikern“ geben. In einer ausführlicheren Erklärung des Parteivorstands, wird die Band als Teil einer „Vielfalt linker Kultur“ bezeichnet und gegen jedwede Kritik in Schutz genommen. Dort wird unter anderem die krude Behauptung aufgestellt, dass die Nationalsozialisten „in den eigenen Reihen Homosexualität für die Durchsetzung ihrer Ziele zu nutzen“ wussten. Natürlich wird die Unterstellung wiederholt, dass die Kritik an den Inhalten und Auftritten der Band „überwiegend – und dies seit 2008/2009 mit sich ständig inhaltlich wiederholenden Behauptungen – von den sogenannten ‚Antideutschen‘ erhoben werden“.

Der „Deutsche Freidenker Verband“, um den fanatischen „Antizionisten“ Klaus Hartmann, der auf seiner Facebook-Pinnwand auch schon mal Fotos von palästinensischen Kindersoldaten oder brennenden Davidssternen veröffentlichte, ergänzte diese Zeilen mit einer weiteren Pressemitteilung:

Erst einladen, dann dem Druck der zionistischen Radaubrüder nachgeben, das ist ein fatales Signal. Das könnte von anderen rechten Gruppen und Faschisten geradezu als Einladung verstanden werden, mit Ankündigung von Randale Druck auf Veranstalter auszuüben, wer auftreten darf und wer nicht.

Die Band „Die Bandbreite“ wird trotz alledem, entgegen anderslautender Behauptungen, auf dem 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei auftreten. Ob es dort zu Kritik kommt, bleibt abzuwarten. Immerhin zeigten sich einige Parteimitglieder schwer enttäuscht. So schreibt ein Parteimitglied:

Dass mir jetzt mein eigener PV indirekt vorwirft, Teil einer üblen ‚antideutschen‘ Kampagne zu sein: Ich bin sprachlos und erschüttert. Die Erklärung des Parteivorstandes ist ein Schlag in das Gesicht der Genossinnen und Genossen, die Antifaschismus als Arbeitsschwerpunkt haben.

Den Organisator_innen des UZ-Pressefest, die von einer „üblen ‚antideutschen‘ Kampagne“ halluzinieren, dürften derartige Einschätzungen jedoch vollkommen egal sein. Schließlich haben sie sich mit ihrer Entscheidung für die Querfront-Band sowie ihre Inhalte und Auftritte positioniert. Diese wird am Sonntag, um 13 Uhr auf der Bühne Zwei des UZ-Pressefest auftreten, um ihre Texte und Auftritte zu verteidigen.

Antifa contra Bandbreite

Das Dortmunder Antifa Bündnis wendet sich mit einem Offenen Brief an die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Auf deren UZ-Pressefest, das vom 24. bis 26. Juni 2011 in Dortmund stattfinden wird, soll die verschwörungsideologische Band „Die Bandbreite“ auftreten. Ein Umstand, den die Antifaschist_innen aus guten Gründen kritisieren.

Zuletzt war die Band unter anderem zu Pfingsten unterwegs. „Die Bandbreite“ verschlug es nach St. Moritz. Dort trat die Band auf einer Veranstaltung auf, die vom Jugendverband der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) unterstützt wurde. Sie lieferte den musikalischen Rahmen für die Vorträge der Schweizer Nationalräte Pir­min Schwan­der und Lukas Rei­mann (beide SVP). Letzterer wirbt mit der Forderung: „Unsere Schweiz muß schweizerisch bleiben.“

Auch dieser Umstand des gemeinsamen Auftritts mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei wird in dem Offenen Brief des Dortmunder Antifa Bündnis erwähnt. Dort heißt es weiter:

Die SVP fiel im letzten Wahlkampf mit rassistischen Wahlplakaten auf, die zur Ausgrenzung und Abschiebung von Ausländer_innen aus der Schweiz aufriefen. Auch eine Volksabstimmung über das Verbot von Minaretten an Moscheen geht auf die Initiative dieser Partei zurück. In Deutschland findet sie hauptsächlich bei PRO NRW und anderen Rechtspopulist_innen, sowie bei den Neonazis der NPD, die ein Wahlplakat der SVP nahezu unverändert übernommen haben, Beifall.

Das antifaschistische Bündnis fordert die Deutsche Kommunistische Partei und die Organisator_innen des Pressefestes aber nicht nur aufgrund dieses Auftritts auf, der „Bandbreite“ keine Bühne zu geben. Sie haben außerdem einige Texte analysiert.

Es seien „sexistische, antisemitische und NS-relativierende Songtexte“, schreibt das Bündnis:

Wir fordern daher, dass ihnen auf dem UZ-Pressefest keine Möglichkeit gegeben wird, ihre antiaufklärerischen Inhalte und Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Ob die Deutsche Kommunistische Partei diese Kritik berücksichtigen wird, bleibt allerdings fraglich. In deren Wochenzeitung „Unsere Zeit“ fand sich, fast zeitgleich mit dem Auftritt in St. Moritz, ein ausführliches Interview mit der Band, in dem sich diese in ein denkbar gutes Licht rückte. Der gemeinsame Auftritt mit den Rechtspopulisten in der Schweiz wurde wohl auch daher verschwiegen.

Linkes Interview – rechter Auftritt

An dem Tag, an dem die verschwörungstheoretische Band „Die Bandbreite“ – gemeinsam mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei (SVP) und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ – im schweizerischen St. Moritz über die angebliche Elite namens „Bilderberger“ aufklärte, erschien ein Interview mit der Band – allerdings in einer ganz anderen Zeitung. Im offiziellen Organ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Wochenzeitung „Unsere Zeit“, durfte sich Marcel Wojnarowicz, Sänger der Band „Die Bandbreite“, darstellen.

Während die Band am 10.06.2011, gemeinsam mit den Rechtspopulisten Pir­min Schwan­der und Lukas Rei­mann (Schweizer Volkspartei) auftrat, durfte sich der Sänger der Band in der DKP-Wochenzeitung vom 10.06.2011 in ein denkbar guten Licht rücken und seine Kritiker_innen diffamieren:

Die Hetz-Kampagne gegen uns geht weiter. Es scheint, als hätten manche Blog-Betreiber nichts besseres zu tun, als all ihre Zeit unserer Band zu widmen. Die Schmähungen und Diffamierungen lassen nicht nach, aber das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Vom Auftritt mit den Rechtspopulisten – auf einer Veranstaltung, die vom Jugendverband der „Schweizer Volkspartei“ unterstützt wurde – war natürlich nicht die Rede. Eben sowenig wurden die Forderungen der Politiker erwähnt, die auf der gleichen Veranstaltung wie „Die Bandbreite“ auftraten. „Unsere Schweiz muss schweizerisch bleiben“, wäre vielleicht bei den Leser_innen der Zeitschrift nicht so gut angekommen.

Stattdessen wurde im Interview vor dem „tückisches Geldsystem mit Verfallsdatum“ und vor einer angeblichen „selbstgerechten Elite“ gewarnt. Dort dichtete der Sänger der Band der NATO „einen nuklearen Holocaust“ an. Mit dieser Wortwahl verharmlost der Bandbreite-Frontmann den historischen Holocaust, die systematische, industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Dieses singuläres Ereignis, einzigartig in der Geschichte, lastet er der NATO an, die er solch eines ungeheuren Verbrechens beschuldigt.

Mit solchen Thesen könnte die Band auch auf der Veranstaltung in St. Moritz gepunktet haben. Von der gemeinsamen Veranstaltung mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ haben die Leser_innen des DKP-Blatts allerdings nichts erfahren.

Verschwörungsrapper auf dem Pressefest

Im zweijährlichen Rhythmus organisiert die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ein Festival, das nach der Parteizeitung Unsere Zeit (UZ) benannt ist. Zur siebzehnten Auflage dieses Pflichttermins für deutsche Sozialisten werden wieder tausende Menschen erwartet. Hier kommen die „Genossen“ – aus dem orthodoxen dogmatischen  Spektrum – in einer rot-getünchten Parallelwelt zusammen, um Würstchen zu futtern und Arbeiterlieder zu grölen.

Der Jugendverband der Partei, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), organisiert auf dem Pressefest eine Art Jugendbereich, der auf den merkwürdigen Namen „Schweinegeile Bucht“ hört. Wie auf dem Rest des Pressefestes, das vom 24. bis zum 26. Juni 2011 im Revierpark Wischlingen (Dortmund) stattfinden soll, wird auch dort gesoffen und gesungen. Gesungen und gesoffen wird auch anderer Stelle: Der Liedermacher Hannes Wader, Klaus – der Geiger und die Bots waren schon da, um auf der großen Hauptbühne Arbeiterlieder und anderes Liedgut zu intonieren.

Dieses Jahr wird aber auch die Band „Die Bandbreite“ erwartet, die zuletzt auf dem „Kongress der Unabhängigen Medien“ aufgetreten ist: Nach diesem Auftritt auf dem Treffen der reaktionären „Infokrieger“ und „Truther“, die sich die Verklärung der Realität zur Aufgabe gemacht haben, wird die Band für die Deutsche Kommunistische Partei ans Mic treten.

Auf dem UZ-Pressefest wird eine Musik-Combo auftreten, die zum Beispiel einen WM-Song produziert hat, in dessen Video sich die Mitglieder der Band mit schwarz-rot-goldenen Fahnen für den deutschen Jubel-Nationalismus positionieren. Ein anderes Lied bezeichnet vermeintliche oder tatsächliche „Antideutsche“ als Faschisten. Aktuell rappt der Frontmann der „Bandbreite“ in einem Lied des sexistischen Rappers „PunchBob“ über vermeintliche Zusammenhänge, die er zwischen „Gesichtern und Sperma“ konstruiert.

Ansonsten ist der „Bandbreite“-Sänger Marcel Wojnarowicz unter anderem für die „Willi Weise Bewegung“ des antisemitischen Zinskritikers Otto Friedrich Schönbeck – auf dessen Wahlliste auch rechte „Reichsbürger“ kandidierten – angetreten. Aufgetreten ist die Band unterdessen auch auf Veranstaltungen und Aufmärschen des „Linksnationalisten“Jürgen Elsässer.

Das hat verschiedene „linke“ Organisationen, wie die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) nicht davon abgehalten, der Band immer wieder zu huldigen: „Diese Jungs sind einfach zu gut“, urteilte beispielsweise Jane Zahn in einer Ausgabe der Partei-Zeitschrift „Unsere Zeit“.

Es gibt allerdings auch ideologische Überschneidungen: Wie die Mitglieder der Band bezeichnen Theoretiker der Partei „Antideutsche“ als Teil der „Neuen Rechten“. Mit Songs, in denen „Antideutsche“ und „Antinationale“ als Faschisten diffamiert werden, dürfte die Parteibasis also durchaus zu erreichen sein.

Dass die Band sowohl für den „Linksnationalisten“ Jürgen Elsässer, für die organisierten reaktionären Verschwörungsideologen von „Infokrieger-News“, auf Ballermann-Events und für verschiedene „linke“Organisationen zur Verfügung steht, sollte nicht überraschen. Sie sind durch gemeinsame Feindbilder geeint. Im Antiamerikanismus sind die Band, die gegen „Mr. Bush“ ansang, und die Partei, die sogar einen „Bushismus“ ausgemacht habe wollte, einig. Der Auftritt der Verschwörungsrapper ist aus dieser Sicht nur konsequent. Er zeigt allerdings den ideologischen Zustand der deutschen Sozialisten, die sich in der DKP organisiert haben, deutlich auf.

Gänse-Holocaust

In der aktuellen Ausgabe der stalinistischen Kleinzeitschrift „Offensiv“ findet sich ein Artikel eines ehemaligen Mitglieds der „Deutschen Kommunistischen Partei“ (DKP), der sich mittlerweile der „Kommunistischen Initiative“ (KI) zugehörig fühlt. Eigentlich geht es um den üblichen Sekten-Kleinkrieg zwischen und in den beiden Gruppen, doch am Rande berichtet der Autor auch über den Wahlkampf einer DKP-Ortsgruppe in Nordrhein-Westfalen, die das „Gänse-Morden am Unterbachersee“ beenden wollte. Dazu benutzte die Ortsgruppe, wenn man dem Ex-Mitglied glauben will, auch die Phrase vom „Holocaust“ an den Tieren. Sie betrieb auf diese Art und Weise eine ungeheure Verharmlosung der Shoa, die ansonsten bei obskuren Organisationen wie „Peta“ beliebt ist:

„Eines Tages erschienen in dem Stadtbild aber noch andere Plakate unserer DKP: ‚Stoppt das Gänse-Morden am Unterbachersee‘. In der Nähe der Stadt gab es einen See, der aufgrund des Gänsekots umzukippen drohte und vor allem junge und alte Menschen gesundheitlich gefährdete. Um dies zu vermeiden, sollten einige wenige Gänse geschossen werden. Dieses ‚Morden‘ wurde nun zu einer der Hauptangelegenheiten der DKP. (…) Die Höhe war die Betitelung ‚Gänse-Holocaust‘“.