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Audienz beim Antisemiten

Zur Audienz mit dem antisemitischen Präsidenten Ahmadinedschad reisten nicht nur der Querfrontler Jürgen Elsässer, der Finanzexperte Ralf Flierl und der Verschwörungsideologe Gerhard Wisnewski. An der Reise, die von Yavuz Özoguz, Betreiber des antisemitischen Internetseite „Muslim-Markt” und Vorsitzender des Vereins „Islamischer Weg”, organisiert wurde, beteiligte sich auch ein liberaler Politiker aus der deutschen Provinz. Claus Hübscher stammt, wie der Reise-Organisator, aus der niedersächsischen Kleinstadt Delmenhorst, dort ist er nicht nur stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP, sondern seitdem 30.03.2012 auch der Landtagskandidat der Partei. Die Provinzpresse bezeichnet ihn als „liberales Urgestein”, denn der Politiker ist seit Jahrzehnten in Delmenhorst aktiv und gilt als Gesicht der dortigen FDP.

In der beschaulichen Kleinstadt, die vor einigen Jahren in die Schlagzeilen geriet, als der mittlerweile verstorbene Nationalsozialist Jürgen Rieger das örtliche Hotel am Stadtpark kaufen wollte, arbeitete Hübscher bis zu seiner Pensionierung als Geschäftsführer der örtlichen Volkshochschule. Außerdem war er für den städtischen Fachbereich für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur zuständig. Der starke Mann der FDP sucht beständig den Kontakt zu seinen Mitmenschen. Er debattiert über Hundehaltung, die Sicherheit und den „Genossen-Filz” in Delmenhorst.

Im Wahlkämpfen besucht er Gartencenter oder beteiligt sich an der ein oder anderen Grundsteinlegung. In den innerparteilichen Machtkämpfen kann sich Hübscher stets durchsetzen. Hier wird mit harten Bandagen gefochten, seine Gegner deuteten schon mal Wahlbetrug an, er sprach von Verschwörungstheorien. In den vergangenen Jahren machte die örtliche FDP eher den Eindruck einer vollkommen zerstrittenen Partei, es kam zu Parteiaustritten und innerparteilichen Machtkämpfen, die Hübscher aber immer überstand.

Kurioserweise ist Hübscher aber nicht nur das FDP-Urgestein in Delmenhorst, sondern auch ein Kopf des „Arbeitskreis für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit”, für den er Reden hält und Schweigemärsche leitet. Der FDP-Politiker hält gerne moralisierende Ansprachen, so zum Beispiel am 11. Dezember 2011. Damals wird ein Hanukka-Leuchter im Rathaus der Stadt entzündet. Hübscher findet salbungsvolle Worte und erweist sich zugleich als sparsamer Deutscher, der auf die Energiepreise achtet:

Wir haben hier etwas Bleibendes geschaffen. Mögen die Lichter ewig brennen (…). Natürlich haben wir darauf geachtet, dass Energiersparlampen verwendet werden.

Es ist die sonstige Praxis des FDP-Politikers Hübscher, die für einen ersten kleinen Provinzskandal sorgte. Im Februar 2012 organisiert Hübscher eine Veranstaltung mit Yavuz Özoguz, dem Betreiber des „Muslim Markt”. Beide leben in Delmenhorst, hier wollte man in der örtlichen Volkshochschule über die „Stellung der Schiiten innerhalb des Islams” debattieren. Hübscher organisiert dort seit Jahren eine Reihe über „Kulturen und Religionen in Delmenhorst”, mit denen „die kulturellen Wurzeln” der „Nachbarn und Mitbürger”vorgestellt werden sollen. Die Presse berichtet über die Propaganda-Veranstaltung mit dem Betreiber der antisemitischen Internetseite, die Jüdische Gemeinde protestiert und die Volkshochschule will Özoguz damals dann doch kein Podium bieten.

Der Betreiber des antisemitischen „Muslim-Markt” generiert sich in der Folge als Opfer, Hübscher lobt ihn als „interessanten Mann”. Die Veranstaltung findet letztendlich im Hotel Thomsen statt. Das Veranstaltungsangebot des liberalen Landtagskandidaten ist trotz dieser Geschehnisse weiterhin im Programm der Volkshochschule zu finden, auf die der liberale Politiker durch seine Wahl zum „Vorsitzenden des Dozentenrates” auch weiterhin Einfluss nimmt.

Der Mini-Skandal verbindet den FDP-Politiker Hübscher und den antisemitischen Aktivisten Özoguz, auf dessen Internetseite verschiedene Israel-Hasser, Geschichtsrevisionisten, Nationalsozialisten und Verschwörungsideologen interviewt werden. Der Geschichtsrevisionist Stephan Steins lamentiert dort etwa über die „Faschismus-Variante Zionismus” , der ehemalige NPD-Kader Andreas Molau über „die Identifikation mit der eigenen Abstammung und Kultur” und der Verschwörungsideologe Oliver Janich über geheimnisvolle „Kreise”, die „die Finanzkrise zu nutzen, um ihre Macht weiter auszubauen”.

Vielleicht war es der kleine Skandal, der nun zur gemeinsamen Reise nach Teheran führte. Dort kam es zur„Privataudienz” beim iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, der sich ansonsten gerne mit Holocaustleugnern und Nationalsozialisten ablichten lässt.

Im Iran werden Regime-Kritiker_innen von den Anhängern des klerikal-faschistischen Regimes zunächst gefoltert und dann ermordet, Homosexuelle werden öffentlich erhängt. Auf Gespräche mit Regime-Gegner_innen wurde verzichtet, die Menschenrechtssituation im Iran scheint für die Reisetruppe keine Rolle gespielt zu haben. Dafür lauschte die Delegation etwa einer Stunde den Worten des Holocaustleugners Ahmadinedschad, der das Menschheitsverbrechen immer wieder als „große Lüge” bezeichnet.

Auf den Fotos der Reisetruppe sind nun nicht nur verschiedene Verschwörungsideologen zu sehen, die ansonsten von geheimen Erdbebenwaffen oder vom angeblichen Attentat auf die Titanic träumen, sondern auch der Landtagskandidat der FDP, der auf diese Weise wohl große Weltpolitik betreiben wollte.

Gemeinsam mit Jürgen Elsässer, der iranische Regime-Kritiker_innen als „Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals” beleidigte, und mit Gerhard Wisnewski, der im rechten „Kopp-Verlag” den Verschwörungsmythos vom Mossad-Mord an Uwe Barschel propagiert, war Claus Hübscher Teil der Delegation, die nach Teheran gereist war. Gemeinsam besuchten sie den iranischen Präsidenten, der Israel als „finstere und schmutzige Mikrobe” bezeichnet und von einem„zionistischen Regime” spricht, das „von den Seiten der Zeit getilgt werden muss”.

In den Medienberichten des iranischen Regimes wird die „Privataudienz” beim Antisemiten Ahmadinedschad ausführlich gewürdigt. Ein Bericht auf der Internetseite des iranischen Präsidenten erwähnt die Motivation der Reisenden. Die Gruppe sei in den Iran gereist, um einen Eindruck über die „islamische Gesellschaft” im Iran zu erhalten. Der Reiseleiter sprach während der „Privataudienz” von „zionistischen Medien, insbesondere in Europa”, die ein „verfälschtes Bild über den Iran” präsentieren würden.

Es sei eine Reisegruppe aus „wahrhaftigen Deutschen” gewesen, „die das Feuer der Liebe in ihrem Herzen nicht haben erlöschen lassen”, schreibt der „Muslim-Markt”–Betreiber Özoguz nun in seinem Reisebericht, andere bejubeln das Treffen mit ihrem Idol ebenfalls. Nur der FDP-Landtagskandidat Hübscher schweigt bisher von seinem Treffen mit dem iranischen Präsidenten.

Nach der Audienz beim Antisemiten reisten Claus Hübscher und seine Gefährten am 29.04.2012 zurück nach Deutschland. In Delmenhorst wird der FDP-Politiker nun als Landtagskandidat Wahlkampf betreiben, außerdem wird der Provinzpolitiker vielleicht die ein oder andere Veranstaltung mit dem Reiseleiter Özoguz organisieren. Dort können sie dann in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen und die „Privataudienz” beim Antisemiten in den schillerndsten Farben schildern.

Terror & Verschwörungstheorien

Die mörderischen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya wurden von Verschwörungsideologen in der ganzen Welt aufgegriffen, um ihre Theorien über die Taten zu propagieren. Dass der mutmaßliche Täter, Anders Behring Breivik, zunächst zur Bombe und dann zur Waffe griff, um mehr als 70 Menschen zu ermorden, die an einem Camp der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen hatten, interessierte zunächst nur am Rande.

Es wurde nach Hintermännern, Ufos und Sprengstoff gesucht. Es müsse sich einfach um eine so genannte „False Flag“-Aktion, eine Aktion unter falscher Flagge, die von mächtigen Institutionen begangen worden sei, gehandelt haben. Diese Idee geistert durch die Köpfen der Verschwörungsfans, die nun im Internet nach Beweisen fahnden und jede noch so absurde Behauptung benutzen, um ihre Theorien zu propagieren. Je nach ideologischer Perspektive werden mit diesen Verschwörungstheorien andere Täter oder geheimnisvolle Hintermenschen ausgemacht, die für die verachtenswerten Taten verantwortlich sein sollen.

Das nationalistische Manifest des Täters, Anders Behring Breivik, der auf mehr als 1500 Seiten seine mörderischen Taten mit Paranoia vor einem allumfassenden „Kultur-Marxismus“ und einem „Multikulturalismus“ begründete, wird dabei oftmals ignoriert. Stattdessen wird von einer Tat durch Geheimdienste oder anderen geheimnisvollen Gruppen halluziniert.

Dass der Täter selbst verschwörungsideologische Vorsatzstückchen propagierte, er „zeitgenössischen Rechtsradikalismus mit altbekannten Verschwörungen“ kompilierte, spielt im Diskurs der Verschwörungsszene eben sowenig eine Rolle, wie die antisemitische Tendenzen des Täters, die sich in seinem Manifest offenbaren. Behring Breivik sprach dort unter anderem davon, dass „die Vereinigten Staaten von Amerika mit sechs Millionen Juden (…) wirklich ein beträchtliches Judenproblem“ hätten.

Verschwörungsideologen interessieren sich nur am Rande für den mutmaßlichen Täter und seine Motivation. Schließlich glauben sie, hinter dem Täter eine viel umfangreiche Verschwörung entdeckt zu haben. Das geht sogar so weit, dass der Täter zum Opfer dieser angeblichen Verschwörung gemacht wird. Verschiedene Verschwörungsideologen sprechen von geheimen Gehirnwäsche-Programmen, „Mind Control“ genannt, denen der Täter angeblich zum Opfer gefallen sei.

Alex Jones, ein verschwörungsideologischer Radiomoderator aus den USA, spricht beispielsweise von einer „False-Flag“ Aktion, durchgeführt von einer „White al-qaeda“, die durch amerikanische Institutionen gelenkt werden würde. Auf diesem Weg sollen die „patriotischen“ Gegner einer „Neue Weltordnung“ diskreditiert werden, glaubt der dieser wichtige Stichwortgeber der organisierten Verschwörungsideologie.

Mit der Tat, die für Alex Jones unter falscher Flagge durchgeführt wurde, sollen jene nationalistischen Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden, die sich für Nationalstaaten und gegen Migrant_innen aussprechen würden. Dass Anders Behring Breivik nicht nur Mitglied einer rechtspopulistischen Partei, sondern auch Mitglied einer Freimaurer-Loge war, ist nicht nur für Alex Jones ein weiteres Indiz, mit dem die Verschwörungstheorie gebastelt wird.

Derartige Theorien propagiert nicht nur Alex Jones auf seiner Seite „Infowars.com“, sondern auch sein Kompagnon Paul Watson. Dieser stellt dort unter anderem die Verschwörungstheorie auf, dass Norwegen gestraft worden sei, weil es sich in die „Agenda“ der „New World Order“ einmischte. Weil Norwegen einen palästinensischen Staat befürwortete, sei es das Opfer des Anschlags geworden. Diese antisemitische Theorie erfreut sich einer ungeheuren Beliebtheit und wird auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene propagiert.

„Skywatch Bretten“, ein anonymes Webblog, berichtet ebenfalls über den Umstand, dass Anders Behring Breivik Mitglied in einer Freimaurer-Loge war. Außerdem hat der Autor des Blogs eine blau-weiße Krawatte des Täters untersucht: „Und wer kennt sich besser mit der Schuld aus als Blau/Weis? Niemand“, schreibt der Autor dieser Verschörungsseite. Der Verantwortliche dieses Blogs betreibt einen besonders obskuren Antisemitismus, der über die Farbe einer Krawatte funktioniert.

Hier wird der antisemitische Furor vieler Verschwörungsfans deutlich. Weil der Täter auf einem Foto eine blau-weiße Krawatte trug, wird Israel für die Taten verantwortlich gemacht. Weil sich Norwegen angeblich hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde, könne nur der israelische Geheimdienst Mossad für die Taten verantwortlich sein.

„Widerstand in Aktion“, ein Blog des nationalistischen und verschwörungsideologischen Stammtischs der Internetseite „Alles Schall und Rauch“ vermutet, „dass es Explosionen, Verpuffungen oder was auch immer“ gegeben haben könnte. Ein „Klarer Fall: Staatsterror!“. Denn: „die Sache stinkt nach Mindcontrol!“ Zumindest für die Betreiber der Verschwörungsinternetseite.

Auf der ebenfalls verschwörungsideologischen Internetseite „Infokrieger-News“ kommentieren verschiedene Verschwörungsfans die schrecklichen Geschehnisse: Sie plädieren dort dafür „die Schuldigen beim Mossad oder bei den Franzosen zu suchen“. Weil Norwegen das Bestreben der palästinensischen Organisationen nach einem eigenen Staat unterstützt hätte, sei dieses Land nun Ziel eines Anschlags geworden, lautet auch hier die Begründung für die Verschwörungstheorie, deren Grundlage der Hass auf Israel und seine angebliche Macht und Machenschaften sein dürfte.

Ein anderer Verschwörungsfan will in dem Ort des Massakers, der Insel Utøya, eine „Pyramide“ erkannt haben. Für ihn und andere Verschwörungsgläubige sind derartige Symbole das Zeichen der geheimen Weltverschwörung, die sie für die Anschläge verantwortlich machen. In jedem Fall sei der Anschlag „deffintiv vom Mossad inziniert“. Andere Nutzer dieser Verschwörungsplattform machten allerdings andere Geheimdienste der angeblichen „Eliten“ für die Morde verantwortlich.

Nicht nur hier ist von angeblichen Gehirnwäsche-Projekten die Rede. Wie in einer Folge der Serie „Akte X“ oder der Handlung des Computerspiels „Call of Duty: Black Ops“ wird die Behauptung aufgestellt, dass der Attentäter einer Gehirnwäsche durch CIA oder Mossad zum Opfer gefallen sei und deswegen seine Taten verübt habe.

In eine ähnliche Richtung geht eine Sendung der nationalistischen Verschwörungs-Website „Infokrieg TV“. In einer Radiosendung versucht dessen Betreiber, Alexander Benesch, den Täter zum Teil einer Verschwörung zu machen, hinter der er ehemalige Gladio-Strukturen vermutete. Außerdem zieht er, wie viele andere Verschwörungsideologen auch, einen Zusammenhang zu dem Attentat in Oklahoma City. Dort sprengte Timothy McVeigh am 19. April 1995 einen Van im Murrah Federal Building in die Luft. Dabei starben 168 Menschen. Bis heute behaupten verschiedene Verschwörungsideogen, dass es sich hierbei um eine Verschwörung der geheimen „Elite“ gehandelt habe, die den Täter benutzte.

Auf diese Art und Weise leugnen Verschwörungsideologen die ideologischen Hintergründe der Anschläge. „‚Rechter Terror‘ unter falscher Flagge“ heißt es beispielsweise auf der Internetseite „Infokrieg TV“. Die Melange aus Nationalismus, Rassismus und der Hass auf die Moderne, die in beiden Fällen eine Ursache für die Taten gewesen sein könnte, wird beiseite geschoben. Aus dem rechten Terror wird eine „Bedrohung“ gemacht, die „nur Schreckgespenst und Werkzeug der Bundesregierung“ sei, „um eine patriotische und globalismusfeindliche Strömung im Land zu diskreditieren“.

Stattdessen wird ein ein Konstrukt propagiert, dass von der angeblichen Existenz einer mega-geheimen„Elite“ ausgeht, die so wahnsinnig-mächtig sein muss, dass sie derartige Komplotte arrangieren kann, ohne das es die „schlafende“ Mehrheit der Menschheit überhaupt mitbekommt.

Verschwörungsideologen schreiben in diesem Zusammenhang oftmals von einer israelischen Aktion. Dies zeigt den Antisemitismus vieler Verschwörungstheorien deutlich auf. Diesem Antisemitismus fühlt sich wohl auch der Reptoloiden-Theoretiker David Icke verpflichtet, der auf seiner Internetseite verschiedene Texte aus der Szene veröffentlichte, in denen die Behauptung aufgestellt wird, es handele sich um eine Aktion des israelischen Geheimdienstes Mossad, weil sich Norwegen hinter den entstehenden palästinensischen Staat stellen würde. Mit dieser wahnhaften Theorie haben viele Verschwörungsideologen ihr Motiv gefunden, das sie nun immer wieder verwenden, um einen angeblichen Zusammenhang zwischen den Attentaten und dem israelischen Geheimdienst zu konstruieren.

So weit will der Kopp-Verlag, der esoterische, populistische und verschwörungsideologische Machwerke veröffentlicht, dann doch nicht gehen. Er erwähnt den israelischen Staat nur am Rande. Allerdings wird in einem Artikel der Nachrichtenabteilung des Verlages die Frage aufgeworfen, ob nicht „westliche Mächte“ für die Anschläge verantwortlich seien, „weil Norwegen sich für einen unabhängigen Palästinenserstaat stark machen will“. In einem weiteren Artikel spricht der Verschwörungsideologe Webster Tarpley bereits in der Überschrift von „Terroranschlägen in Norwegen unter falscher Flagge“.

Nicht nur auf derartigen Internetseiten blühen die Verschwörungstheorien: Auf der antisemitischen Internetseite „Muslim Markt“ werden Verschwörungsmythen gesponnen: „Der inzwischen als angeblicher Einzeltäter vorgestellte Rechtsradikale war sicherlich vieles, aber ganz sicher kein Einzeltäter. Und die Hintermänner dürften das Land – wohin auch immer – schon längt verlassen haben“, heißt es dort, um ebenfalls auf die drohende Anerkennung eines palästinensischen Staates, durch die Regierung Norwegens, hinzuweisen.

Verschwörungstheorien finden sich eben nicht nur auf den Internetseiten der Szene, auf denen derartige Ideen am ungehemmtesten propagiert werden, sondern auch auf verschiedenen anderen Internetseiten, die die Ereignisse ebenfalls verklären.

Viele verschwörungstheoretische Vorsatzstückchen finden sich beispielsweise auf den Internetseiten, die durch ihre rassistische Hetze gegen Muslime auf sich aufmerksam machen. Zum Beispiel in den Kommentaren der Internetseite „Politically Incorrect“, die einräumt, dass die Texte des Anders Behring Breivik „großenteils Dinge“ seien, „die auch in diesem Forum stehen könnten“. Dort heißt es in den Kommentaren beispielsweise:

Es riecht hier so unangenehm stark nach False-Flag, dass ich das Fenster aufreißen möchte.

In weiteren Kommentaren, die vom dortigen deutschen Mob produziert werden, gibt es einige, die mit der Verschwörungsideologie arbeiten, um die Zusammenhänge zwischen der eigenen menschenverachtenden Ideologie und der Tat zu verschleiern. Hier sprechen einige Kommentatoren davon, dass „es stinkt“. Die bereits erwähnte Mitgliedschaft des Anders Behring Breivik in einer Gruppe der Freimaurer wird bemüht:

Dann hatte er den Auftrag von der Loge. Laut viele Büchern schwören die Hochgradmaurer auf den Koran.

Außerdem wird von „gewissen Kreisen“ geraunt, die ein „Interesse“ an den Anschlägen gehabt hätten.

Fast schon putzig erscheint, angesichts des geschilderten verschwörungsideologischen Wahns, mit dem die Geschehnisse verklärt werden, ein Hinweis des bereits erwähnten Kopp-Verlags. Hier weist Udo Ulfkotte auf ein Video hin, das ein Ufo in der Hauptstadt Oslo zeigen soll. „Selbst eine renommierte Wirtschaftszeitung berichtet, unmittelbar nach der Bombenexplosion in Oslo sei über dem Regierungsviertel ein Ufo gesichtet worden“, behauptet der Rechtspopulist.

Außerirdische sind für die Taten verantwortlich. Auch so kann man einen mutmaßlichen Täter und seine Ideologie entlasten. Lustiger als die wahnhafte Ideen von der Täterschaft durch „westliche Mächte“ oder gar den israelischen Geheimdienst Mossad ist diese krude Behauptung allemal.

Geständnis eines Antizionisten

Der Verschwörungsideologe und Antizionist Elias Davidsson ist ein Mensch, dessen Thesen in einem gewissen Spektrum der deutschen Linken gerne aufgegriffen werden. Die Texte des Komponisten werden benutzt, um gegen Israel und die USA zu hetzen. Man findet diese Texte auf der Internetseite der „Neuen Rheinischen Zeitung“ oder den Seiten der „Kommunistischen Initiative“.

Elias Davidsson sucht andere Verantwortliche für den 11. September 2001 und viele andere terroristische Anschläge. Für diese Ereignisse macht der Verschwörungsfan verschiedene Geheimdienste und George W. Bush verantwortlich.

Seine Thesen propagiert Davidsson nicht nur im Internet, sondern auch auf Veranstaltungen, wie zum Beispiel am 09. Oktober 2009 im „Club Voltaire“ in Frankfurt. Dort trat er für die Verschwörungsfans von der Gruppe „Arbeiterfotografie“ auf, die nach dem Erdbeben in Japan von einer geheimen Erdbebenwaffe halluzinierten und die ansonsten Propaganda für das iranische Regime betreiben.

Am heutigen Freitag wird der Komponist Davidsson für die MLPD-Vorfeldorganisation „Solidarität International“ und den Stammtisch von „Alles Schall und Rauch“ die einschlägige Verschwörungspropaganda betreiben. Er wird, gemeinsam mit der Verschwörungsband „Die Bandbreite“, in Duisburg auftreten. Zur Band, die „Antideutsche“ als „Faschos“ und „Palästina“ als „Paradies am Mittelmeer“ bezeichnet, besitzt Davidsson ein ganz besonderes, inniges Verhältnis. Er verteidigt diese auch in einem aktuellen Jubel-Youtube-Interview.

Elias Davidsson gibt gerne ausführliche Interviews. Zum Beispiel für die Internetseite „Muslim Markt“, die eine unverhohlene Propaganda für das iranische Regime betreibt. Auf dieser Website, die von Yavuz Özoguz aus Delmenhorst betrieben wird, relativiert Davidsson die NS-Propaganda eines Julius Streicher:

Doch der Propagandaapparat von Julius Streicher würde heute als bescheiden betrachtet werden verglichen mit dem Ausmaß des heutigen Propagandaapparates gegen den Islam, der ganze Erdteile überdeckt und von Hollywood unterstützt wird.

Nach ganz Rechts kennt Davidsson keine Berührungsängste. Am 28. November 2009 trat er vor der Burschenschaft „Normannia-Niebelungen“ in Bielefeld auf. Im Nachhinein rechtfertigte er seinen Auftritt mit einem ausführlichen Offenen Brief. Er rief zu einer Querfront zwischen Links und Rechts auf:

Ich habe diese Ausführungen aus meinem Gedächnis so gut wie möglich gemacht und hoffe dass diese zu einer größerer Bereitschaft unter deutschen Linke beitragen wird, sich auch mit traditionellen Rechte zusammenzuarbeiten (…). Unsere Feinde befinden sich nicht bei den Skinhead Nazis oder bei Randgruppen der Konservativen sondern sitzen im Bundestag (…) wo sie die Beteiligung Deutschlands in einem Angriffskrieg (…) unterstützen, und eng mit zwei Schurkenstaaten wirtschaftlich, militärisch, polizeilich und geheimdienstlich zusammenarbeiten (USA und Israel). Wir sollten nicht die Zusammenarbeit mit den Burschschaften gegen dieser unheiligen Allianz vernachlässigen.

Davidssons neuesten Text ist daher nur konsequent. Der Komponist bezeichnet sich nun, in einem Text, der unter anderem in der Zeitschrift „Der Semit“ veröffentlicht wurde, als „radikalen Antisemiten“. Er entstellt die Bedeutung dieses Begriffes bis zur Unkenntlichkeit:

Die Bedeutung des Begriffes ‚Antisemit‘ hat in den letzten Jahren einen signifikanten Wandel durchgemacht. Es gab eine Zeit, als dieser Begriff sich auf diejenigen bezog, die Juden verachteten. Später bezog sich der Begriff auf jene, die den Mythos einer jüdischen Weltverschwörung verbreiteten. Heute wird der Vorwurf ‚Antisemit‘ von den herrschenden Eliten genutzt, um Menschenrechtsaktivisten fertigzumachen, die sich für gleiche Rechte für Juden, Christen und Muslime einsetzen, das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimat fordern sowie die Vision eines gemeinsamen demokratischen Staates für Palästinenser und Israelis fordern. Das Wort ‚Antisemit‘, das ursprünglich eine negative und bösartige Bedeutung hatte, verweist jetzt auf positive und sehr lebenswerte Haltungen (…). Ich bin ein radikaler Antisemit und stolz darauf.

Der Text findet sich, in englischer Fassung, auf zahlreichen Internetseiten der Israel-Hasser. So zum Beispiel auf den Seiten des „Instituts für Palästinakunde“ aus Bonn. Davidsson bezeichnet sich nun als Antisemit. Ein Umstand, auf den der Verschwörungstheoretiker sogar stolz ist. Diese Selbstbezeichnung wird gewisse Gruppen, die sich dem linken Spektrum zuordnen, nicht davon abhalten, Davidsson eine Bühne zu bereiten.