Schlagwörter: Sat 1

Verschwörungswerbung auf SAT 1 (II)

Am Donnerstag, den 27.10.2001, wurde in der Sat 1 Sendung Kerner erneut das Thema Verschwörungstheorien aufgegriffen. Derartige Theorien hatte die Kerner-Redaktion bereits zum Jahrestag des 11. September für einen Beitrag benutzt, der im Nachhinein von der Verschwörungsszene gefeiert wurde.

Damals wurden die Theorien des Verschwörungsideologen Niels Holger Harrit, auf den sich auch NPD-Strukturen berufen, vollkommen unkritisch aufgegriffen. Dort kam auch Frank Höfer zu Wort, der mit seiner NuoViso-Filmproduktion den deutschen Markt mit verschwörungsideologischen Filmerzeugnissen versorgt. Höfer trat im Jahr 2009 auf einer Veranstaltung des Sektengurus Ivo Sasek auf, der mit seiner Anti-Zensur-Koalition eine Plattform für verschiedene esoterische, verschwörungstheoretische und antisemitische Propagandisten geschaffen hat.

Der Sat1 Beitrag zum 11. September wurde nach der Ausstrahlung von verschiedenen Aktivisten aus der selbsternannten „Wahrheitsbewegung“ gefeiert: Der Beitrag stellte „einen der besten dar, der in ganzen 10 Jahren (…) publiziert wurde“, hieß es auf einer Website der Verschwörungsszene. „Kerner“ bringt 9/11-Wahrheit“, auf einer anderen Seite.

In eine ähnliche Richtung ging der aktuelle Beitrag der Kerner-Redaktion. „Was ist dran an den verborgenen Botschaften“, nannte sich der Beitrag, in dem es unter anderem um sogenannte Chemtrails ging.

So bezeichnen einige Verschwörungsideologen ganz bestimmte Kondensstreifen von Flugzeugen, die angeblich bestimmte Substanzen enthalten sollen, mit denen die Bevölkerung vergiftet oder kontrolliert wird. Ein Guru dieser Chemtrail-Szene ist der ehemalige Greenpeace-Aktivist Werner Altnickel, der in seiner niedersächsischen Heimatstadt Oldenburg Solaranlagen vertreibt. Er kam in dem Sat 1 Beitrag ausführlich zu Wort und durfte dort seine wirren Theorien über Chemtrails verbreiten.

„Nicht alles zwischen Himmel und Erde ist wie es scheint. Manchmal ist das Unwahrscheinliche dann doch die Wahrheit“, orakelte die Kerner Redaktion in der Werbung zum Beitrag. In der Einleitung des Beitrages hieß es, dass es „merkwürdige Dinge“ gäbe, „die im niedersächsischen Oldenburg passieren“. In den folgenden fünf Minuten durfte Werner Altnickel Werbung für seine Positionen betreiben und vor einem „Totalschaden für Mensch und Planeten“ warnen. Dabei griff die Kerner-Redaktion auf Videos und Fotos zurück, die Altnickel gedreht hat, um seine Theorien zu beweisen.

Was allerdings nicht zur Sprache kam, waren die politischen Positionen Altnickels, die von seinen verschwörungsideologischen Positionen nicht zu trennen sind. Altnickel glaubt konkret, dass es einen geheimen Krieg gegen Deutschland und andere Staaten gibt, der durch die USA und Israel, mit Erdbeben- und Strahlenwaffen, geführt werden würde. Er beruft sich auf ein angebliches Zitat von Donald Rumsfeld, das selbstverständlich gefälscht ist.

Um seine merkwürdigen Theorien zu beweisen greift Altnickel ein ums andere Mal auf gefälschte Zitate zurück. So erwähnt er in seinen stundenlangen Vorträgen beispielsweise das angebliche Zitat des New York Times Herausgebers John Swinton. „Eine freie Pres­se gibt es nicht. Sie, liebe Freun­de wis­sen das, und ich weiß es gleich­falls“, be­ginnt es. John Swin­ton, der von Alt­ni­ckel als Kronzeuge benannt wird, soll ein ehemaliger Her­aus­ge­ber der New York Times sein, „der die­sen klei­nen Vor­trag wäh­rend sei­nes Ab­schieds­ban­ketts ge­hal­ten haben soll. Ein Blick in die Ar­chi­ve der NYT zeigt: Es hat nie­mals einen Her­aus­ge­ber na­mens Swin­ton ge­ge­ben“.

Altnickel stellt außerdem die Behauptung auf, dass der Super-Gau in Tschernobyl durch die USA verursacht worden wäre. Diese hätten ein Projekt namens Haarp benutzt, das von Verschwörungsideologen umgedeutet wird. Des Weiteren halluziniert der in der Chemtrail- und Verschwörungsszene hochgeachtete Altnickel von angeblichen israelischen Strahlenwaffen, mit denen die deutsche Bevölkerung bedroht werden würde.

Der Chemtrail-Guru beschäftigt sich allerdings auch noch mit anderen Themen, die in seinen Vorträgen zur Sprache kommen. Regelmäßig verweist Altnickel beispielsweise darauf, dass der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder eine „Beraterfunktion bei der Rothschild-Bank“ ausüben würde, was für Altnickel ein Hinweis auf die angebliche Verschwörung ist. Hier machte sich Altnickel also antisemitische Verschwörungstheorien zu eigen, die den Rothschilds eine unglaubliche Macht nachsagen.

Diese Fakten spielten im Sat 1 Beitrag keine Rolle. Hier wurde der Chemtrail-Guru als netter, besorgter und alter Mann inszeniert, der doch nur „vor einem Totalschaden für Mensch und Natur“ warnen würde. Seine genaueren Positionen wurden verschwiegen, dabei hätte man hervorragend aufzeigen können, wie die Szene der Chemtrail-Gläubigen arbeitet. Außerdem zeigte der Sat1 Beitrag, nachdem Altnickel fünf Minuten Werbung beitreiben durfte, auch noch andere Verschwörungsideologen, die an „Atlantis“ oder an die „Hohlerde-Theorie“ glauben. So war beispielsweise Dieter Bremer zu sehen, dessen wirre Ideen bereits als Werbung für die hervorragende Doku-Satire „Die Mondverschwörung“dienten.

Altnickel wirkte aufgrund dieser Auflistung wie ein aufrechter Vertreter einer diskussionswürdigen Verschwörungstheorie. Vielleicht wurde der Beitrag auch daher, wenige Minuten nach der Ausstrahlung ins Internet gestellt. So findet er sich auf verschiedenen Internet-Seiten der Chemtrail-Szene. Dort wird der Beitrag freudig begrüßt. So heißt es auf einer Szene-Seite:

Wir können daher froh sein, sofern überhaupt das Thema ‚Chemtrails‘ von den Medien aufgegriffen wird. Die Kerner-Sendung hat dazu geführt, dass Millionen von Menschen den Begriff ‚Chemtrails‘ vermutlich das erste Mal gehört haben. Die Sendung wird auch dazu führen, dass viele Menschen damit beginnen werden, in den Himmel zu gucken und sich Gedanken zu machen, was dort geschieht. So viele Menschen können wir mit unserer Webseite oder den Flyern niemals erreichen.

Die Chemtrail-Szene begrüßt also die unkritische Berichterstattung. Mit den ersten fünf Minuten des Beitrags haben sie Werbematerial für ihre merkwürdigen Ideen zur Hand. Die Kerner-Redaktion hat sich also ein zweites Mal als Werbelieferant für obskure Verschwörungsidelogie betätigt. Dafür wird ihnen nicht nur Werner Altnickel dankbar sein.

Am Ende die Hoffnung – eine Kritik

Irgendwann im letzten Jahr kommen die Mitarbeiter eines Hauptstadtbüros, die irgendwas mit Medien machen, auf eine Idee: man nehme das ehemalige GZSZ-Sternchen Yvonne Catterfeld, klaue den Plot von Titanic, mische dies mit einer Prise Pearl Harbour und verlege die Handlung auf ein deutsches U-Boot. Fertig ist das „Historien-Drama“, das voll im Trend liegt.

Am Ende die Hoffnung
Am Ende die Hoffnung

Mit „Der Untergang“, „Jud Süß – ein Film als Verbrechen“ oder „Hindenburg“ hat die deutsche Filmindustrie schließlich gelernt, dass verharmlosende Stoffe, mit denen die Deutschen zum Opfer gemacht werden, beim Publikum gut ankommen. Die Unterstützung des Feuilletons ist gewiss. Mit Yvonne Catterfeld kann man sogar auf eine Darstellerin zurückgreifen, die das geschichtsvergessene RTL Publikum anspricht. Das große Sat 1 Drama war am 18.10.2011 im deutschen Fernsehen zu sehen.

„Am Ende die Hoffnung“ ist ein Drama, das im 21. Jahrhundert beginnt. Hier wurde großzügig beim Film Titanic abgekupfert: Während in diesem Film ein Forschungsteam, das Schiff auf dem Grund des Meeres entdeckt, sind es im großen Sat1-Drama Fischer, die ein Teil des U-Bootes an Bord holen. In beiden Filmen kommt nun eine Überlebende ins Spiel.

Im Sat 1 Film ist es die alte und niedliche Oma Ellen Ludwig, die sich vom Nachwuchs per Taxi nach Oslo transportieren lässt. Währenddessen erzählt sie ihrer Enkelin die Geschichte ihres Lebens. Dafür darf sie sie beim Liebesspiel mit einem muskulösen Skandinavier begutachten. Es handelt sich um eine vollkommen unglaubwürdige Verwandtschaftsstruktur, die hier ausgebreitet wird.

Oma lässt Bilder aus ihrer Vergangenheit Revue passieren: „Ein deutsches U-Boot dicht vor der USA-Küste“, tönt die nationalsozialistische Wochenschau. Das wird mit den Bildern unterlegt, die man aus den Historien-Dramen des Guido Knopp kennt, mit denen die Deutschen ebenfalls zum Opfer gemacht werden.

Nun darf das Fernseh-Publikum die Vergangenheit der Oma begutachten, die diese Bilder in einem reichsdeutschen Kino gesehen hat. Natürlich war Ellen Ludwig (Yvonne Catterfeld) im Widerstand aktiv: Flugblätter verteilen, Parolen malen und Plakate kleben. Natürlich wird sie erwischt, aber durch den Spion Dr. Robert Elbing (Stephan Luca), gerettet, der ihr eine Waffe anbietet. Ellen Ludwig lehnt ab: sie will keine Nazis erschießen. Elbing wurde vom britischen Geheimdienst nach Deutschland eingeschleust. Seine Mutter, eine Jüdin, starb zwei Jahre zuvor an der „Sorge, was in Deutschland passiert“.

Es gibt zwar Nazis, die als uniformierte Marionetten dargestellt werden, aber von den Verstrickungen der deutschen Mehrheitsbevölkerung wird man in diesem Film nichts erfahren. Von den deutschen Verbrechen kein Wort, Juden sterben an der „Sorge“ über die deutschen Zustände, die industrielle Vernichtung wird verschwiegen.

Dafür erfährt man, dass die Allierten „keinen Stein auf dem anderen gelassen haben“ und das es „damals eine schreckliche Zeit war“. Dies wird durch Trümmer illustriert, durch die Ellen Ludwig wandert. Sie hungert, wie der Rest der Bevölkerung, deren Elend in langatmigen Bildern illustriert wird.

Umso heroischer wirken die Bilder vom deutschen U-Boot. Die deutschen Soldaten, Mörder in Uniform, werden als freundliche, blonde Recken inszeniert. Diese begegnen den Verbrechen der Nazis mit ebensolchem Abscheu, wie der Rest der Bevölkerung. Ellen Ludwig wird vom spionierenden Doktor auf die den ersten Offizier des U-Bootes, Hans Mertens, angesetzt, weil das Boot einen „Sonderbefehl“ hat. Es geht um „irgendeine neue Waffe“.

Die Spione, von denen es nicht so wenige zu geben scheint, sind überzeugt: „Wir müssen das U-Boot aufhalten, egal was es kostet“. Um diesen Plan umzusetzen schläft der Doktor mit der jungen Widerstandskämpferin: „Es ist rein geschäftlich“, behauptet er danach. Ellen Ludwig trifft auf einem Ball auf den Seebären Hans Mertens, mit dem eine weitere Verharmlosung betrieben wird.

Er ist kein Nazi, sondern ein deutscher Soldat, der auf dem Ball seine Verlobung zelebriert. Von der deutschen Vernichtungskultur wird hier rein gar nichts gezeigt. Stattdessen sieht man freundliche Menschen, die sich noch freundlicher Unterhalten, bis sie durch die Bomben „der Tommys“ in den Keller getrieben werden.

Dort entflammt die Widerstandskämpferin endgültig für den deutschen Seefahrer. „Er ist einfach zu ehrlich“, schwärmt sie. Der erläutert seine merkwürdige Motivation in den Krieg zu ziehen: „Ich dachte, unten am Meer ist Frieden“, behauptet er. Karl Dönitz dürfte zufrieden sein, seine Mordmaschinerie wird grundsätzlich verharmlost. Trotz aller Zweifel wird Hans Mertens nämlich wieder in See stechen: „Ich kann meine Kameraden nicht im Stich lassen“, sagt er seufzend. Mit diesem deutschen Korpsgeist wurde schon so manches deutsche Verbrechen verharmlost. Nichts anderes geschieht im großen Sat 1 Drama.

Während der U-Boot-Mann Mertens als immer strahlenderer deutscher Held erscheint, wirken die Spione umso bösartiger. Der Doktor macht Tierversuche und verlangt den Tod des Seefahrers. Um Ellen Ludwig zu überzeugen, zeigt er ihr verletzte deutsche Soldaten: „Menschen sterben, tausende“, brüllt er. Doch Ellen Ludwig möchte nicht in den Krieg hineingezogen werden. Sie ist eine friedensbewegte Deutsche.

Trotzdem macht sie beim Tête-à-tête mit Mertens Fotos, die die Reiseroute des U-Boots zeigen. Hans Mertens ist unterdessen – wie das filmische Vorbild Leonardo di Caprio im Titanic-Streifen – überzeugt, dass er die Reise nicht überstehen wird. Die deutsche Rose, Ellen Ludwig, versucht ihm Mut zu machen. Sie steht nun zwischen den dunklen Spionen und den heroischen Deutschen. Erstere sind irgendwie fast auch Nazis, letztere heldenhafte Seefahrer, die durch miese Bomben der Alliierten und die „verdammten Saboteure“ bedroht werden. Dies suggeriert der Sat 1 Film.

Max von Puffendorf, der den deutschen Helden Hans Mertens darstellt scheint dieser Handlungsansatz ganz besonders gefallen zu haben. In einem Interview, das auf der Sat 1 Internetseite veröffentlicht wurde, posiert der Darsteller in seiner Nazi-Uniform:

Was ich sehr schön fand, sich mal mit der Marine zu beschäftigen (…) weil mein Großvater U-Boot Kommandant war, der im schwarzen Mai 1945 abgeschossen wurde.

Außerdem begeistert er sich „für die Technik und das Wunder, dass da geschaffen wurde“. Wenn er sich heute entscheiden müsste, würde der Darsteller zur Marine gehen.

Der Film, der eine Verharmlosung der deutschen Geschichte darstellt, kommt gut an. „Der Spiegel“ schreibt:

‚Am Ende die Hoffnung‘ hätte ein weiteres herkömmliches Event-Filmchen mit Nazi-Zeit-Flair werden können – doch Sat.1 ist überraschend gutes Gefühlskino mit mitreißenden Bildern gelungen, das zeigt, wie das Damals ein ganzes Leben belasten kann.

„Am Ende die Hoffnung“ ist ein Machwerk, das die deutsche Geschichte verharmlost. Hier wird eine Entlastung der deutschen Täter betrieben. Die Schauspieler agieren auf Soap Niveau, dafür gibt es Bomben ohne Ende. Außerdem passen die Handlungsstränge von Gegenwart und Vergangenheit nur bedingt zusammen. Ein schnulziger Film, mit dem Täter zu Opfern gemacht werden. „Am Ende die Hoffnung“ reiht sich also ein, in die lange Reihe deutscher Opferphantasien. Ein Film, der deutlich aufzeigt, wie verdorben die deutsche Darstellung der Vergangenheit ist.

Am Ende die Hoffnung. Deutschland, 2011. Regie: Thorsten Näter. Darsteller: Yvonne Catterfeld, Max von Puffendorf, Stephan Luca, Rosemarie Fendel u.v.m.

Verschwörungswerbung auf SAT 1

Der zehnte Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 wird in verschiedenen Fernsehsendungen aufgegriffen, in denen die Verklärung dieser Anschläge beleuchtet wird. Das gelingt oftmals eher schlecht als recht.

So geriet ein Bericht in der ARD-Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ zur unverhohlenen Werbung für den Verschwörungsideologen Mathias Bröckers, der mehrere Bücher zum Thema verfasst hat. Sein neuestes Buch „11.9. – zehn Jahre danach: Der Einsturz eines Lügengebäudes“ wurde am 10. Juli 2011 in der ARD-Sendung vorgestellt. Bröckers wurde als „streitbaren Publizist aus Deutschland“beschrieben. Hier gab es keine Auseinandersetzung über einen unsäglichen Verschwörungstheoretiker, der mit falschen Thesen Geld verdient, sondern eine Sendung, in der sich Bröckers als Tabubrecher darstellen konnte, der „unangenehme Fragen“ stellen würde.

Schlimmer war allerdings ein Beitrag in der Sat 1 Sendung „Kerner“, der am 01. September 2011 zu sehen war. Hier sollte die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 beantwortet werden, „Was ist dran an den Verschwörungstheorien vom 11. September“, hieß es in der Ankündigung. Der Beitrag beantwortete diese Frage, in dem er unverhohlene Werbung für die Ideen der Verschwörungsideologen betrieb.

Diese behaupten, dass die Anschläge vom 11. September 2001 unter falscher Flagge durcheführt wurden. Statt der Terroristen von Al-Qaida werden die amerikanische Regierung oder der israelische Geheimdienst Mosssad für die Taten verantwortlich gemacht. Deswegen stellen sie viele Fragen, die sie in ihrem Sinne beantworten. In der Sat 1 Sendung „Kerner“ hatten sie alle Zeit der Welt, um Fragen zu stellen und Antworten zu geben.

In dem Beitrag kommt unter anderem Frank Höfer zu Wort, der mit seiner NuoViso-Filmproduktion den deutschen Markt mit verschwörungstheoretischen Erzeugnissen versorgt. Mit seinem Film „Unter falscher Flagge“ stellt er die Behauptung auf, dass die Anschläge vom 11. September 2001 in Wirklichkeit von der amerikanischen Regierung, unter falscher Flagge, durchgeführt worden wären. Er hat allerdings auch schon Filme über Kornkreise produziert: „Die neue Feldordnung“ heißt eines seiner weiteren Machwerke, in denen er Kornkreise untersucht, die – so suggeriert es die Pseudo-Dokumentation – von Aliens geschaffen werden.

Höfer trat auf einer Veranstaltung des Sektengurus Ivo Sasek auf, der mit seiner Anti-Zensur-Koalition eine Plattform für verschiedene esoterische, verschwörungstheoretische und antisemitische Propagandisten geschaffen hat. Neben der Leugnung der historischen Ereignisse vom 11. September 2001 traten dort auch Apologeten der „Neuen Germanischen Medizin“, Holocaustleugner und Chemtrail-Aktivisten auf.

Diese Umstände, die geeignet gewesen wären, den Verschwörungstheoretiker genauer einzuordnen, wurden im Sat 1 Beitrag allerdings nicht erwähnt. Sein Interview wurde mit Filmausschnitten aus seiner Dokumentation unterlegt. Der Filmemacher durfte in langen O-Tönen Werbung betreiben:„Frank Höfer sucht nach Antworten“, hieß es dort. Er durfte darüber berichten, dass der amerikanische Präsident am 11. September 2001 nicht kreischend aus einer Schulklasse rannte, als er vom Einschlag des ersten Flugzeugs erfuhr, was für Leute wie Höfer ein Beweis ist, dass der Präsident ein „Vorwissen“ über den Ablauf der Anschläge besessen hätte.

Außer Frank Höfer kam auch Niels Holger Harrit zu Wort, dessen Nanothermit-Theorie für viele Verschwörungsfans der endgültige Beweis ist, dass das World-Trade-Center in die Luft gesprengt wurde. Harrit hat ominöse Proben untersucht, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. In diesen Proben möchte Harrit Nanothermit-Partikel entdeckt haben, was für ihn und seinesgleichen der Beweis dafür ist, dass Rückstände eines Sprengstoffes gefunden worden wären.

Harrit vertritt seine Thesen unter anderem in Interviews mit dem nationalistischen Radiomoderatoren Alex Jones oder auf Vorträgen für das strukturell antisemitische Weblog „Alles Schall und Rauch“. Seine Thesen werden von Wissenschaftlern in Frage gestellt. Hier geht es nicht nur um die Herkunft der verwendeten Proben, sondern auch um die Tatsache, dass der Schutzanstrich und die Rostschutzfarbe des World-Trade-Centers die gleichen chemischen Elemente wie die Analyse aufweisen. Doch diese Fakten kamen im Sat 1 Beitrag nicht vor. Statt dessen wurde Harrit als „Wissenschaftler und Professor“vorgestellt. Eine kritische Einordnung dieser Person unterblieb vollkommen.

Nach Niels Holger Harrits Auftritt durfte Mathias Bröckers Werbung für sein neuestes Buch betreiben. Er wurde tatsächlich als „Historiker“ vorgestellt. Wer nicht zu Wort kam, war irgendeine Person, die sich kritisch mit den Verschwörungstheorien und ihren Propagandisten auseinandersetzte.

Die Sendung geriet zur unverhohlenen Werbung für die Verschwörungstheoretiker und ihre Produkte. Sie zeigt deutlich auf, wie salonfähig derartige Theorien in Deutschland sind. Diese werden keiner kritischen Prüfung unterzogen, sondern zur besten Sendezeit beworben.

Kein Wunder, dass die Freude über die Sendung bei verschiedenen Verschwörungsfans überwiegt. Der Beitrag stellt „einen der besten dar, der in ganzen 10 Jahren (…) publiziert wurde“, heißt es auf einer Website der Verschwörungsszene. „Kerner“ bringt 9/11-Wahrheit“, auf einer anderen Seite. Dem „deutschen Schweigekartell“ sei damit ein „schwerer Schlag versetzt“ worden.

Mittlerweile ist die Sendung auf vielen Internetseiten der verschwörungstheoretischen Szene zu finden. Frank Höfer hat sie ebenfalls ins Internet gestellt, um seine NuoViso-Filmproduktion zu bewerben. Sat1 und „Kerner“ haben nicht nur ihm einen großen Gefallen getan

Konkurrenzkampf

Die Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft produzieren einen merkwürdigen Trubel, der mit noch merkwürdigeren Ritualen einhergeht. Eines der Rituale besteht darin, in einem farblich geordneten schwarz-rot-gold gekleidet, gleichfarbige Fahnen zu schwenken und sich durch lautstarke Sprechchöre bemerkbar zu machen. Einheitskleidung ist das deutsche Trikot, national die kollektive Psychose.

Die Einheitsmeinung kommt derweil von der „Bild“–“Zeitung“, die eine „Party“, bei der die beschriebenen Rituale praktiziert wurden, als „Mega-Sause“ verklärte. Diese „Mega-Sause“ konnte man am vergangenen Mittwoch im Fernsehen bewundern. Dort moderierte Johannes B. Kerner die Sat.1 Sendung „Deutschland gegen Türkei- Das Duell“.

Mit vielen B, C, D und E Promis nahm der routinierte Moderator das anstehende Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei mit kleinen Partyspielchen à la „Schlag den Raab“ vorweg. Hier standen sich zehn deutsche Promis und zehn deutsche Promis, deren Eltern oder Großeltern vielfach irgendwann als Gastarbeiter_innen nach Deutschland kamen, gegenüber. Die Promis sollten den „Kampf“ zwischen „zwei großen Nationen“ ausfechten, versprach der Sender in seiner Vorabwerbung.

Das versprach zwar keine Fernsehunterhaltung, aber zumindest einen Einblick in die dunklen Abgründe der deutschen Fernsehkultur. Der Sender Sat 1 wollte mit diesem Format zeigen, dass man bei aller Konkurrenz doch gemeinsam feiern könne, doch im Trailer war mehr vom „wir“ und dem „Kampf“, der zu führen sei, die Rede.

Boris Becker, Axel Schulz, Jürgen Vogel und – leider, leider – Christoph Maria Herbst („Stromberg“) waren nur einige Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft; einem Gruselkabinett, das noch mehr verschreckte, als die die gegnerische Mannschaft. Die bestand unter anderem aus dem Sat 1 Komiker Kaya Yanar, Erdogan Atalay („Alarm für Cobra 11″) sowie Eko Fresh, der eigentlich Deutsch-Rap produziert.

Nationales Fieber in schwarz-rot-gold und in rot-weiß, dazwischen Johannes B. Kerner, der sich verzweifelt Gehör verschaffen wollte, um die Partyspielchen anzusagen. Da gab es eine Tisch-Tennis-Version oder das neu erfundene Spiel „Autoscooter-Basketball“, allesamt moderiert vom „Sport“-„Moderator“ Frank – „Bushy“ – Buschmann, der auch „Schlag den Raab“ kommentiert. Die Sendung war ansonsten nicht viel mehr als eine „Schlag den Raab“ Kopie; vermischt mit Nationalfahnen und Gesängen, nebst angestrengter Feierlaune, nationalen Parolen und diese nervigen Farben, die man nicht nur zur WM-Zeiten ertragen muss, sondern auch zur besten Sendezeit auf Sat 1.