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Mutation

Der deutsche Rapper „Derbst One” machte in der Vergangenheit durch die Huldigung eines Selbstmordattentäters und durch ein Lob des Josef Stalin auf sich aufmerksam. Im Lied „Zaid” schilderte der Nachwuchsreimer die Geschichte des „Zaid”, der „voller Stolz den Tod Turban wie Aladin” trägt und„Falestine” schreiend den Tod sucht. In anderen Liedern ging es um „Antideutsche” und„Sozialdemokraten”, die der reimende Schreibtischtäter am liebsten „ins Grab schicken” wollte.

Dabei mixte „Derbst One” krude Arbeiterromantik mit noch kruderem Anti-Imperialismus. Hinzu kam ein Faible für militärische Reime: „Wir treten jetzt an, Arbeitersöhne stehen jetzt stramm”, hieß es in einem Lied. Diese politische Positionierung prädestinierte den Nachwuchsrapper für einige Auftritte auf den Festivals der Organisation, die ebenfalls einer deartigen Arbeitertümelei verfallen ist. „Derbst One” durfte auf dem ein oder anderen Festival der „Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend” (SDAJ) auftreten. Außerdem ermöglichten einige andere linksdeutsche Gruppe „Derbst One” ebenfalls einen Auftritt. Hier durfte der Rapper seine Lieder zum Besten geben, in denen er gegen „halblinkes Verrätertum” ansang, das er in „Antideutschen” und „Sozialdemokraten” personifiziert sah.

Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein, auch wenn sich die Inhalte des deutschen Rappers kaum geändert haben. Doch für die angestrebte Karriere scheint der Nachwuchsrapper auf allzu offene Lenin und Stalin Huldigungen und auf Auftritte bei Stalin-Freaks und Lenin-Jüngern verzichten zu müssen. Seit etwas mehr als einem Monat inszeniert sich „Derbst One” nicht mehr als Sozialist. Schließlich hat er nun einen Vertrag beim Label „Ruhrpott Illegal” unterzeichnet und bereits zwei Videos veröffentlicht. In einer ersten Ansage possiert der Rapper nun vor einem Mercedes-Benz, was bei alten Fans für Unmut sorgte, die außerdem die alten Lieder vermissen, die der Rapper eiligst entfernte.

Außer dem allzu offenen Verzicht auf stalinistische Platitüden hat sich allerdings nicht viel geändert. In einer ersten Ansage wird der Nachwuchsreimer als „kampfbereiter Assassine” inszeniert, der „dem Dreck jetzt ein Ende” bereiten möchte. Die militaristisch angehauchten Reime erinnern ebenfalls an den früheren „Derbst One”: Während er vormals „Arbeitersöhne” aufmarschieren lassen wollte, sind es nun seine Label-Kameraden, die als Armee dienen sollen:

Geht aus dem Weg, die Armee rückt an. Ruhrpott Illegal, wir übernehmen das Land. Tretet an, steht stramm, salutiert, 4,5, wir sind bereit in den Kampf zu marschieren.

So heißt es in einem ersten Lied, in dem auch allerlei Missbrauchsphantasien zu hören sind. In einem weiteren Lied ist ganz verschwörungsidelogisch von einer kleinen Gruppe die Rede, die die Menschen als Zahlen missbraucht.

Derartige Thesen sind nicht nur in Hip-Hop-Deutschland durchaus mehrheitsfähig. Ebenso mehrheitsfähig dürfte die Liebe für allerlei regressive Bewegungen und Regime sein, mit denen sich „Derbst One” nach wie vor solidarisiert. In einem Interview mit „Backspin.TV” bezieht sich „Derbst One” daher auf die „Occupy-Bewegung” und warnt vor einem Krieg gegen den Iran. Allzu viel hat sich also nicht geändert. Allerdings dürfte „Derbst One” nun ein breiteres Publikum erreichen. Während er vorher auf den Festivals kleiner linker Jugendverbände zu hören war, dürften nun auch Auftritte in einem größeren Rahmen möglich sein.

Nachfolger des Makss Damage

Makss Damage lautet der Name eines deutschen Rappers, der mit kruden Texten für Begeisterung sorgte:„Ich leite Giftgas in Siedlungen, die jüdisch sind”, hatte Makss Damage zur Freude seiner Anhänger_innen gegrölt.

„Tötet diese antideutschen Hurensöhne”, lautete der Titel eines Liedes, mit dem unverhohlene Vernichtungsphantasien geäußert wurden. Der deutsche Rapper durfte trotzdem auf Veranstaltungen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), dem Wurmfortsatz der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), auftreten. Bereits damals war offensichtlich, dass es von seinen damaligen Positionen nur ein ganz kurzer Schritt zum Nazi wäre. Daran schienen sich seine Genoss_innen allerdings nicht zu stören.

Nachdem der anti-imperialistische Deutschrapper Makss Damage dann tatsächlich nach ganz, ganz Rechts wechselte, tauchten verschiedene anti-imperialistische Deutschrapper auf, die sich reichlich Mühe gaben, in die Fußstapfen des Antisemiten zu treten.

Da wäre beispielsweise „Derbst One”, der „„derbe pa­läs­ti­naso­li­da­ri­sche Kamp­fes­mu­sik“ veröffentlicht. Er be­ruft sich auf Marx, En­gels, Lenin, Sta­lin und ver­schie­de­ne Rap­per, wie zum Bei­spiel den se­xis­ti­schen Vor­zei­ge­proll Kool Savas. Mit seinem Lied „Zaid” glorifiziert er einen palästinensischen Selbstmordattentäter: „Diese Schwei­ne sind noch immer in sei­nem Land stationiert“, rappt er dort.

Mit dem Song wird die Ge­schich­te eines pa­läs­ti­nen­si­schen Selbst­mord­at­ten­tä­ters ge­schil­dert, der sich ge­zwun­gen sieht „end­lich in den Kampf zu zie­hen“. Vor­her trägt er „vol­ler Stolz den Tur­ban wie Ala­din“; dann macht er sich auf den Weg, um für „Pa­les­ti­ne“ mög­lichst viele Jü­din­nen und Juden zu er­mor­den: „Ma­ga­zin voll, Kopf rot, Pali an­ge­legt“, hul­digt „Derbst One“ dem Selbst­mord­at­ten­tä­ter. „Heute ist ein be­son­de­rer Tag, er wird aus die­ser Welt schei­den, doch er wird für immer ein Held blei­ben“, lau­tet das Fazit des Rappers, der sich auch an den Antisemiten der Hamas erfreut. Diese seien „einfach gute Kämpfer, die behilflich sein können uns näher ans Ziel zu bringen”.

In einem weiteren Lied, das kei­nen Titel be­sitzt, reimt „Derbst One“ in einer Art, die eben­falls an Makss Da­ma­ge er­in­nert: „Derbst One und Mojo, die bei­den ma­chen dich ka­putt. Kuck wie ich dir dum­men Bas­tard in die Fres­se spuck“. Ein an­de­rer Rap­per wird in die­sem mar­tia­li­schen Song als „Stri­cher“ und „lä­cher­li­cher klei­ner Homo“ be­zeich­net. Neben der an­ti­se­mi­ti­schen Glo­ri­fi­zie­rung des Selbst­mord­at­ten­tä­ters fin­den sich also auch ho­mo­pho­be Zei­len.

Dazu passt der unverhohlene Hass auf „Antideutsche”, für die „Makss Damage” ebenfalls berüchtigt war. Diese Menschen werden als „bourgeoise Hundesöhne”bezeichnet, die man „mit gutem Gewissen ins Grab schicken” könne. O-Ton „Derbst One”:

Wir machen keine Kompromisse mehr mit halblinkem Verrätertum, von den Antideutschen haben wir ja eh genug.

Mit derartigen Inhalten qualifizierte sich der Deutsch-Rapper für verschiedene Auftritte auf den Festivals der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend. „Derbst One” durfte im vergangenen Jahr auf einem „Pfingstcamp” und auf dem „UZ-Pressefest” auftreten. Nun kündigt die deutsche Arbeiterjugend seinen Auftritt auf dem „Festival der Jugend” in Köln an.

Seine homophoben und sexistischen Zeilen werden verständlicherweise verschwiegen: „Derbst One schafft es, Battle Rap mit sozialistischem Inhalt zu produzieren. Das ist nicht nur technisch gut, sondern fällt auch durch fehlende Menschen verachtung auf”, heißt es holprig auf der Internetseite des Jugendverbandes. Dort wird die Glorifizierung eines Selbstmordattentäters, der sich in die Luft sprengt, um möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden, als „Geschichte eines palästinensischen Mannes, der zum Märtyrer wird” gelobt.

Doch nicht nur „Derbst One” gibt sich reichlich Mühe, um sich als Nachfolger des Makss Damage zu qualifizieren. Da wäre beispielsweise das Rap-Projekt „EightFiveZero”, das ebenfalls auf den Spuren des Makss Damage wandelt. Die Lieder dieses Youtube-Projektes erfreuen sich bei linken Israel-Hasser_innen großer Beliebtheit. Schließlich heißt es dort:

BAK Shalom? Fuck Shalom, jeder einzelne für mich ein Hurensohn.

Mit homophoben Zeilen erfreut der Rapper seine Zielgruppe: „Antideutsche stehen Schlange und wollen es von hinten”, heißt es hier. „Erst in den Wandschrank, dann einen Kopfschuss”, fordert „EightFiveZero” in einem eindeutigen Jargon und appelliert an „Sozialisten, Stalinisten und Kommunisten”doch mal die Fäuste zu heben.

Mit derartigen Zeilen dürfte sich auch dieses deutsche Rap-Projekt, so wie es Makss Damage und „Derbst One” vorgemacht haben, für Auftritte auf den Veranstaltungen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend qualifzieren.

In den Fußstapfen des Makss Damage

Spätestens nachdem der anti-imperialistische Judenhasser Makss Damage zum nationalsozialistischen Judenhasser avancierte, hatten die anti-imperialistischen Verbände, die dem Rapper zuvor ein Podium geboten hatten, ein Problem: Wer sollte nun die Bühnen der Pfingst- und Sommercamps der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) beschallen? Wer sollte nun für Stimmung sorgen?

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend fand einen weiteren Rapper, der sich durch anti-israelische Texte und die Glorifizierung von Selbstmordattentaten auszeichnet. Die Rede ist nicht von Holger Burner, sondern von „Derbst One“, der sich reichlich Mühe gibt in die Fußstapfen des Makss Damage zu treten. Derbst One macht Rap, den er als „derbe palästinasolidarische Kampfesmusik“ beschreibt. Er beruft sich auf Marx, Engels, Lenin, Stalin und verschiedene Rapper, wie zum Beispiel den sexistischen Vorzeigeproll Kool Savas.

„Diese Schweine sind noch immer in seinem Land stationiert“, rappt er in seinem Lied „Zaid“. In dem Song wird die Geschichte eines palästinensischen Selbstmordattentäters geschildert, der sich gezwungen sieht„endlich in den Kampf zu ziehen“. Vorher trägt er „voller Stolz den Turban wie Aladin“; dann macht er sich auf den Weg, um für „Palestine“ möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden: „Magazin voll, Kopf rot, Pali angelegt“, huldigt „Derbst One“ dem Selbstmordattentäter.

Heute ist ein besonderer Tag, er wird aus dieser Welt scheiden, doch er wird für immer ein Held bleiben.

In einem anderen Lied, das keinen Titel besitzt, reimt „Derbst One“ in einer Art, die ebenfalls an Makss Damage erinnert:

Derbst One und Mojo, die beiden machen dich kaputt. Kuck wie ich dir dummen Bastard in die Fresse spuck.

Ein anderer Rapper wird in diesem martialischen Song als „Stricher“ und „lächerlicher kleiner Homo“ bezeichnet. Neben der antisemitischen Glorifizierung des Selbstmordattentäters finden sich also auch homophobe Zeilen, die ebenfalls an Makss Damage erinnern.

Vielleicht haben diese Zeilen die Aktivist_innen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) derart beeindruckt, dass sie den jungen Rapper auf ihr Pfingstcamp eingeladen haben. In Kielund Ahaus darf „Derbst One“ auf dem Pfingstcamp seinen anti-israelischen Text zum Besten geben. Der Jugendverband hat also einen passenden Nachfolger für „Makss Damage“ gefunden, der mit seinen antisemitischen Hassphantasien beispielsweise auf einem Sommercamp der SDAJ auftreten durfte.

Weltfestspiele & Vermählungstänze

Im letzten Jahr fanden die „Weltfestspiele der Jugend und Studenten“ in Südafrika statt : Die Traditionsveranstaltung, die vom „Weltbund der demokratischen Jugend“ begründet wurde, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich waren die „Weltfestspiele“ eine Werbeveranstaltung für die „sozialistischen“ Staaten. Hier versammelten sich die Mitglieder der Staatsjugenden, zumeist in irgendeiner Hauptstadt des „Ostblocks“, um dem jeweiligen System und dem gemeinsamen „antiimperialistischen Kampf“ zu huldigen.

Nach 1989 wurden die„Weltfestspiele“ nach Cuba (1997) und Venezuela (2005) verlegt. Im Jahr 2010 fanden die Spiele in Südafrika statt. Hier versammelten sich die Delegierten verschiedenster Organisationen, um dem weltweiten Feind, dem „Imperialismus“, den Kampf anzusagen. Aus Deutschland reiste eine Delegation derSozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) nach Südafrika. Sie hinterließen ein Internet-Tagebuch, in dem sie ihre Eindrücke verarbeiten.

Dort freute man sich über das Feuer, das „als Zeichen des Beginns der 17. Weltfestspiele der Jugend und Studenten“ entzündet wurde. Man bemerkte, dass „wir uns mit Sicherheit nicht so natürlich und rhytmisch bewegen können“ wie die Südafrikaner_innen und erfreute sich an „Dancehall und traditioneller palästinensische Musik“. Auch sonst gab es es viel zu sehen. Die vietnamesische Delegation führte, zur Freude der SDAJler_innen einen “ traditionellen Vermählungstanz“ vor:

Das auserkorene Paar muss über Holzstäbe springen, die im Takt der Musik von anderen bewegt werden. Schaffen sie es, ohne ins Straucheln zu kommen, sind sie füreinander geschaffen.

Außerdem informiert die Delegation über „die Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes“. Ein „unschlagbares Highlight“, urteilen die Deutschen, die auch eine Nationalmannschaft bilden. Doch diese sei „leider am Abend bereits nach der Gruppenphase ausgeschieden“, weil sie „bei Spielgegnern wie den heroischen palästinensischen Freiheitskämpfern oder der klassenbewussten griechischen Arbeiterschaft“ natürlich keine Chance hatten. Dafür seien die Deutschen – wie im echten Leben – zu „‚Weltmeister der Herzen‘“ avanciert.

Es gab auch schlimme Erlebnisse. Etwa der Besuch des zweitgrößten Einkaufszentrums Südafrikas, das so gar nicht dem Bild vom „antiimperialistischen“ Kampf entsprach. Ein „wahrer Konsumtempel“ sei das gewesen, urteilen die Tagebuchschreiber_innen erschrocken. Doch „das antiimperialistische Tribunal“ versprach Ablenkung: „Bei diesem Tribunal werden die imperialistischen Aggressoren, die überall auf der Welt ihre Verbrechen begehen, angeklagt“ und natürlich – wie das bei Schauprozessen so üblich ist – verurteilt. Das waren die „Weltfestspiele“. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist das nächste Event schon in Planung: Auch in Nordkorea soll es „traditionelle Vermählungstänze“ geben, über die die „Weltmeister der Herzen“ sicherlich mit ebenso großer Begeisterung berichten werden.

Verschwörungsrapper auf dem Pressefest

Im zweijährlichen Rhythmus organisiert die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ein Festival, das nach der Parteizeitung Unsere Zeit (UZ) benannt ist. Zur siebzehnten Auflage dieses Pflichttermins für deutsche Sozialisten werden wieder tausende Menschen erwartet. Hier kommen die „Genossen“ – aus dem orthodoxen dogmatischen  Spektrum – in einer rot-getünchten Parallelwelt zusammen, um Würstchen zu futtern und Arbeiterlieder zu grölen.

Der Jugendverband der Partei, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), organisiert auf dem Pressefest eine Art Jugendbereich, der auf den merkwürdigen Namen „Schweinegeile Bucht“ hört. Wie auf dem Rest des Pressefestes, das vom 24. bis zum 26. Juni 2011 im Revierpark Wischlingen (Dortmund) stattfinden soll, wird auch dort gesoffen und gesungen. Gesungen und gesoffen wird auch anderer Stelle: Der Liedermacher Hannes Wader, Klaus – der Geiger und die Bots waren schon da, um auf der großen Hauptbühne Arbeiterlieder und anderes Liedgut zu intonieren.

Dieses Jahr wird aber auch die Band „Die Bandbreite“ erwartet, die zuletzt auf dem „Kongress der Unabhängigen Medien“ aufgetreten ist: Nach diesem Auftritt auf dem Treffen der reaktionären „Infokrieger“ und „Truther“, die sich die Verklärung der Realität zur Aufgabe gemacht haben, wird die Band für die Deutsche Kommunistische Partei ans Mic treten.

Auf dem UZ-Pressefest wird eine Musik-Combo auftreten, die zum Beispiel einen WM-Song produziert hat, in dessen Video sich die Mitglieder der Band mit schwarz-rot-goldenen Fahnen für den deutschen Jubel-Nationalismus positionieren. Ein anderes Lied bezeichnet vermeintliche oder tatsächliche „Antideutsche“ als Faschisten. Aktuell rappt der Frontmann der „Bandbreite“ in einem Lied des sexistischen Rappers „PunchBob“ über vermeintliche Zusammenhänge, die er zwischen „Gesichtern und Sperma“ konstruiert.

Ansonsten ist der „Bandbreite“-Sänger Marcel Wojnarowicz unter anderem für die „Willi Weise Bewegung“ des antisemitischen Zinskritikers Otto Friedrich Schönbeck – auf dessen Wahlliste auch rechte „Reichsbürger“ kandidierten – angetreten. Aufgetreten ist die Band unterdessen auch auf Veranstaltungen und Aufmärschen des „Linksnationalisten“Jürgen Elsässer.

Das hat verschiedene „linke“ Organisationen, wie die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) nicht davon abgehalten, der Band immer wieder zu huldigen: „Diese Jungs sind einfach zu gut“, urteilte beispielsweise Jane Zahn in einer Ausgabe der Partei-Zeitschrift „Unsere Zeit“.

Es gibt allerdings auch ideologische Überschneidungen: Wie die Mitglieder der Band bezeichnen Theoretiker der Partei „Antideutsche“ als Teil der „Neuen Rechten“. Mit Songs, in denen „Antideutsche“ und „Antinationale“ als Faschisten diffamiert werden, dürfte die Parteibasis also durchaus zu erreichen sein.

Dass die Band sowohl für den „Linksnationalisten“ Jürgen Elsässer, für die organisierten reaktionären Verschwörungsideologen von „Infokrieger-News“, auf Ballermann-Events und für verschiedene „linke“Organisationen zur Verfügung steht, sollte nicht überraschen. Sie sind durch gemeinsame Feindbilder geeint. Im Antiamerikanismus sind die Band, die gegen „Mr. Bush“ ansang, und die Partei, die sogar einen „Bushismus“ ausgemacht habe wollte, einig. Der Auftritt der Verschwörungsrapper ist aus dieser Sicht nur konsequent. Er zeigt allerdings den ideologischen Zustand der deutschen Sozialisten, die sich in der DKP organisiert haben, deutlich auf.

Distanzierung

Fast sechs Monate ließ die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“(SDAJ) verziehen, bis sie sich vom antisemitischen und sexistischen Rapper „Makss Damage“ distanzierten. Der Rapper trat ein Jahr zuvor auf einem Festival des Jugendverband auf. Seine Texte wurden von Antifaschist_innen kritisiert und von Stalin-Freaks gefeiert.

Mit seinem neuen Album „Makssismus 2010″, das er über das Internet vertreibt, betreibt „Makss Damage“ unverhohlene Vernichtungsphantasien, die in der Aufforderung gipfeln, „diese antideutschen Hurensöhne“ zu töten. In vielen Blogs wurde über dieses Album berichtet. Die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“, denen „Makss“ zumindest organisatorisch nahestand, brauchte Monate, um sich von dem Rapper zu distanzieren. Eine selbstständige Entscheidung überforderte die Gruppierung. Schließlich könnte die Kritik auch von „den Antideutschen“ stammen. Auf derartige Kritik reagieren K-Gruppen naturgemäß mit einer ordentlichen Portion Ignoranz.

Also fragte die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“ (SDAJ) aus Gütersloh, während eines „Pfingscamps“ ihres Verbandes, bei der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN-Bda) an. Im Gespräch mit Ulrich Sander, dem Bundessprecher der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“, machten sich die Nachwuchs-Sozialist_innen zum Opfer einer Kampagne und sprachen von „Angriffen der ‚Antideutschen‘ auf die SDAJ Gütersloh“. Ulrich Sander konnte den Rapperselbst nicht genauer einschätzen und musste daher bei einem Freund, einem angeblichen Experten, nachfragen. Als dieser antwortete, dass die Kritik am Rapper nicht nur von „Antideutschen“ formuliert und der Musiker selbst „den größtmöglichen Schaden“ anrichten würde, blieb dem Bundessprecher keine andere Wahl: „Trennt Euch sofort von diesem sogenannten Rapper ‚Makss Demage‘“ mahnte er den Nachwuchs, die dieser Aufforderung nun auch nachkamen.

In ihrer Erklärung schreibt die SDAJ aus Gütersloh, dass die Texte „aus den beiden vorhergehenden Alben teilweise grenzwertig“ gewesen seien, was aber kein Problem darstellen würde. Erst mit dem neuen Album sei „ein Zusammenarbeiten“ nicht mehr möglich. Die Kritik an „Makss Damage“ würde „genutzt“ werden, „um antiimperialistische Positionen zu diffamieren“.

So die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“ in ihrer halbherzigen Distanzierung, die zur Diffamierung der Kritiker_innen des „Makss Damage“ benutzt wird. Diese würden angeblich „klassenanalytische Positionen mit reinem Sexismus, Rassismus und Antisemitismus“ gleichsetzen. Die halbherzige Distanzierung des Jugendverband wird also für weitere Diffamierungen gegen die Kritiker_innen des „Makss Damage“ genutzt. Ein wirklich kritischer Umgang mit dem Rapper würde anders aussehen.

Gratulanten

Einer der ers­ten Gra­tu­lan­ten des wie­der­ge­wähl­ten Prä­si­den­ten der is­la­mi­schen Re­pu­blik Iran, Mahmund Ah­ma­dined­schad, war der Staats­chef Ve­ne­zue­las, Hugo Cha­vez. Mit der Über­schrift „Grüße von His­bol­lah, Hamas und Chávez“ war sich die Ta­ges­zei­tung „junge Welt“ nicht zu scha­de, ihren Le­se­rin­nen und Le­sern die Grüße des Hugo Cha­vez an den Ho­lo­caust-​Leug­ner und An­ti­se­mi­ten Ah­ma­dined­schad zu über­mit­teln:

Als ver­mut­lich ers­tes Staats­ober­haupt über­haupt hatte Ve­ne­zue­las Prä­si­dent Hugo Chávez sei­nem ira­ni­schen Amts­kol­le­gen be­reits we­ni­ge Mi­nu­ten nach Be­kannt­ga­be der ers­ten of­fi­zi­el­len Hoch­rech­nun­gen gra­tu­liert. Der Sieg sei »groß und wich­tig«.

Be­reits vor der Wahl­far­ce, die zu an­hal­ten­den Pro­tes­ten führ­te, hatte Cha­vez ganz un­di­plo­ma­tisch für den An­ti­se­mi­ten und Ho­lo­caust­leug­ner Ah­ma­dined­schad Par­tei er­grif­fen.

Viele linke Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich auf Cha­vez und seine „Re­vo­lu­ti­on“ be­ru­fen, sehen das ähn­lich. Neben der „jun­gen Welt“ mel­de­te sich auch die „An­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche Ko­or­di­na­ti­on“ (AIK) aus Wien zu Wort. Die Or­ga­ni­sa­ti­on ver­mel­de­te, dass der „über­wäl­ti­gen­de Wahl­sieg für Ah­ma­di­ne­jad aus an­ti­im­pe­ria­lis­ti­scher Sicht po­si­tiv“ zu wer­ten sei. Die Wah­len seien ein Zei­chen für die „Stär­ke und Sta­bi­li­tät des po­li­ti­schen Sys­tems der Is­la­mi­schen Re­pu­blik“. Daher wahr­schein­lich die „Freu­de über den Er­folg Ah­ma­di­ne­jads“.

Doch zu­rück zu Cha­vez. Die­ser er­freut sich nicht nur in der „jun­gen Welt“ oder bei der„An­ti­im­pe­ria­lis­ti­schen Ko­or­di­na­ti­on“ an­hal­ten­der Be­liebt­heit. Die be­rühm­te SKA-​Band „Ska-P“ wid­me­te „Com­man­dan­te“ Cha­vez in dem Lied „El lib­ra­dor“ ei­ni­ge Zei­len und be­geis­tert sich für den lin­ken Po­pu­lis­ten. Zu sehen ist Cha­vez auch im Video zum Song.

Die bun­des­deut­sche Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on SDAJ ruft zur „So­li­da­ri­tät mit Venu­zue­la“ und Hugo Cha­vez auf, weil des­sen Ver­tei­di­gung auch be­deu­ten würde, „die Aus­ein­an­der­set­zung um bes­se­re Le­bens-​, Lern- und Ar­beits­be­din­gun­gen für Ju­gend­li­che in Deutsch­land zu füh­ren“. Dazu ge­hört an­schei­nend auch gegen einen an­geb­li­chen An­griffs­krieg gegen den Iran zu po­le­mi­sie­ren (siehe Foto der Ver­bands­zeit­schrift„Po­si­ti­on“ aus dem Jahr 2006).

Position - Hände weg vom Iran!

Die Be­geis­te­rung für  „Com­man­dan­te“ Cha­vez und seine Ver­bün­de­ten darf nicht ver­wun­dern. Der ehe­ma­li­ge Of­fi­zier ver­tritt einen kru­den An­ti­im­pe­ria­lis­mus, der sich gegen die USA und des­sen an­geb­li­che He­ge­mo­nie rich­tet. Daher also der Iran als einer der be­vor­zug­ten Part­ner.

Vor allem ist Ah­ma­dined­schad An­ti­se­mit. Doch auch von Hugo Cha­vez sind Reden be­kannt, in denen an­ti­se­mi­ti­sche Ste­reo­ty­pe pro­pa­giert wer­den. Wäh­rend der eine Is­ra­el von der Karte strei­chenm öch­te, be­haup­tet der an­de­re, dass der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent der pa­läs­ti­nen­si­chen Au­to­no­mie­be­hör­den, Jasir Ara­fat, durch den is­rae­li­schen Ge­heim­dienst ver­gif­tet wor­den wäre. Beide hal­li­zu­nie­ren einen Mas­sen­mord her­bei: An­geb­lich würde die is­rae­li­sche Armee sys­te­ma­tisch Zi­vi­lis­t_in­nen er­mor­den.

Beide Po­li­ti­ker glau­ben an die ein­schlä­gi­gen Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Deut­lich wird das auch in einem YouTu­be Video, in dem Cha­vez ver­schie­dens­te an­ti­se­mi­ti­sche Vor­ur­tei­le pro­pa­giert. „Die­je­ni­gen, die Chris­tus um­ge­bracht haben“ wür­den „noch immer die Welt re­gie­ren“ be­haup­tet der eine. Der an­de­re be­haup­tet, dass die „Zio­nis­ten“ die „po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Grund­pfei­ler ein­schliess­lich deren Recht­spre­chung, Mas­sen­me­di­en, Ge­sell­schaf­ten, fi­nan­zi­el­le Sys­te­me und deren Si­cher­heits-​ und Ge­heim­dienst­agen­tu­ren“so weit be­herr­schen würde, „dass nichts gegen ihren Wil­len getan wer­den kann“.

Kein Wun­der also, dass mit „der engen Al­li­anz zwi­schen Ah­ma­di­ne­jad und Chávez (…) diese an­geb­li­che Ver­schwö­rung der Im­perialisten, Ka­pi­ta­lis­ten und Zio­nis­ten in den staat­li­chen Me­di­en immer häu­fi­ger the­ma­ti­siert“ wurde, wäh­rend ei­ni­ge Mit­glie­der staat­li­cher In­sti­tu­tio­nen gegen die jü­di­sche Ge­mein­de in Ve­ne­zue­la vor­gin­gen.

Dass sich die hie­si­gen An­ti­im­pe­ria­lis­ten aber trotz­dem auf Cha­vez be­ru­fen und des­sen po­li­ti­sche Grund­hal­tung aus­blen­den, zeigt auf, wie sehr die deut­schen An­ti­im­pe­ria­lis­ten am ideo­lo­gi­schen Ende sind. Mensch ist sich nicht zu scha­de sich mit allem und jedem zu ver­bün­den, so­lan­ge gegen den ge­mein­sa­men Feind, der als „Wes­ten“ ge­brand­markt wird, vor­ge­gan­gen wird. Das dürf­te zu­min­dest der „jun­gen Welt“und der „An­ti­im­pe­ria­lis­ti­schen Ko­or­di­na­ti­on“ ge­fal­len.