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Die Zusammenkunft

Am 24.11.2012 wird die nächste Konferenz des Jürgen Elsässer im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin stattfinden. Der Veranstalter ist Herausgeber des Compact Magazins, in dem verschiedene Verschwörungsideologen ihre Mythen und Märchen verbreiten.

Hier werden etwa die Ereignisse des 11. Septembers 2001 und die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrundes” einer Umdeutung unterzogen. Der gemeinsame Nenner ist die verschwörungsideologische Deutung der Realität.

Dort veröffentlicht etwa Oliver Janich, Vorsitzenden der rechtspopulistischen „Partei der Vernunft”, seine Artikel. Diether Dehm, Volksmusikant, Linkspartei-Aktivist und „glühender Verschwörungstheoretiker”, ließ sich zum Interview bitten. Der ehemalige RBB-Moderator Ken Jebsen schreibt dort gegen den „Zentralrat der Juden” und die israelische Regierung an. Gemeinsam mit Jürgen Elässser wird Jebsen, der sich in der Vergangenheit auch an einer Grabschändung beteiligte, ebenfalls die Moderation der Konferenz übernehmen, auf der zahlreiche Autoren und Interviewpartner des Compact-Magazins zu sehen sein werden.

Hier soll es um die „Souveränität Deutschlands” gehen, die den Veranstaltern am Herzen liegt. Dabei möchte man über angebliche alliierte Geheimverträge und über die Reichsverfassung von 1871 debattieren. Zu diesem Spektakel des Deutschnationalismus wird Karl Albrecht Schachtschneider angekündigt, der mit seinen Kameraden von NPD und FPÖ gegen den Euro vorgeht, um anti-europäische Ressentiments zu betreiben. Dabei setzt er sich auch für ein Recht auf Holocaustleugnung ein.

Auf der Konferenz soll aber auch Jan von Flocken sprechen, der verschiedene Verschwörungsmythen, zum Beispiel zum japanischen Angriff auf Pearl Harbour, im Repertoire hat. Außerdem wird unter anderem der gealterte FDP-Politiker Helmut Schäfer angekündigt, der als außenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts den Jürgen Möllemann gab und von einem „israelischen Expansionsdrang” sprach, gegen den Appelle nicht ausreichen würden. Auf der „Souveränitätskonferenz” wird dieser deutsche Politiker daher „über Israel” sprechen. Schäfer treibt die Sehnsucht nach einem starken deutschen Staat an, der gegen Israel in Stellung gebracht werden soll. Man kann sich also ausmahlen, was er dort von sich geben wird. Außerdem werden weitere Referenten aus Russland angekündigt, die Elsässers Traum von einem deutsch-russischen Bündnis entsprechen.

Das Werbeplakat ziert ein Foto des Peter Scholl-Latour, der in der Vergangenheit bereits im Compact Magazin interviewt wurde und der ebenfalls auf der Konferenz sprechen wird. Der umtriebige Autor, der mit der rechts-konservativen „Jungen Freiheit” verbandelt ist, gilt hierzulande als Nah-Ost-Experte: „Netanjahu ist gefährlicher als Ahmadinedschad”, behauptet Scholl-Latour zum Beispiel. Er kann aber auch den Verschwörungsmythen zum 11. September 2001 einiges abgewinnen und begeistert auf diese Weise die deutsche Verschwörungsszene der „Truther” und „Infokrieger”, die seine Ausfälle nur zu gerne dokumentieren. Scholl-Latour ist die passende Werbefigur zur Konferenz, die auf den einschlägigen Internetseiten beworben wird.

Im Vorfeld rührte Jürgen Elsässer die Werbetrommel, indem er seine Konferenz in den Videos der Verschwörungsszene bewarb. Er ließ sich unter anderem von Johannes Conrad zum Interview bitten. Dieser Buchautor, in dessen Buch „Entwirrungen” die „Protokolle der Weisen von Zion” aktualisiert werden, ist ein Aushängeschild des Internetsenders „Bewusst.tv”, der nationalsozialistischen „Reichsbürgern”, irrationale Esoterikern und antisemitischen Holocaustleugnern eine Plattform bietet.

In diesem Umfeld bewarb Jürgen Elässer, der überhaupt keine Berührungsängste kennt, seine „große Konferenz in Berlin”und sprach über „Einwanderer” und „Urdeutsche”: „Wir verlieren die Vielfalt, wenn wir den Brei kochen”, jammerte Elsässer und warnte ganz völkisch vor „Vermischerei”.

Eine weitere Werbemöglichkeit fand Elsässer auf einer Internetseite, auf der Hakenkreuze und Runenästhetik zu sehen und Rassenlehre und Arier-Kult zu finden ist. Auf der Internetseite des Wjatscheslaw Wasiljewitsch Seewald wird im Stürmer-Stil gegen Jüdinnen und Juden gehetzt. Seewald spricht von „Parasiten” und träumt von einem Bündnis aus „Ariern” und „Slawen”:

So ist es auch mit der weißen Rasse. Ja, ich liebe sie und bin froh, daß ich in diesem Leben und in dieser Inkarnation weißer bin”,

Am 14.11.2012 war Jürgen Elsässer bei diesem Nationalsozialisten zu Gast, um seine Konferenz zu bewerben. Danach schrieb Seewald von einer „gelungenen Internetkonferenz” und warb für die Veranstaltung des Jürgen Elsässer. Die Veranstaltung des Jürgen Elsässer begeistert also auch einen Nationalsozialisten, der vor stilisierten Hakenkreuzen und Runen posiert, um vor „Parasiten” zu warnen.

Am 24.11.2012 werden sich die Anhänger des Jürgen Elsässer in der „Freien Universität Berlin” versammeln und zwischen 350 und 25 Euro Eintritt zahlen. Zu diesem Stelldichein dürften mehrere hundert Teilnehmer erscheinen. Dann werden verschwörungsideologische Antisemiten, selbsternannte Euro-Kritiker und sogenannte Nah-Ost-Experten zur Konferenz zusammenkommen.