Schlagwörter: Jens Blecker

Camp der Verschwörungsfans

Zum dritten Mal mobilisieren verschiedene Verschwörungsideologen in die deutsche Provinz. Am 17. August 2012 werden sie für das Wochenende nach Völpke reisen. Es handelt sich um eine beschauliche Gemeinde in Sachsen-Anhalt, dort kommen die Verschwörungsfans seit mittlerweile drei Jahren zusammen, um an einem „völlig entspannten Gedankenaustausch” teilzunehmen.

Das Szenetreffen der Verschwörungsfans dient der internen Stabilisierung und Vernetzung. Die selbsternannten „Truther” und „Infokrieger” zelten, schießen mit Pfeil und Bogen und musizieren am Lagerfeuer. Außerdem konsumieren sie Verschwörungsideologie, „Spanferkel (…), Lamm, Putenschnitzel sowie Würstchen in etlichen Ausführungen”. Vegetarier dürfen sich ebenfalls an Verschwörungsmythen aber auch am Saltbuffet erfreuen, der Veranstalter verspricht, dass auch sie „auf Ihre Kosten kommen”. Das Zeltlager der Verschwörungsfans wurde auf den Namen „Truthcamp” getauft,

In den vergangenen Jahren wurde das Camp vor allem durch Jens Blecker organisiert, der auf den Spitznamen „Cheffe” hört. Er betreibt die Internetseite „IK-News”, mit der er zahlreiche Verschwörungsmythen kolportiert. Fast harmlos erscheint eine Umdeutung einer Kennedy-Rede, die in Verschwörungskreisen erstaunlich beliebt ist, obwohl es sich um eine offensichtliche Umdeutung handelt.

Auf „IK-News” wird aber auch, in einem anti-amerikanischen Jargon, vor der angeblichen „amerikanischen Hegemonialkrankheit” gewarnt. Als Urheber macht man eine „kleine Hochfinanzkaste” aus. Es seien die „beiden Familienclans Rothschild und Rockefeller”, die „noch über die Erde” verfügen würden. Diese werden als „Brut” bezeichnet, die USA sei die „Brutstätte dieser negativen Kräfte”. Mit diesen antisemitischen Konstruktionen begeistert die Internetseite „Truther” und „Infokrieger”, die ebenfalls diesem Wahn erlegen sind.

Die Causa Günter Grass erfüllte den Unmut der „Infokrieger” von „IK-News”. In der Pseudo-Kritik vieler Medien, die die Form, aber nicht den Inhalt des neuesten Pamphlet des greisen SS-Veterans kritisierten, wollten Blecker gar eine „Hetzkampagne” erkannt haben. Als einen Urheber machte „Cheffe” Henryk M. Broder und den Zentralrat der Juden aus. Der Autor würde „sein Gift (…) verspritzen”, gemeinsam würde man eine „gesellschaftlich vernichtende Keule” schwingen. Die Deutschen seien „mit der Schuld unserer Vor-Vorfahren überladen” worden.

Es sind Inhalte, die in dieser Form auch auf zahlreichen nationalsozialistischen Internetseiten zu finden sind. Der Betreiber der Internetseite „IK-News” verharmlost allerdings auch die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Schließlich behauptet er, dass „sich etliche schwerer Verbrechen schuldig gemacht” hätten und verweist auf die „Verfolgung der Indianer”.

Kein Wunder, dass auch die Kommentatoren dieser Internetseite zahlreiche antisemitische Äußerungen hinterlassen. Einige Zeit wurde im Forum zur Internetseite die „Protokolle der Weisen von Zion” beworben, es handelt sich um eines der schlimmsten antisemitischen Pamphlete, auf das sich NSDAP-Kader und andere Antisemiten bezogen.

Jens „Cheffe” Blecker ist nicht nur für solche Inhalte, sondern auch für das „Truth-Camp” verantwortlich. Der Einzelhandelskaufmann aus dem niedersächsischen Helmstedt hat die Internetseite zum verschwörungsideologischen Stelldichein angemeldet. Er bewirbt das Zeltlager der Verschwörungsfans auf „IK-News”.

In diesem Jahr hat sich Blecker allerdings ein wenig aus den Vorbereitungen zurückgezogen. Er plant die dauerhafte Ausreise nach Kanada und hat auch so „sehr viel um die Ohren”. Daher hat er einen Großteil der Planung in diesem Jahr einem verschwörungsideologischen Kameraden überlassen.

Es handelt sich Christian B., der die Internetseite„Lotus-Online” betreibt und im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven lebt. Auf „Lotos-Online” finden sich ganz ähnliche Inhalte wie auf den Internetseiten des Jens„Cheffe” Blecker. Dort wird verschwörungsideologisch vor Handys und W-LAN-Netzen gewarnt, durch die Gehirntumore entstehen würden.

Ansonsten selektiert Christian B. gerne Jüdinnen und Juden. Es gibt zum Beispiel einen Artikel über „kritische Juden”, die Israel mit Verachtung begegnen. Natürlich möchte Christian B. kein Antisemit sein, schließlich konstruiert er eine „Machtelite”, „die eben nicht ausschließlich jüdisch geprägt ist”. Diese sei „eine Bedrohung für die freie Welt”.

Selbstverständlich sind es auch hier die üblichen Verdächtigen, die von deutschen Verschwörungsideologen bevorzugt herangezogen werden. Christian B. empfiehlt zum Beispiel den antisemitischen Propaganda-Film „Endgame”, der vor „Elite-Banker-Familien wie den Rothschilds” warnt.

Christian B. und Jens Blecker sind nicht nur Brüder im Geiste, sondern auch die Organisatoren des diesjährigen „Truth-Camps”. Für etwas mehr als 30 Euro dürfen die geneigten Verschwörungsfans am Szene-Treffen teilnehmen. Dort gibt es dann nicht nur Vorträge verschiedener Verschwörungsideologen zu hören, sondern auch den Soundtrack zum Verschwörungswahn: „An den Musikacts ändert sich nichts. Es sind wieder Kilez More und Die Bandbreite eingeladen”, kündigt Christian B. im Internet-Forum zur Veranstaltung an. Während „Die Bandbreite” das Milieu mit vergleichsweise seichten Reimen versorgt und zum Beispiel die Ereignisse des 11. September 2001 umdeutet,  hat „Kilez More” mehrere Lieder im Repertoire, die den Organisatoren und Verschwörungsfans ganz besonders gut gefallen dürften.

Der Wiener inszeniert sich als „Infokrieger im Informationskrieg” und warnt vor einer angeblichen „Weltregierung”. Paranoiderweise glaubt dieser Deutschrapper, dass „sie” dafür „Internet verbieten” wollen und dass „wir” tagtäglich „vergiftet” werden. Außerdem fragt sich der reimende Verschwörungsideologe, was „die Spasten” denken, die angeblich an der „Spitze der Pyramide” stehen.

Diese Frage beantwortet sich „More” mit einem Track, den er „Seitenwechsel” genannt hat. Dort schlüpft er in die Rolle eines angeblichen „Illuminaten”, der mit seine „Logenbrüdern” die Welt beherrschen würde:„Ich bin wieder mal Stolz auf den Krieg für mein Volk”, heißt es hier. Das Video zum Lied hat „More” mit einer Foto-Aneinanderreihung unterlegt. Dort wurde unter anderem ein Bild der nationalsozialistischen Organisation „Bund für echte Demokratie” (BfeD) verwendet. Andere Bilder zeigen einen hakennasigen „Illuminaten”, das Logo das israelischen Geheimdienstes Mossad oder den Teufel. Bei derartigen Inhalten sollte die Dauereinladung des Deutschrappers nicht verwundern. Er wird mit der „Bandbreite” für die musikalische Untermahlung der verschwörungsideologischen Zusammenkunft sorgen.

Zwischen dem 17. und dem 20. August 2012 wird ein Teil der Verschwörungsszene also in Völpke zusammenkommen, um dort für das Wochenende die Zelte aufzuschlagen. Dann wird man den Tiraden der ideologischen Vordenker lauschen. Gemeinsam wird man am Lagerfeuer musizieren und das ein oder andere Schwein vertilgen. Dort darf dann sicherlich auch über „die Rothschilds” und die angebliche„Weltregierung” debattiert werden.

Massaker der Verschwörungsszene

Das Massaker in der syrischen Stadt Al-Hula, bei dem mindestens 100 Menschen ermordet wurden, beschäftigt auch in Deutschland Verschwörungsideologen, Nationalsozialisten und Anti-Imperialisten.

Zuvor hatte die syrische Despotie eine Untersuchungskomission eingesetzt, die die mörderischen Ereignisse in ihrem Sinne deutete. Es seien „800 aufständische Kämpfer” gewesen, die für das Massaker verantwortlich seien, behauptete der Leiter der für die Aufklärung des Massakers zuständigen Untersuchungskommission, Kassem Dschamal Suleiman, bei einer Pressekonferenz. Ziel des Massakers sei es gewesen, die Unruhe zwischen verschiedenen Religionsgruppen zu schüren. Diese Darstellung fand ihren Weg in die Blogs und Internetseiten der deutschen Verschwörungsszene, nachdem ein russischer Aktivist einen eigenen Bericht geschrieben hatte.

Die Rede ist von Marat Musin, der seit Monaten für das syrische Regime aktiv ist. In den deutschen Blogs der Verschwörungsszene wird Musin als unabhängiger Journalist dargestellt, der lediglich aus der Region berichten würde. Interviews mit dem Fernsehsender Russia Today und sein Weblog „ANNA-News”, der sich der „Wahrheit” verschrieben hat, verstärken diesen Eindruck. Doch Marat Musin ist kein unabhängiger Journalist, sondern stellvertretender Vorsitzender eines Solidaritäts-Komitees, in dem auch Holocaustleugner und Islamisten aktiv sind.

Für das russische „Komitee für Solidarität mit den Völkern Libyens und Syriens” tritt Marat Musin als einer der stellvertretenden Vorsitzenden auf. In Vorstand des Komitees finden sich einige antisemitische Gestalten, so zum Beispiel Israel Shamir. Es handelt sich um einen antisemitischen Holocaustleugner, der sich mit der Frage beschäftigt „wie die Verschwörung der Weisen von Zion zerschlagen werden kann”.

In einem seiner Artikel spricht Shamir von einer Elite, die er — so die antisemitische Chiffre — im „Osten Manhattans” verortet. Shamir hat sich  einem mörderischen Antisemitismus verschrieben. Er ruft beispielsweise dazu auf „die Bastarde an den Straßenlaternen” aufzuhängen. Mit diesem antisemitischen Holocaustleugner arbeitet der angeblich unabhängige Journalist Musin im Solidaritätskomitee zusammen, sie eint das Eintreten für die Diktatur in Syrien. Der Vorsitzende des Solidaritätskomitees ist Sergej Baburin, ein Wortführer der antisemitischen Nationalisten in Russland.

In ihrem Solidaritätskomitee sind aber auch Islamisten, wie Jamal Hyder vom „Islamischen Zentrum Russlands” (IZR), aktiv. Außerdem unterstützt der Aktivist Maxim Shevchenko das Komitee. Er will eine „zionistische Bedrohung” ausgemacht haben, die „hunderte Politiker, Journalisten, Geheimdienstler, Geschäftsleute” und einen „finanziellen Kreis” umfassen würde. Shevchenko glaubt im paranoiden Wahn, der so typisch für Antisemiten ist, dass er von Mitgliedern des „Jüdische Kongress Russlands” (REK) durch Mordankündigungen bedroht werden würde.

Antisemiten, Islamisten und Holocaustleugner: Das sind die Kompagnons des angeblich unabhängigen Journalisten Marat Musin, den deutsche Verschwörungsideologen, Nationalsozialisten und Anti-Imperialisten als Kronzeugen entdeckt haben.

Nachdem das Regime am 27.05 behauptet hatte, dass das Massaker in Hula auf „aufständische Kämpfer” zurückzuführen sei, veröffentlichte Marat Musin am 30.05 nämlich mehrere Artikel und Interviews, mit denen er die Theorien des syrischen Regimes bestätigen wollte.

Er schrieb von einer „Säuberungsaktion”, für die er „Terroristen”, „Banditen” und die „Freie Syrische Armee” verantwortlich machte. Diese hätten„mehrere Familien des Al-Saed-Clans mit insgesamt 20 Kindern sowie Familien des Clans Abdur Razak ausgelöscht”.

In einem seiner Berichte präsentierte der stellvertrende Vorsitzende des russischen Solidaritätskomitees die Aussagen einiger Soldaten, dort bezeichnete er die Berichte von UNO-Beobachtern als „dummen Scherz für den UN-Sicherheitsrat”.

Die Augenzeugenberichte von Überlebenden des Masssakers wurden von ihm verschwiegen. Stattdessen lieferte Musin ein verschwörungsideologisches Motiv:

Das Ziel der Provokation war es, den Zorn und die Entrüstung der Weltöffentlichkeit hervorzurufen, (…) welche den Weg für eine militärische Intervention durch die NATO geebnet hätte.

Diese Propaganda des stellvertretenden Vorsitzenden Musin fand über dessen Internetseite „ANNA-News” den Weg nach Deutschland. Die englischsprachigen Versionen seiner Artikel wurden schnell ins Deutsche übersetzt und auf verschiedenen Internetseiten der deutschen Verschwörungsszene, in nationalsozialistischen Weblogs und auf den Seiten deutscher Anti-Imperialisten veröffentlicht.

Ein Artikel wurde beispielsweise von Jens Blecker publik gemacht, der die verschwörungsideologische Internetseite „Infokrieger-News” betreibt. Blecker begründete die Veröffentlichung in einer Weise, die keine Fragen offen lässt: „Natürlich passt er auch in mein Weltbild und bestätigt meine Vorurteile”, schrieb der deutsche Verschwörungsideologe. Der ebenso deutsche Anti-Imperialist Harald Pflueger verwies in seinem Weblog ebenfalls auf die Artikel, die Nationalsozialisten von der „Sache des Volkes” schrieben von der „Al-Hula-Lüge”. In allen Fällen wurden die Machwerke des Marat Musin als Quelle angeführt.

Mit seiner Propaganda für das syrische Regime erreicht der stellvertretende Vorsitzende des russischen Solidaritätskomitees zwar keine große Öffentlichkeit, dafür aber die deutsche Verschwörungsszene und andere Gestalten, die seine Deutung des Massakers nur zu gerne glauben wollen.

Marat Musin dürfte dies auch in Zukunft gelingen. Sein Netzwerk aus antisemitischen Hetzern, die mit ihrem Solidaritätskomitee Propaganda für das syrische Regime verbreiten, liefert nämlich genau die Pseudo-Informationen, die nicht nur in den Kreisen der deutschen Verschwörungsszene so ungeheuer beliebt sind.

Aufmarsch gegen die USA

Am 10. September 2011 versammelten sich mehrere hundert Menschen in Karlsruhe, um für „die Opfer und die Wahrheit“ auf die Straße zu gehen. Es handelte sich um eine Aktion von organisierten „Truthern“ und „Infokriegern“, die die historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeuten.

Die terroristischen Anschläge seien nicht durch fanatische Mitglieder al-Qaidas ausgeführt worden, sondern in Wirklichkeit das Werk einer Verschwörung gewesen. Diese Verschwörung wird wahlweise der amerikanischen Regierung oder gar dem israelische Geheimdienst Mossad angelastet, die für den „Inside Job“ verantwortlich gemacht werden.

Am 10. September 2011 war die Verschwörungsszene in Karlsruhe unterwegs und stellten ihre wachsende Handlungsfähigkeit unter Beweis. Zwischen vier- und fünfhundert Menschen beteiligten sich an dem Aufmarsch. Für diese Manifestation des deutschen Irrationalismus hatte die Verschwörungsszene seit Monaten mobilisiert. Es gab verschiedene Videos, mit denen Organisatoren und Teilnehmer – wie die „Die Bandbreite“ – für den Aufmarsch warben. Mobilisiert wurde über den esoterischen und verschwörungstheoretischen Kopp-Verlag. Eva Herman bewarb den Aufmarsch in den Kopp-Nachrichten.

Die Demonstration war bereits am Montag, den 24. Februar 2011 angemeldet worden. Organisiert wurde sie von einem „Stammtisch“ aus Karlsruhe, der sich an den Internetseiten „The Real Stories“ und „Alles Schall und Rauch“ orientiert. In diesem „Stammtisch“ sind deutsche Kleinbürger organisiert, die eine organisatorische Vernetzung des verschwörungstheoretischen Milieus betreiben. Auf der Demonstration in Karlsruhe kam die Verschwörungsszene zusammen, um ihre krude Version der „Wahrheit“ zu bewerben.

Auf Plakaten war von einer „kontrollierten Sprengung“ die Rede. Die Verschwörungsfans behaupten, dass die World-Trade-Center durch eine Sprengung zerstört wurden, was den „Inside Job“ darstellt, von dem die Anhänger dieser Verschwörungstheorie halluzinieren. „9/11 was an Inside Job“, hieß es auf einem Transparent. Auf Plakaten wurden 49 tote Bundeswehrsoldaten erwähnt, die „für die Lüge von den 19 Teppichmesser-Terroristen“ gestorben seien. „US-Terror weltweit“, hieß es auf einem anderen Plakat, das den Lautsprecherwagen zierte.

Hier wurde nicht den dreitausend Menschen gedacht, die am 11. September 2001 aufgrund der Angriffe durch al-Quida starben. Die Zahl der Opfer wurde dreist nach unten korrigiert. Außerdem wurden sie zu Opfern eines „US-Terrors“ gemacht, der auch die Toten in Afghanistan und dem Irak umfassen würde. Der Anchorman sagte:

Wir gedenken den 2000 Opfern in New York und den Millionen Opfern der illegalen Angriffskriege in Afghanistan und Irak.

Der Redner appellierte auch an die Gefühle der Deutschen: „Es kann nicht sein, dass gerade wir als Deutsche an zwei illegalen Angriffskriegen beteiligt“ sind, jammerte der Anchorman: „Unsere deutschen Soldaten sterben für diese Lüge“, brüllte er.

An dem Aufmarsch beteiligten sich Mitglieder der sogenannten „Anti Genozid Bewegung“, einer Vorfeldorganisation der Sekte „Organische Christus-Generation“ des Ivo Sasek. Diese sieht in der Anwendung von RFID-Transpondern die Anzeichen eines bevorstehenden Massenmordes an Christen.

Andere Teilnehmer_innen des Aufmarsches gaben einen Einblick in ihr anti-amerikanisches Weltbild:

Das war inszeniert, Amerika hat schon immer seine Krieg erlogen. (…) Die haben das Ziel die ganze Welt zu terrorisieren.

So sprach ein Teilnehmer in eine Kamera. Es geht eben nicht nur um den 11. September 2001, sondern um ein Weltbild, das in den USA alles Böse verortet und diese für alle Kriege und den weltweiten Terrorismus verantwortlich macht.

Der Aufmarsch dieser Verschwörungsfans, deren Triebkraft ein unbändiger Hass auf die Vereinigten Staaten von Amerika darstellt, wurde nicht nur vom Südwestrundfunk (SWR) gefilmt, die einen mehr als unkritischen Bericht fabrizierten. Berichte gibt es von einer „Chemtrail-Petition“-Seite, auf der die Behauptung aufgestellt wird, dass es angebliche „Chemtrails“ gäbe, die aus Flugzeugen versprüht werden, um die Menschen zu vergiften.

Auch über Karlsruhe seien „ChemTrails in kleiner Dosierung und das über den ganzen Tag hinweg versprüht“ worden, behaupten die „Chemtrail“-Ideologen. Außerdem gibt es einen Video-Bericht von „Infokrieger-News“. Der Verantwortliche dieser Internetseite, der „Infokrieger“ Jens Blecker hielt auf einer Zwischenkundgebung eine Rede. Im Nachhinein erfreut sich Blecker an dem Umstand, dass der Aufmarsch „sauber und ruhig“ ablief.

Als weiterer Redner war Christoph Hörstel eingeladen worden, der mit seiner Kleinst-Organisation „Neue Mitte“ in der Vergangenheit unter anderem Aufmärsche gegen Israel veranstaltete. In der Gründung dieses Staates sieht Hörstel einen „blutigen Akt kolonial Ungerechtigkeit“. Israel sei ein „rassistischer unterdrückerischer Staat“, gegen den die palästinensischen Organisationen ein „Recht auf Gegenwehr“ ausüben würden.

Die FAZ bezeichnet Hörstel als „umtriebigen Lobbyisten“ der Taliban in Deutschland. Außerdem betätigt sich Hörstel als Propagandist des iranischen Regimes. Der deutsche Jubelperser trat beispielsweise auf einer Veranstaltung mit dem iranischen Botschafter, dem Schlächter Ali Reza Scheikh Attar, in Hamburg auf.

Christoph Hörstels Rede in Karlsruhe richtete sich gegen die „NATO-Regierung“, einer „Verbrecherbande mit angeschlossenen Propagandaapparat“, die einen „Massenmord“ verübt hätte. Er zog eine historische Linie, bei der er allerhand historische Ereignisse benutzte, um das Bild einer riesigen US-Verschwörung zu propagieren. Dabei berief sich Hörstel auch auf „unsere Freunde von Rechts“, denen er zustimmte:

Seit 1898 wird gelogen. Da kommen unsere Freunde von Rechts, die mit den seltsamen Stiefeln und den kurzen Haaren und weisen auf 1916 hin, auf dieses Schiff namens Lusitania. Ihr Lieben! Recht habt ihr! Das war auch eine gezinkte Sauerei!

Nach dieser Werbung für die Lusitania-Verschwörungstheorie übersprang Hörstel allerdings einige Jahrzehnte, er wolle nicht „auf die ganzen Lügen“ eingehen.

Doch aus so wurde deutlich, dass Hörstel ein Jahrhundert der Verschwörungen entwirft, für das er die USA verantwortlich macht. In der Konsequenz fordert Hörstel ein Neubewertung dieses Jahrhunderts ein und betreibt damit einen Geschichtsrevisionismus, der darauf hinausläuft, sämtliche Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts verschwörungstheoretisch zu verklären.

Musikalisch wurde der Aufmarsch von der Band „Die Bandbreite“ und von dem Rapper „Kilez More“ begleitet. Diese traten nicht nur auf der Demonstration auf, sondern ihre Lieder erschallten in Rotation aus dem Lautsprecherwagen. Hier wurde „Was ist los in diesem Land“ gespielt. In diesem Lied der Band „Die Bandbreite“ wird gegen „verhurte Politiker“, „Dekadenz“ und „Bonzen“ angesungen. Das Video zum Lied zeigt eine Fla­sche Zy­klon B , wäh­rend der Sän­ger von einem „Völ­ker­mord“ in Af­gha­nis­tan singt. Auf diese Art und Weise wird die Ver­nich­tung der Jü­din­nen und Juden re­la­ti­viert und mit dem Vor­ge­hen der NATO auf eine Stufe ge­setzt.

Außerdem gab die Band das Lied „Selbst Gemacht“ zum Besten. Mit dem Lied zieht die Band eine verschwörungsideologische Kontinuität vom Angriff auf Pearl Harbour, bei dem die USA angeblich „eigene Leute geopfert“ hätten, bis zu den Anschlägen auf das World Trade Center. Dieser Anschlag sei ebenfalls „Selbst Gemacht“ gewesen. Die angeblichen Täter hätten „dabei an das Geld gedacht“.

Die Demonstration endete mit diesen musikalischen Beiträgen. Im Anschluss an den Aufmarsch war eine After-Show-Party im Restaurant „Walhalla“ angekündigt, in dem der organisierende „Stammtisch“ auch ansonsten zusammenkommt.

Der Aufmarsch stellte einen geistigen Abgrund dar, dem sich die deutsche Verschwörungsszene ergeben hat. Hier kamen Verschwörungsfans, Chemtrail-Ideologen und Sekten-Mitglieder zusammen, um gegen die USA zu hetzen. Hier wurde an deutsche Gefühle appelliert, hier wurden die USA zu den eigentlichen Terroristen gemacht. Hier wurde ein Jahrhundert der Verschwörungen propagiert, mit dem auch Kriege wie der zweite Weltkrieg umgedeutet werden können.

Es ist eine revisionistische und deutsche Anklage gegen die USA, die von den Verschwörungsfans formuliert wird. Der Aufmarsch dieser deutschen Verschwörungsfans soll im nächsten Jahr erneut stattfinden. Dann dürften wiederum hunderte Verschwörungsfans zusammenkommen, um gemeinsam gegen die USA zu marschieren.

Zeltlager der Verschwörungsfreunde

Einmal im Jahr lädt der Betreiber der Internetseite „Infokrieger-News“ zum Zeltlager ein: Dort kommen er und seinesgleichen zum Verschwörungstelldichein zusammen. Das „Truthcamp“ 2011, das wie im vergangenen Jahr in Völpke (Niedersachsen) stattfinden soll, ist ein mehr oder weniger internes Treffen der Verschwörungsgläubigen.

Während „Spanferkel mit Sauerkraut“ und „Grillwaren aller Art“ verzerrt werden, treten wie jedes Jahr die Verschwörungsrapper „Killez More“ und „Die Bandbreite“ auf: „Dieses Jahr werden wir auch mehr Teilnehmer zulassen, es hat von der Organisation hervorragend funktioniert“, schreibt der Organisator des Zeltlagers, der „Infokrieger“ Jens Blecker.

Das „Truthcamp“ richtet sich an den harten Kern der Szene; an diejenigen, die sich auch über die Internetseite des Jens Blecker, die Seite „Infokrieger-News“ informieren. Dort findet sich zur Zeit ein Interview über einen angeblichen Terroranschlag in Berlin, der während der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Frauenfußballweltmeisterschaft, „vermutlich mit einer ’schmutzigen Bombe‘“, geplant sein soll; zumindest wenn man die merkwürdigen Anschlags-Ideen dieser Verschwörungsfans ernst nimmt.

Im Forum der Internetseite „Infokrieger-News“ fand sich in der Vergangenheit Werbung für die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ und für andere antisemitische Machwerke. Nach der Schließung dieses Forums dient der Off-Topic Bereich der Internetseite als Spielwiese für die Nutzer_innen dieser Seite, auf der sich unter anderem Werbung für den „All-Stern-Verlag“ findet, der das antisemitische und geschichtsrevisionistische Buch „Geheimgesellschaften 3″ des Jan von Helsing vertreibt.

Das „Truthcamp“ dient, wie der jährliche „Kongress der Unabhängigen Medien“, der in diesem Jahr in Hannover stattfand, als internes Szenetreffen, bei dem die Verschwörungsgläubigen zusammenkommen. Während der „Kongress der Unabhängigen Medien“ in diesem Jahr vor allem mit verschiedenen Referenten wie dem rechten „Kopp“-Autor Wilhelm Engdahl, beworben wurde, dient das Truthcamp der gemeinsamen Feierei und damit der internen Stabilisierung dieser Szene.

„Geplant ist das Ganze für Ende August“, heißt es auf der Seite „Infokrieger-News“. Das vergangene Camp sei „eines der entspanntesten Wochenenden des Jahres“ gewesen. Das mag auch daran gelegen haben, dass es in Völpke zwar „Spanferkel mit Sauerkraut“, aber keinerlei Kritik am Treffen gab, bei dem die Verschwörungsfreunde um „Infokrieger-News“ zum gemeinsamen Zeltlager zusammenkamen. Da ist es nur konsequent, dass die „Infokrieger“ ihr Zeltlager auch in diesem Jahr wiederholen.

Der klandestine Kongress der Verschwörungsfans

Der Kongress des Jens Blecker, der am 02.04.2011 in Hannover stattfinden sollte, ist vorübergegangen. Das Treffen, das Blecker auf den Namen „Kongress der unabhängigen Medien“ getauft hat, ist ein mittlerweile jährliches Treffen der „Infokrieger“-Szene. Blecker ist Betreiber der verschwörungsideologischen Internetseite„Infokrieger-News“ und spricht mit seinen Treffen die Szene an, die sich auf seiner Internetseite ihre tägliche Dosis Verschwörungstheorie abholt.

Auf dem Kongress des „Infokriegers“ Blecker treffen sich Verschwörungsfans, um den Referaten ihrer geistigen Vordenker zu lauschen. Vor allem besteht mit dem Kongress die Möglichkeit, einen Austausch und eine Vernetzung zu betreiben. Das war auch am 02.04.2011 in Hannover nicht anders.

Im Vorfeld hatte Jens Blecker, der als Organisator des Verschwörungstreffens aufgetreten war, den Autoren dieser Zeilen zunächst mit einer Einladung, dann jedoch mit einer Anzeige gedroht, nachdem in diesem Blog auf einige Ideen des „Infokriegers“, sowie die politischen Thesen von einigen Referenten und Bands hingewiesen worden war. Jens Blecker, der von seinen Fans „Cheffe“ genannt wird, schrieb:

„Du wirst nun die Rechnung bekommen für diesen Rufmord, ich denke dort werden auch einige der Referenten sich beteiligen.“

Außerdem wurde auf das „Forum des Infokriegers“ aufmerksam gemacht, in dem die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ und andere antisemitische Texte beworben wurden, was zum Löschen des Forums und zu erregten Kommentaren auf der Seite „Infokrieger-News“führte.

Nach diesen – auf das Internet beschränkten – Ereignissen meldete sich die „Antifaschistische Aktion Hannover“, die „Antifaschistische Gruppe Braunschweig“ sowie die kommunistische Gruppe „Fast Forward“ mit einem Aufruf zu Wort, mit dem sie dem verschwörungsideologischen Event eine eindeutige Absage erteilten.

Auf eine Bekanntgabe des Veranstaltungsortes wurde verzichtet, obwohl auf der Seite bis heute angekündigt wird, dass dieser „in Kürze bekannt gegeben“ wird. Diejenigen, die sich angeblich der Wahrheit verschrieben haben, verzichteten auf die Bekanntgabe des Veranstaltungsortes und verhielten sich genau so, wie sie es der angeblichen „Elite“ gerne vorwerfen – man tagte insgeheim und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das ging sogar soweit, dass einem Verschwörungsfan, der den Eintritt von 20 Euro bezahlt hatte, der Ort des Treffens verschwiegen wurde, woraufhin dieser sich in den Kommentaren auf „Infokrieger-News“ beschwerte. Am Abend, während des Auftritts des Verschwörungsrappers „Killez More“ , bemerkte „Cheffe“, dass kein Mensch sein klandestines Geheim-Treffen stören würde. Daher gab er den Kongressort im Internet bekannt.

Vorher hatten etwa einhundert Verschwörungsfans, die aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren, im Ramada-Hotel in Hannover den Vorträgen der Referenten gelauscht. Ein Bericht im nationalistischen „Ron Paul Revolution“-Blog spricht gar von 215 Teilnehmer_innen.

Einer der Referenten war Andreas Popp, der zu Beginn seines Vortrags davon berichtete, dass er sich „oft geirrt“ habe. Nun wolle er aus seinem jetzigen „Weltbild“ berichten. Popp distanzierte sich vom „Reichsgedanken“, um regionalistische Modelle für „Friesen und Bayern“ zu propagieren. Dem Jargon der „Reichsbürger“ ist Popp allerdings treu geblieben: Große Teile seines Vortrags widmete er der „BRD GmbH“. Dies ist eine Chiffre, mit der rechte „Reichsbürger“, die an die Fortexistenz des „Deutschen Reiches“ glauben, auf Menschenfang gehen.

Ansonsten erläuterte Popp sein Verständnis von Demokratie, die eher an eine autokratische Elitenherrschaft erinnerte. Er sagte unter anderem:

Führer können auch was sinnvolles sein.

Außerdem warnte Popp vor „Völkerwucherungen“ und forderte tatsächlich eine Art Wahl-Führerschein für den nicht anwensenden Teil der Bevölkerung, der er die geistigen Fähigkeit, einen Stimmzettel auszufüllen, absprach. Seinen Vortrag reicherte er des Weiteren mit schalen Witzchen über„eine Westerwelle“ an.

Als weiterer Referent sollte eigentlich F. W. Engdahl auftreten. Der ist ein wichtiger Propagandist der Peak-Oil-Theorie, die davon ausgeht, dass Erdöl „nicht aus prähistorischen Überresten von Algen und Zooplankton stamme, sondern konstant unterirdisch unter ungeklärten Umständen entstehe“. Allerdings war Engdahl wegen einer Krankheit verhindert. Er wurde aus dem Krankenbett zugeschaltet, was nach einigen technischen Problemen gelang.

Vom Krankenbett sonderte Engdahl, der für den rechten, esoterischen und verschwörungsideologischen „Kopp“-Verlag tätig ist, urige Behauptungen über Revolutionen und soziale Revolten ab. Für Engdahl sind diese nämlich durch Geheimdienste gesteuert und ins Leben gerufen worden. Engdahl benannte die russische Revolution (1917) und die „Studentenrevolte“ (1968) als solche Ereignisse, um auf heutige Geschehnisse in Libyen, Ägypten und anderen Ländern zu sprechen zu kommen. Auch hier machte der „Kopp“-Autor die angeblichen Machenschaften der westlichen Geheimdienste als Verursacher der Revolten aus.

Nach diesen und anderen Referenten wurde zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen. „Killez More“, der demnächst auf einer Veranstaltung des Reptilien-Verschwörungs-Ideologen David Icke auftreten wird, inszenierte sich einmal mehr als „Infokrieger, im Informationskrieg“. Ihm folgten die Verschwörungs-Pop-Schlager-Hip-Hop-Liedermacher von der Band „Die Bandbreite“, die sich als Opfer von „Hetze“ inszenierten und ein ganzes Lied zum Thema intonierten, mit dem sie sich als Opfer böser Machenschaften imaginieren, weil sie ein Lied über den 11. September geschrieben haben.

Dieses Spektakel wurde von Jo Conrad gefilmt, der als esoterischer Verschwörungsideologe einen Internetfernsehsender namens „Bewusst.tv“ betreibt. Dort darf unter anderem der selbsternannte „Reichskanzler“ Wolfgang Ebel antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten: Angela Merkel sei Jüdin und alle Bundeskanzler würden einen israelischen Pass besitzen. Aktuell bewirbt Conrad allerdings den Auftritt von „Killez More“ und der „Bandbreite“ auf der Startseite seines Internet-TV-Senders.

Ob Jens „Cheffe“ Blecker seinen Kongress das nächste Mal wieder in der niedersächsischen Landeshauptstadt stattfinden lassen wird, wird sich zeigen. Vielleicht sucht er sich, wie im Jahr 2010, ein kleineres Provinzstädchen, weil es dort keine Kritik am Verschwörungs-Event gibt. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form und an welchem Ort der „Kongress der unabhängigen Medien“ im nächsten Jahr stattfinden wird.

Die Konferenz des Infokriegers

Jens Blecker hat sich ein hohes Ziel gesetzt. Er möchte mit dem dritten „Kongress der unabhängigen Medien“, der am 02.04.2011 in Hannover stattfinden soll, „Pionierarbeit“ leisten. Der Kongress ist nur ein Teil des „Informationskriegs“, dem sich der „Infokrieger“ aus Helmstedt verschrieben hat.

Jens Blecker, der Hauptorganisator des Verschwörungs-Kongress, ist Betreiber der Internetseite „Infokrieger News“. Dort widmet sich der „selbstständige Einzelhandelskaufmann“ etwa vermeintlichen UFOs in China, dem 11. September 2001, der Klimaveränderung und vielen anderen Ereignissen, die er verschwörerisch verklärt. Blecker glaubt, dass geheime Mächte im Verborgenen agieren, um die Menschen mit Desinformationen zu täuschen, während Blecker und seine Kumpanen die „wahren Hintergründe“ kennen würden. Wie andere Verschwörungstheoretiker macht Blecker jene „Verantwortlichen um Verborgenen“ für bestimmte historische Ereignisse, etwa die mörderischen Anschläge des 11. September 2001, verantwortlich. Neben dieser bekannten Verschwörungstheorie gibt es natürlich auch noch weitere Themen, die dem „Infokrieger“ am Herzen liegen.

Da wäre zum Beispiel jeder Versuch einer geschlechtsneutralen Sprache. Für Blecker sind sprachliche Regelungen – wie zum Beispiel das Binnen-I – gar ein „Angriff auf die Individualität der Menschen“. Blecker geht es eher um angebliche „Merkmale“ zwischen den biologischen Geschlechtern: „Jedes Geschlecht hat seine spezifischen Merkmale. So sind Frauen eher gefühlvoll und sinnlich wogegen Männlichkeit eher für Praktisches und Maskulines steht“. Diese angeblichen „Merkmale“ sieht der „Infokrieger“ durch „Gendering“ bedroht. Ein „Irrsinn“, befindet Blecker, um einen anti-feministischen Rollback einzufordern. In seiner Welt sollen „Frauen“ als „die emotionale Stütze einer jeden Familie“ funktionieren, „wogegen die Männer andere und eher rustikale Aufgaben erfüllen“.

Es sind die Theorien anderer „Männer“, die Jens Blecker am Herzen liegen. Regelmäßig veröffentlicht der „Infokrieger“ etwa die antisemitischen Reden des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Die Theorien des nationalistischen Verschwörungsideologen Alex Jones, der Neonazis für eine Erfindung des britischen Geheimdienstes hält, finden sich ebenfalls auf der Internetseite des Jens Blecker. Eine andere Ikone ist der englische Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Nigel Farage, dessen „United Kingdom Independent Party“ (UKIP) vor allem mit anti-europäischen, nationalistischen und rassistischen Parolen auf Wähler_innenfang geht. Farages Reden vor dem Europäischen Parlament werden auf Bleckers Seite beworben. Dafür stehen andere Politiker_innen in der Gunst des „Infokriegers“ ganz unten: Dem deutschen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wirft Blecker beispielsweise vor, dass er für „die Abschaffung Deutschlands“ eintreten würde. Blecker sieht hier „alle Voraussetzungen für einen Hochverrat“gegeben.

Dem „Infokrieger“ Blecker geht es auch um Deutschland, das er von allen Seiten bedroht sieht. Da wären die eigenen Politiker_innen wie Wolfgang Schäuble, die Deutschland angeblich an die Europäische Union„verschachern“. Ein Umstand, der den „Infokrieger“ aus Helmstadt in Rage bringt. Noch mehr erregt Blecker allerdings die israelische Politik. Der „Infokrieger“ behauptet, dass sich Israel „unglaublicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht“ hätte. Um diese „Verbrechen“ zu vertuschen, würde „die Vergangenheit rausgeholt und kochendheiß serviert“. Seine anti-israelische Hetze veröffentlicht Blecker ebenfalls auf seiner Internetseite. Dort liest man auch von der „Kollektivschuld“, unter der Deutschland angeblich „leidet“.

Dort erfahren die staunenden Leser_innen von dem geheimen „Ziel“ der Bundesregierung, das den Wahn des„Infokriegers“ verdeutlichen: „(Noch geheim gehaltenes) Ziel unserer Regierung ist die De-Industrialisierung Deutschlands und die Umerziehung des Volkes im Sinne einer neuen Ideologie“, warnt Jens Blecker seine Leser_innen.

Wem nun Angst und Bange wird, dem können die Anzeigenpartner des Jens Bleckers helfen, die auf seiner Internetseite etwa „Käse aus der Dose“, als „Krisenvorrat für den Einsatz in katastrophenreichen Zeiten“, bewerben. Vielleicht hat sich Blecker einen solchen Krisenvorrat angelegt; schließlich warnt er vor einem angeblich drohenden „Zusammenbruch“ oder gar einem „Bürgerkrieg“.

Mit solchen Angstphantasien von einem Finanzcrash oder gar einem Bürgerkrieg verdienen die Anzeigenpartner_innen und damit der „Infokrieger“ selbst ein wenig Geld. Die Werbeeinnahmen der Seite “würden gut“ ausreichen, „um alle Nebenkosten der Arbeit zu decken“, freut sich Blecker in einem Interview mit dem antisemitischen „Muslim-Markt“, dem sich auch schon der Nazi Andreas Molau zum Interview zur Verfügung stellte. Die „Nebenkosten“ könnte Blecker auch mit seinem „Kongress der unabhängigen Medien“ abdecken. Schließlich wird der „Kongress“ von „Gold Money“ gesponsert, einer Firma die sich auf das Geschäft mit Gold, Silber und Platin spezialisiert hat und die in der Steueroase Jersey beheimatet ist.

Zum Kongress werden bekannte Protagonisten der „Infokrieger“-Szene sowie einige selbsternannte Wirtschaftsexperten erwartet. Da wäre Andreas Popp, der ebenfalls mit der Angst vor der Krise hausieren geht: „Wer sich rechtzeitig auf die zu erwartende Weltwirtschaftskrise vorbereitet, wird sie definitiv besser durchstehen und eventuell sogar Chancen daraus generieren,“ wird der Referent auf der Kongress-Internetseite zitiert. Von seinem sonstigen Thesen, etwa über die pseudo-wissenschaftliche und antisemitische „Germanische Neue Medizin“ des Ryke Geerd Hamer, den Popp als „Entdecker einer völlig neuen Medizin“ glorifiziert, wird dort geschwiegen.

Als Referent wird zudem wird Frederick William Engdahl angekündigt. Engdahl arbeitete als Autor unter anderem für die antisemitische Sekte BÜSO (Bürgerrechtsbewegung Solidarität). Heute schreibt er für den rechten, esoterischen Kopp-Verlag. Engdahl propagiert dort die so genannten „Peak-Oil“-Verschwörungstheorie, die davon ausgeht, dass „Erdöl konstant unterirdisch unter ungeklärten Umständen entsteht“. Im Kopp-Verlag schreibt Engdahl unter anderem über angebliche„Impfungen mit unsichtbaren Nano-Impfstoffen“, die der „Bevölkerungskontrolle und -reduzierung“ dienen sollen. Auch auf dem „Kongress der unabhängigen Medien“ dürfte Engdahl solche Gedanken propagieren.

Die Referenten auf dem „Kongress der unabhängigen Medien“ werden die Theorien und Ideen propagieren, die dem Verschwörungsfan Blecker so sehr am Herzen liegen. Zur Werbeveranstaltung des „Infokriegers“ werden allerdings nicht nur rechte Verschwörungs-Referenten, sondern auch einige Musiker erwartet, die mit dem Soundtrack zur Verschwörungstheorie die Teilnehmer_innen der Veranstaltung beschallen werden.

Jens Blecker kündigt jedenfalls an, „noch mit Livemusik den Abend versüßen“ zu wollen. Zum Verschwörungs-Treffen werden die Band „Die Bandbreite“ sowie der Verschwörungs-Rapper „Killez More“ erwartet, die bereits ein Vernetzungs-Treffen – das „Truth-Camp“ (2010) des „Infokriegers“ Blecker – beschallten. Nach den Auftritten auf linken Festivals sowie einem „Ballermann“-Event in Bochum wird die Band „Die Bandbreite“ also wieder einmal auf einem Verschwörungstreffen auftreten.

Jens Bleckers Verschwörungsevent wird 02.04.2011 im Raum Hannover stattfinden. Über den genauen Ort des Spektakels schweigt sich Blecker noch aus. Er habe „Lokalitäten optioniert und werden nach der ersten Woche der Anmeldephase entscheiden“, welche Örtlichkeit er wählen würde, schreibt der „Infokrieger“. Es bleibt also abzuwarten, in welcher Lokalität der „Kongress der unabhängigen Medien“ stattfinden wird.