Schlagwörter: Infokrieg.tv

Wahlschlappe

Ganze ‎6.348 Wähler_innen wählten am 13.05.2012 in Nordrhein-Westfalen die „Partei der Vernunft” (PdV). Mit diesem Ergebnis unterbot die verschwörungsideologische Partei sogar das Satire-Projekt „Die Partei”, das immerhin von 23.032 Wähler_innen favorisiert wurde.

Die „Partei der Vernunft” leistet sich nicht nur einen Verschwörungsideologen als Parteivorsitzenden, sondern auch einen Reichsbürger und Holocaustleugner als Werbefigur.

Der Parteivorsitzende Oliver Janich leugnet den islamistischen Terror des 11. September 2001. Er mobilisiert zu Aufmärschen der selbsternannten „Truther” und „Infokrieger” und wirbt auf den Veranstaltungen dieses Milieus für seine Partei. Als Autor schreibt er unter anderem für den rechts-esoterischen Kopp-Verlag, indem Eva Herman und andere Gestalten eine Heimat gefunden haben.

Die Werbefigur Marco Wüst wird in einem offiziellen Video als einfaches Parteimitglied vorgestellt, dabei hat er die Kleinpartei mittlerweile wieder verlassen und organisiert nun Veranstaltungen für rechte „Reichsbürger”. Bis heute hat sich die„Partei der Vernunft” nicht von ihrer Werbefigur distanziert, das Video ist nach wie vor über den offiziellen Partei-Account des niedersächsischen Landesverbandes zu finden.

Während des Wahlkampfes versuchte die „Partei der Vernunft” ganz populistisch die FDP zu beerben und machte gegen den Euro mobil. „Als schnelle Zwischenlösung” dachte der Parteivorsitzende Janich über die Wiedereinführung der Deutschen Mark nach. Zwischendurch verteilte man Kuchen in den Innenstädten des Ruhrgebiets und produzierte ein Wahlvideo, indem mit kleinen Kindern an das Gewissen der wählenden Eltern appelliert wurde.

Der Spitzenkandidat Die­ter Audehm ließ sich von der verschwörungsideologischen Internetplattform „Infokrieg.tv” interviewen, in den Sendungen dieser Seite werden ansonsten die Morde des Anders Behring Breivik und die des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) umgedeutet. Unterstützung gab es aber auch durch die rechts-konservative Internetseite „Eigentümlich Frei”. Dort wurde die „Partei der Vernunft” als „Wahlalternative” beworben, während darüber gejammert wurde, dass die verhassten „Mittelstrommedien” nicht über die Partei, dafür aber „über Viertligaspiele im Frauenfußball” (!) informieren würden.

Genutzt hat es wenig. Mit den ‎6.348 Stimmen (0,1 %) reichte es nur für das schlechteste Ergebnis aller antretenden Parteien. Die verschwörungsideologische Truppe rangiert abgeschlagen hinter der christlich-fundamentalistischen AUF und den Freien Wählern.

Die Wahlschlappe wird allerdings nicht eingestanden, dafür blühen Verschwörungsmythen und Durchhalteparolen. Die Partei habe sich „einer gigantischen Herausforderung gestellt und dabei viel gewonnen”, behauptet der Partei-Kader Martin Moczarski ganz „erschöpft” auf der offiziellen Facebook-Seite des Landesverbandes. Um ein drohendes Auseinanderfallen der Parteistrukturen zu verhindern, wählt er einen kriegerischen Tonfall. Es müsse eine„Schlacht geschlagen” geschlagen werden:

Nicht im Internet, nicht auf Facebook wird die Schlacht geschlagen, sondern da draussen: Vor den Haustüren, auf den Bürgersteigen, in den Fussgängerzonen. Jeder einzelne von Euch wird dafür gebraucht.

Auf der Internetseite „Infokrieg.tv” findet sich außerdem eine offizielle Erklärung:

Die Partei der Vernunft wird den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen, im Interesse unseres Landes und unserer aller Freiheit.

Unter dieser Erklärung, die zuerst auf dieser verschwörungsideologischen Plattform veröffentlicht wurde, finden sich außerdem zahlreiche Kommentare der Leser_innen, die sich dort mit der Wahlschlappe der Partei beschäftigen.

Dort schreibt zum Beispiel der Verschwörungsideologe Hans Kolpak, der in der Vergangenheit als „Pressesprecher” der „Partei der Vernunft” auftrat und im Parteivorstand saß. Auf seiner eigenen Internetseite wird die deutsche Kriegsschuld am zweiten Weltkrieg als „Lüge um Deutschland” bezeichnet. „Was soll die Holocaustreligion verbergen”, fragt dieser antisemitische Verschwörungsideologe und macht die „Zionisten” und die „Machenschaften ihrer Neocon-Agenten” für die angebliche Religion verantwortlich. Auf der Internetseite „Infokrieg.tv” liefert Kolpak wiederrum eine Erklärung für die Wahlschlappe der„Partei der Vernunft” (PdV): Es sei die Dummheit der Wähler_innen, sie hätten die „zumeist korrekten Inhalte nicht erfassen” können.

Andere Parteikader greifen auf Verschwörungsmythen zurück, um die Wahlschlapppe zu verklären. Da wäre zum Beispiel Igor Ryvkin, der als offizielles Mitglied des „Presseteams” Wahlkampf betrieb. Er deutet die Niederlage zum gigantischen Wahlbetrug um. Es sei „seltsam”, wo die Stimmen der Partei-Wählerinnen„abgeblieben sind”, schreibt Ryvkin. Der zweite Vorsitzende der „Sektion Ruhrgebiet” möchte „das Ergebnis der NRW Wahl noch untersuchen”.

Mit martialischen Durchhalteparolen und dem Verschwörungsmythos vom Wahlbetrug dürften die Partei-Kader zusammengehalten werden. Die Partei des Verschwörungsideologen Oliver Janich wird den Wähler_innen also erhalten bleiben. Bei den nächsten Landtagswahlen dürften wieder einige tausend Stimmen und damit 0,1 % möglich sein. Die Stimmen von „Truthern” und „Infokriegern” ermöglicht noch lange keinen Wahlerfolg. Daher ist eines ziemlich sicher: Die nächste Wahlschlappe kommt bestimmt.

Die Empörten und der Querfrontler

Jung, charismatisch und redegewandt. So feiern einige deutsche Journalisten die selbsternannten Sprecher der Occupy-Bewegung, die nach ihren Märschen am 15.10.2011 überall in der Bundesrepublik campiert, um gegen die „Bankster“ zu protestieren.

Das bekannteste Gesicht dieser losen Bewegung ist sicherlich Wolfram Siener aus Frankfurt, der in seiner kurzen Karriere in verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen war, die sich der deutschen Erweckungsbewegung annahmen. Ob nun bei Maybrit Illner, im ARD-Nachtmagazin oder in der ZDF-Sendung „log in“: der „Bankenkritiker“ durfte überall sprechen.

Der Spiegel porträtierte Siener sogar als „Hoffnungsträger“ und „charismatische Führungsfigur“. Der wurde zwar durch die strukturell antisemitischen Zeitgeist-Filme geprägt, aber dieser Umstand interessierte den Spiegel nur am Rande.

Sein Auftritt in einer Sendung der verschwörungsideologischen Seite „Infokrieg“ wurde überhaupt nicht erwähnt. Dort sagte Siener:

Wir als Volk sind re­la­tiv weit ge­lenkt, also wir sind re­la­tiv weit zer­split­tert, jeder hat ei­ge­ne Mei­nun­gen und sowas. Darum geht es. Es geht darum, dass zu beheben. (…) Wir haben nur als Einheit eine Chance.

Sein Drang, sich vor Fernsehkameras als wütender deutscher Wutbürger zu inszenieren, wurde nicht nur hier begrüßt. In der Sendung „log in“, die im Infokanal des Zweiten Deutschen Fernsehens zu sehen ist, hatte Wolfram Siener einen weiteren Auftritt. Dort haute der Wutbürger mit der Faust auf den Tisch und wetterte gegen „das Geldsystem“.

In der ZDF Sendung war ein weiterer Aktivist der Occupy-Bewegung zu sehen: Florian Raffel fand die Darstellung der „charismatischen Führungsfigur“ Siener „unausgeglichen“ und ergänzte daher einige Dinge. Er stellte die „Bewegung“ als „kulturelle Revolution“ vor, die eine „Kultur des Zuhörens“ entwickelt hätte.

Derartige Thesen verbreitet Raffel nicht nur in Fernsehsendungen, sondern auch in verschiedenen Zeitschriften und im Internet. „Wir haben viele Meinungen, viele Idee und wir sind bunt“, schreibt er dort. Die BZ veröffentlichte ein Streitgespräch zwischen ihm und einem Banker. Dort warb Raffel für „echte Demokratie in einem neuen System“. Seine Huldigung der „Gesprächskultur“, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sätze der Redner im Chor nachsprechen, schaffte es sogar in den Stern.

Florian Raffel gibt nicht nur Interviews in größeren Zeitungen, er steht auch verschiedenen Internetseiten zur Verfügung. So zum Beispiel der Online-Zeitung „Berliner Umschau“, in der ansonsten über die „Pläne für die unmittelbare Einführung einer Diktatur“ halluziniert wird, die es angeblich nach dem „Zusammenbruchs des Finanzsystems in Euro-Land“ geben soll. Außerdem finden sich dort Werbe-Berichte über die Aktivitäten des Querfrontlers Jürgen Elsässer, der nun sogar einen gemeinsamen Auftritt mit dem Occupy-Aktivisten Florian Raffel ankündigt.

Am 3.11.2011 soll der Occupy-Aktivist auf einer Veranstaltung des Jürgen Elsässer auftreten. Elsässer träumt davon, dass „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zusammenarbeiten, um „die Globalisten“ zu „schlagen“. Mit seinem Compact-Magazin möchte er „demokratische Linke“ und „demokratische Rechte“ vereinen.

Mit der Veranstaltung soll die neue Ausgabe des Compact-Magazins beworben werden. Hier wurde in der Vergangenheit ganz homophob vor einem „Schulfach Schwul“ gewarnt, in der neuen Ausgabe wird von der Rückkehr der Deutschen Mark geträumt. „Wir freuen uns, (…) mit Florian Raffel auch einen Aktivisten von OCCUPY BERLIN gewonnen“ zu „haben“, schreibt der Querfrontler Elsässer auf seiner Homepage. Auf dieser Veranstaltung soll über die „Frage der Sammlung der Euro-kritischen Kräfte und eine mögliche Parteibildung“ debattiert werden.

Der Occupy-Aktivist Florian Raffel wird dort neben Oliver Janich sitzen, um seine Ideen zu bewerben. Janich ist Bundesvorsitzender der rechtspopulistischen „Partei der Vernunft“ und Verschwörungspropagandist. Er trat in der Vergangenheit mit Jürgen Elsässer unter anderem auf einem Treffen gegen die Bilderberg-Konferenz auf, dem Verschwörungsideologen – im Rahmen einer Zentralsteuerungstheorie – eine unglaubliche Macht nachsagen. Im Parteiprogramm wird eine„unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom 11. September“, der „Ausstieg aus dem Euro“ und die„Abschaffung der Europäischen Union“ gefordert.

Florian Raffel wird auf der Veranstaltung seine Occupy–Bewegung, Jürgen Elsässer sein Compact-Magazin und Oliver Janich seine rechtspopulistische Kleinpartei bewerben.

Update: Florian Raffel hat den Auftritt abgesagt und Jürgen Elsässer dafür direkt auf die Versammlung der „Empörten“ eingeladen:

ich möchte hiermit Abstand nehmen, an Ihrer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich bin in Arbeitsgruppen so eingebunden, dass ich leider zeitlich kürzer treten muss und bis auf weiteres erstmal keine Zeit für weitere Interviews habe. (…) Bitte nehmen Sie direkt Kontakt mit der Asamblea auf. Täglich um 17 Uhr und sprechen Sie direkt zur Gruppe.

Die Anfrage des Querfrontlers Jürgen Elsässer ist allerdings nach wie vor auf einer Internetseite der Bewegung zu finden, über den E-Mail-Verteiler wird nach einem Ersatz gesucht. Auf Elsässers Internetseite wird der Occupy-Aktivst weiterhin angekündigt, allerdings heißt es dort nun:

Florian Raffel hat leider trotz mehrfacher Zusage jetzt doch aus Termingründen abgesagt. Wir haben aber einen Ersatz von Occupy Berlin in Aussicht.

Terror & Verschwörungstheorien

Die mörderischen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya wurden von Verschwörungsideologen in der ganzen Welt aufgegriffen, um ihre Theorien über die Taten zu propagieren. Dass der mutmaßliche Täter, Anders Behring Breivik, zunächst zur Bombe und dann zur Waffe griff, um mehr als 70 Menschen zu ermorden, die an einem Camp der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen hatten, interessierte zunächst nur am Rande.

Es wurde nach Hintermännern, Ufos und Sprengstoff gesucht. Es müsse sich einfach um eine so genannte „False Flag“-Aktion, eine Aktion unter falscher Flagge, die von mächtigen Institutionen begangen worden sei, gehandelt haben. Diese Idee geistert durch die Köpfen der Verschwörungsfans, die nun im Internet nach Beweisen fahnden und jede noch so absurde Behauptung benutzen, um ihre Theorien zu propagieren. Je nach ideologischer Perspektive werden mit diesen Verschwörungstheorien andere Täter oder geheimnisvolle Hintermenschen ausgemacht, die für die verachtenswerten Taten verantwortlich sein sollen.

Das nationalistische Manifest des Täters, Anders Behring Breivik, der auf mehr als 1500 Seiten seine mörderischen Taten mit Paranoia vor einem allumfassenden „Kultur-Marxismus“ und einem „Multikulturalismus“ begründete, wird dabei oftmals ignoriert. Stattdessen wird von einer Tat durch Geheimdienste oder anderen geheimnisvollen Gruppen halluziniert.

Dass der Täter selbst verschwörungsideologische Vorsatzstückchen propagierte, er „zeitgenössischen Rechtsradikalismus mit altbekannten Verschwörungen“ kompilierte, spielt im Diskurs der Verschwörungsszene eben sowenig eine Rolle, wie die antisemitische Tendenzen des Täters, die sich in seinem Manifest offenbaren. Behring Breivik sprach dort unter anderem davon, dass „die Vereinigten Staaten von Amerika mit sechs Millionen Juden (…) wirklich ein beträchtliches Judenproblem“ hätten.

Verschwörungsideologen interessieren sich nur am Rande für den mutmaßlichen Täter und seine Motivation. Schließlich glauben sie, hinter dem Täter eine viel umfangreiche Verschwörung entdeckt zu haben. Das geht sogar so weit, dass der Täter zum Opfer dieser angeblichen Verschwörung gemacht wird. Verschiedene Verschwörungsideologen sprechen von geheimen Gehirnwäsche-Programmen, „Mind Control“ genannt, denen der Täter angeblich zum Opfer gefallen sei.

Alex Jones, ein verschwörungsideologischer Radiomoderator aus den USA, spricht beispielsweise von einer „False-Flag“ Aktion, durchgeführt von einer „White al-qaeda“, die durch amerikanische Institutionen gelenkt werden würde. Auf diesem Weg sollen die „patriotischen“ Gegner einer „Neue Weltordnung“ diskreditiert werden, glaubt der dieser wichtige Stichwortgeber der organisierten Verschwörungsideologie.

Mit der Tat, die für Alex Jones unter falscher Flagge durchgeführt wurde, sollen jene nationalistischen Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden, die sich für Nationalstaaten und gegen Migrant_innen aussprechen würden. Dass Anders Behring Breivik nicht nur Mitglied einer rechtspopulistischen Partei, sondern auch Mitglied einer Freimaurer-Loge war, ist nicht nur für Alex Jones ein weiteres Indiz, mit dem die Verschwörungstheorie gebastelt wird.

Derartige Theorien propagiert nicht nur Alex Jones auf seiner Seite „Infowars.com“, sondern auch sein Kompagnon Paul Watson. Dieser stellt dort unter anderem die Verschwörungstheorie auf, dass Norwegen gestraft worden sei, weil es sich in die „Agenda“ der „New World Order“ einmischte. Weil Norwegen einen palästinensischen Staat befürwortete, sei es das Opfer des Anschlags geworden. Diese antisemitische Theorie erfreut sich einer ungeheuren Beliebtheit und wird auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene propagiert.

„Skywatch Bretten“, ein anonymes Webblog, berichtet ebenfalls über den Umstand, dass Anders Behring Breivik Mitglied in einer Freimaurer-Loge war. Außerdem hat der Autor des Blogs eine blau-weiße Krawatte des Täters untersucht: „Und wer kennt sich besser mit der Schuld aus als Blau/Weis? Niemand“, schreibt der Autor dieser Verschörungsseite. Der Verantwortliche dieses Blogs betreibt einen besonders obskuren Antisemitismus, der über die Farbe einer Krawatte funktioniert.

Hier wird der antisemitische Furor vieler Verschwörungsfans deutlich. Weil der Täter auf einem Foto eine blau-weiße Krawatte trug, wird Israel für die Taten verantwortlich gemacht. Weil sich Norwegen angeblich hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde, könne nur der israelische Geheimdienst Mossad für die Taten verantwortlich sein.

„Widerstand in Aktion“, ein Blog des nationalistischen und verschwörungsideologischen Stammtischs der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ vermutet, „dass es Explosionen, Verpuffungen oder was auch immer“ gegeben haben könnte. Ein „Klarer Fall: Staatsterror!“. Denn: „die Sache stinkt nach Mindcontrol!“ Zumindest für die Betreiber der Verschwörungsinternetseite.

Auf der ebenfalls verschwörungsideologischen Internetseite „Infokrieger-News“ kommentieren verschiedene Verschwörungsfans die schrecklichen Geschehnisse: Sie plädieren dort dafür „die Schuldigen beim Mossad oder bei den Franzosen zu suchen“. Weil Norwegen das Bestreben der palästinensischen Organisationen nach einem eigenen Staat unterstützt hätte, sei dieses Land nun Ziel eines Anschlags geworden, lautet auch hier die Begründung für die Verschwörungstheorie, deren Grundlage der Hass auf Israel und seine angebliche Macht und Machenschaften sein dürfte.

Ein anderer Verschwörungsfan will in dem Ort des Massakers, der Insel Utøya, eine „Pyramide“ erkannt haben. Für ihn und andere Verschwörungsgläubige sind derartige Symbole das Zeichen der geheimen Weltverschwörung, die sie für die Anschläge verantwortlich machen. In jedem Fall sei der Anschlag „deffintiv vom Mossad inziniert“. Andere Nutzer dieser Verschwörungsplattform machten allerdings andere Geheimdienste der angeblichen „Eliten“ für die Morde verantwortlich.

Nicht nur hier ist von angeblichen Gehirnwäsche-Projekten die Rede. Wie in einer Folge der Serie „Akte X“ oder der Handlung des Computerspiels „Call of Duty: Black Ops“ wird die Behauptung aufgestellt, dass der Attentäter einer Gehirnwäsche durch CIA oder Mossad zum Opfer gefallen sei und deswegen seine Taten verübt habe.

In eine ähnliche Richtung geht eine Sendung der nationalistischen Verschwörungs-Website „Infokrieg TV“. In einer Radiosendung versucht dessen Betreiber, Alexander Benesch, den Täter zum Teil einer Verschwörung zu machen, hinter der er ehemalige Gladio-Strukturen vermutete. Außerdem zieht er, wie viele andere Verschwörungsideologen auch, einen Zusammenhang zu dem Attentat in Oklahoma City. Dort sprengte Timothy McVeigh am 19. April 1995 einen Van im Murrah Federal Building in die Luft. Dabei starben 168 Menschen. Bis heute behaupten verschiedene Verschwörungsideogen, dass es sich hierbei um eine Verschwörung der geheimen „Elite“ gehandelt habe, die den Täter benutzte.

Auf diese Art und Weise leugnen Verschwörungsideologen die ideologischen Hintergründe der Anschläge. „‚Rechter Terror‘ unter falscher Flagge“ heißt es beispielsweise auf der Internetseite „Infokrieg TV“. Die Melange aus Nationalismus, Rassismus und der Hass auf die Moderne, die in beiden Fällen eine Ursache für die Taten gewesen sein könnte, wird beiseite geschoben. Aus dem rechten Terror wird eine „Bedrohung“ gemacht, die „nur Schreckgespenst und Werkzeug der Bundesregierung“ sei, „um eine patriotische und globalismusfeindliche Strömung im Land zu diskreditieren“.

Stattdessen wird ein ein Konstrukt propagiert, dass von der angeblichen Existenz einer mega-geheimen„Elite“ ausgeht, die so wahnsinnig-mächtig sein muss, dass sie derartige Komplotte arrangieren kann, ohne das es die „schlafende“ Mehrheit der Menschheit überhaupt mitbekommt.

Verschwörungsideologen schreiben in diesem Zusammenhang oftmals von einer israelischen Aktion. Dies zeigt den Antisemitismus vieler Verschwörungstheorien deutlich auf. Diesem Antisemitismus fühlt sich wohl auch der Reptoloiden-Theoretiker David Icke verpflichtet, der auf seiner Internetseite verschiedene Texte aus der Szene veröffentlichte, in denen die Behauptung aufgestellt wird, es handele sich um eine Aktion des israelischen Geheimdienstes Mossad, weil sich Norwegen hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde. Mit dieser wahnhaften Theorie haben viele Verschwörungsideologen ihr Motiv gefunden, das sie nun immer wieder verwenden, um einen angeblichen Zusammenhang zwischen den Attentaten und dem israelischen Geheimdienst zu konstruieren.

So weit will der Kopp-Verlag, der esoterische, populistische und verschwörungsideologische Machwerke veröffentlicht, dann doch nicht gehen. Er erwähnt den israelischen Staat nur am Rande. Allerdings wird in einem Artikel der Nachrichtenabteilung des Verlages die Frage aufgeworfen, ob nicht „westliche Mächte“ für die Anschläge verantwortlich seien, „weil Norwegen sich für einen unabhängigen Palästinenserstaat stark machen will“. In einem weiteren Artikel spricht der Verschwörungsideologe Webster Tarpley bereits in der Überschrift von „Terroranschlägen in Norwegen unter falscher Flagge“.

Nicht nur auf derartigen Internetseiten blühen die Verschwörungstheorien: Auf der antisemitischen Internetseite „Muslim Markt“ werden Verschwörungsmythen gesponnen: „Der inzwischen als angeblicher Einzeltäter vorgestellte Rechtsradikale war sicherlich vieles, aber ganz sicher kein Einzeltäter. Und die Hintermänner dürften das Land – wohin auch immer – schon längt verlassen haben“, heißt es dort, um ebenfalls auf die drohende Anerkennung eines palästinensischen Staates, durch die Regierung Norwegens, hinzuweisen.

Verschwörungstheorien finden sich eben nicht nur auf den Internetseiten der Szene, auf denen derartige Ideen am ungehemmtesten propagiert werden, sondern auch auf verschiedenen anderen Internetseiten, die die Ereignisse ebenfalls verklären.

Viele verschwörungstheoretische Vorsatzstückchen finden sich beispielsweise auf den Internetseiten, die durch ihre rassistische Hetze gegen Muslime auf sich aufmerksam machen. Zum Beispiel in den Kommentaren der Internetseite „Politically Incorrect“, die einräumt, dass die Texte des Anders Behring Breivik „großenteils Dinge“ seien, „die auch in diesem Forum stehen könnten“. Dort heißt es in den Kommentaren beispielsweise:

Es riecht hier so unangenehm stark nach False-Flag, dass ich das Fenster aufreißen möchte.

In weiteren Kommentaren, die vom dortigen deutschen Mob produziert werden, gibt es einige, die mit der Verschwörungsideologie arbeiten, um die Zusammenhänge zwischen der eigenen menschenverachtenden Ideologie und der Tat zu verschleiern. Hier sprechen einige Kommentatoren davon, dass „es stinkt“. Die bereits erwähnte Mitgliedschaft des Anders Behring Breivik in einer Gruppe der Freimaurer wird bemüht:

Dann hatte er den Auftrag von der Loge. Laut viele Büchern schwören die Hochgradmaurer auf den Koran.

Außerdem wird von „gewissen Kreisen“ geraunt, die ein „Interesse“ an den Anschlägen gehabt hätten.

Fast schon putzig erscheint, angesichts des geschilderten verschwörungsideologischen Wahns, mit dem die Geschehnisse verklärt werden, ein Hinweis des bereits erwähnten Kopp-Verlags. Hier weist Udo Ulfkotte auf ein Video hin, das ein Ufo in der Hauptstadt Oslo zeigen soll. „Selbst eine renommierte Wirtschaftszeitung berichtet, unmittelbar nach der Bombenexplosion in Oslo sei über dem Regierungsviertel ein Ufo gesichtet worden“, behauptet der Rechtspopulist.

Außerirdische sind für die Taten verantwortlich. Auch so kann man einen mutmaßlichen Täter und seine Ideologie entlasten. Lustiger als die wahnhafte Ideen von der Täterschaft durch „westliche Mächte“ oder gar den israelischen Geheimdienst Mossad ist diese krude Behauptung allemal.

Der klandestine Kongress der Verschwörungsfans

Der Kongress des Jens Blecker, der am 02.04.2011 in Hannover stattfinden sollte, ist vorübergegangen. Das Treffen, das Blecker auf den Namen „Kongress der unabhängigen Medien“ getauft hat, ist ein mittlerweile jährliches Treffen der „Infokrieger“-Szene. Blecker ist Betreiber der verschwörungsideologischen Internetseite„Infokrieger-News“ und spricht mit seinen Treffen die Szene an, die sich auf seiner Internetseite ihre tägliche Dosis Verschwörungstheorie abholt.

Auf dem Kongress des „Infokriegers“ Blecker treffen sich Verschwörungsfans, um den Referaten ihrer geistigen Vordenker zu lauschen. Vor allem besteht mit dem Kongress die Möglichkeit, einen Austausch und eine Vernetzung zu betreiben. Das war auch am 02.04.2011 in Hannover nicht anders.

Im Vorfeld hatte Jens Blecker, der als Organisator des Verschwörungstreffens aufgetreten war, den Autoren dieser Zeilen zunächst mit einer Einladung, dann jedoch mit einer Anzeige gedroht, nachdem in diesem Blog auf einige Ideen des „Infokriegers“, sowie die politischen Thesen von einigen Referenten und Bands hingewiesen worden war. Jens Blecker, der von seinen Fans „Cheffe“ genannt wird, schrieb:

„Du wirst nun die Rechnung bekommen für diesen Rufmord, ich denke dort werden auch einige der Referenten sich beteiligen.“

Außerdem wurde auf das „Forum des Infokriegers“ aufmerksam gemacht, in dem die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ und andere antisemitische Texte beworben wurden, was zum Löschen des Forums und zu erregten Kommentaren auf der Seite „Infokrieger-News“führte.

Nach diesen – auf das Internet beschränkten – Ereignissen meldete sich die „Antifaschistische Aktion Hannover“, die „Antifaschistische Gruppe Braunschweig“ sowie die kommunistische Gruppe „Fast Forward“ mit einem Aufruf zu Wort, mit dem sie dem verschwörungsideologischen Event eine eindeutige Absage erteilten.

Auf eine Bekanntgabe des Veranstaltungsortes wurde verzichtet, obwohl auf der Seite bis heute angekündigt wird, dass dieser „in Kürze bekannt gegeben“ wird. Diejenigen, die sich angeblich der Wahrheit verschrieben haben, verzichteten auf die Bekanntgabe des Veranstaltungsortes und verhielten sich genau so, wie sie es der angeblichen „Elite“ gerne vorwerfen – man tagte insgeheim und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das ging sogar soweit, dass einem Verschwörungsfan, der den Eintritt von 20 Euro bezahlt hatte, der Ort des Treffens verschwiegen wurde, woraufhin dieser sich in den Kommentaren auf „Infokrieger-News“ beschwerte. Am Abend, während des Auftritts des Verschwörungsrappers „Killez More“ , bemerkte „Cheffe“, dass kein Mensch sein klandestines Geheim-Treffen stören würde. Daher gab er den Kongressort im Internet bekannt.

Vorher hatten etwa einhundert Verschwörungsfans, die aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren, im Ramada-Hotel in Hannover den Vorträgen der Referenten gelauscht. Ein Bericht im nationalistischen „Ron Paul Revolution“-Blog spricht gar von 215 Teilnehmer_innen.

Einer der Referenten war Andreas Popp, der zu Beginn seines Vortrags davon berichtete, dass er sich „oft geirrt“ habe. Nun wolle er aus seinem jetzigen „Weltbild“ berichten. Popp distanzierte sich vom „Reichsgedanken“, um regionalistische Modelle für „Friesen und Bayern“ zu propagieren. Dem Jargon der „Reichsbürger“ ist Popp allerdings treu geblieben: Große Teile seines Vortrags widmete er der „BRD GmbH“. Dies ist eine Chiffre, mit der rechte „Reichsbürger“, die an die Fortexistenz des „Deutschen Reiches“ glauben, auf Menschenfang gehen.

Ansonsten erläuterte Popp sein Verständnis von Demokratie, die eher an eine autokratische Elitenherrschaft erinnerte. Er sagte unter anderem:

Führer können auch was sinnvolles sein.

Außerdem warnte Popp vor „Völkerwucherungen“ und forderte tatsächlich eine Art Wahl-Führerschein für den nicht anwensenden Teil der Bevölkerung, der er die geistigen Fähigkeit, einen Stimmzettel auszufüllen, absprach. Seinen Vortrag reicherte er des Weiteren mit schalen Witzchen über„eine Westerwelle“ an.

Als weiterer Referent sollte eigentlich F. W. Engdahl auftreten. Der ist ein wichtiger Propagandist der Peak-Oil-Theorie, die davon ausgeht, dass Erdöl „nicht aus prähistorischen Überresten von Algen und Zooplankton stamme, sondern konstant unterirdisch unter ungeklärten Umständen entstehe“. Allerdings war Engdahl wegen einer Krankheit verhindert. Er wurde aus dem Krankenbett zugeschaltet, was nach einigen technischen Problemen gelang.

Vom Krankenbett sonderte Engdahl, der für den rechten, esoterischen und verschwörungsideologischen „Kopp“-Verlag tätig ist, urige Behauptungen über Revolutionen und soziale Revolten ab. Für Engdahl sind diese nämlich durch Geheimdienste gesteuert und ins Leben gerufen worden. Engdahl benannte die russische Revolution (1917) und die „Studentenrevolte“ (1968) als solche Ereignisse, um auf heutige Geschehnisse in Libyen, Ägypten und anderen Ländern zu sprechen zu kommen. Auch hier machte der „Kopp“-Autor die angeblichen Machenschaften der westlichen Geheimdienste als Verursacher der Revolten aus.

Nach diesen und anderen Referenten wurde zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen. „Killez More“, der demnächst auf einer Veranstaltung des Reptilien-Verschwörungs-Ideologen David Icke auftreten wird, inszenierte sich einmal mehr als „Infokrieger, im Informationskrieg“. Ihm folgten die Verschwörungs-Pop-Schlager-Hip-Hop-Liedermacher von der Band „Die Bandbreite“, die sich als Opfer von „Hetze“ inszenierten und ein ganzes Lied zum Thema intonierten, mit dem sie sich als Opfer böser Machenschaften imaginieren, weil sie ein Lied über den 11. September geschrieben haben.

Dieses Spektakel wurde von Jo Conrad gefilmt, der als esoterischer Verschwörungsideologe einen Internetfernsehsender namens „Bewusst.tv“ betreibt. Dort darf unter anderem der selbsternannte „Reichskanzler“ Wolfgang Ebel antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten: Angela Merkel sei Jüdin und alle Bundeskanzler würden einen israelischen Pass besitzen. Aktuell bewirbt Conrad allerdings den Auftritt von „Killez More“ und der „Bandbreite“ auf der Startseite seines Internet-TV-Senders.

Ob Jens „Cheffe“ Blecker seinen Kongress das nächste Mal wieder in der niedersächsischen Landeshauptstadt stattfinden lassen wird, wird sich zeigen. Vielleicht sucht er sich, wie im Jahr 2010, ein kleineres Provinzstädchen, weil es dort keine Kritik am Verschwörungs-Event gibt. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form und an welchem Ort der „Kongress der unabhängigen Medien“ im nächsten Jahr stattfinden wird.

UFO Verschwörung

Vielleicht kennen die geneigten Leser_innen dieses Artikels die South Park Folge, in der sich herausstellt, dass die Verschwörungstheoretiker_innen des 11. Septembers 2001 in Wirklichkeit von der amerikanischen Regierung gesteuert werden, um mit der Angst Politik zu machen.

Eine ähnliche Theorie formulierte der Verschwörungsideologe Paul Joseph Watson, dessen Text vom deutschen Aktivisten Alexander Benesch für das Internetportal „Infokrieg.tv“ übersetzt wurde. In diesem Artikel widmet sich Watson dem „Ufo-Phänomen“. Als Verursacher dieses„Phänomens“ macht er bereits in der Überschrift „die Rockefellers“ verantwortlich.

Im Artikel wird die witzige These aufgestellt, dass diese über die „Bilderberger“ für den „Ufo-Kult“ verantwortlich sind, um „das Volk“ dazu zu bringen, dass „kleinere Übel“ zu wählen. Mittel zum Zweck sei der bekannte Hollywood-Regisseur Steven Spielberg, halluziniert Watson. Spielberg hätte angeblich verschiedene Filme wie „E.T.“ und „Deep Impact“, aber auch Serien wie „Taken“ geschaffen, weil es die „globale Elite“ so gewollt hätte, um „das Alien-Denkmuster in die Köpfe der Zuschauer zu hämmern“. Außerdem wird Spielberg, natürlich ohne die Spur eines Beweises, mit dem gefälschten Alien-Autopsie-Video in Verbindung gebracht.

Die anderen Filme die Steven Spielberg in der Vergangenheit produziert hat oder bei denen er Regie führte, werden selbstverständlich nicht erwähnt. Filme wie die „Indiana Jones“-Reihe, „Zurück in die Zukunft“,„Minority Report“, „Feivel, der Mauswanderer im wilden Westen“, „Hook“, „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“, „Der weiße Hai“, „Die Farbe Lila“, „Jurassic Park“, „Catch Me If You Can“ oder „München“ passen nicht ins Bild, wenn man Spielberg „eine Obsession mit der UFO/Alien-Thematik“unterstellt. Daher spielen diese Filme im Text des Paul Joseph Watson auch keine Rolle.

Dafür dient die extrem antisemitische Seite des Clayton Douglas als Quelle. Spielberg wird wiederum auf vier Filme und eine großartige Serie reduziert. Außerdem werden ihm „elitäre Vorgesetzte“ angedichtet, die angeblich die Themen seiner Filme bestimmen würden. Eigentlich unglaublich, dass derartige Theorien erfolgreich verbreitet werden. Doch die Behauptung des Paul Joseph Watson lässt sich auf vielen Internet-Seiten der„Truther“-Szene wiederfinden.