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König von Deutschland

Zur Geisterstunde war es soweit. In Wittenberg gründete Peter Fitzek kurz nach Mitternacht sein eigenes kleines Königreich und ließ sich vor mehreren hundert Anhängern eine Krone aufsetzen. Diese hatten sich am Wochenende des 15. und 16. September versammelt, um die Gründung des „Königreich Deutschland“zu erleben, das die Bundesrepublik in kurzer Zeit ersetzen soll.

Peter Fitzek und seine Anhänger sind dem Milieu der „Reichsbürger“ zuzuordnen. Diese behaupten, dass die Bundesrepublik Deutschland lediglich eine Firma der Alliierten sei. Im Szenejargon ist hier von der „BRD-GmbH“ die Rede. Daher haben die zersplitterten „Reichsbürger“ verschiedene „Reichsregierungen“geschaffen, die sich in der Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches sehen. Die Finanzierung erfolgt über den Verkauf von Fantasie-Ausweisen, vermeintlichen Führerscheinen und angeblichen Nummernschildern. Die Träumer vom Reich werden unterdessen immer mal wieder auf den juristischen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Autofahrer, die sich mit einem Führerschein des „Deutschen Reiches“ auswiesen, um einem Bußgeld zu entgehen, wurden wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt und durften ganz reale Bußgelder bezahlen.

Bevor sich Peter Fitzek zum Herrscher seines Königreiches krönen ließ, hatte der umtriebige Agitator verschiedene Organisationen und Geschäfte gegründet. So entstand eine Parallelwelt in Wittenberg: Im Laden „Engelswelten“ wird allerhand esoterisches Klimbim verkauft. Nicht nur dort kann mit einer eigenen Währung, dem so genannten „Engelgeld“ gezahlt werden. Außerdem wurden eine Art Kranken– und Rentenkasse, sowie allerlei andere Institutionen geschaffen. In diesem Paralleluniversum gilt Peter Fitzek als ein von Gott gesandter Messias…

… den ganzen Artikel gibt es im Publikative-Blog.

Reichsbandbreite

Am Donnerstag, den 26.07.2012 zeigte der Spartensender ZDF Neo einen weiteren Teil seiner Reihe „Wild Germany”. Diesmal ging es nicht um Metal, Crystal-Meth oder Satanismus, sondern um das Milieu der selbsternannten „Reichsbürger”. Diese glauben tatsächlich, dass das „Deutsche Reich” bis heute existiert. Sie haben zahlreiche Pseudo-Institutionen geschaffen.

Es gibt verschiedene „Reichskanzler” und„Reichsregierungen”, die miteinander konkurrieren. Sie versorgen ihre Anhänger_innen mit Ausweisen, Nummernschildern und anderen Devotionalien. Diese Pseudo-Dokumente können zum Beispiel über eine „Reichsmeldestelle” beantragt werden. Ein „Reichspersonenausweis” kostet 50 Euro, ebensoviel wird für einen „Reichsführerschein” verlangt.

Die Ideologie der Fans des „Deutschen Reiches” wirkt auch auf weite Teile der Verschwörungsszene. Hier gibt es eine wechselseitige ideologische Übereinstimmung. Inbesondere die Behauptung, dass es sich bei der Bundesrepublik Deutschland in Wirklichkeit nur um eine Firma der Alliierten handeln würde, erfreut auch „Truther” und „Infokrieger”, die sich ansonsten mit der Umdeutung des 11. September, der angeblichen Macht der Rothschild-Familie oder mysteriösen Erdbebenwaffen befassen.

Dort ist die Phrase von der „BRD-GmbH” außerordentlich weit verbreitet. So reimt der Verschwörungsrapper „Guantana Mohr” in seinem Lied „Besatzungsmächte Raus“ über die „BRD-GmbH”. Auf zahlreichen Internetseiten der „Infokrieger” wird der Mythos von der „BRD-GmbH” ebenfalls beworben.

Der Reporter Manuel Möglich besuchte nun für den Spartensender des ZDF verschiedene „Reichsbürger” und ließ sie in seiner Dokumentation ausführlich zu Wort kommen. Er interviewte „Reichskanzler” Norbert Schittke und zukünftige „Reichsbürger”. Außerdem besuchte er einige Veranstaltungen, auf denen die „Reichsbürger” ihre krude, deutsche Ideologie vorstellten.

Einer dieser Besuche führte Möglich in eine Werbeveranstaltung der „Exilregierung Deutsches Reich”. Dort informierte Alexander Schlowak, der als„Innenminister der Exil Regierung des Deutschen Reiches” in Erscheinung tritt, über seine Kleinst-Organisation. Der „Reichsbürger”, der in Berlin „auf dem Gebiet der Finanzdienstleistung und dem Versicherungswesen” tätig ist , eröffnete seinen Vortrag mit einem Lied, das zur Hymne zahlreicher Verschwörungsfans geworden ist.

„Was ist los in diesem Land” stammt von der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite”. Das Lied zeichnet sich nicht nur durch einen positiven Bezug auf Deutschland aus, das von „Banken und Bonzen”kaputtgemacht werden würde, sondern stilisiert dieses wahnsinnig gefährliche Land auch noch zum„Vasallen der USA”. Im Video zum Lied ist eine Dose Zyklon B zu sehen: Währenddessen reimt die Band über einen „Völkermord” in Afghanistan. Auf diese Weise wird die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden verharmlost und die Singularität der Shoa in Frage gestellt. Politiker werden als „verhurte Volksvertreter” bezeichnet, während im weinerlichen, moralisierenden Tonfall von „Mama” gejammert wird:

Ich seh’ mich um in meinem Land, Mama weiß nicht mehr wie es weitergeht.

Kein Wunder, dass sich auch Nazis für das Lied der Band begeistern. Es sind nicht nur die „Reichsbürger” der „Exilregierung Deutsches Reich”, sondern auch die Nazis der NPD, die die Band in den höchsten Tönen loben.

Sie würde beim „mu­si­zie­ren in­ter­es­san­te und auf­schluß­rei­che welt­an­schau­li­che Ele­men­te“ auf­grei­fen, heißt es in einem Werbeartikel der NPD-Hamburg. Die sächsische Landtagsabgeordnete Gitte Schüssler veröffentlichte ebenfalls Werbung. Ge­ne­rell würde die Band „sehr viele in­ter­es­san­te In­for­ma­tio­nen ver­packt (…) in ein­gän­gi­gen Me­lo­di­en“ bieten, hieß es dort. Die antisemitische Nazi-Seite„Altermedia” bewarb wiederum einige Videos der Band. Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheitveröffentlichte ebenfalls einen Jubelartikel.

Während sich alte und neue Nazis für die Band begeistern, scheint dieser das Lob von ganz, ganz Rechts eher peinlich zu sein. Die Huldigungen aus der Nazi-Szene wurden bisher dezent verschwiegen. Nach der ZDF-Sendung bequemten sich die Verschwörungsbarden allerdings zu einer halbherzigen Distanzierung:„Mit dieser Gruppe haben wir nichts zu tun, gesschweige denn wissen wir überhaupt, was sie tun und wer sie sind”, schreibt die Band auf ihrer Facebook-Seite.

Die Frage, warum sich Nazis für die Lieder der Band begeistern, wurde dort selbstverständlich nicht beantwortet. Schließlich ignoriert die Band die ideologischen Übereinstimmungen, die dazu führen, dass auch ein „Reichsbürger” die Lieder der Band zur Werbung für das „Deutsche Reich” benutzen kann. Prompt meldeten sich auch die Fans der Band zu Wort, die ebenfalls dem Wahn von der „BRD-GmbH” verfallen sind. Ein Groupie schreibt zum Beispiel auf der Facebook-Pinnwand der Band:

fakt ist aber das deutschland besetzt und nicht souverän so wie kein friedensvertrag hat (…). ausserdem ist der BRD wirglich nur eine GmbH.

Die Band sollte sich über ihre Fans nicht wundern. Schließlich produziert sie Musik, die nicht nur Verschwörungsgläubige, sondern auch Nazis begeistern kann. Sie haben mit ihren Inhalten die rechten Geister gerufen, die sie nun nicht mehr loswerden. Diese Band hat nach wie vor genau die Fans, die sie verdient.

Der reimende Redakteur

Jungredakteur Amin Bettal ist beim Bezahlsender Sky Deutschland  angestellt, in seiner Freizeit produziert der Reporter als „Amin Tsunami” allerdings deutschen Verschwörungsrap der übleren Sorte:

Die Bundesrepublik Deutshland ist ‘ne GmbH. Was steht auf deinem Pass? Wir sind das Personal.

So reimt der Reporter in seinem Lied „Setz die Erde in Brand”. Mit derartigen Zeilen über den angeblichen Zustand der Bundesrepublik, die im Verschwörungsmilieu und insbesondere in der Szene der rechten „Reichsbürger” als Firma der Alliierten dargestellt wird, sorgt der Reporter für Begeisterung bei den Fans des „Deutschen Reichs”.

Seinen Künstlernamen – „Amin Tsunami” — hat der Bettal mit Bedacht und einer gewissen Menschenfeindlichkeit ausgewählt.

„Der Natur tut ein Tsunami aber gar nicht weh. Da hat er sogar eher etwas Reinigendes.

So zitiert ihn der Kölner Stadt Anzeiger, der den „sympathischen Rapper” in einem Jubelartikel feiert.

Der Sportjournalist Bettal, der den antisemitischen Autoproduzenten Henry Ford als Vorbild nennt, hat es als Rapper „Amin Tsunami” im Milieu der „Truther” und „Infokrieger” zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht und mehrere Alben für die Szene produziert.

Hier mischen sich verschwörungsideologische Texte mit Endzeitphantasien: „Setz die Erde in Brand und übergieße sie mit Benzin”, heißt es in seinem bekanntesten Lied. In dem offiziellen YouTube–Video sind zahlreiche schwarz-rot-goldene Fahnen und das Deutsche Reich in den Grenzen von 1939 zu sehen. In seinen Liedern offenbart der „Jungredakteur” seine innige Liebe zur deutschen Nation:

Ich liebe die Menschen in diesem Land, ich liebe dieses Land.

In seinen Liedern finden sich zahlreiche verschwörungsideologische Konstruktionen und völkische Propaganda, die auch bei Nazis auf Gegenliebe stoßen: „Ihr nimmt uns unsere Kultur, nennt das dann Integration”, reimt der Rapper in dem Lied „Setz die Erde in Brand”, das auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene zu finden ist und im Nazi-Lexikon „Metapedia” beworben wird. Es wurde wohl auch daher, zur Freude des Rappers, „schon knapp 1.000.000 Mal angeschaut”.

In diesem Lied wird kein verschwörungsideologisches Klischee ausgelassen. Als „wahrhaftige Herrscher” werden der amerikanische Geheimdienst CIA und einige Think-Tanks ausgemacht. „Wacht auf”, fordert der Verschwörungsrapper:

Unser Staat ist nicht souverän! (…) Chemtrails verpesten unsere Luft! (…) Die BRD ist eine GmbH!.

Es handelt sich um ein irrationale Konstrukte, für die die Verschwörungsszene der „Truther” und „Infokrieger” bekannt ist. Mit seinen Liedern, die bei YouTube zu finden sind, bewirbt der „Jungredakteur” seine Alben, die man für wenige Euros erwerben kann.

In den Videos zu den Songs wird im Palituch Propaganda betrieben. „Wir sind das Volk”, heißt es hier. Ansonsten produziert der „Jungredakteur” allerdings auch noch Lieder, die an den deutschen Rap-Diskurs anknüpfen: „Der Sommer ist da, der Himmel ist blau und es wimmelt nur so von spärlich bekleideten Frauen”, reimt „Amin Tsunami” in seinem Lied „Heute”, in dem zwar keine verschwörungsideologischen, dafür aber sexistische Zeilen zu hören sind.

Zu hören ist der Jungredakteur auch in einem Hörspiel, das sich an heranwachsende Fans des 1. FC Nürnbergs richtet. Hier durfte der Verschwörungsrapper, mit seinem zeitweiligen Arbeitskollegen Ulli Potofski, die Abenteuer des „Löwenclubs” vertonen. Den Verschwörungsrapper und den bekannten Sportjournalisten Potofski verbindet immerhin eine „Freundschaft”, die auf die gemeinsame Arbeit für ein Fußball-Bundesliga-Portal zurückgeht.

Mit seinen verschwörungsideologischen Zeilen empfiehlt sich der Jungredakteur allerdings eher für ganz andere Kollaborationen. Er ist auf dem „Wissen ist Macht”–Sampler zu hören, der vom Verschwörungsrapper „JFK” beworben und angekündigt wird.

Neben seiner Arbeit als Jungredakteur für den Pay-TV-Sender Sky Deutschland ist Amin Bettal also mehr als beschäftigt. Mit seinen verschwörungsideologischen Reimen dürfte er auch in Zukunft „Reichsbürger”, „Truther”und „Infokrieger” begeistern.

Die Internetseiten der „Empörten“

Die „Empörten“, die nach ihren Märschen am 15.10.2011 Zelte aufgebaut haben und in vielen Städten der Bundesrepublik campieren, nutzen auch das Internet, um Forderungen zu entwerfen und gemeinsame Aktionen zu besprechen. Hier ist eine unübersichtliche Struktur entstanden. Es gibt hunderte Facebook-Seiten, bei denen oftmals nicht ersichtlich ist, ob sie von vereinsamten Einzelpersonen oder von organisierten Aktivisten der „Bewegung“ betrieben werden.

Im Zweifel können sich diese von den Inhalten distanzieren, die ihnen nicht genehm sind. Es gibt aber auch offizielle Seiten, auf denen die kommenden Aktionen geplant werden. Auf meiner Reise durch das Internet stoße ich auf die Inhalte, die vielen Occupy-Aktivisten am Herzen liegen.

So hat Occupy-Frankfurt eine offizielle Internetseite. Alle dürfen dort mitschreiben, von der bewegten Attac-Aktivistin bis zum antisemitischen Verschwörungsfan. Daher widersprechen sich viele Forderungen. So soll ein demokratisches Miteinander entstehen. Man sei eine „Gemeinschaft mit vielen verschiedenen Ideen und Zielen“, die „der Macht Grenzen setzen wollen“, heißt es in einer allgemeinen Einleitung. Einzelne distanzieren sich einerseits von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, auf der anderen Seite finden sich antisemitische Texte.

Mit einem strukturellen Antisemitismus, bei dem gegen eine die „Profitgier einer Minderheit von Superreichen“ angeschrieben wird, scheinen die Seiten-Nutzer und die Teilnehmer des Protestcamps kein Problem zu haben. Als Redner trat dort beispielsweise Bernd Senf auf, der sich an der strukturell antisemitischen „Zinskritik“ des Silvio Gesell orientiert.

Auf dem Camp finden sich daher Schilder mit der Aufschrift „Freigeld“, das in der Szene der „Zinskritiker“ als Lösung beworben wird. Auf Flyern finden sich ebenso problematische Forderungen: „Dieses Land gehört uns, nicht den Plutokraten!“ Hier nutzt man also einen nationalsozialistischen Kampfbegriff, der insbesondere durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels verwendet wurde.

Werbung für Occupy (Frankfurt)
Werbung für Occupy (Frankfurt)

Derartige Forderungen gefallen auch Nazis. So schreibt ein Autor – der zum Umfeld der Seite „Deutschland Echo“ gehört – darüber, dass das Camp eine „eine einmalige Gelegenheit“ sei, um „antiglobalistisch und antiplutokratisch zu agieren“. Nazis sollen sich anschließen und dabei mithelfen „das Goldene Kalb zu schlachten“.

Vielleicht liegt das an den offen antisemitischen Inhalten, die auf der zum Camp gehörenden Internetseite zu finden sind. Bisher sind sie nicht gelöscht worden. Kein Wunder: „Diskussionen sind gewünscht“, zum Beispiel über über angebliche Chemtrails. Daher findet sich bis heute antisemitische Hetze auf der offiziellen Internetseite der Frankfurter Camper:

Eine kleine mafiaartig organisierte Gruppe deren Mitglieder sich wohl schon über Generationen hinaus gegenseitig die Posten zuschieben mißbrauchen die jüdische Glaubensgemeinschaft für ihre Ziele.

Dort werden die „Progrome des Mittelalters“ gerechtfertigt, schließlich hätten sie den „einflussreichen Geldverleihern“ gegolten.

Und da muß man an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, was eigentlich die Juden als Grundannahme haben sollten: in der Thora (alten Testament) steht: Nehmt keine Zinsen (…). Solange der Zins eine wichtige Rolle in einem Währungssystem hält, ist dieses auf kurz oder lang dem Scheitern verurteilt.

Auf der Internetseite wurden verschiedene Texte veröffentlicht. So zum Beispiel die antiamerikanische Hetze des Querfrontlers Jürgen Elsässer. In der Linksektion der Internetseite finden sich Videos: Hier wird auf ein Video des „Zinskritikers“ Bernd Senf verwiesen.

Es handelt sich um ein Interview mit der verschwörungsideologischen Internetseite „Alpenparlament“. Geführt wurde es vom „Medienwissenschaftler“ Michael Vogt , der im Jahr 2004 – gemeinsam mit dem Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion Olaf Rose – einen revisionistischen Film über Rudolf Heß produzierte.

Auf der Internetseite von Occupy-Frankfurt wird das Video „Fabian, der Goldschmied: Gib mir die Welt plus 5 Prozent“ beworben. Der Produzent des Films ist der Scientologe Michael Hinz (Alias: M. Kent). Das Zeichentrick-Video findet sich auf zahlreichen Internetseiten der rechten Szene. An derartigen Inhalten scheint sich in Frankfurt fast niemand zu stören. Sie finden sich bis heute auf der offiziellen Internetseite, obwohl die Aktivisten auf diesen Umstand hingewiesen wurden.

Neben dieser offiziellen Internetseite gibt es weitere Seiten, auf denen zu Protesten in Frankfurt aufgerufen wird. So zum Beispiel die Seite „YesWeCamp2011″, die zu den Protesten aufruft und diesen mit zahlreichen Fotos und Videos dokumentiert. Diese wird von Frank Stegmaier betrieben, der in Frankfurt für die rechtspopulistischen Freien Wähler im Ortsbeirat 1 sitzt. Auf meiner Reise zur„demokratischen Bewegung“ lande ich nicht nur auf dessen Seite, sondern auch auf der Internetseite einer bundesweiten Organisation, deren Name die Proteste geprägt hat. „Echte Demokratie Jetzt“ ist in aller Munde. Auch an dieser Gruppierung ist Stegmaier beteiligt.

So ist er sich für den Twitteraccount und für die Internetseite des Frankfurter Ablegers von „Echte Demokratie Jetzt“ verantwortlich. Auf dieser Internetseite finden sich die Videos, in denen Stegmaier im Protestcamp vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt posiert. Außerdem verbreitet er über seine YouTube-Kanäle die Videos, die die regressiven Proteste der Camper zeigen.

Hier wirbt der Ortsbeirat der rechtspopulistischen „Freien Wähler“ natürlich auch für eine „Anti-Euro-Partei“. Er war auch der erste, der am 15.10.2011 sein Zelt vor der Europäischen Zentralbank aufschlug, was er bereits am 09.10.2011 ankündigte:

Besetzung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt a.M. mit Zelten und allem was dazu gehört! Wer dabei ist, meldet sich.

Der Spiegel porträtierte ihn vollkommen unkritisch als „Hardcore-Aktivist, der den Euro abschaffen will und seit April immer mal wieder vor der EZB aus Protest campiert“.

Über die Internetseiten des „Hardcore-Aktivsten“ landet man schnell beim bundesweiten Ableger von „Echte Demokratie Jetzt“. Im dortigen Internetforum werden verschiedene Projekte beworben, die es den Aktivisten angetan haben. Hier wird nicht nur die Piratenpartei empfohlen, sondern auch Strukturen der rechten Reichsbürger. So zum Beispiel das „Projekt Neudeutschland“, das nur solange an „der Oder-Neiße Linie“ festhalten möchte, „bis alle anderen Nationen diese Grenze zu ändern wünschten“. Erst dann wollen diese Reichsbürger, die „Errungenschaften von NeuDeutschland über die derzeit bestehenden Grenzen der Bundesrepublik hinaus auf relativ unproblematische Art zu verbreiten“.

In dem Internetforum von „Echte Demokratie Jetzt“ bewirbt ein Adminstrator außerdem „kleine Parteien die man interessant finden kann“. Er bewirbt konkret die „Partei der Vernunft“, die anti-europäische Partei des Verschwörungsideologen Oliver Janich, die sich an der Demonstration in Berlin beteiligte.

Die Occupy-Bewegung in Berlin bewirbt ihre diffusen Ziele ebenfalls auf verschiedenen Internetseiten. Hier wird zu den den Camping-Aktionen aufgerufen. Neben der Seite „Alex11″, die auf den ersten Campversuch am Alexanderplatz zurückgeht, an dem verschiedene Verschwörungsaktivisten beteiligt waren, gibt es noch mehrere Internetseiten und eine Mailingliste zum Thema. Letztere ist durchaus amüsant. Eine Einzelperson verschickt beispielsweise ein Protokoll über ein Plenum in ihrer Wohnung, an dem kein anderer Mensch teilgenommen hat.

Auf meiner Reise durch das Internet entdecke ich auch den Blog „OccupyBerlin“, auf dem über aktuelle Entwicklungen rund um das Camp informiert wird. Hier wird darüber berichtet, dass sich eine „9/11 Arbeitsgruppe“ gebildet hätte, in der über den „amerikanische Imperialismus und seinen Krieg zum Terror“ gesprochen wird.

Auf der Internetseite wird darauf hingewiesen, dass die Versammlungen des Camps von „MitHerzTV“ gefilmt werden. Ein Blick in deren YouTube-Account verrät einiges: Hier findet sich das bereits erwähnte antisemitische „Fabian der Goldschmidt“-Video, Videos über die angebliche „BRD-GmbH“ und andere verschwörungsideologische Propaganda aus dem Milieu der Reichsbürger.

Kein Wunder, dass die esoterische Musikerin Nina Hagen, deren neues Album „Volksbeat“ heißen wird, „Grüße und Unterstützung“ an die Gruppe „Alex11″ richtet. Sie droht:

Wir sind 99%! Wir sorgen für Gerechtigkeit und werden gerechte Volksurteile fällen.

Es ließen sich viele Inhalte finden, die aufzeigen, dass die Occupy-Gruppen ein ganz reales Problem mit antisemitischen, esoterischen und nationalistischen Inhalten haben. Diese finden auf den offiziellen Seiten dieses Milieus, die ich auf meiner Reise durch das Internet entdeckt habe.

Dort kündigen die Occupy-Gruppen für Samstag, den 22.10.2011, neue Märsche und Aktionen an. Unter anderem soll in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin demonstriert werden. Wahrscheinlich werden die Forderungen, die es auf den Internetseiten der Szene zu entdecken gibt, auch auf den Demonstrationen präsentiert werden. Alles andere wäre eine wirkliche Überraschung.