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Der verschwörungsideologische Jahresrückblick

Es war ein gutes Jahr für das Milieu der „Trut­her“ und „In­fo­krie­ger“, die die Ver­fasst­heit der Welt ver­schwö­rungs­ideo­lo­gisch um­deu­ten. Schließ­lich gab es die ein oder an­de­re Ka­ta­stro­phe, den ein oder an­de­ren Ter­ror­an­schlag und die große ka­pi­ta­lis­ti­sche Krise, die die Ver­schwö­rungs­sze­ne in ihrem Sinne deu­te­ten konn­te. Zeit für einen Rück­blick über die wahn­haf­tes­ten und wirrs­ten Ver­schwö­rungs­kon­struk­te des ver­gan­ge­nen Jah­res.

Am 11. März 2011 kam es zum ver­hee­ren­den Erd­be­ben in Japan, ge­folgt vom Strah­len­un­fall von Fu­kus­hi­ma. Beide Er­eig­nis­se wur­den zum Ren­ner in der ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Szene. Hier ging es nicht um Empathie mit den Op­fern der Ka­ta­stro­phen, son­dern darum, diese Er­eig­nis­se in das ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Welt­bild ein­zu­ord­nen. Her­aus kam die ganz be­son­ders per­fi­de Theo­rie von der an­geb­li­chen Erd­be­ben­waf­fe, die gegen Japan ein­ge­setzt wor­den wäre.

Die „Grup­pe Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“, die an­sons­ten Pro­pa­gan­da für das ira­ni­sche Re­gime be­treibt, stell­te bei­spiels­wei­se die Frage, wer das Erd­be­ben an­ge­ord­net und aus­ge­führt hätte. Sie fol­ger­te, dass eine su­per-​ge­hei­me Erd­be­ben­waf­fe in Ein­satz ge­we­sen wäre. Auf an­de­ren In­ter­net­sei­ten wur­den gar die Er­eig­nis­se an sich in Frage ge­stellt. Hier war von einem „an­geb­li­chen Erd­be­ben“ die Rede, das in den Stu­di­os von BBC-​Lon­don ent­stan­den wäre. habe. Die Ka­ta­stro­phe wurde dort als „eine reine Er­fin­dung von Be­hör­den, Me­di­en und Po­li­ti­kern“ be­zeich­net.

Doch die Um­deu­tung der Er­eig­nis­se von Japan war endgültig vom Tisch, als am 26. Juli 2011 der ras­sis­ti­sche Mas­sen­mör­der An­ders Beh­ring Brei­vik seine blu­ti­gen Taten voll­brach­te. Be­reits am Tag der An­schlä­ge von Oslo und Utoya ent­stan­den die ers­ten Ver­schwö­rungs­theo­ri­en.

Zum klei­nen Ren­ner avan­cier­te ein an­geb­li­ches Ufo, das ei­ni­ge „Trut­her“ und „In­fo­krie­ger“ in einem YouTube-​Vi­deo der Ge­scheh­nis­se ent­deckt haben woll­ten. Dabei han­del­te es sich le­dig­lich um eine ty­pi­sche Stra­ßen­la­ter­ne, die die Haupt­stadt Nor­we­gens be­leuch­tet.

Neben die­ser eher amü­san­ten Theo­rie wur­den auch offen an­ti­se­mi­ti­sche Ver­schwö­rungs­theo­ri­en pro­pa­giert. Hier wurde der Mas­sen­mör­der An­ders Beh­ring Brei­vik, der in sei­nem ab­sur­den Ma­ni­fest davon ge­spro­chen hatte, dass die USA ein „be­trächt­li­ches Ju­den­pro­blem“ hät­ten, gar zu einem Agen­ten des is­rae­li­schen Ge­heim­diens­tes Mossad ge­macht.

Als Be­weis führ­ten die Ver­schwö­rungs­fans eine blau-​wei­ße Kra­wat­te an, die der Täter ge­tra­gen hatte. In an­de­ren Theo­ri­en wurde der Täter zum Opfer eines an­geb­li­chen Ge­hirn­wä­sche-​Pro­gramms na­mens „Mind Con­troll“. Er wurde in eine Reihe mit ver­schie­de­nen an­de­ren At­ten­tä­tern ge­stellt, die die­sem Pro­gramm an­geb­lich eben­falls zum Opfer ge­fal­len wären. Hier wurde an den Ken­ne­dy-​At­ten­tä­ter Lee Har­vey Os­wald oder den Len­non-​Mör­der Mark David Ch­ap­man er­in­nert. An­ders Beh­ring Bre­vik wurde auf diese Weise als das ei­gent­li­che Opfer dar­ge­stellt, der ras­sis­ti­sche Mör­der und seine Ideo­lo­gie ent­las­tet.

Ein wei­te­res hei­ßes Thema in der Ver­schwö­rungs­sze­ne war die ka­pi­ta­lis­ti­sche Krise und ihre Fol­gen. Ver­schie­de­ne Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker schau­ten in ihre Glas­ku­geln und pro­phe­zei­ten die bal­di­ge Wie­der­ein­füh­rung der Deut­schen Mark.

Sehr be­liebt war die große Forst­wa­gen­ver­schwö­rung, die von der an­ti-​fe­mi­nis­ti­schen Ikone Eva Her­man be­wor­ben wurde. Die be­haup­te­te, in den mitt­ler­wei­le ein­ge­stell­ten Kopp–Nach­rich­ten, dass die neue Deut­sche Mark, der feuch­te Traum aller An­ti-​Eu­ro­pä­er, insgeheim in der Schweiz ge­druckt und durch unauffällige Forst­wa­gen durch die Bun­des­re­pu­blik kutschiert wer­den würde.

Die Wie­der­ein­füh­rung der Deut­schen Mark wurde am 16. Au­gust 2011 an­ge­kün­digt. Al­ler­dings läßt diese Ein­füh­rung bis heute auf sich war­ten. Viel­leicht zeigt auch die­ses Er­eig­nis auf, dass Ver­schwö­rungs­theo­ri­en nur wenig mit dem ganz rea­len ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­scheh­nis­sen zu tun haben, dafür aber viel mit mo­der­nen Mär­chen, denen die leicht­gläu­bi­gen Men­schen, die nach einer ein­fa­chen Er­klä­rung su­chen, zum Opfer fal­len.

Der Jah­res­tag der mör­de­ri­schen An­schlä­ge vom 11. Sep­tem­ber 2001 wurde von der Ver­schwö­rungs­sze­ne ge­nutzt, um auf die Stra­ße zu gehen. Zwi­schen vier– und fünf­hun­dert Men­schen be­tei­lig­ten sich am 10. Sep­tem­ber 2011 an einem Auf­marsch in Karls­ru­he. Die­ser wurde von der Ver­schwö­rungs­band „Die Band­brei­te“ mu­si­ka­lisch be­glei­tet und vorab in den Kopp–Nach­rich­ten be­wor­ben.

Der Auf­marsch stell­te den sicht­ba­ren geis­ti­gen Ab­grund dar, dem sich die Ver­schwö­rungs­sze­ne auch in Deutsch­land er­ge­ben hat. Hier kamen Ver­schwö­rungs­fans, Chem­trail-​Ideo­lo­gen und Sek­ten-​Mit­glie­der zu­sam­men, um gegen die USA zu het­zen. Hier wurde an deut­sche Ge­füh­le ap­pel­liert, hier wur­den die USA zu den ei­gent­li­chen Ter­ro­ris­ten ge­macht. Hier wurde ein Jahr­hun­dert der Ver­schwö­run­gen pro­pa­giert, mit dem auch Krie­ge wie der zwei­te Welt­krieg um­ge­deu­tet wer­den kön­nen. Auf dem Auf­marsch sprach schließ­lich Chris­toph Hörs­tel. Er hielt dort eine böse Brand­re­de, in der er unter an­de­rem den „Freun­den von Rechts“ Recht gab und gegen die „west­li­che Ver­bre­cher­ban­de“ hetz­te.

Zum Ende des Jah­res wur­den die Na­zi-​Mör­der des „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grunds“ ent­las­tet. Eva Her­man sprach bei­spiels­wei­se von einer an­geb­li­chen Ver­schwö­rung des ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­diens­tes CIA. Am 14. No­vem­ber 2011 ver­las sie die Nach­richt über einen an­geb­li­chen CIA–„Ge­heim­bund“, der „rech­te Grup­pen“ un­ter­wan­dern würde.

Hier er­in­ner­te sie an die Morde des An­ders Beh­ring Brei­vik und be­rief sich auf omi­nö­se „Be­ob­ach­ter“, die davon aus­ge­hen wür­den, dass auch die „soge­nann­ten Dö­ner­mor­de“ von der „Ge­heim­or­ga­ni­sa­ti­on ko­or­di­niert wer­den“ wür­den. Offen ras­sis­tisch ar­gu­men­tier­te der ehe­ma­li­ge Junge Welt Autor Jür­gen El­säs­ser, der von „neun Döner Tür­ken“ schrieb und die Na­zi-​Mör­der ent­las­te­te, diese hät­ten mit den Taten nichts zu tun, be­haup­te­te die­ser Stich­wort­ge­ber der Ver­schwö­rungs­sze­ne zeit­wei­lig. Ver­schie­de­ne Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen of­fen­bar­ten die an­geb­li­chen Hin­ter­grün­de und mach­ten CIA oder Mossad ver­ant­wort­lich.

Für die Ver­schwö­rungs­sze­ne en­de­te das Jahr also, wie es be­gon­nen hatte. Die his­to­ri­schen Er­eig­nis­se wur­den in ihrem Sinne um­ge­deu­tet und die an­geb­li­che Ver­schwö­rung pro­pa­giert. Dies wird auch im nächs­ten Jahr nicht an­ders aus­se­hen, wenn die Ver­schwö­rungs­sze­ne ihre Er­klä­run­gen zu den nächs­ten Er­eig­nis­sen prä­sen­tie­ren wird. Denn auch im neuen Jahr dürf­ten die kom­men­den Er­eig­nis­se auf diese Weise ver­klärt wer­den.

Wenn im Jahr 2012 Nazis und Ras­sis­ten mor­den, wer­den sie is­rae­li­sche oder ame­ri­ka­ni­sche Ge­heim­diens­te ver­ant­wort­lich ma­chen, wenn die Erde bebt wer­den sie von an­geb­li­chen Erd­be­ben­waf­fen träu­men und wahr­schein­lich wer­den sie mal wie­der die bal­di­ge Wie­der­ein­füh­rung der Deut­schen Mark ver­spre­chen. Es sind gol­de­ne Zei­ten für Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und die An­hän­ger_in­nen von Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, dies hat auch das Jahr 2011 ge­zeigt.

Leicht über­ar­bei­te­te und er­gänz­te Ver­si­on einer Ra­dio­ko­lum­ne, die in den ver­gan­ge­nen Tagen im Radio Corax zu hören war. Die Ko­lum­ne kann hier her­un­ter­ge­la­den und an­ge­hört wer­den.

Forstwagenverschwörung

In den Internet-Nachrichten des Kopp-Verlags propagiert die Anti-Feministin Eva Herman am 16.08.2011 tatsächlich eine große Forstwagenverschwörung zur angeblichen Wiedereinführung der D-Mark. Sie beruft sich auf „verschiedene Blogs“, in denen derartige Behauptungen zu finden wären.

Das Gerücht über eine angebliche Wiedereinführung der D-Mark wird unter anderem durch den Verschwörungsideologen Walter K. Eichelburg bedient, der derartige Behauptungen in schöner Regelmäßigkeit aufstellt. So behauptete Eichelburg 2010, dass es eine geheime Aktion namens „Balthasar“ geben würde, um zur Jahresmitte 2010 eine „D-Mark 2″ als als „Notwährung“ einzuführen:

Ab Montag (17.5.) kann jeder Kontoinhaber 100 Deutsche Mark abheben. Die Umstellung dauert 2 Wochen, in einem Internen Schreiben der Bundesbank wurden alle großen Handelsketten vor 2 Wochen angeschrieben, keine EURO Zeichen mehr zu verwenden.

Im Jahr 2011 wiederholt Eichelburg derartige Behauptungen, mit denen sowohl Verschwörungsfans, als auch rechte EU-Hasser anspricht, die von der Wiederkehr der Deutschen Mark träumen.

Auf seiner Internetseite veröffentlicht Eichelburg angebliche Erlebnisberichte von anonymen „Informanten“. Dort findet sich am 15.08.2011 die Behauptung, dass die „D-Mark 2″ verteilt werden würde:

Sehr helles auffälliges Grün, keine Werbung an Zugmaschinen oder Auflieger, immer gefolgt von vollbesetzten unauffälligen Forstfahrzeugen.

Im Jahr 2012 wird Eichelburg ein neues Datum zur Wiedereinführung der „D-Mark 2″ ansetzen. Wahrscheinlich wird auch zur Jahresmitte 2012 von einer geheimen Aktion mit Forstwagen die Rede sein, mit der die „D-Mark 2″ eingeführt werden soll. Wahrscheinlich wird Eva Herman auch dann berichten. Der Vorteil der Forstwagenverschwörung besteht auch in dem Umstand, dass Eichelburg sie jedes Jahr aufs Neue propagieren kann.

Aufmarsch der Verschwörungsfans

Am 11. September 2011 jährt sich der zehnte Jahrestag der mörderischen Anschläge auf das World Trade Center in New York, dem mehr als 2000 Menschen zum Opfer fielen. Jahr für Jahr nutzt die Bewegung der „Truther“, „Infokrieger“ und „Wahrheitsbewegten“ dieses Datum, um ihre Theorien in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

„Truther“ und „Infokrieger“ glauben tatsächlich, dass der Anschlag nicht durch fanatische antiamerikanische und antisemitische Islamisten begangen wurde. Sie machen vor allem die amerikanische Regierung und deren Institutionen, aber auch den Mossad und andere Geheimdienste, für den Anschlag verantwortlich. Zum Jahrestag des Anschlags mobilisiert dieser verblendete Klüngel nach Karlsruhe. Dort will man, am 10. September 2011, einen Aufmarsch durchführen.

Organisiert wird dieser Aufmarsch von einem „Stammtisch“ der Verschwörungsfans aus Karlsruhe. Verschiedene Blogs und Internetseiten, die die Szene der „Truther“ organisieren wollen, haben derartige „Stammtische“ geschaffen. Dort kommt der harte Kern der Verschwörungsfans zusammen. Auf diese Art und Weise ist ein reges Netzwerk um verschiedene Internetseiten entstanden, die der Szene als Informationsquellen dienen.

Der „Stammtisch“ aus Karlsruhe ist um die Internetseite „The Real Stories“ organisiert, empfiehlt allerdings auch die Verschwörungskonkurrenz von der strukturell antisemitischen und nationalistischen Internetseite „Alles Schall und Rauch“. Einmal im Monat kommen die Mitglieder des Stammtischs im „Restaurant Walhalla“ in Karlsruhe zusammen, um sich „über aktuelle Themen auszutauschen und um Leute aus der Bewegung persönlich kennen zu lernen“.

Auf der Internetseite von „The Real Stories“ finden sich die üblichen Verschwörungstheorien: So zum Beispiel Interviews des nationalistischen Verschwörungsideologen Alex Jones, der die Behauptung aufstellt, dass die deutschen Nationalsozialisten durch den englischen Geheimdienst gesteuert werden würden. Außerdem finden sich Texte und Videos des „Chemtrail“-Theoretikers Werner Altnickel, der in seinem antisemitischen Wahn unter anderem von geheimen israelischen Strahlen- und Erdbebenwaffen halluziniert. Des Weiteren werden die Videos der „Anti-Zensur-Koalition“ des Sektengurus Ivo Sasek empfohlen. „Wer mir jetzt nicht gehorcht, gehorcht dem Herrn nicht“, warnt Sasek seine Anhänger_innen.

„The Real Stories“ propagiert aber auch die Theorien des Verschwörungsideologen Oliver Janich, der eine „Partei der Vernunft“ (PdV) geschaffen hat. Diese neo-liberale Organisation – um den ehemaligen „Focus Money“-Autoren Janich, der immer wieder mit dem „Linksnationalisten“ Jürgen Elsässer klüngelt – ist eines der obskursten Projekte innerhalb der Verschwörungs-Szene: Auf der einen Seite mit streng neo-liberalen Programm, auf der anderen Seite mit streng verschwörungstheoretischen Ideen ausgestattet, ist der Parteivorsitzender Oliver Janich angetreten, die Parteienlandschaft aufzurollen. Der Erfolg bleibt gering, doch über die verschwörungstheoretischen Inhalte gelingt es Janich, innerhalb der Szene der „Truther“ und „Infokrieger“, einen gewissen inhaltlichen Einfluss zu erlangen.

Oliver Janich wird wohl auch daher als Redner für den Aufmarsch der Verschwörungsfans in Karlsruhe angekündigt. Für die musikalische Untermahlung dieses Verschwörungstreffens sind die üblichen Verdächtigen zuständig. Die Band „Die Bandbreite“, die zuletzt unter anderem auf dem UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) auftrat, sowie der Verschwörungsrapper „Kilez More“, der unter anderem während eines Vortrags des antisemitischen Echsen-Ideologen David Icke für die musikalische Untermalung sorgte, werden zum Stelldichein der Verschwörungsfans angekündigt. „Die Bandbreite“ hat sogar einen eigenen Trailer erstellt:

Wenn ihr euch selber nicht erklären könnt, wie drei Stahlhochhäuser in Fallgeschwindigkeit kollabieren können. (…) Wenn ihr genau diese Fragen habt, kommt auf die Demo.

Deren anti-amerikanische Ausrichtung ist offensichtlich. Schließlich soll mit Plakaten und Transparenten Stimmung gemacht werden. Das beinhaltet auch im Jahr 2011 Losungen wie „George Bush ist der größte Terrorist“ (!), „US-Terror weltweit“ oder „3.000 Opfer für Öl, oder was“.

Diese Manifestation der Verschwörungsfans wird vom esoterischen Kopp Verlag beworben. Der Aufruf zum Aufmarsch findet sich auf der Internetseite des Verlags. Doch damit nicht genug. In den fürs Internet produzierten „Kopp-Nachrichten“ vom 11.07.2011 berichtet die ehemalige Tagesschau Sprecherin Eva Herman mit einiger Begeisterung von der Demonstration, für die sie „Die Bandbreite“ verantwortlich macht.

Am 10. September 2011 wollen die Verschwörungsfans aufmarschieren, um die historischen Ereignisse des 11. September 2001 umzudeuten. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr auf dem Friedrichsplatz in Karlsruhe.

Die Rückkehr der Eva Herman

Mit einer Art Tagesschau für das In­ter­net versucht der ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche, rechts­kon­ser­va­ti­ve Kopp-​Ver­lag für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Nach­rich­ten werden von der Kopp-​Au­to­rin und ehemaligen Tagesschau-​Sprecherin Eva Her­man moderiert, die bereits ein Buch im Ver­lag ver­öf­fent­lich­te, aber auch für die Nach­rich­ten­sei­ten des Ver­lags schrieb. Dort warn­te sie vor „Gen­der-​Main­strea­ming“ und an­de­ren an­geb­li­chen Ge­fah­ren, die die deut­sche Fa­mi­lie zer­stö­ren wür­den.

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Über den Kopp-​Ver­lag wer­den auch die Bü­cher des an­ti­se­mi­ti­schen „hohle Erde“ Theo­re­ti­kers Jan Udo Holey (alias „Jan von Hel­sing“) ver­trie­ben. Eben­so er­schei­nen dort die Bü­cher des angeblichen „Is­lam-​Kri­ti­kers“ Udo Ul­fkot­te, der sein Buch mit einer „gro­ßen Deutsch­land­kar­te zum Her­aus­neh­men“ be­wirbt, auf denen alle „bür­ger­kriegs­ge­fähr­de­ten Ge­bie­te“ zu fin­den sind, die an­geb­lich auf­grund „eth­ni­scher Span­nun­gen“ in den Groß­städ­ten der Bun­des­re­pu­blik ent­ste­hen wür­den.

Ak­tu­ell spricht Eva Her­man nicht nur die „Nach­rich­ten“ des Ver­lags, die sich auch auf den üb­li­chen Vi­deo­por­ta­len fin­den las­sen, son­dern hat – na­tür­lich auch im Kopp-​Ver­lag – ein Buch ver­öf­fent­licht, mit dem sie ihren skan­dal­träch­ti­gen me­dia­len Ab­gang ver­mark­tet. „Die Wahr­heit und ihr Preis“ nennt sich das neu­es­te Mach­werk der Eva H., das es ak­tu­ell auf Platz 21 der „Spie­gel-​Best­sel­ler­charts“ ge­schafft hat.

Der Kopp-​Ver­lag fin­det immer wie­der sei­nen Weg in die gro­ßen Me­di­en. Als Ve­hi­kel dient ihm Udo Ul­fkot­te, aber vor allem Eva Her­man, die sich einer teil­wei­sen Rück­kehr in die gro­ßen Me­di­en si­cher ist, seit­dem sie ex­klu­siv für die Bild–“Zei­tung“ ihre Sicht auf die Dinge ver­öf­fent­li­chen konn­te, die zur ihrer Ent­las­sung beim NDR führ­ten. Das Bou­le­vard-​Blatt war sich nicht zu scha­de, die Buch-​Er­in­ne­run­gen der Her­man in Aus­zü­gen ab­zu­dru­cken. Im Mai ver­öf­fent­lich­te das Blatt ganze vier Ar­ti­kel über die rechts­kon­ser­va­ti­ve An­ti-​Fe­mi­nis­tin: „Eva Her­man rech­net mit ihren Kri­ti­kern ab“, hieß nur eine der reiße­ri­schen BILD-Schlag­zei­len. Knapp drei Jahre zuvor hatte Eva Her­man die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche „Fa­mi­li­en­po­li­tik“ ge­lobt und muss­te kurz dar­auf den NDR ver­las­sen.

Die fünf Mi­nu­ten lan­gen „Nach­rich­ten“ des Kopp-​Ver­lags haben es wie­der­um bis in einen Be­richt des Fern­seh­sen­ders RTL ge­schafft. In der Sen­dung „Ex­clu­siv – Weekend“ (06.​06.​2010), in der die neu­es­ten News über„die Schö­nen und Rei­chen“ ver­brei­tet wer­den, wur­den die „Nach­rich­ten“ des Kopp-​Ver­lags be­wor­ben. Dort gab es na­tür­lich kein Wort der Kri­tik an den Po­si­tio­nen Eva Hermans, die wäh­rend der Eu­ro­pa­wah­len 2009 die rechtskle­ri­ka­le Kleinst­par­tei AUF un­ter­stützt hatte und die nach ei­ge­nen An­ga­ben einen Kampf gegen „grau­si­ge Ideo­lo­gie der Gleich­heit von Mann und Frau“ führt. Eben­so kein Wort der Kri­tik an dem Ver­lag, in dem Eva Her­man pu­bli­ziert. Etwa über Bü­cher, in dem für das At­ten­tat auf John F. Ken­ne­dy „CIA, Mafia und Hoch­fi­nanz“ ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den oder in denen der Selbst­mord des FDP-​An­ti­se­mi­ten Jür­gen Möl­len­mann um­ge­deu­tet wird.

Statt­des­sen gab es bei RTL eine Wer­bung, die nicht als sol­che ge­kenn­zeich­net war und die dem Kopp-​Ver­lag den ein oder an­de­ren Klick durch in­ter­es­sier­te Zu­schau­er_in­nen beschert haben dürf­te, die durch „RTL-​Ex­clu­siv-​Weekend“ auf die „Nach­rich­ten“ des„​Ver­lages auf­merk­sam wur­den. Eben­so dürf­te es den Le­ser_in­nen der Bild-„Zeitung“ er­ge­hen, die durch einen wei­te­ren Ar­ti­kel über Eva Her­mans neu­es­te Karriere in­for­miert wur­den: „Ich finde gut, dass wir dort Nach­rich­ten brin­gen kön­nen, die sonst nicht so im Fokus ste­hen“, sagte Her­man der BILD. Ein Blick in die bis­he­ri­gen Sen­dun­gen of­fen­bart wenig Überraschendes: Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, wie die bal­di­ge Ein­füh­rung des Impstoffs gegen Krebs, Ul­fkot­te-​Tex­te über die „IHH“ und die Paranoia vor dem EU-​Par­la­ment, das an­geb­lich be­stimm­te Rol­len­bil­der ver­bie­ten wolle, durch­zie­hen die „Nach­rich­ten“ des Kopp-​Ver­lags wie einen roten Faden. Dank der tat­kräf­ti­gen Un­ter­stüt­zung durch BILD und RTL könn­te Eva Hermans Rück­kehr vor die Bild­schir­me tat­säch­lich glü­cken. Zu­min­dest erst einmal im In­ter­net.