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Populisten gegen Europa

Mit ihrer neuen Partei wollen sie die „Alternative für Deutschland“ sein. Ein paar erzkonservative und deutschnationale Gestalten haben sich zusammengefunden, um ihren Traum von der Rückkehr zur Deutschen Mark mit einer neuen Organisation Nachdruck zu verleihen. Die „Alternative für Deutschland“ sorgt für Schlagzeilen, das Oberhaupt dieser Gruppierung bewirbt sie zur besten Sendezeit im ZDF. Zuallererst geht es um den Ausstieg aus dem Euro; doch die Unterstützer der Partei vertreten auch deutschnationale, völkische und verschwörungsideologische Positionen.

Voller Freude verweisen die Parteigründer auf einen„wahren Strom an Unterstützung“. Wer einen Blick auf die Liste der offiziellen Unterstützer wirft, dürfte auf verschwörungsideologische Autoren und erzkonservative Politiker stoßen, die die Angst vor Europa eint. Dort fürchtet man eine angeblich drohende Diktatur, die aus der Europäischen Union erwächst. Die Europäische Union scheint ihnen die neue Sowjetunion, Brüssel das neue Moskau und Merkel so etwas wie eine Wiedergeburt des Karl Marx zu sein.

Es sind Personen wie Stefan Milkereit, die nun in der neuen Partei Politik betreiben wollen und die die Angst vor der angeblichen Diktatur anzutreiben scheint. Der Steuerberater aus dem Biebertal sitzt als Beisitzer im Bundesvorstand. Außerdem betreibt er einen Twitter-Account, über den er absurde und belanglose Lebensweisheiten absondert. „Wer tief stapelt, kann nie hoch hinaus kommen“, schreibt er dort. Neben derartig belanglosen Weisheiten finden sich dort aber auch NS-Relativierungen. So zum Beispiel die Behauptung, dass das Löschen von Kommentaren eine neue Form der Bücherverbrennung darstellen würde. Diejenigen, die das „Vaterland“ nicht lieben, würden eine „allgemeine Gefahr“ darstellen, meldet das Parteivorstandsmitglied ebenfalls über Twitter. Der bisherige Höhepunkt aus Tiraden und Phrasen war am 28. November 2012 erreicht. Damals erfand das Parteivorstandsmitglied ein „Multi-Kulti-Gen“ und schrieb in NS-Manier über daraus resultierende „Mutationen“:

Multi-Kulti-Gen führt zu Mutationen und damit zu Krankheiten, die vorher bei Reinrassigkeit nicht vorhanden waren. Wissenschaftlich erwiesen.

Ein weiterer Unterstützer der neuen Gruppierung ist der ehemalige Brigadegeneral Dieter Farwick. Der deutsche Landser tritt als Publizist in Erscheinung. Seine Artikel finden sich unter anderem in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, dem Sprachrohr der deutschnationalen Landsmannschaft Ostpreußen, die auch in diesem Jahrtausend mit völkischer Brauchtumspflege an die verlorenen Ostgebiete erinnert.

Dort lässt sich Farwick zum Beispiel über den „Konflikt“ im „Nahen Osten“ aus. Er gibt den deutschen Nachhilfelehrer, der die „Zwei Staatenlösung“ empfiehlt und vor einem israelischen Angriff auf den Iran warnt. In dieser Zeitschrift wird – vielleicht im Gegenzug – das Buch des deutschen Militärs empfohlen. „Sein Buch ‚Wege ins Abseits. Wie Deutschland seine Zukunft verspielt’“ sei „eine hervorragende Ergänzung zu Sarrazins Schriften“. Dieses Buch ist im Übrigen im Osning-Verlag erschienen, in dem die deutsche Kriegsschuld durch die altbekannten Präventivkriegsmythen geleugnet wird.

Ein anderer Unterstützer der entstehenden Partei schreibt nicht für den Verlag, dafür aber für eine andere Zeitung der deutschen Rechten. Es handelt sich um Dr. Bruno Bandulet, der als nach eigenen Angaben für die neu-rechte Junge Freiheit schreibt. Außerdem hat er mehrere Bücher verfasst. Einige sind imverschwörungsideologischen und rechtsesoterischen Kopp-Verlag erschienen. Passenderweise verbreitet das ehemalige Mitglied des deutschnationalen Bund Freier Bürger (BfB) geschichtsrevisionistische Verschwörungsmythen:

Kaum jemand weiß, dass Deutschland bis heute vertraglich gebunden ist, sich an die Geschichtsversion der Siegermächte zu halten. (…) Die Verpflichtung Deutschlands, die eigene Geschichte durch eine fremde Brille zu sehen, wurde 1990 vertraglich verlängert!

Dieses Zitat ist Wasser auf die Mühlen der Geschichtsrevisionisten, Antisemiten und Holocaustleugner. Es findet sich daher auf zahlreichen Internetseiten, die von derartigen Gestalten betrieben werden.

Zahlreiche Verschwörungsgläubige beobachten oder unterstützen das neue Parteien-Projekt. Da wären zum Beispiel beiden Aktivisten des „Aktionsbündnis Direkte Demokratie“ aus Stuttgart. Dieser Zusammenschluss um Hansjörg Schrade und Bernhard Seitz organisiert seit einiger Zeit den Kampf gegen Europa, indem man Politiker anzeigt und auf der Straße marschiert. Nun treten Schrade und Seitz als Unterstützer der neuen Partei in Erscheinung.

Zuvor hatte ihre Gruppierung vor einer „Machtergreifung“durch eine ominöse „EU-Diktatur“ gewarnt. In diesem Zusammenhang ging man auch auf die Straße. In Berlin marschierte man vor dem Reichstag auf. Dort beteiligten sich auch einige Kader der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD). Auf anderen Aktionen des „Aktionsbündnis“ sprachen die Vordenker des verschwörungsideologischen Milieus: Auf einer Kundgebung hielt Jens Blecker eine Brandrede. Auf dessen Internetseite findet sich auch antisemitische Hetze. Dort ist zum Beispiel von den „bei­den Fami­li­en­clans Roth­schild und Rocke­fel­ler” die Rede, die die Welt beherrschen würden.

Das neue Parteienprojekt wird außerdem durch Wilhelm Hankel unterstützt. Der verbreitete seine Theorien auch in der National-Zeitung des vor kurzem verstorbenen Nationalsozialisten und DVU-Gründers Gerhard Frey. Ein weiterer Unterstützer ist Karl Albrecht Schachtschneider, der überall dort auftritt, wo man sich vor dem Euro und den dazugehörigen Institutionen fürchtet. Bereits im Jahr 2009 begeisterte er bei die Mitglieder der rassistischen Gruppierung „Pro Köln“.

Mit dem ehemaligen Radiomoderator Ken Jebsen, der für seine anti-amerikanischen und anti-israelischen Tiraden berüchtigt ist, führte Schachtschneider angeregte Gespräche, die der Nachwelt zur Verfügung gestellt wurden. Schachtschneider publiziert ebenfalls im Kopp Verlag. Zahlreiche Unterstützer der neuen Partei stammen ebenfalls aus dem Umfeld des verschwörungsideologischen Verlages, der ihre Machwerke publiziert.

Ein Blick auf diese Unterstützer der neuen Partei macht deutlich, wohin deren Reise gehen wird. Hier geht es um mehr als den Euro. Es geht um eine Sammlungsbewegung, die denjenigen eine Heimat bieten dürfte, die von einem starken Deutschland träumen. Zusätzlich dürfte diese Partei verschiedene Verschwörungsgläubige anziehen, die in der Europäischen Union einen nächsten Schritt zur vermeintlich drohenden Weltdiktatur sehen.

Die anti-europäischen Positionierung dürfte der als kleinster gemeinsamer Nenner sein.  Mit ihrem verschwörungsideologischen Populismus gegen die „’Parasiten in Brüssel’“ könnte die „Alternative“ bei den nächsten Wahlen einen Achtungserfolg erzielen. Damit könnte dieser Partei das gelingen, woran andere Kleinstparteien bisher gescheitert sind.

Die Zusammenkunft

Am 24.11.2012 wird die nächste Konferenz des Jürgen Elsässer im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin stattfinden. Der Veranstalter ist Herausgeber des Compact Magazins, in dem verschiedene Verschwörungsideologen ihre Mythen und Märchen verbreiten.

Hier werden etwa die Ereignisse des 11. Septembers 2001 und die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrundes” einer Umdeutung unterzogen. Der gemeinsame Nenner ist die verschwörungsideologische Deutung der Realität.

Dort veröffentlicht etwa Oliver Janich, Vorsitzenden der rechtspopulistischen „Partei der Vernunft”, seine Artikel. Diether Dehm, Volksmusikant, Linkspartei-Aktivist und „glühender Verschwörungstheoretiker”, ließ sich zum Interview bitten. Der ehemalige RBB-Moderator Ken Jebsen schreibt dort gegen den „Zentralrat der Juden” und die israelische Regierung an. Gemeinsam mit Jürgen Elässser wird Jebsen, der sich in der Vergangenheit auch an einer Grabschändung beteiligte, ebenfalls die Moderation der Konferenz übernehmen, auf der zahlreiche Autoren und Interviewpartner des Compact-Magazins zu sehen sein werden.

Hier soll es um die „Souveränität Deutschlands” gehen, die den Veranstaltern am Herzen liegt. Dabei möchte man über angebliche alliierte Geheimverträge und über die Reichsverfassung von 1871 debattieren. Zu diesem Spektakel des Deutschnationalismus wird Karl Albrecht Schachtschneider angekündigt, der mit seinen Kameraden von NPD und FPÖ gegen den Euro vorgeht, um anti-europäische Ressentiments zu betreiben. Dabei setzt er sich auch für ein Recht auf Holocaustleugnung ein.

Auf der Konferenz soll aber auch Jan von Flocken sprechen, der verschiedene Verschwörungsmythen, zum Beispiel zum japanischen Angriff auf Pearl Harbour, im Repertoire hat. Außerdem wird unter anderem der gealterte FDP-Politiker Helmut Schäfer angekündigt, der als außenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts den Jürgen Möllemann gab und von einem „israelischen Expansionsdrang” sprach, gegen den Appelle nicht ausreichen würden. Auf der „Souveränitätskonferenz” wird dieser deutsche Politiker daher „über Israel” sprechen. Schäfer treibt die Sehnsucht nach einem starken deutschen Staat an, der gegen Israel in Stellung gebracht werden soll. Man kann sich also ausmahlen, was er dort von sich geben wird. Außerdem werden weitere Referenten aus Russland angekündigt, die Elsässers Traum von einem deutsch-russischen Bündnis entsprechen.

Das Werbeplakat ziert ein Foto des Peter Scholl-Latour, der in der Vergangenheit bereits im Compact Magazin interviewt wurde und der ebenfalls auf der Konferenz sprechen wird. Der umtriebige Autor, der mit der rechts-konservativen „Jungen Freiheit” verbandelt ist, gilt hierzulande als Nah-Ost-Experte: „Netanjahu ist gefährlicher als Ahmadinedschad”, behauptet Scholl-Latour zum Beispiel. Er kann aber auch den Verschwörungsmythen zum 11. September 2001 einiges abgewinnen und begeistert auf diese Weise die deutsche Verschwörungsszene der „Truther” und „Infokrieger”, die seine Ausfälle nur zu gerne dokumentieren. Scholl-Latour ist die passende Werbefigur zur Konferenz, die auf den einschlägigen Internetseiten beworben wird.

Im Vorfeld rührte Jürgen Elsässer die Werbetrommel, indem er seine Konferenz in den Videos der Verschwörungsszene bewarb. Er ließ sich unter anderem von Johannes Conrad zum Interview bitten. Dieser Buchautor, in dessen Buch „Entwirrungen” die „Protokolle der Weisen von Zion” aktualisiert werden, ist ein Aushängeschild des Internetsenders „Bewusst.tv”, der nationalsozialistischen „Reichsbürgern”, irrationale Esoterikern und antisemitischen Holocaustleugnern eine Plattform bietet.

In diesem Umfeld bewarb Jürgen Elässer, der überhaupt keine Berührungsängste kennt, seine „große Konferenz in Berlin”und sprach über „Einwanderer” und „Urdeutsche”: „Wir verlieren die Vielfalt, wenn wir den Brei kochen”, jammerte Elsässer und warnte ganz völkisch vor „Vermischerei”.

Eine weitere Werbemöglichkeit fand Elsässer auf einer Internetseite, auf der Hakenkreuze und Runenästhetik zu sehen und Rassenlehre und Arier-Kult zu finden ist. Auf der Internetseite des Wjatscheslaw Wasiljewitsch Seewald wird im Stürmer-Stil gegen Jüdinnen und Juden gehetzt. Seewald spricht von „Parasiten” und träumt von einem Bündnis aus „Ariern” und „Slawen”:

So ist es auch mit der weißen Rasse. Ja, ich liebe sie und bin froh, daß ich in diesem Leben und in dieser Inkarnation weißer bin”,

Am 14.11.2012 war Jürgen Elsässer bei diesem Nationalsozialisten zu Gast, um seine Konferenz zu bewerben. Danach schrieb Seewald von einer „gelungenen Internetkonferenz” und warb für die Veranstaltung des Jürgen Elsässer. Die Veranstaltung des Jürgen Elsässer begeistert also auch einen Nationalsozialisten, der vor stilisierten Hakenkreuzen und Runen posiert, um vor „Parasiten” zu warnen.

Am 24.11.2012 werden sich die Anhänger des Jürgen Elsässer in der „Freien Universität Berlin” versammeln und zwischen 350 und 25 Euro Eintritt zahlen. Zu diesem Stelldichein dürften mehrere hundert Teilnehmer erscheinen. Dann werden verschwörungsideologische Antisemiten, selbsternannte Euro-Kritiker und sogenannte Nah-Ost-Experten zur Konferenz zusammenkommen.

Zusammenkunft der Querfrontler

Nachdem eine Mail des RBB-Radiomoderators Ken Jebsen veröffentlicht worden war, verlor dieser — nach einiger Zeit — tatsächlich seinen Job. Jebsen hatte in der Mail unter anderem geschrieben, dass er wissen würde, „wer den holocaust als PR erfunden hat”.

Jebsen machte hier den jüdischen Autoren Edward Bernays verantwortlich. Außerdem betrieb Jebsen, der sich an anderer Stelle als „Überzeugungstäter”bezeichnet, anti-amerikanische Verschwörungspropaganda. Jebsen schrieb im Rahmen einer sehr deutschen Schuldumkehr: „ich weiß, wer während des gesamten Krieges Deutschland mit Bombersprit versorgt hat. Standardoil, also Rockefeller”.

Zuvor hatte der Radiomoderator Jebsen, mit ganz ähnlichen Inhalten, im Radio Fritz des RBB eine Marktlücke gefüllt. Er machte jahrelang Radiosendungen für Verschwörungsfans: Dank der Umdeutung des 11. Septembers 2001, der Konstruktion angeblicher „Eliten” und einer unverhohlene Hetze gegen die USA und Israel war Jebsen zu einer kleinen Ikone des verschwörungsideologischen Milieus avanciert, ohne dass sich die Programmverantwortlichen des staatlichen Rundfunksenders an der Sendung störten.

Dort war, im Zusammenhang der mörderischen Terroranschläge vom 11. September 2001, von der „Terrorlüge” die Rede, die Terrororganisation Al-Qaida wurde als „Unabhängkeitsorganisation” bezeichnet. Jebsen forderte außerdem ein durch Is­ra­el ge­schaf­fe­nes Yad Vas­hem in „Pa­läs­ti­na“, das „all der pa­läs­ti­nen­si­schen Opfer ge­denkt, die durch is­rae­li­sche Be­sat­zung um­ge­kom­men sind“. Ein „zu­kunf­ti­ger is­rae­li­scher Prä­si­dent“ solle dort nie­der­kni­en, „wie einst Willy Brandt“ in War­schau. Mit dieser Forderung verharmloste Jebsen das deutsche Menschheitsverbrechen, während er gegen Israel hetzte.

Ken Jebsen propagierte Ressentiments, die in Deutschland weit verbreitet und mehrheitsffähig sind. Daher wurde, im vergangenen Jahr, die Absetzung seiner Sendung durch empörte Artikel und einen Shitstorm seiner Groupies begleitet. Der Blogger Jacob Jung schrieb beispielsweise auf der Internetseite des linksliberalen Freitag ein Loblied auf Ken Jebsen, der angeblich „auf das Leiden von Verfolgten und Armen aufmerksam” machen würde. Auf einer Website der Verschwörungsszene wird das Bild eines „engagierten und kritischen Journalisten” gezeichnet und auf verschiedenen Nazi-Seiten werden die Sendungen des Radiomoderatoren bis heute gefeiert.

Der Radiomoderator, zu dessen Kennzeichen ein ratternder, äußerst schneller Sprachstil gehört, hatte letztendlich seinen Job beim öffentlich-rechtlichen RBB, nicht aber seine Fans verloren. So ist es nicht verwunderlich, dass Jebsen weiterhin krude Verschwörungsmythen verbreitet, zwar nicht mehr im RBB, aber auf seiner Internetseite, mit zahlreichen YouTube-Filmchen und in den Zeitschriften des verschwörungsideologischen Mileus.

Auf seiner Internetseite umwirbt Jebsen seine Fans. Diese sollen einen Jahresbeitrag von 20 Euro bezahlen, um weiterhin mit den Sendungen versorgt zu werden: „Wir verstehen uns als euer Sprachrohr, und wir wollen diese Aufgabe auch in der Zukunft für euch aufgreifen”, heißt es auf der Internetseite des ehemaligen RBB-Moderatoren. Bislang seien etwa 10.000 Euro angegangen, sagt Jebsen in einem Video, mit dem er um die Kohle seiner Hörer_innen bettelt, damit sie ihm seinen Süd-Amerika-Trip finanzieren. Apropos Kohle: In einem seiner neueren Videos zur „Geldsendung” kommt Franz Hörmann ausführlich zu Wort. Für diesen Professoren ist „die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus nicht endgültig geklärt”.

Während Ken Jebsen seine Zielgruppe umwirbt und um Geld bettelt, meldeten sich auch andere zu Wort, die dem Verschwörungsideologen einige Angebote machten. So veröffentlichte die Anti-Feministin Eva Herman, die für den rechten Kopp-Verlag schreibt, einen Offenen Brief.

In diesem Brief stellte die anti-feministische Ikone  einige Gemeinsamkeiten mit der verschwörungsideologischen Ikone her. Sie zog eine Traditionslinie, die Jebsen mit anderen rechten Propagandisten verbindet. Herman erinnerte an Martin Hohman, Jürgen Möllemann und sich selbst. Außerdem bettelte sie um ein Interview und umwarb den ehemaligen RBB-Moderatoren mit warmen Worten:

Halten Sie durch, Herr Jebsen, Sie sind nicht alleine. Auch wenn Sie durch schwere Zeiten müssen, so scheint doch schon das Licht am Ende des Tunnels. Noch vor kurzem hätte dies auch die entgegenkommende Lokomotive sein können, doch jetzt gibt es berechtigte Hoffnung auf Erholung: Die Zeit der Wahrheit naht.

Auf diesen Offenen Brief reagierte der Radiomoderator nicht. Dafür stellte er sich einige Monate später einem Querfrontler zur Verfügung, der ebenfalls an der Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001 arbeitet. Es handelt sich um den Anti-Antideutschen Jürgen Elsässer, der mit seinem Compact–Magazin in etwa das betreibt, was Ken Jebsen in seiner Radiosendung machte Beide propagieren die Umdeutung der Ereignisse des 11. Septembers 2001.

Für das Compact–Magazin schreiben verschiedene Verschwörungsideologen, wie zum Beispiel der ehemalige Aktivist der antisemitischen BÜSO, Webster Tarpley. Dieser macht Geheimdienste, von CIA bis zum MOSSAD, für verschiedene Revolten, von 1968 bis 2011, verantwortlich. Im Compact–Magazin kam auch Stephan Steins zu Wort, der ansonsten eine Internetseite namens „Die Rote Fahne” betreibt, auf der der Tod des greisen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß umgedeutet wird.

Am Compact-Magazin beteiligt sich nun auch Ken Jebsen. In der aktuellen Ausgabe vom April 2012 findet sich ein ausführliches Interview mit dem ratternden Radiomoderatoren. Doch damit nicht genug. Elsässer kündigt außerdem eine gemeinsame Veranstaltung an. „Ken Jebsen, ein rhetorisches Maschinengewehr, wird aus seinen Texten lesen und anschließend mit mir über politische Zensur in deutschen Medien diskutieren”, heißt es auf der Internetseite des Jürgen Elsässer.

Ken Jebsen ist also dort angekommen, wohin es ihn schon immer zog. Er wird, am 12. April 2012 im Viethaus Berlin, mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer auftreten, um seine kruden Verschwörungsmythen zu propagieren.

Vielleicht wird Jebsen dort auch darüber sprechen, wer „den holocaust als PR erfunden hat”. Der Beifall des Querfrontlers und seiner Anhänger, unter ihnen auch der NPDler Uwe Meenen und die nationalistische Rapperin Dee Ex, die regelmäßig die Compact–Veranstaltungen  besuchen, dürfte ihm gewiss sein.

Goodbye Ken

Der Radiomoderator Ken Jebsen ist nicht mehr im Radio Fritz des RBB zu hören. Bereits vor einigen Wochen war es zu einer zeitweiligen Absetzung der Sendung KenFM gekommen. Damals war eine Nachricht des Moderatoren veröffentlicht worden: „Ich weiß, wer den Ho­lo­caust als PR er­fun­den hat“, schrieb Jebsen in dieser Nachricht, die durch Henryk M. Broder veröffentlicht wurde.

In diesem Zusammenhang verwies Jebsen auf den PR-Experten Edward Bernays, einen Neffen Sigmund Freuds. In der Nachricht des Ken Jebsen fanden sich weitere eindeutige Aussagen. So schwadronierte der Radiomoderator, zu dessen Markenzeichen ein ratternder, schneller Sprachstil gehörte, zum Beispiel über„die führer“ des „jüdischen volkes“. „was ist das grösste problem der juden ? ihre führer“, schrieb Jebsen und nannte in diesem Zusammenhang den Namen des amerikanischen Politikers Henry Kissinger.

Die inhaltlichen Aussagen, die Jebsen in seinen Radiosendungen formulierte, unterschieden sich kaum von den Theorien, die er in der privaten Nachricht formulierte. Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 oder die Behauptung, dass Deutschland lediglich ein Vasall der amerikanischen Staaten darstellen würde, mischten sich mit der Glorifizierung palästinensischer Terroristen, die eine „handvoll blutgetränkter Erde“, also Blut und Boden, verteidigen würden.

Ken Jebsen, der auch auf den Namen „Reporter des Wahnsinns“ hört, träumte von einem „Staa­ten­ge­bil­de Is­rael­Pa­läs­ti­na“ und schwang sich be­vor­zugt zu einer Art deut­schen Nach­hil­fe­leh­rer auf. Sein Ratschlag war unter anderem ein Yad Vas­hem in „Pa­läs­ti­na“, das „all der pa­läs­ti­nen­si­schen Opfer ge­denkt, die durch is­rae­li­sche Be­sat­zung um­ge­kom­men sind“. Ein „zukünftiger israelischer Präsident“ solle dort nie­der­kni­en „wie einst Willy Brandt“ in War­schau.

Andere Theorien waren ebenso un­ap­pe­tit­li­ch. Deutschland sei ein „Va­sall“ der USA, be­haup­te­te er. Den II. Weltkrieg deutete er als „Öl­krieg“, von dem die Ro­cke­fel­lers als al­lei­ni­ge Mo­no­po­lis­ten profitiert hät­ten. Mit seinen Sendungen zeigte Jebsen auf, wie mehr­heits-​ und ge­sell­schafts­fä­hig die ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Deu­tung der Rea­li­tät ist. Der Skandal war nicht nur die Nachricht, sondern dass Ken Jebsen ähnliche Inhalte über Jahre über das „Radio Fritz“ des RBB verbreiten konnte.

Nachdem die Sendung vorerst abgesetzt worden war, mobilisierte Ken Jebsen seine Anhänger, diese entfachten einen wütenden Shitstorm. „Da merkt man gleich diese grö­ßen­wahn­sinn­ge denk­wei­se die­ses volkes (das aus­er­wähl­te Volk alle an­de­ren sind dreck)“, schrieb ein Ken­FM-​Fan bei­spiels­wei­se auf der Face­book-​Sei­te der Sen­dung.

Zahl­rei­che an­de­re Fans äu­ßer­ten sich in einer ähn­li­chen Weise und schrieben wütende Nachrichten an die Programmverantwortlichen des RBB. Hier machte der deutsche Mob mobil. Kurz darauf reagierte der RBB in ihrem Sinne. Er stellte dem Radiomoderatoren einen Persilschein aus: „Die Vor­wür­fe, dass Ken Jeb­sen An­ti­se­mit ist und den Ho­lo­caust leug­net, sind ab­so­lut nicht halt­bar“, sagte RBB-​Spre­cher Volker Schreck.

Jebsen hätte in „manchen Fällen die Grenze überschritten“, verharmloste RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle. Die jüdische Gemeinde Berlin protestierte, die deutsche Mehrheitsgesellschaft schwieg. Der ratternde Radiomoderator durfte am 06.11.2011 tatsächlich wieder auf Sendung gehen und orakelte über „Tabuthemen“, die man angeblich nicht ansprechen dürfte.

Nicht nur das „Piratenradio“ jubelte. „Yes, we Ken“, hieß es dort. Im Pod­cast zu die­ser Sen­dung heißt es in Rich­tung Bro­der:

Mit Si­cher­heit haben sie aber Angst, dass man ihnen die Larve vom Ge­sicht reißt. Ab­ge­lei­tet von der Larve ist der Be­griff des ‚Ent­lar­vens‘

Nun ist die Sendung endgültig abgesetzt worden. Jebsen habe „verbindliche Vereinbarungen“ über den Inhalt der Sendung „wiederholt nicht eingehalten“, heißt es in einer kurzen Erklärung des RBB.

Eine ebenso kurze Erklärung veröffentlichte Jebsen, in der er die Vorwürfe zurückwies. Die Reaktionen seiner Fans ließen nicht auf sich warten. „Schreibt Hatemails“, fordert beispielsweise ein Groupie des Ken Jebsen. Ein anderer kann die „Antisemitenheuchelei“ nicht mehr „ertragen“.

„Pass auf dich auf alter denk an Möllemann“, warnt ein weiterer Fan sein großes Idol. Hier wird dazu aufgerufen, die„Verantwortlichen zur Rechenschaft“ zu ziehen. Keine Überraschungen also in diesem kalten Deutschland, in dem ein Moderator wie Ken Jebsen seine Propaganda jahrelang über einen staatlichen Radiosender verbreiten durfte.

Nun wird der Moderator nicht mehr über das Radio Fritz zu hören sein. Ken Jebsen, das Idol der Verschwörungsfans, kann aber immer noch seine YouTube-Karriere fortsetzen. Eine Option, die vom Moderatoren augenscheinlich auch angestrebt wird. Eine weitere Möglichkeit könnte ihm der Kopp-Verlag offerieren. Hier wäre Ken Jebsen, an der Seite von Eva Herman, die die „Nachrichten“ des Verlages moderiert, in passender Gesellschaft. Schließlich werden dort vor allem Verschwörungstheorien beworben. Die Inhalte der Sendung dürften auch Jebsen zusagen.

Jebsen wird weiterhin zu hören sein, zumindest über die Videoplattform YouTube. „KenFM wird es weiter geben, das ist keine Frage“, droht Jebsen in einem Interview. Daher heißt es an dieser Stelle auch nur vorerst: Goodbye Ken.

Propaganda à la KenFM: ein Nachruf

Mit einem Paukenschlag und einem Shitstorm endet die Karriere einer verschwörungsideologischen Legende. In der KenFM-Sendung des Radiomoderators Ken Jebsen, der über das Jugendradio Fritz des öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) zu hören war, wurde Verschwörungsideologie, Israel-Hass und Antiamerikanismus verbreitet. Nun ist der Propagandist reaktionärer Verschwörungstheorien vorerst nicht mehr über das Radio zu hören.

Die Sendung wurde, nachdem eine E-Mail des Radiomoderatoren veröffentlicht wurde, erst einmal abgesetzt. Fast zehn Jahre hatte KenFM die Theorien der verschwörungsideologischen Szene propagiert und war deswegen von den Fans der verschwörungsideologischen Deutung der Realität gefeiert worden. Seine Radiobeiträge wurden vor allem auf den Internetseiten der verschwörungsideologischen Szene beworben. Ken Jebsen stellte sie über YouTube, für ihn das „Fernsehen des kleinen Mannes“, zur Verfügung. Dort wurden sie hunderttausendfach angeklickt.

In seinen Beiträgen machte der Radiomann beispielsweise „den Ami“ für die „Terrorlüge“ des 11. September 2001 und für fast alle Übel dieser Welt verantwortlich. Der Hass auf die USA ging mit einer absoluten Verharmlosung der Bundesrepublik einher, die er als deren „Vasall“ bezeichnete.

Außerdem hetzte der Radiomann, zu dessen Markenzeichen sein ratternder, schneller Sprachstil zählte, gegen Israel. Dafür huldigte der Radiomann „Palästina“: Es sei ein „von Besatzern kontrolliertes Kriegsgebiet, eine handvoll blutgetränkter Erde“, behauptete Jebsen in einem seiner Beiträge.

Dort relativierte er den Antisemitismus der palästinensischen Organisationen und rechtfertigte deren mörderisches Vorgehen mit dem angeblich gerechtfertigten „Hass“ der „Palästinenser“, die „wie Vieh vegetieren“ würden. Er träumte von einem „Staatengebilde IsraelPalästina“ und schwang sich bevorzugt zu einer Art deutschem Nachhilfelehrer auf, der mit seiner Sendung den jahrzehntelangen Konflikt lösen wollte.

Dies sollte unter anderem durch ein durch Israel geschaffenes Yad Vashem in „Palästina“geschehen, das „all der palästinensischen Opfer gedenkt, die durch israelische Besatzung umgekommen sind“. Ein „zukünftiger israelischer Präsident“ solle dort niederknien „wie einst Willy Brandt“ in Warschau. Mit diesem Geschichtsrevisionismus ging eine Leugnung des Antisemitismus einher. Diesen Antisemitismus blendete Jebsen aus. Dafür „forderte er alle Hilfe für Palästina“. Schließlich würden die Deutschen wissen, „was Teilung und Fremdbestimmung bedeutet“, ratterte er in seiner Sendung.

In einer anderen Sendung verharmloste er das iranische Atomprogramm. Das Land sei „Übernahmekandidat Nummer Eins“, lautete ein Titel seiner Sendung, in der er sich gleich zu Beginn auf Henry Ford berief, der neben seiner Tin Lizzy auch antisemitische Bücher wie die „Protokolle der Weisen von Zion“ oder „Der internationale Jude – Ein Weltproblem“ herausbrachte.

Ken Jebsen bezog, zur Freude seiner Groupies, ganz eindeutige Positionen. Dazu gehörte auch die Einordnung des II. Weltkriegs, den er im geschichtsrevisionistischen Jargon als „Ölkrieg“ verharmloste, von dem die Rockefellers als alleinige Monopolisten profitiert hätten. Er zeigte damit deutlich auf, wie mehrheits- und gesellschaftsfähig die verschwörungsideologische Deutung der Realität ist.

Viele seiner Äußerungen hätten – in ähnlicher Form – auch von Nationalsozialisten stammen können, die die Bun­des­re­pu­blik ebenfalls als „Va­sall“ der USA imaginieren. Jebsen ging es eben niemals um Aufklärung; ihm ging es darum, den Hass auf die USA und auf Israel zu ar­ti­ku­lie­ren. Dieser Hass ging mit der Angst vor der Moderne, die durch Verschwörungstheorien in einer irrationalen Weise rationalisiert wurde, einher.

Ob nun der 11. September 2001, das Atomwaffenporgramm des Iran, der Hunger in Afrika oder die Geschichte von Wikileaks: Jebsen hatte zu allen Themen eine wenig fundierte Verschwörungstheorie parat, die er dafür umso schneller herunterratterte. KenFM wurde auf diese Art und Weise zu einem verschwörungsideologischen Sprachrohr, der an die Ressentiments der deutschen Bevölkerung anknüpfen konnte und diese zugleich reproduzierte.

Anhand der nun veröffentlichte E-Mail, die aus einem privaten Schriftverkehr mit einem Kritiker stammt, lässt sich die politische Positionierung des Ken Jebsen noch deutlicher erkennen. Hier äußerte sich der Radiomann unverblümt:

sie brauchen mir keine holocaus informatinen zukommen lassen. ich habe mehr als sie. ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays.

Goebbels hätte dessen Anweisungen lediglich „umgesetzt“. Selbst für die Shoah macht der Antisemit also einen Juden verantwortlich. Diese Hetze garnierte Ken Jebsen mit den beliebten Entlastungsgeschichten, die amerikanische Firmen für den Nationalsozialismus verantwortlichen machen:

ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten krieges deutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller.

Diese entspricht über weite Teile den Inhalten, die er lange Jahre in seiner Sendung verbreitete. Schließlich deutete er auch dort an:

Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, der wird am Ende blind werden.

Die E-Mail, deren Echtheit von Jebsen in einer aktuellen Stellungnahme bestätigt wird, ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Seine Radiosendungen waren durchaus dazu geeignet, den Hass zu schüren und die deutsche Kriegsschuld am Vernichtungskrieg zu relativieren. Auch aus dieser Sichtweise ist die Absetzung der Sendung durchaus erfreulich.

Nicht erfreut sind dagegen die Fans des Ken Jebsen. Sie äußern sich beispielsweise auf der Facebook-Seite von KenFM und eifern ihrem Idol in Sachen Rechtschreibung und Inhalten nach. „Jetzt versucht man also sogar das letzte bisschen ehrlichen Journalismus zu töten“, jammert ein Fan.

Dort wird Henryk M. Broder, der für die Veröffentlichung der E-Mail verantwortlich war, als „Kommissar“, „Volksdemagoge“, „Brandstifter“ und „Hetz- und Schmierenschreiber“ bezeichnet, der für einen „unliebsamen ruf für juden“ sorgen würde.

An den Beleidigungen beteiligt sich übrigens auch ein Occupy-Aktivist aus Berlin, der gerade in der Klosterstraße vor einer Kirche campiert. Dieser schreibt außerdem:

RBB wollte am Dienstag kommen und das Camp filmen. Es wurde bereits besprochen aus Solidarität zu Jebsen den Dreh nicht zu unterstützen, bis der Fall geklärt ist! wie wäre es stattdessen mit einer KenFM-Sondersendung von dort?.

Falls Jebsen in Zukunft wirklich nicht mehr über Radio Fritz zu hören sein sollte, könnte er als Sprecher des Occupy-Camps durchaus an seine bisherige Karriere anknüpfen.