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Draufgänger & Hausbesetzer

Die Draufgänger, so lautet der sinnentleerte Name einer neuen RTL Serie, die auf dem Platz von „Alarm für Cobra 11″ zu sehen ist. Es handelt sich um deutsche Krimikost, bei der ein Ermittlerduo im Mittelpunkt der Handlung steht. Hier würden zwei „humorvollen LKA-Polizisten Dresdens Straßen sicherer machen”, freute sich die BILD-Zeitung.

„Die Draufgänger” ist eine typische Buddy-Serien-Komödie. Bereits der Pilotfilm zählte zu den schlechtesten Erzeugnissen, die der deutsche Serienmarkt bisher hervorgebracht hat. Das ist angesichts der trashigen Konkurrenz, von „Alarm für Coba 11″ bis „Lasko — die Faust Gottes”, auch eine Leistung. Von einer  Serie, die von RTL mit dem dumm-deutschen Machospruch „Echte Kerle braucht das Land” beworben wird, ist allerdings auch nicht mehr zu erwarten.

Am vergangenen Donnerstag, den 26.01.2011 warb der TV-Sender, der für Ekel-Sendungen wie „Ich bin ein Star — Holt mich hier raus” oder „Deutschland sucht den Superstar” berüchtigt ist, mit einer wie ganz besonderen neuen Folge des Krimi-Machwerks: Die beiden Ermittler, der eher vorsichtige Familienvater Marcus Maiwald (Jörg Schüttauf) und der mutige Macker Carl Berger (Dominic Boeer) durften in der autonomen Szene ermitteln.

Im Trailer zur Folge waren sprühende Autonome, explodierende Autos und Transparente zu sehen, die an besetzten Häusern hingen. Das klang trashig. Daher habe ich um 20:15 nicht auf Tele 5 gezappt, dort ist gerade die erste Staffel der viel besseren Serie „Star Trek — Das nächste Jahrhundert” zu sehen, sondern auf RTL, um die Folge der Serie zu begutachten, die sich mit den Autonomen befasst.

Zu Beginn der Folge verfolgt das wenig dynamische Ermittlerduo die Tochter des Familienvaters Marcus Maiwald, der besorgt ist, weil seine Tochter nun einen Freund hat, der zum einen viel zu alt und zum anderen auch noch in der linken Szene aktiv ist. Zwischendurch will Kommissar Maiwald ein falsch parkendes Auto mit einem Strafzettel versehen. Als dabei das Auto explodiert, führt die Spur in ein besetztes Haus, vor dem gerade ein weiteres Auto abgefackelt wurde. Dies gehört einem „Spekulanten”Drexler, der die Besetzer_innen vertreiben möchte.

So klischeehaft wie die Figuren sind auch die Transparente vor jenem besetzten Haus: „Tod dem Bullen”, lautet nur eine Parole, die dort zu lesen ist, während dreckiger Punkrock die Straße beschallt. Als die beiden Cops den Tatort erreichen, greifen die palituchtragenden Hausbesetzer_innen gerade die deutschen Bauarbeiter an: Molotow-Coctails fliegen, das dabei fast ein Kind den Serientod stirbt, wenn es nicht vom Polizisten gerettet werden würde, scheint die Hausbesetzer_innen nicht zu stören.

So wird ein Feindbild geschaffen, mit dem der deutsche Fernsehspießer sicherlich kein Problem hat. Zu diesem Feindbild gehört auch eine Hierarchie, die präsentiert wird. Schließlich gibt es einen„Chefbesetzer”, der seine Truppen militärisch führt: „Feuerpause”, brüllt er, als die beiden Polizei-Kumpanen das Haus betreten, um ihm einen Besuch abzustatten. „Chefbesetzer” Lars residiert ganz standesgemäß in einer Art Hauptquartier und sondiert gerade die Karten. Natürlich ist er der Freund der Tochter des Polizeikommisars Maiwald. Man sieht: es ist eine mehr als lächerliche Handlung, die dem geneigten Publikum präsentiert wird.

Zur lächerlichen Handlung gehört auch der Anwalt der Hausbesetzer_innen, der bereitwillig mit der Polizei zusammenarbeitet. Ein weiterer Höhepunkt ist die alte Oma, die ebenfalls im besetzten Haus lebt: „Ich habe den Feuersturm miterlebt, glauben sie, da habe ich Angst vor so ‘nen paar Mollies”, antwortet sie dem Polizisten, während einer Befragung. Dabei war es ihr Enkel, der einige Minuten zuvor fast von einem solchen Molotow-Cocktail getroffen wurde. Der „Chefbesetzer” geht unterdessen sprühen: „Drexler stirb”, malt er auf einer Baustelle des „Spekulanten”. Kein Wunder, dass er wegen des Anschlags gesucht wird. Der erste Freund der Tochter, „ein Terrorist”, erbost sich Kommisar Maiwald.

„Die Draufgänger” ist deutscher Serienstoff, der sich für kein Klischee zu schade ist. Zum Serienstoff gehört es sicherlich auch, dass alles nicht so ist, wie es scheint. „Auf der einen Seite ist die Hausbesetzer-Szene, die zünden eben Autos an”, folgert Kommissar Berger scharfsinnig: „Auf der anderen Seite der Anschlag” auf den „Spekulanten” Drexler. Die Taten haben eben doch nicht so viel miteinander zu tun, wie es die Drehbuchautor_innen den Zuschauer_innen zunächst weismachen wollen. In Wirklichkeit ist wenig überraschend eine andere — zunächst unschuldig erscheinende Person — für den Mordanschlag auf den „Spekulanten” verantwortlich.

Die Drehbuchautor_innen müssen ihr Machwerk in einem Zustand der völligen geistigen Umnachtung geschrieben haben: So viel Dummheit war selten im Fernsehen zu sehen. „Die Draufgänger” gehört zu den schlechtesten deutschen Fernsehmachwerken, die man zur Zeit anschauen kann. Es handelt sich um kaum zu ertragende visuelle Folter, die jeden Donnerstag um 20 Uhr 15 auf RTL zu bestaunen ist.

Bermuda-Dreieck Nordsee. Eine Kritik.

Am vergangenen Sonntag zeigte RTL mal wieder eine seiner Eigenproduktionen, für die der Fernsehsender berühmt und berüchtigt ist. „Bermuda-Dreieck Nordsee“ lautete der Name des Streifens, für den RTL wochenlang geworben hatte. Der Film handelt von einer fiesen Konzernchefin, die die deutsche Umwelt versaut.

Bermuda Dreieck Nordsee
Bermuda Dreieck Nordsee

In der ersten Fassung lautete der Name der Firma „Global Senergy“, fast wie der Name der schottischen Energiefirma „Senergy“. Nach rechtlichen Drohungen wurden sämtliche Szenen entfernt oder überarbeitet, in denen der Name der Firma zu sehen oder zu hören ist. Einige Szenen wurden in aller Eile nachsynchronisiert. Daher konnte der Film dann am Sonntag, den 25.09.2011, doch noch gesendet werden. Eigentlich schade: Den Zuschauern wäre einiges erspart geblieben.

In den Hauptrollen sind Bettina Zimmermann, Gudrun Landgrebe und Hannes Jaenicke sehen. Zimmermann war bereits in Filmen wie „Apokalypse Eis“, „Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen“ oder „Die Sturmflut“ zu betrachten. Sie war also für eine Rolle in einen Film wie „Bermuda-Dreieck Nordsee“ geradezu prädestiniert. Landgrebe hat mit dem geschichtsrevisionistischen„Jud Süß – Film ohne Gewissen“ gezeigt, dass sie zu jeder Schandtat bereit ist. Jaenicke hat nach seinem sehenswerten Auftritt in der Rosa Luxemburg Biographie von Margarethe von Trotta im Jahre 1986 konsequent daran gearbeitet, sein schauspielerisches Talent mit Filmen wie „Hindenburg“, „Schlaflos in Oldenburg“ oder „Speer und Er“ zu verschwenden.

Dieses Triumvirat des Grauens bereichert mit „Bermuda-Dreick Nordsee“ ihr bisheriges filmisches Schaffen um einen weiteren Schandfleck: „Bermuda-Dreieck Nordsee“ ist ein Machwerk, das eine konsequente Form deutscher Ideologie darstellt. Hier geht es um heroische deutsche Inselbewohner, die ihre Heimat vor den bösen Machenschaften eines dunklen multinationalen Konzerns schützen. Der möchte nämlich unterirdische Lagerstätten für CO2 in der Nordsee schaffen, was zu dem „Bermudadreieck“ führt.

Zu Beginn dieses Films ist die deutsche Idealfamilie nebst Anhang auf ihrer Yacht zu sehen: Vater und Mutter trinken Champagner, der jugendliche Nachwuchs zelebriert ebenfalls die romantische Zweierbeziehung, das Kind spielt mit der Wasserpistole.

Alles könnte wundervoll sein, wäre da nicht der stinkende „Killerstrudel vor der Nordseeküste“, der das Boot samt Familie in die Tiefen des Meeres zieht. Als sich der tapfere Seenotretter Tom Jäger (Hannes Jaenicke) mit seinem Hubschrauber auf die Suche begibt, ist das Schiff verschwunden. Die Instrumente spielen verrückt, der Filmheld kann gerade so einem Absturz entgehen. Die Schuld daran trägt der namenlose multinationale Konzern, der CO2 einlagert, um die Zukunft der „Kinder unserer Kinder zu sichern“.

Geführt wird dieses Unternehmen, das der „Future of Energy“ verpflichtet ist, durch die gewissenlose Claudia Schelking (Gudrun Landgräbe). Sie stellt eine personifizierte Kapitalistin dar, die auf der Jagd nach Profit über Leichen geht und der Phantasie eines deutschen Antikapitalisten entsprungen sein muss.

Claudio Schelking schickt ihre „attraktive“ und „hochintelligente“ PR-Mitarbeiterin Marie Niklas (Bettina Zimmermann) auf eine Bohrinsel in der Nordsee, auf der die CO2-Einlagerung den Investoren der Firma präsentiert werden soll. Zeitgleich macht sich Tom Jäger auf die Suche nach den Ursachen für die Schiffskatastrophe. Er ist sich sicher: „Da draußen passiert irgendetwas merkwürdiges“. Tom Jäger steht mit seinen Befürchtungen nicht alleine da. Es gibt noch ein paar weitere aufrechte Heimatschützer.

Da wäre zum Beispiel die esoterische Autorin und Ex-Freundin des Tom Jäger. Hannah Wensberg ist überzeugt: die von ihr entdeckten toten Vögel sind Vorboten einer größeren Katastrophe, die in der„Legende vom Hexenloch“ geschildert wird. Sie hat ein Buch verfasst, dem die Drehbuchautoren des Films „Bermuda-Dreieck Nordsee“ den wahnsinnig fantasielosen Titel „Bermudadreieck Nordsee“ verpasst haben.

Die gemeinsame Tocher Sarah, die Tom Jäger „Pummelqualle“ nennt, ist für die Umweltorganisation „United Green“ aktiv, für die sie von der Bohrinsel berichtet. Diese Umweltorganisation, eine Art Greenpeace-Ersatz, verfügt über die neuste Computer und begibt sich in den gewaltlosen Kampf gegen den gewaltigen Mega-Monopolisten. Als Sarah sich dabei erwischen lässt, wird sie von miesen, mafiartigen Securitys festgehalten, die bereit sind, jedes menschliche Leben für die Konzernziele zu opfern. Vorher gelingt es ihr allerdings, die gespeicherte Daten die ihr vollkommen unbekannten PR-Mitarbeiterin Marie Niklas zuzuspielen, die daraufhin von ihrer Chefin Claudia Schelking entlassen wird.

Diese konstruierte Handlung ist notwendig. Schließlich sollen sich Marie Niklas und Tom Jäger gemeinsam auf die Suche nach den Ursachen des „Killerstrudels“ und der verschwundenen Tochter begeben.

Nach ihrer Entlassung hat Maria Niklas nichts besseres zu tun, als zu ihrem Seebären zu brausen, um ihm von ihrem Leid zu berichten. Hier geht es darum, eine knuffelige, romantische Zweierbeziehung zwischen der Werbefrau und dem Seemann zu etablieren, bei der die Logik vollkommen auf der Strecke bleibt. Hier kommen, in einer klischeeüberladenen Darstellung, der „Neandertaler von der Insel“ und die „Bürotante aus der Großstadt“ zusammen, lernen sich lieben und kämpfen gemeinsam für die deutsche Scholle.

Die„Bürotante“ ist nämlich gar nicht so blöd, wie Jäger zunächst vermutete: Sie kann sogar „twittern, chatten, cracken, hacken“ und ist daher in der Lage, die geheimen Daten der „Pummelqualle“ zu entschlüsseln. Tom Jäger ist begeistert: „Du bist ziemlich umwerfend“, haucht er in ihr Ohr. Sie antwortet: „Die Suppe brennt an“.

Gemeinsam reisen sie nach Hamburg, um einen Experten aufzusuchen. Es handelt sich um einen verwirrten und dennoch genialen Professor, der das Pärchen über die Gefahren der CO2-Einlagerung aufklärt. Kurz darauf werden sie allerdings von dem bewaffneten Security-Chef des Konzerns über den Campus gejagt. Doch es kommt noch dümmer: RTL-Aktuell berichtet wenig später über den Tod des Professors. Das Pärchen ist nun überzeugt: „Irgendjemand muss die stoppen“.

Tom Jäger bewaffnet sich daher mit seiner Harpune und stürmt die Bohrinsel, von der das Unheil seinen Lauf nahm. Leider haben die Drehbuchautoren für diese Passage die martialischen Security aus dem Drehbuch geschrieben, so dass die Rettung der Tochter und die große Beweissicherung der Untaten ganz ohne blutigen Harpunen-Einsatz gelingt.

So entdecken die Heimatschützer, dass der skrupellose Konzern ganz Deutschland bedroht, indem er CO2 unter „fast jedem Bundesland lagern“ will. Nachdem die Helden die Wahrheit erfahren haben, werden die sadistischen Securitys wieder ins Drehbuch geschrieben. So wird die Handlung vollkommen willkürlich zusammengeflickt.

Nach der absehbaren Rettung durch die esoterische Ex-Freundin geht es gemeinsam auf den Öko Kutter von „United Green“. Der deutsche Heimatschutz ist nun vereint, um dem Energiekonzern den Garaus zu machen. Das Öko-A-Team stellt fest: „Es ist immer die gleiche Lüge: Gorleben, Asse, Golf von Mexico“.

Es geht nun um die Rettung der MS Dreamtool, die tatsächlich nach der Produktionsfirma des RTL-Streifens benannt wurde und im Film als Titanic Ersatz fungiert. Auf diesem Schiff sind Investoren und Politiker versammelt. Sie werden mit den Geistern konfrontiert, die sie – aufgrund ihrer Profitsucht – gerufen haben. Betroffen sind aber auch die Inselbewohnern, deren Existenz ebenfalls durch den „Megastrudel“ bedroht wird. „So hat’s auf der Titanic auch angefangen. Da haben die Funker auch gepennt“, jammert ein Umwelt-Aktivist, der die MS Dreamtool erreichen will.

Ob und in welcher Form die Rettung der MS Dreamtool und der Inselbewohnern gelingt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. In einer letzten Sequenz wird allerdings noch eine pädagogische Lehre gezogen: „Menschen mussten sterben, weil wir den Profit, die Macht und die Gier über den Schutz der Natur stellen. (…) Jetzt ist es an uns zu beweisen, dass wir unsere Lektion gelehrt haben“, lehrt die esoterische Autorin Hannah.

Dieser „Ökothriller“ kostete beachtliche 5,7 Millionen Euro, die vor allem für norddeutschen Landschafts-Porno verpulvert wurden. Gespart wurde dafür an den überaus schlechten Special Effects So wird die gleiche Animation für den „Killerstrudel“ mehrmals verwendet, bei der Darstellung der riesigen Bohrinsel griff man teilweise auf ein kaum animiertes Foto zurück und die Schauspieler agieren vor einem erkennbaren Blue-Screen.

Am Drehbuch wurde ebenfalls gespart. Davon zeugen die Logik-Löcher, die so groß wie die Nordsee sind. So darf sich Tom Jäger beispielsweise dem stinkenden Killerstrudel aussetzen, was er ohne Probleme übersteht. Die „Großstadttante“ überlebt eine solche Begegnung allerdings nur mit Mühe und Not. Der Strudel beeinflusst die Instrumente von Hubschraubern; Motorboote und Ölplattformen sind, wie durch ein unerklärliches Wunder, nicht betroffen. Diese Liste ließe sich ohne Probleme fortsetzen.

Hinzu kommt ein Spannungsbogen, der in keiner Weise funktioniert. Hier wird das Niveau jeder deutschen Seifenoper noch bei weitem untertroffen. Das betrifft ebenfalls die Dialoge, die so platt wie eine Nordseeinsel sind. Dafür ist die Kameraführung auf einem soliden Niveau, wenn man RTL-Serien wie „Alarm für Cobra 11″ oder „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ als Maßstab nimmt.

Trotzdem gab es durchaus positive Kritiken durch die einschlägigen Fachzeitschriften und Internetseiten. Das Internetportal Kino.de halluziniert beispielsweise von „höchster handwerklicher Professionalität“. „Bermuda-Dreieck Nordsee“ sei „insgesamt ein empfehlenswerter Film, der nicht nur unterhaltend ist, sondern dank guter Schauspieler, schöner Szenenbilder und einem guten Drehbuch zu überzeugen weiß“, lautet das Urteil von Quotenmeter.de.

Der Film erfüllt ein Bedürfnis: hier werden deutsche Helden geschaffen, die die Scholle gegen die Machenschaften eines bösartigen Konzerns verteidigen. Außerdem wird mit dem Film jene Endzeitsehnsucht bedient, für die die deutschen Zuschauer so überaus empfänglich sind. Hier geht es nicht um eine Technologie, der man kritisch gegenüberstehen kann, sondern um die Angst vor der Moderne, die durch „Bermuda-Dreieck Nordsee“ geschürt wird. Schließlich ist die Idee von einem „Killerstrudel“, der alles in die Tiefe reißt, „völliger Blödsinn“.

Mit dem Film wird eine moralisierende Politik betrieben, die für Umweltschäden lediglich einen Konzern sowie die „Gier“ verantwortlich macht. Im Grunde handelt es sich bei „Bermuda-Dreieck Nordsee“ um einen grünen Werbefilm, bei dem die heimische Scholle gegen die Machenschaften eines Konzerns verteidigt wird.

Die Fernsehzuschauer, die im Naturkostladen einkaufen und die Grünen wählen, werden sich bei bei diesem Film begeistert auf die Schenkel geklopft haben. Vielleicht wurde „Bermuda-Dreieck Nordsee“ auch daher von rund fünf Millionen Zuschauern gesehen. Aufgrund dieser Quoten wird der Film sicherlich nicht der letzte „Ökothriller“ gewesen sein, der von RTL ausgestrahlt wird. So werden die Zuschauern in nächster Zeit vielleicht mit dem Tsunami von Tübingen oder dem Erdbeben in Essen konfrontiert. RTL: Übernehmen Sie!

Bermuda-Dreieck Nordsee. Deutschland 2011. Regisseur: Nick Lyon. Darsteller: Bettina Zimmermann, Gudrun Landgrebe, Hannes Jaenicke, Karoline Eichhorn, Josefine Preuß. Drehbuch: Nikolaus Kraemer

Totenkult im TV

Das große Interesse an esoterischen Themen bedienen verschiedene Menschen. Sie behaupten, dass sie in Kontakt zu „geistigen Welten“ stehen, für die es in der Realität nicht die geringste Spur eines wissenschaftlichen Beweises gibt. Für einiges Aufsehen sorgte die RTL-Sendung „Das Medium“, in der das selbsternannte „Medium“ Kim-Anne Jannes unter anderem einen angeblichen Kontakt mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel suchte.

Barschel, der 1987 in einer Badewanne den Freitod gewählt hatte, wurde sogar ermordet, behauptete das selbsternannte „Medium“. Dort wurde mit plumper Schauspielkunst eine esoterische Wahnidee reproduziert und mit dieser Masche auf Zuschauer_innenfang gegangen. Die Sendung sollte gar „die Antwort auf die alles entscheidende Frage“ geben:

Die Befürchtung der 66-jährigen Witwe wird nun endlich bestätigt: Nein, es war kein Selbstmord!

Kim-Anne Jannes, die es mit ihrer angeblichen Fähigkeit, mit dem „Reich der Toten“ zu kommunizieren, nicht nur auf RTL bis ins Abendprogramm geschafft hat, ist heute eine der bekannteren esoterischen Gestalten im deutschsprachigen Raum. Nicht ganz so bekannt ist der gelernte Schauspieler Pascal Voggenhuber, der sich ebenfalls als „Medium“ bezeichnet.

Voggenhuber behauptet, dass er ein „Hellsichtiger“ sei, den „außergewöhnliche Begabungen“ befähigen würden, in „direktem Kontakt“ mit einer angeblichen „geistigen Welt“ zu treten. Wie Kim Anne-Jannes steht er den verzweifelten Menschen zur Verfügung, die nach jedem Strohhalm greifen, der ihnen präsentiert wird. Schließlich kann gerade nach einem menschlichen Verlust die Versuchung entstehen, mit Hilfe eines geistigen Supermans, mit dem Verstorbenen in einen angeblichen Kontakt zu treten.

Der Ort, in dem Menschen auf die „Medien“ aufmerksam werden, ist neben dem Internet eben auch das Fernsehen. Pascal Voggenhuber war unter anderem bei Johannes B. Kerner („Der mit den Toten spricht“), in der Sendung „Reporter“ („Der mit den Toten spricht – Aus dem Leben des Mediums Pascal Voggenhuber“) und in einem „Talk Täglich Special“ des Senders „TeleZüri“ zu sehen. Neben solchen TV-Auftritten, die gute Werbemaßnahmen darstellen, publiziert Voggenhuber bei „Ansata“, einem esoterischen Seitenprojekt des Verlags „Random House“. Dieser Verlag gehört wiederum zum „Bertelsmann Konzern“, dem ebenfalls Teile der RTL-Gruppe gehören.

Auf RTL war – wie erwähnt – das andere „Medium“, Kim Anne-Jannes, zu sehen, die wie ihr Kollege Pascal Voggenhuber eine plumpe Scharlatanerie betreibt. Voggenhuber steht allerdings auch dem rechten „Kopp-Verlag“ zur Verfügung. Dort wurde er von den Anti-Feministin Eva Herman interviewt. Auch dort geht es um den Tod Barschels, der – laut Voggenhuber – aus einem angeblichen „Jenseits“ den Kontakt mit der Witwe suche: „Mit Lichtzeichen habe er stets versucht, auf sich aufmerksam zu machen“, heißt es in der Verlags-Ankündigung.

Esoterische Ideen finden sich eben nicht nur im Programm der Bertelsmann-Gruppe, sondern in vielen Verlagsprogrammen, bei kleineren Verlagen, die einen wachsenden Markt bedienen. Auch dort können sich Menschen die Bücher und DVDs besorgen, die von selbsternannten „Hellsichtigen“ publiziert werden. In einem Land, in dem „demokratische Sozialisten“ zu gemeingefährlichen Kommunist_innen gemacht werden, gehören esoterische Wahn-Ideen zum guten Ton: Hier spricht man mit den Toten.

Manchmal kommen sie wieder

Ein weiterer Kandidat, der für die unsägliche RTL-Show „Das Dschungelcamp“ ins Gespräch gebracht wurde, ist der Alt-Kommunarde Rainer Langhans, der die Sendung als eine Art Wiederbelebung der Kommune I einordnete. Langhans kann bereits auf eine längere Karriere bei RTL zurückblicken.

Der Fernsehsender räumte Langhans, der für unsägliche esoterische Wahnideen steht, großzügigen Raum ein, um dessen patriarchale Beziehungsstrukturen, die dieser in seinem „Harem“ praktiziert, zu dokumentieren. Doch nicht nur RTL vermarktet die letzte Ikone der 68er. Auf der Internetseite des ebenso unseriöse „Fakten“-Magazins „Focus“ ist Langhans mit seiner eigenen Video-Kolumne zu sehen, in der er unter anderem Fitnesstipps gibt.

An Langhans sonstigen Theorien scheinen sich weder RTL noch der „Focus“ zu stören:

Spiritualität in Deutschland heißt Hitler. (…) Wir haben keine Chance: Wir müssen dieses Erbe von unseren Eltern übernehmen (…) im Sinne einer Weiterentwicklung dessen, was da von Hitler versucht wurde.

So äußerte sich Langhans bereits 1989 in einem Interview mit der TAZ. In anderen Interviews entpuppte sich Langhans ebenfalls als Hitler-Bewunderer und Faschist:

Wir müssen die besseren Faschisten sein, denn der Faschist ist in meinen Augen jemand, der erstmal natürlich das Himmelreich auf Erden holen wollte, also der wirklich was Gutes wollte. Also unter dem Gesichtspunkt ist Hitler selbstverständlich für uns alle ein großer Lehrer, das wird keiner ablehnen können.

Natürlich ist Langhans, der ehemalige 68er, auch in Medien aus dem ganz rechten Spektrum präsent. So zum Beispiel im rechten Monatsmagazin „Zuerst“. In der April Ausgabe findet sich eine ausführliche Reportage über Rainer Langhans, seinen Harem und die Hitler-Mystifizierung, die nicht nur von den Nazis von„Zuerst“ begrüßt wird.

Da sich RTL bisher nicht an den merkwürdigen Aussagen des esoterischen Langhans gestört hat, dürfte seinem Einzug ins „Dschungelcamp“ eigentlich nichts im Wege stehen. Da die Nachricht allerdings von der„Bild“–“Zeitung“ verbreitet wurde, ist diese – wie im Falle des anderen gehandelten Kandidaten, Ronald Schill – mit Vorsicht zu genießen. Es bleibt also abzuwarten, ob Langhans tatsächlich im „Dschungelcamp“ zu sehen sein wird.

Hausbesetzung à la RTL

In der RTL-Seifenoper „Unter Uns“ dürfen die Zuschauer_innen den Protest einiger junger Künstler_innen erleben, die ihre Produktionsmittel einfach besetzen, nachdem die neue Besitzerin des alten Lokschuppens, Eva Wagner, ihnen eine Kündigung innerhalb der nächsten 48 Stunden ausgesprochen hat. „Die Kids“ greifen zu den altbewährten Mitteln. Schnell sind ein paar Transparente, mit den üblichen Parolen beschriftet: „Wir bleiben alle“, heißt es auch in der RTL-Seifenoper.

Die Bewohner_innen des Kölner Kiez schlagen sich mehrheitlich auf die Seite der Besetzer_innen, nachdem die örtliche Presse über die Methoden der „Spekulantin“ berichtet. Die Hausbesitzerin wird daraufhin auf offener Straße beschimpft. Als „die Kids“ allerdings erfahren, dass es Kündigungsfristen und Rechte für Mieter_innen gibt, sind sie halbwegs beruhigt. Die„Hausbesetzung“ wird beendet. Diese Inhalte, die den Fans von verkürzten Kapitalismuskritiken durchaus gefallen dürften, gibt es jeden Tag um 17.30 bei RTL zu bestaunen.

Die Rückkehr der Eva Herman

Mit einer Art Tagesschau für das In­ter­net versucht der ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche, rechts­kon­ser­va­ti­ve Kopp-​Ver­lag für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Nach­rich­ten werden von der Kopp-​Au­to­rin und ehemaligen Tagesschau-​Sprecherin Eva Her­man moderiert, die bereits ein Buch im Ver­lag ver­öf­fent­lich­te, aber auch für die Nach­rich­ten­sei­ten des Ver­lags schrieb. Dort warn­te sie vor „Gen­der-​Main­strea­ming“ und an­de­ren an­geb­li­chen Ge­fah­ren, die die deut­sche Fa­mi­lie zer­stö­ren wür­den.

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Über den Kopp-​Ver­lag wer­den auch die Bü­cher des an­ti­se­mi­ti­schen „hohle Erde“ Theo­re­ti­kers Jan Udo Holey (alias „Jan von Hel­sing“) ver­trie­ben. Eben­so er­schei­nen dort die Bü­cher des angeblichen „Is­lam-​Kri­ti­kers“ Udo Ul­fkot­te, der sein Buch mit einer „gro­ßen Deutsch­land­kar­te zum Her­aus­neh­men“ be­wirbt, auf denen alle „bür­ger­kriegs­ge­fähr­de­ten Ge­bie­te“ zu fin­den sind, die an­geb­lich auf­grund „eth­ni­scher Span­nun­gen“ in den Groß­städ­ten der Bun­des­re­pu­blik ent­ste­hen wür­den.

Ak­tu­ell spricht Eva Her­man nicht nur die „Nach­rich­ten“ des Ver­lags, die sich auch auf den üb­li­chen Vi­deo­por­ta­len fin­den las­sen, son­dern hat – na­tür­lich auch im Kopp-​Ver­lag – ein Buch ver­öf­fent­licht, mit dem sie ihren skan­dal­träch­ti­gen me­dia­len Ab­gang ver­mark­tet. „Die Wahr­heit und ihr Preis“ nennt sich das neu­es­te Mach­werk der Eva H., das es ak­tu­ell auf Platz 21 der „Spie­gel-​Best­sel­ler­charts“ ge­schafft hat.

Der Kopp-​Ver­lag fin­det immer wie­der sei­nen Weg in die gro­ßen Me­di­en. Als Ve­hi­kel dient ihm Udo Ul­fkot­te, aber vor allem Eva Her­man, die sich einer teil­wei­sen Rück­kehr in die gro­ßen Me­di­en si­cher ist, seit­dem sie ex­klu­siv für die Bild–“Zei­tung“ ihre Sicht auf die Dinge ver­öf­fent­li­chen konn­te, die zur ihrer Ent­las­sung beim NDR führ­ten. Das Bou­le­vard-​Blatt war sich nicht zu scha­de, die Buch-​Er­in­ne­run­gen der Her­man in Aus­zü­gen ab­zu­dru­cken. Im Mai ver­öf­fent­lich­te das Blatt ganze vier Ar­ti­kel über die rechts­kon­ser­va­ti­ve An­ti-​Fe­mi­nis­tin: „Eva Her­man rech­net mit ihren Kri­ti­kern ab“, hieß nur eine der reiße­ri­schen BILD-Schlag­zei­len. Knapp drei Jahre zuvor hatte Eva Her­man die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche „Fa­mi­li­en­po­li­tik“ ge­lobt und muss­te kurz dar­auf den NDR ver­las­sen.

Die fünf Mi­nu­ten lan­gen „Nach­rich­ten“ des Kopp-​Ver­lags haben es wie­der­um bis in einen Be­richt des Fern­seh­sen­ders RTL ge­schafft. In der Sen­dung „Ex­clu­siv – Weekend“ (06.​06.​2010), in der die neu­es­ten News über„die Schö­nen und Rei­chen“ ver­brei­tet wer­den, wur­den die „Nach­rich­ten“ des Kopp-​Ver­lags be­wor­ben. Dort gab es na­tür­lich kein Wort der Kri­tik an den Po­si­tio­nen Eva Hermans, die wäh­rend der Eu­ro­pa­wah­len 2009 die rechtskle­ri­ka­le Kleinst­par­tei AUF un­ter­stützt hatte und die nach ei­ge­nen An­ga­ben einen Kampf gegen „grau­si­ge Ideo­lo­gie der Gleich­heit von Mann und Frau“ führt. Eben­so kein Wort der Kri­tik an dem Ver­lag, in dem Eva Her­man pu­bli­ziert. Etwa über Bü­cher, in dem für das At­ten­tat auf John F. Ken­ne­dy „CIA, Mafia und Hoch­fi­nanz“ ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den oder in denen der Selbst­mord des FDP-​An­ti­se­mi­ten Jür­gen Möl­len­mann um­ge­deu­tet wird.

Statt­des­sen gab es bei RTL eine Wer­bung, die nicht als sol­che ge­kenn­zeich­net war und die dem Kopp-​Ver­lag den ein oder an­de­ren Klick durch in­ter­es­sier­te Zu­schau­er_in­nen beschert haben dürf­te, die durch „RTL-​Ex­clu­siv-​Weekend“ auf die „Nach­rich­ten“ des„​Ver­lages auf­merk­sam wur­den. Eben­so dürf­te es den Le­ser_in­nen der Bild-„Zeitung“ er­ge­hen, die durch einen wei­te­ren Ar­ti­kel über Eva Her­mans neu­es­te Karriere in­for­miert wur­den: „Ich finde gut, dass wir dort Nach­rich­ten brin­gen kön­nen, die sonst nicht so im Fokus ste­hen“, sagte Her­man der BILD. Ein Blick in die bis­he­ri­gen Sen­dun­gen of­fen­bart wenig Überraschendes: Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, wie die bal­di­ge Ein­füh­rung des Impstoffs gegen Krebs, Ul­fkot­te-​Tex­te über die „IHH“ und die Paranoia vor dem EU-​Par­la­ment, das an­geb­lich be­stimm­te Rol­len­bil­der ver­bie­ten wolle, durch­zie­hen die „Nach­rich­ten“ des Kopp-​Ver­lags wie einen roten Faden. Dank der tat­kräf­ti­gen Un­ter­stüt­zung durch BILD und RTL könn­te Eva Hermans Rück­kehr vor die Bild­schir­me tat­säch­lich glü­cken. Zu­min­dest erst einmal im In­ter­net.