Schlagwörter: Elsässer

Der Ziegelphysiker

An der Reisegruppe, die am 27. April 2012 vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur„Privataudienz” empfangen wurde, waren nicht nur Verschwörungsideologen und der FDP-Landtagskandidat Claus Hübscher beteiligt. Ein Ziegelphysiker reiste zur „Privataudienz”.  Die Rede ist von Konrad Fischer, der aus seinem Heimatort, dem oberfränkischen Hochstadt am Main, nach Teheran reiste.

Der 1955 geborene Fischer vertritt, laut dem kritischen Internetlexikon Esowatch, eine „Außenseiter-Ansicht zur Physik der Wärmedämmung”. Auf seiner Internetseite empfiehlt der Verschwörungsideologe, der in der Öffentlichkeit als „Architekt und Gutachter” in Erscheinung tritt, verschiedene Berichte des iranischen Regimes, in denen über die Audienz beim Antisemiten berichtet wird. Die dazugehörigen Fotos zeigen auch ihn beim Händedruck mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.

Der Ziegelpysiker ist ansonsten ein gefragter Interview-Partner des Bayerischen Rundfunks. Dort äußert er sich vor allem zu den Risiken der Wärmedämmung und spricht über Photovoltaikanlagen.

Seine sonstigen Theorien werden durch seine eigene Internetseite deutlich, auf der Fischer im homophoben Jargon über„Schwulerei mit Minderjährigen” schreibt, für die er die „Mächtigen” verantwortlich macht. Außerdem empfiehlt Fischer dort unterschiedliche Bücher, die vor allem in verschiedenen Verlagen der rechten Szene erscheinen.

Auf seiner Internetseite bewirbt er zum Beispiel ein Buch des Claus Nordbruch. Dieser bekennende Apartheids-Freund lebt in Südafrika, von dort hält er enge Kontakte in die deutsche Nazi-Szene und beliefert sie mit Artikeln, die unter anderem in der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme” erscheinen.

In den Buchempfehlungen des Konrad Fischer finden sich Werbung für weitere Machwerke, die in den Verlagen der deutschen Nazi-Szene erschienen sind. Die Hetzschrift „Der geplante Krieg: Churchills Verschwörung gegen Hitlers Deutschland”, die in der nationalsozialistischen Verlagsgesellschaft Berg erschienen ist, wird von Fischer ebenfalls empfohlen: „Churchill als Galionsfigur eines perversen Netzwerks zur Auslösung des zweiten Weltkriegs und Vernichtung Deutschland”, bewirbt Fischer dieses Buch — ganz geschichtsrevisionistisch — auf seiner Internetseite.

Dort findet sich auch Werbung für weitere geschichtsrevisionistische Nazi-Propagaganda, mit denen die Kriegsschuld Deutschlands geleugnet wird. Konrad Fischer bedient sich hier eines unglaublichen antisemitischen Jargons. Er schreibt vom damaligen Premierminister „Churchill und seiner jüdischen Freundes– und Emigrantenschar”, die er als „scharende Kriegstreiber” bezeichnet.

Einige der von Fischer beworbenen Bücher sind im „Grabert-Verlag” erschienen, der die Naziszene ebenfalls mit Propaganda beliefert. Mehrfach wurden Bücher aus dem Verlagsprogramm wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung Verstorbener eingezogen oder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert. Fischer empfiehlt auf seiner Internetseite außerdem die„manchmal durchaus lesenswerte Kommentare in der National-Zeitung von Dr. Gerhard Frey”. Es handelt sich um eine weitere Zeitung für deutsche Nationalsozialisten.

Der Ziegelphysiker Konrad Fischer empfiehlt allerdings nicht nur Bücher und Zeitungen der extremen Rechten, sondern auch andere Machwerke. So zum Beispiel ein Buch des Verschwörungsideologen Jürgen Elsässer, mit dem sich Fischer gerade in den Iran begeben hatte. Fischer garniert seine Buchempfehlung mit einigen eigenen antisemitischen Tiraden. Er schreibt vom „bluttriefenden zionistisch-faschistischen Israel” und konstruiert „USraelische Netzwerke gegen den Iran”. Die Chiffre von „USrael” wird ansonsten gerne von Nationalsozialisten genutzt.

Es ist eine antisemitische Sprache, die auf der Internetseite des Ziegelpyhsikers verwendet wird. Fischer warnt hier vor „mächtigen Juden” und „Globalheuschrecken”, seinesgleichen sieht er als „Sklaven, Halbaffen und Schabbesgojim”, die von „Usrael” unterdrückt werden.

Fischer ist, da besteht nun wirklich nicht der geringste Zweifel, ein fanatischer Antisemit. Dies wird auch durch seine Verharmlosung des Holocaust deutlich, den er mit angeblichen israelischen Verbrechen gleichsetzt. Außerdem macht er Jüdinnen und Juden für den grassierenden Antisemitismus verantwortlich. Die „Palästinenser” seien einer „genozidgleichen Holocausterei” ausgesetzt, dies würde „einen neuen weltweiten Antisemitismus geradezu” erzwingen. Dies sind nur einige Beispiele für den Antisemitismus des Ziegelphysikers, den dieser auf seiner Internetseite propagiert.

Wahrscheinlich trieb ihn dieser Antisemitismus nach Teheran. Er reiste gemeinsam mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer, dem Verschwörungsideologen Gerhard Wisnewski, dem „Arbeiterfotografie”–Aktivisten Andreas Neumann, dem FDP-Landtagskandidaten Claus Hübscher und dem „Muslim-Markt”–Bereiber Yavuz Özoguz in den Iran.

Dort trafen sie gemeinsam, während einer „Privataudienz”, auf den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Zurück in Deutschland wird Fischer wahrscheinlich wieder als „Architekt und Gutachter” auftreten und eventuell dem Bayerischen Rundfunk Interviews über Wärmedämmung und Photovoltaikanlagen geben. Außerdem wird er sicherlich weiterhin Bücher aus den Verlagen der deutschen Nazi-Szene empfehlen. Auf seiner Internetseite wird er obendrein die unverhohlene antisemitische Hetze betreiben. Die Reise in den Iran und den Besuch beim antisemitischen Präsidenten wird er, wie die anderen Teilnehmer, sicherlich in guter Erinnerung behalten.

Partei des Verschwörungsideologen

Am 13. Mai 2012 wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Außer den bekannten Parteien treten auch verschiedenere kleinere Parteien an. Um Stimmen buhlt die „Familien-Partei Deutschland”, die sich im anti-feministischen Jargon gegen „Aktivisten des Gender Mainstream” ausspricht und nach eigenen Angaben weder „weder cool noch sexy” ist.Im Saarland kam das gut an. 1,7 Prozent der Wähler_innen machten ihr Kreuz bei der „Familien-Partei”, die damit sogar die FDP übertrumpfte. Am 13. Mai  erhofft sich die Partei ganz ähnliche Ergebnisse.

Davon träumt allerdings auch eine weitere Partei. Die „Partei der Vernunft”(PDV) möchte am liebsten das Erbe der FDP antreten. Dabei hofft sie auf die Stimmen von Verschwörungsaktivist_innen und neoliberalen Kleinbürger_innen. Die kleine Partei, zu deren Wahlparteitag gerade einmal 31 Mitglieder erschienen, buhlt außerdem um die Unterstützung von Europa-Hasser_innen, deutschen Pazifist_innen und Antikommunist_innen.

Die Gruppierung wurde am 30. Mai 2009 in Hambach gegründet. Die Idee stammte vom Parteigründer und Bundesvorsitzenden Oliver Janich, der zu dieser Zeit als Autor für den „Focus-Money” arbeitete. Dort schrieb er gegen den „Klimaschwindel” an und veröffentlichte ein großes Spezial, mit dem die Ideen der Verschwörungsszene beworben wurden. Hier ging es um die Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001. In einer seiner weiteren Kolumnen drohte er auch mit der Gründung einer „Partei der Vernunft”, die er in mehreren Ausgaben des Focus-Ablegers bewarb, bis die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelte, weil er Aktien von mindestens einem Start-up-Unternehmen angepriesen und so mitgeholfen haben soll, den Kurs nach oben zu treiben.

Seit der Parteigründung ist Janich vor allem als Bundesvorsitzender aktiv. Seine Theorien bewirbt der umtriebige Parteivorsitzende unter anderem auf den Veranstaltungen der „Truther” und „Infokrieger”. Im letzten Jahr war er Teilnehmer einer Veranstaltung gegen das „Bilderberger”–Treffen in der Schweiz. Dort saß er gemeinsam mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer auf der Bühne, um die Verschwörungsfans mit Verschwörungsmythen zu begeistern.

Janich ist ein gefragter Interview-Partner für die verschwörungsideologische Internetseite „Infokrieg.tv”. Auf dieser Internetseite werden die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds” ebenso umgedeutet wie der mörderische Terror der al-Qaida. Der Terror wird dort zum „Inside Job” staatlicher Institutionen gemacht. Vom „Inside Job“ ist auch Janich überzeugt, deswegen mobilisierte er mit einem Online-Aufruf zu einem Aufmarsch von Anti-Amerikaner_innen, die zum zehnten Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 durch Karlsruhe marschierten.

Diese Positionierung des Parteivorsitzenden findet sich auch im aktuellen Parteiprogramm der „Partei der Vernunft”. Dort wird eine „unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom 11. September“ sowie „eine Gerichtsverhandlung vor einem unabhängigen Gericht“ gefordert.  Es handelt sich um eine zentrale Forderung der „Truther“ und „Infokrieger“, die im Programm dieser Partei zu finden ist. Kein Wunder, dass sich auch einige bekanntere Verschwörungsaktivisten für die kleine Partei engagieren. Da wäre zum Beispiel „Kilez More“, der am  24. November 2011 auf einer Parteiveranstaltung in München auftrat. Dieser Verschwörungsrapper reimt, zur Freude der Partei-Mitglieder, über „Iluminaten“, die für ihr „Volk” an einer„Weltregierung“ arbeiten würden.

Im Parteiprogramm finden sich nicht nur verschwörungsideologische Forderungen. Die „Partei der Vernunft“ steht für die totale Abschaffung des verbliebenen Sozialstaats. Die Partei fordert einen „vollständig flexibilisierten Arbeitsmarkt“ und eine „Aufhebung des Kündigungsschutz“. Die Rente soll abgeschafft werden. Die Bürger_innen sollen sich „privat gegen alle Unglücke des Lebens und für das Alter abzusichern“, heißt es im Parteiprogramm.

Migrant_innen soll das Leben in Deutschland weiter erschwert werden. Diese sollen „erst nach zehn Jahren Arbeit“ die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben können und auch erst dann durch die Sozialsysteme berücksichtigt werden. Außerdem spricht man sich gegen bestimmte Kriegseinsätze aus. Das Ziel ist offensichtlich: Auf diese Weise sollen friedensbewegte Deutsche und andere Anti-Amerikaner_innen von den Zielen der Partei überzeugt werden. Auf dem „Friedensfestival” im Jahr 2011 polemisierte der Parteivorsitzende Janich auf dem Alexanderplatz in Berlin Agegen amerikanische Kriege und „Geldverleiher”, die bereits von Jesus aus dem Tempel geworfen worden wären.

Im Parteiprogramm und in den Reden des Verschwörungsideologen Oliver Janich lassen Thesen entdecken, die an die strukturell antisemitische „Zinskritik“ eines Silvio Gesell und die „libertäre”Propaganda des Ron Paul erinnern. Im Parteiprogramm wird von der „Geldschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts“ geschrieben und vor einem „ungedeckten Papiergeldsystem“ gewarnt. Stattdessen will sich die Partei für „alternative Geldsysteme wie die Regiogelder“ einsetzen.

Dazu passt die paranoide Angst vor dem Euro. Die Partei organisierte mehrere Kundgebungen gegen den „Euro-Wahn“. In Berlin marschierten Parteimitglieder unter anderem am 14. Mai 2011 vor dem Reichstag auf. Als Redner war der verschwörungsideologische Querfrontler Jürgen Elsässer eingeladen worden, der „Linke“, „Rechte“ und„Religiöse“ zu einer großen deutschen Gemeinschaft vereinen möchte. In seiner Rede warnte Elsässer vor einer „Diktatur der Kommissare“.

Die „Partei der Vernunft“ (PDV) sieht in der Europäischen Union gar eine drohende „EUdSSR“ und macht mit derartiger antikommunistischer Paranoia eine anti-europäische Politik. Dies geschah zum Beispiel auf der 26. Mitgliederversammlung der AUNS („Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz“). Dort sprach sich das PDV-Bundesvorstandsmitglied Norbert Geng gegen die angeblich drohende „EUdSSR“ aus. Seine Brandrede wurde vom AUNS-Vorsitzenden Pirmin Schwander eifrig beklatscht. Dieser sitzt außerdem für die rechtspopulistische „Schweizer Volkspartei“ (SVP) im Nationalrat, er trat im auf einer Veranstaltung gegen die „Bilderberg-Konferenz“ auf, die unter anderem von der antisemitischen Internetseite „Alles Schall und Rauch“ organisiert wurde.

Der Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen muss allerdings ohne derartige prominente Unterstützung auskommen. Es sind die fünf Listenkandidat_innen und einige Partei-Kader, die den Wahlkampf der „Partei der Vernunft“ unterstützen, ein Wahlprogramm wurde bisher nicht veröffentlicht. Auf Listenplatz Eins tritt der Unternehmensberater Dieter Audehm an. Um sich die Stimmen der „Truther“ und „Infokrieger“ zu sichern, gab er dem Internetportal „Infokrieg.tv“ ein ausführliches Interview. Dieses Interview für die Verschwörungswebsite wird nun über die Homepage des Landesverbandes verbreitet. Ansonsten wird die Kandidatur des Dieter Audehm vor allem über soziale Netzwerke beworben, ganze 45 Personen begeistern sich dort zur Zeit für den Spitzenkandidaten.

Über die anderen Landtagskandidat_innen ist noch weniger bekannt. Der Wahlkampf wird vor allem über eine mehr als unpersönliche Facebook-Seite geführt. Außerdem wurde ein Wahlwerbespot finanziert, der die Wähler_innen mit kleinen Kindern umwirbt. Auf der Facebook-Seite findet sich eine der wenigen inhaltlichen Positionierungen.

Die Seite veröffentlichte eine Rede des Dieter Ber, der zumindest zeitweilig im Bundes– und im Landesvorstand der Partei aktiv war. Ber stellte die Behauptung auf, dass im Bundestag „Pläne geschmiedet“ würden, die ihn an die „Planwirtschaft der Kommunisten“ erinnerten und warnte im antikommunistischen Jargon vor einer „ökoszialistischen, planwirtschaftlichen Wohlfühldiktatur“. In der „Klimapolitik“ sah er „Blasphemie und Götteslästerung“, für die Klimaerwärmung machte er Vulkane verantwortlich. Ber behauptete, dass es eine „langfristige Strategie der Kommunisten“ gebe, mit denen alle anderen Parteien unterwandert werden würden, die einzige Alternative sei die „Partei der Vernunft“.

Mit anti-europäischen, verschwörungsideologischen und antikommunistischen Forderungen wird nun auf Stimmenfang gegangen. Es werden auch „Truther“ und „Infokrieger“ sein, die am 13. Mai ihr Kreuz bei der „Partei der Vernunft“ machen werden. Die Partei hofft auf einen Achtungserfolg, auf den sie aufbauen kann. Ob dieser Wunsch allerdings in Erfüllung geht, wird sich erst in wenigen Wochen zeigen.

Zusammenkunft der Querfrontler

Nachdem eine Mail des RBB-Radiomoderators Ken Jebsen veröffentlicht worden war, verlor dieser — nach einiger Zeit — tatsächlich seinen Job. Jebsen hatte in der Mail unter anderem geschrieben, dass er wissen würde, „wer den holocaust als PR erfunden hat”.

Jebsen machte hier den jüdischen Autoren Edward Bernays verantwortlich. Außerdem betrieb Jebsen, der sich an anderer Stelle als „Überzeugungstäter”bezeichnet, anti-amerikanische Verschwörungspropaganda. Jebsen schrieb im Rahmen einer sehr deutschen Schuldumkehr: „ich weiß, wer während des gesamten Krieges Deutschland mit Bombersprit versorgt hat. Standardoil, also Rockefeller”.

Zuvor hatte der Radiomoderator Jebsen, mit ganz ähnlichen Inhalten, im Radio Fritz des RBB eine Marktlücke gefüllt. Er machte jahrelang Radiosendungen für Verschwörungsfans: Dank der Umdeutung des 11. Septembers 2001, der Konstruktion angeblicher „Eliten” und einer unverhohlene Hetze gegen die USA und Israel war Jebsen zu einer kleinen Ikone des verschwörungsideologischen Milieus avanciert, ohne dass sich die Programmverantwortlichen des staatlichen Rundfunksenders an der Sendung störten.

Dort war, im Zusammenhang der mörderischen Terroranschläge vom 11. September 2001, von der „Terrorlüge” die Rede, die Terrororganisation Al-Qaida wurde als „Unabhängkeitsorganisation” bezeichnet. Jebsen forderte außerdem ein durch Is­ra­el ge­schaf­fe­nes Yad Vas­hem in „Pa­läs­ti­na“, das „all der pa­läs­ti­nen­si­schen Opfer ge­denkt, die durch is­rae­li­sche Be­sat­zung um­ge­kom­men sind“. Ein „zu­kunf­ti­ger is­rae­li­scher Prä­si­dent“ solle dort nie­der­kni­en, „wie einst Willy Brandt“ in War­schau. Mit dieser Forderung verharmloste Jebsen das deutsche Menschheitsverbrechen, während er gegen Israel hetzte.

Ken Jebsen propagierte Ressentiments, die in Deutschland weit verbreitet und mehrheitsffähig sind. Daher wurde, im vergangenen Jahr, die Absetzung seiner Sendung durch empörte Artikel und einen Shitstorm seiner Groupies begleitet. Der Blogger Jacob Jung schrieb beispielsweise auf der Internetseite des linksliberalen Freitag ein Loblied auf Ken Jebsen, der angeblich „auf das Leiden von Verfolgten und Armen aufmerksam” machen würde. Auf einer Website der Verschwörungsszene wird das Bild eines „engagierten und kritischen Journalisten” gezeichnet und auf verschiedenen Nazi-Seiten werden die Sendungen des Radiomoderatoren bis heute gefeiert.

Der Radiomoderator, zu dessen Kennzeichen ein ratternder, äußerst schneller Sprachstil gehört, hatte letztendlich seinen Job beim öffentlich-rechtlichen RBB, nicht aber seine Fans verloren. So ist es nicht verwunderlich, dass Jebsen weiterhin krude Verschwörungsmythen verbreitet, zwar nicht mehr im RBB, aber auf seiner Internetseite, mit zahlreichen YouTube-Filmchen und in den Zeitschriften des verschwörungsideologischen Mileus.

Auf seiner Internetseite umwirbt Jebsen seine Fans. Diese sollen einen Jahresbeitrag von 20 Euro bezahlen, um weiterhin mit den Sendungen versorgt zu werden: „Wir verstehen uns als euer Sprachrohr, und wir wollen diese Aufgabe auch in der Zukunft für euch aufgreifen”, heißt es auf der Internetseite des ehemaligen RBB-Moderatoren. Bislang seien etwa 10.000 Euro angegangen, sagt Jebsen in einem Video, mit dem er um die Kohle seiner Hörer_innen bettelt, damit sie ihm seinen Süd-Amerika-Trip finanzieren. Apropos Kohle: In einem seiner neueren Videos zur „Geldsendung” kommt Franz Hörmann ausführlich zu Wort. Für diesen Professoren ist „die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus nicht endgültig geklärt”.

Während Ken Jebsen seine Zielgruppe umwirbt und um Geld bettelt, meldeten sich auch andere zu Wort, die dem Verschwörungsideologen einige Angebote machten. So veröffentlichte die Anti-Feministin Eva Herman, die für den rechten Kopp-Verlag schreibt, einen Offenen Brief.

In diesem Brief stellte die anti-feministische Ikone  einige Gemeinsamkeiten mit der verschwörungsideologischen Ikone her. Sie zog eine Traditionslinie, die Jebsen mit anderen rechten Propagandisten verbindet. Herman erinnerte an Martin Hohman, Jürgen Möllemann und sich selbst. Außerdem bettelte sie um ein Interview und umwarb den ehemaligen RBB-Moderatoren mit warmen Worten:

Halten Sie durch, Herr Jebsen, Sie sind nicht alleine. Auch wenn Sie durch schwere Zeiten müssen, so scheint doch schon das Licht am Ende des Tunnels. Noch vor kurzem hätte dies auch die entgegenkommende Lokomotive sein können, doch jetzt gibt es berechtigte Hoffnung auf Erholung: Die Zeit der Wahrheit naht.

Auf diesen Offenen Brief reagierte der Radiomoderator nicht. Dafür stellte er sich einige Monate später einem Querfrontler zur Verfügung, der ebenfalls an der Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001 arbeitet. Es handelt sich um den Anti-Antideutschen Jürgen Elsässer, der mit seinem Compact–Magazin in etwa das betreibt, was Ken Jebsen in seiner Radiosendung machte Beide propagieren die Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001.

Für das Compact–Magazin schreiben verschiedene Verschwörungsideologen, wie zum Beispiel der ehemalige Aktivist der antisemitischen BÜSO, Webster Tarpley. Dieser macht Geheimdienste, von CIA bis zum MOSSAD, für verschiedene Revolten, von 1968 bis 2011, verantwortlich. Im Compact–Magazin kam auch Stephan Steins zu Wort, der ansonsten eine Internetseite namens „Die Rote Fahne” betreibt, auf der der Tod des greisen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß umgedeutet wird.

Am Compact-Magazin beteiligt sich nun auch Ken Jebsen. In der aktuellen Ausgabe vom April 2012 findet sich ein ausführliches Interview mit dem ratternden Radiomoderatoren. Doch damit nicht genug. Elsässer kündigt außerdem eine gemeinsame Veranstaltung an. „Ken Jebsen, ein rhetorisches Maschinengewehr, wird aus seinen Texten lesen und anschließend mit mir über politische Zensur in deutschen Medien diskutieren”, heißt es auf der Internetseite des Jürgen Elsässer.

Ken Jebsen ist also dort angekommen, wohin es ihn schon immer zog. Er wird, am 12. April 2012 im Viethaus Berlin, mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer auftreten, um seine kruden Verschwörungsmythen zu propagieren.

Vielleicht wird Jebsen dort auch darüber sprechen, wer „den holocaust als PR erfunden hat”. Der Beifall des Querfrontlers und seiner Anhänger, unter ihnen auch der NPDler Uwe Meenen und die nationalistische Rapperin Dee Ex, die regelmäßig die Compact–Veranstaltungen  besuchen, dürfte ihm gewiss sein.

Bye Bye Occupy!

Occupy? Was war das noch? Erinnert sich noch jemand? Am 15.10.2011 gingen Zehntausende in Deutschland auf die Straße. „Wir sind die 99 Prozent“, lautete eine mehr als selbstbewusste Parole der Demonstrant_innen. „Wir sind das Volk“ war eine andere Parole, die deutlich machte, dass die Demonstrant_innen an einen mehr als fragwürdigen Volksbegriff anknüpften. Nach den Demonstrationen entstanden in verschiedenen Städten kleinere Zeltlager, in denen die protestierenden Kleinbürgerinnen und Kleinbürger zusammenkamen, um als neue Wandervögel auf sich aufmerksam zu machen.

Zumindest dies ist ihnen zeitweilig gelungen: Es gab begeisterte Presseberichte über die Camps und Aktionen der selbsternannten „Bewegung“: „Hundetausende gegen das Kapital“, jubelte die TAZ, die Bild-Zeitung schrieb vom nackten Protest gegen die Banken. In verschiedenen Fernsehtalkshows durften sich die Sprecher der „Occupy-Bewegung“ darstellen und wurden als freundliche, friedliche und faszinierende Deutsche inszeniert, die eine berechtigte Kritik formulieren würden. „Das ist eine richtige Volksbewegung geworden“, jubelte Maybritt Ilner im ZDF. Doch die genaueren Inhalte, die viele Aktivist_innen vertreten wurden nicht näher thematisiert.

Viele Occupy-Aktivist_innen stammten aus dem verschwörungsidelogischen Milieu der „Truther“ und „Infokrieger“. Einige bezogen sich auf die antisemitische und geschichtsrevisionistische Zeitgeist-Film-Reihe. In diesen Verschwörungsfilmen wird eine geheime Elite konstruiert, die die Welt beherrschen würde. Eine derartige Denkweise war auch Grundlage der „Occupy-Bewegung“; die von den 1 Prozent sprach, die sie für alles Unrecht der kapitalistischen Vergesellschaftung verantwortlich machte. Als „Elite“ wurde auf den Aktionen der „Occupy-Bewegung“ wahlweise „Bankster“, „Politgangster“ oder gar das Bilderberger-Treffen ausgemacht. Verschwörungsideologen propagieren tatsächlich, dass auf diesem Treffen über die nächsten Schritte der angeblichen „Elite“ entschieden wird. Etwa wer der nächste Bundeskanzler sein wird. Aktuell wird dies dem Sozialdemokraten Peer Steinbrück nachgesagt.

Die „Occupy-Bewegung“, in der derartige Theorien Gang und Gäbe waren, war vor allem eine Sammlungsbewegung aus wütenden Kleinbürger_innen und ebenso wütenden Verschwörungsfans. Sie war aber auch eine Bewegung, die nach ganz Rechtsaußen offen war: Rechtspopulisten verschiedenster Kleinst-Parteien in Frankfurt, Querfrontler wie Jürgen Elsässer in Berlin oder Holocaustleugner in Düsseldorf wurden von der „Occupy-Bewegung“ mindestens geduldet. Auf ihren Demonstrationen, die sie selbst Märsche nannten, konnte man ohne Mühen antisemitische Hetze, nationalsozialistische Phrasen und wütende Vernichtungsphantasien entdecken: Henry Ford, der nicht nur Autos produzierte, sondern auch antisemitische Hetze wie das Buch „Der internationale Jude’“ veröffentlichte, war eine oft zitierte Person innerhalb der „Occupy-Bewegung“. Im NS-Jargon war dort von „Zinsknechtschaft“ die Rede, auf der großen Occupy–Demonstration in Berlin waren Galgen auf Schildern zu sehen, die einige Aktivisten gebastelt hatten. „Eine Welt ohne 1 Prozent ist nötig“, hieß es auf einem anderen Schild.

Den Soundtrack zur Bewegung lieferte die verschwörungsideologische Band „Die Bandbreite“, die einige Märsche beschallte. In ihren Liedern geht es ganz verschwörungsideologisch zur Sache: Die USA werden nicht nur für die Anschläge des 11. September 2001, sondern auch für den Angriff auf Pearl Harbour verantwortlich gemacht. In ihrem aktuellen Album ist die anti-feministische Ikone Eva Herman zu hören, dort ist ganz verschwörungstheoretisch von der „Aids-Lüge“ die Rede. Das Lied „Was ist los in diesem Land“, in dem gegen „Schmarotzer“ und „Bonzen“ angesungen wird, schallte aus den Lautsprecherboxen in Berlin und in Frankfurt. „Mama weiß nichts mehr wie es weitergeht“, jammerte die Band dort. Dieser werfen Antifaschist_innen seit langem „sexistische, antisemitische und NS-relativierende Songtexte” vor, sie durfte trotz alledem auf den Demonstrationen und Aktionen der „Occupy-Bewegung“ auftreten.

Mit dem Winter schwand auch das Interesse an der „Bewegung“, die so hoffnungsvoll begonnen hatte. Am 15.01.2012 wollte man erneut auf die Straßen der Bundesrepublik gehen. Doch aus zehntausenden wurden tausend, wie zum Beispiel in Berlin. Aus tausend wurden ein paar hundert, wie zum Beispiel in Dresden. Es folgte kein Katzenjammer, denn die Aktivist_innen der Bewegung sind davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die 99 Prozent aktiv werden. So planen sie die nächsten Aktionen und werden wohl weiterhin aktiv sein.

Doch eines scheint nun sicher: Die „Occupy-Bewegung“ wird als kleine Polit-Sekte enden, die weiterhin gegen die 1 Prozent mobil macht. Die Aktivist_innen der selbsternannten „Bewegung“ werden allerdings weiterhin, auch in neuen Zusammenhängen und Strukturen, an der verschwörungideologischen Verklärung der Realität arbeiten. Sie werden weiterhin den Mythos von der angeblichen Elite propagieren, die für den Kapitalismus verantwortlich gemacht wird. Das Occupy-Label wird dann nicht mehr benutzt werden, sehr wohl aber die dahinterstehende regressive Ideologie.

Diese Kolumne war in der Antifa-Rubrik des Radio-Corax zu hören. Sie kann hier heruntergeladen und angehört werden.

Der Querfrontler und der Occupy-Aktivst

Nun hat sie also stattgefunden. Die Veranstaltung des Querfrontlers Jürgen Elsässer, der „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zu einer großen Gemeinschaft vereinen möchte, ging am 03.11.2011 im Viethaus in Berlin Mitte über die Bühne. Neben Elsässer und seinem Kompagnon, dem Verschwörungsideologen Oliver Janich, saß auch ein Vertreter von Occupy-Berlin auf dem Podium, um die „Bewegung der Empörten“ zu bewerben.

Eigentlich wollte der Occupy-Aktivist Florian Raffel, der sich als „Presseansprechpartner“ präsentiert, auf dem Podium sitzen, doch der hatte „aus Zeitgründen“ abgesagt und diese Absage mit einer Einladung an den Querfrontler verbunden:

ich möchte hiermit Abstand nehmen, an Ihrer Po­di­ums­dis­kus­si­on teilzunehmen. Ich bin in Arbeitsgruppen so ein­ge­bun­den, dass ich lei­der zeit­lich kür­zer tre­ten muss und bis auf wei­te­res erst­mal keine Zeit für wei­te­re In­ter­views habe. (…) Bitte neh­men Sie di­rekt Kon­takt mit der Asam­blea auf. Täg­lich um 17 Uhr und spre­chen Sie di­rekt zur Grup­pe.

Vor der Veranstaltung war es innerhalb der Occupy-Gruppe zu einer Debatte über Jürgen Elsässer gekommen. Die meisten Teilnehmer dieser Diskussion, die sich im E-Mail-Verteiler der Occupy-Gruppe zu Wort meldeten, erklärten ihre Sympathien für den Querfrontler: „Die ‚Rechtskeule‘ scheint immernoch ein geeignetes Instrument um zu verunglimpfen“, erläuterte ein Teilnehmer. „Der soll doch einfach mitmachen“, forderte ein anderer. „Auch wir haben Überschneidungen mit den Zielen der Nazis“, wurde von einem Occupy-Aktivisten, der „kritisch und tollerant“ bleiben wollte, festgestellt. „Laß die Rechten kommen, ich rede mit jedem“, lautet seine Schlussfolgerung.

Ein weiterer Teilnehmer schrieb ein langes Pamphlet. Dort warnte er vor einer „tatsachenverdrehenden und polemischen antideutschen zugewandten Berichterstattung“, er wolle weiterhin „kritische fragen zu 9/11″ stellen und sich mit „angeblichen Pseudowissenschaften“ beschäftigen. Ein anderer Teilnehmer fühlte sich unterdessen von Verschwörungsfreaks umgeben: „Ich bin mir natürlich bewusst, dass es in der Occupy-Bewegung (…) einen nicht zu vernachlässigenden Anteil von Verschwörungstheorie-Alles-Schall-und-Rauch-Truther-Inside-Job-Propagandafront-Infokrieg-Ron-Paul-Spinnern gibt“, klagte er.

Prompt fühlte sich ein weiterer „Occupy“-Aktivist zu einem Outing berufen: „Ich vertrete diese und jene Theorie einer Verschwörung“, schrieb er stolz. Ein anderer Teilnehmer warnte vor „Hetze in der Mailinglist“ und empfahl die Szene-Seiten des verschwörungsideologischen Milieus zur Informationsbildung. Außerdem verteidigte er den Nationalismus dieses Mileus: „Nationalismuss ist kein verbrechen. Das hat mit Ängsten und Werten zu tun“, schrieb er. Nach diesen Zuwortmeldungen wurde die Debatte auf der Mailingliste beendet.

Daher war es wirklich nicht verwunderlich, dass am 03.11.2011 ein Occupy-Aktivist neben Oliver Janich und Jürgen Elsässer auf der Bühne saß, um seine „Bewegung“ zu bewerben. Für Occupy-Berlin saß Bastian Menningen auf dem Podium, der vom Querfrontler Elsässer als Aktivist beworben wurde, „der auch immer vor dem Reichstag und bei anderen Aktionen dabei ist“.

Außer diesen Personen saß Karl Feldmeyer auf der Bühne, ein „eher konservativ gestrickter Zeitgenosse“, der Mitinitiator der Seite „Abgeordneten-check.de“ ist. Der gelegentliche Autor der „Jungen Freiheit“ kam als erster zu Wort und feierte prompt den CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler, für den er „besondere Achtung“ empfinden würde. „Der ist tot, es sei denn er schafft es, Parteivorsitzender zu werden“, orakelte Feldmeyer. Außerdem fürchtete er sich vor einem angeblichen „Masterplan“, der einen „europäischen Zentralstaat“ mit einer „anonymen Kommission“an der Spitze hervorbringen würde,

Nun durfte Oliver Janich, Vorsitzende der Partei der Vernunft (PdV), seine Organisation bewerben. Elsässer ist ein gern gesehener Redner auf den Kundgebungen der Partei, die in den verschwörungsideologischen Kopp-Nachrichten begeistert beworben werden. In deren Par­tei­pro­gramm wird eine „un­ab­hän­gi­ge Un­ter­su­chung der Er­eig­nis­se vom 11. Sep­tem­ber“, der „Ausstieg aus dem Euro“und die „Abschaffung der Eu­ro­päi­schen Union“ gefordert.

Janich berief sich auf die Ideen des Ron Paul, auf die Tea-Party-Bewegung und bewarb seine Organisation, die nach dem angekündigten„Zusammenbruch“ mit den „richtigen Rezepten“ zur Machtübernahme bereit sei:

Unser Ziel ist bis 2013 gemütlich in den Bundestag mit 5,1%, dann bricht es zusammen und dann in der nächsten Wahl 50%, das ist der Plan.

Nach diesen Ausführungen kam Bastian Menningen für die Occupy-Bewegung zu Wort. Er bewarb in seinem Beitrag den Occupy-Ableger aus Berlin. Seine politische Sozialisation habe er dem „Compact“-Magazin des Jürgen Elsässer zu verdanken, sagte er. Im „Compact“-Magazin finden sich verschwörungsideologische, nationalistische und homophobe Artikel. „Schulfach Schwul“ lautete eine Schlagzeile beispielsweise. In der aktuellen Ausgabe wird vor dem „Klimaschwindel“ gewarnt. Außer der „Compact“-Lektüre und einer Joseph Fischer Biographie habe er sich nicht näher mit politischen Themen befasst, sagte Menningen. Elsässer wird es gefreut haben.

Gemeinsam wurde nun von der Rückkehr zur Deutschen Mark geträumt. Später kam es zu Debattenbeiträgen aus dem Publikum: „Wir müssen uns darüber klar werden, wer hier der Feind ist“, sagte ein Besucher der Veranstaltung dort ins Mikrofon. Er meinte die USA, was mit Beifall bedacht wurde.

Viel mehr gibt es über die Werbeveranstaltung für das „Compact“-Magazin, für die „Partei der Vernunft“ , für die Deutsche Mark und für die Occupy-Bewegung nicht zu berichten.

Der Auftritt des Aktivisten wird auf den Internetseiten der Occupy-Bewegung schamhaft verschwiegen. Sie mobilisieren stattdessen zum „Karneval der Empörten“. Am 11.11.2011 wollen die Aktivisten um 11 Uhr 11 gegen die „selbst ernannte Elite“ und „das bestehende Geldsystem“ protestieren:

Kamen auf Ideen wie eine Meute als Schafe verkleidet mit nem Regierenden als Antreiber durch den Marsch zu jagen. Das gleiche mit Sklaven und Leuten die ne Kombo aus MArionettenspieler und Marionetten machen.

Das dürfte auch Jürgen Elsässer und Oliver Janich gefallen, die ebenfalls der verschwörungsideologischen Deutung der Realität verfallen sind.

Die Empörten und der Querfrontler

Jung, charismatisch und redegewandt. So feiern einige deutsche Journalisten die selbsternannten Sprecher der Occupy-Bewegung, die nach ihren Märschen am 15.10.2011 überall in der Bundesrepublik campiert, um gegen die „Bankster“ zu protestieren.

Das bekannteste Gesicht dieser losen Bewegung ist sicherlich Wolfram Siener aus Frankfurt, der in seiner kurzen Karriere in verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen war, die sich der deutschen Erweckungsbewegung annahmen. Ob nun bei Maybrit Illner, im ARD-Nachtmagazin oder in der ZDF-Sendung „log in“: der „Bankenkritiker“ durfte überall sprechen.

Der Spiegel porträtierte Siener sogar als „Hoffnungsträger“ und „charismatische Führungsfigur“. Der wurde zwar durch die strukturell antisemitischen Zeitgeist-Filme geprägt, aber dieser Umstand interessierte den Spiegel nur am Rande.

Sein Auftritt in einer Sendung der verschwörungsideologischen Seite „Infokrieg“ wurde überhaupt nicht erwähnt. Dort sagte Siener:

Wir als Volk sind re­la­tiv weit ge­lenkt, also wir sind re­la­tiv weit zer­split­tert, jeder hat ei­ge­ne Mei­nun­gen und sowas. Darum geht es. Es geht darum, dass zu beheben. (…) Wir haben nur als Einheit eine Chance.

Sein Drang, sich vor Fernsehkameras als wütender deutscher Wutbürger zu inszenieren, wurde nicht nur hier begrüßt. In der Sendung „log in“, die im Infokanal des Zweiten Deutschen Fernsehens zu sehen ist, hatte Wolfram Siener einen weiteren Auftritt. Dort haute der Wutbürger mit der Faust auf den Tisch und wetterte gegen „das Geldsystem“.

In der ZDF Sendung war ein weiterer Aktivist der Occupy-Bewegung zu sehen: Florian Raffel fand die Darstellung der „charismatischen Führungsfigur“ Siener „unausgeglichen“ und ergänzte daher einige Dinge. Er stellte die „Bewegung“ als „kulturelle Revolution“ vor, die eine „Kultur des Zuhörens“ entwickelt hätte.

Derartige Thesen verbreitet Raffel nicht nur in Fernsehsendungen, sondern auch in verschiedenen Zeitschriften und im Internet. „Wir haben viele Meinungen, viele Idee und wir sind bunt“, schreibt er dort. Die BZ veröffentlichte ein Streitgespräch zwischen ihm und einem Banker. Dort warb Raffel für „echte Demokratie in einem neuen System“. Seine Huldigung der „Gesprächskultur“, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sätze der Redner im Chor nachsprechen, schaffte es sogar in den Stern.

Florian Raffel gibt nicht nur Interviews in größeren Zeitungen, er steht auch verschiedenen Internetseiten zur Verfügung. So zum Beispiel der Online-Zeitung „Berliner Umschau“, in der ansonsten über die „Pläne für die unmittelbare Einführung einer Diktatur“ halluziniert wird, die es angeblich nach dem „Zusammenbruchs des Finanzsystems in Euro-Land“ geben soll. Außerdem finden sich dort Werbe-Berichte über die Aktivitäten des Querfrontlers Jürgen Elsässer, der nun sogar einen gemeinsamen Auftritt mit dem Occupy-Aktivisten Florian Raffel ankündigt.

Am 3.11.2011 soll der Occupy-Aktivist auf einer Veranstaltung des Jürgen Elsässer auftreten. Elsässer träumt davon, dass „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zusammenarbeiten, um „die Globalisten“ zu „schlagen“. Mit seinem Compact-Magazin möchte er „demokratische Linke“ und „demokratische Rechte“ vereinen.

Mit der Veranstaltung soll die neue Ausgabe des Compact-Magazins beworben werden. Hier wurde in der Vergangenheit ganz homophob vor einem „Schulfach Schwul“ gewarnt, in der neuen Ausgabe wird von der Rückkehr der Deutschen Mark geträumt. „Wir freuen uns, (…) mit Florian Raffel auch einen Aktivisten von OCCUPY BERLIN gewonnen“ zu „haben“, schreibt der Querfrontler Elsässer auf seiner Homepage. Auf dieser Veranstaltung soll über die „Frage der Sammlung der Euro-kritischen Kräfte und eine mögliche Parteibildung“ debattiert werden.

Der Occupy-Aktivist Florian Raffel wird dort neben Oliver Janich sitzen, um seine Ideen zu bewerben. Janich ist Bundesvorsitzender der rechtspopulistischen „Partei der Vernunft“ und Verschwörungspropagandist. Er trat in der Vergangenheit mit Jürgen Elsässer unter anderem auf einem Treffen gegen die Bilderberg-Konferenz auf, dem Verschwörungsideologen – im Rahmen einer Zentralsteuerungstheorie – eine unglaubliche Macht nachsagen. Im Parteiprogramm wird eine„unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom 11. September“, der „Ausstieg aus dem Euro“ und die„Abschaffung der Europäischen Union“ gefordert.

Florian Raffel wird auf der Veranstaltung seine Occupy–Bewegung, Jürgen Elsässer sein Compact-Magazin und Oliver Janich seine rechtspopulistische Kleinpartei bewerben.

Update: Florian Raffel hat den Auftritt abgesagt und Jürgen Elsässer dafür direkt auf die Versammlung der „Empörten“ eingeladen:

ich möchte hiermit Abstand nehmen, an Ihrer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich bin in Arbeitsgruppen so eingebunden, dass ich leider zeitlich kürzer treten muss und bis auf weiteres erstmal keine Zeit für weitere Interviews habe. (…) Bitte nehmen Sie direkt Kontakt mit der Asamblea auf. Täglich um 17 Uhr und sprechen Sie direkt zur Gruppe.

Die Anfrage des Querfrontlers Jürgen Elsässer ist allerdings nach wie vor auf einer Internetseite der Bewegung zu finden, über den E-Mail-Verteiler wird nach einem Ersatz gesucht. Auf Elsässers Internetseite wird der Occupy-Aktivst weiterhin angekündigt, allerdings heißt es dort nun:

Florian Raffel hat leider trotz mehrfacher Zusage jetzt doch aus Termingründen abgesagt. Wir haben aber einen Ersatz von Occupy Berlin in Aussicht.

Zero – An Investigation into 9/11. Eine Kritik

Der italienische Dokumentarfilm „Zero: An Investigation into 9/11″, der hierzulande auf den Titel „9/11 – Was steckt wirklich dahinter“ getauft wurde, lief vor einiger Zeit im zweiten Programm des Österreichischen Rundfunks (ORF). Außerdem ist der Film öfter in verschiedenen Kinos zu sehen, die mit speziellen Programmen den Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 begehen.

Der Produzent des Films ist der ehemalige italienische Abgeordnete Giulietto Chiesa. Er hätte „solide Arbeit“ geleistet, heißt es in einer Film-Rezension des „Schattenblick“. Der Film findet sich auf zahlreichen Internetseiten aus dem verschwörungsideologischen Milieu, aber auch auf den Seiten der „Freien Nationalisten Saalfeld“. Der Film wird nicht nur dort als „penibel recherchierte“ Dokumentation beschrieben, die zu „verblüffenden neuen Thesen und Erkenntnissen“ führen würde.

Die Dokumentation erinnert von der Machart an Verschwörungsfilme wie Loose Change oder Zeitgeist. Immer wieder werden Bilder vom 11. September wie in einem Musik-Video aneinandergeschnitten. Mit dem Anruf einer verzweifelten Frau, die aus dem World Trade Center telefonierte und um Hilfe flehte, werden Emotionen geweckt. Die einstürzenden Gebäude sind in Dauerrotation zu sehen. Außerdem gibt Nachrichtenbilder, die in schneller Reihenfolge, an- und ineinander geschnitten werden.

Unterbrochen wird diese Art der Darstellung, die nichts erklären möchte, sondern über Bilder Emotionen transportiert, durch Interviews, die einen Großteil des Films ausmachen. Eine Einordnung der interviewten Personen wird unterlassen. Sie stammen vor allem aus dem Milieu der „Truther“, werden allerdings als Experten für Sprengstoff, Flugzeuge, Stahl und Geheimdienste inszeniert.

Am Anfang des Films darf etwa Nafeez Mossaddeq Ahmed seine Sicht der Dinge darstellen. Er ist ein Autor, der sich sowohl mit dem 11. September 2001 als auch mit den Terroranschlägen am 7. Juli 2005 in London befasst hat. Er fordert in beiden Fällen neue, unabhängige Untersuchungen. Im Film darf Nafeez Mossaddeq Ahmed seine Theorien über den Haftbefehl des FBI zum Besten geben: Er verweist auf die Fahndungsseite des FBI, auf der Osama Bin Laden aufgrund einiger Anschläge in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gesucht wurde und beklagt, dass die Anschläge des 11. September 2001 in diesem Steckbrief nicht erwähnt würden. Dieser Umstand ist für zahlreiche Verschwörungsideologen ein Anlass, die Täterschaft Bin Ladens in Frage zu stellen.

Wie andere Verschwörungsideologen verschweigt Ahmed, dass das FBI Bin Laden in einer ausführliche Version des Steckbriefs sehr wohl mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Verbindung brachte. Diese Hintergründe werden weder vom Ahmed benannt, noch spielen sie in der Dokumentation eine Rolle. Die Filmemacher scheinen sich noch nicht einmal die Mühe gemacht zu haben, beim FBI anzufragen. Dann hätten sie nämlich erfahren, dass Bin Laden – im Falle einer Verhaftung – sicherlich wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 angeklagt worden wäre.

„Da ist kein Geheimnis“, sagte beispielsweise FBI-Sprecher Rex Tomb der „Washington Post“ im Jahr 2006. Doch zwei Jahre später interessierten sich die Filmemacher nicht für derartige Hintergründe, sondern beließen es bei den merkwürdigen Spekulationen des Nafeez Mossaddeq Ahmed.

Nach diesem tendenziösen Beginn zeigt der Film die chronologische Darstellung der Ereignisse des 11. September 2001 und lässt einige traumatisierte Zeitzeugen zu Wort kommen. Kurz darauf ist eine Person zu sehen, deren Anwesenheit man vielleicht nicht in einem derartigen Film erwartet hätte. Es handelt sich um den Schriftsteller Dario Fo, der den Verschwörungstheoretiker gibt und zum Statik-Experten mutiert: Als zerstreuter Professor malt er bunte Bilder auf Flipcharts.

 Dario Fo gibt den zerstreuten Wissenschaftler
Dario Fo gibt den zerstreuten Wissenschaftler

„Weder vor noch nach dem 11. September ist ein Stahlskelett wegen Brand eingestürzt“, darf Les Jamieson ein erstes Fazit ziehen. Man könnte ihm entgegnen, dass weder vor noch nach dem 11. September 2001 Terroristen mit großen Passagiermaschinen ein Hochhaus attackierten; doch dem Film geht es nicht um eine kritische Auseinandersetzung, sondern um Propaganda im Sinne derartiger Verschwörungsideologen.

Les Jamieson, der auch im weiteren Verlauf des Films ausführlich zu Wort kommt, war ein Sprecher von „9/11 Truth Now“ in New York. Jahrelang verbrachte er Samstag für Samstag in der Nähe von Ground Zero, um über die „wahre Agenda“ hinter dem 11. September 2001 aufzuklären. Diese Arbeit zahlte sich aus: Konkurierende Verschwörungsideologen werfen ihm 2009 vor, dass er die „NY 9/11 Truth“-Internetseite kontrollieren würde. Alle Spenden würden auf sein privates Bankkonto fließen, obwohl er niemals in irgendeine Position gewählt worden wäre. Jamieson wurde Veruntreuung von Spendengeldern vorgeworfen: „Er ist einfach nicht ehrlich“, beklagten sich andere Verschwörungsfans.

Im Jahr 2006 kam es zu einem ersten Zerwürfnis, als einige Verschwörungsaktivisten Jamieson vorwarfen, dass er Hassliteratur verbreiten würde. Jamieson verteilte damals das Magazin „Criminal Politics“, in dem es vor antisemitischen Verschwörungstheorien nur so wimmelt. Das Magazin bringt Juden und „Zionisten“ mit dem 11. September und dem Irak-Krieg in Verbindung. Diese Ereignisse seien „die nächsten Schritte der zionistischen Agenda“ gewesen, heißt es in dem Magazin, das von Jamieson verteilt wurde. Zwei Jahre später durfte Jamieson im Film „Zero: An Investigation into 9/11″ sein Fazit ziehen. Die benannten Hintergründe zu dieser Person spielten keine Rolle. Jamieson kommt auch im weiteren Film ausführlich zu Wort, um seine Verschwörungstheorien zu bewerben.

Les Jamieson
Les Jamieson

Jamieson führt eine weitere Figur ein. Diese wird als harmloser Mitarbeiter einer Firma vorgestellt, die am offiziellen Untersuchungsbericht zum 11. September 2001 beteiligt gewesen wäre. Es handelt sich um Kevin Ryan, der als „ehemaliger Manager“ eingeführt wird, der aufgrund seiner Erkenntnisse entlassen worden wäre.

Ryan betreibt die Internetseite „Journal of 9/11 Studies“ und geht von einer kontrollierten Sprengung des World Trade Centers aus. Er inszeniert sich als „9/11 Whistleblower“, obwohl er persönlich nicht an den Untersuchungen zum World Trade Center beteiligt war. Dafür ist Ryan eng in die Szene der amerikanischen „Truther“ eingebunden.

Seine Verschwörungstheorien propagiert er in der Sendung des „Patrioten“ Alex Jones, der seine Anhänger_innen unter anderem mit der Theorie begeistert, dass die deutschen Neonazis eine Erfindung des britischen Geheimdienstes seien, der diese bis heute steuern würde. Im Film wird Ryan als glaubwürdiger Zeuge präsentiert, seine Verstrickungen in die Szene der „Truther“ werden hier verschwiegen. Stattdessen wird Ryan als Whistleblower inszeniert, der allerhand Theorien über den Einsturz der World Trade Center darstellen darf, die wiederum als unumstößliche Wahrheit dargestellt werden.

Kevin Ryan
Kevin Ryan

Nachdem der Film einige Fragen aufgeworfen hat, macht er sich daran, die Antwort zu liefern, die von Verschwörungsideologen beworben wird. Die Gebäude des World Trade Centers seien durch Nanothermit gesprengt worden. Natürlich verschweigt der Film die Tatsache, dass für solch eine Sprengung monatelange Arbeiten und hunderte Mitwisser benötigt worden wären. Stattdessen bekommen die Zuschauer bunte Computer-Animationen zu sehen, die wohl nur denjenigen begeistern werden, die an eine große Verschwörung glauben wollen, hinter der amerikanische Institutionen und eine Baufirma stecken sollen.

Hier wird der mittlerweile verstorbene William „Bill“ Christison zitiert, der die Behauptung aufstellte, dass alle Charakteristika auf eine kontrollierte Sprengung hinweisen würden. Er wird als Mitarbeiter des „US-Auslandsgeheimdienst (CIA)“ dargestellt. Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Christison befand sich seit 1979 im Ruhestand. Auch dieser Umstand wird verschwiegen, um das Bild der angeblichen Verschwörung zu erzeugen.

William Christison war allerdings nicht nur ein Verschwörungstheoretiker, sondern auch ein überzeugter Antisemit. „Zionismus“ war für den Rentner eine „rassistische Ideologie“, die die „Vorherrschaft der Juden“ zementieren sollte. Eine israelische Lobby würde die US-Politik steuern, letztendlich würde der israelische Schwanz mit dem amerikanischen Hund wedeln.

Derartige Thesen propagierte Christison in zahlreichen Artikeln, die im Film „Zero: An Investigation into 9/11″ keine Rolle spielen. Stattdessen geht es um Nanothermit. Hier werden Theorien beworben, die beweisen sollen, dass das World Trade Center durch einen militärrischen Sprengstoff in die Luft gejagt worden wäre. Traumatisierte Zeitzeugen, die eine Explosion gehört haben wollen, sollen die vermeintliche Sprengung untermauern. Doch Beweise bleibt der Film natürlich schuldig.

Nach diesem Abschnitt, der sich mit dem World Trade Center befasst, beschäftigt sich der Film mit dem Angriff auf das Pentagon. Hier wird gleich zu Beginn behauptet:

Anzunehmen, dass dieses angebliche Flugzeug, mit einem Amateur am Steuer, solche Manöver durchführen konnte, ist lächerlich.

Der Film zeigt einige Aufnahmen, die ein von Rauch umhülltes Pentagon zeigen. Auf diesen Aufnahmen ist fast gar nichts zu sehen. Trotzdem moniert sich der Sprecher über den Umstand, dass er keine Flugzeugteile entdecken konnte. Als Zeuge darf sich der Pilot Russ Wittenberg darstellen, der ebenfalls im Milieu der„Truther“ aktiv ist. Er wird im Film als Pilot vorgestellt, der „30 Jahre bei der Luftwaffe, PanAm und United Airlines“ gearbeitet hat. Seine Verstrickungen ins Verschwörungsmileu werden verschwiegen. Doch die haben es in sich.

Wittenberg ist einer der Architekten der „No Plane“ Verschwörungstheorie, die davon ausgeht, dass eine Rakete das Pentagon getroffen hätte. Mit dem Holocaust-Leugner Eric Hufschmid war er für eines der ersten „No Plane“ Machwerke verantwortlich. Es handelt sich um Hufschmids Buch „Painful Questions“, für das Wittenberg die technische Details verantwortete. Doch auch dieser Umstand wird im Film verschwiegen. So kann Wittenberg als vermeintlich unparteiischer Pilot verkauft werden, ohne den Holocaust-Leugner Hufschmid überhaupt erwähnen zu müssen.

Russ Wittenberg
Russ Wittenberg

Noch unschöner und unglaubwürdiger wird der Film durch die Darstellungen des Dario Fo, der im Teil zum World Trade Center als Statik-Experte auftrat. In diesem Teil des Films mutiert der Autor zum Flugzeugexperten. Dario Fo mag ein guter Dramatiker sein, sein Auftritt als Experte für Statik und Flugzeuge erinnert eher an die schauspielerischen Leistungen in einer Seifenoper. Illustriert wird dieser Klamauk mit zahlreichen Computer-Animationen, die wirklich gut aussehen, doch nicht das Geringste beweisen.

Die Darstellungen von Robin Horden, die in diesem Teil des Films zu sehen sind, beweisen ebenfalls nicht das Geringste. Er wird als „Fluglotse der Bostoner Flugsicherung“ eingeführt. Doch wie üblich handelt es sich hier nur um die halbe Wahrheit.

Hordon arbeitete von 1970 bis 1981 tatsächlich als Fluglotse in Boston, heute scheint er hauptberuflich als „Truther“ aktiv zu sein. Er betreibt die Seite „CIActivism“ und organisiert Veranstaltungen mit „Truthern“ wie Niels Harrit, der ein wichtige Figur in dieser Szene darstellt. Natürlich wird auch Hordon als vermeintlich unparteiischer Zeuge eingeführt, seine Rolle in dem Milieu der „Truther“ wird nicht benannt. Er darf als Flugexperte dienen.

Diese manipulative Darstellung ist typisch für „Zero: An Investigation into 9/11″, in der Robin Horden die Behauptung aufstellt, dass die Entführer nicht die technischen Fähigkeiten gehabt hätten, die Flugzeuge zu steuern. Dass es viele Experten gibt, die anderer Meinung sind, wird verschwiegen.

Robin Horden
Robin Horden

Ein weiterer Zeuge ist John Judge, der viele andere Verschwörungstheorien propagiert. Beim Jonestown-Massaker, bei dem über 900 Menschen am 18. November 1978 auf Anweisung des Sektenführers Jim Jones einen Massenselbstmord begingen und ihre Kinder ermordeten, konstruiert John Judge beispielsweise eine CIA-Verbindung. Er unterstellt hier eine Gedankenkontrolle durch den Geheimdienst und lobt die Vision des Sektenführers, die auf einen religiösen Steinzeitsozialismus hinauslief. Im Falle des Attentats auf John F. Kennedy betreibt Judge ebenfalls Verschwörungstheorien. Er behauptet: „Die Kugeln kamen aus dem Pentagon“. Der Mörder Lee Harvey Oswald sei nur ein Sündenbock gewesen.

John Judge ist ein Mensch, der sämtliche Attentate verschwörungsideologisch verklärt. Für ihn sind solche Ereignisse immer das Werk finsterer Mächte, die aus dem Pentagon gesteuert werden. Der Film „Zero: An Investigation into 9/11″verschweigt diese Hintergründe, wie bei allen anderen Zeugen, die aus diesem verschwörungsideologischen Milieu stammen.

Judge wird als „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ der ehemaligen Kongressabgeordneten Cynthia McKinney vorgestellt. Diese verlangte eine neue Untersuchung der Ereignisse vom 11. September 2011 und wurde auf diese Art und Weise zu einer Ikone der „Truther“. Natürlich werden diese Umstände im Film nicht erwähnt, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich um unparteiische Personen, denen nur die „Wahrheit“ am Herzen liegen würde.

John Judge dient im Film als weiterer Zeuge, der darüber berichten darf, dass die Maschine, die das Pentagon getroffen hat, angeblich durch Abfangjäger abgefangen werden musste. Das eine Person, die ansonsten von Gedanken-Kontroll-Programmen halluziniert, nicht besonders glaubwürdig ist, steht außer Frage.

John Judge
John Judge

Die manipulative Darstellung der interviewten Personen, die den Film wie einen roten Faden durchzieht, lässt sich auch an der Person Robert Bowman festmachen. Der wird als „Pilot und Vietnam Veteran“ eingeführt; dabei ist er „National Commander“ einer rechten Vereinigung namens „The Patriots“, die vor illegalen Einwanderern und einer „globalen Geld-Elite“ warnt. Außerdem fordert Bowman eine Art Querfront: „Left and Right together“, heißt es auf seiner Internetseite. Seine politische Positionierungen, zwischen Rassismus, strukturellem Antisemitismus und der Querfront, wird im Film nicht erwähnt.

Robert Bowman
Robert Bowman

In diesem Abschnitt, der sich um das Pentagon dreht, geht es um die Frage, warum die entführten Flugzeuge nicht abgefangen wurden. Hier sind die bekannten Gesichter zu sehen, die sich als Experten generieren, obwohl sie lediglich Verschwörungsideologie zum Besten geben. Beim Stelldichein der Verschwörungsideologen kommen Robin Horden und John Judge, zu Wort. „Es war das Pentagon“, lautet das Urteil dieser Pseudo-Experten, deren Thesen mal wieder durch bunte Computer-Animationen und Comicsequenzen unterlegt werden.

Der letzte inhaltliche Abschnitt von „Zero: An Investigation into 9/11″ beschäftigt sich mit den Attentätern vom 11. September. Nafeez Mossaddeq Ahmed verneint, dass es sich bei den Tätern um„islamische Fundamentalisten“ gehandelt habe. Weil der fanatische Antisemit Mohammed Atta Alkohol getrunken und Cannabis geraucht hätte, könnne er kein „islamischer Fundamentalist“ gewesen sein. Nach dieser Definition kann auch Osama Bin Laden kein „islamischer Fundamentalist“ gewesen sein, schließlich wurde in seinem Nachlass auch eine beachtliche pornografische Sammlung entdeckt. Der Film beschäftigt sich mit den Entführern der Flugzeuge. Sie seien „Sündenbocke“ gewesen, darf Webster Tarpley behaupten.

Tarpley ist eine zentrale Figur im Netzwerk der „Truther“. Zwischen 1970 und 1990 stand er der sogenannten LaRouche Bewegung des antisemitischen Verschwörungsideologen Lyndon LaRouche, nahe. Nach seinem Bruch mit dieser Bewegung verfasste er weiterhin verschwörungsideologische Pamphlete, die in Deutschland unter anderem durch den rechten Kopp-Verlag verbreitet werden.

Tarpley behauptet, dass der erste und der zweite Weltkrieg von Großbritannien geplant und fingiert wurde, „um die Macht des Empires über die Welt weiter zu vergrößern und so die Weltherrschaft zu erringen“. Im Film wird Tarpley nicht als geschichtsrevisionistischer Verschwörungsideologe dargestellt, sondern als „Autor“ eingeführt, der dort seine Ideen über den 11. September 2001 berichten darf. Eine Einordnung dieser Person unterbleibt vollkommen.

Webster Tarpley
Webster Tarpley

Tarpley und seine Kompagnons geben sich in dem folgenden Minuten reichlich Mühe, den Zweifel zu streuen, der notwendig ist, um die Täter und Osama Bin Laden zu entlasten. Da werden zum Beispiel verschiedene Videos verglichen, die Osama Bin Laden zeigen: Weil er auf dem einen Video einen grauen Bart besitzt und in einem anderen – späteren – Video einen schwarzen, müsse eines der Videos gefälscht sein, behauptet Giulietto Chiesa. Man sollte ihn daran erinnern, dass auch ein Bin Laden ein Haarfärbemittel verwendet haben könnte. Doch diese Möglichkeit wird einfach ausgeblendet. Es geht schließlich darum, eine Verschwörungstheorie zu propagieren, die davon ausgeht, dass sämtliche Bin Laden Videos gefälscht seien.

Der absolute Tiefpunkt des Films ist in dem Moment erreicht, als ein deutscher Verschwörungsideologe zu Wort kommt. Es handelt sich um Jürgen Elsässer, Vordenker der Gruppe „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ und Herausgeber einer Zeitschrift namens „Compact“, in der sich rechte und linke Verschwörungsideologen als Autoren betätigen. „CIA-Agent bin Laden“, lautet ein Titel.

Jürgen Elsässer arbeitet an einer Querfront, bei der „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ die „Globalisten“ vereint „schlagen“ sollen. Dafür organisierte er zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 eine Konferenz in Leipzig, auf der das Who’s Who der deutschen Verschwörungsideologie auftrat.

Neben Elsässer, der dort für die Querfront warb, trat dort auch Alexander Benesch, Betreiber der Internetseite „Infokrieg.tv“, auf. Gefilmt wurde die Verschwörungs-Konferenz unter anderem von den Machern von „Exopolitik Deutschland“. Hier handelt es sich um eine Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat „die Verschleierung der außerirdischen Präsenz auf der Erde“ aufzudecken. Im Film darf Elsässer die Terroristen von „Al-Qaeda“ als „Fake“ bezeichnen. Sie seien nichts anderes als Marionetten der amerikanischen Geheimdienste gewesen.

 Jürgen Elsässer
Jürgen Elsässer

Die Märchen der Amanda Keller, die zeitweilig behauptete, eine Freundin Mohammed Attas gewesen zu sein, wird im Film breiter Raum eingeräumt. Dabei hatte Amanda Keller ihrer Geschichte bereits 2006 widerrufen. Dieser Umstand hat Verschwörungsideologen allerdings nicht davon abgehalten, dieses Märchen von der vermeintlichen Beziehung weiter zu kolportieren. 2008 findet sich diese Geschichte im Film „Zero: An Investigation into 9/11″ wieder.

Sie geht unter anderem auf den Verschwörungsideologen Daniel Hopsicker zurück, der ebenfalls im Film zu Wort kommt. Hopsicker ist ein Multiplikator der Ideen der„American Free Press“, einer antisemitischen Zeitschrift, die unter anderem von James P. Tucker herausgeben wird.

In Hopstickers Film „Masters Of The Universe“ aus dem Jahr 2000 kommen zahlreiche Antisemiten zu Wort. Am häufigsten ist Eustace Mullins zu sehen, der eine antisemitische Hetzschrift namens „The Biological Jew“ herausgegeben hat. In diesem Machwerk werden Juden als „Parasiten“ bezeichnet.

Hopsicker trat im Jahr 2002 mit seinem Text„Mohammed Atta and his flying circus“ auf einer Konferenz des Holocaust-Leugners David Irving auf. Dieser Text findet sich auf zahlreichen Internetseiten der extremen Rechten, so auch auf den Seiten der„American Free Press“. Im Jahr 2008 ist Hopsicker trotz oder wegen dieser politischen Positionierung ein wichtiger Protagonist im Film „Zero: An Investigation into 9/11″. Hier darf diese Figur die Behauptung aufstellen, dass Mohammed Atta in einer amerikanischen Militäreinrichtung ausgebildet worden wäre.

Daniel Hopsicker
Daniel Hopsicker

Mit dieser Behauptung geht es dem Ende des Films „Zero: An Investigation into 9/11″ entgegen. Verschwörungsideologen geht es darum, die wahren Täter zu entlasten und ihre Taten der amerikanischen Regierung anzulasten, der alles Böse zugetraut wird. Daher dürfte das Ende des Films nicht überraschen, das genau auf eine solche Verschwörungstheorie hinausläuft.

Derartige Theorien werden von einem ganzen Netzwerk, bestehend aus „Truthern“, „Wahrheitsbewegten“ und „Infokriegern“ propagiert. Die Personen in diesem Milieu inszenieren sich als Experten; auf ihrem Maskenball mutieren sie zu Statik-, Flugzeug-, Sprengstoff- und Geheimdienst-Spezialisten. Ihre Theorien propagieren sie mit Vorträgen, auf Aufmärschen und in den Filmen, die sich bei YouTube so großer Beliebtheit erfreuen. Der Film „Zero: An Investigation into 9/11″ ist Teil dieser Maskerade der selbsternannten Experten.

Er verrät nichts über die realen Ereignisse am 11. September 2001, sondern betreibt eine Mystifizierung der Verhältnisse. Hier werden die USA dämonisiert, indem ihre damalige Regierung und die Geheimdienste für die Geschehnisse des 11. September 2001 verantwortlich gemacht werden.

Der Film bietet keine „verblüffenden neuen Thesen und Erkenntnissen“, sondern bewirbt die Theorien, die Verschwörungsideologen seitdem 11. September 2001 propagieren. Diese Verschwörungsideologen bekommen auch mit diesem Film eine Spielwiese geboten, um ihre reaktionären Gedanken zu verbreiten.

„Zero: An Investigation into 9/11″ bietet nichts anderes als plumpe Propaganda, nichts anderes als verdichtete Verschwörungsideologie. Wer sich Erkenntnisgewinne und Aufklärung über die Ereignisse des 11. Septembers 2001 verspricht, dürfte enttäuscht werden. Wer sich jedoch für anti-amerikanische Märchen begeistert, dürfte auch mit diesem Film zufriedenzustellen sein.

„ZERO: An investigation into 9/11 (9/11 – Was steckt wirklich dahinter?)“. Darsteller_innen: Dario Fo, Webster Tarpley, Jürgen Elsässer, Daniel Hopsicker, Les Jamieson, Robert Bowman, Robin Horden und viele mehr. Produzent: Giulietto Chiesa. Regisseur: Franco Fracassi. Italien 2008.

Rechtes Zeitungstreffen

Der selbsternannte „Linksnationalist“ Jürgen Elsässer lädt mal wieder nach Berlin ein. Diesmal geht es nicht um ein Zusammentreffen der anti-europäischen Rechtspopulisten, wie am 25. September diesen Jahres, als Elsässer und seine „Volksinitiative“ unter anderem Nigel Farage und Karl Albrecht Schachtschneider eingeladen hatten, während die Band „Die Bandbreite“ für die musikalische Untermalung sorgte.

Diesmal möchte Elsässer sein neuestes publizistisches Projekt vorstellen, das – wie seine „Compact“ Buchreihe – im „Kai-Homilius-Verlag“ erscheinen soll. Es geht um das „Compact-Magazin“, einer Monatszeitschrift, für die sich Elsässer verantwortlich zeichnet und deren Nullnummer im Dezember diesen Jahres erscheinen soll. Die publizistische Richtung, in die es Elsässer und seine Kompagnons zieht, wird bereits durch das Titelbild deutlich. Dort grinst Thilo Sarrazin die potentiellen Leser_innen an: „Der nächste Bundeskanzler“, heißt es darunter.

compactheader

Für die Nullnummer schreibt unter anderem der Verschwörungsideologe Walter K. Eichelburg, der die Einführung einer „Deutschen Mark“ für den 17. Mai 2010 (!) vorausgesagt hatte. Außerdem schreibt der Herausgeber der Internetzeitschrift „Die Rote Fahne“, Stephan Steins, für das Magazin, der auf seiner Internetseite zum Beispiel für den Nazi-Kriegsverbrecher Rudolf Hess eintritt, für Elsässers-Nullnummer. Ein weiterer Autor ist André F. Lichtschlag, der Gründer der Internetzeitschrift„Eigentümlich Frei“.  Er vertritt die krude These, dass die Bundesrepublik durch „Umwelthysteriker, Männerhasser und Antifaschos“ dominiert werden würde. Lichtschlag spricht in diesem Kontext im NS-Jargon von einer „Verpestung“.

Jürgen Elsässer preist sein Projekt als „ein einzigartiges publizistisches Wagnis“ und lässt sich einige andere Superlativen einfallen, um seine Zeitung zu bewerben: Hier dürften „demokratische Linke und demokratische Rechte“, „Moslems und Islamkritiker“ zusammenkommen, um gemeinsam den „Totalitarismus der Neuen Weltordnung“ zu attackieren.

Die angekündigten TeilnehmerInnen der Zeitungsvorstellung im „Russischen Haus“ machen den Kurs des neuen Magazins deutlich. Da wäre zum Beispiel Dieter Stein, der Herausgeber der neurechten Wochenzeitung „Jungen Freiheit“. Des Weiteren wird Oliver Janich erwartet. Der ehemalige Focus-Money Redakteur Janich, der in diesem Magazin Propaganda für die Sache der „Truther“ und „Infokrieger“ machen durfte, schreibt nun für das „Compact“-Magazin. Außerdem wird Sulaiman Wilms, der Chefredakteur der „Islamischen Zeitung“ erwartet.

Für die musikalische Untermalung sorgt die Rapperin „Dee Ex“, die aus dem ganz rechten politischen Spektrum stammt und Musik für alte und neue Nazis produziert. Die „aufrechte Patriotin“ hetzt in ihrem Blog vor allem gegen Israel. Paranoiderweise fühlt sie sich von „israelischen Regierungsbeamten und von zionistischen Vereinigungen“ verfolgt, die sie angeblich auf eine „‚Abschussliste‘“ gesetzt hätten. Dabei sei sie doch nur „eine stolze Deutsche“, jammert Mia Herm alias „Dee Ex“ in ihrem Blog. Ihre „Liebe zu Deutschland“ wird „Dee Ex“ auch am 6. Dezember 2010 verbreiten, wenn Elsässer sein neuestes publizistisches Machwerk vorstellt.

Dessen Erfolg bleibt abzuwarten: Schließlich gibt es bereits einige Magazine, die ähnliche Inhalte propagieren. Da wäre zum Beispiel das rechte Monatsmagazin „Zuerst“. Der hart umkämpfte Zeitungsmarkt könnte dem „publizistische Wagnis“ schneller ein Ende machen, als es Elsässer und seinen Kumpanen lieb sein dürfte.

Absage der Woche

Heimlich, still und leise ist der FDP-Politiker Frank Schäffler aus dem Programm der Konferenz „Der Euro vor dem Zu­sam­men­bruch“ verschwunden. Das Mitglied des Bundestags war, neben dem Rechtspopulisten Nigel Farage, als einer der Redner auf dem Kongress angekündigt worden, der vom „Links-Nationalisten“Jürgen Elsässer und dessen „Volksinitiative“ organisiert wird. Frank Schäffler könne aufgrund „anderer terminlicher Verpflichtungen“ nicht am Kongress teilnehmen, heißt es aus dem Büro des Abgeordneten. Inhaltliche Differenzen dürften keine Rolle gespielt haben.

Schließlich lobte der Bundestagsabgeordnete bereits in der Vergangenheit ein Buch aus der „Compact“-Reihe des Jürgen Elsässer. Ort der Lobpreisung des Buches war das rechte Magazin „Eigentümlich frei“, das in „eng das pu­bli­zis­ti­sche Netz der deut­schen Rech­ten ein­ge­bun­den“ ist. Das Buch des Jürgen Elsässer würde „Freude“ machen, schrieb Schäffler. „Ach, ist das schön“, lautete das Fazit über das Buch, das dieser – im Rahmen der „Compact“ Reihe – im Kai Homilius Verlag publiziert. In diesem Verlag erscheinen auch die Werke des eifrigen Antikommunisten Jan von Flocken und die Bücher anderer Verschwörungsideologen. Ansonsten vertreibt der Verlag auch die „Dokumentationen“ des Frank Höfer, der sich zum Bei­spie­l für den an­geb­li­chen Zu­sam­men­hang zwi­schen „Korn­krei­sen“ und „Ali­ens“ interessiert.

Frank Schäfflers Absage am Kongress der Anti-Europäer teilzunehmen, dürfte also nicht aufgrund von inhaltlichen Differenzen, sondern aufgrund „anderer terminlicher Verpflichtungen“ zu erklären sein. Es bleibt abzuwarten, wann und ob der FDP-Bundestagsabgeordnete Schäffler und der ehemalige„Antideutsche“ Jürgen Elsässer, der zur Zeit die rechte Regierung Ungarns lobt und in der antisemitischen„Fidesz“ einen Bündnispartner gegen das „internationale Finanzkapital“ erkennen will, in irgendeiner Form die weitere Zusammenarbeit suchen.

Die Konferenz der Anti-Europäer

Der „Linksnationalist“ Jürgen Elsässer und seine „Volksinitiative“ planen eine„Aktionskonferenz“, auf der die Creme de la Creme der Verschwörungsideologen und Europa-Gegner auftreten sollen, um „Argumente gegen den Euro-Wahn (…) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Die Konferenz „Der Euro vor dem Zusammenbruch“ soll im „Russischen Haus“ in Berlin stattfinden, in dem die„Volksinitiative“ bereits öfter tagte. Am 25. September 2010 können sich die Teilnehmer_innen, die bis zu 35 Euro bezahlen sollen, von verschiedenen Referenten und der Band „Die Bandbreite“, die gerade einen schwarz-rot-goldenen WM-Song herausgebracht hat, berieseln lassen.

Die Aktionskonferenz der „Volksinitiative“ wird zur Zeit unter anderem durch Jürgen Elsässers Web-Blog und durch eine eigens gestaltete Sonderseite beworben. Der Eintritt soll auf das Konto des Stephan Haube überwiesen werden, der unter anderem als „Volksinitiative“-Redner auf dem antisemitischen „Al-Quds“-Aufmarsch in Berlin (2009) auftrat.

Als Referent wird wird unter anderem Nigel Farage, Europaabgeordneter der rechtspopulistischen „United Kingdom Independent Party (UKIP)“ angekündigt. Dessen Partei wird in Deutschland unter anderem von der rechten Wochenzeitung„Junge Freiheit“ mehr als wohlwollend beobachtet. Im Interview mit dem Blatt wetterte Farage gegen die europäische Union und trat für ein „Europa der Staaten“ ein. Farage empört sich, weil es angeblich keine „Kontrolle über die Zinsen, noch über die Wirtschaft“ geben würde. Das liegt, so Farage im Interview mit dem rechten, verschwörungsideologischen Blog „Alles Schall und Rauch“, unter anderen an der „Bilderberger-Konferenz“. Dieser Konferenz, an der Politiker, Lobbyisten und Manager teilnehmen, sagt Farage eine unglaubliche Macht nach: Die „Bilderberger“ hätten sich Politiker gesucht, die sie nach Belieben steuern können.

„Sie sollen von denen ausgewählt worden sein, damit sie manipuliert werden können und deren Befehle ausführen“.

Farage glaubt an diese Verschwörungstheorie. Er setzt der vermeintlichen Allmacht einer kleinen Konferenz den Willen der„freien Völker“ entgegen, die sich gegen Europa und die „Politkommissare“ zur Wehr setzen sollen. Für ihn ist Europa auf dem Weg eine Art westliche Sowjetunion zu werden. Im Europawahlkampf setzten Farage und seine UKIP auch auf die rassistische Schiene und sprachen von einer angeblich drohenden „Islamisierung“ Englands. Weil die UKIP auf antisemitische Hetze verzichtet und sich zumindest Formal für ein Existenzrecht Israels ausspricht, wurde der angekündigte Auftritt des EU-Abgeordneten Nigel Farage von einigen Anhänger_innen Elsässers kritisiert. So behauptete zum Beispiel Fatima Özoguz, verbandelt mit dem antisemitischen „Muslim Markts“, dass dessen UKIP „zionistisch unterwandert“ sei.

Die anderen Referenten der Aktionskonferenz stammen aus dem deutschsprachigen Raum und dürften vielleicht auch Frau Özoguz gefallen. Da wäre der rechte„EU-Kritiker“Karl Albrecht Schachtschneider, der keine Berührungsängste zu den Rassist_innen von „Pro Köln“hat. Außerdem wird der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler als Referent angekündigt. Dieser hatte Griechenland vorgeschlagen, doch einige Inseln „zu verkaufen“, damit ihre Schulden getilgt werden könnten. Außerdem schwebte ihm vor, den griechischen Staat aus dem Euro-Raum zu entfernen: „Wenn sich jemand reinmogelt, muss es auch möglich sein, ihn rauszuwerfen“ hatte Schäffler gepoltert, und von den armen deutschen Steuerzahlern gejammert, die die „griechische“ Finanzkrise finanzieren müssten.

Außer solchen Personen, die den deutschen Staat und Steuerzahler gegen die Europäische Union mobilisieren wollen, wird auch Andreas Clauss erwartet. Er ist Autor des Buches „Das Deutschland Protokoll 2 – Die wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands“. Dort werden Theorien über die„gegenwärtigen Rechtslage und Rechtssprechung in Deutschland“ und über die „Eingeweihten“, die von der angeblichen „wirtschaftlichen Vernichtung Deutschlands“ profitieren würden, verbreitet. Diese„Eingeweihten“ würden die „Krisen“geschickt steuern.

„Und zwar haben wir diese Katastrophen dann alle 60 bis 80 Jahre (…) Das haben die auch ganz geschickt eingefädelt. Warum so lange 60 bis 80 Jahre und warum brauch ich so’ne Zinssätze? Weil alle Menschen, die über die Katastrophen berichten könnten, die sind gestorben, die gibt es nicht mehr“, sagt Clauss in einem Vortrag. Das Buch, in dem ähnliche Thesen verbreitet werden, ist im rechten „J-K-Fischer Verlag“erschienen, der sich auf den antisemitischen Verschwörungs-Guru Jan Udo Holey beruft und diesen als „Vorbild“ und „Freund“ bezeichnet. Im Buch des Andreas Clauss werden neben den einschlägigen antisemitischen Stereotypen auch die Theorien der Reichsbürger propagiert, die in der Bundesrepublik eine „GmbH“ sehen wollen. Kein Wunder: Neben seiner Tätigkeit als Buchautor ist Clauss auch Vorsitzender des Vereins „Autarkes Leben“, in dessen Vorstand er auch auf Thomas Patzlaff trifft, einem „Reichsbürger“ aus Berlin, der sich in den vergangenen Jahren um den Aufbau einer „Feindkartei“ bemühte, in dem tatsächliche oder vermeintliche Gegner_innen des„Reiches“erfasst wurden . Der Verein galt als Koordinationszentrum um das mittlerweile aufgelöste„Fürstentum Germania“, einem Pseudostaat der von alten und neuen Nazis, rechten Esoteriker_innen und anderen Antisemit_innen ins Leben gerufen wurde.

Auf der Euro-Konferenz des Jürgen Elsässer soll auch Andreas Clauss seine Theorien verbreiten können. Dort wird Clauss auch auf alte Bekannte treffen. Schließlich wird die Band „Die Bandbreite“ als musikalische Unterhaltung angekündigt. Clauss und die Mitglieder der Band dürften sich von einer Tagung der „Anti-Zensur-Koalition“ (AZK) kennen, die der Sektenguru Ivo Sasek in der Schweiz veranstaltet. Dort treten Verschwörungsideologen und Holocaust-Leugner auf, um ihre Propaganda den Mitgliedern der Sekte näher zubringen. An einer Konferenz des Sektengurus hatten sowohl Andreas Clauss als auch„Die Bandbreite“ teilgenommen.

Die Band „Die Bandbreite“, die in den letzten Monate auch auf linken Festivals auftreten durfte und aktuell auf einem Mumia Abu-Jamal Sampler vertreten ist, bietet also die musikalischen Ergänzung zu den Theorien des „Linksnationalisten“ Jürgen Elsässer, des Rechtspopulisten Nigel Farage und des Verschwörungsideologen Andreas Clauss, der noch immer vom deutschen Reich träumt. Da verwundert es wenig, dass die Zeitschrift „Eigentümlich Frei“, die laut der antifaschistischen Zeitschrift„Der rechte Rand“ eng in „das publizistische Netz der deutschen Rechten eingebunden“ ist, die Konferenz der „Volksinitiative“ bewirbt.

Die „Aktionskonferenz“ soll am 25. September 2010 in Berlin stattfinden. Elsässer und seine rechten Kumpanen gehen wohl davon aus, dass es sogar Proteste geben könnte. Schließlich warnen sie potentielle Teilnehmer_innen und raten das Auto „NICHT in Tagungsnähe“zu parken. Außerdem werden„Sicherheitskontrollen beim Einlass“ angekündigt, damit kein Mensch diese Konferenz zu stören wagt. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Plan tatsächlich funktionieren wird.