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Der Ziegelphysiker

An der Reisegruppe, die am 27. April 2012 vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur„Privataudienz” empfangen wurde, waren nicht nur Verschwörungsideologen und der FDP-Landtagskandidat Claus Hübscher beteiligt. Ein Ziegelphysiker reiste zur „Privataudienz”.  Die Rede ist von Konrad Fischer, der aus seinem Heimatort, dem oberfränkischen Hochstadt am Main, nach Teheran reiste.

Der 1955 geborene Fischer vertritt, laut dem kritischen Internetlexikon Esowatch, eine „Außenseiter-Ansicht zur Physik der Wärmedämmung”. Auf seiner Internetseite empfiehlt der Verschwörungsideologe, der in der Öffentlichkeit als „Architekt und Gutachter” in Erscheinung tritt, verschiedene Berichte des iranischen Regimes, in denen über die Audienz beim Antisemiten berichtet wird. Die dazugehörigen Fotos zeigen auch ihn beim Händedruck mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.

Der Ziegelpysiker ist ansonsten ein gefragter Interview-Partner des Bayerischen Rundfunks. Dort äußert er sich vor allem zu den Risiken der Wärmedämmung und spricht über Photovoltaikanlagen.

Seine sonstigen Theorien werden durch seine eigene Internetseite deutlich, auf der Fischer im homophoben Jargon über„Schwulerei mit Minderjährigen” schreibt, für die er die „Mächtigen” verantwortlich macht. Außerdem empfiehlt Fischer dort unterschiedliche Bücher, die vor allem in verschiedenen Verlagen der rechten Szene erscheinen.

Auf seiner Internetseite bewirbt er zum Beispiel ein Buch des Claus Nordbruch. Dieser bekennende Apartheids-Freund lebt in Südafrika, von dort hält er enge Kontakte in die deutsche Nazi-Szene und beliefert sie mit Artikeln, die unter anderem in der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme” erscheinen.

In den Buchempfehlungen des Konrad Fischer finden sich Werbung für weitere Machwerke, die in den Verlagen der deutschen Nazi-Szene erschienen sind. Die Hetzschrift „Der geplante Krieg: Churchills Verschwörung gegen Hitlers Deutschland”, die in der nationalsozialistischen Verlagsgesellschaft Berg erschienen ist, wird von Fischer ebenfalls empfohlen: „Churchill als Galionsfigur eines perversen Netzwerks zur Auslösung des zweiten Weltkriegs und Vernichtung Deutschland”, bewirbt Fischer dieses Buch — ganz geschichtsrevisionistisch — auf seiner Internetseite.

Dort findet sich auch Werbung für weitere geschichtsrevisionistische Nazi-Propagaganda, mit denen die Kriegsschuld Deutschlands geleugnet wird. Konrad Fischer bedient sich hier eines unglaublichen antisemitischen Jargons. Er schreibt vom damaligen Premierminister „Churchill und seiner jüdischen Freundes– und Emigrantenschar”, die er als „scharende Kriegstreiber” bezeichnet.

Einige der von Fischer beworbenen Bücher sind im „Grabert-Verlag” erschienen, der die Naziszene ebenfalls mit Propaganda beliefert. Mehrfach wurden Bücher aus dem Verlagsprogramm wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung Verstorbener eingezogen oder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert. Fischer empfiehlt auf seiner Internetseite außerdem die„manchmal durchaus lesenswerte Kommentare in der National-Zeitung von Dr. Gerhard Frey”. Es handelt sich um eine weitere Zeitung für deutsche Nationalsozialisten.

Der Ziegelphysiker Konrad Fischer empfiehlt allerdings nicht nur Bücher und Zeitungen der extremen Rechten, sondern auch andere Machwerke. So zum Beispiel ein Buch des Verschwörungsideologen Jürgen Elsässer, mit dem sich Fischer gerade in den Iran begeben hatte. Fischer garniert seine Buchempfehlung mit einigen eigenen antisemitischen Tiraden. Er schreibt vom „bluttriefenden zionistisch-faschistischen Israel” und konstruiert „USraelische Netzwerke gegen den Iran”. Die Chiffre von „USrael” wird ansonsten gerne von Nationalsozialisten genutzt.

Es ist eine antisemitische Sprache, die auf der Internetseite des Ziegelpyhsikers verwendet wird. Fischer warnt hier vor „mächtigen Juden” und „Globalheuschrecken”, seinesgleichen sieht er als „Sklaven, Halbaffen und Schabbesgojim”, die von „Usrael” unterdrückt werden.

Fischer ist, da besteht nun wirklich nicht der geringste Zweifel, ein fanatischer Antisemit. Dies wird auch durch seine Verharmlosung des Holocaust deutlich, den er mit angeblichen israelischen Verbrechen gleichsetzt. Außerdem macht er Jüdinnen und Juden für den grassierenden Antisemitismus verantwortlich. Die „Palästinenser” seien einer „genozidgleichen Holocausterei” ausgesetzt, dies würde „einen neuen weltweiten Antisemitismus geradezu” erzwingen. Dies sind nur einige Beispiele für den Antisemitismus des Ziegelphysikers, den dieser auf seiner Internetseite propagiert.

Wahrscheinlich trieb ihn dieser Antisemitismus nach Teheran. Er reiste gemeinsam mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer, dem Verschwörungsideologen Gerhard Wisnewski, dem „Arbeiterfotografie”–Aktivisten Andreas Neumann, dem FDP-Landtagskandidaten Claus Hübscher und dem „Muslim-Markt”–Bereiber Yavuz Özoguz in den Iran.

Dort trafen sie gemeinsam, während einer „Privataudienz”, auf den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Zurück in Deutschland wird Fischer wahrscheinlich wieder als „Architekt und Gutachter” auftreten und eventuell dem Bayerischen Rundfunk Interviews über Wärmedämmung und Photovoltaikanlagen geben. Außerdem wird er sicherlich weiterhin Bücher aus den Verlagen der deutschen Nazi-Szene empfehlen. Auf seiner Internetseite wird er obendrein die unverhohlene antisemitische Hetze betreiben. Die Reise in den Iran und den Besuch beim antisemitischen Präsidenten wird er, wie die anderen Teilnehmer, sicherlich in guter Erinnerung behalten.

Die Liste

Wenn deut­sche Frie­dens­freun­de gegen den Krieg mobilisieren, kann das durchaus gruselige For­men annehmen, die sie an die Seite der schlimmsten an­ti­se­mi­ti­schen Re­gime bringt. Ein ak­tu­el­ler Fall ist der Auf­ruf „Kriegs­vor­be­rei­tun­gen stop­pen! Em­bar­gos be­en­den! So­li­da­ri­tät mit den Völ­kern Irans und Sy­ri­ens!“, der vom Ver­ein „Freund­schaft mit Val­je­vo e.V.“ in­iti­iert und am 05. Ja­nu­ar 2012 in der Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“ ver­öf­fent­licht wurde.

Der Auf­ruf rich­tet sich gegen den an­geb­lich dro­hen­den „Krieg gegen die stra­te­gisch wich­ti­gen bzw. roh­stoff­rei­chen Län­der Sy­ri­en und Iran“. Dort ist von „Sa­bo­ta­ge-​ und Ter­ror­ak­tio­nen“ die Rede, mit denen die USA und Is­ra­el die Staa­ten in einen „Aus­nah­me­zu­stand“ trei­ben wür­den. Die bes­tia­li­schen Re­gimes im Sy­ri­en und im Iran, die die Op­po­si­ti­on bru­tal un­ter­drü­cken, wer­den dort nicht er­wähnt. Die 5000 Toten, die seit Be­ginn des Auf­stan­des in Sy­ri­en durch die Scher­gen des As­sad-​Re­gimes ge­tö­tet wur­den, spie­len keine Rolle. Von der Ver­nich­tungs­dro­hung gegen Is­ra­el, die das an­ti­se­mi­ti­sche Re­gime im Iran immer wie­der for­mu­liert, wird im Auf­ruf eben­falls ge­schwie­gen.

Die deut­schen Frie­dens­freun­de po­si­tio­nie­ren sich ganz und gar ein­deu­tig und schei­nen ne­ben­bei die deut­sche Wirt­schaft an­kur­beln zu wol­len. Man wen­det sich näm­lich gegen „Em­bar­go­maß­nah­men gegen den Iran und Sy­ri­en“. Nicht nur Sie­mens dürf­te dank­bar sein. Ge­ra­de das Re­gime im Iran dürf­te sich dann bes­ser be­waff­nen kön­nen, nicht nur um die ei­ge­ne Op­po­si­ti­on zu un­ter­drü­cken und zu er­mor­den, son­dern um die an­ger­droh­te Ver­nich­tung Is­raels Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te zum Auf­ruf fin­den sich die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und Eso­te­ri­kern, von Rechts­po­pu­lis­ten und deut­schen Lin­ken. So zum Bei­spiel der Name des Che­fre­dak­teurs der na­tio­nal­bol­sche­wis­ti­schen Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“, Ar­nold Schöl­zel, sowie der Name des „Rot­fuchs“-​Her­aus­ge­bers, Klaus Stei­ni­ger, der im an­ti­se­mi­ti­schen Jar­gon gegen „die Roth­schilds“ mobil macht. Hier fin­den sich nicht nur die Un­ter­schrift der Links­par­tei-​Po­li­ti­ke­rin An­net­te Groth (MdB) oder die des ehe­ma­li­gen Ab­ge­ord­ne­ten Nor­man Paech, son­dern auch die Namen von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen, von rech­ten Po­li­ti­ker und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten.

An­hand der Un­ter­zeich­ner_in­nen wird al­ler­dings deut­lich, was für fal­sche Frie­dens­freun­de dort zu­sam­men­ge­kom­men sind, um sich als mo­ra­li­sche Stüt­ze der Dik­ta­tu­ren an­zu­bie­dern. Da wäre zum Bei­spiel die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“, die seit Jah­ren eine schmut­zi­ge Pro­pa­gan­da-​Ar­beit für das ira­ni­sche Re­gime be­treibt.

Als die De­mons­tran­tin Neda im Jahr 2009 durch Mi­li­zen des ira­ni­schen Re­gimes er­mor­det wurde, ver­öf­fent­lich­te die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie bei­spiels­wei­se die Stel­lung­nah­me eines an­onym blei­ben­den deut­schen „Fach­pfle­gers“, der den Mord an der „Süd­län­de­rin“ aus der Ferne in Frage stell­te. Als der ira­ni­sche Prä­si­dent mal wie­der die Ver­nich­tung Is­raels an­kün­digt gab sich die Grup­pe alle Mühe diese Ver­nich­tungs­dro­hung als Über­set­zungs­feh­ler zu re­la­ti­vie­ren. Nach dem Erd­be­ben von Japan träum­te man von einer me­ga-​ge­hei­men Erd­be­ben­waf­fe, die im Ein­satz ge­we­sen wäre. Kri­ti­ker_in­nen ent­geg­ne­te man: „Zer­malmt das Nie­der­träch­ti­ge!“ Die Bun­des­vor­stand­mit­glie­der An­ne­li­se Fik­ent­scher und An­dre­as Neu­mann, die für die Grup­pe „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“ auf der Liste un­ter­schrie­ben haben, sind nicht die ein­zi­gen Per­so­nen aus dem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mi­lieu der deut­schen Lin­ken, die dort zu fin­den sind.

Auf der Liste ist der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Diet­her Dehm zu ent­de­cken, der sich selbst als „glü­hen­den Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker“ be­zeich­net und Kri­ti­ker_in­nen als „an­ti­deut­sche SA“ ver­un­glimpft. Au­ßer­dem hat sich der Schwei­zer Na­tio­nal­rat Do­mi­ni­que Baet­tig auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te ver­ewigt. Die­ser ist Ab­ge­ord­ne­ter der Schwei­zer Volks­par­tei (SVP), deren ras­sis­ti­sche Pla­ka­te fast eins zu eins von der NPD über­nom­men wur­den.

Viele Äu­ße­run­gen des Na­tio­nal­ra­tes dürf­ten bei den NPD­lern auf Zu­stim­mung tref­fen. Im De­zember 2009 frag­te Baet­tig den Bun­des­rat in einem par­la­men­ta­ri­schen Vor­stoss nach den „Fol­ge­kos­ten des Ein­drin­ges ge­biets­frem­der Arten“. Baet­tig po­le­mi­sier­te an­sons­ten unter an­de­rem gegen das letz­te Bil­der­berg-​Tref­fen, dem Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen eine un­glaub­li­che Macht nach­sa­gen, ob­wohl sich dort le­dig­lich Wirt­schafts­ver­tre­ter, Jour­na­lis­t_in­nen und Po­li­ti­ker_in­nen zum losen Ge­dan­ken­aus­tausch tref­fen: Der Na­tio­nal­rat be­haup­tet al­ler­dings, dass es sich bei die­sem Tref­fen um die Zu­sam­men­kunft einer „glo­ba­len Elite von Ban­kiers, In­dus­tri­el­len, Di­plo­ma­ten“ han­deln würde, die dort die „Richt­li­ni­en der wirt­schaft­li­chen Glo­ba­li­sie­rung ko­or­di­nie­ren, or­ga­ni­sie­ren und struk­tu­rie­ren“. Die Folge des Tref­fen seien unter an­de­rem „Ge­schlechts­um­wand­lun­gen“ und die „Ver­wi­schung der Gren­zen zwi­schen Le­be­we­sen“, schrieb der Na­tio­nal­rat.

Nun hat er auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de un­ter­schrie­ben und fin­det sich in der Ge­sell­schaft mit Links­par­tei-​Po­li­ti­ker_in­nen und Ak­ti­vis­t_in­nen der deut­schen Frie­dens­be­we­gung. Ein wei­te­rer Un­ter­zeich­ner ist der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Elias Da­vids­son, der sich vor allem mit der Um­deu­tung der Er­eig­nis­se des 11. Sep­tem­bers 2001 be­fasst. Seine The­sen be­warb er bei­spiels­wei­se im Jahr 2009 auf einer Ver­an­stal­tung der rech­ten Bur­schen­schaft „Nor­man­nia-​Nie­be­lun­gen“ in Bie­le­feld. Da­vids­son re­la­ti­vier­te die Ju­den­het­ze des „Stür­mer“ Her­aus­ge­bers Ju­li­us Strei­cher: „Doch der Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat von Ju­li­us Strei­cher würde heute als be­schei­den be­trach­tet wer­den ver­gli­chen mit dem Aus­maß des heu­ti­gen Pro­pa­gan­da­ap­pa­ra­tes gegen den Islam, der ganze Erd­tei­le über­deckt und von Hol­ly­wood un­ter­stützt wird“, be­haup­te­te Da­vids­son im In­ter­view mit dem „Mus­lim Markt“, der eben­falls für plum­pe Pro­pa­gan­da für das ira­ni­sche Re­gime be­rüch­tigt ist. „Ich bin ein ra­di­ka­ler An­ti­se­mit und stolz dar­auf“, schrieb Da­vids­son – ganz offen – an an­de­rer Stel­le.

Auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der Frie­dens­freun­de fin­det sich auch der Name Ste­phan Bütz­ber­ger, der sich – ganz eso­te­risch – als „Leh­rer für Be­wusst­sein-​ und wer­dung“ be­zeich­net. Es han­delt sich um einen Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen aus der Schweiz, der die Exis­tenz von Vi­ren­er­kran­kun­gen leug­net. AIDS sei ein „rein er­fun­de­nes Phan­tom­ge­bil­de“, be­haup­tet Bütz­ber­ger in einem Le­ser­brief, in dem er die irre Be­haup­tung auf­stellt, dass es die AIDS-​Me­di­ka­men­te wären, die töd­lich seien. Hier würde „die Zahl der Opfer des Ho­lo­caust über­trof­fen“, schreibt der AIDS-​Leug­ner auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Den Ho­lo­caust führt Bütz­ber­ger auf den an­geb­li­chen „Schul­ter­schluss von Hit­ler und Ro­cke­fel­ler-​Stif­tung“ zu­rück, die sich damit „der Juden ent­le­digt hatte, die bei der ver­bre­che­ri­schen In­fek­ti­ons­theo­rie nicht mit­mach­ten“. Der Name des AIDS-​Leug­ners und Ho­lo­caust-​Re­la­ti­vie­rers fin­det sich nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de.

Auch ei­ni­ge Blog­ger haben sich auf die­ser gru­se­li­gen Liste ver­ewigt. Da wäre zum Bei­spiel Fol­ker H., der den Blog „Ge­gen­mei­nung“ be­treibt. Er ver­linkt auf ver­schie­de­ne Texte aus der Ver­schwö­rungs­sze­ne, in denen bei­spiels­wei­se die „Dö­ner­mor­de“ um­ge­deu­tet wer­den. Hier wird der mör­de­ri­sche Ter­ror durch die Na­zi-​Ban­de ge­leug­net:

Die ge­sam­te Story rund um eine (…) brau­ne Ar­mee-​Frak­ti­on ist ein ein­zi­ger rie­si­ger Hoax.

Auf der In­ter­net­sei­te von Fol­ker H. fin­den sich nicht nur Ver­wei­se auf der­ar­ti­ge Texte, son­dern auch ver­schie­de­ne Gra­fi­ken, mit denen die is­rae­li­sche Po­li­tik mit der Ver­nich­tungs­pra­xis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf eine Stufe ge­stellt wird. Hier fin­den sich auch Gra­fi­ken des an­ti­se­mi­ti­schen Ka­ri­ka­tu­ris­ten Car­los Latuff, der beim ira­ni­schen Ho­lo­caust-​Ka­ri­ka­tu­ren-​Wett­be­werb den zwei­ten Platz be­leg­te.

Der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge Chris­toph R. Hörs­tel hat ebenfalls un­ter­schrie­ben. Hörs­tel ist An­füh­rer einer einer Kleinst-​​Or­ga­ni­sa­ti­on na­mens „Neue Mitte“. In der Ver­gan­gen­heit trat er bei­spiels­wei­se mit dem ira­ni­schen Bot­schaf­ter, dem Schläch­ter Ali Reza Scheikh Attar, auf einer Wer­be­ver­an­stal­tung des ira­ni­schen Re­gimes auf. Mit dem Quer­front­ler Jür­gen El­säs­ser mo­bi­li­sier­te er zu einem Auf­marsch vor dem Reichs­tag, der sich gegen Is­ra­el rich­te­te. Auf dem letzt­jäh­ri­gen an­ti­se­mi­ti­schen „Al-​Quds-​Tag“ in Ber­lin hielt Hörs­tel eben­falls eine Rede. Auf einem Auf­marsch der Ver­schwö­rungs­sze­ne, der am 10. Sep­tem­ber 2011 in Karls­ru­he statt­fand, sprach Hörs­tel zu den ver­sam­mel­ten Teil­neh­mer_in­nen. Dort of­fen­bar­te er seine Ängs­te vor Eu­ro­pa, sei­nen Hass auf die USA und be­trieb die Kon­struk­ti­on einer „ver­dammt klei­nen Cli­que“, die die Welt be­herr­schen würde. Dafür gab es von den ver­sam­mel­ten Ver­schwö­rungs­fans be­geis­ter­te Zu­ru­fe und aus­führ­li­chen Bei­fall.

Hörs­tel durf­te nun eben­falls auf der Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de un­ter­zeich­nen. Er be­fin­det sich in pas­sen­der Ge­sell­schaft: Ge­mein­sam mit Links­par­tei-​ und SVP-​Po­li­ti­ker_in­nen, an­de­ren Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und be­ken­nen­den An­ti­se­mi­ten, stellt er sich – mal wie­der – auf die Seite des ira­ni­schen Re­gimes.

Die Un­ter­schrif­ten­lis­te der deut­schen Frie­dens­freun­de of­fen­bart einen Ab­grund, dem sich ein Teil der deut­schen Lin­ken er­ge­ben hat. Sie pro­tes­tie­ren nun ge­mein­sam mit einem füh­ren­den Rechts­po­pu­lis­ten, mit AIDS-​Leug­nern und Pro­pa­gan­dis­ten des ira­ni­schen Re­gimes. Hin­ter dem Ruf nach Frie­den ver­schan­zen sich An­ti­se­mi­ten, AIDS-​Leug­ner und Rechts­po­pu­lis­ten. Ei­ni­ge deut­sche Linke scheint dies al­ler­dings nicht zu stö­ren.

Eine Er­klä­rung des BAK-​Shalom findet sich hier: „Gegen linke So­li­da­ri­tät mit den Schläch­tern von Sy­ri­en und Iran!“

Up­date (11.​01.​2012):​ Der Rechts­po­pu­list Do­mi­ni­que Baet­tig wurde mittlerweile von der Liste ge­löscht , in der vor­he­ri­gen Ver­si­on war er al­ler­dings zu fin­den. Alle an­de­ren er­wähn­ten Per­so­nen fin­den sich nach wie vor auf der Liste.

Gratulanten

Einer der ers­ten Gra­tu­lan­ten des wie­der­ge­wähl­ten Prä­si­den­ten der is­la­mi­schen Re­pu­blik Iran, Mahmund Ah­ma­dined­schad, war der Staats­chef Ve­ne­zue­las, Hugo Cha­vez. Mit der Über­schrift „Grüße von His­bol­lah, Hamas und Chávez“ war sich die Ta­ges­zei­tung „junge Welt“ nicht zu scha­de, ihren Le­se­rin­nen und Le­sern die Grüße des Hugo Cha­vez an den Ho­lo­caust-​Leug­ner und An­ti­se­mi­ten Ah­ma­dined­schad zu über­mit­teln:

Als ver­mut­lich ers­tes Staats­ober­haupt über­haupt hatte Ve­ne­zue­las Prä­si­dent Hugo Chávez sei­nem ira­ni­schen Amts­kol­le­gen be­reits we­ni­ge Mi­nu­ten nach Be­kannt­ga­be der ers­ten of­fi­zi­el­len Hoch­rech­nun­gen gra­tu­liert. Der Sieg sei »groß und wich­tig«.

Be­reits vor der Wahl­far­ce, die zu an­hal­ten­den Pro­tes­ten führ­te, hatte Cha­vez ganz un­di­plo­ma­tisch für den An­ti­se­mi­ten und Ho­lo­caust­leug­ner Ah­ma­dined­schad Par­tei er­grif­fen.

Viele linke Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich auf Cha­vez und seine „Re­vo­lu­ti­on“ be­ru­fen, sehen das ähn­lich. Neben der „jun­gen Welt“ mel­de­te sich auch die „An­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche Ko­or­di­na­ti­on“ (AIK) aus Wien zu Wort. Die Or­ga­ni­sa­ti­on ver­mel­de­te, dass der „über­wäl­ti­gen­de Wahl­sieg für Ah­ma­di­ne­jad aus an­ti­im­pe­ria­lis­ti­scher Sicht po­si­tiv“ zu wer­ten sei. Die Wah­len seien ein Zei­chen für die „Stär­ke und Sta­bi­li­tät des po­li­ti­schen Sys­tems der Is­la­mi­schen Re­pu­blik“. Daher wahr­schein­lich die „Freu­de über den Er­folg Ah­ma­di­ne­jads“.

Doch zu­rück zu Cha­vez. Die­ser er­freut sich nicht nur in der „jun­gen Welt“ oder bei der„An­ti­im­pe­ria­lis­ti­schen Ko­or­di­na­ti­on“ an­hal­ten­der Be­liebt­heit. Die be­rühm­te SKA-​Band „Ska-P“ wid­me­te „Com­man­dan­te“ Cha­vez in dem Lied „El lib­ra­dor“ ei­ni­ge Zei­len und be­geis­tert sich für den lin­ken Po­pu­lis­ten. Zu sehen ist Cha­vez auch im Video zum Song.

Die bun­des­deut­sche Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on SDAJ ruft zur „So­li­da­ri­tät mit Venu­zue­la“ und Hugo Cha­vez auf, weil des­sen Ver­tei­di­gung auch be­deu­ten würde, „die Aus­ein­an­der­set­zung um bes­se­re Le­bens-​, Lern- und Ar­beits­be­din­gun­gen für Ju­gend­li­che in Deutsch­land zu füh­ren“. Dazu ge­hört an­schei­nend auch gegen einen an­geb­li­chen An­griffs­krieg gegen den Iran zu po­le­mi­sie­ren (siehe Foto der Ver­bands­zeit­schrift„Po­si­ti­on“ aus dem Jahr 2006).

Position - Hände weg vom Iran!

Die Be­geis­te­rung für  „Com­man­dan­te“ Cha­vez und seine Ver­bün­de­ten darf nicht ver­wun­dern. Der ehe­ma­li­ge Of­fi­zier ver­tritt einen kru­den An­ti­im­pe­ria­lis­mus, der sich gegen die USA und des­sen an­geb­li­che He­ge­mo­nie rich­tet. Daher also der Iran als einer der be­vor­zug­ten Part­ner.

Vor allem ist Ah­ma­dined­schad An­ti­se­mit. Doch auch von Hugo Cha­vez sind Reden be­kannt, in denen an­ti­se­mi­ti­sche Ste­reo­ty­pe pro­pa­giert wer­den. Wäh­rend der eine Is­ra­el von der Karte strei­chenm öch­te, be­haup­tet der an­de­re, dass der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent der pa­läs­ti­nen­si­chen Au­to­no­mie­be­hör­den, Jasir Ara­fat, durch den is­rae­li­schen Ge­heim­dienst ver­gif­tet wor­den wäre. Beide hal­li­zu­nie­ren einen Mas­sen­mord her­bei: An­geb­lich würde die is­rae­li­sche Armee sys­te­ma­tisch Zi­vi­lis­t_in­nen er­mor­den.

Beide Po­li­ti­ker glau­ben an die ein­schlä­gi­gen Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Deut­lich wird das auch in einem YouTu­be Video, in dem Cha­vez ver­schie­dens­te an­ti­se­mi­ti­sche Vor­ur­tei­le pro­pa­giert. „Die­je­ni­gen, die Chris­tus um­ge­bracht haben“ wür­den „noch immer die Welt re­gie­ren“ be­haup­tet der eine. Der an­de­re be­haup­tet, dass die „Zio­nis­ten“ die „po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Grund­pfei­ler ein­schliess­lich deren Recht­spre­chung, Mas­sen­me­di­en, Ge­sell­schaf­ten, fi­nan­zi­el­le Sys­te­me und deren Si­cher­heits-​ und Ge­heim­dienst­agen­tu­ren“so weit be­herr­schen würde, „dass nichts gegen ihren Wil­len getan wer­den kann“.

Kein Wun­der also, dass mit „der engen Al­li­anz zwi­schen Ah­ma­di­ne­jad und Chávez (…) diese an­geb­li­che Ver­schwö­rung der Im­perialisten, Ka­pi­ta­lis­ten und Zio­nis­ten in den staat­li­chen Me­di­en immer häu­fi­ger the­ma­ti­siert“ wurde, wäh­rend ei­ni­ge Mit­glie­der staat­li­cher In­sti­tu­tio­nen gegen die jü­di­sche Ge­mein­de in Ve­ne­zue­la vor­gin­gen.

Dass sich die hie­si­gen An­ti­im­pe­ria­lis­ten aber trotz­dem auf Cha­vez be­ru­fen und des­sen po­li­ti­sche Grund­hal­tung aus­blen­den, zeigt auf, wie sehr die deut­schen An­ti­im­pe­ria­lis­ten am ideo­lo­gi­schen Ende sind. Mensch ist sich nicht zu scha­de sich mit allem und jedem zu ver­bün­den, so­lan­ge gegen den ge­mein­sa­men Feind, der als „Wes­ten“ ge­brand­markt wird, vor­ge­gan­gen wird. Das dürf­te zu­min­dest der „jun­gen Welt“und der „An­ti­im­pe­ria­lis­ti­schen Ko­or­di­na­ti­on“ ge­fal­len.