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Totenkult im TV

Das große Interesse an esoterischen Themen bedienen verschiedene Menschen. Sie behaupten, dass sie in Kontakt zu „geistigen Welten“ stehen, für die es in der Realität nicht die geringste Spur eines wissenschaftlichen Beweises gibt. Für einiges Aufsehen sorgte die RTL-Sendung „Das Medium“, in der das selbsternannte „Medium“ Kim-Anne Jannes unter anderem einen angeblichen Kontakt mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel suchte.

Barschel, der 1987 in einer Badewanne den Freitod gewählt hatte, wurde sogar ermordet, behauptete das selbsternannte „Medium“. Dort wurde mit plumper Schauspielkunst eine esoterische Wahnidee reproduziert und mit dieser Masche auf Zuschauer_innenfang gegangen. Die Sendung sollte gar „die Antwort auf die alles entscheidende Frage“ geben:

Die Befürchtung der 66-jährigen Witwe wird nun endlich bestätigt: Nein, es war kein Selbstmord!

Kim-Anne Jannes, die es mit ihrer angeblichen Fähigkeit, mit dem „Reich der Toten“ zu kommunizieren, nicht nur auf RTL bis ins Abendprogramm geschafft hat, ist heute eine der bekannteren esoterischen Gestalten im deutschsprachigen Raum. Nicht ganz so bekannt ist der gelernte Schauspieler Pascal Voggenhuber, der sich ebenfalls als „Medium“ bezeichnet.

Voggenhuber behauptet, dass er ein „Hellsichtiger“ sei, den „außergewöhnliche Begabungen“ befähigen würden, in „direktem Kontakt“ mit einer angeblichen „geistigen Welt“ zu treten. Wie Kim Anne-Jannes steht er den verzweifelten Menschen zur Verfügung, die nach jedem Strohhalm greifen, der ihnen präsentiert wird. Schließlich kann gerade nach einem menschlichen Verlust die Versuchung entstehen, mit Hilfe eines geistigen Supermans, mit dem Verstorbenen in einen angeblichen Kontakt zu treten.

Der Ort, in dem Menschen auf die „Medien“ aufmerksam werden, ist neben dem Internet eben auch das Fernsehen. Pascal Voggenhuber war unter anderem bei Johannes B. Kerner („Der mit den Toten spricht“), in der Sendung „Reporter“ („Der mit den Toten spricht – Aus dem Leben des Mediums Pascal Voggenhuber“) und in einem „Talk Täglich Special“ des Senders „TeleZüri“ zu sehen. Neben solchen TV-Auftritten, die gute Werbemaßnahmen darstellen, publiziert Voggenhuber bei „Ansata“, einem esoterischen Seitenprojekt des Verlags „Random House“. Dieser Verlag gehört wiederum zum „Bertelsmann Konzern“, dem ebenfalls Teile der RTL-Gruppe gehören.

Auf RTL war – wie erwähnt – das andere „Medium“, Kim Anne-Jannes, zu sehen, die wie ihr Kollege Pascal Voggenhuber eine plumpe Scharlatanerie betreibt. Voggenhuber steht allerdings auch dem rechten „Kopp-Verlag“ zur Verfügung. Dort wurde er von den Anti-Feministin Eva Herman interviewt. Auch dort geht es um den Tod Barschels, der – laut Voggenhuber – aus einem angeblichen „Jenseits“ den Kontakt mit der Witwe suche: „Mit Lichtzeichen habe er stets versucht, auf sich aufmerksam zu machen“, heißt es in der Verlags-Ankündigung.

Esoterische Ideen finden sich eben nicht nur im Programm der Bertelsmann-Gruppe, sondern in vielen Verlagsprogrammen, bei kleineren Verlagen, die einen wachsenden Markt bedienen. Auch dort können sich Menschen die Bücher und DVDs besorgen, die von selbsternannten „Hellsichtigen“ publiziert werden. In einem Land, in dem „demokratische Sozialisten“ zu gemeingefährlichen Kommunist_innen gemacht werden, gehören esoterische Wahn-Ideen zum guten Ton: Hier spricht man mit den Toten.