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Die Horror-Show des Harry Fear

Wer in den vergangenen Wochen eine Veranstaltung besuchte, bei der es um den Gaza-Streifen und um Israel ging, könnte dort einen Menschen erlebt haben, der sich der Sache der Hamas verschrieben hat. Der britische Dokumentarfilmer Harry Fear bereist zur Zeit die Provinzstädte und die Metropolen des Kontinents, um in alten Kirchen und in großen Gewerkschaftshäusern über seine Sache zu sprechen.

Im Gaza-Streifen verbrachte Fear viel Zeit mit seiner Kamera und den Akteuren des Terrors. Bedeutende antisemitischen Kader, von Hamas und Islamischen Dschihad, wurden von ihm ebenso befragt, wie die Angehörigen der mordenden Antisemiten. Es entstanden vollkommen unkritische Interviews, in denen die völkischen Propagandisten dieser Vereinigungen ihre mörderischen Taten als „Widerstand“, der eine „nationale Pflicht“ darstellen würde, beschrieben.

Harry Fear steht an ihrer Seite. Auf der anderen Seite spricht er von „psychopathischer Gewalt“, für die er Israel verantwortlich macht. Der parteiische Dokumentarfilmer tritt auf seinen Veranstaltungen und in zahlreichen Interviews daher ganz offen für einen „bewaffneten Widerstand“ ein und erfreut auf diese Weise verschiedene Antisemiten, die von Vernichtung träumen.

Kurioserweise wird man in den Werbeclips und in den Veranstaltungen des Harry Fear wenig über die reale Praxis der von ihm beworbenen Mordbanden erfahren. Die mörderischen Attacken, bei denen sich die mit Nagelbomben bepackten Aktivisten bevorzugt in Schulen, Einkaufszentren und Linienbussen in die Luft sprengten, um möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden, werden von ihm nicht erwähnt. Dafür dürfen die Sprecher dieser Terrortruppe in seinen Videos ausführlich über ihren Kampf gegen Israel schwadronieren.

Hinzu kommen anti-israelische Grusel-Storys über die israelische Armee und den dazugehörigen Staat. Das sind die wichtigsten Inhalte von Fears Horror-Show, die dieser in Kirchen und Gewerkschaftshäusern präsentiert. Dort berichtet Fear über seine Erlebnisse in Gaza, um die Herzen der Menschen erfreuen, die gruselige Märchen über die israelische Armee hören wollen. Diese würde, so behauptet es Fear, eine „Endlösung“ anstreben.

Der Dokumentarfilmer scheint seine Parteinahme für den Antisemitismus schon lange vollzogen zu haben. Darauf verweisen auch einige Fotos, auf denen Harry Fear voller stolz zwischen vermummten Kadern der antisemitischen Hamas posiert, die ihre Waffen präsentieren. Darauf verweisen aber auch die Interviews, die Fear dem iranischen Sender Press.TV gab. Es handelt sich um einen Sender, in dem ansonsten bevorzugt die Shoa geleugnet oder antisemitische Verschwörungskonstrukte beworben werden.

Andere Fotos des umtriebigen Akteurs sind nicht so martialisch gehalten, vielleicht sollen sie die Herzen seiner Zielgruppe ansprechen. Kleine Kinder, die traurig oder kämpferisch in die Kameras schauen, sind ein weiteres bevorzugtes Fotoobjekt des britischen Aktivisten. Diese Fotos zeigt Harry Fear nun auf den Veranstaltungen, mit denen er die Sache bewirbt, die ihm augenscheinlich am Herzen liegt. Wer eine seine Veranstaltungen besucht wird außerdem ein Video zu sehen bekommen, das Fear zur Beweisführung heranzieht. Dort nähert er sich, gemeinsam mit anderen Kameraden, der israelischen Grenze, worauf ihm gedroht wird. Mit derartigen Filmen erfreut er seine Zuschauerinnen und Zuschauer, die seine Gruselvideos gerne sehen.

Die dazugehörigen Gruselgeschichten, die er mit Videos und Fotos garniert, werden ebenso gerne gehört. Der Dokumentarfilmer wurde zum Beispiel von Institutionen der evangelischen Kirche in Oldenburg eingeladen, um seine Hamas-Horror-Show in der größten Kirche der kleinen Provinzstadt darzubieten. Hunderte folgten der Einladung, an der unter anderem die evangelische „Akademie“ beteiligt war, die ansonsten paradoxerweise „Konzerte gegen Rechts“ unterstützt. Ob diese Institution auch am „Friedenspreis“ beteiligt war, die ein Diakon nach der Veranstaltung überreichte, ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass Harry Fear, auf Einladung eines Lehrers sogar die Kinder einer örtlichen Gesamtschule belästigen durfte.

Außerdem besucht er die staatlichen Rundfunkstudios, um von besorgten Kollegen über die Zustände befragt zu werden. Der ORF und Radio Bremen entblödeten sich nicht, Harry Fear zum Gespräch zu bitten. In Bremen besuchte der Dokumentarfilmer nicht nur ein Radiostudio. Fear hielt vor den Aktivisten der örtlichen Friedenstruppe, deren berüchtigste Aktionsform der Aufruf zum Israel-Boykott darstellt, seine kleine Horror-Show ab.

Kiel und Hamburg waren weitere Stationen, bevor es – nach einem Abstecher in die Niederlande — gen Österreich ging. Dort sprach Fear an der Universität Wien und für eine islamistische Vereinigung. Es waren nicht nur kirchliche Institutionen, sondern auch ein Arbeitskreis der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und eine parteinahe Stiftung, die die Abende ausrichtete. Die Gewerkschaft stellte daher auch ihr Räumlichkeiten zur Verfügung. Eine weitere Veranstaltung wurde in den Räumen der Grünen Heinrich-Böll-Stiftung aus Schleswig-Holstein ausgerichtet, die die Werbeveranstaltung des Harry Fear offenherzig unterstützte.

Dieser fordert auf den Veranstaltungen ein „Recht auf bewaffneten Widerstand“ ein und offenbart sich auch auf diese Weise als inoffizieller Sprecher der antisemitischen Terrorbanden, die Israel mit Vernichtung bedrohen. In dieser Rolle wird Harry Fear auch in Zukunft durch Gewerkschaften, Kirchen und Stiftungen hofiert werden, die seine Gruselgeschichten über Israel und seine Huldigungen der Hamas nur zu gerne eine Bühne bieten werden.

Mag sein, dass ihn seine Nähe zu den Menschen in Gaza einseitig sein lässt. Ein Veranstaltungsteilnehmer spricht von Propaganda. Aber ich bin ihm dankbar.

Das schreibt ein begeisterter Kirchenbesucher in einem mittlerweile gelöschten Kommentar. Eine derartige Horror-Show wird in Deutschland eben gerne gesehen.

Die Thesen des Stefan Ziefle

Nachdem die Soziologen Samuel Salzborn und Sebastian Voigt eine Studie veröffentlichten, die sich mit dem Antisemitismus innerhalb der Partei Die Linke beschäftigte, berichteten verschiedene Medien. Insbesondere nach einem Artikel, der in der Frankfurter Rundschau erschienen war und in dem über die Studie berichtet wurde, gelangte der Antisemitismus innerhalb der Partei ins öffentliche Bewusstsein. Es gab sogar eine Bundestagsdebatte zum Thema.

Doch Die Linke steckte den Kopf in den Sand; Gregor Gysi bezeichnete die Studie als „Blödsinn“, der Parteivorstand verabschiedete eine Erklärung, die eine Art Persilschein für die Israel-Hasser innerhalb der Partei darstellen kann: „Antisemitismus haben in unserer Partei heute nicht und niemals einen Platz“, lautete die Behauptung des Parteivorstands, der damit noch einmal deutlich machte, dass er dem Antisemitismus einiger Kader weiterhin mit Ignoranz begegnen würde. Den Israel-Hassern in der Partei wurde noch einmal verdeutlicht, dass ihre unsäglichen Ausfälle nicht als lupenreiner Antisemitismus, sondern als legitime Positionen angesehen werden.

Eines der bekannteste Beispiel für derartige Positionen sind die unsäglichen Ausfälle der Bundestagsabgeordneten Inge Höger, die zuletzt auf einer Werbe-Veranstaltung für die antisemitische Hamas in Wuppertal auftrat – warm eingepackt in einen Schal, auf dem Israel durch ein Groß-Palästina ausradiert worden war.

Ein nicht ganz so bekanntes Beispiel sind die ebenso unsäglichen Thesen des Stefan Ziefle. Dieser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Linken-Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz und gehört zum Netzwerk Marx 21 innerhalb der Partei. Außerdem ist Ziefle der Sprecher der „BAG Frieden und internationale Politik der LINKEN“. Er hielt auf einer Veranstaltung seines organisatorischen Zusammenschlusses ein Referat, das sich mit der Frage beschäftigte, ob Kritik an Israel antisemitisch sein könne.

Sein Referat, gehalten am 21. November 2010 in Berlin, geriet zu einem flammenden Appell gegen den israelischen Staat und für die antisemitische Hamas. Das der israelische Staat eine Konsequenz aus der Shoah sei, dieser Erkenntnis verweigerte sich der wissenschaftliche Mitarbeiter standhaft und bezeichnete derartige Gedanken als „Blödsinn“. Ziefle behauptete unter anderem, dass der „Zionismus eine völkische Ideologie“ darstellen würde und verglich diesen mit dem Nationalsozialismus, der angeblich auf die gleichen Traditionslinien zurückblicken könne.

Ansonsten zeichnete Ziefle ein blutiges Bildnis, mit dem er Israel für alles Unrecht in der Region verantwortlich machte. „Aber zu sagen, die Juden haben das Land geklaut (…) ist nicht antisemitisch“, behauptete der wissenschaftliche Mitarbeiter. Ebenso sei die Forderung „alle Juden ins Meer zu schmeißen“ kein Antisemitismus. Derartige Forderungen hält Ziefle zwar für „verkürzt“, ohne ihnen allerdings die Berechtigung abzusprechen, weil sie lediglich eine Konsequenz der angeblichen Unterdrückung durch den israelischen Staat darstellen würden:

Wenn dann Menschen daherkommen und sagen: (…) die Juden, guck mal was die mit uns machen, dann ist das nicht Antisemitismus in meinen Augen.

Gegen Ende seines Referats, das mit dem Wort Hetze noch fast verharmlosend umschrieben wäre, ging Ziefle aufs Ganze und rief zur Solidarität mit den antisemitischen Mordbanden auf. Insbesondere die Hamas hat es ihm angetan, die nicht durch „faule Kompromisse, sondern durch Kampf, durch den bewaffneten Widerstand“ agieren würde.

In der Charta der Hamas heißt es unter anderem: „Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!“

Diese Hamas beschrieb Ziefle trotz alledem als „soziale Befreiungsbewegung“, mit der sich Die Linke solidarisieren sollte. Innerhalb seines halbstündigen Referates machte Ziefle auf gespenstische Weise deutlich, dass der Hass auf Israel innerhalb der Partei Die Linke ein Vehikel ist, mit dem das antisemitische Ressentiment Verbreitung finden kann.